Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Cave de la Ville de Neuchâtel – Oeil de Perdrix 2011

Der Kanton Neuchâtel, zu Deutsch Neuenburg, war noch bis vor einem Jahrhundert die Schweizer Absinth-Hochburg schlechthin. Heute erfreut sich ein anderes alkoholisches Getränk wachsender Beliebtheit: Die Rede ist vom Rebhuhn-Auge, bekannter unter dem Namen Oeil de Perdrix.

Im letzten Artikel postulierte ich bei Schweizer Weinen noch die Abkehr von der Lage oder Region, hin zum Winzer und aussagekräftigen Etiketten. Am Beispiel des hier besprochenen Oeil de Perdrix merkt man schnell, dass das kein einfaches Unterfangen ist. Besitzerin des Guts ist in diesem Fall ist nämlich keine Einzelperson, sondern die Stadt Neuenburg. Insgesamt zwölf Hektar Land gehören zu den städtischen Kellereien. Für Schweizer Verhältnisse eine stattliche Grösse. Es werden regionstypisch hauptsächlich Chasselas und Pinot Noir angebaut. Ferner auch Chardonnay und Pinot Gris. Die Produktion entsprich IP-Normen. Auch das Label AOC (Appellation d’origine contrôlée) findet man auf der Etikette. Gewonnen wird Oeil de Perdrix ausschliesslich aus Pinot Noir. – Immer. Und zwar als saignée, also einem Rotweinabzug. Obwohl der Oeil de Perdrix ursprünglich aus der Region Neuenburg stammt, ist der Titel bis heute nicht geschützt. Man findet daher auch immer mehr Schweizer Roséweine mit dieser Bezeichnung, welche aus anderen – Westschweizer – Regionen stammen. Zum Beispiel aus dem Wallis.

OeilDePerdrix

Auch wenn der Stadtadler den Korken ziert: Der Rosé nennt sich Oeil de Perdrix (dt. Rebhuhn-Auge).

Ursprünglich ist der Begriff Oeil de Perdrix eine Bezeichnung für die Farbe von Roséwein. Also einem Farbton irgendwo zwischen Orange und Granat. Und genauso zeigt sich auch die Abfüllung der Stadt Neuenburg im Glas. Manche würden es auch Lachsfarben nennen. Die Farbe erhält der Wein übrigens dadurch, dass der Saft nur kurz auf der Maische bleibt und nachher abgepresst wird. Sie gefällt mir. Auch die Flasche und das Etikett sind sehr ansprechend gestaltet (siehe unten). Der Wein selbst tendiert farblich Richtung blass, ist aber trotzdem klar. Die Viskosität ist weder wässrig noch ölig, sondern liegt irgendwo dazwischen. – Ich schenke ein. Die Nase wirkt harmonisch und gefällig. Sie ist attraktiv, bietet sie doch auf Anhieb leichte, sommerliche Fruchtaromen. Nachdem ich den Rosé ein wenig schwenke, kommt das gesamte Spektrum olfaktorisch deutlicher zur Geltung. Es riecht blumig. Rosen und Veilchen duften einem entgegen. Mit Grapefruit und Limone sind auch Zitrufrüchte vorhanden. Schön.

Die ideale Trinktempereatur wird mit 8 – 10 Grad Celsius angegeben. Schon beim ersten Schluck stellt sich sofort eine Art Sommergefühl ein. Gerne würde ich jetzt am Lac de Neuchâtel sitzen, ein Fischgericht essen und ein Glas vom Oeil de Perdrix dazu trinken, entspannt den Segelbooten zusehen und die warmen Sonnenstrahlen geniessen. – Stattdessen sitze ich im grauen St. Gallen. Auf dem Teller gemischte Blattsalate und angebratener Tofu an Sesam. Zugegeben: Auch das schmeckt recht lecker in der Kombination mit dem Wein. Aber Sommer geht anders. Auch in der Schnee verwöhnten Schweiz.

Neuenburg

Blick auf die Stadt Neuchâtel und den gleichnamigen See.

Im Mund kommen Blauburgunder-typische Aromen zum Vorschein. Erdbeere und Kirsche machen sich breit. Die Säure wirkt erfrischend, der Körper ist leicht. Auch das spricht für ein ideales Sommergetränk. Der Wein ist insgesamt relativ ausgewogen, die Säure vielleicht einen Tick zu dominant. Ausgleichend wirkt die Rosé-typische Lieblichkeit, welche auch der Neuenburger mit sich bringt. Der Abgang ist akzeptabel, überzeugt aber nicht vollends. Erstaunt stelle ich zudem fest, dass der Wein stolze dreizehn Volumenprozente auf die Waage bringt. Mein lieber Scholli! Da habe ich den Westschweizer wohl etwas unterschätzt. Mais, tant pis! Darauf kommt’s ja schlussendlich auch nicht an. Und praktisch alle Rosés liegen heute in diesem Bereich oder sogar darüber.

Fazit: Die Flasche der Neuenburger Stadtkellereien macht durchaus Spass. Er wirkt frisch, hat eine schöne Farbe und bringt Pinot Nor-typische Noten am Gaumen. Geschmacklich fehlt dennoch ein wenig die Intensität. Positiv ausgedrückt: Der Wein kann zu vielerlei sommerlichen (Vor-)Speisen gereicht werden, da er sich durch seine Leichtigkeit sofort integriert. Insgesamt wirkt er recht gut balanciert, auch die Nase gefällt. Preislich spielt er jedoch in der Rosé-Oberliga, sofern man ihn nicht direkt in Neuchâtel bezieht. Schade. Das macht auch die schönste Flasche nicht wett. Ich gebe 15 Punkte.

OeilDePerdrixPunkte: 15/20
Passt zu: Salaten mit hellem Fleisch/Tofu, leichten Vorspeisen, Apéro
Preis: Fr. 18.50 oder 14.- bei Direktbezug

Den Oeil de Perdrix kriegt man bei Martel, weitere Weine der Stadt Neuenburg auch direkt bei deren Kellereien. Mövenpick führt in den deutschen Filialen ebenfalls einen schönen Oeil de Perdrix. Allerdings einen Walliser.

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Frohe Ostern: Biokult Zweigelt Rosé 2011

Etwas uninspiriert kaufe ich neulich einen Rosé. Ein Grüner Veltliner desselben Labels hat mich schon lange als einfacher Saufwein überzeugt. Der Rosé soll’s jetzt auch tun. Nach der Verkostung sitze ich wieder mal vor einem leeren Blatt digitalen Papiers. Ein Artikel will geschrieben werden. Meine Recherchen beginnen. Nicht lange, und ich bin um eine Erkenntnis reicher: Bio ist Bio, und Coop ist Delinat. – Hä? Und was hat das eigentlich alles mit Ostern zu tun? Gemach, gemach.

Gehörst du auch zu den Konsumenten, die Wein aufgrund des Etiketts aussuchen? Dann sind dir die Weine des Biokult-Labels bestimmt schon aufgefallen. Die hübschen Flaschen gehören zu Coop’s Naturaplan-Linie. Es sind relativ preiswerte Weine. Und es steht fett Bio drauf. In den Regalen des Grossverteilers findet man einen Zweigelt, den erwähnten Grünen Veltliner und den hier getesteten Rosé. Ausser Bio haben sie vor allem eins gemeinsam: Den Preis. Jede Flasche kostet exakt genau gleich viel. Nämlich elf Franken und fünfzig Rappen. Strategie? Subvention? Wahnsinn? Man weiss es nicht.

WeinEi

Schatz ich hab‘ ein Ei gefunden: So schön kann Ostern sein.

Erzeugt wird der Biokult-Rosé auf dem Weingut der Michlits. Dieses befindet sich im beschaulichen Pamhagen. Also in Niederösterreich. Es handelt sich übrigens um den grössten Biowein-Betrieb Österreichs. Die umtriebige Familie produziert in erster Linie die bei uns recht beliebten Meinklang-Weine. Das Traubenmaterial für die Biokult-Abfüllungen stammt jedoch von Bio-Winzern aus der Gegend. Biokult ist ein Gemeinschaftsprojekt unter dem Hut des gleichnamigen Labels. Der Michlitsbetrieb ist für die Vinifizierung zuständig. – Meinklang-Produkte kriegt man in unseren Breitengraden bei Delinat, Biokult bei Coop. Beides ist Bio, beides stammt vom gleichen Gut. Na ja, das eine voll und ganz, das andere, was die Weinbereitung betrifft. Anderes Geschäft, gleiche Baustelle, gewissermassen. So viel also zum Eingangstext.

