Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen

Traube


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Azienda Petra, Potenti Rosso 2008

Notizen

Farbe beinahe schwarz, dunkelstes Violett, sehr sehr dicht. Klassische Cabernet-Nase, mittlere Intensität. Am Gaumen unglaublich komprimiert, intensiv. Weiter: Süsslicher Schmelz – beinahe schon zu viel, mit der Zeit gar etwas monoton. Reife Tannine. Trink-animierend. Macht die gepaarte Fleischspeise beinahe platt. Wein zum Zelebrieren. Eine Bombe mit langem Abgang. Im Nachhall etwas Würze. Etwas mehr Säure würde ihm charakterlich grundsätzlich gut stehen. Kaum adstringierend. Mächtig, aber nicht restlos überzeugend, jedoch schöner, sortenreiner Cabernet. Eindrücklicher Wein. Man trinkt – wie von Petra gewohnt – Qualität. Auch die Flasche ist Programm: Schwarz, schön, mächtig. Ein fleischiger, schwerer Wein. Der Merlot (Quercegobbe) aus dem selben Haus schmeckt mir etwas besser. Geschmackssache. Ich gebe 17 Punkte.

Petra Potenti Rosso

Unter der Rubrik kurz angenippt findest du Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

Rotwein


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Staatskellerei Zürich – Gamaret 2010

Helvetien sorgt für Aufruhr. Seit der Abstimmung vom 9. Februar ist nichts mehr wie es war. Lawinenartig wälzt sich eines der merkwürdigsten Ergebniße der direkten Demokratie durch alle erdenklichen europäischen Medien. Egal ob Print-, TV- oder Online-Magazine, alle berichten sie darüber: Die Maßeneinwanderungs-Initiative. Abwartend, wie die EU nun reagieren wird, herrscht innenpolitisch längst Chaos. Dahin ist die Heidiland-Idylle, mit einem Schlag weggefegt das Image des verschlafenen, aber stets neutralen Käse- und Kuhstaates. Flaschentester wird nachdenklich. Hat er doch anders abgestimmt. Daß die Schweiz auch beßer kann, zeigt er heute wenigstens in vinophiler Hinsicht. Sozusagen als digitaler Immigrant im grenzenlosen Netz. Als Gastautor auch auf einem Blog jenseits der Alpen. Für einmal etwas politisch, aber doch dem Genuß verpflichtet.

Staatskellerei Zürich 1

Die Kellereien in Rheinau (Quelle).

Die Schweiz ist bunt. Vier Landessprachen, und unzählige landestypische Eigenheiten widerspiegeln eine Gesellschaft, welche sich seit mehr als einer Dekade durch Toleranz und Konsens auszeichnet. Auch die Weinlandschaft zeugt von dieser Vielfalt. Meistens sind es nämlich Kleinstparzellen, welche im gesamten Land von über 30’000 Winzern bewirtschaftet werden. Jede Region hat ihre ureigene Weinbautradition und unzählige Kulturen verschiedenster Rebsorten. Im Tessin sind es vor allem Merlot und Chardonnay, in der Deutschschweiz Pinot Noir und Müller-Thurgau, im Westen zudem Chaßelas, welche angebaut werden. Neben diesen zentralen Sorten, gibt es hierzulande unzählige autochthone, also ursprüngliche Reben und auch einige Neuzüchtungen, welche zum Teil in Kleinstmengen verarbeitet werden. Gamaret ist eine davon. Vor etwas mehr als dreißig Jahren wurde die junge Sorte von der Eidgenößischen Forschungsanstalt für Pflanzenbau in Pully durch die Kreuzung von Gamay und Reichensteiner ins Leben gerufen. Gamaret wird vor allem im Kanton Waadt angebaut, ist zum Teil aber auch in der Zentralschweiz zu finden. Inzwischen werden sogar  in Deutschland Kleinstmengen kultiviert. So zum Beispiel in Württemberg.

Staatskellerei Zürich Kellermeister Werner Georges Kuster

Kellermeister Werner Georges Kuster (Quelle).

