Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Viva la Vinolución !

Unweit von meinem Domizil entfernt liegt ein Weingeschäft. Eines, dass den Ungehorsam im Namen trägt: Die Weinrebellen. Gemäss dem Slogan Frei vom Brimborium versucht man hier, Wein unkompliziert und sympathisch unters Volk zu bringen. Endlich. Ein Konzept, dass manch junger Trinkerseele aus dem Herzen spricht. Flaschentester schwingt sich deswegen wieder mal auf sein Radl. Ein Interview-Termin steht an. Mein erster wohlgemerkt. Opfer der Attacke: El Comandante – Frank Balgar himself.

Frank, wie kamst du zum Wein?

Ursprünglich absolvierte ich eine Berufslehre als Koch. Ausserdem wuchs ich in einer Gastronomenfamilie auf. Meine Eltern haben gewirtet. Damals ist der Virus vermutlich bereits eingepflanzt worden. Später, nach der Lehre habe ich in das kaufmännische Fach gewechselt. Schliesslich gab es berufliche Veränderungen und ich habe mich entschlossen, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Da war es naheliegend die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Also etwas zu verkaufen, das ich selbst sexy finde. Darum Wein und Food. Ganz einfach.

Und wie entstand die Idee zu den Weinrebellen?

Bereits kurz nach der Gründung von Gostomundo, hatten wir das Gefühl, dass wir eine Plattform brauchen, welche die Leute anders anspricht und vor allem auf eine andere Zielgruppe ausgerichtet ist und auf eine andere Art als der konventionelle Weinhandel rüberkommt. Also auf eher jüngere Personen um die 30, wenn du so willst die Facebook-Generation, abzielt.

Weinrebellen

Frei von Staub und Etikette: Die Weinrebellen.

Im Moment führen wir den Betrieb zu zweit: Meine Mutter und ich. Wir haben die Gostomundo GmbH gemeinsam gegründet.  Und auch heute sind es nach wie vor wir zwei, die den Kampf bestreiten. Wir werden aber von der Familie unterstützt. Aufgrund des positiven Wachstums benötigen wir aber schon bald mehr Personal.

Irgendwie erinnert mich das Ganze ein wenig an den deutschen Blogger Manfred Klimek alias CaptainCork, nicht? Stand er Pate für die Weinrebellen?

Ich kenne den Blog. Und ja, Captain Cork war sicherlich eine Inspiration. Klimek und ich hatten bereits telefonisch Kontakt. Ich hatte auch schon seinen Wein im Sortiment, den Kappa Rosso, für welchen unterdessen leider ein anderer Betrieb den Zuschlag erhalten hat, da er eine grössere Menge abnehmen kann. Das Konzept oder die Idee von Klimeks Blog gefällt mir sehr gut, auch er persönlich scheint mir eine coole Sau zu sein. Ich habe erst kürzlich sein Buch gekauft, auch dieses ist sehr ansprechend. Insgesamt ist dies eine sehr ähnliche Art, wie auch wir die Leute ansprechen wollen. In dem Sinne ist CaptainCork eine Inspiration – ja.

Unsere überschaubare Stadt hat an die zehn Weinhandlungen, Grossverteiler nicht eingerechnet. Wieso soll ein Konsument dein Geschäft betreten und nicht bei der Konkurrenz einkaufen?

Vorweg, wir verkaufen vor allem online, also standortunabhängig. 75 Prozent des Umsatzes generieren wir also ausser Haus. Trotzdem haben wir natürlich auch Kundschaft bei uns im Geschäft, welche aber vor allem aus der näheren Umgebung, sprich St. Gallen, stammt. Die meisten kommen hierher, weil es bei uns sehr unkompliziert zu und her geht. Wir pflegen grundsätzlich einen sehr offenen Kontakt. Beinahe alle Kunden sind mit uns per du. Ich glaube auch, dass die Kunden uns und unseren Empfehlungen vertrauen. Dieses Feedback kriege ich wenigstens regelmässig von unseren Kunden. Ausserdem kennen wir inzwischen die verschiedenen Geschmäcker der einzelnen Kunden sehr gut. Alles in allem herrscht also gutes Verhältnis zwischen den Kunden und uns. Das spricht sich schnell rum.

Etwas verwirrend finde ich die unscharfe Trennung zwischen Gostomundo und den Weinrebellen. Das Sortiment überschneidet sich weitgehendst, oder? Gostomundo als Mutterschiff und die Weinrebellen zur Acquisition junger Weintrinker?

Ja, das triffts im Moment ziemlich genau. In Zukunft steht aber eine ganz klare Trennung der beiden Geschäftszweige an. Gostomundo wird den Fachhandel und die Gastronomie bedienen, die Weinrebellen werden sich ausschliesslich um Privatkundschaft kümmern.

Schaut man sich euren Online-Shop an, fallen zwei Dinge sofort ins Auge: Keine Franzosen, keine Schweizer Weine. Woran liegts?

Ehrlich, ich bin kein grosser Fan von Franzosen, vor allem nicht von Bordeaux und Burgund. Das hängt in erster Linie mit den Preisen zusammen. Zudem ist die Beschaffung in diesem Bereich eher schwierig. Da ist es einfacher, in Italien einzukaufen. Zudem gibt es schon etliche auf Franzosen spezialisierte Händler (v.a. Martel und Mövenpick, Anm. d. Red.), gerade hier in St. Gallen, die sehr stark am Markt vertreten sind. Zudem ist es ein riesengrosses Feld, um welches man das Sortiment erweitern müsste. Eventuell ergänzen wir unser Angebot – wenn überhaupt – um südfranzösische Weine, aus dem Languedoc zum Beispiel. Damit können wir auch unsere Zielgruppe besser ansprechen. Zu den Schweizer Weinen: Die Nachfrage ist einfach zu gering. Zudem wird sehr viel Schweizer Wein direkt ab Hof verkauft, oder an Messen wie der Olma. Deshalb sind diese beiden Destinationen nicht in unserem Sortiment vertreten.

