Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Kurz angenippt: Cantine Settesoli – Seligo Rosso Sicilia IGT 2012

Notizen

In der Nase Kirschen, Rosmarin und Vanille. Auch etwas Leder, ferner ein Hauch Gummi. Die Farbe ist Schwarzrot, aufhellend am Rand. Am Gaumen füllt der Wein angenehm, schöne Säureintegration, fast schon süsslich. Holz, Teer, Leder, sprittige Note bei zu kalter Temperatur merklich vorhanden und etwas störend. Ebenfalls ein vegetabiles Spektrum vorhanden: Waldboden (Pilze, Moos), nasser Erdboden. Insgesamt rund, fruchtig, versöhnlich. Mittelschwerer Körper, weiche Tannine und ein angenehmer Abgang, gefolgt von einem fruchtigen Nachhall. Das Dekantieren kann man sich schenken. Der Wein passt zu Schweinefilet und vor allem Pasta sehr gut. Allerdings sollte man die Flasche austrinken und nicht im Kühlschrank über Nacht stehen lassen. Der Süditaliener ist dafür nicht geeignet. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut. Der Seligo Rosso ist ein unkomplizierter Italiener, eine gefällige, allgemein verträgliche Cuvée aus Shyraz und Cabernet Sauvignon. Vinifiziert wird der Rote in Sizilien, und zwar vom grössten italienischen Produzenten – Cantine Settesoli. Ich gebe 14- 15 Punkte.

Settesoli Seligo Rosso

Unter der Rubrik kurz angenippt findest du Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

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Torre alle Tolfe, Chianti Colli Senesi, DOCG, 2011

Flaschentesters Fuss braucht Physiotherapie. Gott sei Dank, denn auf dem Weg in den Nordosten der Stadt, mache ich Halt bei Amiata. Da war ich schliesslich noch nie. Zehn Minuten später und um drei Flaschen reicher, trete ich wieder in die Pedale meines E-Bikes. Fuss hin oder her, geköpft wird heute ein Italiener. Quasi als alternativmedizinische Massnahme. Mal schauen, was meine Krankenkasse dazu meint.

Die Existenz von Amiata unterstreicht einmal mehr den bereits länger wachsenden Trend zu mehr Biowein. Schliesslich bietet der St. Galler Händler nur solchen an. Das Geschäft mit der wohl hübschesten Thekenhüterin aller lokalen Weinhandlungen ist klein, sehr klein sogar. Vorne findet man den Kassenbereich, rechts einige Regale mit den angebotenen Flaschen, in der Mitte einen langen Tisch mit allerlei Büchern, CD’s und anderem Krimskrams. That’s it. Sympathisch ist das allemal.

Da stehe ich nun im Laden, zücke meine Notizen und frage nach den entsprechenden Weinen. Wie üblich habe ich zu Hause – online – eine Vorauswahl getroffen. Das Angebot ist übersichtlich und gut selektioniert. Leider ist das Ladensortiment aber nicht deckungsgleich mit demjenigen des Online-Shops. Was soll’s. Es sind zum Teil nicht unerhebliche Kleinigkeiten. Vor allem einzelne Jahrgänge und Aktionspreise differieren. Eigentlich wollte ich ja was von Wittmann eintüten, aber im heimischen Kühlschrank warten schon ungeduldig Van Volxem, Von Buhl und Sauer auf eine Verkostung. Also lasse ich mir stattdessen einen Portugiesen, einen Südfranzosen und einen Chianti des Weinguts Torre alle Tolfe einpacken. Besitzer des Letzteren ist Marco Castelli, für die eigentliche Weinproduktion zeichnet sich Sergio LoJacono verantwortlich. Die Jahresproduktion beträgt nicht einmal 40’000 Flaschen. Der Betrieb liegt in Siena. Gerade mal zwei Rotweine, ein Olivenöl und ein Grappa werden hier biodynamisch erzeugt. Gleichzeitig werden auch Ferienhäuser und Apartments an Touristen vermietet. So weit, so klar.

