Flaschentester

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Sahara / St. Gallen – Ein Restaurantbericht

Restaurants verschiedenster kultureller Couleur gehören schon lange zur urbanen Esskultur. Wer fernab von Sushi, Kebab und Thai nach einem letzten Stückchen kulinarischem Neuland lechzt, sollte mal an der Rorschacher Strasse 53 vorbeischauen. Da gibt’s nämlich nicht nur Palmen, sondern auch orientalische Spezialitäten.

Und zwar im Restaurant Sahara, welches Anfang 2010 seine Türen erstmals geöffnet hat. Zugegeben: Von aussen betrachtet, macht das Gebäude nicht gerade viel her. Auch die Lage würde ich als suboptimal bezeichnen. Wenigstens liegt das Lokal an der 1er-Buslinie. Die Haltestelle Singenberg ist keine zwei Gehminuten vom Sahara entfernt. Schön.

Restaurant Sahara

Es ist Freitagabend. Meine Begleitung hat reserviert und wartet schon. Etwas verspätet betrete ich gespannt und mit einer gewissen Skepsis das Spezialitätenrestaurant. Nach einer visuellen Reizüberflutung, ausgelöst durch ein massives Aufgebot an orientalischer (Pseudo?)-Deko, werde ich sogleich von Nidal Sidawi – dem Inhaber – herzlich begrüsst und zu unserem Tisch geführt. Das Publikum ist äusserst heterogen zusammengesetzt: Ein Pärchen sitzt in einer Art Separée, an einem anderen Tisch ein Grüppchen Teenager, intensiv diskutierende Herren in der einen Ecke, herzhaft lachende Ladies in der anderen, irgendwo meine ich auch noch eine Familie mit zwei Kindern zu erkennen. Unser Tisch ist indes im hintersten Teil des Restaurants, auf einer erhöhten Ebene.

Wir bestellen einen Apéritif. Dieser kommt ohne, dass wir lange warten müssen. Man reicht uns die Karte. Das Spektrum des Gebotenen ist gross: Die Speisen sind libanesisch, marokkanisch, tunesisch und arabisch. Es gibt eine reiche Auswahl an Mezze, ausserdem Suppen, Falafel, Spiesse, Gegrilltes, Vegetarische Gerichte, Fisch etc. etc.

Auch die Weinkarte hält geographisch mit:

Sahara 1

Libanesische Weine findet man zum Beispiel hier

Sahara 2 Sahara 3

Da wir geschmacklich eine möglichst grosse Bandbreite anvisieren, bestellen wir Mezze für zwei Personen. Es dauert denn auch nicht lange und Sidawi tischt uns allerlei Töpfchen und Tellerchen auf: Salate, Humus, Gemüse, Tabulé, Falafel und Vieles, woran ich mich namentlich nicht mehr erinnern kann. Dazu werden kleine Fladenbrote gereicht, die leider schon etwas erkaltet sind. Nichtsdestotrotz sieht das Aufgetischte toll aus. Obwohl zu Mezze ein Weisswein eigentlich besser passen würde, versuchen wir es mit einer Flasche Cabernet-Sauvignon. Diese stammt vom libanesischen Château Ksara. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Meine erste asiatische* Rotweinerfahrung steht unmittelbar bevor.

Die Nase bringt Cabernet Sauvignon-Typisches: Beeren, Cassis, Rosmarin, Fass. Meinem Bekannten fällt als erstes eine etwas unangenehme, metallische Komponente auf. Eine Art Fehlton (Massiver Schwefeleinsatz?), der stört. Auch im Mund erkennt man den Cabernet. Der mittelschwere Körper hat Fleisch und Frucht. Der Wein ist süffig und relativ einfach gestrickt, das Künstliche immer noch vorhanden. „Wetten, dass ich davon Kopfschmerzen kriege?“ Und tatsächlich, zwölf Stunden später dröhnt mir die Birne.

Zurück zu den Speisen: Die Mezze sind frisch zubereitet, liebevoll angerichtet und bringen diese vielfältigen Kombinationen von Süsse, Schärfe, Mariniertem, Frischem und Eingelegtem, Gegrilltem, Fettigem und Leichtem auf den Tisch, welche diese Küche(n) ausmacht. Einige Zeit später sitzen wir dementsprechend hochzufrieden und pappsatt vor leeren Tellern und Schüsseln. Volle Bäuche lassen das angeregte Gespräch für kurze Zeit verstummen. Nicht ein Krümelchen bleibt übrig. Zum Glück haben wir nicht auch noch einen Fleischsspiess bestellt. Die Versuchung war gross.

Fazit: Das Sahara bringt orientalisches Flair in die Gallusmetropole. Gastfreundschaft wird gross geschrieben. Nidal Sidawi bedient zuvorkommend, flink und stets mit angenehmer Zurückhaltung. Man fühlt sich sofort wohl und kann den Abend und das Essen unbeschwert geniessen. Das Gebotene überzeugt optisch und geschmacklich. Einzig der von uns bestellte Rotwein war eine Enttäuschung. Schade. Vielleicht haben wir ja beim nächsten Mal mehr Glück. Denn auch in Nordafrika werden bestimmt gute Tropfen erzeugt. – Das Essen empfinde ich als äusserst preiswert. Bezahlen wir insgesamt doch lediglich 42 Franken für die von uns bestellten Mezze. Also 21 Franken pro Kopf. Für das Gebotene mehr als fair, wie ich finde. Das Ambiente ist hingegen Geschmackssache. Punkten kann das Lokal vor allem mit der Gastfreundschaft des Inhabers und den vielfältigen und sehr leckeren orientalischen Gaumenfreuden. An dieser Stelle ein grosses Lob an die Küche!

Wer also für einmal, nicht wie gewohnt, bei einem der üblichen Verdächtigen speisen möchte, findet mit dem Sahara im Osten der Stadt eine lohnenswerte Alternative. Ich gebe 15 Punkte.

* Ja, der Libanon gehört tatsächlich zu Asien.

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