Kettern

Piraterie scheint im Trend zu sein: Mosel-Winzer Philipp Kettern.

Aber Österreich ist prominent vertreten. Eine deiner Vorlieben?

Das ist vor allem aus einem Kundenbedürfnis heraus gewachsen. Kunden haben nach österreichischen Weinen gefragt. Dann haben wir die ersten beschafft, und das Sortiment stetig erweitert. Einerseits weil es spannende, qualitativ hochstehende Weine sind, andererseits natürlich auch weil sie sich dementsprechend gut verkaufen lassen.

Ihr führt auch einige Bio-Weine. Zum Beispiel die von Claus Preisinger. Wie stehst du gegenüber dieser Produktionsmethode?

Bio ist für uns kein schlagendes Verkaufsargument. In erster Linie muss ein Wein qualitativ gut sein. Auch der Preis spielt eine Rolle. Wenn der Wein auch noch ein Bio-Label trägt ist das natürlich auch OK. Ich denke die meisten kleineren Winzer arbeiten sowieso schon biodynamisch, auch wenn ihnen kein Label anhaftet. Die müssen ihrem Rebberg so oder so Sorge tragen. Abschliessend: ich lege nicht allzu grossen Wert darauf.

Eure Preise sind fair. Der teuerste Wein kostet Fr. 99.-, die meisten Flaschen sind jedoch im bezahlbaren Bereich angesiedelt und somit alltags- und budgettauglich. Ihr habt ausserdem ein sehr spezielles Konzept in Petto. Erklär doch kurz mal das „Gemeinsame Weinkaufen“!

Als kleiner Weinhändler steht man immer wieder vor dem Problem, dass man um einen vernünftigen Preis zu bekommen, den Winzern sehr grosse Mengen abnehmen muss. Auch logistisch ist das ein Problem, weil sich zum Beispiel so Transportkosten unverhältnismässig auf den Preis niederschlagen. Diese Problematik wollen wir entschärfen, in dem wir den Kunden mit ins Boot holen, ihn quasi zum Importeur machen. Er kann zu Hof-Preisen Wein einkaufen, in dem er sich am Import beteiligt. Wir kümmern uns um die Abwicklung, und erhalten eine kleinen Zuschlag. Schliesslich müssen auch wir davon leben können. Ausserdem erhalten wir so die Möglichkeit, schneller und öfter spannende Sachen zu importieren, die wir alleine nur schwierig organisieren könnten. Das „Gemeinsame Weinkaufen“ muss sich aber erst entwickeln. Seitens der Kundschaft ist Interesse aber grundsätzlich vorhanden.

Winepunk

WinePunk Marco Giovanni Zanetti.

Mit dem WinePunk, habt ihr euch passend zur Rebellion seine Weine an Board geholt. Geht’s um reines Marketing, oder könnt ihr Marco Giovanni Zanettis Weine auch qualitativ mit gutem Gewissen vertreten?

Für uns muss erstmal die Qualität stimmen. Diese steht im Vordergrund. Natürlich suchen wir auch immer wieder coole Labels, die Qualität steht aber im Vordergrund. Zum WinePunk: Ich habe ihn persönlich kennengelernt. Er ist einfach eine coole Sau. Nachdem ich seine Weine degustiert habe, musste ich sagen „wow !„, die sind wirklich gut. Ausserdem sind seine Labels einfach anders und passen zu den Weinrebellen. Deshalb ist es insgesamt echt eine geile Sache.

Ihr Habt Rieslinge des Weinguts Kettern im Programm. Philipp Ketterns Webauftritt spielt von A bis Z mit der Piratenthematik. Der Winepunk scheint dort auch Gast zu sein. Ist das die neue junge Weingeneration: Piraten, Rebellen und Punks?

Ich denke schon, dass hier ein Generationenwechseln stattfindet. Besonders in Deutschland ist das zu spüren. Da gibt es einige die diesbezüglich sehr aktiv sind. Philipp Kettern zum Beispiel ist ein Freund von Marco Giovanni Zanetti, alias dem Winepunk. So haben wir den Kontakt hergestellt. Ich war schliesslich auch bei ihm zu Besuch an der Mosel. Und: seine Weine sind wirklich gut. Das war schlussendlich auch der ausschlaggebende Grund, warum wir sie mit in unser Programm aufgenommen haben.

Kannst du euren Durchschnittskunden beschreiben?

Männlich, zwischen 30 – 40 Jahre alt.

Zum Schluss noch drei kurze Fragen: Welche Events stehen an?

Demnächst gibt es ein Whiskey-Seminar am 5. März und ein Grappa-Seminar am 9. Mai. Events im Weinbereich werden sicherlich folgen.

Gibt’s bald was Neues im Sortiment?

Auch hier gibt’s momentan vor allem Neues im Spirituosenbereich: Von einer jungen Berliner Firma namens Liquor-Company Rum aus Barbados und einen Gin aus Frankreich. Diese sind qualitativ und auch preislich sehr gut aufgestellt. Natürlich haben wir noch einige andere Dinge in der Pipeline. Erst müssen wir aber Geld einnehmen, damit wir welches ausgeben können.

Welcher ist dein momentaner Lieblingswein?

Ich versuche immer wieder verschiedene Weine zu trinken: Am liebsten jeden Tag was Neues.

Danke für das Gespräch

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