Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Kurz angenippt: Dos Lagos – Aragonez 2010

Seit kurzem findet ihr unter der Rubrik kurz angenippt Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

Farbe

  • Schwarz-Violetter-Farbton
  • Durchblicken kaum möglich

Nase

  • Cassis, Leder, Lakritze, Teer, dunkle Schokolade

Gaumen

  • leicht adstringierend
  • sehr weich
  • Kräutrige Obertöne dominieren einen etwas schwächlichen, aber dennoch fruchtbetonten Körper
  • Holzeinsatz beinahe störend
  • Abgang von mittlerer Länge, deutliche Säure im Nachhall

Bewertung

  • portugiesischer Bio-Alltagswein, der schmeckt, 15 Punkte

Bezugsquelle

http://www.amiata.ch

DosLagos

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Vinha da Malhada 2009

Rückblick: Wir schreiben den ersten Dezember 2012. Der Schnee wurde gestern zu Matsch und über Nacht dann zu Eis. Trotzdem entscheide ich mich für die Nordost-Route. Und das, obwohl ich für die ungeheure Strecke von 403 Metern Luftlinie kurzfristig keinen Hundeschlitten auftreiben konnte. Warm eingepackt und etwas widerwillig mache ich mich auf den Weg zu Romanin. Versprochen ist schliesslich versprochen.

Nach fünf Minuten Fussmarsch erreiche ich mein Ziel, die Bogenstrasse 7b. Es hat etwas von einer Weihnachtsgeschichte. Schliesslich ist einzig hinter Romanins Türen Licht im dunklen Hinterhof zu erkennen. Ich trete ein. Zugegeben, etwas erschrocken bin ich schon, als ich inmitten des Weinlagers stehe: Kartons und Kisten türmen sich bis zur Decke. Es ist leicht chaotisch und unaufgeräumt und inmitten der Weinflaschen und Pakete sind zwei Angestellte emsig am werkeln. Wahrscheinlich bereiten sie tonnenweise Päckli für den Versand vor – denke ich mir. Schliesslich ist bald Weihnachten.

Romanin

„Doch, doch, sie sind hier schon richtig.“

Ich packe meinen Zettel aus und frage nach zwei Flaschen. Einem sehr schönen Sekt-Getränk und dem Vinha da Malhhada. Die eine Lady führt mich zu einem weiteren, etwas kleineren Raum. Hier wirkt alles ordentlich. Es ist der eigentliche Geschäftsraum. Alle Weine sind feinsäuberlich ausgestellt, die Regale mit Landesnamen gekennzeichnet und die Flaschen mit einem zusätzlichen Etikett jeweils genauer beschrieben. Die Verkäuferin holt mir die zwei Flaschen aus einem Nebenraum, wir plaudern währenddem ein wenig. Sie betont, dass auf telefonische Anfrage das Geschäft auch an anderen Tagen geöffnet werde. Meistens sei sowieso jemand da, meint sie*.

Noch fünf Stunden bis zum Weltuntergang: Der Malhada steht bereit. Er stammt von der Quinta do Motalto. Diese liegt in einem kleinen Nest namens Olival. Gerade mal 5’800 Seelen zählt das Dorf, welches süd-südöstlich von Porto liegt. Der Cuvée wird dort aus vier verschiedenen Traubensorten vegan hergestellt: Tinta Roriz, Baga, Touriga Nacional und Alicante Bouchet. Tinta Roriz ist ein Synonym für Tempranillo. Laut Romanins Webseite soll der portugiesische Rotwein leicht und süffig sein. Die Spannung steigt.

Als Essenspaarung entscheiden sich meine Degustationspartnerin und ich für ein kurzgebratenes Lammnierstück, frittierte Auberginen mit Rosmarin-Wurzelgemüse und Weissbrot. Dekantiert wartet der Portugiese 90 Minuten brav in der Karaffe. Dann schenke ich ein. Im Glas zeigt er sich schwarzrot. Die Nase ist durchaus angenehm und vielseitig, will heissen: Cassis, Pflaume, Leder, Stall, Nelke, Rosmarin. Das mit der Süffigkeit kann ich bedingt nachvollziehen. Im Mund ist der Wein erstmal kantig und rau. Positiv ausgedrückt, hat er Charakter. Schluckt man ihn schnell, verlässt er den Gaumen mit einer pflaumigen – süffigen – Süsse. Lässt man sich hingegen Zeit, ist die Säure für meine Eichung hart an der Grenze, für viele ist sie bestimmt einfach zu dominant. Die Frucht hat arg um ihre Position zu kämpfen. Wie bei Romanin beschrieben ist er tatsächlich sehr trocken und leicht. Der Abgang ist von mittlerer Länge.

