Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Kurz angenippt: Dos Lagos – Aragonez 2010

Seit kurzem findet ihr unter der Rubrik kurz angenippt Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

Farbe

  • Schwarz-Violetter-Farbton
  • Durchblicken kaum möglich

Nase

  • Cassis, Leder, Lakritze, Teer, dunkle Schokolade

Gaumen

  • leicht adstringierend
  • sehr weich
  • Kräutrige Obertöne dominieren einen etwas schwächlichen, aber dennoch fruchtbetonten Körper
  • Holzeinsatz beinahe störend
  • Abgang von mittlerer Länge, deutliche Säure im Nachhall

Bewertung

  • portugiesischer Bio-Alltagswein, der schmeckt, 15 Punkte

Bezugsquelle

http://www.amiata.ch

DosLagos

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El Molino 2011

Kampf dem Januarloch: Teil III – Nach dem Riesling-Abenteuer vom letzten Mal gehts heute um einen Rotwein. Die Budgetvorgabe gilt nach wie vor: Mehr als zehn Franken liegen nicht drin. Schliesslich ist’s Januar und Ebbe im Geldbeutel. Vermutlich ist deshalb der Jänner schon in Urzeiten zum Beginn der okzidentalen Fastenzeit erklärt worden. Beweisen kann ich’s nicht, Mutmassen aber schon.

Meine Januarloch-Tour führt mich heute zu Delinat. Der Naturweinhändler hat seit Jahren einen spanischen Roten im Angebot, der sich ziemlich schnell zum Verkaufsschlager gemausert hat. Liest man sich die Kommentare im Online-Shop durch, sind sich die Konsumenten einig: Der El Molino macht was her. Preislich und qualitativ. Das klingt im Originalwortlaut dann so:

„Ein prima Alltagswein, den man aber auch Gästen offerieren kann.“

„Ich finde, dieser Wein ist hinsichtlich Geschmacksfülle und Preis immer einen Kauf Wert. Man möchte und kann ja nicht ständig teure Weine kaufen…“

„Ein klarer einfacher Wein. Schön zu alltäglichen Dingen.“

Das erste Mal ist mir der Molino in einem Wiler Restaurant aufgefallen. Nach einer hitzigen Debatte über die Qualität von Bio-Wein, bestellte dort nämlich einer der Diskussionspartner eine Flasche des El Molinos. Meine jugendlichen Vorbehalte gegenüber preiswerten Naturweinen wurden mit dem ersten Schluck vom Tisch gefegt. Bis zu diesem Tag war ich mir nur von Naturweinen ab zwanzig Franken aufwärts trinkbare Qualitäten gewohnt. Der Naturwein aus La Mancha belehrte mich eines besseren.

Es gibt Fusilli alle Cinque Pi. Für mich ein typisches Alltagsgericht, wenn man abends Kohldampf hat, aber kräftemässig total auf dem Zahnfleisch geht. Es ist schnell zubereitet, die Zutaten sind meistens sowieso vorhanden und es schmeckt. Punkt. Hungrig und etwas müde stehe ich also eines Abends in der Küche. Den Molino habe ich schon mal geöffnet, ein Glas steht neben dem Herd. Während die Pasta so vor sich hinköchelt, nehme ich einen ersten Schluck. Ui, der schmeckt aber gut. Leicht euphorisch gestimmt nehme ich ihn etwas genauer ihn Augenschein.

Windmühle

El Molino: Hurra, ein Naturwein, der das Budget schont und dennoch schmeckt!

Im Glas scheint er Purpurrot mit beinahe schwarzem Kern. Aus dem Glas strömen mir fruchtige Noten entgegen: Etwas Kirsche und vor allem reife Pflaume kann ich erkennen. Ergänzt wird das Fruchtspektrum durch Vanille und Lakritze. – Winterdesserts erscheinen vor dem geistigen Auge. Auch im Mund macht sich eine schöne Fruchtigkeit breit. Habe ich erwähnt, dass es sich um einen Tempranillo handelt? Der Körper ist geradezu fleischig, gleichzeitig aber von leichter Struktur. Die Tannine sind weich, dennoch macht sich im Mund eine leichte Pelzigkeit breit. Mich stört sie aber nicht. Der kurze Abgang gefällt ebenfalls, Neues bringt er jedoch nicht zu Tage.

Delinats Kunden behalten Recht: Der El Molino ist ein geradliniger, angenehmer Bio-Wein von einfacher Struktur. Kein Protz, aber auch kein Prolet. Er positioniert sich irgendwo dazwischen, und das macht er sehr gut. Zur Pasta mundet der Spanier jedenfalls. Er bringt ansprechende Qualität ins Glas und ist dabei gleichzeitig unglaublich preiswert. Wäre ich für die Preisgestaltung verantwortlich, würde er mindestens das Doppelte kosten. Dieser Rotwein wird meiner Meinung nach völlig unter Wert verkauft. Schliesslich ist er Genusswein, Hauswein und sortenreiner Naturwein zugleich. Für manche ein weiterer Pluspunkt: Er wurde vegan produziert. Und auch als ordentlicher Kochwein kann er mühelos herhalten. Alles in allem hat er mich überzeugt. Ich gebe 16 Punkte.

