Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Gastbeitrag: Via al Castello, Barolo 2008

Für heute Abend haben sich einige Freunde zu Besuch angekündigt. Uns alle vereint die Liebe zur italienischen Küche. Denn die Kunst dieser Küche ist es, mit einigen wenigen Zutaten ein wunderbares Essen zu zaubern. Dazu braucht man natürlich den passenden Wein. Und da scheint kein anderer geeigneter zu sein, als ein Barolo aus dem südlichen Piemont, dem Paradies der italienischen Genüsse.

Es ist schwer in Italien Regionen nach ihrem Genussgrad zu unterscheiden. Denn die italienische Küche lebt von regionalen Produkten und der weitergegebenen Erfahrung des richtigen Einsatzes dieser. Wenn es im Piemont ein Produkt gibt, welches für diese Region steht, ist es der weiße Alba-Trüffel, eine der edelste aller Trüffelsorten. Ob im Risotto, auf einem Omelett oder zur Pasta, im Piemont gibt es zahlreiche typische Gerichte, in denen der besagte Trüffel zum Einsatz kommt. Aber ebenso ist der Landstrich reich an Weinen, die zu den Besten Italiens gehören. So zum Beispiel Barbera d’Asti, Barbaresco, Nebbiolo d’Alba oder eben Barolo.

Das Piemont (Quelle: http://www.faktorei.ch)

Das Piemont (Quelle: http://www.faktorei.ch)

Im Gegensatz zu anderen großen Rotweinen Italiens handelt es sich beim Barolo um keine Cuvée, das heißt, es werden nicht Weine aus verschiedenen Trauben verschnitten, sondern es entsteht ein sortenreiner Rotwein, gekeltert aus der Nebbiolo-Traube. Vergoren wird der Wein traditionell bis zu 24 Tage mit Schalenkontakt in großen Eichenfässern. Das sorgt für eine massive Konzentration der Aromen, allerdings auch für einen sehr hohen Tanningehalt. Das wiederum hat zur Folge, dass Barolo im Normalfall sehr lange haltbar ist und erst nach einer gewissen Flaschenreife getrunken werden kann. Denn mit der Lagerung werden die Tannine im Allgemeinen weicher. Heutzutage wird das Gärungsverfahren in den Eichenfässern oft verkürzt, damit der Wein schneller seine Trinkreife erlangt. Schliesslich möchte nicht jeder Konsument den Wein nach dem Kauf einlagern.

Eine Stunde, bevor meine Kochfreunde sich angekündigt haben, beginne ich bereits, die erste Flasche zu dekantieren. Zwar sind bei einem 08er bereits sechs Jahre ins Land gezogen, dennoch habe ich vor diesem Wein einen gewissen Respekt. Schliesslich  wird er sich uns allen gleich offenbaren. – Nachdem ich die letzten Einkäufe in die Küche gebracht habe, klingelt es an der Türe. Jetzt kann es losgehen. Da wir uns nicht zum ersten Mal treffen, sind die Aufgaben schnell verteilt. Zwiebeln und Gemüse schneiden, Fleisch würzen und anbraten. Das Einschenken bleibt mir überlassen. Und so beginnen wir, uns bereits beim Kochen mit einem Glas Wein auf den Abend einzustimmen. Und bei alledem fällt uns auf, wie gut der Barolo von Via al Castello schmeckt. Das Bouquet ist würzig-holzig, leicht fruchtig-kirschig. Der Wein ist reich an Aromen. Pfeffrig, würzig und pflaumig schmeckt er am Gaumen. Einer der Gäste erahnt gar dunkle Schokolade. Gleichzeitig ist der Barolo überaus voluminös und reich an Tanninen. Genau das Richtige in der Winterzeit und ein Traum zu Pasta an einer kräftigen Sauce. Ein weiterer Gast bemerkt, dass wir dem Wein vielleicht noch ein, zwei Jahre im Keller hätten geben können. Meiner Meinung nach ist er jetzt bereits schon sehr gut trinkbar und zu unserem Gericht absolut passend.

Am Ende des Abends sind wir uns alle einig: Es war ein gelungenes Treffen mit vorzüglichem Wein, hervorragender, selbstgemachter Pasta und guten Gesprächen mit alten Freunden. Das sollten wir auf jeden Fall wiederholen. Wir einigen uns darauf, dies nächsten Winter in die Tat umzusetzen. Alleine schon um zu testen, wie sich der Barolo bis dahin in den übrig gebliebenen Flaschen entwickeln wird, – ein Wein, der für uns zum Inbegriff des Barolos schlechthin geworden ist. Der Preis von € 12,99 bewegt sich ausserdem für einen Barolo absolut im bezahlbaren Rahmen. Wir sind zufrieden und vergeben 16 Punkte.