Der Vinha da Malhada ist ein rudimentärer Traubensaft. Ein einfacher Tischwein für einfache Gerichte. Er macht es mir nicht leicht mit der Bewertung. Würde ich mir diesen Rotwein nochmals kaufen? Nein, wohl eher nicht. Der letzte Portugiese hat mir weitaus besser geschmeckt. Für den Naturwein hat sich der Weg durch die Schneelandschaft aber nur mässig gelohnt. Er ist einfach zu kantig und zu sperrig. Ausser man bechert ihn in schnellen Zügen. Momentan bin ich aber eher gemächlich unterwegs. Ich gebe darum 13 Punkte.

VinhaDaMalhada2009

Punkte: 13/20
Passt zu: Lamm, herzhaften vegetarischen Gerichten, Oliven und Weissbrot
Preis: Fr. 12.50

*P.S. Romanin hat jeweils nur am ersten Samstag des Monats geöffnet.


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Z wie Zambujeiro

Draussen ist es kalt und nass. Zeit für eine Flasche Roten aus wärmeren Gefilden. Die Reise geht heute nach Portugal, direkt zu einem Schweizer. Emil Strickler heisst der Mann, der sich in dreizehn Jahren an Portugals Spitze kelterte. Alexander von Essen hat diesem einen Sondertropfen abgerungen. Zum Glück.

Der Rotwein mit dem schicken Etikett kommt von einem relativ kleinen Weingut in Zambujeiro nahe Borba. Die Ortschaft liegt 170 Kilometer südöstlich von Lissabon entfernt und befindet sich in der Region Alentejo unweit der spanischen Grenze. Quinta ist übrigens das portugiesische Wort für Weingut. Stricklers Quinta umfasst 21 Hektar an eigenen Reben, zehn zusätzliche Hektar werden dazugemietet. Sie stehen auf durchlässigen Schieferböden. – Das Thema Schiefer hatten wir erst vor kurzem ja schon einmal, allerdings bei einem Riesling. Auch beim Portugiesen schlägt sich das Terroir mineralisch im Wein nieder.

Borda, Alentejo, Portugal, Europa

Borda, Alentejo, Portugal

Der Quinta do Zambujeiro Z ist, wie eingangs erwähnt, eine Spezialabfüllung für die Selection Alexander von Essen*. Der Wein wurde zwölf Monate lang im Barrique ausgebaut. Übrigens ist es kein sortenreiner, sondern ein Blend aus Aragones (= Tempranillo), Touriga Nacional, Trincadeira sowie – laut Produzent – einem kleinen Anteil Cabernet Sauvignon. Damit ist der Z traubenmässig an den Star des Hauses angelehnt. Dieser wird nämlich aus denselben autochthonen, protugiesischen Traubensorten hergestellt. Einzig den Cabernet-Anteil lässt man bei jenem weg. Als Önologe zeichnet Alain Bramez verantwortlich. Auf der Quinta wurde der erste Wein unter Schweizer Hand übrigens vor rund 13 Jahren gekeltert. Strickler ist also noch nicht sehr lange im Geschäft. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Quinta do Zambujeiro qualitativ bereits zu den Top Five unter Portugals Produzenten gezählt werden darf. Mit ein Grund ist sicher, dass die Erträge klein gehalten werden und streng von Hand selektioniert wird.

Dieser Umstand macht mich neugierig. Lassen sich diese Qualitäten auch auf die Spezialabfüllung übertragen? Nach dem Öffnen der Flasche dekantiere ich den Wein und lasse ihn zwei Stunden atmen. Schliesslich schenke ich ein: Er ist rubinrot. Die Nase ist fulminat. Es riecht, als ob man seine Nase in ein süsses Erdbeerenfeld halten würde. Ergänzt wird das Bouquet durch etwas Leder, Holz, erdige Nuancen. Meine Hoffnung wächst. Im Mund schwingen zusätzlich auch dunkle Beeren, Paprika und mineralische Noten mit. Ausserdem bilde ich mir ein, etwas Rauchiges erkennen zu können. Der Z ist Wein gewordener Hüne mit einem kräftigen Körper. Trotzdem ist er komplex und nicht bullig. Mit seinem endlosen, schmelzigen Abgang bietet er ein aussergewöhnliches Wein-Erlebnis zum moderaten Preis.