ElMolino2011Punkte: 16/20
Passt zu: Pasta, mediterraner Fleischküche
Preis: Fr. 7.80/75cl (auch als 50cl-Flasche erhältlich)

Kaufen kann man den El Molino hier


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Rioja „Marqués de Riscal“ Reserva DOCa 2006

Weihnachten steht vor der Tür: Noch vier Wochen, bis das Christkind klingelt und die Geschenke unter’m Baum liegen. Wer es kaum erwarten kann und seine Fertigkeiten als Auspacker bereits im November trainieren möchte, kommt um den Marqués de Riscal nicht herum. Vier Hürden stehen nämlich zwischen Verpackung und Genuss: 1) Draht entfernen, 2) Kapsel abziehen, 3) Entkorken, und 4) Einschenken. – Das ist immerhin eine mehr, als bei den meisten Weinen mit Korkzapfen.

Riojas kommen verpackungsmässig sowieso oft speziell daher. Keine Ahnung warum. Vielleicht treffen sich ja irgendwo in einem zentralen Hinterhof alljährlich Riojas Winzer für eine Besprechung. Eine, bei der sie neue skurrile Flaschen- und Verpackungsdesigns entwerfen. Schliesslich grenzt es oft fast schon an Event-Drinking, was mir die Spanier da zumuten: Den Marqués de Riscal packen sie in Draht, dem Viña Imas Barón de Ley spendieren sie eine bullige Metalletikette, der mich bei meiner Entsorgungstour, vor dem Altglascontainer stehend, immer ein wenig ratlos macht; der Siglo hat sogar ein Jutemäntelchen und die Flasche des Faustinos ist in Krepppapier eingeschweisst, dass zusätzlich ebenfalls von Golddraht umwoben ist. Kauft man sich gar drei Flaschen des Faustinos, erhält man mancherorts das „Set“ in einer Kartontasche. Toll, danke auch für den zusätzlichen Müll! Zum Glück schmeckt der Inhalt nicht wie die Verpackung aussieht. Und das ist schliesslich alles, was zählt.

Rioja

Merry Christmas: Spanische Verpackungskünste 2012

So, genug gemeckert, zurück zum Wein: Der Marqués de Riscal ist ein Cuvée aus Tempranillo, Graciano und Mazuelo. Wobei laut Erzeuger die Tempranillo-Traube mindestens 85 Prozent am Gesamtgemisch ausmacht. Ähnlich wie beim Bordeaux, ist Rioja die allgemeine Bezeichnung für Wein eines gleichnamigen Weinanbaugebiets. Rioja basiert immer auf derselben Rebsorte, nämlich Tempranillo. Dabei werden die Rotweine nach Ausbau bzw. Reifegrad unterschieden:

Crianza: Zwei Jahre gereift, davon mindestens eines im Eichenfass

Reserva: Drei Jahre gereift, davon mindestens eines im Eichenfass

Gran Reserva: Mindestens zwei Jahre im Eichenfass, danach drei Jahre gelagert

Der Marqués de Riscal ist ein Reserva. Das Bouquet riecht unglaublich intensiv nach Fass. Es duftet holzig, erdig, stallig. Drei Attribute, weche ich auch schon beim Schnüffeln an einigen Bordeaux in der Nase hatte. Die Farbe ist ein dichtes Granatrot, mit leicht violettem Einschlag. Man sieht gerade noch so durch. Im Mund schmeckt der Rioja geradlinig. Es ist alles da: Ein Quäntchen Tannine, Frucht (Schwarze Beeren), Würze (Rosmarin), starker Körper, leichte Säure. Er schmeckt schön voll, aber nicht überladen. Der Abgang ist angenehm. – Bei uns gibt’s Rindsfilet mit dunkler Sauce, Rosmarinkartoffeln und Pilzen dazu. Das Abendessen wird vom Wein super ergänzt. Es passt einfach. Punkt.

Der Marqués de Riscal gefällt mir gut. Es handelt sich um einen sehr schönen Basisrioja eines überdurchschnittlichen Jahrgangs. Er schmeckt, hat sympathische Ecken und Kanten, und ist – last but not least – bezahlbar. Einzig an der Verpackung könnten sie noch arbeiten, Riojas Winzer im Hinterhof. Wer jedoch sowieso noch goldenen Draht für Adventsbasteleien braucht, sollte sofort zugreifen, bevor alle Spanier aufgrund der allgemein ausgebrochenen Weihnachtspanik ausverkauft sind. Ich bleibe gelassen und gebe 16 Punkte.

Salud !

Rioja Marqués de Riscal Reserva DOCa 2006

Punkte: 16/20
Passt zu: Fleisch, Würzigen Gerichten, Reifem Hartkäse
Preis: Fr. 18.45*

Den Rioja „Marqués de Riscal“ Reserva DOCa gibt es hier, hier und hier

* Bei Manor geht er momentan für Fr. 14.95 über die Ladentheke.