Zurück zum Thema: Für den Rosé muss die Nationaltraube unserer Nachbarn – Blauer Zweigelt – herhalten. Der Ertrag wird mit sechzig hl/ha angegeben. Für diese Preisklasse also eine Ernte im üblichen Rahmen.

Die Vinifizierung des Rosés erfolgt traditionell. Die Reifung erfolgt während sieben Monaten im Stahltank. Aber Werner Michlit hat auch eierförmige Tanks. Jawohl, eierförmig. Hab‘ ich doch noch die Kurve zu Ostern gekriegt. Ha! – Der Winzer ist davon überzeugt, dass die Natur mit dem Beton-Ei eine ideale Form für die Reifung gefunden hat. Die speziellen Tanks nach französischem Vorbild, sollen eine reiche Aromenentfaltung und höchstmögliche, natürliche Stabilität bzw. Balance aller Komponenten gewährleisten.

Nun, auch ohne Ei-Einsatz ist in Niederösterreich ein ordentlicher Rosé herangereift. Im Glas scheint er in einem sehr ausgeprägten Granatrot. Das Bouquet duftet intensiv nach Pfirsich. Jawohl Pfirsich! Und nicht Zweigelt-Kirsche, wie in der Degu-Notiz auf dem Etikett steht. Spontan erinnert mich der Duft, und auch der Geschmack, an jugendliche Erfahrungen mit Pesca Frizz. Im Mund schmettert der Biokult-Wein einem ebenfalls intensivste Frucht entgegen. Sehr angenehm beim ersten Schluck, etwas langweilig bei den folgenden. Ausser Pfirsich, leichter Süsse und Frischegefühl kommt nämlich nicht mehr viel nach. Der Körper ist leicht, der Abgang kurz, der Wein süffig. Punkt. Aus. Ende.

Fazit: Der Biokult-Rosé erreicht leider bei weitem nicht die Geschmacksdichte eines Tour de Mirambeaus oder einer von Daniel Lloses Abfüllungen. Trotzdem weiss er durch seine direkte, schlichte und ungekünstelte Art zu gefallen. Ein Land-Rosé, sozusagen. Bei uns gibt’s einen Fitnessteller mit paniertem Kalbsschnitzel dazu. Diese Kombination geht ganz ordentlich über die Bühne. Als Apérowein, für Bowlen oder zu frischen, frühlingshaften und leichten Gerichten passt der Biokult-Rosé bestimmt auch ganz gut. Der Preis ist attraktiv. Die Pfirsichfrucht ebenfalls. Ich gebe 14 Punkte.

BiokultRosé

Punkte: 14/20
Passt zu: Fitnesstellern, leichten Gerichten, Apéros, Bowlenattacken
Preis: Fr. 11.50

Der Biokult-Rosé steht bei Coop in den Regalen. Die Meinklang-Weine der Michlits gibt’s bei Delinat oder www.probiowein.de 


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L’Ostal Cazes Rosé 2011

Es ist Mittwoch. Der Zeiger auf meiner Uhr nähert sich langsam der Ladenschlusszeit. Hustend und keuchend eilen Männer und Frauen, Alte und Junge, durch die Stadt. Au weia, das könnte sich zur Epidemie ausweiten. Morgen ist schliesslich Valentinstag und die Wahrscheinlichkeit einer Tröpfcheninfektion steigt frappant… aber lassen wir das. Eigentlich möchte ich ja nur noch schnell in den Weinkeller bei Globus. Die haben da nämlich einen Rosé, der Daniel Lloses Handschrift trägt. Sagt dir nichts? Dann bitte weiterlesen.