Es erstaunt nicht, dass sämtliche Zambujeiros von Parker stets 90 und mehr Punkte erhalten haben. Auch der Z passt absolut in das Beuteschema des amerikanischen Weinkritikers. Da hat man wirklich eine Fruchtbombe im Glas. Das Beste daran: Chile, Argentinien und Südafrika bleiben aussen vor. Wir bleiben in Europa und ich meiner Linie treu. Im Promo-Video wird Alentejo übrigens mit Kalifornien verglichen. Nicht zu unrecht: Der Zambujeiro könnte genauso gut im Napa Valley gekeltert worden sein. Man schmeckt förmlich die vielen Sonnenstunden.

„Leicht war gestern, heute wird geklotzt!“, scheint einem der Rotwein entgegenzurufen. Eigentlich ist es mehr ein Schreien, ein lautes, unüberhörbares. Er ist rund. Er ist fett. Er hat Frucht. Darum muss ein herzhaftes Stück Fleisch auf den Tisch. Sofort! Denn eine alternative Essenspaarung kann ich mir kaum vorstellen. Oder man geniesst ihn einfach so. Fruchttrinker werden ihn lieben. Garantiert. Ich gebe 18 Punkte.

"Z" Quinta do Zambujeiro

Punkte: 18/20
Passt zu: Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch (Rind, Schwein)
Preis: Fr. 19.95

 

Den Quinta do Zambujeiro Z gibt es hier zu kaufen.

 

 

 

 

 

* Meine These erhärtet sich: Alexanders Selektion war einmal mehr eine gute Wahl.


Ein Kommentar

Trau, schau, wem? – Ein Rückblick

Gefälschte Etiketten, Glycerin, Methanol, Zuckerwasser und andere Panschereien: Winzer und Weinhändler sorgen immer wieder mal für Schlagzeilen. Die Anzahl der bekannten Fälle ist zwar eher gering, die Auswirkungen zum Teil jedoch verheerend; im Einzelfall sogar tödlich. Trotzdem sind viele Ereignisse der Vergangenheit in Vergessenheit geraten. Vor allem junge Weintrinker kennen die Skandale – wenn überhaupt – nur noch vom Hörensagen. Höchste Zeit also, das Geschichtsbuch aufzuschlagen und in den Archiven der Presse zu wühlen.

SchweizWenn ich an Weinskandale denke, male ich mir die ungeheuerlichsten Geschichten aus. Solche bei denen der Konsument über’s Ohr gehauen wird. Solche bei denen Gangsterbosse viel Geld verdienen und solche bei denen die Gesundheit der vinophilen Gemeinde auf dem Spiel steht. – Nicht so bei uns. In Helvetien sind Wein-Skandale eher von harmloser Natur. Nur dem Blick war der letzte eine Schlagzeile wert. Dem Sommerloch sei Dank. Wir schreiben das Jahr 2010, in Shanghai findet die Weltausstellung statt. Auch die Schweiz ist mit einem Stand vertreten. Leider wird an diesem kein Schweizer Wein kredenzt, sondern spanischer. SPANISCHER!?, denken sicher einige. Auch einem SVP-Mitglied geht es so. Nationalrat Thomas Hurter findet das nämlich total daneben. Schliesslich zahlt der Bund der Schweizer Weinbranche für Werbeaktionen über eine Million Franken jährlich. Aber auch bei dieser Geschichte zeigt sich einmal mehr, dass der Schweizer Wein in einer selbstverschuldeten Krise steckt. Denn scheinbar waren den Zürcher und Walliser Weinhandlungen die „administrativen Hürden für den Transport von Wein nach China und auf das Expo-Gelände zu hoch“. Ich frage mich nur, was skandalöser ist: Spanischer Wein am Schweizer Stand, oder die Unfähigkeit des Bundes, Schweizer Wein zu organisieren … heiliger Kuhmist, haben wir Probleme!