Sergio LoJacono

Sergio LoJacono hat gut lachen: Sein Chianti schmeckt.

Einige Tage vergehen und eines Abends steht wieder einmal die alles entscheidende Frage im Raum: Kochen oder bestellen? Ein Anruf und dreissig Minuten Wartezeit später, steht der Kurier vor der Türe. Den Chianti habe ich kurz nach dem Telefonat mit dem Pizzaladen dekantiert. Nach dem letzten, sagen wir mal Chianti-Erlebnis, bin ich gespannt, fast etwas nervös. Bio-Wein aus Italien, kann das was werden?! Ehrlich gesagt erwarte ich nicht allzu viel.

Einige Momente später: Herrlich, wie der Wein duftet. Ganz Sangiovese, wirbeln Cassis, Pflaume und Veilchen empor. Es riecht süsslich, Erinnerungen an Eingemachtes werden wach. Auch Holz, etwas Lakritze und Rosmarin lassen sich ausmachen. Die Farbe gefällt. Der Wein sprudelt rubinrot aus dem Dekanter. Nach einem ersten Schluck wird klar, dass sich der Weg zu Amiata gelohnt hat. Der Wein überzeugt durch seine fruchtige, durchaus üppige Art. Er wirkt aber keineswegs überladen, sondern stets kontrolliert. Sein Körper ist von mittlerem Gewicht. Sehr schön ist diese tolle Fruchtsäure und die zarten Tannine. Beide fügen sich perfekt in das Gesamtspektrum ein. Nach erneutem Verkosten erkenne ich vegetabile Noten und einen äusserst wohl dosierten Holzeinsatz. Der Abgang bringt Würze und nochmals etwas Marmelade, der Nachhall gefällt ohne Wenn und Aber. Toll!

Auch die Essenspaarung harmoniert. Dieser Chianti passt sehr gut zu meiner Salamipizza. Seine Dichte hält bestimmt auch würzigeren Pasta-Gerichten stand. Der Rotwein ist trinkanimierend, klar und unkompliziert und doch nicht von dieser belanglosen Süffigkeit, welche viele einfachere italienische und spanische Tischweine mit sich bringen. Marco Castelli hat definitiv ganze Arbeit geleistet. Bravo! Der Colli Senesi schmeckt mir ausserordentlich gut, das Preis-Leistungsverhältnis ist fantastisch. Ich gebe verdiente 18 Punkte.

torre_alletolfe

Punkte: 18/20
Passt zu: Pasta, Pizza
Preis: Fr. 14.50 / € 9.85

Den Chianti Colli Senesi 2011 von Torre alle Tolfe gibt’s bei Amiata oder Belvini/Deutschland.


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Kopp von der Crone Visini – Vigoria Merlot 2010

Draussen wirbelt’s seit Tagen Schnee um die Häuser. Alkohol soll bekanntlich ja wärmen. Also wird’s wieder mal Zeit, eine Flasche zu entkorken. Mir ist nämlich kalt. Ein Schweizer soll es sein. Da ich auf Pinot Noirs oder westliche Weisse gerade keinen Bock habe, reise ich innerlich gen Süden und köpfe einen Tessiner Merlot.