Der Sohn Katalanischer Winzer begann seine Karriere bereits 1976 als Assistent des damaligen Kellermeisters auf dem namhaften Bordelaiser Château Lynch-Bages. Nach zwei Jahren wurde er technischer Leiter. Kurze Zeit später übertrug man ihm die technische Gesamtverantwortung für alle Weingüter der Familie Cazes. Unter seiner Führung modernisierte man in den 80ern die Rebberge, Produktionsstätten und Keller der beiden Châteaux Lynch-Bages und Ormes de Pez . Die dort produzierten Weine erhalten bis heute regelmässig gute bis sehr gute Ratings. In den 90ern baute Llose dann das in den Graves gelegene Château Villa Bel-Air neu auf. Auch für das Weingut L’Ostal Cazes zeichnet er sich verantwortlich:

  • 2002: 150 Hektare Reben und Olivenhaine werden akquiriert
  • 2003: Neupflanzungen, Renovationen, Neubau, Modernisierung des Weinguts/Reben
  • 2004: Der erste Wein wird produziert
  • 2007: Letzte Pflanzungen und Abschluss der Bauarbeiten
  • 2009: Versuche mit der Reduktion von Herbiziden, strengerer Selektion und Kauf neuer Erntemaschinen
  • 2012: Inbetriebname einer Solaranlage, Umstellungen auf biodynamischen Anbau

Da ging also wirklich Einiges unter Wein-Regisseur Llose. Davon konnten wir uns auf Lynch-Bages selbst überzeugen. Das Château scheint administrativ unglaublich gut organisiert, alles wirkt sauber und aufgeräumt und die Anlagen gehören mit zu den modernsten im Pauillac. Das schafft Vertrauen.

Daniel Llose

Herr der Trauben: Daniel Llose

Auch der heute gekaufte Rosé ist eines der vielen Kinder von Daniel Llose. Mitgewirkt hat ausserdem der um einiges jüngere Zögling Lloses, Fabrice Darmaillacq. Die Reben liegen jedoch nicht im Bordelais, sondern süd-südwestlich von La Livinière. Der Wein ist ein Blend aus Syrah und Grenache zu gleichen Teilen. Der Alkoholgehalt beträgt zwölf Volumenprozent. Empfohlen wurde mir der Rosé übrigens von einer sehr freundlichen und vor allem kommunikativen Globus-Mitarbeiterin. So ganz nebenbei erfahre ich von derselben, dass der leckere Quercegobbe und auch der kürzlich vorgestellte Primitivo, nächste Woche zu Aktionspreisen erhältlich sein werden.

Zurück zum Thema: Der vorliegende Rosé scheint in einem äusserst hellen Zartrosa. Das Bouquet ist speziell. Im ersten Moment ist meine Nase etwas überfordert. Ich rieche Rose und… und? Granatapfel. Ja, das ist es. Es ist eine feine Fruchtigkeit, mit einem derben, süsslichen Unterton. Spannend! Im Mund braucht er einen Mikromoment bis er geschmacklich zuschlägt. Dann aber ist er kräftig, blumig, fruchtig, würzig. Der Körper hat dennoch eine verspielte Leichtigkeit und löst die beteiligten Komponenten feingliedrig auf. Auch die Säure ist toll integriert. Der Abgang bringt nochmals Granatapfel und einen Hauch moschusartiger Süsse.

Nach dem enttäuschenden Sprudel-Rosé-Intermezzo vom letzten Mal, bin ich froh, wieder einen ordentlichen Tropfen im Glas zu haben. Daniel Lloses jahrelange Erfahrung scheint sich auch hier bezahlt gemacht zu haben. Der Wein schmeckt mir. Gut sogar. Verglichen mit dem kürzlich vorgestellten Mirambeau ist der L’Ostal Cazes insgesamt etwas leichter und weniger direkt. Welchem man den Vorzug gibt, ist schlussendlich – wie so oft – Geschmackssache. Mir gefallen beide. Ich gebe 16 Punkte.

L'Ostal Cazes Rosé

Punkte: 16/20
Passt zu: Apéro, hellem Fleisch, Currys
Preis: Fr. 12.80

Kaufen kann man den französischen Rosé hier


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Live Brune S Rosé Spumante

Trotz zahlreicher Weltuntergangsszenarien in letzter Zeit, und obwohl Papst Benedikt heute Mittag seinen Rücktritt angekündigt hat, dreht sich die Welt überraschenderweise nach wie vor in gewohnten Bahnen. Für mich heisst das, dass ein weiterer Rosé getestet werden will. Und zwar ein Rosé-Schaumwein. Passend dazu steht ein Süsswasserfisch – genauer eine Forelle – auf der Speisekarte. Das Rezept dafür stammt aus einem meiner Lieblingskochbücher. Da kann ja nicht mehr viel schief gehen. Denkste.