DeutschlandAuch in deutschen Landen kennt man Negativ-Schlagzeilen über Weinpfuschereien. So werden im Jahr 1991 rund 2,75 Millionen Liter Rheinland-Pfälzischer Wein mit DDR-Wein gepanscht und als original DDR-Wein verkauft. – Zweites Beispiel: Vor etwas mehr als drei Jahren werden im Rheingau auf einem Weingut gleich 130’000 Liter Wein beschlagnahmt. Die Schlagzeile des Wiesbadener Kuriers lautet „Dreck und tote Fliegen am Weinfass: Rheingauer Winzer gestoppt“. Scheinbar wurde der Wein unter hygienisch desolaten Bedingungen gelagert. Dem Thema wird aber von der Boulevard-Presse keine weitere Beachtung geschenkt. Peer F. Holm weist in seinem Blog als einziger darauf hin, dass im Artikel des Wiesbadener Kuriers das Weingut und der Winzer nicht genannt werden. Dies ist umso verheerender, da somit jeder der umliegenden Weinbetriebe für den Skandal theoretisch in Frage kommt. Die Zeitschrift Weinwirtschaft nennt zwar den Namen des Winzers und dieser erscheint auch in deren Newsletter, lesen können das aber nur Abonnenten, und wer ist das schon? Die Folgen sind nicht bekannt.

cnVergleicht man die Schwere der Tat, so sind Deutschlands Weinskandale geradezu harmlose Jungenstreiche im Vergleich zu China. Dort werden unlängst fünf Weinkellereien des Panschens verdächtigt. Einige der geprüften Weine enthalten keinen (!) fermentiertem Traubensaft, sondern lediglich Zuckerwasser, Farb- und Geschmacksstoffe. Es handelt sich also nicht mal ansatzweise um Wein. Unglaublich, aber wahr: Die Flaschen werden den Konsumenten als bekannte Marken angepriesen, und sind alle entsprechend etikettiert. Daraufhin werden von den Behörden sechs Personen festgenommen und drei Weinkellereien geschlossen. Insgesamt werden mehr als 5’000 Kisten Wein beschlagnahmt. Eine der verantwortlichen Gesellschaften, Jiahua, verkaufte bis zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung angeblich 2,4 Millionen dieser Flaschen jährlich. Weiter wurde festgestellt, dass die beigemengten Zusatzstoffe Kopfschmerzen, unregelmässigen Herzschlag und Krebs verursachen können. So skandalös das ist, die Nachricht hat eine lustige Wendung: Lokale Weinhersteller sagen nämlich, manche echte chinesische Weine seien so schlecht, dass sie nicht besser als die Fälschungen schmecken würden! Na dann, Prost.

FrankreichLetzte Woche lese ich im St. Galler Tagblatt:Im Weinland Frankreich kommt das Weintrinken aus der Mode. Der Pro-Kopf-Weinkonsum ist inzwischen annähernd dreimal geringer als im Jahr 1965.“ Kein Wunder, werden doch die guten Tropfen allesamt exportiert. Zudem kommen auch Frankreichs Winzer machmal vom rechten Weg ab. So werden zum Beispiel 1999 einige Bordeaux-Jahrgänge mit kleinen Mengen von Erdnussöl „verbessert“, um ihm den sauren Geschmack zu entziehen. Vermutlich wurden diese „Spitzenbordeaux“ nach China exportiert. Vielleicht dachte man sich im Bordelais, dass dort sowieso alles getrunken wird. – Ein weiterer Skandal: Ein Jahrzehnt später stehen zwölf Winzer und Weinhändler vor einem französischen Gericht. Der Vorwurf: Billig-Wein wurde als teurer Pinot-Noir deklariert und in die Staaten exportiert. Mehrere Millionen Euro wurden mit dem gefälschten Wein eingenommen. Interessante Nebennotiz: Nicht ein einziger US-Amerikanischer Konsument hatte sich beschwert.

