Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Riesling für den Niesling: Van Volxem Fuder 13, 2012

Flaschentester hat sich erkältet, als er wiedermal für seinen Blog mit dem Radl durch Eiseskälte und Schneeregen quer durch die Stadt einige Rote und Weisse besorgen ging. Die Nase tropft, die Ohren sind scheinbar mit Watte gefüllt. Als wäre das nicht schon genug, meldet sich der interne Bio-Sensor plötzlich mit einer leichten Erhöhung der Betriebstemperatur. Da hilft nur eines: Trinken.

In der Küche wartet schon der Hustensirup, weiter geht’s mit eimerweise Tee. Kaum ist die Tropfnase verklungen, nehme ich Abschied von den Tassen und halte meinen Rüssel endlich in ein anständiges Glas. Eins mit Riesling drin. Er hört auf den Namen Fuder 13.

Der Begriff steht an der Mosel für ein Weinfass mit sage und schreibe 1’000 Litern Inhalt. Nicht schlecht, Herr Specht – pardon – Niewodniczanski. So heisst nämlich der Mann, der 1999 das etwas eingeschlafene VDP-Weingut Van Volxem, ehemals Jordan & Jordan, übernahm und wieder auf Kurs brachte. Der Spross der Bitburger-Führungsriege, schien von Anfang an ein glückliches Händchen und genügend Geld für die Neuorganisation des deutschen Traditionsbetriebs zu haben. Auch seine Philosophie scheint erfolgsversprechend zu sein: Lese von Hand, Ertragsreduzierung an den Reben und akkurate Laubwandarbeit werden bei dem Online-Nachschlagewerk gelistet. Die Weine gären ausserdem ohne Zusatz von Industriehefen und werden nicht geschönt. Traditionell ist auch das Vergären des Mosts im besagten Fuder. An der Saar ist Bio angesagt. Und wie.

Das klingt ja schon mal gut. Mehr ist auch mit Hilfe von Van Volxems Homepage leider nicht in Erfahrung zu bringen. Diese besteht nämlich lediglich aus einer Art Diashow. Also müssen für diesen Artikel Sekundärquellen herhalten. Schade. Denn Roman Niewodniczanski macht auf Understatement pur, denke ich mir und nippe nochmals am Weissweinglas. – Der Mann kann das aber auch. Er hat Hirn, Moneten, Erfolg, Aussehen, Auszeichnungen und vermutlich auch sonst alles was man sich wünscht.

Dieses Bild vermitteln einem wenigstens die Medien – und auch das geschickte Marketinghändchen von Niewodniczanski himself. Denn, wenn man was über ihn liest, dann nur Märchenhaftes. Vom weissen Ritter ist die Rede, von einem Pionier, einem der alles richtig anpackt und ausschliesslich dem Wein und der Region dient. Hach, zu schön um war zu sein, diese streckenweise auf Boulevard-Niveau geschriebenen Artikel über den Riesling-Robin Hood. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Hochglanzbildern: Roman mit Hund. Roman im Weinberg. Roman im Frack. Roman als Actionheld. Roman im Büro. Die Liste liesse sich spielend fortsetzen. Dallas meets Denver Clan meets Falcon Crest. Egal, mich interessiert in erster Linie der Wein. Aufgeblasene Werbemaschinerie oder nicht, ich trinke und geniesse.

VanVolxem

Nein, keine neue Soap, sondern ein Winzer im Glück: Roman Niewodniczanski (rechts im Bild).

Denn das muss man den den deutschen Rieslingen lassen: Nirgendwo sonst auf der Welt erhält man solche Spitzenqualitäten zu derart moderaten Preisen. Selbst Grosse Gewächse kosten heute selten mehr als fünfzig Franken. Und auch ein einfacher Kabinett oder Gutswein kann bereits enorm Spass machen. Riesling ist toll. Riesling ist bezahlbar. Riesling macht Spass!

Der Fuder 13 liegt preislich im unteren Mittelsegment und stammt aus dem schönen Rieslingjahr 2012. Es handelt sich um die A-Klasse des Van Volxem-Sortiments. Was kann ich von dieser erwarten? Nun, wie beim deutschen Automobilhersteller, durchwegs Wertiges. Niewodniczanski’s Abfüllung besticht in der Nase durch allerlei gelbe Früchte. Man riecht Grapefruit, Ananas, Banane und etwas Zitrone. Der Duft ist durchaus betörend. Im Mund ist der Volx relativ unspektakulär. Die Säure ist angenehm, der leichte Sprudel gefällt, der Früchtekorb ist nach wie vor vorhanden. Ein Hauch Mineralität mischt sich ins Spektrum. Der Wein besitzt eine liebliche Attitüde, er ist süffig und unkompliziert, gleichzeitig aber auch angenehm erfrischend. Es ist ein Wein für Gelegenheitsgeniesser und solche, die sich geschmacklich nicht zu weit aus dem Fenster wagen wollen. Van Volxem’s Riesling ist schlicht ein sehr solider, vollmundiger Wein.

Für etwas mehr als zwanzig Franken erhält man einen überaus ordentlichen produzierten, und durch und durch traditionellen Riesling ins Glas. Es handelt sich um einen schönen fruchtigen Weisswein, der auf Anhieb Spass macht. Es gibt preisgünstigere Flaschen gleicher Qualität, keine Frage. Doch auch diese hier kann man bezahlen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in Ordnung. Schliesslich wollen Van Volxem’s Webdesigner auch bezahlt werden. Und wenn noch einige Flaschen mehr des Fuders über die Ladentheke wandern, gibt’s vielleicht in naher Zukunft ausser Bildern, online inhaltlich auch mal was Nahrhafteres zu sehen. Schön wär’s. Ich gebe 17 Punkte. – Meiner Nase geht’s übrigens wieder besser. Danke der Nachfrage.

