Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Kurz angenippt: Domaine Josmeyer, Fleur de Lotus, 2012

Notizen

Leichter Bio-Wein aus dem Elsass. Sehr spezielle Cuvée aus Pinot Blanc, Gewürztraminer, Muscat und Riesling. Fleur de Lotus – Nomen est omen: Florale Noten, Pfeffer, Lakritze, Koriander. Im Boquet überwiegt der Gewürztraminer, dessen Süsse ist im Mund jedoch angenehm zurückhaltend. Die Säure ebenfalls. Mittlere Länge. Schöner Abgang. Unspektakulärer Wein im positiven Sinne. Guter Essensbegleiter bei würzigen, asiatischen und indischen Speisen. Ohne passende Gerichte macht der Fleur de Lotus jedoch kaum Spass. Auch als Apéro-Wein fällt er definitiv durch. Kennt man sein Einsatzgebiet, weiss er aber zu gefallen. Ich gebe 15 Punkte.

Josmeyer Fleur de Lotus

Unter der Rubrik kurz angenippt findest du Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

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Bye Bye Winterschlaf

Die Weihnachtsengel sind ausgeflogen, die Neujahrsraketen verpufft, der Alltag hat Flaschentester eingeholt. Damn! Ganz weit oben auf meiner nie enden wollenden ToDo-Liste stehen vor allem zwei Dinge: Bloggen und nochmals Bloggen.

Wenn einem sogar Kollegen der schreibenden Zunft eine gewisse Faulheit nachsagen, wird’s wohl endgültig Zeit, die Finger kräftig zu dehnen und unverzüglich in die Tasten zu hauen. Mehr Output muss her. Sofort. Trinken kann ich später wieder. So viel zum Input. Aber worüber schreibt man, kurz nach dem Erwachen aus einem längeren Online-Winterschlaf? Für einen Jahresrückblick ist es definitiv zu spät. Was bleibt ist die Zukunft. Wie immer. – „Vorwärts vorwärts!“, ruft dann auch sofort der kleine, imaginäre Sommelier auf meiner linken Schulter. Sein Gegenspieler rechts meint, ich soll aufhören zu sinnieren und endlich mal Klartext reden. Also, here we go. Meine Ziele für 2014:

  • Weinmessen & Degustationen: Besuchen, trinken, darüber schreiben. Fertig.
  • Burgunder: Der jugendliche Flaschentester versucht eine vorsichtige Annäherung an das uralte und unendliche Thema.
  • Riesling, Riesling, Riesling: Tauchgänge in das breite Geschmacksspektrum meiner grossen Liebe.
  • Vernetzung: Gastbeiträge und vermehrte Kontaktaufnahme mit anderen Hedonisten und artverwandten Schreiberlingen.
  • Schweizer Wein, schenk‘ ich ein. Und zwar mehr und mehr.
  • Neue Winzer, neues Glück: Frische Weine braucht mein Glas!
  • Let’s talk about wine: Erste Gehversuche als Interviewer. Ganz analog, von Blogger zu Mensch sozusagen.
GlasComputerOK

Wachgeschüttelt nicht gerührt: Flaschentester startet ins 2014. Etwas verspätet, aber fit wie ein Turnschuh, Grösse 46 selbstverständlich.

An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an alle Stefans, Joels, Romans, Andreas, Fionas und wie ihr alle heissen mögt, die ihr meinen Blog lest. Schön, dass es euch gibt. Bis zum nächsten Artikel! Der kommt bestimmt. Schon bald.

Wann denn jetzt genau? Ähm…, ziemlich bald. Versprochen. Ehrlich. Wirklich.


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Riesling für den Niesling: Van Volxem Fuder 13, 2012

Flaschentester hat sich erkältet, als er wiedermal für seinen Blog mit dem Radl durch Eiseskälte und Schneeregen quer durch die Stadt einige Rote und Weisse besorgen ging. Die Nase tropft, die Ohren sind scheinbar mit Watte gefüllt. Als wäre das nicht schon genug, meldet sich der interne Bio-Sensor plötzlich mit einer leichten Erhöhung der Betriebstemperatur. Da hilft nur eines: Trinken.

In der Küche wartet schon der Hustensirup, weiter geht’s mit eimerweise Tee. Kaum ist die Tropfnase verklungen, nehme ich Abschied von den Tassen und halte meinen Rüssel endlich in ein anständiges Glas. Eins mit Riesling drin. Er hört auf den Namen Fuder 13.