Wir schreiben den 9. März. Einen Monat nach dem niederschmetternden Wahlresultat werden die ersten Folgen sichtbar. Flaschentester spricht mit einem Bekannten, welcher an der Universität Zürich arbeitet. Es wird konkret: Erasmus ist – zumindest für die Schweiz – Geschichte und auch die Beteiligung am Forschungsprojekt Horizon 2020 steht auf dem Spiel. Und das ist erst der Anfang. – Warum reden wir hier also noch über Gamaret? Nun, so einer steht eben jetzt vor mir auf dem Tisch. Quasi als Trostwein in einer trostlosen Zeit. Denn den schicksalsschweren Sonntag muß man einfach mit einem entsprechenden Tropfen vom Tisch fegen. Auch einen Monat danach. Wenigstens für einen Abend lang.

Ich koche. Nicht nur innerlich. Es gibt Schweinefilet, Brat-Kartoffeln und Bohnen. Zwischendurch werfe ich nochmals einen Blick auf die Flasche: Jahrgang 2010, 13,5 Volumenprozent. – Ja, 2010 war die Welt noch in Ordnung. Wer hätte gedacht, daß vier Jahre später über fünfzig Prozent aller Schweizer der Initiative einer verkorksten Partei zustimmen? Klar, überfüllte Züge, verstopfte Straßen, steigende Mieten und Grundstückspreise, Zersiedelung, Lohndruck, Kriminalität, und Asylmißbrauch sind reale Probleme. Aber die sind doch nicht so zu lösen! Herrgottnochmal ! ! !

Staatskellerei Zürich Klosterkeller

Klosterkeller: 400 Jahre Tradition (Quelle).

Leicht genervt entferne ich die silberne Kapsel und entkorke. So heftig wie das Wahlresultat ist auch die Keule von Flasche. Burgund läßt grüßen. Drauf steht „Staatskellerei Zürich – Gamaret, Prestige Barrique„. Die Anfänge des Zürcher Produzenten liegen im späten 19. Jahrhundert. Ursprünglich sollte der Betrieb vor allem die ansäßigen Krankenhäuser und Anstalten mit Wein versorgen. Schließlich wurde auch da mal ein Glas getrunken. – Heute beliefern die Zürcher Kellereien freilich andere Märkte. Seit 1997 gehören sie zur Mövenpick Wein AG und sind gegenwärtig einer der größten regionalen Weinproduzenten. Der Betrieb kauft und verarbeitet Trauben von rund neunzig verschiedenen Quellen im ganzen Kanton. Das Sortiment umfaßt Rot-, Weiß- und Schaumweine. Auch Likör und alkoholfreie Traubensäfte werden im idyllischen Örtchen Rheinau produziert. Entgegen der gebräuchlichen Methode Gamaret mit Garanoir, Gamay oder Pinot Noir zu einer Assemblage zu vereinen, befindet sich in dieser Flasche eine sortenreine Abfüllung. Das hat seinen Preis. Zugegeben, der Wein ist nicht billig. Schließlich verlangt gerade Gamaret nach einer guten und damit auch intensiver zu bewirtschaftenden Reblage und vor allem nach einer strengen Selektion des Traubenmaterials. Das macht den Wein teurer. Mißachtet der Winzer diese zwei Umstände ergeben sich häufig krautige, ja sogar kratzende Weine. Und die kauft keiner.

Wir sitzen inzwischen am Tisch. Das Schweinefilet lächelt uns entgegen. Es wird angestoßen: Auf den Dialog! – Daß dieser bitter nötig ist, scheinen einige noch feststellen zu müßen. Ich für meinen Teil werde ruhiger und ruhiger. Der Gamaret entfaltet seine Wirkung. Dunkel und purpurrot liegt er im Glas. Das Bouquet voller schwarzer Beeren und Schokolade. Holz rundet das olfaktorische Spektrum ab. Im Mund schmecke ich Kirschen und Pflaumen. Seine Fruchtigkeit erinnert entfernt an einen jungen Blauburgunder. Der Wein ist füllig, der Abgang stimmt versöhnlich, der Nachhall verstummt angenehm langsam. Ein schönes Stück Schweiz habe ich da im Glas. So müßte sie sein. Individuell, versöhnlich, einladend und von einer inneren Stabilität getragen. Daran erinnert man sich gerne. Der Gamaret macht’s vor. Wenn Politik nur so einfach wäre. Ich gebe 18 Punkte.

Gamaret-Prestige-Barrique_Staatskellerei-ZuerichPunkte: 18/20
Paßt zu: Fleisch, deftigen Speisen, reichhaltigen Speisen
Preis: Fr. 28.- / € 19.50

 

Den Gamaret Prestige Barrique der Staatskellerei Zürich gibt’s bei Mövenpick/Schweiz bzw. Mövenpick/Deutschland zu kaufen.

Traube


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Gastbeitrag: Via al Castello, Barolo 2008

Für heute Abend haben sich einige Freunde zu Besuch angekündigt. Uns alle vereint die Liebe zur italienischen Küche. Denn die Kunst dieser Küche ist es, mit einigen wenigen Zutaten ein wunderbares Essen zu zaubern. Dazu braucht man natürlich den passenden Wein. Und da scheint kein anderer geeigneter zu sein, als ein Barolo aus dem südlichen Piemont, dem Paradies der italienischen Genüsse.

Es ist schwer in Italien Regionen nach ihrem Genussgrad zu unterscheiden. Denn die italienische Küche lebt von regionalen Produkten und der weitergegebenen Erfahrung des richtigen Einsatzes dieser. Wenn es im Piemont ein Produkt gibt, welches für diese Region steht, ist es der weiße Alba-Trüffel, eine der edelste aller Trüffelsorten. Ob im Risotto, auf einem Omelett oder zur Pasta, im Piemont gibt es zahlreiche typische Gerichte, in denen der besagte Trüffel zum Einsatz kommt. Aber ebenso ist der Landstrich reich an Weinen, die zu den Besten Italiens gehören. So zum Beispiel Barbera d’Asti, Barbaresco, Nebbiolo d’Alba oder eben Barolo.

Das Piemont (Quelle: http://www.faktorei.ch)

Das Piemont (Quelle: http://www.faktorei.ch)

Im Gegensatz zu anderen großen Rotweinen Italiens handelt es sich beim Barolo um keine Cuvée, das heißt, es werden nicht Weine aus verschiedenen Trauben verschnitten, sondern es entsteht ein sortenreiner Rotwein, gekeltert aus der Nebbiolo-Traube. Vergoren wird der Wein traditionell bis zu 24 Tage mit Schalenkontakt in großen Eichenfässern. Das sorgt für eine massive Konzentration der Aromen, allerdings auch für einen sehr hohen Tanningehalt. Das wiederum hat zur Folge, dass Barolo im Normalfall sehr lange haltbar ist und erst nach einer gewissen Flaschenreife getrunken werden kann. Denn mit der Lagerung werden die Tannine im Allgemeinen weicher. Heutzutage wird das Gärungsverfahren in den Eichenfässern oft verkürzt, damit der Wein schneller seine Trinkreife erlangt. Schliesslich möchte nicht jeder Konsument den Wein nach dem Kauf einlagern.

Eine Stunde, bevor meine Kochfreunde sich angekündigt haben, beginne ich bereits, die erste Flasche zu dekantieren. Zwar sind bei einem 08er bereits sechs Jahre ins Land gezogen, dennoch habe ich vor diesem Wein einen gewissen Respekt. Schliesslich  wird er sich uns allen gleich offenbaren. – Nachdem ich die letzten Einkäufe in die Küche gebracht habe, klingelt es an der Türe. Jetzt kann es losgehen. Da wir uns nicht zum ersten Mal treffen, sind die Aufgaben schnell verteilt. Zwiebeln und Gemüse schneiden, Fleisch würzen und anbraten. Das Einschenken bleibt mir überlassen. Und so beginnen wir, uns bereits beim Kochen mit einem Glas Wein auf den Abend einzustimmen. Und bei alledem fällt uns auf, wie gut der Barolo von Via al Castello schmeckt. Das Bouquet ist würzig-holzig, leicht fruchtig-kirschig. Der Wein ist reich an Aromen. Pfeffrig, würzig und pflaumig schmeckt er am Gaumen. Einer der Gäste erahnt gar dunkle Schokolade. Gleichzeitig ist der Barolo überaus voluminös und reich an Tanninen. Genau das Richtige in der Winterzeit und ein Traum zu Pasta an einer kräftigen Sauce. Ein weiterer Gast bemerkt, dass wir dem Wein vielleicht noch ein, zwei Jahre im Keller hätten geben können. Meiner Meinung nach ist er jetzt bereits schon sehr gut trinkbar und zu unserem Gericht absolut passend.

Am Ende des Abends sind wir uns alle einig: Es war ein gelungenes Treffen mit vorzüglichem Wein, hervorragender, selbstgemachter Pasta und guten Gesprächen mit alten Freunden. Das sollten wir auf jeden Fall wiederholen. Wir einigen uns darauf, dies nächsten Winter in die Tat umzusetzen. Alleine schon um zu testen, wie sich der Barolo bis dahin in den übrig gebliebenen Flaschen entwickeln wird, – ein Wein, der für uns zum Inbegriff des Barolos schlechthin geworden ist. Der Preis von € 12,99 bewegt sich ausserdem für einen Barolo absolut im bezahlbaren Rahmen. Wir sind zufrieden und vergeben 16 Punkte.

4311605484314Punkte: 16/20
Passt zu: Pasta mit herzhafter Sauce, Risotto, deftigen Fleischgerichten
Preis: € 12,99

 

Den 08er Barolo der Via al Castello gibt es im Weinhandel Schäpers/Deutschland und bei Edeka.

 

 

 

Über den Autor

Hans-Jürgen SchwarzerHans-Jürgen Schwarzer ist mit seinem Sinn und seiner Liebe zu gutem Wein und gutem Essen geradezu prädestiniert, darüber zu schreiben. Dies tut er auf dem Blog http://www.edelste-weine.de/. Wobei er sich selbst eher für einen Liebhaber guter Weine, denn als ultimativer Weinkenner, hält. Insgesamt kann man ihn als Freund der schönen Dinge im Leben bezeichnen. Neben seiner Liebe zu den leiblichen Genüssen, weicht er keiner Leckerei aus und hat ein besonderes Faible für alles, was die Musen den Künstlern eingeben. Hier besonders für die impressionistische Musik und die Malerei. Er ist ein großer Liebhaber des Komponisten Maurice Ravel und der Maler Vincent Van Gogh, Édouard Manet und auch einsamer Wölfe wie Max Beckmann.

Traube


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Kurz angenippt: Cantine Settesoli – Seligo Rosso Sicilia IGT 2012

Notizen

In der Nase Kirschen, Rosmarin und Vanille. Auch etwas Leder, ferner ein Hauch Gummi. Die Farbe ist Schwarzrot, aufhellend am Rand. Am Gaumen füllt der Wein angenehm, schöne Säureintegration, fast schon süsslich. Holz, Teer, Leder, sprittige Note bei zu kalter Temperatur merklich vorhanden und etwas störend. Ebenfalls ein vegetabiles Spektrum vorhanden: Waldboden (Pilze, Moos), nasser Erdboden. Insgesamt rund, fruchtig, versöhnlich. Mittelschwerer Körper, weiche Tannine und ein angenehmer Abgang, gefolgt von einem fruchtigen Nachhall. Das Dekantieren kann man sich schenken. Der Wein passt zu Schweinefilet und vor allem Pasta sehr gut. Allerdings sollte man die Flasche austrinken und nicht im Kühlschrank über Nacht stehen lassen. Der Süditaliener ist dafür nicht geeignet. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut. Der Seligo Rosso ist ein unkomplizierter Italiener, eine gefällige, allgemein verträgliche Cuvée aus Shyraz und Cabernet Sauvignon. Vinifiziert wird der Rote in Sizilien, und zwar vom grössten italienischen Produzenten – Cantine Settesoli. Ich gebe 14- 15 Punkte.

Settesoli Seligo Rosso

Unter der Rubrik kurz angenippt findest du Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

Interview


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Viva la Vinolución !

Unweit von meinem Domizil entfernt liegt ein Weingeschäft. Eines, dass den Ungehorsam im Namen trägt: Die Weinrebellen. Gemäss dem Slogan Frei vom Brimborium versucht man hier, Wein unkompliziert und sympathisch unters Volk zu bringen. Endlich. Ein Konzept, dass manch junger Trinkerseele aus dem Herzen spricht. Flaschentester schwingt sich deswegen wieder mal auf sein Radl. Ein Interview-Termin steht an. Mein erster wohlgemerkt. Opfer der Attacke: El Comandante – Frank Balgar himself.

Frank, wie kamst du zum Wein?

Ursprünglich absolvierte ich eine Berufslehre als Koch. Ausserdem wuchs ich in einer Gastronomenfamilie auf. Meine Eltern haben gewirtet. Damals ist der Virus vermutlich bereits eingepflanzt worden. Später, nach der Lehre habe ich in das kaufmännische Fach gewechselt. Schliesslich gab es berufliche Veränderungen und ich habe mich entschlossen, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Da war es naheliegend die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Also etwas zu verkaufen, das ich selbst sexy finde. Darum Wein und Food. Ganz einfach.

Und wie entstand die Idee zu den Weinrebellen?

Bereits kurz nach der Gründung von Gostomundo, hatten wir das Gefühl, dass wir eine Plattform brauchen, welche die Leute anders anspricht und vor allem auf eine andere Zielgruppe ausgerichtet ist und auf eine andere Art als der konventionelle Weinhandel rüberkommt. Also auf eher jüngere Personen um die 30, wenn du so willst die Facebook-Generation, abzielt.

Weinrebellen

Frei von Staub und Etikette: Die Weinrebellen.

Im Moment führen wir den Betrieb zu zweit: Meine Mutter und ich. Wir haben die Gostomundo GmbH gemeinsam gegründet.  Und auch heute sind es nach wie vor wir zwei, die den Kampf bestreiten. Wir werden aber von der Familie unterstützt. Aufgrund des positiven Wachstums benötigen wir aber schon bald mehr Personal.

Irgendwie erinnert mich das Ganze ein wenig an den deutschen Blogger Manfred Klimek alias CaptainCork, nicht? Stand er Pate für die Weinrebellen?

Ich kenne den Blog. Und ja, Captain Cork war sicherlich eine Inspiration. Klimek und ich hatten bereits telefonisch Kontakt. Ich hatte auch schon seinen Wein im Sortiment, den Kappa Rosso, für welchen unterdessen leider ein anderer Betrieb den Zuschlag erhalten hat, da er eine grössere Menge abnehmen kann. Das Konzept oder die Idee von Klimeks Blog gefällt mir sehr gut, auch er persönlich scheint mir eine coole Sau zu sein. Ich habe erst kürzlich sein Buch gekauft, auch dieses ist sehr ansprechend. Insgesamt ist dies eine sehr ähnliche Art, wie auch wir die Leute ansprechen wollen. In dem Sinne ist CaptainCork eine Inspiration – ja.

Unsere überschaubare Stadt hat an die zehn Weinhandlungen, Grossverteiler nicht eingerechnet. Wieso soll ein Konsument dein Geschäft betreten und nicht bei der Konkurrenz einkaufen?

Vorweg, wir verkaufen vor allem online, also standortunabhängig. 75 Prozent des Umsatzes generieren wir also ausser Haus. Trotzdem haben wir natürlich auch Kundschaft bei uns im Geschäft, welche aber vor allem aus der näheren Umgebung, sprich St. Gallen, stammt. Die meisten kommen hierher, weil es bei uns sehr unkompliziert zu und her geht. Wir pflegen grundsätzlich einen sehr offenen Kontakt. Beinahe alle Kunden sind mit uns per du. Ich glaube auch, dass die Kunden uns und unseren Empfehlungen vertrauen. Dieses Feedback kriege ich wenigstens regelmässig von unseren Kunden. Ausserdem kennen wir inzwischen die verschiedenen Geschmäcker der einzelnen Kunden sehr gut. Alles in allem herrscht also gutes Verhältnis zwischen den Kunden und uns. Das spricht sich schnell rum.

Etwas verwirrend finde ich die unscharfe Trennung zwischen Gostomundo und den Weinrebellen. Das Sortiment überschneidet sich weitgehendst, oder? Gostomundo als Mutterschiff und die Weinrebellen zur Acquisition junger Weintrinker?

Ja, das triffts im Moment ziemlich genau. In Zukunft steht aber eine ganz klare Trennung der beiden Geschäftszweige an. Gostomundo wird den Fachhandel und die Gastronomie bedienen, die Weinrebellen werden sich ausschliesslich um Privatkundschaft kümmern.

Schaut man sich euren Online-Shop an, fallen zwei Dinge sofort ins Auge: Keine Franzosen, keine Schweizer Weine. Woran liegts?

Ehrlich, ich bin kein grosser Fan von Franzosen, vor allem nicht von Bordeaux und Burgund. Das hängt in erster Linie mit den Preisen zusammen. Zudem ist die Beschaffung in diesem Bereich eher schwierig. Da ist es einfacher, in Italien einzukaufen. Zudem gibt es schon etliche auf Franzosen spezialisierte Händler (v.a. Martel und Mövenpick, Anm. d. Red.), gerade hier in St. Gallen, die sehr stark am Markt vertreten sind. Zudem ist es ein riesengrosses Feld, um welches man das Sortiment erweitern müsste. Eventuell ergänzen wir unser Angebot – wenn überhaupt – um südfranzösische Weine, aus dem Languedoc zum Beispiel. Damit können wir auch unsere Zielgruppe besser ansprechen. Zu den Schweizer Weinen: Die Nachfrage ist einfach zu gering. Zudem wird sehr viel Schweizer Wein direkt ab Hof verkauft, oder an Messen wie der Olma. Deshalb sind diese beiden Destinationen nicht in unserem Sortiment vertreten.

Kettern

Piraterie scheint im Trend zu sein: Mosel-Winzer Philipp Kettern.

Aber Österreich ist prominent vertreten. Eine deiner Vorlieben?

Das ist vor allem aus einem Kundenbedürfnis heraus gewachsen. Kunden haben nach österreichischen Weinen gefragt. Dann haben wir die ersten beschafft, und das Sortiment stetig erweitert. Einerseits weil es spannende, qualitativ hochstehende Weine sind, andererseits natürlich auch weil sie sich dementsprechend gut verkaufen lassen.

Ihr führt auch einige Bio-Weine. Zum Beispiel die von Claus Preisinger. Wie stehst du gegenüber dieser Produktionsmethode?

Bio ist für uns kein schlagendes Verkaufsargument. In erster Linie muss ein Wein qualitativ gut sein. Auch der Preis spielt eine Rolle. Wenn der Wein auch noch ein Bio-Label trägt ist das natürlich auch OK. Ich denke die meisten kleineren Winzer arbeiten sowieso schon biodynamisch, auch wenn ihnen kein Label anhaftet. Die müssen ihrem Rebberg so oder so Sorge tragen. Abschliessend: ich lege nicht allzu grossen Wert darauf.

Eure Preise sind fair. Der teuerste Wein kostet Fr. 99.-, die meisten Flaschen sind jedoch im bezahlbaren Bereich angesiedelt und somit alltags- und budgettauglich. Ihr habt ausserdem ein sehr spezielles Konzept in Petto. Erklär doch kurz mal das „Gemeinsame Weinkaufen“!

Als kleiner Weinhändler steht man immer wieder vor dem Problem, dass man um einen vernünftigen Preis zu bekommen, den Winzern sehr grosse Mengen abnehmen muss. Auch logistisch ist das ein Problem, weil sich zum Beispiel so Transportkosten unverhältnismässig auf den Preis niederschlagen. Diese Problematik wollen wir entschärfen, in dem wir den Kunden mit ins Boot holen, ihn quasi zum Importeur machen. Er kann zu Hof-Preisen Wein einkaufen, in dem er sich am Import beteiligt. Wir kümmern uns um die Abwicklung, und erhalten eine kleinen Zuschlag. Schliesslich müssen auch wir davon leben können. Ausserdem erhalten wir so die Möglichkeit, schneller und öfter spannende Sachen zu importieren, die wir alleine nur schwierig organisieren könnten. Das „Gemeinsame Weinkaufen“ muss sich aber erst entwickeln. Seitens der Kundschaft ist Interesse aber grundsätzlich vorhanden.

Winepunk

WinePunk Marco Giovanni Zanetti.

Mit dem WinePunk, habt ihr euch passend zur Rebellion seine Weine an Board geholt. Geht’s um reines Marketing, oder könnt ihr Marco Giovanni Zanettis Weine auch qualitativ mit gutem Gewissen vertreten?

Für uns muss erstmal die Qualität stimmen. Diese steht im Vordergrund. Natürlich suchen wir auch immer wieder coole Labels, die Qualität steht aber im Vordergrund. Zum WinePunk: Ich habe ihn persönlich kennengelernt. Er ist einfach eine coole Sau. Nachdem ich seine Weine degustiert habe, musste ich sagen „wow !„, die sind wirklich gut. Ausserdem sind seine Labels einfach anders und passen zu den Weinrebellen. Deshalb ist es insgesamt echt eine geile Sache.

