Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Viva la Vinolución !

Unweit von meinem Domizil entfernt liegt ein Weingeschäft. Eines, dass den Ungehorsam im Namen trägt: Die Weinrebellen. Gemäss dem Slogan Frei vom Brimborium versucht man hier, Wein unkompliziert und sympathisch unters Volk zu bringen. Endlich. Ein Konzept, dass manch junger Trinkerseele aus dem Herzen spricht. Flaschentester schwingt sich deswegen wieder mal auf sein Radl. Ein Interview-Termin steht an. Mein erster wohlgemerkt. Opfer der Attacke: El Comandante – Frank Balgar himself.

Frank, wie kamst du zum Wein?

Ursprünglich absolvierte ich eine Berufslehre als Koch. Ausserdem wuchs ich in einer Gastronomenfamilie auf. Meine Eltern haben gewirtet. Damals ist der Virus vermutlich bereits eingepflanzt worden. Später, nach der Lehre habe ich in das kaufmännische Fach gewechselt. Schliesslich gab es berufliche Veränderungen und ich habe mich entschlossen, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Da war es naheliegend die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Also etwas zu verkaufen, das ich selbst sexy finde. Darum Wein und Food. Ganz einfach.

Und wie entstand die Idee zu den Weinrebellen?

Bereits kurz nach der Gründung von Gostomundo, hatten wir das Gefühl, dass wir eine Plattform brauchen, welche die Leute anders anspricht und vor allem auf eine andere Zielgruppe ausgerichtet ist und auf eine andere Art als der konventionelle Weinhandel rüberkommt. Also auf eher jüngere Personen um die 30, wenn du so willst die Facebook-Generation, abzielt.

Weinrebellen

Frei von Staub und Etikette: Die Weinrebellen.

Im Moment führen wir den Betrieb zu zweit: Meine Mutter und ich. Wir haben die Gostomundo GmbH gemeinsam gegründet.  Und auch heute sind es nach wie vor wir zwei, die den Kampf bestreiten. Wir werden aber von der Familie unterstützt. Aufgrund des positiven Wachstums benötigen wir aber schon bald mehr Personal.

Irgendwie erinnert mich das Ganze ein wenig an den deutschen Blogger Manfred Klimek alias CaptainCork, nicht? Stand er Pate für die Weinrebellen?

Ich kenne den Blog. Und ja, Captain Cork war sicherlich eine Inspiration. Klimek und ich hatten bereits telefonisch Kontakt. Ich hatte auch schon seinen Wein im Sortiment, den Kappa Rosso, für welchen unterdessen leider ein anderer Betrieb den Zuschlag erhalten hat, da er eine grössere Menge abnehmen kann. Das Konzept oder die Idee von Klimeks Blog gefällt mir sehr gut, auch er persönlich scheint mir eine coole Sau zu sein. Ich habe erst kürzlich sein Buch gekauft, auch dieses ist sehr ansprechend. Insgesamt ist dies eine sehr ähnliche Art, wie auch wir die Leute ansprechen wollen. In dem Sinne ist CaptainCork eine Inspiration – ja.

Unsere überschaubare Stadt hat an die zehn Weinhandlungen, Grossverteiler nicht eingerechnet. Wieso soll ein Konsument dein Geschäft betreten und nicht bei der Konkurrenz einkaufen?

Vorweg, wir verkaufen vor allem online, also standortunabhängig. 75 Prozent des Umsatzes generieren wir also ausser Haus. Trotzdem haben wir natürlich auch Kundschaft bei uns im Geschäft, welche aber vor allem aus der näheren Umgebung, sprich St. Gallen, stammt. Die meisten kommen hierher, weil es bei uns sehr unkompliziert zu und her geht. Wir pflegen grundsätzlich einen sehr offenen Kontakt. Beinahe alle Kunden sind mit uns per du. Ich glaube auch, dass die Kunden uns und unseren Empfehlungen vertrauen. Dieses Feedback kriege ich wenigstens regelmässig von unseren Kunden. Ausserdem kennen wir inzwischen die verschiedenen Geschmäcker der einzelnen Kunden sehr gut. Alles in allem herrscht also gutes Verhältnis zwischen den Kunden und uns. Das spricht sich schnell rum.

Etwas verwirrend finde ich die unscharfe Trennung zwischen Gostomundo und den Weinrebellen. Das Sortiment überschneidet sich weitgehendst, oder? Gostomundo als Mutterschiff und die Weinrebellen zur Acquisition junger Weintrinker?

Ja, das triffts im Moment ziemlich genau. In Zukunft steht aber eine ganz klare Trennung der beiden Geschäftszweige an. Gostomundo wird den Fachhandel und die Gastronomie bedienen, die Weinrebellen werden sich ausschliesslich um Privatkundschaft kümmern.

Schaut man sich euren Online-Shop an, fallen zwei Dinge sofort ins Auge: Keine Franzosen, keine Schweizer Weine. Woran liegts?

Ehrlich, ich bin kein grosser Fan von Franzosen, vor allem nicht von Bordeaux und Burgund. Das hängt in erster Linie mit den Preisen zusammen. Zudem ist die Beschaffung in diesem Bereich eher schwierig. Da ist es einfacher, in Italien einzukaufen. Zudem gibt es schon etliche auf Franzosen spezialisierte Händler (v.a. Martel und Mövenpick, Anm. d. Red.), gerade hier in St. Gallen, die sehr stark am Markt vertreten sind. Zudem ist es ein riesengrosses Feld, um welches man das Sortiment erweitern müsste. Eventuell ergänzen wir unser Angebot – wenn überhaupt – um südfranzösische Weine, aus dem Languedoc zum Beispiel. Damit können wir auch unsere Zielgruppe besser ansprechen. Zu den Schweizer Weinen: Die Nachfrage ist einfach zu gering. Zudem wird sehr viel Schweizer Wein direkt ab Hof verkauft, oder an Messen wie der Olma. Deshalb sind diese beiden Destinationen nicht in unserem Sortiment vertreten.

Kettern

Piraterie scheint im Trend zu sein: Mosel-Winzer Philipp Kettern.

Aber Österreich ist prominent vertreten. Eine deiner Vorlieben?

Das ist vor allem aus einem Kundenbedürfnis heraus gewachsen. Kunden haben nach österreichischen Weinen gefragt. Dann haben wir die ersten beschafft, und das Sortiment stetig erweitert. Einerseits weil es spannende, qualitativ hochstehende Weine sind, andererseits natürlich auch weil sie sich dementsprechend gut verkaufen lassen.

Ihr führt auch einige Bio-Weine. Zum Beispiel die von Claus Preisinger. Wie stehst du gegenüber dieser Produktionsmethode?

Bio ist für uns kein schlagendes Verkaufsargument. In erster Linie muss ein Wein qualitativ gut sein. Auch der Preis spielt eine Rolle. Wenn der Wein auch noch ein Bio-Label trägt ist das natürlich auch OK. Ich denke die meisten kleineren Winzer arbeiten sowieso schon biodynamisch, auch wenn ihnen kein Label anhaftet. Die müssen ihrem Rebberg so oder so Sorge tragen. Abschliessend: ich lege nicht allzu grossen Wert darauf.

Eure Preise sind fair. Der teuerste Wein kostet Fr. 99.-, die meisten Flaschen sind jedoch im bezahlbaren Bereich angesiedelt und somit alltags- und budgettauglich. Ihr habt ausserdem ein sehr spezielles Konzept in Petto. Erklär doch kurz mal das „Gemeinsame Weinkaufen“!

Als kleiner Weinhändler steht man immer wieder vor dem Problem, dass man um einen vernünftigen Preis zu bekommen, den Winzern sehr grosse Mengen abnehmen muss. Auch logistisch ist das ein Problem, weil sich zum Beispiel so Transportkosten unverhältnismässig auf den Preis niederschlagen. Diese Problematik wollen wir entschärfen, in dem wir den Kunden mit ins Boot holen, ihn quasi zum Importeur machen. Er kann zu Hof-Preisen Wein einkaufen, in dem er sich am Import beteiligt. Wir kümmern uns um die Abwicklung, und erhalten eine kleinen Zuschlag. Schliesslich müssen auch wir davon leben können. Ausserdem erhalten wir so die Möglichkeit, schneller und öfter spannende Sachen zu importieren, die wir alleine nur schwierig organisieren könnten. Das „Gemeinsame Weinkaufen“ muss sich aber erst entwickeln. Seitens der Kundschaft ist Interesse aber grundsätzlich vorhanden.

Winepunk

WinePunk Marco Giovanni Zanetti.

Mit dem WinePunk, habt ihr euch passend zur Rebellion seine Weine an Board geholt. Geht’s um reines Marketing, oder könnt ihr Marco Giovanni Zanettis Weine auch qualitativ mit gutem Gewissen vertreten?

Für uns muss erstmal die Qualität stimmen. Diese steht im Vordergrund. Natürlich suchen wir auch immer wieder coole Labels, die Qualität steht aber im Vordergrund. Zum WinePunk: Ich habe ihn persönlich kennengelernt. Er ist einfach eine coole Sau. Nachdem ich seine Weine degustiert habe, musste ich sagen „wow !„, die sind wirklich gut. Ausserdem sind seine Labels einfach anders und passen zu den Weinrebellen. Deshalb ist es insgesamt echt eine geile Sache.

Ihr Habt Rieslinge des Weinguts Kettern im Programm. Philipp Ketterns Webauftritt spielt von A bis Z mit der Piratenthematik. Der Winepunk scheint dort auch Gast zu sein. Ist das die neue junge Weingeneration: Piraten, Rebellen und Punks?

Ich denke schon, dass hier ein Generationenwechseln stattfindet. Besonders in Deutschland ist das zu spüren. Da gibt es einige die diesbezüglich sehr aktiv sind. Philipp Kettern zum Beispiel ist ein Freund von Marco Giovanni Zanetti, alias dem Winepunk. So haben wir den Kontakt hergestellt. Ich war schliesslich auch bei ihm zu Besuch an der Mosel. Und: seine Weine sind wirklich gut. Das war schlussendlich auch der ausschlaggebende Grund, warum wir sie mit in unser Programm aufgenommen haben.

Kannst du euren Durchschnittskunden beschreiben?

Männlich, zwischen 30 – 40 Jahre alt.

Zum Schluss noch drei kurze Fragen: Welche Events stehen an?

Demnächst gibt es ein Whiskey-Seminar am 5. März und ein Grappa-Seminar am 9. Mai. Events im Weinbereich werden sicherlich folgen.

Gibt’s bald was Neues im Sortiment?

Auch hier gibt’s momentan vor allem Neues im Spirituosenbereich: Von einer jungen Berliner Firma namens Liquor-Company Rum aus Barbados und einen Gin aus Frankreich. Diese sind qualitativ und auch preislich sehr gut aufgestellt. Natürlich haben wir noch einige andere Dinge in der Pipeline. Erst müssen wir aber Geld einnehmen, damit wir welches ausgeben können.

Welcher ist dein momentaner Lieblingswein?

Ich versuche immer wieder verschiedene Weine zu trinken: Am liebsten jeden Tag was Neues.

Danke für das Gespräch

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Riesling für den Niesling: Van Volxem Fuder 13, 2012

Flaschentester hat sich erkältet, als er wiedermal für seinen Blog mit dem Radl durch Eiseskälte und Schneeregen quer durch die Stadt einige Rote und Weisse besorgen ging. Die Nase tropft, die Ohren sind scheinbar mit Watte gefüllt. Als wäre das nicht schon genug, meldet sich der interne Bio-Sensor plötzlich mit einer leichten Erhöhung der Betriebstemperatur. Da hilft nur eines: Trinken.

In der Küche wartet schon der Hustensirup, weiter geht’s mit eimerweise Tee. Kaum ist die Tropfnase verklungen, nehme ich Abschied von den Tassen und halte meinen Rüssel endlich in ein anständiges Glas. Eins mit Riesling drin. Er hört auf den Namen Fuder 13.

Der Begriff steht an der Mosel für ein Weinfass mit sage und schreibe 1’000 Litern Inhalt. Nicht schlecht, Herr Specht – pardon – Niewodniczanski. So heisst nämlich der Mann, der 1999 das etwas eingeschlafene VDP-Weingut Van Volxem, ehemals Jordan & Jordan, übernahm und wieder auf Kurs brachte. Der Spross der Bitburger-Führungsriege, schien von Anfang an ein glückliches Händchen und genügend Geld für die Neuorganisation des deutschen Traditionsbetriebs zu haben. Auch seine Philosophie scheint erfolgsversprechend zu sein: Lese von Hand, Ertragsreduzierung an den Reben und akkurate Laubwandarbeit werden bei dem Online-Nachschlagewerk gelistet. Die Weine gären ausserdem ohne Zusatz von Industriehefen und werden nicht geschönt. Traditionell ist auch das Vergären des Mosts im besagten Fuder. An der Saar ist Bio angesagt. Und wie.

Das klingt ja schon mal gut. Mehr ist auch mit Hilfe von Van Volxems Homepage leider nicht in Erfahrung zu bringen. Diese besteht nämlich lediglich aus einer Art Diashow. Also müssen für diesen Artikel Sekundärquellen herhalten. Schade. Denn Roman Niewodniczanski macht auf Understatement pur, denke ich mir und nippe nochmals am Weissweinglas. – Der Mann kann das aber auch. Er hat Hirn, Moneten, Erfolg, Aussehen, Auszeichnungen und vermutlich auch sonst alles was man sich wünscht.

Dieses Bild vermitteln einem wenigstens die Medien – und auch das geschickte Marketinghändchen von Niewodniczanski himself. Denn, wenn man was über ihn liest, dann nur Märchenhaftes. Vom weissen Ritter ist die Rede, von einem Pionier, einem der alles richtig anpackt und ausschliesslich dem Wein und der Region dient. Hach, zu schön um war zu sein, diese streckenweise auf Boulevard-Niveau geschriebenen Artikel über den Riesling-Robin Hood. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Hochglanzbildern: Roman mit Hund. Roman im Weinberg. Roman im Frack. Roman als Actionheld. Roman im Büro. Die Liste liesse sich spielend fortsetzen. Dallas meets Denver Clan meets Falcon Crest. Egal, mich interessiert in erster Linie der Wein. Aufgeblasene Werbemaschinerie oder nicht, ich trinke und geniesse.

VanVolxem

Nein, keine neue Soap, sondern ein Winzer im Glück: Roman Niewodniczanski (rechts im Bild).

Denn das muss man den den deutschen Rieslingen lassen: Nirgendwo sonst auf der Welt erhält man solche Spitzenqualitäten zu derart moderaten Preisen. Selbst Grosse Gewächse kosten heute selten mehr als fünfzig Franken. Und auch ein einfacher Kabinett oder Gutswein kann bereits enorm Spass machen. Riesling ist toll. Riesling ist bezahlbar. Riesling macht Spass!

Der Fuder 13 liegt preislich im unteren Mittelsegment und stammt aus dem schönen Rieslingjahr 2012. Es handelt sich um die A-Klasse des Van Volxem-Sortiments. Was kann ich von dieser erwarten? Nun, wie beim deutschen Automobilhersteller, durchwegs Wertiges. Niewodniczanski’s Abfüllung besticht in der Nase durch allerlei gelbe Früchte. Man riecht Grapefruit, Ananas, Banane und etwas Zitrone. Der Duft ist durchaus betörend. Im Mund ist der Volx relativ unspektakulär. Die Säure ist angenehm, der leichte Sprudel gefällt, der Früchtekorb ist nach wie vor vorhanden. Ein Hauch Mineralität mischt sich ins Spektrum. Der Wein besitzt eine liebliche Attitüde, er ist süffig und unkompliziert, gleichzeitig aber auch angenehm erfrischend. