Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


Hinterlasse einen Kommentar

Frohe Ostern: Biokult Zweigelt Rosé 2011

Etwas uninspiriert kaufe ich neulich einen Rosé. Ein Grüner Veltliner desselben Labels hat mich schon lange als einfacher Saufwein überzeugt. Der Rosé soll’s jetzt auch tun. Nach der Verkostung sitze ich wieder mal vor einem leeren Blatt digitalen Papiers. Ein Artikel will geschrieben werden. Meine Recherchen beginnen. Nicht lange, und ich bin um eine Erkenntnis reicher: Bio ist Bio, und Coop ist Delinat. – Hä? Und was hat das eigentlich alles mit Ostern zu tun? Gemach, gemach.

Gehörst du auch zu den Konsumenten, die Wein aufgrund des Etiketts aussuchen? Dann sind dir die Weine des Biokult-Labels bestimmt schon aufgefallen. Die hübschen Flaschen gehören zu Coop’s Naturaplan-Linie. Es sind relativ preiswerte Weine. Und es steht fett Bio drauf. In den Regalen des Grossverteilers findet man einen Zweigelt, den erwähnten Grünen Veltliner und den hier getesteten Rosé. Ausser Bio haben sie vor allem eins gemeinsam: Den Preis. Jede Flasche kostet exakt genau gleich viel. Nämlich elf Franken und fünfzig Rappen. Strategie? Subvention? Wahnsinn? Man weiss es nicht.

WeinEi

Schatz ich hab‘ ein Ei gefunden: So schön kann Ostern sein.

Erzeugt wird der Biokult-Rosé auf dem Weingut der Michlits. Dieses befindet sich im beschaulichen Pamhagen. Also in Niederösterreich. Es handelt sich übrigens um den grössten Biowein-Betrieb Österreichs. Die umtriebige Familie produziert in erster Linie die bei uns recht beliebten Meinklang-Weine. Das Traubenmaterial für die Biokult-Abfüllungen stammt jedoch von Bio-Winzern aus der Gegend. Biokult ist ein Gemeinschaftsprojekt unter dem Hut des gleichnamigen Labels. Der Michlitsbetrieb ist für die Vinifizierung zuständig. – Meinklang-Produkte kriegt man in unseren Breitengraden bei Delinat, Biokult bei Coop. Beides ist Bio, beides stammt vom gleichen Gut. Na ja, das eine voll und ganz, das andere, was die Weinbereitung betrifft. Anderes Geschäft, gleiche Baustelle, gewissermassen. So viel also zum Eingangstext.

Zurück zum Thema: Für den Rosé muss die Nationaltraube unserer Nachbarn – Blauer Zweigelt – herhalten. Der Ertrag wird mit sechzig hl/ha angegeben. Für diese Preisklasse also eine Ernte im üblichen Rahmen.

Die Vinifizierung des Rosés erfolgt traditionell. Die Reifung erfolgt während sieben Monaten im Stahltank. Aber Werner Michlit hat auch eierförmige Tanks. Jawohl, eierförmig. Hab‘ ich doch noch die Kurve zu Ostern gekriegt. Ha! – Der Winzer ist davon überzeugt, dass die Natur mit dem Beton-Ei eine ideale Form für die Reifung gefunden hat. Die speziellen Tanks nach französischem Vorbild, sollen eine reiche Aromenentfaltung und höchstmögliche, natürliche Stabilität bzw. Balance aller Komponenten gewährleisten.

Nun, auch ohne Ei-Einsatz ist in Niederösterreich ein ordentlicher Rosé herangereift. Im Glas scheint er in einem sehr ausgeprägten Granatrot. Das Bouquet duftet intensiv nach Pfirsich. Jawohl Pfirsich! Und nicht Zweigelt-Kirsche, wie in der Degu-Notiz auf dem Etikett steht. Spontan erinnert mich der Duft, und auch der Geschmack, an jugendliche Erfahrungen mit Pesca Frizz. Im Mund schmettert der Biokult-Wein einem ebenfalls intensivste Frucht entgegen. Sehr angenehm beim ersten Schluck, etwas langweilig bei den folgenden. Ausser Pfirsich, leichter Süsse und Frischegefühl kommt nämlich nicht mehr viel nach. Der Körper ist leicht, der Abgang kurz, der Wein süffig. Punkt. Aus. Ende.

Fazit: Der Biokult-Rosé erreicht leider bei weitem nicht die Geschmacksdichte eines Tour de Mirambeaus oder einer von Daniel Lloses Abfüllungen. Trotzdem weiss er durch seine direkte, schlichte und ungekünstelte Art zu gefallen. Ein Land-Rosé, sozusagen. Bei uns gibt’s einen Fitnessteller mit paniertem Kalbsschnitzel dazu. Diese Kombination geht ganz ordentlich über die Bühne. Als Apérowein, für Bowlen oder zu frischen, frühlingshaften und leichten Gerichten passt der Biokult-Rosé bestimmt auch ganz gut. Der Preis ist attraktiv. Die Pfirsichfrucht ebenfalls. Ich gebe 14 Punkte.

BiokultRosé

Punkte: 14/20
Passt zu: Fitnesstellern, leichten Gerichten, Apéros, Bowlenattacken
Preis: Fr. 11.50

Der Biokult-Rosé steht bei Coop in den Regalen. Die Meinklang-Weine der Michlits gibt’s bei Delinat oder www.probiowein.de 

Werbeanzeigen


Hinterlasse einen Kommentar

Donabaum Grüner Veltliner Federspiel 2011

Das Wochenende steht bevor. Die Reisevorbereitungen laufen an. Es geht für einen Kurztrip nach Österreich. Nachdem Zahnbürste, Kamera und Euro-Brieftasche sicher verstaut sind, will auch die kulinarische Grenzüberschreitung vorbereitet werden. Flux eile ich zu Martel und hole mir etwas typisch Austrianisches: Einen Grünen Veltliner.

Gemacht hat ihn Johann Donabaum. Der junge Winzer bewirtschaftet im Westen der Wachau knapp sieben Hektar Berg- und Terrassenlagen. 40’000 Flaschen verlassen jährlich seinen Betrieb. Donabaum produziert ausschliesslich Weissweine. Riesling und Grüner Veltliner werden angebaut. Regionstypisch eben. Bei Martel sind vier Weine Donabaums erhältlich. Zwei Rieslinge und zwei Grüne Veltliner. Da mir vor kurzem der etwa gleich teure Veltliner von Bründlmayer sagenhaft geschmeckt hat, entscheide ich mich heute für das preisliche Pendant aus dem Donabaum-Sortiment, den Federspiel vom spitzen Point.

Johann Donabaum

Johann Donabaum

Das Traubenmaterial stammt von 25 bis 45jährigen Reben, welche auf einem sandigen Verwitterungsboden am Fusse der Lage Setzberg gewachsen sind. Deren Ausrichtung ist südwestlich. Ob sich die Mineralität des Bodens auch auf den Weisswein überträgt?

Ich schenke ein. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie ein Grüner Veltliner gelb-grünlich im Glas scheint. So auch beim Donabaum. Die Nase würde ich als typisch bezeichnen. Man riecht weissen Pfeffer, Zitrusnoten so wie Pfirsich. Auch im Mund geschieht nichts Überraschendes. Der Weisswein schmeckt frisch, der Körper ist von mittlerem Gewicht. Die Noten des Bouquets sind erneut überdeutlich erkennbar. Der Grüne Veltliner gehört eindeutig zu den kräftigeren Vertretern seiner Art. Das Terroir schwingt ebenfalls mit. Denn das Mineralische erweitert den Wein um schöne Geschmacksnuancen. Diese Frage wäre also beantwortet. Der Abgang ist, ebenfalls sortentypisch, pfeffrig. – Schärfe hallt nach.

Donabaums Federspiel ist ein Basismodell eines Grünen Veltliners. Er erfüllt alles, was man von einem dergestalten Weisswein erwarten kann. Darüberhinaus geht’s aber nicht. Man entdeckt weder Überraschendes, noch Neues, oder überdurchschnittlich Gelungenes. Der Federspiel aus der Wachau ist ein ordentlicher Wein, ein Traditionalist. Im selben Preissegment kriegt man von Donabaums Landsmann Bründlmayer aber definitiv mehr Spass ins Glas. Nichtsdestotrotz bin ich gespannt auf andere Flaschen seines Guts. Ich gebe 15 Punkte.

DonabaumGVFederspiel11

Punkte: 15/20
Passt zu: Süsswasserfisch, Antipasti
Preis: Fr. 15.40

Kaufen kann man Donabaums Grünen Veltliner hier