Der Begriff steht an der Mosel für ein Weinfass mit sage und schreibe 1’000 Litern Inhalt. Nicht schlecht, Herr Specht – pardon – Niewodniczanski. So heisst nämlich der Mann, der 1999 das etwas eingeschlafene VDP-Weingut Van Volxem, ehemals Jordan & Jordan, übernahm und wieder auf Kurs brachte. Der Spross der Bitburger-Führungsriege, schien von Anfang an ein glückliches Händchen und genügend Geld für die Neuorganisation des deutschen Traditionsbetriebs zu haben. Auch seine Philosophie scheint erfolgsversprechend zu sein: Lese von Hand, Ertragsreduzierung an den Reben und akkurate Laubwandarbeit werden bei dem Online-Nachschlagewerk gelistet. Die Weine gären ausserdem ohne Zusatz von Industriehefen und werden nicht geschönt. Traditionell ist auch das Vergären des Mosts im besagten Fuder. An der Saar ist Bio angesagt. Und wie.

Das klingt ja schon mal gut. Mehr ist auch mit Hilfe von Van Volxems Homepage leider nicht in Erfahrung zu bringen. Diese besteht nämlich lediglich aus einer Art Diashow. Also müssen für diesen Artikel Sekundärquellen herhalten. Schade. Denn Roman Niewodniczanski macht auf Understatement pur, denke ich mir und nippe nochmals am Weissweinglas. – Der Mann kann das aber auch. Er hat Hirn, Moneten, Erfolg, Aussehen, Auszeichnungen und vermutlich auch sonst alles was man sich wünscht.

Dieses Bild vermitteln einem wenigstens die Medien – und auch das geschickte Marketinghändchen von Niewodniczanski himself. Denn, wenn man was über ihn liest, dann nur Märchenhaftes. Vom weissen Ritter ist die Rede, von einem Pionier, einem der alles richtig anpackt und ausschliesslich dem Wein und der Region dient. Hach, zu schön um war zu sein, diese streckenweise auf Boulevard-Niveau geschriebenen Artikel über den Riesling-Robin Hood. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Hochglanzbildern: Roman mit Hund. Roman im Weinberg. Roman im Frack. Roman als Actionheld. Roman im Büro. Die Liste liesse sich spielend fortsetzen. Dallas meets Denver Clan meets Falcon Crest. Egal, mich interessiert in erster Linie der Wein. Aufgeblasene Werbemaschinerie oder nicht, ich trinke und geniesse.

VanVolxem

Nein, keine neue Soap, sondern ein Winzer im Glück: Roman Niewodniczanski (rechts im Bild).

Denn das muss man den den deutschen Rieslingen lassen: Nirgendwo sonst auf der Welt erhält man solche Spitzenqualitäten zu derart moderaten Preisen. Selbst Grosse Gewächse kosten heute selten mehr als fünfzig Franken. Und auch ein einfacher Kabinett oder Gutswein kann bereits enorm Spass machen. Riesling ist toll. Riesling ist bezahlbar. Riesling macht Spass!

Der Fuder 13 liegt preislich im unteren Mittelsegment und stammt aus dem schönen Rieslingjahr 2012. Es handelt sich um die A-Klasse des Van Volxem-Sortiments. Was kann ich von dieser erwarten? Nun, wie beim deutschen Automobilhersteller, durchwegs Wertiges. Niewodniczanski’s Abfüllung besticht in der Nase durch allerlei gelbe Früchte. Man riecht Grapefruit, Ananas, Banane und etwas Zitrone. Der Duft ist durchaus betörend. Im Mund ist der Volx relativ unspektakulär. Die Säure ist angenehm, der leichte Sprudel gefällt, der Früchtekorb ist nach wie vor vorhanden. Ein Hauch Mineralität mischt sich ins Spektrum. Der Wein besitzt eine liebliche Attitüde, er ist süffig und unkompliziert, gleichzeitig aber auch angenehm erfrischend. Es ist ein Wein für Gelegenheitsgeniesser und solche, die sich geschmacklich nicht zu weit aus dem Fenster wagen wollen. Van Volxem’s Riesling ist schlicht ein sehr solider, vollmundiger Wein.

Für etwas mehr als zwanzig Franken erhält man einen überaus ordentlichen produzierten, und durch und durch traditionellen Riesling ins Glas. Es handelt sich um einen schönen fruchtigen Weisswein, der auf Anhieb Spass macht. Es gibt preisgünstigere Flaschen gleicher Qualität, keine Frage. Doch auch diese hier kann man bezahlen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in Ordnung. Schliesslich wollen Van Volxem’s Webdesigner auch bezahlt werden. Und wenn noch einige Flaschen mehr des Fuders über die Ladentheke wandern, gibt’s vielleicht in naher Zukunft ausser Bildern, online inhaltlich auch mal was Nahrhafteres zu sehen. Schön wär’s. Ich gebe 17 Punkte. – Meiner Nase geht’s übrigens wieder besser. Danke der Nachfrage.

Fuder13

Punkte: 17/20
Passt zu: (Ziegen-)Käse, vegetarisch-würzigen Gerichten, kalten Platten, Bauern-Omelette
Preis: Fr. 21.00 / € 13.85

Van Volxem’s Fuder 13 gibt’s bei Mövenpick Schweiz oder Deutschland.


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Denner unstoppable – Ach du meine Fresse

Mein Gott Denner, was bist du aggressiv und unkontrolliert in letzter Zeit. Sobald ich deinen weissroten Schriftzug ausmache, manifestiert sich vor meinem geistigen Auge eine Mischung aus Discounter-Pitbull, und Rattenfänger von Hameln. Zwei Dinge, die die Welt nicht braucht.

PitbullDennerBegonnen hat es mit einer Pressemitteilung im letzten Jahr. Im Dezember 2012 registriert die Medienwelt die Übernahme des Coop-Weineinkäufers Christoph Bürki, den du dann auch baldmöglichst wieder ausspuckst. Personalwechsel werden nicht kommentiert, sagst du. Warum auch. Das nennt sich heutzutage Firmenpolitik. Flaschentesters Aufmerksamkeit ist geweckt. Je länger ich mich mit dir beschäftige, desto mehr ist kräftiges Kopfschütteln angesagt.

Du scheinst den medialen Äther recht grosszügig zu bedienen. Deine Fernsehwerbung, die mit den cinque stelle, scheint gerade der Renner zu sein. Alle wollen Gutscheine gewinnen. Alle haben Spass. – Auch ich hatte Spass, als ich für eine Bewertung deiner mittelmässigen Weine als glücklicher Gewinner einen Gutschein zugestellt bekam. Danke dafür. Leider sind die abgegebenen Kommentare und Bewertungen so inflationär, wie ich’s von Anfang an erwartet hatte. Kaum jemand bewertet deine Weine mit weniger als vier Punkten. Gleichzeitig kann ich die Öffentlichkeit beruhigen: Auch bei schlecht bewerteten Weinen, erhält man als Gewinner der wöchentlichen Verlosung einen Einkaufsgutschein per Post zugestellt. Einige Fragezeichen bleiben trotzdem: Schmecken all deine Weine ausnahmlos gut, wie etwa von Chandra Kurt im Weinseller propagiert? Haben deine Kunden Angst, sich mit treffenden Bewertungen online zu outen und einen Shitstorm auszulösen? Fehlt es Denner-Weinkonsumenten grundsätzlich an Geschmack und Qualitätsbewusstsein? Wo bleibt die eigene Meinung? Man weiss es nicht. Fest steht: Viele lechzen nach deinen Gutscheinen, welche sie dann wieder in Wein investieren, den sie online bewerten, damit ihnen ein Gutschein… ach, wechseln wird lieber das Thema.

Weinkrieg2Auch offline, zum Beispiel auf Papier, bist du ganz schön präsent. Deine Marketing-Offensive umfasst sogar zwei hauseigene Weinzeitungen. Ja richtig, Plural. Von deinem Weinführer ist die Rede, und von einer gehefteten, mehrseitigen Papierwerbung, welche du als Weinzeitung betitelst. Beide sind auch online, als PDF, mit allem dazugehörigen Bedienerschnickschnack abrufbar. Usability scheint von dir neuerdings online ja sowieso ganz GROSS geschrieben zu werden. Denn unterdessen findet man auf http://www.denner.ch eine komplett überarbeitete Seite mit klarer Struktur und einer benutzerfreundlicheren Navigation als noch Anno Domini Zweitausendirgendwas. Den Konsumenten freut’s. Auch ich haber darüber berichtet und war mit deinem Auftritt ziemlich zufrieden. Umso trauriger stimmt mich deshalb die Tatsache, dass du uns Weinkäuferinnen- und Käufern immer wieder mit dem selben Wein hinters Licht führst. So entdecke ich auch heute, online, beim Schreiben dieses Artikels, wieder eine Rocca Rubia-Aktion. Nicht die erste, wohlgemerkt. Der Wein des Anstosses wurde bereits mehrmals von dir zum Spottpreis angeboten, war aber in den Läden meines Wissens nie erhältlich. Ein St. Galler Weinhändler erwog deshalb sogar rechtliche Schritte gegen dich einzuleiten. Meine Fresse Denner, was soll denn das? Bitte Seinlassen, danke.

DennerDrLoosenDafür, dass du überraschenderweise den hinlänglich bekannten 2010er Pannobile von Heinrich einige Tage als Schnäppchen angeboten hast, bin ich dir hingegen sehr dankbar. Sowieso scheinst du auf dem österreichischen Auge nicht mehr ganz so blind zu sein. Das beweist du nicht nur mit der Heinrich-Aktion, sondern auch der Aufnahme eines einfachen Grünen Veltliners in dein Sortiment. Seit kurzem gibt’s bei dir von Zeit zu Zeit sogar einen Zweigelt aus der Wachau. Weiter so. Beiss dich bei den Österreichern fest. Das hat Zukunft.

Auch Deutschland schien für kurze Zeit endlich in dein Beuteschema zu passen. Ursula – Achtung Wortwitz! – Beutler, welche ja auch schon für Manor und Coop weinmässig einkaufen durfte, hat bestimmt ihre Beziehungen spielen lassen, als sie einen Dr. Loosen für dich an Land zog. Stimmt’s? Das gibt dennoch zu denken. Gerade mal Fr. 9.85 habe ich für das Erdener Treppchen bezahlt. Deine Preisgestaltung ist unglaublich aggressiv. Andere Händler verlangen zum Teil das Doppelte und werden von deiner Aktion alles andere als begesteiert sein. Gerade gestern habe ich dich besucht. Es standen immer noch einige Flaschen zum momentanen Aktionspreis von Fr. 12.30 bei dir im Laden. Aus dem Online-Shop und deiner App hast du ihn aber ganz schnell wieder entfernen lassen. Warum denn das? Hat der deutsche Onkel Doktor die ausgemachte Liefermenge etwa nicht eingehalten, oder war das einmal mehr eine deiner geschickt eingefädelten Finten, um den Kreis der Dennerkonsumenten zu vergrössern? Schliesslich durften nur gerade vier Kunden den Riesling bewerten, bevor er wieder vom Bildschirm verschwand. Ich bin ratlos.

DennerBordeaux2011Selbst bei den französischen Weinen reitest du schon seit einiger Zeit auf der inzwischen massentauglichen (Bordeaux-)Welle. Ganze elf Flaschen aus dem Bordelais stehen bei dir im Regal. Weiss, rot, süss: Keiner kostet mehr als zwanzig Franken und alle schmecken sie höchstens durchschnittlich. Hauptsache, Bordeaux steht drauf. Zwar kann man Bonnet, Partarrieu und Konsorten durchaus trinken, der Spass bleibt – zumindest bei mir – dabei jedoch aus. – Ich komme ins Grübeln. Lange Zeit fragte ich mich ernsthaft: Where have all the Grand Crus gone? Und sind wir ehrlich, die paar ernst zu nehmenden Fläschchen, welche irgendein französischer Camion die letzten zwei, drei Jahre jeweils im Herbst anlieferte, waren im Vergleich mit Pickpay-Zeiten nicht der Rede wert. Seit letzter Woche erkennt man aber wenigstens etwas Licht am roten Dennerhorizont. Endlich findet man wieder eine Auswahl an französischen Châteaux, die ihren Namen verdient. Auch deine Preise sind fair. Und ist es nicht schön zu sehen, wie sich in alter Denner-Manier, Bordeaux-Kistchen lieblos auf einer Holzpalette stappeln? So soll es sein. So mag ich dich.

WeihnachtsbaumIn Anbetracht dessen, dass in absehbarer Zeit Weihnachten vor der Tür steht, sende ich dir vier naive Wünsche zu:

1) Lass die Rocca Rubia-Aktionen sein. Erstens gibt’s den Wein nicht bei dir zu kaufen, zweitens nervt das andere Händler, drittens registrieren auch wir Konsumenten diese Bauernfängerei.

2) Erweitere dein Sortiment um deutsche Weine. Warum nicht mal ein, zwei ordentliche Rieslinge, oder einen Spätburgunder ins Programm nehmen. Meine Sympathiepunkte würden dir automatisch zufliegen. Das gilt auch für das Kabitel Bio. Gerade mal ein Bio-Wein unter 243 Positionen, also bitte. Das geht besser.

