Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Schweizer Wein – quid facis?

Vor einigen Wochen veröffentlichte der Captain kurz nacheinander zwei Artikel, in denen er der Frage nach den Absatzproblemen von deutschen und österreichischen Weinen nachspürt. Warum trinken die Einwohner unserer beiden Nachbarländer immer weniger einheimischen Wein? So die Gretchenfrage. – Bei uns herrschen diametral andere Verhältnisse: Schweizer trinken Schweizer Wein, aber kein Schwein ausserhalb Helvetiens interessiert sich für unsere Erzeugnisse. Was läuft schief? Was muss man ändern? Ein Versuch aus Sicht eines Konsumenten.

Während Schweizer Uhren, Schokolade und Tennisspieler im Ausland durchaus für Lifestyle, Qualität und Höchstleistungen stehen, fristet der helvetische Wein ein Mauerblümchendasein in einer stillen Ecke, ganz zuhinterst auf dem europäischen Weinparkett. Schweizer Wein ist so etwas wie der Microsoft Zune unter den MP3-Playern. Nie davon gehört? Kein Wunder. Der hat sich international nämlich auch nie durchsetzen können.

Als Apple im Oktober 2001 die erste Generation des iPods vorstellt ist der Zug bereits abgefahren. Die kongeniale Symbiose aus Online-Store, portablen Abspielgerät und Festplattenersatz schlägt eine wie eine Bombe. Microsoft versucht fünf Jahre später mit einer Kopie nachzuziehen. Millionen von iPods wurden bereits verkauft. Apples Produkt ist unterdessen in der fünften Generation erhältlich, und auch die iPod-Ableger Mini, Nano und Shuffle erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Microsoft möchte mitmischen und lanciert ebenfalls einen Online-Store. Parallel zur Lancierung der xBox wird die Internetwährung Microsoft Points eingeführt und sage und schreibe 500 Millionen US-Dollar in Werbung für ihren iPod-Klon gepumpt. Die Schlacht ist schon verloren, bevor sie begonnen hat. Alle Flatrates, Marketingbudgets und technischen Verbesserungen brachten schlussendlich nichts. Ende 2011 wird der Zune eingestampft.

CH-Wein

Währenddem Apple spätestens seit der Einführung des iMacs 1998 nicht nur mehr funktionierende Geräte, sondern ein Rumdumsorglospaket aus Technik, Emotionen, Lifestyle und Prestige verkauft, klebt an Microsoft bis heute der Makel des Büromaschinenherstellers. Da ändert auch kein Windows 8 samt gleichnamigen Smartphone etwas daran. Die Parallele zum Schweizer Wein ist offensichtlich: Man gibt sich zwar Mühe, hat aber noch nicht erkannt, dass sich nicht alles nur um das Produkt an sich dreht, sondern auch darum, was dieses beim Konsumenten auslöst. Italien verkauft Lebensfreude, Frankreich Genuss und Extravaganz und Spanien die Sonne im Glas. Und was verkaufen wir? Rote Flaschen mit Schweizerkreuzen darauf. Also bitte.

Was fehlt ist Begeisterung. Echte, reine Begeisterung. Für die Schweiz und die eigenen Winzer und deren Produkte. Sommeliers, Restaurants und Weinhandlungen, müssten den Ausländern Schweizer Weine vermehrt anpreisen. Auf Weinkarten, im Gespräch, auf Veranstaltungen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sie sollten ihn in höchsten Tönen loben, sofern er es verdient. – Und wir haben Einiges, was einen enthusiastischen Lobgesang verdient. Wen wir unserem Wein selbst schon derart kritisch gegenüberstehen, wie soll er dann im Ausland existieren?

Stattdessen laufen Bestrebungen, welche unsere Weine in guter, alter und reichlich verstaubter AlpenSchokoladeKäse-Manier international anzupreisen versuchen. Dabei wird ein völlig falsches Bild vermittelt. Schliesslich wird unser Wein weder hochalpin gekeltert, noch kann man ihn nur zu Käse-Fondue kredenzen. Welch‘ Degradierung! Schweizer Wein ist kein Kuhwein. Viele ausländische Weinkenner sehen Schweizer Wein bis heute als Kuriosum, sofern sie ihn überhaupt wahrnehmen. Ein Imagewandel muss daher schnellstens über die Bühne. Längerfristig können sämtliche Exportbestrebungen sonst auch gleich ad acta gelegt werden. Das spart Zeit, Geld und Nerven.

Vor allem das Image vom teuren Schweizer Wein gilt es zu widerlegen. Das geht aber nur, wenn auch im Ausland vernünftige Weine zu vernünftigen Preisen angeboten werden und nicht nur 100 Euro-Flaschen in deutschen Regalen stehen. Und das ist mgöglich. Schliesslich bezahlt man für einen Spitzen-Merlot vom Tessiner Erzeuger Tamborini auch nicht mehr, als für einen vergleichbaren Italiener oder Spanier. Gleichzeitig findet man vom selben Schweizer Produzenten auch anständige Qualitäten um die fünfzehn Euro. Mal ehrlich: Teuer ist anders. Und wir reden hier nicht von Aldi- und Lidlabfüllungen. Das ist eine andere Baustelle.

