Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Vinha da Malhada 2009

Rückblick: Wir schreiben den ersten Dezember 2012. Der Schnee wurde gestern zu Matsch und über Nacht dann zu Eis. Trotzdem entscheide ich mich für die Nordost-Route. Und das, obwohl ich für die ungeheure Strecke von 403 Metern Luftlinie kurzfristig keinen Hundeschlitten auftreiben konnte. Warm eingepackt und etwas widerwillig mache ich mich auf den Weg zu Romanin. Versprochen ist schliesslich versprochen.

Nach fünf Minuten Fussmarsch erreiche ich mein Ziel, die Bogenstrasse 7b. Es hat etwas von einer Weihnachtsgeschichte. Schliesslich ist einzig hinter Romanins Türen Licht im dunklen Hinterhof zu erkennen. Ich trete ein. Zugegeben, etwas erschrocken bin ich schon, als ich inmitten des Weinlagers stehe: Kartons und Kisten türmen sich bis zur Decke. Es ist leicht chaotisch und unaufgeräumt und inmitten der Weinflaschen und Pakete sind zwei Angestellte emsig am werkeln. Wahrscheinlich bereiten sie tonnenweise Päckli für den Versand vor – denke ich mir. Schliesslich ist bald Weihnachten.

Romanin

„Doch, doch, sie sind hier schon richtig.“

Ich packe meinen Zettel aus und frage nach zwei Flaschen. Einem sehr schönen Sekt-Getränk und dem Vinha da Malhhada. Die eine Lady führt mich zu einem weiteren, etwas kleineren Raum. Hier wirkt alles ordentlich. Es ist der eigentliche Geschäftsraum. Alle Weine sind feinsäuberlich ausgestellt, die Regale mit Landesnamen gekennzeichnet und die Flaschen mit einem zusätzlichen Etikett jeweils genauer beschrieben. Die Verkäuferin holt mir die zwei Flaschen aus einem Nebenraum, wir plaudern währenddem ein wenig. Sie betont, dass auf telefonische Anfrage das Geschäft auch an anderen Tagen geöffnet werde. Meistens sei sowieso jemand da, meint sie*.

Noch fünf Stunden bis zum Weltuntergang: Der Malhada steht bereit. Er stammt von der Quinta do Motalto. Diese liegt in einem kleinen Nest namens Olival. Gerade mal 5’800 Seelen zählt das Dorf, welches süd-südöstlich von Porto liegt. Der Cuvée wird dort aus vier verschiedenen Traubensorten vegan hergestellt: Tinta Roriz, Baga, Touriga Nacional und Alicante Bouchet. Tinta Roriz ist ein Synonym für Tempranillo. Laut Romanins Webseite soll der portugiesische Rotwein leicht und süffig sein. Die Spannung steigt.

Als Essenspaarung entscheiden sich meine Degustationspartnerin und ich für ein kurzgebratenes Lammnierstück, frittierte Auberginen mit Rosmarin-Wurzelgemüse und Weissbrot. Dekantiert wartet der Portugiese 90 Minuten brav in der Karaffe. Dann schenke ich ein. Im Glas zeigt er sich schwarzrot. Die Nase ist durchaus angenehm und vielseitig, will heissen: Cassis, Pflaume, Leder, Stall, Nelke, Rosmarin. Das mit der Süffigkeit kann ich bedingt nachvollziehen. Im Mund ist der Wein erstmal kantig und rau. Positiv ausgedrückt, hat er Charakter. Schluckt man ihn schnell, verlässt er den Gaumen mit einer pflaumigen – süffigen – Süsse. Lässt man sich hingegen Zeit, ist die Säure für meine Eichung hart an der Grenze, für viele ist sie bestimmt einfach zu dominant. Die Frucht hat arg um ihre Position zu kämpfen. Wie bei Romanin beschrieben ist er tatsächlich sehr trocken und leicht. Der Abgang ist von mittlerer Länge.

Der Vinha da Malhada ist ein rudimentärer Traubensaft. Ein einfacher Tischwein für einfache Gerichte. Er macht es mir nicht leicht mit der Bewertung. Würde ich mir diesen Rotwein nochmals kaufen? Nein, wohl eher nicht. Der letzte Portugiese hat mir weitaus besser geschmeckt. Für den Naturwein hat sich der Weg durch die Schneelandschaft aber nur mässig gelohnt. Er ist einfach zu kantig und zu sperrig. Ausser man bechert ihn in schnellen Zügen. Momentan bin ich aber eher gemächlich unterwegs. Ich gebe darum 13 Punkte.

VinhaDaMalhada2009

Punkte: 13/20
Passt zu: Lamm, herzhaften vegetarischen Gerichten, Oliven und Weissbrot
Preis: Fr. 12.50

*P.S. Romanin hat jeweils nur am ersten Samstag des Monats geöffnet.

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