Fuder13

Punkte: 17/20
Passt zu: (Ziegen-)Käse, vegetarisch-würzigen Gerichten, kalten Platten, Bauern-Omelette
Preis: Fr. 21.00 / € 13.85

Van Volxem’s Fuder 13 gibt’s bei Mövenpick Schweiz oder Deutschland.

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Dr. Loosen Riesling QbA 2011

Kampf dem Januarloch: Teil II – Deutschland ist bekannt für seine Rieslinge. Gerade in den letzten Jahren ist das Interesse an den Weinen von Mosel, Rheingau & Co. erfreulicherweise stetig gewachsen. Das ich von der alt eingesessenen Traubensorte ebenfalls hell begeistert bin, habe ich schon mehrfach erwähnt. Dass es auch trinkbare Rieslinge jenseits der Zehnfrankenmarke gibt, gilt es zu beweisen. Hoffnungsvoll stürze ich mich in das Experiment. Dr. Loosen assistiert.

Zur Popularität des Rieslings hat nicht zuletzt der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter, kurz VDP, beigetragen. Dieser arbeitet nämlich seit Beginn der 90er kontinuierlich an einer Vereinheitlichung der Klassifizierung und einer damit einhergehenden Qualitätssicherung von Weinen der VDP angehörigen Weingüter.

Bei der vor mir liegenden Flasche handelt es sich um die billigste Abfüllung des Weinguts Dr. Loosen. Dieses Ausnahmegut hat eine zweihundertjährige Geschichte hinter sich und gehört wie Molitor, Van Volxem, Von Buhl und andere zur Champions-League der deutschen Rieslingsproduzenten. Auf dem Etikett steht QbA. Dies bedeutet „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“. Weine dieser Stufe stehen qualitativ zwar über einfacheren Tafel- oder Landweinen, dürfen aber dennoch verbessert werden. Das heisst im Klartext nichts anderes, als dass zum Beispiel vor der Gärung aufgezuckert werden darf. Diesen Vorgang nennt man Chaptalisation. Und ja, der Loosen ist garantiert chaptalisiert worden. Da wette ich meinen Allerwertesten darauf.

WeingutLoosen

Ernst Loosen: Decanters „Man of the year 2005“

Die Flasche hat einen Drehverschluss. Auf dem Etikett steht Mosel/Bernkastel. Erinnerungen werden wach. Die Genussreife wird von Coop übrigens mit 2016 angegeben. Allzu schnell muss er also nicht getrunken werden. Schön. Ich schenke ein. Man könnte meinen, dem Riesling sei ein Geist erschienen, so blass zeigt er sich im Glas. Ein blass-gelbes Wässerchen ist er, dieser Loosen. Die Nase ist unspektakulär. Es duftet ein wenig nach Pfirsich und Ananas, Mineralisches ist nicht auszumachen. Ein erster Schluck lässt mich ein wenig schmunzeln: Da hat aber jemand ordentlich vom Zucker Gebrauch gemacht! Dafür ist er leider ziemlich säurearm. Etwas mehr hätte er schön vertragen. Der Körper ist leicht und erfrischend. Der Abgang schmeichelnd und für diese Qualitätsstufe erstaunlich lange. Insgesamt werden Erinnerungen an Kabinetts, oder gar einen Moscato d’Asti wach. Der Riesling hat gerade mal 8.5 Volumenprozent und ist nicht zuletzt deswegen süffig ohne Ende. Davon könnte man mal eben so eine ganze Flasche alleine bechern. Zugegeben, nach dem ersten Glas wird’s geschmacklich etwas langweilig. – Doch genau hier kommt das Essen ins Spiel. Was kocht man denn zum Loosen? Ich meine: Asiatische Gerichte. Bei uns gibt’s zum Beispiel wieder mal was vom indischen Subkontinent. Dazu passt er, der Dr. Loosen. Und wie er dazu passt! Zwar interagiert er kaum mit dem Essen, er ist aber dennoch unterstützend und vor allem erfrischend. Er ergänzt Würzig-Scharfes äusserst schön durch seinen süssen und säurearmen Charakter. Auch Bernd‘ Kreis Taschenbuch über Essenspaarungen bestätigt mir diesen Eindruck. Weiss, süss und säurearm passt zu scharf und pikant. BINGO!

Fazit: Der Dr. Loosen QbA ist ein günstiger Wein, der vielen schmecken wird, denen Wein immer zu säurehaltig ist. Er ist süffig, kann noch ein, zwei Jährchen gelagert werden und passt zu asiatischem Essen. Für sich alleine genommen ist er etwas langweilig und – sehr süss. Nichtsdestotrotz könnte das mein neuer Favorit zu Fleisch- und Gemüsecurrys werden. Zu dem Preis eine unschlagbare Kombo. Kostet doch die Flasche gerade mal Acht Franken Sechzig. Im 6er Karton sogar nur Fr. 7.70. Das nenne ich preiswert. Chaptalisation hin oder her: Ich gebe 14 Punkte.

DrLoosenQbA2011

Punkte: 14/20
Passt zu: asiatischem Essen
Preis: Fr. 8.60

Kaufen kann man den Dr. Loosen QbA hier