Eines der Hauptprobleme, mit welchem unser Exportwein zu kämpfen hat, ist die Schwierigkeit, in anhand seines Etiketts einzuordnen. Vor allem qualitativ. Ich sage daher: Falls möglich, weg von der Region, der Marke oder der Gemeinde, und hin zum Winzer. Namen sind wichtiger als Anbaugebiete. Vor allem dann, wenn ich wissen möchte, ob in der Flasche was Trinkbares dümpelt, oder nicht. Natürlich gehört das Anbaugebiet auf die Flasche, aber nicht – wie in der Schweiz oft üblich – als Haupterkennungsmerkmal. Einerseits hat das übersichtliche Alpenland nämlich schier unzählige Einzellagen, andererseits sind wohl unsere mikrogeographischen Verhältnisse nicht jedem ausländischen Weintrinker geläufig. Es gibt wohl kaum ein Weinland, welches auf derart kleiner Gesamtrebfläche, so viele Winzer und Rebsorten unterbringt, wie die Schweiz. Bestes Beispiel: Kopp von der Crone Visini. Sieben Hektar Gesamtfläche, fünf Lagen, neun Traubensorten, elf Weine, zwei Grappas, ein Likör. – So schaut’s aus in der Schweiz.

Und überhaupt: Mosel ist schliesslich auch nicht Mosel, Bordeaux nicht Bordeaux und Toskana nicht Toskana. Die Namen Diel, Château Petrus oder Antinori hat aber jeder schon einmal gehört, der sich mit Wein auch nur ein bisschen auseinandergesetzt hat. Vielleicht, mit viel Glück, trifft das in einigen Jahren auch auf Schweizer Winzertalente wie Gantenbein, Stucky oder Chappaz zu. Den mangelnden Quantitäten und der starken Konkurrenz aus den Weinhochburgen Europas kann der helvetische Wein nur mit Qualität und sattelfestem Image trotzen. Den Export könnte man nach dem Vorbild Frankreich organisieren: Gute Qualitäten ins Ausland, was übrig bleibt trinken wir zu Hause. Schliesslich exportiert die Schweiz gegenwärtig gerade mal ein Prozent der Gesamtproduktion. EIN PROZENT. Schweizer Wein muss beim Konsumenten eindeutige Bilder hervorrufen. Im Sinne einer Corporate Identity. So stolz wir auch auf unsere sprachliche, regionale, politische und nicht zuletzt landschaftliche Vielfalt sind: Vielfalt bringt uns beim Verkauf nicht weiter. Denn währenddem man jedes andere namhafte Produktionsland automatisch mit maximal drei bis vier Weinen bzw. Rebsorten oder Winzern in Verbindung bringt, ruft Schweizer Wein im Ausland leider keine klischeebereinigten Assoziationen hervor. Man denkt doch höchstens an Alphütten, Banken und überteuerte Skiferien.

Ein Fokussieren auf einige wenige, typische Sorten ist beim Export oder zumindest der Werbung angesagt: Chasselas, Blauburgunder und Merlot zum Beispiel. – Wahnsinn? Nein, Methode! Klar gibt’s von allen anderen bewirtschafteten Rebsorten ebenfalls fantastische Weine. Keine Frage. Aber es geht um’s grosse Ganze. Österreichischer Wein hat sich bei uns trotz Weinskandal durch die Arbeit junger Winzer und durch Zweigelt und Grünen Veltliner seine Stellung zurückerkämpft. Smart und hartnäckig. Und deshalb kaufen wir heute auch St. Laurent, Blaufränkisch oder zwischendurch mal einen Sekt von Bründlmayer. Eins führt zum anderen. Auch bei kleinen Produktionsmengen muss das möglich sein. Winzer, schliesst euch zusammen! Gründet Genossenschaften, selektiert streng, macht Spitzenweine, stampft salonfähige, frische Labels aus dem Boden und exportiert, was das Zeug hält.

Und bitte keine Swissness und weitere protektionistische Massnahmen des Staates mehr. Spätestens seit der werbewirksamen Logo-Reanimation unserer nationalen Fluggesellschaft durch einen Kanadier, braucht kein Mensch mehr eine rote Weinflasche mit einem Schweizer Kreuz darauf. Auch nicht im Ausland. Es soll schliesslich Wein und kein Souvenir verkauft werden. Man soll ihn in erster Linie trinken, und nicht als beliebiges Accessoire ins Wohnzimmer integrieren. Falsche Botschaft, falsches Bild = falsche Emotion. So einfach ist die Formel. Die Konsumenten wollen heute vor allem schick gestaltete Etiketten, klare Deklarationen und einen Hinweis auf die passende Essenspaarung. Darauf sollte man setzen. Und auf bezahlbare Qualität. Alles andere interessiert nicht. Schön ausschauen und gut schmecken muss es. Punkt. Auch Besprechungen und Kritiken von namhaften Vertretern der Journalistenzunft helfen von Zeit zu Zeit. Also nichts wie los, und Musterflaschen an die Schreibenden verteilt. Die sollen sich ruhig mal an einem Schluck Schweiz abarbeiten.

Wo wir schon bei Werbung sind: Erst kürzlich hat der Bund beschlossen, den Werbe-Etat für Schweizer Wein zu verdoppeln. Statt fünf stehen neu zehn Millionen Franken zu Verfügung. Davon sollen vier Millionen für Werbung im Export verwendet werden und sechs für das Inland. Ja, genau, mehr als die Hälfte für Werbung im Inland. Ungeachtet der Tatsache, dass die Schweizer – trotz leicht rückläufiger Zahlen – ihren eigenen Wein trinken bis die Lager leer sind. – Schilda lässt grüssen. Nicht die einheimischen Konsumenten müssen überzeugt werden, sondern die Touristen. Und da liegt der Schlüssel nicht bei grossflächigen Werbeplakaten, sondern bei der Gastronomie, der Tourismusbranche und den Händlern. Sie sind es schlussendlich, welche den Schweizer Wein anpreisen, oder nicht.