Der Live Brune S ist einer der Tropfen, die unter dem Label Selection Alexander von Essen im Manor erhältlich sind. Das S steht wohl für spumante. Ein Gesprudelter also. Dass ich Alexanders Selection mag, konnte man schon in anderen Artikeln nachlesen. So erhielten zum Beispiel der portugiesische Quinta do Zambujeiro Z, oder der spanische Palomar Monastrell Juan Gil recht ordentliche Punktzahlen. Zu Recht, wie ich meine. Daher bin ich auch auf den venetianischen Schaumwein gespannt wie ein Flitzebogen. Einzig der Preis macht mich ein wenig skeptisch. Liegt er doch unter zehn Franken. Kein Indiz für schlechten Wein per se. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber erfahrungsgemäss.

Hergestellt wird der perlende Rosé von den Cantine Maschio. Die Weinkellereien liegen bei Campo Cervaro, unweit des Städtchens Conegliano, wiederum eine der Hochburgen des Proseccos. Der Live Brune S ist eine Spezialabfüllung für die Selection A. von Essen. Bevor das Abendessen aufgetischt wird, schenke ich schon mal ein. Der Rosé scheint in einem lieblichen Antikrosa. Die Nase ist eindimensional. Lediglich etwas Erdbeere dringt zu meinem Riechorgan. Wir stossen an. Die Perlage empfinde ich als künstlich und unangenehm. Es ist zu viel des Guten, was man allerdings vom Geschmack nicht sagen kann. Es schmeckt – Verzeihung – nach nichts. Lediglich ein paar wenige Beeren tummeln sich da irgendwo im Gaumen. Man könnte meinen, die Flasche habe schon einige Tage offen im Kühlschrank verbracht, bevor jemand noch etwas Kohlensäure nachgeschossen hat, um sie dann als vermeintlich frisch geöffnet zu kredenzen. Das, was ich hier im Glas habe ist gefärbtes Wasser mit Beerengeschmack, leichter Säure und massig Sprudel. Fehlt nur noch der Zucker und man hat eines dieser Dosengetränke für die Szene-Girls, welche sich am Wochenende auf dem Weg zum Club in Tanzlaune trinken wollen. Paaah!

Nochmals in aller Deutlichkeit: Dieser Schaumwein ist LAAAAAANGWEILIG. Klar kann man ihn trinken. Klar ist er geniessbar. Aber macht er auch Spass? Nein. Lohnt sich der Kauf? Auf keinen Fall. Gibt es Besseres aus dieser Selection? Ja, definitiv. Vielleicht taugen ja die Prosecci derselben Weinkellerei was. Wir werden sehen.

Machen wir’s kurz: In diesem Fall stimmt für einmal die Phrase „Qualität hat ihren Preis“. Da letzterer beim vorliegenden Rosé-Schaumwein unter zehn Franken liegt, kriegt man halt auch einen entsprechenden Wert in’s Glas. Sorry Alexander, aber mir schmeckt dein Italienischer Sprudelwein nicht. Positiv formuliert: Die Ausnahme bestätigt die Regel. Ich gebe 11 Punkte.

Live Brune S Rosé Spumante

Punkte: 11/20
Passt zu: Apéro, Süsswasserfisch, Krustentieren
Preis: Fr. 9.95

Kaufen kann man den Schaumwein hier


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Château Tour de Mirambeau Rosé 2010

Der Valentinstag rückt näher. Auch dieses Jahr wird der Tag der Liebenden die Allgemeinheit in drei Gruppen spalten: Die einen interessiert er nicht, die anderen sehen ihn als Bestätigungsakt ihrer Beziehung und die letzten nehmen ihn zähneknirschend zur Kenntnis, weigern sich aber, einen verkommenen, weil von Händlern instrumentalisierten, Brauch zu würdigen. Ich seh’s pragmatisch. Als Anlass schön zu kochen und Wein zu trinken taugt er alleweil. Die Liebe blüht – hoffentlich – auch an anderen Tagen.

Ganz ehrlich: Ich kann mich nicht erinnern, wann und wo ich den letzten Rosé getrunken habe. Lang lang ist’s her. Irgendwie habe ich dieses Zwischending von Wein sowieso nie ganz ernst nehmen können. Mal schauen, ob sich das ändert. Ich bin guter Dinge. Schliesslich habe ich für mich persönlich den Februar zum Rosé-Monat erklärt. Alles angeschnallt, ein neues Special beginnt!