Er stammt vom Gut Kopp von der Crone Visini. Mit der Betriebsgründung erfüllen sich eine promovierte Agronomin und ihr Mann 1994 den gemeinsamen Traum vom eigenen Reb- und Weinbau. Das Ehepaar zieht von Zürich ins Tessin. Ab 2002 arbeitet die verwitwete Anna Barbara von der Crone dann fortan mit dem befreundeten Winzer Paolo Visini zusammen. Vier Jahre später werden ihre beiden Betriebe unter einem Dach vereint. Die gemeinsame Cantina befindet sich südlich von Lugano, in Barbengo. Das Weingut hat mit seinen sieben Hektaren helvetische Durchschnittsgrösse. Die Reben liegen in Mendrisiotto, Luganese und Bellinzonese. Also im ganzen Tessin verstreut. Laut eigener Aussage legen Von der Crone und Visini grossen Wert auf einen möglichst schonenden Umgang mit der Natur und die Förderung der Biodiversität. Es ist ihre Überzeugung, „…dass sich eine nachhaltige Bewirtschaftung auch in der Qualität der Trauben niederschlägt.“ So erklärt sich auch der Umstand, dass die Winzergemeinschaft grosse Parzellenteile als Nützlingslebensraum bestehen bleiben lässt.

Barbengo

Auch in Barbengo soll’s manchmal schneien.

Insgesamt elf Weine werden von Anna Barbara und Paolo gekeltert. Darunter vier sortenreihe Merlots und drei auf Merlot und Cabernet Sauvignon basierende Cuvées. Beim Irto und beim Scala kommt zusätzlich Petit Verdot zum Einsatz. Beim Balin erweitert Arinarnoa den Wein um Fleisch, Säure und Würze. Aber auch vier sortenreine Weissweine und Weisswein-Cuvées (aus Viognier, Chardonnay, Kerner, Sauvignon blanc), Grappa und Likör werden auf dem Gut produziert. Viognier ist übrigens eine Rhone-typische Sorte, Kerner eine Kreuzung von Trollinger und Riesling und Arinarnoa eine Neuzüchtung aus Bordeaux. Für letztere standen Merlot und Petit Verdot Pate. Angesichts der Gesamtfläche der bewirtschafteten Reben ist das Sortenspektrum erstaunlich vielfältig. Möglich macht dies vor allem der Umstand, dass sich im Tessin die Bodenverhältnisse auf kleinem Raum sehr stark unterscheiden.

Kaum habe ich den Vigoria gekauft, setze ich mich vor meine Apfelkiste und surfe zu Hause neugierig ein wenig durch’s Netz. Google sagt mir, dass sich scheinbar zahlreiche St. Galler Händler auf die Weine dieses Guts eingeschworen haben. Neben Martel und Zweifel führen Lanz und Mövenpick ebenfalls Flaschen aus Barbengo in ihrem Sortiment. Auch Robert Parker bzw. einer seiner Verkoster lässt grüssen: Der Tinello vom selben Gut gehört laut David Schildknecht zu den besten Schweizern 2012. Schön.

Dekantiert habe ich den Wein nicht. Ich schenke ein. Der Wein scheint dunkelrot. Die Nase ist herrlich intensiv. Ein toller Merlot-Duft strömt einem entgegen. Man riecht sortentypisch vor allem Pflaume und Kirsche. Nachdem ich das Weinglas ein wenig schwenke, erreichen auch die schwereren Kräuternoten mein Riechorgan. Toll. Ich könnte stundenlang so weiter machen: Riechen – Schwenken – Riechen – Freuen. Schliesslich entscheide ich mich doch noch dafür, das Bouquet zu verlassen und einen ersten Schluck zu nehmen. Zum Glück! Denn das Wetter meinte es 2010 gut mit den Reben in Barbengo. Im Mund wirkt der Tessiner weich, vollmundig und fruchtig. Eine spannende, irgendwie enge, aber dennoch nicht unangenehme Säure verleiht ihm zudem Charakter. In der Regel kann man Merlot jung geniessen. So auch diesen. Die Tannine sind unaufdringlich. Die Frucht beherrscht das Geschehen. Als Essenspaarung zum Vigoria muss wieder mal Pasta mit Fleischsauce herhalten. Und auch an diesem Abend wird deutlich, wie Wein und Essen sich gegenseitig intensivieren können. Wunderbar. Ein Erlebnis!

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Vigoria 2010: Gährung im Stahltank, Ausbau in Eichenfässern.