Und obwohl neben beliebiger Massenware herrlichste Tropfen produziert werden und unsere Winzer oft Eindrückliches leisten, obwohl die Qualitäten in den letzten zwei Dekaden stetig anstiegen, Innovationen sich mehren, stimmt mich die geringe Verbreitung und Akzeptanz im Ausland nachdenklich, und auch etwas traurig. Besserung ist nicht in Sicht. Gegenwärtig treffen nämlich immer noch langweilige Heidi-Kampagnen auf helvetisches Understatement und hoher finanzieller Aufwand auf wenig Ertrag. Bestes Beispiel: Die Weltausstellung 2010 in Shanghai. Schade.

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Viña Mayor Tinto Roble Ribera del Duero D.O. 2011

Kampf dem Januarloch: Teil V – Der letzte Tropfen der Serie von Weinen unter zehn Franken ist bei Denner erhältlich. Es handelt sich um einen Spanier aus dem Ribera del Duero. Er ist jung, er ist wild, er braucht ne Menge Sauerstoff und noch mehr Fleisch um sich voll zu entfalten. Na dann: Karaffe und Pfanne angetreten und stillgestanden!

Das 20’000 Hektare umfassende Weinbaugebiet ist nach dem gleichnamigen Fluss – Duero bzw. Douro – benannt. Das mit Reben bestückte Flussdelta ist 115 Km lang. Über 8’000 Winzer produzieren hier Weine. Wie auch in anderen Regionen Spaniens wird am Duero vor allem Tempranillo angebaut. Im Ribera del Duero nennt man diese Sorte allerdings Tinta del País. Die Trauben sind hier kleiner und die Schalen dicker, als zum Beispiel im südöstlicher liegenden Rioja. Die Weine sind aufgrund des Ausgangsmaterials in der Regel also konzentrierter.

Als Essenspaarung entscheiden sich meine Degustationspartnerin und ich für ein Rosmarin-Lammfilet, begleitet von Püree von blauen Kartoffeln und in Butter geschwenkten Karotten. Klingt gut, nicht? Finden wir auch. Ich öffne den Wein etwa eine halbe Stunde vor dem Abendessen. Ungeduldig wie ich bin, schenke ich mir bereits beim Kochen einen kleinen Schluck ein. Sofort wird klar, dass man ohne zu dekantieren hier nicht weiterkommt. Auf der Etikette grinst mir schliesslich frech das Jahr 2011 entgegen. Also ab damit in die Karaffe. Im Kühlschrank darf der Rotwein zudem noch etwas runterkühlen.

Douro

Rebberge entlang des Dueros

Das Essen ist fertig, der Wein hat die richtige Temperatur und ich schenke ein. Der Viña Mayor scheint in einem strahlend frischen Purpur. Sehr schön, diese Farbe. Die Nase bringt passend dazu Kirsche, Erdbeere und konzentrierte Vanille. Der Spanier überzeugt auch im Mund durch eine runde Beerigkeit, gepaart mit einer schönen Säure. Tabak gesellt sich dazu, auch Teer und Kräuter (Salbei?) kann man erkennen. Der Körper ist von mittlerem Gewicht. Herb und trocken. Der Abgang ist durchaus schmelzig und ebenfalls von mittlerer Länge. Der Wein ist insgesamt noch etwas wild und ungestüm. Zum Lamm passt er jedoch gut. Die Kombination schmeckt überzeugend. Die jugendliche Säure des Tempranillos verträgt sich recht ordentlich mit dem rosa gebratenen Fleisch und den eher süssen Kartoffeln und Karotten.

Der Wein hat laut Denner noch sechs Jahre lang Zeit zu reifen. Und die braucht er auch. Die Tannine werden mit der Zeit sicher noch weicher und der Wein etwas gutmütiger und ausgewogener. Nichtsdestostrotz bin ich auch schon heute positiv überrascht worden. Schliesslich handelt es sich einmal mehr um einen schönen Wein unter zehn Franken. Der beinahe gleichteure Primitivo vom letzten Mal war insgesamt jedoch eine Spur überzeugender. Der Italiener war deutlich besser balanciert und gutmütiger. Der Spanier muss hingegen erstmal dekantiert werden und braucht unbedingt eine passende Essenspaarung: Sprich ein saftiges Stück Fleisch. Beachtet man diese zwei Punkte, klappt’s aber mit dem Geniessen. Ich gebe 15 Punkte. Das Januarloch ist hiermit offiziell besiegt.

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Punkte: 15/20
Passt zu: Lamm
Preis: Fr. 9.95

Kaufen kann man den Tinta del País hier


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El Molino 2011

Kampf dem Januarloch: Teil III – Nach dem Riesling-Abenteuer vom letzten Mal gehts heute um einen Rotwein. Die Budgetvorgabe gilt nach wie vor: Mehr als zehn Franken liegen nicht drin. Schliesslich ist’s Januar und Ebbe im Geldbeutel. Vermutlich ist deshalb der Jänner schon in Urzeiten zum Beginn der okzidentalen Fastenzeit erklärt worden. Beweisen kann ich’s nicht, Mutmassen aber schon.

Meine Januarloch-Tour führt mich heute zu Delinat. Der Naturweinhändler hat seit Jahren einen spanischen Roten im Angebot, der sich ziemlich schnell zum Verkaufsschlager gemausert hat. Liest man sich die Kommentare im Online-Shop durch, sind sich die Konsumenten einig: Der El Molino macht was her. Preislich und qualitativ. Das klingt im Originalwortlaut dann so:

„Ein prima Alltagswein, den man aber auch Gästen offerieren kann.“

„Ich finde, dieser Wein ist hinsichtlich Geschmacksfülle und Preis immer einen Kauf Wert. Man möchte und kann ja nicht ständig teure Weine kaufen…“

„Ein klarer einfacher Wein. Schön zu alltäglichen Dingen.“

Das erste Mal ist mir der Molino in einem Wiler Restaurant aufgefallen. Nach einer hitzigen Debatte über die Qualität von Bio-Wein, bestellte dort nämlich einer der Diskussionspartner eine Flasche des El Molinos. Meine jugendlichen Vorbehalte gegenüber preiswerten Naturweinen wurden mit dem ersten Schluck vom Tisch gefegt. Bis zu diesem Tag war ich mir nur von Naturweinen ab zwanzig Franken aufwärts trinkbare Qualitäten gewohnt. Der Naturwein aus La Mancha belehrte mich eines besseren.

Es gibt Fusilli alle Cinque Pi. Für mich ein typisches Alltagsgericht, wenn man abends Kohldampf hat, aber kräftemässig total auf dem Zahnfleisch geht. Es ist schnell zubereitet, die Zutaten sind meistens sowieso vorhanden und es schmeckt. Punkt. Hungrig und etwas müde stehe ich also eines Abends in der Küche. Den Molino habe ich schon mal geöffnet, ein Glas steht neben dem Herd. Während die Pasta so vor sich hinköchelt, nehme ich einen ersten Schluck. Ui, der schmeckt aber gut. Leicht euphorisch gestimmt nehme ich ihn etwas genauer ihn Augenschein.

Windmühle

El Molino: Hurra, ein Naturwein, der das Budget schont und dennoch schmeckt!

Im Glas scheint er Purpurrot mit beinahe schwarzem Kern. Aus dem Glas strömen mir fruchtige Noten entgegen: Etwas Kirsche und vor allem reife Pflaume kann ich erkennen. Ergänzt wird das Fruchtspektrum durch Vanille und Lakritze. – Winterdesserts erscheinen vor dem geistigen Auge. Auch im Mund macht sich eine schöne Fruchtigkeit breit. Habe ich erwähnt, dass es sich um einen Tempranillo handelt? Der Körper ist geradezu fleischig, gleichzeitig aber von leichter Struktur. Die Tannine sind weich, dennoch macht sich im Mund eine leichte Pelzigkeit breit. Mich stört sie aber nicht. Der kurze Abgang gefällt ebenfalls, Neues bringt er jedoch nicht zu Tage.

Delinats Kunden behalten Recht: Der El Molino ist ein geradliniger, angenehmer Bio-Wein von einfacher Struktur. Kein Protz, aber auch kein Prolet. Er positioniert sich irgendwo dazwischen, und das macht er sehr gut. Zur Pasta mundet der Spanier jedenfalls. Er bringt ansprechende Qualität ins Glas und ist dabei gleichzeitig unglaublich preiswert. Wäre ich für die Preisgestaltung verantwortlich, würde er mindestens das Doppelte kosten. Dieser Rotwein wird meiner Meinung nach völlig unter Wert verkauft. Schliesslich ist er Genusswein, Hauswein und sortenreiner Naturwein zugleich. Für manche ein weiterer Pluspunkt: Er wurde vegan produziert. Und auch als ordentlicher Kochwein kann er mühelos herhalten. Alles in allem hat er mich überzeugt. Ich gebe 16 Punkte.

ElMolino2011Punkte: 16/20
Passt zu: Pasta, mediterraner Fleischküche
Preis: Fr. 7.80/75cl (auch als 50cl-Flasche erhältlich)

Kaufen kann man den El Molino hier


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Kurz angenippt: Tres de Azul y Garanza 2009

Seit kurzem findet ihr unter der Rubrik kurz angenippt Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.


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Trau, schau, wem? – Ein Rückblick

Gefälschte Etiketten, Glycerin, Methanol, Zuckerwasser und andere Panschereien: Winzer und Weinhändler sorgen immer wieder mal für Schlagzeilen. Die Anzahl der bekannten Fälle ist zwar eher gering, die Auswirkungen zum Teil jedoch verheerend; im Einzelfall sogar tödlich. Trotzdem sind viele Ereignisse der Vergangenheit in Vergessenheit geraten. Vor allem junge Weintrinker kennen die Skandale – wenn überhaupt – nur noch vom Hörensagen. Höchste Zeit also, das Geschichtsbuch aufzuschlagen und in den Archiven der Presse zu wühlen.