ItalienIm Jahr meiner ersten, bewusst wahrgenommenen Fussballweltmeisterschaft wird im Austragungsland Italien einer der traurigsten Weinskandale der Geschichte aufgedeckt. Verschiedene Gründe bewegen einige Piemonteser Winzer 1986 zu kriminellen Machenschaften. Die Ausgangslage: In eben diesem Jahr ist der europäische Weinmarkt gesättigt. Der Export bricht ein. Italienische Winzer verdienen deshalb mehr Geld, in dem sie ihre Weine verspritten, also zu reinem Alkohol destillieren lassen. Immerhin 40% – 60% des ursprünglichen Marktpreises erhalten sie dafür noch von der EG. Besser als auf den eigenen Flaschen sitzen zu bleiben. Gleichzeitig senkt die italienische Regierung genau in diesem Zeitraum die Steuer für Methylakohol (Methanol). Da mit Methanol versetzter Wein bei der Destillationsvorgang mehr reinen Alkohol ergibt, entschliessen sich einige Winzer genau dies zu tun. Die Folge ist verheerend. 22 Personen sterben, ca. 100 erleiden schwere Gesundheitsschäden, allein elf davon erblinden. Selbst das Angeln im Fluss Piave wird verboten, da Händler den giftigen Wein in das fliessende Gewässer schütten, bevor die Polizei eintrifft.

Als ob das nicht genügen würde, wird fünf Jahre später schon der nächste Wein-Skandal aufgedeckt. 1992 werden in Oberitalien vier Millionen Liter Wein beschlagnahmt. Der Wein ist mit dem giftigen Schädlingsbekämpfungsmittel Methyl-Isothiocyanat versetzt. Scheinbar hat man immer noch nichts aus den Folgen des Methanol-Desasters von 1986 gelernt.

Im Jahr 2000 sind zwei von Italiens Exportschlagern betroffen: Chianti und Sassicaia. Für eine 85er Flasche von letzterem bezahlt man aktuell über 1’300 Franken (!). Beide wurden vor zwölf Jahren mit billigsten Weinen verschnitten und danach teuer verkauft. Der Skandal wurde aufgedeckt, weil einige Kenner – glücklicherweise – den Unterschied bemerkt hatten. Daraufhin werden 3’000 Flaschen Sassicaia und sage und schreibe 50’000 Hektoliter Chianti (= über 6 Millionen Flaschen!) beschlagnahmt. Drei beteiligte Personen wandern ins Gefängnis, gegen 215 Beteiligte laufen Ermittlungen.

2008 werden mehrere hundertausend Flaschen Brunello beschlagnahmt. Entgegen den Vorschriften wurden die Weine nicht ausschliesslich aus örtlichen Sangiovese-Trauben hergestellt, sondern mit Merlot und Cabernet Sauvignon aus Süditalien verschnitten. Dies vor allem, um die Weine für die Hauptabnehmer – wieder einmal die Amerikaner – lieblicher zu machen. Wir sprechen hier vom Risiko eines potenziellen Verlustes von 30 Millionen Euro Umsatz jährlich, alleine in den USA.

Nicht gesundheitsgefährdend, aber politisch inkorrekt: 2012 entdeckt ein aus den Staaten stammendes, jüdisches Pärchen auf seiner Italienreise Wein mit Etiketten, auf denen Hitler abgebildet ist. Die Weine heissen denn auch „Führerwein“ und „Der Kamerad“. Auch Mussolini hatte es schon auf das Etikett von Weinen gebracht. Und das nicht zu seiner Zeit.

SpanienAuch Spanien ist nicht immer ehrlich zu seinen Konsumenten. 2005 wird man in Deutschland stutzig, als man sich spanische Weine mit dem Aufdruck Gran Reserva etwas genauer ansieht. Eigentlich müssten der Wein mindestens fünf Jahre ausgebaut worden sein. Davon zwei Jahre im Holzfass, drei Jahre in der Flasche. Weil es sich aber um einen 98er Jahrgang handelt und der Korken ausschaut, wie man in gestern erst gerade hergestellt hätte, kann etwas nicht stimmen. Die Annahme erweist sich als richtig. Das Etikett ist gefälscht und der Wein wurde vom Produzenten mit Glycerin gestreckt. 100’000 Flaschen werden daraufhin aus dem Verkehr gezogen.

Zweiter Fall in Spanien: Einer von Robert Parkers Schreiberlingen soll von spanischen Winzern horrende Summen kassiert haben, um den von ihnen produzierten Weinen mehr Punkte zu geben. So zum Beispiel der 2010er Azumbre Verdejo aus der DO Rueda der Agricola Castellana. Der in Deutschland von Aldi Süd verkaufte Weisswein kriegt fette 90 Punkte und ist schon nach wenigen Tagen ausverkauft. Aldi führt übrigens den 11er Verdejo immer noch im Sortiment. Und der ist Parkers Leuten immerhin 89 Punkte wert. Trau, schau, wem?