Obwohl der Körper Saft hat, gar fleischig ist, erreicht der Vigoria nicht diesselbe Fülle wie Merlots aus südlicheren Gebieten. Das soll kein Vorwurf sein. S’ist halt einfach so. Der Wein schmeckt. Er hat was Eigenständiges, er hat Frucht, Würze und ein einladendes Bouquet. Auch der Abgang ist sehr angenehm, der Nachhall mehr würzig, als fruchtig. Trotzdem polarisiert der Tessiner. – Warum? Entweder man mag Schweizer Merlot, oder nicht. Ein Zwischendrin gibt’s nicht. Kein Solala, kein durchschnittlich, oder geht so. Auch im Casa Flaschentester bestätigt sich dieser Eindruck: Die Hälfte der agierenden Testerinnen und Tester ist dem Wein sehr zugeneigt, die andere würde ihn nicht nochmals kaufen. Ich für meinen Teil finde ihn toll. Punkt.

Fazit: Kopp von der Crone Vinsini’s Vigoria ist ein schöner Rotwein zu einem für Schweizer Massstäbe sehr anständigen Preis. Er kann jung getrunken werden; entweder für sich alleine, oder am besten zu klassischer Tomaten-Fleisch-Pasta und ähnlich deftigen Gerichten. Geschmacklich punktet er durch ein wunderbar duftendes Bouquet, die omnipräsente Merlot-Frucht, und einen eigenständigen, aber trotzdem geschmeidigen Charakter. Ich gebe 17 Punkte.

VigoriaMerlot2010

Punkte: 17/20
Passt zu: Pasta, Gegrilltem, Deftigem
Preis: Fr. 21.-

Den Tessiner Merlot kriegt man bei Martel. Auch Zweifel, Simone Lanz und Mövenpick führen Weine der Cantina Kopp von der Crone Visini.


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Ab ins Kloster: Muri-Gries – Lagrein DOC 2011

Zwar gibt es den Weinbau nachweislich schon einige tausend Jahre länger als Klöster, trotzdem gehen viele bekannte Weinlagen direkt auf eine Klostergründung zurück. Auch heute findet man ab und an noch Flaschen, welche direkt aus einer Klosterkellerei stammen. So zum Beispiel im Südtirol. In der Hauptstadt der weitgehend autonomen Region befindet sich das Kloster Muri-Gries. Zwar lassen die dort ansässigen Geistlichen den Wein unterdessen von Fachleuten keltern, der Betrieb ist aber nach wie vor Teil der Klosteranlage und wird auch dementsprechend vermarktet.

Die Anlage besteht in ihrer Grundsubstanz seit dem Spätmittelalter. Die Augustiner Chorherren erhielten 1407 die damalige Burg vom Habsburger Herzog Leopold IV. gestiftet. Ihr ursprüngliches Kloster war aufgrund einer Überschwemmung durch den Eisack zerstört worden. In den folgenden Jahrhunderten wurde mehrfach an- und umgebaut. Mitte des 19. Jahrhunderts beschliesst der Kanton Aargau die Aufhebung aller Klöster. Die in Muri ansässigen Benediktiner sind gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen. In Gries bei Bozen finden sie ein Zuhause. Mit dem Einzug der Schweizer Glaubensbrüder beginnt 1845 ein neuer Abschnitt in der Weinbaugeschichte des Klosters. Die Mönche nehmen ihre Ordensregel „ora et labora“ von nun an auch in den klösterlichen Weinbergen ernst.

Muri-Gries

Die Ländereien des Klosters sind beachtlich: Knapp 30 Hektar Weinbau, 52 Hektar Obstbau, ein Bergbauernhof in Kampidell bei Jenesien mit 145 Hektar Wiesen und Wald, so wie Viehzucht und Holzwirtschaft gehören heute zum landwirtschaftlichen Betrieb von Kloster Muri-Gries. Hinzu kommt die Klostergärtnerei mit dem gepflegten Klostergarten. Über Jahrhunderte hinweg sind die Mönche Selbstversorger, was die landwirtschaftlichen Produkte und Nahrungsmittel anbelangt. Auch der selbst gekelterte Wein deckt lange Zeit vorwiegend den eigenen Bedarf. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts öffnet sich der Keller von Muri-Gries. Der Weinhandel mit den deutschsprachigen Nachbarn beginnt. Exportiert werden St. Magdalener und Malvasier, Lagrein, Kretzer (Rosè) und Ruländer. Heute ist Muri-Gries ein klassischer Rotwein-Betrieb mit 85% Rotweinen und 15% Weissweinen. Weit über 90% der Produktion werden als Qualitätsweine (DOC) in der 0,75-Literflasche verkauft.

Lagrein ist eine typisch autochthone Rebsorte des Südtirols. Die Reben für den Muri-Gries liegen in Bozen, 260 Meter über Meer. Es sind tiefgründige und sandige Schwemmböden mit Süd-Ausrichtung. Die Reben werden von Walter Bernard gepflegt, als Önologe zeichnet sich Christian Werth verantwortlich. – Die Weinkellereien des Klosters entsprechen so gar nicht dem romantischen Bild von alten Gemäuern und mittelalterlichen Anlagen. Im Gegenteil: Produziert wird auf aktuellem technischen Niveau. Die Temperatur-kontrollierte Vergärung erfolgt im Edelstahltank. Nach acht Tagen bei 29°C wird der Wein laut Produzent im grossen Holzfass (300 – 500l) während sechs Monaten ausgebaut.

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Für mich ist die Verkostung eine Südtirol-Premiere. Umso mehr bin gespannt, was mich erwartet. Ohne zu dekantieren, schenke ich gleich nach dem Entkorken ein. Der Wein ist farblich unglaublich dicht. Man sieht nicht durchs Glas. Meine Nase ist angesichts der neuen Geruchserfahrung etwas verwirrt. Das Bouquet ist mässig intensiv. Was rieche ich da? Pflaumen, ja. Kakao, Nelken? Im Mund nimmt der Rotwein viel Platz ein. Der Körper ist fett. Aber so was von. Er hat ordentlich Druck. – Irgendwie treffen sich da eine schwere Süsse, von beinahe überreifen Pflaumen, und eine würzige Leichtigkeit. Man kann diese zwei Ebenen deutlich voneinander unterscheiden: Der schwere Unterbau hebt sich von einem darüber schwebenden, pikanterem Spektrum ab. Ehrlich gesagt habe ich aufgrund des Jahrgangs, Herberes, vielleicht auch mehr Säure und intensivere Tannine erwartet. Fehlanzeige. Trotz seines jugendlichen Alters bringt der Rote schon die totale Trinkfreude. Auch der Holzausbau ist nicht zu dominant geraten. Der Abgang ist dann aber erstaunlich kurz. Dafür nimmt der darauf folgende Nachhall kathedrale Ausmasse an. Auch hier zeigt der Wein – einmal mehr – eine Eigenheit. Trinken kann man ihn übrigens auch sehr gut ohne passendes Essen. Einfach so, oder mit etwas Weissbrot.

Fazit: Wenn dieser Wein Südtiroler bzw. Bozener Terroir widerspiegelt, muss ich mich diesem besonderen Flecken Erde in Zukunft etwas mehr widmen. Der Wein macht definitiv Spass. Bietet er doch reichlich Abwechslung, jenseits der ausgetrampelten Rotweinpfade. Für einen fairen Preis kriegt man neben Qualität vor allem sehr sehr viel Charakter ins Glas. Da haben die Klosterkellereien ganze Arbeit geleistet. Daumen hoch. Ich gebe 18 Punkte.