SchweizWenn ich an Weinskandale denke, male ich mir die ungeheuerlichsten Geschichten aus. Solche bei denen der Konsument über’s Ohr gehauen wird. Solche bei denen Gangsterbosse viel Geld verdienen und solche bei denen die Gesundheit der vinophilen Gemeinde auf dem Spiel steht. – Nicht so bei uns. In Helvetien sind Wein-Skandale eher von harmloser Natur. Nur dem Blick war der letzte eine Schlagzeile wert. Dem Sommerloch sei Dank. Wir schreiben das Jahr 2010, in Shanghai findet die Weltausstellung statt. Auch die Schweiz ist mit einem Stand vertreten. Leider wird an diesem kein Schweizer Wein kredenzt, sondern spanischer. SPANISCHER!?, denken sicher einige. Auch einem SVP-Mitglied geht es so. Nationalrat Thomas Hurter findet das nämlich total daneben. Schliesslich zahlt der Bund der Schweizer Weinbranche für Werbeaktionen über eine Million Franken jährlich. Aber auch bei dieser Geschichte zeigt sich einmal mehr, dass der Schweizer Wein in einer selbstverschuldeten Krise steckt. Denn scheinbar waren den Zürcher und Walliser Weinhandlungen die „administrativen Hürden für den Transport von Wein nach China und auf das Expo-Gelände zu hoch“. Ich frage mich nur, was skandalöser ist: Spanischer Wein am Schweizer Stand, oder die Unfähigkeit des Bundes, Schweizer Wein zu organisieren … heiliger Kuhmist, haben wir Probleme!

DeutschlandAuch in deutschen Landen kennt man Negativ-Schlagzeilen über Weinpfuschereien. So werden im Jahr 1991 rund 2,75 Millionen Liter Rheinland-Pfälzischer Wein mit DDR-Wein gepanscht und als original DDR-Wein verkauft. – Zweites Beispiel: Vor etwas mehr als drei Jahren werden im Rheingau auf einem Weingut gleich 130’000 Liter Wein beschlagnahmt. Die Schlagzeile des Wiesbadener Kuriers lautet „Dreck und tote Fliegen am Weinfass: Rheingauer Winzer gestoppt“. Scheinbar wurde der Wein unter hygienisch desolaten Bedingungen gelagert. Dem Thema wird aber von der Boulevard-Presse keine weitere Beachtung geschenkt. Peer F. Holm weist in seinem Blog als einziger darauf hin, dass im Artikel des Wiesbadener Kuriers das Weingut und der Winzer nicht genannt werden. Dies ist umso verheerender, da somit jeder der umliegenden Weinbetriebe für den Skandal theoretisch in Frage kommt. Die Zeitschrift Weinwirtschaft nennt zwar den Namen des Winzers und dieser erscheint auch in deren Newsletter, lesen können das aber nur Abonnenten, und wer ist das schon? Die Folgen sind nicht bekannt.

cnVergleicht man die Schwere der Tat, so sind Deutschlands Weinskandale geradezu harmlose Jungenstreiche im Vergleich zu China. Dort werden unlängst fünf Weinkellereien des Panschens verdächtigt. Einige der geprüften Weine enthalten keinen (!) fermentiertem Traubensaft, sondern lediglich Zuckerwasser, Farb- und Geschmacksstoffe. Es handelt sich also nicht mal ansatzweise um Wein. Unglaublich, aber wahr: Die Flaschen werden den Konsumenten als bekannte Marken angepriesen, und sind alle entsprechend etikettiert. Daraufhin werden von den Behörden sechs Personen festgenommen und drei Weinkellereien geschlossen. Insgesamt werden mehr als 5’000 Kisten Wein beschlagnahmt. Eine der verantwortlichen Gesellschaften, Jiahua, verkaufte bis zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung angeblich 2,4 Millionen dieser Flaschen jährlich. Weiter wurde festgestellt, dass die beigemengten Zusatzstoffe Kopfschmerzen, unregelmässigen Herzschlag und Krebs verursachen können. So skandalös das ist, die Nachricht hat eine lustige Wendung: Lokale Weinhersteller sagen nämlich, manche echte chinesische Weine seien so schlecht, dass sie nicht besser als die Fälschungen schmecken würden! Na dann, Prost.

FrankreichLetzte Woche lese ich im St. Galler Tagblatt:Im Weinland Frankreich kommt das Weintrinken aus der Mode. Der Pro-Kopf-Weinkonsum ist inzwischen annähernd dreimal geringer als im Jahr 1965.“ Kein Wunder, werden doch die guten Tropfen allesamt exportiert. Zudem kommen auch Frankreichs Winzer machmal vom rechten Weg ab. So werden zum Beispiel 1999 einige Bordeaux-Jahrgänge mit kleinen Mengen von Erdnussöl „verbessert“, um ihm den sauren Geschmack zu entziehen. Vermutlich wurden diese „Spitzenbordeaux“ nach China exportiert. Vielleicht dachte man sich im Bordelais, dass dort sowieso alles getrunken wird. – Ein weiterer Skandal: Ein Jahrzehnt später stehen zwölf Winzer und Weinhändler vor einem französischen Gericht. Der Vorwurf: Billig-Wein wurde als teurer Pinot-Noir deklariert und in die Staaten exportiert. Mehrere Millionen Euro wurden mit dem gefälschten Wein eingenommen. Interessante Nebennotiz: Nicht ein einziger US-Amerikanischer Konsument hatte sich beschwert.

ItalienIm Jahr meiner ersten, bewusst wahrgenommenen Fussballweltmeisterschaft wird im Austragungsland Italien einer der traurigsten Weinskandale der Geschichte aufgedeckt. Verschiedene Gründe bewegen einige Piemonteser Winzer 1986 zu kriminellen Machenschaften. Die Ausgangslage: In eben diesem Jahr ist der europäische Weinmarkt gesättigt. Der Export bricht ein. Italienische Winzer verdienen deshalb mehr Geld, in dem sie ihre Weine verspritten, also zu reinem Alkohol destillieren lassen. Immerhin 40% – 60% des ursprünglichen Marktpreises erhalten sie dafür noch von der EG. Besser als auf den eigenen Flaschen sitzen zu bleiben. Gleichzeitig senkt die italienische Regierung genau in diesem Zeitraum die Steuer für Methylakohol (Methanol). Da mit Methanol versetzter Wein bei der Destillationsvorgang mehr reinen Alkohol ergibt, entschliessen sich einige Winzer genau dies zu tun. Die Folge ist verheerend. 22 Personen sterben, ca. 100 erleiden schwere Gesundheitsschäden, allein elf davon erblinden. Selbst das Angeln im Fluss Piave wird verboten, da Händler den giftigen Wein in das fliessende Gewässer schütten, bevor die Polizei eintrifft.