Herz

Die Weine mit der zarten Farbe sind stark im Kommen. Das sagt auch die Statistik. Und die lügt bekanntlich selten. In Deutschland ist nämlich bereits jede zehnte getrunkene Flasche ein Rosé. Vor einigen Jahren brachte es dieser gerade mal auf maximal zwei Prozent Marktanteil. Heute sind es fünfmal mehr. Meine erste Frage lautet daher nicht, kauft denn jemand überhaupt Rosé, sondern wie wird dieser hergestellt?

Ganz einfach, theoretisch zumindest: Man nimmt rote, seltener auch blaue Trauben. Diese werden zunächst erst einmal zermahlen (gemaischt). Nach ein paar Stunden wird ein Teil des Safts von der Maische getrennt. Das Verfahren wird auch Saignée genannt. Der Rosé entsteht quasi als Nebenprodukt von Rotwein. Die Weiterverarbeitung erfolgt wie bei Weissweinen. Das einfachere Mischen von Rot- mit Weissweinen ist übrigens bei der Rosé-Herstellung – in Europa – nicht zulässig. Diese Methode bleibt ausschliesslich Rosé-Schaumweinen vorbehalten. So, das wäre geklärt. Weiter im Text:

Mein Rosé-Special beginnt mit einem klangvollen Namen. Vor mir steht eine Flasche Château de Mirambeau. Erhältlich ist dieser bei Mövenpick. Eben dort hatte ich kürzlich die Qual der Wahl zwischen einer Flasche vom 2010er, oder einer 2011er. Wie hättest du entschieden? Genau, das dachte ich mir auch, und nahm den 2010er.

Das Château ist seit über 250 Jahren im Besitz der Familie Despagne. Auch die ersten Reben wurden in dieser Zeit auf den lokalen Stein- und Lehmböden bereits angebaut. Zu Beginn wurden zwanzig Hektare bewirtschaftet, heute sind es siebzig. Das Schloss liegt im Entre-Deux-Mers, zwischen den Flüssen Garonne und Dordogne. Geführt wird es von Thibault Despagne, als Kellermeister zeichnet sich Joe Elissalde verantwortlich. Der Alkoholgehalt des Rosés beträgt 12%. Vinifiziert wurde er aus Cabernet Sauvignon, also aus roten Trauben.

Beginnen wir mit der Farbe: Der Franzose zeigt sich in einem mittelkräftigen Rosa, beinahe schon lachsfarben. Schön schaut er aus. Das Bouquet bringt Zitrusfrüchte, Veilchen, Lavendel, Frühlingsblumen, Gras. Es richtig zudem vor allem nach schwarzen Beeren. Auch einen Hauch von Erdbeere, Honig, und reifer Melone kann ich erkennen. Streckenweise werden Erinnerungen an den überaus exotischen Thieuley wach. Im Mund vereinen sich alle Komponenten erneut zu einem komplexen, äusserst fruchtigen und erfrischenden Wein. Der Rosé hat etwas Provencales. Ständig schwingen diese feinen, aber überaus konzentrierten Kräuteressenzen mit. Der Körper ist leicht. Der relativ kurze Abgang bringt Zitrussäure und ist etwas herb.

Der Château de Mirambeau ist ein gelungener Rosé. Er ist frisch, er ist interessant, er schmeckt. Er passt zu Fisch, Thai-Curry, wie auch Kalbfleisch-Gerichten. Als Apéro bei sommerlichen Temperaturen macht er sicher ebenfalls eine gute Figur*. Bis dahin dauert’s aber noch einige Monde. Auf der Schattenseite stehen die ein wenig zu dominante Zitrussäure, so wie der leicht sperrige Abgang. Der Preis stimmt allerdings. Ich gebe 16 Punkte.

Château Tour de Mirambeau Rosé 2010

Punkte: 16/20
Passt zu: Fisch, Kalb, asiatischen Gerichten
Preis: momentan Fr. 13.80

Kaufen kann man den Rosé hier

*P.S. Für den optimalen Genuss empfiehlt sich eine Trinktemperatur von 9 – 13 Grad Celsius. Die Aussentemperaturen dürfen gerne auch über 25 Grad liegen.