MuriGriesLagrein2011

Punkte: 18/20
Passt zu: Pasta, deftigen Fleischgerichten (Braten, Gegrilltem, Wild)
Preis: momentan Fr. 16.5o statt 18.50 / € 8.60

Der Muri-Gries Lagrein 2011 ist bei Martel und Gerardo erhältlich.


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Elvio Cogno – Dolcetto d’Alba DOC 2010

Neulich durchstöbere ich wiedermal lässig meinen grossen Johnson. Halt mache ich bei den Seiten 296 und 297. Vor mir liegt das Piemont. Hugh meint, dass die Weine von Elvio Cogno durchaus einen Versuch wert seien. Vor allem der Dolcetto sei köstlich. Da trifft es sich doch ausgezeichnet, dass Martel seine alljährliche Tour des vins ausruft, und allerlei interessante Weine zu Aktionspreisen anbietet. Auch besagten Roten.

Es muss jetzt einfach mal gesagt werden: Martel hat mich bisher noch nie enttäuscht. Egal ob Italien, Österreich, Frankreich, oder weissdergucker welches Land. Jeder der hier getesteten Weine war sein Geld wert. Die meisten liegen im oberen Mittelfeld, oder gar an der Spitze der Charts. Deshalb bin ich um so mehr gespannt, was Elvio Cognos Dolcetto hergibt. Schliesslich handelt sich um einen relativ preiswerten Rotwein aus dem Piemont. Einer Gegend, welche eher für hochpreisige Barolos bekannt ist. Neben dem bereits hier vorgestellten Montegrilli, einem Weissen, einem Barbera d’Alba und einem Barabresco produziert natürlich auch Elvio Cogno solche.

Elvio CognoDas äusserst schmucke Weingut liegt auf einem Hügel namens Bricco Ravera, nahe Novello. Der modernisierte Weinkeller befiindet sich in einem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert und ist ringsum von Reben umgeben. Insgesamt elf Hektar gehören zum Familienbetrieb. Die Anbaufläche für den Dolcetto nimmt dabei knapp einen Viertel ein. Immerhin 16’000 Flaschen werden davon jährlich abgefüllt. Die Trauben wachsen 380 Meter über Meer. Nach der Ernte wandern sie erst für je vier Monate in den Stahltank und ins Holzfass, und reifen anschliessend ein halbes Jahr in der Flasche, bevor der Wein auf den Markt kommt. Die vorliegende Abfüllung stammt von 2010, einem sehr guten Jahr für Piemonteser Weine.

Es ist Wochenende. Ein guter Bekannter bringt netterweise einen sehr spannenden Malanser Completer. Nach ein wenig Apéro-Gebäck und Smalltalk, setzen wir uns an den Tisch. Das Abendessen beginnt. Auf einen gemischten Salat folgt eine Lasagne alla casalinga. Den Dolcetto habe ich bereits schon zwei Stunden vorher entkorkt, jedoch nicht dekantiert. Ich schenke ein. Helles Rubinrot mit Violett-Tönen. Das Bouquet duftet nach Beeren und – Wein. Eine südlich anmutende Mischung aus reifen Beerenfrüchten, dezenten Gewürzen und süsslichen Akzenten strömt einem entgegen. Ein erster Schluck bestätigt die Nase: Reife, rote Beeren, Mandel und ein Hauch Vegetabiles. Der Wein ist samtig und süffig, der Körper von mittlerem Gewicht, fruchtig und einladend, der Abgang weich. Es ist ein sehr schöner Wein. Einer, von dem man gerne nachschenkt. Er hat Finesse und ist elegant. Eine fruchtige Leichtigkeit und ein charmantes Bouquet laden ein, mehr davon zu trinken. Die Flasche ist im Nu leer.