Als ob das nicht genügen würde, wird fünf Jahre später schon der nächste Wein-Skandal aufgedeckt. 1992 werden in Oberitalien vier Millionen Liter Wein beschlagnahmt. Der Wein ist mit dem giftigen Schädlingsbekämpfungsmittel Methyl-Isothiocyanat versetzt. Scheinbar hat man immer noch nichts aus den Folgen des Methanol-Desasters von 1986 gelernt.

Im Jahr 2000 sind zwei von Italiens Exportschlagern betroffen: Chianti und Sassicaia. Für eine 85er Flasche von letzterem bezahlt man aktuell über 1’300 Franken (!). Beide wurden vor zwölf Jahren mit billigsten Weinen verschnitten und danach teuer verkauft. Der Skandal wurde aufgedeckt, weil einige Kenner – glücklicherweise – den Unterschied bemerkt hatten. Daraufhin werden 3’000 Flaschen Sassicaia und sage und schreibe 50’000 Hektoliter Chianti (= über 6 Millionen Flaschen!) beschlagnahmt. Drei beteiligte Personen wandern ins Gefängnis, gegen 215 Beteiligte laufen Ermittlungen.

2008 werden mehrere hundertausend Flaschen Brunello beschlagnahmt. Entgegen den Vorschriften wurden die Weine nicht ausschliesslich aus örtlichen Sangiovese-Trauben hergestellt, sondern mit Merlot und Cabernet Sauvignon aus Süditalien verschnitten. Dies vor allem, um die Weine für die Hauptabnehmer – wieder einmal die Amerikaner – lieblicher zu machen. Wir sprechen hier vom Risiko eines potenziellen Verlustes von 30 Millionen Euro Umsatz jährlich, alleine in den USA.

Nicht gesundheitsgefährdend, aber politisch inkorrekt: 2012 entdeckt ein aus den Staaten stammendes, jüdisches Pärchen auf seiner Italienreise Wein mit Etiketten, auf denen Hitler abgebildet ist. Die Weine heissen denn auch „Führerwein“ und „Der Kamerad“. Auch Mussolini hatte es schon auf das Etikett von Weinen gebracht. Und das nicht zu seiner Zeit.

SpanienAuch Spanien ist nicht immer ehrlich zu seinen Konsumenten. 2005 wird man in Deutschland stutzig, als man sich spanische Weine mit dem Aufdruck Gran Reserva etwas genauer ansieht. Eigentlich müssten der Wein mindestens fünf Jahre ausgebaut worden sein. Davon zwei Jahre im Holzfass, drei Jahre in der Flasche. Weil es sich aber um einen 98er Jahrgang handelt und der Korken ausschaut, wie man in gestern erst gerade hergestellt hätte, kann etwas nicht stimmen. Die Annahme erweist sich als richtig. Das Etikett ist gefälscht und der Wein wurde vom Produzenten mit Glycerin gestreckt. 100’000 Flaschen werden daraufhin aus dem Verkehr gezogen.

Zweiter Fall in Spanien: Einer von Robert Parkers Schreiberlingen soll von spanischen Winzern horrende Summen kassiert haben, um den von ihnen produzierten Weinen mehr Punkte zu geben. So zum Beispiel der 2010er Azumbre Verdejo aus der DO Rueda der Agricola Castellana. Der in Deutschland von Aldi Süd verkaufte Weisswein kriegt fette 90 Punkte und ist schon nach wenigen Tagen ausverkauft. Aldi führt übrigens den 11er Verdejo immer noch im Sortiment. Und der ist Parkers Leuten immerhin 89 Punkte wert. Trau, schau, wem?

ÖsterreichWenn ein Skandal bis heute regelmässig zitiert, oder zum Tischgespräch gemacht wird, ist es derjenige von 1985. Kein anderer hatte auf Verkauf und Export eine derart drastische und lang anhaltende negative Auswirkungen. Wie kam’s? Einige österreichische Produzenten wollten ihren Wein durch die Beigabe des Frostschutz-Alkohols Diaethylenglykol künstlich aufwerten. Durch anonyme Anzeigen wurde der Schneeball ins Rollen gebracht und entwickelte sich schnell zu einer unkontrollierbaren Lawine. Der Image-Schaden war enorm und hatte sogar Auswirkungen auf den Absatz von Weinen des Nachbarlandes Deutschland. Denn auch dort wurden Kontrollen durchgeführt und immerhin 27 Glykolfälle bekannt. In Deutschland beteuerte man aber stets, dass die Verseuchung der deutschen Produkte ausschliesslich durch den illegalen Verschnitt mit österreichischen Weinen zu Stande gekommen sei. Auch in Sekt und österreichischem Traubensaft entdeckte man teilweise bedenklich hohe Konzentrationen des Frostschutzmittels. Zu gesundheitlichem Schaden gekommen ist aber niemand. Interssanterweise war es die NZZ, welche die Auswirkungen bereits zum Zeitpunkt des Geschehens prophezeite:  „Was in Österreich vorgeht und wegen des Exports weltweit bis in die USA und nach Japan Aufsehen erregt hat, wird, so ist zu befürchten, auf Jahre und Jahrzehnte hinaus das Vertrauen in den Wein, in die Redlichkeit der Winzer und in die Glaubwürdigkeit der Weinhändler erschüttert haben.“ So kam es dann auch. Aus heutiger Sicht konnte den Österreichern aber nichts Besseres passieren. Die Qualität der Weine hat seither dramatisch zugelegt. Junge Winzer geben ihr Bestes, österreichischen Wein von hoher Qualität in die Welt hinauszutragen. Der Absatz ist seit 1990 um’s Fünffache gestiegen und die Weine unseres Nachbarn besitzen international wieder ein hervorragendes Image. Innerhalb Österreichs liegt der Marktanteil von österreichischem Wein bei unglaublichen 85%. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt er gerade mal bei 37%. – Fast wünscht man sich einen ähnlichen Urknall für unsere Weinwirtschaft. Natürlich ohne wirtschaftliche Folgen, personelle Konsequenzen und gesundheitlich Geschädigte.