ÖsterreichWenn ein Skandal bis heute regelmässig zitiert, oder zum Tischgespräch gemacht wird, ist es derjenige von 1985. Kein anderer hatte auf Verkauf und Export eine derart drastische und lang anhaltende negative Auswirkungen. Wie kam’s? Einige österreichische Produzenten wollten ihren Wein durch die Beigabe des Frostschutz-Alkohols Diaethylenglykol künstlich aufwerten. Durch anonyme Anzeigen wurde der Schneeball ins Rollen gebracht und entwickelte sich schnell zu einer unkontrollierbaren Lawine. Der Image-Schaden war enorm und hatte sogar Auswirkungen auf den Absatz von Weinen des Nachbarlandes Deutschland. Denn auch dort wurden Kontrollen durchgeführt und immerhin 27 Glykolfälle bekannt. In Deutschland beteuerte man aber stets, dass die Verseuchung der deutschen Produkte ausschliesslich durch den illegalen Verschnitt mit österreichischen Weinen zu Stande gekommen sei. Auch in Sekt und österreichischem Traubensaft entdeckte man teilweise bedenklich hohe Konzentrationen des Frostschutzmittels. Zu gesundheitlichem Schaden gekommen ist aber niemand. Interssanterweise war es die NZZ, welche die Auswirkungen bereits zum Zeitpunkt des Geschehens prophezeite:  „Was in Österreich vorgeht und wegen des Exports weltweit bis in die USA und nach Japan Aufsehen erregt hat, wird, so ist zu befürchten, auf Jahre und Jahrzehnte hinaus das Vertrauen in den Wein, in die Redlichkeit der Winzer und in die Glaubwürdigkeit der Weinhändler erschüttert haben.“ So kam es dann auch. Aus heutiger Sicht konnte den Österreichern aber nichts Besseres passieren. Die Qualität der Weine hat seither dramatisch zugelegt. Junge Winzer geben ihr Bestes, österreichischen Wein von hoher Qualität in die Welt hinauszutragen. Der Absatz ist seit 1990 um’s Fünffache gestiegen und die Weine unseres Nachbarn besitzen international wieder ein hervorragendes Image. Innerhalb Österreichs liegt der Marktanteil von österreichischem Wein bei unglaublichen 85%. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt er gerade mal bei 37%. – Fast wünscht man sich einen ähnlichen Urknall für unsere Weinwirtschaft. Natürlich ohne wirtschaftliche Folgen, personelle Konsequenzen und gesundheitlich Geschädigte.

Alles gelesen? Sehr gut gemacht! Jetzt aber schnell das Gelesene vergessen und die nächste Flasche entkorken. Am besten einen Portugiesen. Die scheinen Skandal-resistenter zu sein. Die Ausnahme bestätigt halt einmal mehr die Regel. Zum Trost: Betroffen sind ja meistens soweieso nur Billigst-Weine oder Flaschen, welche im Handel für einen drei-, oder vierstelligen Betrag den Besitzer wechseln. Puh, da kann ich wieder ein wenig aufatmen. Beide Preisklassen liegen mir und diesem Blog nämlich fern.

Falls ihr aber gerade einen Italiener vor euch stehen habt: Augen zu und durch!

P.S. Mehr vertrauenswürdiges Material konnte ich in der kurzen Zeit leider nicht auftreiben. Portugal, Griechenland und Ungarn produzieren scheinbar sauberen Wein, oder sind so raffiniert, ihre Skandale nicht publik werden zu lassen.

Quellen: China: 1 / Deutschland: 1 2 / Frankreich: 1 / Italien: 1 2 3 4 5 / Schweiz: 1 / Spanien: 1 2 / Österreich: 1 2 / Allgemein: 1


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Liebe Chandra

Du machst es mir nicht leicht. Ich anerkenne dein Fachwissen, deinen scheinbar unermüdlichen publizistischen Einsatz und nicht zuletzt deinen mutigen und konsequenten Entscheid, nicht nur über Wein zu schreiben, sondern auch selbst welchen zu produzieren. Deine Tage müssen 32 Stunden haben, dein Arbeitspensum unmenschlich sein – dafür zolle ich dir grössten Respekt. Leider streuben sich mir sämtliche Nackenhaare, sobald du thematisch in die kulturelle Kiste greifst; gar Filme oder Songs mit Weinen assoziierst.