Fazit: Ihr ahnt es, Hugh Johnsons Einschätzung zum Dolcetto d’Alba von Elvio Cogno trifft ins Schwarze. Ich kann mich dieser nur anschliessen. Der fruchtbetonte Piemonteser schmeckt ohne Ende und eignet sich sehr gut als Begleiter von Pasta-Gerichten. Die Lasagne und der Dolcetto verstehen sich auf Anhieb. Der Wein hat zudem ein äusserst gutes Preis-Leistungsverhältnis. Im Vergleich zum Montegrilli aus selbem Haus, schneidet er insgesamt besser ab. Ich gebe 18 Punkte und freue mich schon auf die nächste Flasche von Winzer Cogno. Salute!

Dolcetto d'Alba

Punkte: 18/20
Passt zu: Lasagne, Pasta
Preis: momentan Fr. 15.00 statt 16.80 / € 9.90

Elvio Cognos Dolcetto d’Alba kann man bei Martel kaufen oder bei Ego-Vino bestellen.


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Rustikaler Italiener: San Michele a Torri – Chianti Colli Fiorentini DOCG 2010

Irgendwie tun mir die Italiener ja leid. – Die Leute, nicht die Weine. Da schaffen sie ihren selbstverliebten und machtsüchtigen Cavaliere ab, nur um ihn einige Zeit später wieder im Wahlkampf anzutreffen. Schuld daran sind ein politisches System und eine Parteienlandschaft, welche kaum noch jemand an der Basis versteht. Ganz ähnlich verhält es sich mit italienischen Weinen und ihren Deklarationen. Bestes Beispiel dafür: Der Chianti.

Das Klassifizierungen bei Weinen mitunter kompliziert sind, habe ich ja schon beim Thema Bordeaux aufzuzeigen versucht. Beim Chianti verhält es sich ganz ähnlich. Zum einen wird das Chianti genannte Gebiet – ähnlich dem Bordelais – nämlich in einzelne Anbauflächen aufgeteilt, zum anderen werden die dort produzierten Weine in ein Zertifikatssystem eingereiht, welches Gutes will, aber nicht immer einfach zu durchschauen ist.

Chianti Anbaugebiete

Die Anbauflächen des Chiantis liegen in der Toskana. Das Gebiet erstreckt sich von Pisa bis Montalcino. Neben dem meist hochwertigen Chianti Classico wird die Region heute offiziell in sieben Provenienzen* unterteilt:

  • Chianti Rufina (Pontassieve)
  • Chianti Colline Pisane (Pisa)
  • Chianti Montalbano (Carmignano)
  • Chianti Colli Fiorentini (Florenz)
  • Chianti Colli Senesi (Siena)
  • Chianti Aretini (Arezzo)
  • Chianti Montespertoli

Klassifiziert werden italienische Weine aufgrund der Qualitätsstufen vini da tavola, IGT (Indicazione Geografica Tipica), DOC (Denominazione di Origine Controllata) und DOCG (…e Garantita). Das DOC-System wurde Anfang der Sechzigerjahre in Anlehnung an das französische AC-System eingeführt, um qualitativ hochwertigere Weine von den gewöhnlichen „Tafelweinen“ abzugrenzen. Natürlich auch mit dem Ziel nachhaltige Qualitäten italienischer Weine zu produzieren. Wobei bis heute die beiden Labels vor allem für höchste Qualität in der Produktion stehen. Es ist unumstritten, dass die Toskana auch hervorragende Weine ohne Zertifikat hervorbringt. DOC und DOCG stehen nämlich nicht per se für Spitzenweine. Auch hier wird die Parallele zu Frankreich offensichtlich: Klassifizierungen sagen nur begrenzt etwas über die Qualität von Weinen aus. Auch in Italien. Bei DOC und DOCG-Produkten hat man aber wenigstens die Gewissheit um ordentliche Produktionsmethoden. So zum Beispiel auch bei Käse und Olivenöl, welche eines dieser Labels tragen.