Alles gelesen? Sehr gut gemacht! Jetzt aber schnell das Gelesene vergessen und die nächste Flasche entkorken. Am besten einen Portugiesen. Die scheinen Skandal-resistenter zu sein. Die Ausnahme bestätigt halt einmal mehr die Regel. Zum Trost: Betroffen sind ja meistens soweieso nur Billigst-Weine oder Flaschen, welche im Handel für einen drei-, oder vierstelligen Betrag den Besitzer wechseln. Puh, da kann ich wieder ein wenig aufatmen. Beide Preisklassen liegen mir und diesem Blog nämlich fern.

Falls ihr aber gerade einen Italiener vor euch stehen habt: Augen zu und durch!

P.S. Mehr vertrauenswürdiges Material konnte ich in der kurzen Zeit leider nicht auftreiben. Portugal, Griechenland und Ungarn produzieren scheinbar sauberen Wein, oder sind so raffiniert, ihre Skandale nicht publik werden zu lassen.

Quellen: China: 1 / Deutschland: 1 2 / Frankreich: 1 / Italien: 1 2 3 4 5 / Schweiz: 1 / Spanien: 1 2 / Österreich: 1 2 / Allgemein: 1


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Rioja „Marqués de Riscal“ Reserva DOCa 2006

Weihnachten steht vor der Tür: Noch vier Wochen, bis das Christkind klingelt und die Geschenke unter’m Baum liegen. Wer es kaum erwarten kann und seine Fertigkeiten als Auspacker bereits im November trainieren möchte, kommt um den Marqués de Riscal nicht herum. Vier Hürden stehen nämlich zwischen Verpackung und Genuss: 1) Draht entfernen, 2) Kapsel abziehen, 3) Entkorken, und 4) Einschenken. – Das ist immerhin eine mehr, als bei den meisten Weinen mit Korkzapfen.

Riojas kommen verpackungsmässig sowieso oft speziell daher. Keine Ahnung warum. Vielleicht treffen sich ja irgendwo in einem zentralen Hinterhof alljährlich Riojas Winzer für eine Besprechung. Eine, bei der sie neue skurrile Flaschen- und Verpackungsdesigns entwerfen. Schliesslich grenzt es oft fast schon an Event-Drinking, was mir die Spanier da zumuten: Den Marqués de Riscal packen sie in Draht, dem Viña Imas Barón de Ley spendieren sie eine bullige Metalletikette, der mich bei meiner Entsorgungstour, vor dem Altglascontainer stehend, immer ein wenig ratlos macht; der Siglo hat sogar ein Jutemäntelchen und die Flasche des Faustinos ist in Krepppapier eingeschweisst, dass zusätzlich ebenfalls von Golddraht umwoben ist. Kauft man sich gar drei Flaschen des Faustinos, erhält man mancherorts das „Set“ in einer Kartontasche. Toll, danke auch für den zusätzlichen Müll! Zum Glück schmeckt der Inhalt nicht wie die Verpackung aussieht. Und das ist schliesslich alles, was zählt.

Rioja

Merry Christmas: Spanische Verpackungskünste 2012

So, genug gemeckert, zurück zum Wein: Der Marqués de Riscal ist ein Cuvée aus Tempranillo, Graciano und Mazuelo. Wobei laut Erzeuger die Tempranillo-Traube mindestens 85 Prozent am Gesamtgemisch ausmacht. Ähnlich wie beim Bordeaux, ist Rioja die allgemeine Bezeichnung für Wein eines gleichnamigen Weinanbaugebiets. Rioja basiert immer auf derselben Rebsorte, nämlich Tempranillo. Dabei werden die Rotweine nach Ausbau bzw. Reifegrad unterschieden:

Crianza: Zwei Jahre gereift, davon mindestens eines im Eichenfass

Reserva: Drei Jahre gereift, davon mindestens eines im Eichenfass

Gran Reserva: Mindestens zwei Jahre im Eichenfass, danach drei Jahre gelagert

Der Marqués de Riscal ist ein Reserva. Das Bouquet riecht unglaublich intensiv nach Fass. Es duftet holzig, erdig, stallig. Drei Attribute, weche ich auch schon beim Schnüffeln an einigen Bordeaux in der Nase hatte. Die Farbe ist ein dichtes Granatrot, mit leicht violettem Einschlag. Man sieht gerade noch so durch. Im Mund schmeckt der Rioja geradlinig. Es ist alles da: Ein Quäntchen Tannine, Frucht (Schwarze Beeren), Würze (Rosmarin), starker Körper, leichte Säure. Er schmeckt schön voll, aber nicht überladen. Der Abgang ist angenehm. – Bei uns gibt’s Rindsfilet mit dunkler Sauce, Rosmarinkartoffeln und Pilzen dazu. Das Abendessen wird vom Wein super ergänzt. Es passt einfach. Punkt.