Ihr Habt Rieslinge des Weinguts Kettern im Programm. Philipp Ketterns Webauftritt spielt von A bis Z mit der Piratenthematik. Der Winepunk scheint dort auch Gast zu sein. Ist das die neue junge Weingeneration: Piraten, Rebellen und Punks?

Ich denke schon, dass hier ein Generationenwechseln stattfindet. Besonders in Deutschland ist das zu spüren. Da gibt es einige die diesbezüglich sehr aktiv sind. Philipp Kettern zum Beispiel ist ein Freund von Marco Giovanni Zanetti, alias dem Winepunk. So haben wir den Kontakt hergestellt. Ich war schliesslich auch bei ihm zu Besuch an der Mosel. Und: seine Weine sind wirklich gut. Das war schlussendlich auch der ausschlaggebende Grund, warum wir sie mit in unser Programm aufgenommen haben.

Kannst du euren Durchschnittskunden beschreiben?

Männlich, zwischen 30 – 40 Jahre alt.

Zum Schluss noch drei kurze Fragen: Welche Events stehen an?

Demnächst gibt es ein Whiskey-Seminar am 5. März und ein Grappa-Seminar am 9. Mai. Events im Weinbereich werden sicherlich folgen.

Gibt’s bald was Neues im Sortiment?

Auch hier gibt’s momentan vor allem Neues im Spirituosenbereich: Von einer jungen Berliner Firma namens Liquor-Company Rum aus Barbados und einen Gin aus Frankreich. Diese sind qualitativ und auch preislich sehr gut aufgestellt. Natürlich haben wir noch einige andere Dinge in der Pipeline. Erst müssen wir aber Geld einnehmen, damit wir welches ausgeben können.

Welcher ist dein momentaner Lieblingswein?

Ich versuche immer wieder verschiedene Weine zu trinken: Am liebsten jeden Tag was Neues.

Danke für das Gespräch

Traube


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Kurz angenippt: Domaine Josmeyer, Fleur de Lotus, 2012

Notizen

Leichter Bio-Wein aus dem Elsass. Sehr spezielle Cuvée aus Pinot Blanc, Gewürztraminer, Muscat und Riesling. Fleur de Lotus – Nomen est omen: Florale Noten, Pfeffer, Lakritze, Koriander. Im Boquet überwiegt der Gewürztraminer, dessen Süsse ist im Mund jedoch angenehm zurückhaltend. Die Säure ebenfalls. Mittlere Länge. Schöner Abgang. Unspektakulärer Wein im positiven Sinne. Guter Essensbegleiter bei würzigen, asiatischen und indischen Speisen. Ohne passende Gerichte macht der Fleur de Lotus jedoch kaum Spass. Auch als Apéro-Wein fällt er definitiv durch. Kennt man sein Einsatzgebiet, weiss er aber zu gefallen. Ich gebe 15 Punkte.

Josmeyer Fleur de Lotus

Unter der Rubrik kurz angenippt findest du Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

Rotwein


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Die alte, parfümierte: Château Giscours 2003

Kaum sind die Zwillinge im Bett, entern wir Eltern das Esszimmer. Auf den Tellern liegt Deftiges, den deftig ist auch das Elterndasein. Da braucht man Nahrhaftes. Zwischen den Zähnen und im Glas. Und nicht zuletzt auch für die Seele.

Nein, kein Geschwafel, sondern beinahe zwei Jahre Nachwuchspflege im Casa Flaschentester sprechen aus mir. Und wer könnte das besser verstehen, als unser Nachbar. Der Bordeaux-Süchtige und überaus kinderfreundliche Zeitgenosse ist gemeint. Derjenige, welcher eine Etage über uns wohnt und stoisch nächtliches Kindergeschrei und tägliche, kindliche und vor allem lautstarke Begeisterungsstürme über sich ergehen lässt. Und was hat er uns untern Baum gelegt? – Ein Stück Margaux. Der Gute weiss eben, was schmeckt.