Bei Weinen spezifiziert das DOC-Label unter anderem die zugelassenen Anbaugebiete, die Rebsorten, den Maximalertrag pro Hektar, den zulässigen Alkoholgehalt und vieles mehr. DOCG-Weine dürfen ausserdem nur vor Ort abgefüllt werden. Der Höchstbetrag pro Gebinde umfasst fünf Liter. Italien kennt insgesamt siebzig Weine, welche diesen Spezifikationen entsprechen. Darunter viele bekannte Namen wie Brunello di Montalcino, Amarone della Valpolicella oder Barbera d’Asti. Spitzenweine findet man – wie erwähnt – vor allem bei Flaschen mit dem Aufruck Chianti Classico. Grundsätzlich werden Chiantis immer aus Sangiovese-Trauben erzeugt. Oft sind sie reinsortig hergestellt, manchmal werden sie durch Beigabe von Trebbiano und Malvaisa jedoch auch früher trinkreif gemacht. Die Vorschrift, das Chianti auch einen gewissen Anteil weisser Trauben enthalten soll, wurde glücklicherweise überwunden. Auch die typischen Bastflaschen findet man heute nicht mehr flächendeckend. Schade eigentlich.

Erzeuger des getesteten Colli Fiorentinis und Besitzer der Fattoria San Michele ist Paolo Nocentini. Laut eigener Aussage verfolgt er ein Ideal: Den „guten alten“ traditionellen Chianti. Die Sangiovesestöcke lässt er dafür extra in einer Baumschule aus Reisern eines 80 Jahre alten eigenen Weinberges nachzüchten, weil er sicher ist, dass diese besser sind, als die modernen Klone. Entsprechend niedrig ist allerdings der Ertrag. – Aber nicht nur Sangiovese bildet das Material für diesen Chianti. Dazu gesellen sich noch 15 Prozent Canaiolo und fünf Prozent Colorino.

San Michele a Torri

San Michele a Torri in Scandicci nahe Florenz

Und tatsächlich, Nocentinis Chianti schmeckt durch und durch traditionell. Er ist sehr trocken, herb und besitzt eine deutliche Restsäure. Insgesamt wirkt er etwas hölzern, hat aber ausreichend Frucht. Der Wein ist lebhaft und tanninreich, bringt aber trotzdem eine schöne Samtigkeit – vor allem im Abgang. Das Bouquet ist sehr intensiv. Es erinnert ein wenig an Glühwein, Orangen, Gewürze, Beeren und diverse vegetabile Erdtöne. Die Farbe ist ein ausgeprägtes, fast glühendes Granatrot. Romanin meint, dass er zu Pasta passe. Das kann ich absolut nachvollziehen. Wobei mir der kürzlich vorgestellte Primitvo als Essenspaarung zu einer Bolognese weitaus mehr zusagte.

Fazit: Der San Michele a Torri ist ein klassischer, ländlicher Chianti. Zwar wird er nicht reinsortig aus Sangiovese-Trauben hergestellt, trotzdem hat man einen traditionellen, das Terroir widerspiegelnden, Rotwein im Glas. Wer fruchtig-frische Chiantis, oder Weine mag, ist mit diesem hier falsch bedient. Nocentinis Toskaner gehört zur ernsteren und für die längere Flaschenlagerung konzipierten Art. Mir persönlich ist der Bio-Wein zu trocken, zu hölzern und ein wenig zu aggressiv ausgefallen. Ich gebe deshalb 14 Punkte.

Fattoria San Michele a Torri Chianti

Punkte: 14/20
Passt zu: Pasta, mediterraner Fleischküche
Preis: Fr. 16.80

Den Chianti der Fattoria San Michele a Torri kann man hier kaufen.

 

 

 

 

 

* Zur Politik: Italien kennt sage und schreibe 169 (!) politische Gruppierungen. – Ok, Wein ist doch einfacher.


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Essen & Wein

Ab sofort findet ihr Essenspaarungen zu den in den Artikeln vorgestellten Weinen unter der Rubrik Essen & Wein.