Der Marqués de Riscal gefällt mir gut. Es handelt sich um einen sehr schönen Basisrioja eines überdurchschnittlichen Jahrgangs. Er schmeckt, hat sympathische Ecken und Kanten, und ist – last but not least – bezahlbar. Einzig an der Verpackung könnten sie noch arbeiten, Riojas Winzer im Hinterhof. Wer jedoch sowieso noch goldenen Draht für Adventsbasteleien braucht, sollte sofort zugreifen, bevor alle Spanier aufgrund der allgemein ausgebrochenen Weihnachtspanik ausverkauft sind. Ich bleibe gelassen und gebe 16 Punkte.

Salud !

Rioja Marqués de Riscal Reserva DOCa 2006

Punkte: 16/20
Passt zu: Fleisch, Würzigen Gerichten, Reifem Hartkäse
Preis: Fr. 18.45*

Den Rioja „Marqués de Riscal“ Reserva DOCa gibt es hier, hier und hier

* Bei Manor geht er momentan für Fr. 14.95 über die Ladentheke.


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Palomar Monastrell Juan Gil 2009, Selection Alexander von Essen

Nachdem meine Woche bisher weintechnisch eher durchwachsen war, möchte ich heute endlich mal wieder eine anständige Flasche entkorken: Alle Mann in Deckung, Marmeladenwein im Anflug!

Nach einem harten Arbeitstag stehe ich fixnudelfertig im Manor. Morgen ist Wochenende, und der gefrässige Blog muss schliesslich auch wieder mal mit Inhalt gefüttert werden. Alles in allem also mindestens tausend gute Gründe, entspannt an einem rotem Traubensaft zu nippen. Da mich Alexanders Weine bisher noch nie enttäuscht haben, greife ich zu einer konischen Flasche mit seinem Namen drauf.

Der Palomar wird aus der Rebsorte Monastrell vinifiziert und in Spanien typischerweise im südöstlichen Jumilla angebaut. Normalerweise wird die Traube zur Herstellung von Cuvées benutzt. Beim Palomar handelt es sich jedoch um einen sortenreinen Rotwein.

Die schwere, massive Flasche lässt den Inhalt bereits erahnen: Der Wein hat doch tatsächlich einen Alkoholgehalt von 14,5%. Ich merke das spätestens, als ich ein erstes Glas auf leeren Magen trinke. Au Backe!

Bereits beim Entkorken der Flasche verströmt der Spanier einen unheimlich intensiven Duft in nächster Umgebung. Eindrücklich. Auch seine Farbe gefällt mir. Er scheint in einem edlen und dichten rubinrot. Etwas Licht scheint jedoch noch durch das Glas. In der Nase halten sich Beeren- und Gewürzaromen die Waage. Auch im Mund findet man eine schöne Balance der Aromen. Der Körper ist unglaublich voll und stabil. Rosmarin, Thymian und rote Beeren, etwas Feige, vielleicht ein Hauch Leder, meine ich zu erkennen. Die Tannine sind angenehm zurückhaltend und sehr gut integriert. Der Abgang ist unendlich lange. Mmh, fein.

Insgesamt kommt der Palomar mächtig, marmeladig und sehr modern daher. Halt eine üppige, schwere Fruchtbombe mit ordentlich Würze. Wie beim Rocca, kann ich auch hier nicht mehr als zwei, höchstens drei Gläser trinken. Dann reicht’s! Der Palomar ist aber auch ohne eine passende Mahlzeit ein Genuss.

Die Entfaltung dieses Weins ist meiner Meinung nach, mehr als von anderen schweren Rotweinen gewohnt, von seiner Temperatur abhängig. Empfohlen werden laut Manor 16 -18 Grad Celsius. Bei 16 Grad ist der Wein aber noch zu verschlossen, und entfaltet höchstens zwei Drittel seines Potenzials. Eine leicht höhere Temperierung unterstützt bei diesem Wein wirklich alle seine positiven Attribute, ohne dass er zerfällt.

Wenn man modernen, fruchtigen Wein mag, sollte man dem Palomar unbedingt eine Chance geben. Der Spanier hält mit seiner Würze auch deftigeren Gerichten stand. Bei uns wurde er zu Penne all’arrabiata aufgetischt und passte hervorragend. Zu kalt mag er es aber nicht. Holt ihn also früh genug aus dem Keller, lasst die Flasche mindestens eine Stunde entkorkt stehen und trinkt den Wein gut temperiert!

Momentan gibt’s ihn bei Manor zum Aktionspreis von Fr. 12.50. Da kann man wirklich nicht viel falsch machen… Also nicht’s wie hin! Ich hol‘ mir morgen gleich nochmals drei Flaschen für meinen bescheidenen Keller.

 

Palomar

Punke: 17/20
Passt zu: Fleisch, Teigwaren, Käse
Preis: Fr. 12.50 statt 16.95

 

Zu kaufen gibt’s den Palomar Monastrell hier.