4311605484314Punkte: 16/20
Passt zu: Pasta mit herzhafter Sauce, Risotto, deftigen Fleischgerichten
Preis: € 12,99

 

Den 08er Barolo der Via al Castello gibt es im Weinhandel Schäpers/Deutschland und bei Edeka.

 

 

 

Über den Autor

Hans-Jürgen SchwarzerHans-Jürgen Schwarzer ist mit seinem Sinn und seiner Liebe zu gutem Wein und gutem Essen geradezu prädestiniert, darüber zu schreiben. Dies tut er auf dem Blog http://www.edelste-weine.de/. Wobei er sich selbst eher für einen Liebhaber guter Weine, denn als ultimativer Weinkenner, hält. Insgesamt kann man ihn als Freund der schönen Dinge im Leben bezeichnen. Neben seiner Liebe zu den leiblichen Genüssen, weicht er keiner Leckerei aus und hat ein besonderes Faible für alles, was die Musen den Künstlern eingeben. Hier besonders für die impressionistische Musik und die Malerei. Er ist ein großer Liebhaber des Komponisten Maurice Ravel und der Maler Vincent Van Gogh, Édouard Manet und auch einsamer Wölfe wie Max Beckmann.

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Elvio Cogno – Dolcetto d’Alba DOC 2010

Neulich durchstöbere ich wiedermal lässig meinen grossen Johnson. Halt mache ich bei den Seiten 296 und 297. Vor mir liegt das Piemont. Hugh meint, dass die Weine von Elvio Cogno durchaus einen Versuch wert seien. Vor allem der Dolcetto sei köstlich. Da trifft es sich doch ausgezeichnet, dass Martel seine alljährliche Tour des vins ausruft, und allerlei interessante Weine zu Aktionspreisen anbietet. Auch besagten Roten.

Es muss jetzt einfach mal gesagt werden: Martel hat mich bisher noch nie enttäuscht. Egal ob Italien, Österreich, Frankreich, oder weissdergucker welches Land. Jeder der hier getesteten Weine war sein Geld wert. Die meisten liegen im oberen Mittelfeld, oder gar an der Spitze der Charts. Deshalb bin ich um so mehr gespannt, was Elvio Cognos Dolcetto hergibt. Schliesslich handelt sich um einen relativ preiswerten Rotwein aus dem Piemont. Einer Gegend, welche eher für hochpreisige Barolos bekannt ist. Neben dem bereits hier vorgestellten Montegrilli, einem Weissen, einem Barbera d’Alba und einem Barabresco produziert natürlich auch Elvio Cogno solche.

Elvio CognoDas äusserst schmucke Weingut liegt auf einem Hügel namens Bricco Ravera, nahe Novello. Der modernisierte Weinkeller befiindet sich in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert und ist ringsum von Reben umgeben. Insgesamt elf Hektar gehören zum Familienbetrieb. Die Anbaufläche für den Dolcetto nimmt dabei knapp einen Viertel ein. Immerhin 16’000 Flaschen werden davon jährlich abgefüllt. Die Trauben wachsen 380 Meter über Meer. Nach der Ernte wandern sie erst für je vier Monate in den Stahltank und ins Holzfass, und reifen anschliessend ein halbes Jahr in der Flasche, bevor der Wein auf den Markt kommt. Die vorliegende Abfüllung stammt von 2010, einem sehr guten Jahr für Piemonteser Weine.

Es ist Wochenende. Ein guter Bekannter bringt netterweise einen sehr spannenden Malanser Completer. Nach ein wenig Apéro-Gebäck und Smalltalk, setzen wir uns an den Tisch. Das Abendessen beginnt. Auf einen gemischten Salat folgt eine Lasagne alla casalinga. Den Dolcetto habe ich bereits schon zwei Stunden vorher entkorkt, jedoch nicht dekantiert. Ich schenke ein. Helles Rubinrot mit Violett-Tönen. Das Bouquet duftet nach Beeren und – Wein. Eine südlich anmutende Mischung aus reifen Beerenfrüchten, dezenten Gewürzen und süsslichen Akzenten strömt einem entgegen. Ein erster Schluck bestätigt die Nase: Reife, rote Beeren, Mandel und ein Hauch Vegetabiles. Der Wein ist samtig und süffig, der Körper von mittlerem Gewicht, fruchtig und einladend, der Abgang weich. Es ist ein sehr schöner Wein. Einer, von dem man gerne nachschenkt. Er hat Finesse und ist elegant. Eine fruchtige Leichtigkeit und ein charmantes Bouquet laden ein, mehr davon zu trinken. Die Flasche ist im Nu leer.