3) Meine persönliche Überdosis an Denner ist längstens erreicht. Reduzier‘ deine Werbeaktionen auf die Hälfte. Höchstens. Danke.

4) Weiter so beim Thema Bordeaux. Gerne darfst du auch Flaschen unter zwanzig Franken anbieten. Dann aber bitte ordentliche und nicht das olle Bonnet-Zeugs.


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Gastartikel: Schaumweine aus Luxemburg

Banken, hohes Durchschnittseinkommen, internationale Institutionen und eine hervorragende Infrastruktur: Luxemburg ist wie die Schweiz, nur ohne Berge und mit günstigerem Wein. Was, die machen Wein? Ja, das tun sie! An der Luxemburger Mosel befinden sich um die 1’300 Hektar Anbaufläche und mancher Riesling und Crémant haben auf internationalen Messen Goldmedaillen gewonnen.

Die Weingeschichte Luxemburgs begann vor 2’000 Jahren, als römische Siedler im Moseltal die ersten Reben pflanzten. Die Traube der Römer, vitis alba, hat sich dort übrigens bis in die Gegenwart gehalten. Nur heißt sie heute Elbling und wird fast nur noch an der deutschen und luxemburgischen Mosel angebaut. Doch ist es nicht diese, für ihre Säure bekannte Rebsorte, die Namen wie Hugh Johnson und Beppi Crosariol ins Großherzogtum holt. Letzterer war sogar derart begeistert, daß er den Flaschen aus dem kleinen Land eine ganze Kolumne widmete.

Das Erfolgsprojekt Crémant

Wie in so vielen Anbaugebieten Europas wurde auch in Luxemburg jahrelang hauptsächlich auf Quantität gesetzt. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs produzierten die Winzer nur Grundwein, den sie an die großen Sekthäuser des mächtigen Nachbarn Deutschland verkauften. Auch wenn es immer wieder Versuche der Qualitätssteigerung gab, dauerte es bis in die 1980er hinein, bis man den endgültigen Schritt wagte und ein völlig neues Produkt auf den Markt brachte: Den Crémant de Luxembourg!

LuxemburgMosel

Blick auf die Luxemburger Mosel

Die meisten verbinden den Begriff Crémant mit günstigeren Champagner-Alternativen aus der Loire-, Limouxregion und dem Elsass. Dies soll aber keineswegs einen Unterschied an Qualität bedeuten. Heute ist Luxemburg das einzige Anbaugebiet außerhalb Frankreichs, das den Namen führen darf. Dafür muss der Wein den strengsten Anforderungen gerecht werden: Festgelegter Maximalertrag und die obligatorische zweite alkoholische Gärung in der Flasche (méthode traditionelle). Diese Topschaumweine werden in Luxemburg meist aus Pinot Blanc (auch als Stillwein eine echte Spezialität), Riesling und immer mehr auch aus Pinot Noir und Chardonnay hergestellt.

Ein gutes Beispiel für den Luxemburger Crémant ist die Serie Poll Fabaire. Nicht nur war es eine Flasche dieser Reihe, welche 1991 als erster Crémant de Luxembourg auf den Markt kam, sondern die Poll Fabaire-Weine spiegeln auch das allgemeine Bild der gesamten Weinlandschaft wider. Hergestellt von der Winzergenossenschaft Vinsmoselle, welche für zwei Drittel der Landesproduktion verantwortlich ist, gibt es sie in den verschiedensten Ausgaben, von der klassischen Assemblage, bis zur sortenreinen Cuvée. Hier kann man wählen aus Pinot Blanc, Riesling, Chardonnay und Pinot Noir.

Mir persönlich gefällt besonders die Haut-de-Gamme-Ausgabe Cuvée Cult, welche zu einem geringen Aufpreis eine deutliche Qualitätssteigerung mit sich bringt. Die angenehme Spritzigkeit und die gut ausgewogenen Geschmacksnoten überzeugen auf Anhieb. Der Pinot Noir verleiht dem Ganzen eine bestimmte Finesse und der fruchtige Eindruck – insbesondere rote Früchte – rundet das Gesamtbild elegant ab.

Preislich gesehen, sind die Crémants von Poll Fabaire ein Schnäppchen, denn in Deutschland würde man für einen Sekt von vergleichbarem Niveau deutlich mehr bezahlen. Den sehr überzeugenden Einstiegscrémant gibt es bereits für € 8.20, der Prestigeschaumwein Cult ist für € 15.60 zu haben. Für helvetische Leser von Vorteil: Der für luxemburgische Verhältnisse gut ausgebaute Online Shop der Domaines Vinsmoselle liefert auch in die Schweiz. So steht einem ersten Kennenlernen mit den besonderen Tropfen unseres kleinen Staates nichts mehr im Wege.