Der Baum ist weg, die Flasche auch. Flaschentester schreibt heute aus der Erinnerung. Und die ist noch ziemlich präsent. Wir schreiben den 24. Dezember, 2013. Im Kühlschrank warten zwei Weisse. Auf dem Esstisch steht schon einer von Bründlmayer. Daneben eine fette, ältere Dame aus dem Bordelais. Sie hat bereits Staub angesetzt. Immerhin lag sie die letzten zehn Jahre in einem Naturkeller. Zwei Stunden vor dem Essen wird sie geöffnet. Das Entkorken entpuppt sich allerdings als Sisyphos-Arbeit. Der Korken bricht. Vorsichtig drehe ich die Spindel in das übrig gebliebene Stück. Und voilà, der Drahtseilakt gelingt. Ohne Gebrösel, oder gar den Restkorken in die Flasche stossen zu müssen, gewinne ich den Kampf gegen die alternde Lady und ihren Verschluss. Touché!

OldLadies

Vier Assoziationen zum Giscours: Liz Taylor, Joan Collins, Sophia Loren und Zsa Zsa Gabor.

Aber was liegt auf dem Teller? Komm‘ doch endlich mal zur Sache! – Ja, ja schon gut. Auf dem Tisch wartet der Hauptgang: Kartoffelauflauf, Karotten sowie Filet vom Rind an hausgemachter Kräuterbutter. Baam! Das haut rein. So muss man Bordeaux begleiten. Ich schenke ein. Schöne, dunkle Farbe, Purpurrot, schwarzer Kern, kaum ein Durchblicken möglich. Die Nase einladend, schwer, Cassis, florale Noten, Leder, Teer, etwas Holz, auch Sprit, Schokolade, Tabak und auch etwas des von einigen als Fehlnote verpönten Stallgeruchs schwingen sich zur Nase empor. Im Mund: Fett, voll, schwer, ausgewogen. Die Tannine sind dennoch vorhanden, da schlummert noch einiges an Potenzial. Weiter: Tolle Säure, viel Extraktsüsse, endloser Abgang, schmelziger Nachhall, dunkle Beeren und Würze sind friedlich vereint.

Der Giscours hat einige Gemeinsamkeiten mit den oben assoziierten Show-Grössen:

Alter

Die vier Diven bringen es zusammen auf stolze 337 Jahre. Immer noch weniger als Giscours. Eine erste Erwähnung des Châteaus reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück.

Lebenspartner

Das Gut überstand unbeschadet mehrere Besitzerwechsel, die französische Revolution und auch andere Krisen an der Seite wechselnder Partner. Ganz im Stil von Liz Taylor, die während ihrer insgesamt acht (!) Ehen ebenfalls einige Up & Downs erlebte.

Skandale

1989 ohrfeigte Zsa Zsa einen Polizisten und landetet dafür drei Tage hinter Gittern. Acht Jahre später geriet Château Giscours in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass in den Jahren 1995/96 vor allem der Zweitwein des französischen Traditions-Guts aufgezuckert und mit Holzchips versehen worden war. – Ein Imageschaden sondergleichen. Hat’s den beiden geschadet? Ja, kurze Zeit. Tot zu kriegen waren sie deswegen trotzdem nicht.

Klasse

Die Hollywood-Grössen haben und hatten trotz aller Eskapaden und Skandälchen unbestritten Klasse. Giscours wurde 1855 klassiert. Als 3e Cru classé. Auch in durchschnittlichen Jahren, wie dem hier verkosteten 03er, ist der Wein auf einem mehr als überzeugenden Level. Ein Zeichen seiner Grösse.

Meine Fresse, der Wein ist so was von ausladend, ja ausschweifend. Die rüstige Dame kleckert nicht, sie klotzt. Sie ist endlos trinkanimierend, aber nicht klebrig und bietet einem die volle Breitseite. Wär’s ein Parfum, hätten wir Chanel Nº 5 im Glas. Irgendwie klassisch, elegant, den Raum völlig für sich einnehmend, unverkennbar und vor allem aufdringlich. Aber dennoch beliebt. So auch der Giscours. Dieser Bordeaux besticht durch seine Üppigkeit. Betörend ist der Begriff, der sich aufdrängt. Die Flasche ist im Nu leer, der Abend unvergesslich. Ich gebe 18 Punkte.

Giscours2003Punkte: 18/20
Passt zu: Fleisch, deftigen Speisen, reichhaltigen Abenden
Preis: Fr. 54.- / € 75.60

Den Giscours 2003 gibt’s zum Beispiel bei Arvi/Schweiz oder bei Evinite/Deutschland.

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