Da du für die Schweizer Illustrierte schreibst, hast du bestimmt ein dickes Fell. Schön, dann kann ich auch direkt zur Sache kommen. Ich hätte da nämlich einige Vorschläge, wie deine Weinseller noch lesenswerter werden könnten. Immerhin besitze ich schon zwei Ausgaben davon. Je nachdem, ob du gedenkst, einige meiner Anregungen auf Papier umzusetzen, steht auch der Anschaffung einer dritten nichts im Weg. Liebe Chandra, folgende Punkte solltest du dir zu Herzen nehmen:

  • Über Weine schreibst du toll. Über deinen kulturellen Geschmack lässt sich aber nicht streiten. Er ist oft furchtbar. Studiere deshalb das abgebildete Diagramm genau und streiche alle Einträge mit weniger als fünf Punkten aus deinem Wortschatz, deinen Weinsellern und all deinen zukünftigen Texten: Chandra Kurt
  • Falls du es trotzdem nicht lassen kannst: Beschränke dich bei Vergleichen ausschliesslich auf herausragende Künstler und deren Kunstwerke. Wie du im Chandra-Diagramm erkennen kannst: Rondo Veneziano, der Eurovision Song Contest, die Bee Gees und Konsorten gehören nicht dazu.
  • Auch wenn du ein grosser Fan von Gossip Girl und Lady Gaga bist; diese dreimal in einem Weinseller (Ausgabe 11/12) zu erwähnen ist zu viel des Guten. Einmal wäre schon masslos übertrieben. Deshalb: Bitte seinlassen. Danke.
  • Vermeide bitte folgende Begriffe: Easy listening, Samschtig-Jass, Musikantenstadl, DRS1. Sie verstören gerade auch eine jüngere Zielgruppe. Und das möchtest du doch bestimmt nicht.
  • Jedem belanglosen Wässerchen stolze 16 Punkte zu geben, und den Wein dann doch nur als ausreichend für Partys und Apéro zu beschreiben ist irgendwie sinnfrei. – Klartext wäre schöner. Ich trinke nämlich auch auf Feten lieber guten Wein, als üblen Fusel.
  • Unter uns: Du schreibst ein wenig tendenziös über Schweizer Weine. So nobel deine Absicht auch ist, Schweizer Wein ist nicht per se besser als Wein anderer Herkunft. Noch weniger wenn man dabei deine journalistische Absicht auch durch ein Glas, gefüllt mit dunkelstem Port, erkennen kann. Um den Schweizer Wein aus der selbst verordneten Absatzkrise zu ziehen, braucht es andere Massnahmen. Deine Überbewertungen sind längerfristig kontraproduktiv für lokale Winzer, und schlussendlich auch für deine Weine.
  • Warum um Gotteswillen sind bei deinen Globus-, Spar- und Manorverkostungen immer auch teurere Flaschen über 40 Franken dabei? Ja, ja, Denner, Aldi & Co. haben keine so teuren Weine, bla bla bla. Das lasse ich nicht gelten. Darum meine brennendste Frage überhaupt: Hast du einen Deal mit big G, S und M? Gibt’s von denen ne extra Lohntüte? Falls ja, überweise mir bitte monatlich eine prozentuale Beteiligung und ich schweige für immer. Falls nein, setze den Weinseller-Weinen ein preisliches Limit. Ein 25-Frankenmaximum wäre sinnvoll. Alles andere macht keinen Spass. Ist doch sonnenklar, dass die teureren Weine meistens besser abschneiden.
  • Deine Weinseller sind für sich genommen schon Werbung genug. Vor allem für die darin genannten Discounter. Warum in aller Herrgottsnamen muss dein Verlag dann noch auf jeder dritten Seite vollflächig Werbung abdrucken? Wenn ich mir nervende Anzeigen anschauen möchte, kann ich mir am Bahnhof aus der blauen Zeitungsbox auch eine 20Minuten greifen. Und die ist im Gegensatz zu deinen Weinsellern ca. 32 Franken billiger.

 

So, das war’s von meiner Seite.

Liebe Grüsse

Dein Flaschentester

 

P.S. Deine neckische Frisur gefällt mir.

Chandra