Über den Autor: Laurens Mauquoi ist Weinautor aus Luxemburg. Im November 2012 ist sein Buch Luxemburger Wein/Vin luxembourgois erschienen. Seit Dezember betreibt er den ersten deutschen Weinblog, der sich ausschließlich Weinen aus dem Supermarkt widmet: www.der-weinsnob.de

LuxemburgerWeinLaurens‘ Fachbuch ist in der Edition Schortgen erschienen und bei buch.ch oder Amazon erhältlich.


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Schweizer Wein – quid facis?

Vor einigen Wochen veröffentlichte der Captain kurz nacheinander zwei Artikel, in denen er der Frage nach den Absatzproblemen von deutschen und österreichischen Weinen nachspürt. Warum trinken die Einwohner unserer beiden Nachbarländer immer weniger einheimischen Wein? So die Gretchenfrage. – Bei uns herrschen diametral andere Verhältnisse: Schweizer trinken Schweizer Wein, aber kein Schwein ausserhalb Helvetiens interessiert sich für unsere Erzeugnisse. Was läuft schief? Was muss man ändern? Ein Versuch aus Sicht eines Konsumenten.

Während Schweizer Uhren, Schokolade und Tennisspieler im Ausland durchaus für Lifestyle, Qualität und Höchstleistungen stehen, fristet der helvetische Wein ein Mauerblümchendasein in einer stillen Ecke, ganz zuhinterst auf dem europäischen Weinparkett. Schweizer Wein ist so etwas wie der Microsoft Zune unter den MP3-Playern. Nie davon gehört? Kein Wunder. Der hat sich international nämlich auch nie durchsetzen können.

Als Apple im Oktober 2001 die erste Generation des iPods vorstellt ist der Zug bereits abgefahren. Die kongeniale Symbiose aus Online-Store, portablen Abspielgerät und Festplattenersatz schlägt eine wie eine Bombe. Microsoft versucht fünf Jahre später mit einer Kopie nachzuziehen. Millionen von iPods wurden bereits verkauft. Apples Produkt ist unterdessen in der fünften Generation erhältlich, und auch die iPod-Ableger Mini, Nano und Shuffle erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Microsoft möchte mitmischen und lanciert ebenfalls einen Online-Store. Parallel zur Lancierung der xBox wird die Internetwährung Microsoft Points eingeführt und sage und schreibe 500 Millionen US-Dollar in Werbung für ihren iPod-Klon gepumpt. Die Schlacht ist schon verloren, bevor sie begonnen hat. Alle Flatrates, Marketingbudgets und technischen Verbesserungen brachten schlussendlich nichts. Ende 2011 wird der Zune eingestampft.

CH-Wein

Währenddem Apple spätestens seit der Einführung des iMacs 1998 nicht nur mehr funktionierende Geräte, sondern ein Rumdumsorglospaket aus Technik, Emotionen, Lifestyle und Prestige verkauft, klebt an Microsoft bis heute der Makel des Büromaschinenherstellers. Da ändert auch kein Windows 8 samt gleichnamigen Smartphone etwas daran. Die Parallele zum Schweizer Wein ist offensichtlich: Man gibt sich zwar Mühe, hat aber noch nicht erkannt, dass sich nicht alles nur um das Produkt an sich dreht, sondern auch darum, was dieses beim Konsumenten auslöst. Italien verkauft Lebensfreude, Frankreich Genuss und Extravaganz und Spanien die Sonne im Glas. Und was verkaufen wir? Rote Flaschen mit Schweizerkreuzen darauf. Also bitte.

Was fehlt ist Begeisterung. Echte, reine Begeisterung. Für die Schweiz und die eigenen Winzer und deren Produkte. Sommeliers, Restaurants und Weinhandlungen, müssten den Ausländern Schweizer Weine vermehrt anpreisen. Auf Weinkarten, im Gespräch, auf Veranstaltungen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sie sollten ihn in höchsten Tönen loben, sofern er es verdient. – Und wir haben Einiges, was einen enthusiastischen Lobgesang verdient. Wen wir unserem Wein selbst schon derart kritisch gegenüberstehen, wie soll er dann im Ausland existieren?

Stattdessen laufen Bestrebungen, welche unsere Weine in guter, alter und reichlich verstaubter AlpenSchokoladeKäse-Manier international anzupreisen versuchen. Dabei wird ein völlig falsches Bild vermittelt. Schliesslich wird unser Wein weder hochalpin gekeltert, noch kann man ihn nur zu Käse-Fondue kredenzen. Welch‘ Degradierung! Schweizer Wein ist kein Kuhwein. Viele ausländische Weinkenner sehen Schweizer Wein bis heute als Kuriosum, sofern sie ihn überhaupt wahrnehmen. Ein Imagewandel muss daher schnellstens über die Bühne. Längerfristig können sämtliche Exportbestrebungen sonst auch gleich ad acta gelegt werden. Das spart Zeit, Geld und Nerven.

Vor allem das Image vom teuren Schweizer Wein gilt es zu widerlegen. Das geht aber nur, wenn auch im Ausland vernünftige Weine zu vernünftigen Preisen angeboten werden und nicht nur 100 Euro-Flaschen in deutschen Regalen stehen. Und das ist mgöglich. Schliesslich bezahlt man für einen Spitzen-Merlot vom Tessiner Erzeuger Tamborini auch nicht mehr, als für einen vergleichbaren Italiener oder Spanier. Gleichzeitig findet man vom selben Schweizer Produzenten auch anständige Qualitäten um die fünfzehn Euro. Mal ehrlich: Teuer ist anders. Und wir reden hier nicht von Aldi- und Lidlabfüllungen. Das ist eine andere Baustelle.

Eines der Hauptprobleme, mit welchem unser Exportwein zu kämpfen hat, ist die Schwierigkeit, in anhand seines Etiketts einzuordnen. Vor allem qualitativ. Ich sage daher: Falls möglich, weg von der Region, der Marke oder der Gemeinde, und hin zum Winzer. Namen sind wichtiger als Anbaugebiete. Vor allem dann, wenn ich wissen möchte, ob in der Flasche was Trinkbares dümpelt, oder nicht. Natürlich gehört das Anbaugebiet auf die Flasche, aber nicht – wie in der Schweiz oft üblich – als Haupterkennungsmerkmal. Einerseits hat das übersichtliche Alpenland nämlich schier unzählige Einzellagen, andererseits sind wohl unsere mikrogeographischen Verhältnisse nicht jedem ausländischen Weintrinker geläufig. Es gibt wohl kaum ein Weinland, welches auf derart kleiner Gesamtrebfläche, so viele Winzer und Rebsorten unterbringt, wie die Schweiz. Bestes Beispiel: Kopp von der Crone Visini. Sieben Hektar Gesamtfläche, fünf Lagen, neun Traubensorten, elf Weine, zwei Grappas, ein Likör. – So schaut’s aus in der Schweiz.

Und überhaupt: Mosel ist schliesslich auch nicht Mosel, Bordeaux nicht Bordeaux und Toskana nicht Toskana. Die Namen Diel, Château Petrus oder Antinori hat aber jeder schon einmal gehört, der sich mit Wein auch nur ein bisschen auseinandergesetzt hat. Vielleicht, mit viel Glück, trifft das in einigen Jahren auch auf Schweizer Winzertalente wie Gantenbein, Stucky oder Chappaz zu. Den mangelnden Quantitäten und der starken Konkurrenz aus den Weinhochburgen Europas kann der helvetische Wein nur mit Qualität und sattelfestem Image trotzen. Den Export könnte man nach dem Vorbild Frankreich organisieren: Gute Qualitäten ins Ausland, was übrig bleibt trinken wir zu Hause. Schliesslich exportiert die Schweiz gegenwärtig gerade mal ein Prozent der Gesamtproduktion. EIN PROZENT. Schweizer Wein muss beim Konsumenten eindeutige Bilder hervorrufen. Im Sinne einer Corporate Identity. So stolz wir auch auf unsere sprachliche, regionale, politische und nicht zuletzt landschaftliche Vielfalt sind: Vielfalt bringt uns beim Verkauf nicht weiter. Denn währenddem man jedes andere namhafte Produktionsland automatisch mit maximal drei bis vier Weinen bzw. Rebsorten oder Winzern in Verbindung bringt, ruft Schweizer Wein im Ausland leider keine klischeebereinigten Assoziationen hervor. Man denkt doch höchstens an Alphütten, Banken und überteuerte Skiferien.

Ein Fokussieren auf einige wenige, typische Sorten ist beim Export oder zumindest der Werbung angesagt: Chasselas, Blauburgunder und Merlot zum Beispiel. – Wahnsinn? Nein, Methode! Klar gibt’s von allen anderen bewirtschafteten Rebsorten ebenfalls fantastische Weine. Keine Frage. Aber es geht um’s grosse Ganze. Österreichischer Wein hat sich bei uns trotz Weinskandal durch die Arbeit junger Winzer und durch Zweigelt und Grünen Veltliner seine Stellung zurückerkämpft. Smart und hartnäckig. Und deshalb kaufen wir heute auch St. Laurent, Blaufränkisch oder zwischendurch mal einen Sekt von Bründlmayer. Eins führt zum anderen. Auch bei kleinen Produktionsmengen muss das möglich sein. Winzer, schliesst euch zusammen! Gründet Genossenschaften, selektiert streng, macht Spitzenweine, stampft salonfähige, frische Labels aus dem Boden und exportiert, was das Zeug hält.

Und bitte keine Swissness und weitere protektionistische Massnahmen des Staates mehr. Spätestens seit der werbewirksamen Logo-Reanimation unserer nationalen Fluggesellschaft durch einen Kanadier, braucht kein Mensch mehr eine rote Weinflasche mit einem Schweizer Kreuz darauf. Auch nicht im Ausland. Es soll schliesslich Wein und kein Souvenir verkauft werden. Man soll ihn in erster Linie trinken, und nicht als beliebiges Accessoire ins Wohnzimmer integrieren. Falsche Botschaft, falsches Bild = falsche Emotion. So einfach ist die Formel. Die Konsumenten wollen heute vor allem schick gestaltete Etiketten, klare Deklarationen und einen Hinweis auf die passende Essenspaarung. Darauf sollte man setzen. Und auf bezahlbare Qualität. Alles andere interessiert nicht. Schön ausschauen und gut schmecken muss es. Punkt. Auch Besprechungen und Kritiken von namhaften Vertretern der Journalistenzunft helfen von Zeit zu Zeit. Also nichts wie los, und Musterflaschen an die Schreibenden verteilt. Die sollen sich ruhig mal an einem Schluck Schweiz abarbeiten.

Wo wir schon bei Werbung sind: Erst kürzlich hat der Bund beschlossen, den Werbe-Etat für Schweizer Wein zu verdoppeln. Statt fünf stehen neu zehn Millionen Franken zu Verfügung. Davon sollen vier Millionen für Werbung im Export verwendet werden und sechs für das Inland. Ja, genau, mehr als die Hälfte für Werbung im Inland. Ungeachtet der Tatsache, dass die Schweizer – trotz leicht rückläufiger Zahlen – ihren eigenen Wein trinken bis die Lager leer sind. – Schilda lässt grüssen. Nicht die einheimischen Konsumenten müssen überzeugt werden, sondern die Touristen. Und da liegt der Schlüssel nicht bei grossflächigen Werbeplakaten, sondern bei der Gastronomie, der Tourismusbranche und den Händlern. Sie sind es schlussendlich, welche den Schweizer Wein anpreisen, oder nicht.

Und obwohl neben beliebiger Massenware herrlichste Tropfen produziert werden und unsere Winzer oft Eindrückliches leisten, obwohl die Qualitäten in den letzten zwei Dekaden stetig anstiegen, Innovationen sich mehren, stimmt mich die geringe Verbreitung und Akzeptanz im Ausland nachdenklich, und auch etwas traurig. Besserung ist nicht in Sicht. Gegenwärtig treffen nämlich immer noch langweilige Heidi-Kampagnen auf helvetisches Understatement und hoher finanzieller Aufwand auf wenig Ertrag. Bestes Beispiel: Die Weltausstellung 2010 in Shanghai. Schade.


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An alle Schnäppchenjäger

Momentan gibt’s in St. Gallen drei schöne Weine zum Aktionspreis:

  • Bründlmayer, Riesling Heiligenstein, 2011. 1. Lage ÖTW, Kamptal DAC, bei Martel für Fr. 21.50 statt 24.00
  • Johann Donabaum, Grüner Veltliner Federspiel, Spitzer Point, Wachau, bei Martel für Fr. 13.50 statt 15.40
  • Gernot Heinrich, Pannobile, 2010, Burgenland, bei Martel für Fr. 30.00 statt 34.00
  • Marqués de Riscal Reserva, Rioja DOCa, 2007, bei Manor für Fr. 14.95 statt 19.95
  • Amarone della Valpolicella DOC by Allegrini, Sel.A.von Essen, bei Manor für Fr. 24.90 statt 39.90

 

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