Fazit: Ihr ahnt es, Hugh Johnsons Einschätzung zum Dolcetto d’Alba von Elvio Cogno trifft ins Schwarze. Ich kann mich dieser nur anschliessen. Der fruchtbetonte Piemonteser schmeckt ohne Ende und eignet sich sehr gut als Begleiter von Pasta-Gerichten. Die Lasagne und der Dolcetto verstehen sich auf Anhieb. Der Wein hat zudem ein äusserst gutes Preis-Leistungsverhältnis. Im Vergleich zum Montegrilli aus selbem Haus, schneidet er insgesamt besser ab. Ich gebe 18 Punkte und freue mich schon auf die nächste Flasche von Winzer Cogno. Salute!

Dolcetto d'Alba

Punkte: 18/20
Passt zu: Lasagne, Pasta
Preis: momentan Fr. 15.00 statt 16.80 / € 9.90

Elvio Cognos Dolcetto d’Alba kann man bei Martel kaufen oder bei Ego-Vino bestellen.


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Zu den Italienern an die Poststrasse: Elvio Cogno – Montegrilli DOC 2010

Martel ruft unter dem viel zitierten Satz „La vita è bella“ diesen Monat ein italienisches Wein-Festival aus. Brav warten daher südeuropäische Rot- und Weissweine im Schaufenster auf ihre Käufer. Damit sich das Lammrack heute Abend nicht allzu einsam fühlt, nutze ich die Gunst der Stunde, und hole mir einen dazu passenden Piemonteser.

Eines vorweg: Seit langem wurde ich nicht mehr so sympathisch und aufmerksam bedient, wie heute Morgen bei Martel. Auch als Dilettant kommt man sich an der Poststrasse nicht einen Moment lang deppert, oder gar fehl am Platz vor.

Spontan betrete ich also die Weinhandlung. Auf die Frage nach einem italienischen Rotwein, passend zu Lamm, und in der Preisklasse bis 25 Franken, schlägt die Verkäuferin mir den Lasarin, oder den – ebenfalls aus dem Piemont stammenden – Montegrilli vor. Bedient werde ich von derselben Lady, die mich letztes Mal auf den sehr schönen Riesling von Bründlmayer hingewiesen hat. Sie bietet mir an, die von ihr vorgeschlagenen Rotweine zu degustieren. Martel hat zu diesem Zweck, eine in die Wand eingelassene „Degustiermeile“, bei der per Knopfdruck, Wein ins Glas fliesst. – Ich bin tief beeindruckt. Damit ich mich vor dem Degustieren noch meines Schweizer Markenkaugummis stilvoll entledigen kann, wird mir netterweise ein Kleenex gereicht.

Etwas peinlich ist es mir schon, das mit dem Kaugummi…

Item, ich kriege ein Glas und nehme erst einen Schluck Wasser, dann koste ich vom Lasarin. Beim Schnüffeln werden Erinnerungen an einen Pinot Noir wach. Nach nur einem Schluck steht für mich aber fest: Den mag ich nicht. Er ist mir zu leicht, und schmeckt wie ein durchschnittlicher Landwein. Zu 0815 für meinen Geschmack. Die Tannine sind zu dominant und der Körper zu schwach. S’ist halt einer für Montag bis Donnerstag. Heute ist aber Freitag, und mein Lamm braucht sowieso was Kräftigeres. Weiter geht’s also mit dem etwas teureren Montegrilli, einem Cuvée aus Nebbiolo und Barbera. Ah, der gefällt mir schon besser! Die Nase ist vielversprechend, der erste Schluck auch. Gekauft, einpacken bitte!

Das Piemont

Es wird Abend…

Die Lammracks brutzeln, das Gemüse kocht, die Kartoffeln braten friedlich vor sich hin. Der Montegrilli ist etwas zu warm, deshalb stelle ich ihn für zehn Minuten offen in den Kühlschrank. Weil’s ein junger 2010er ist, dekantiere ich den Wein. Schliesslich habe ich seit der Rocca-Episode dazugelernt. Martel meint im Online-Shop, dass es sich beim Montegrilli um einen schweren Wein handelt. Dem muss ich widersprechen: Zwar ist der Alkoholgehalt mit 14% eher hoch, der Rotwein schmeckt aber alles andere als schwer; vielmehr leicht, fein strukuriert und wunderbar ausgewogen. Wie im Geschäft versprochen, passt er sehr gut zum Lamm. Es ist alles da: Frucht, etwas Würze, integrierte Säure, so wie ein angenehmer und unkomplizierter Abgang. Auch alleine, für sich stehend, enttäuscht er nicht. Es ist ein süffiger Rotwein, der mir mächtig Spass macht. Ich sage daher: Daumen hoch und 17 Punkte.

Punkte: 17/20
Passt zu: Lamm, reifem Käse
Preis: Fr. 23.50 / € 15.50

Den Montegrilli und andere Weine von Elvio Cogno gibt es bei Martel und Superiore zu kaufen.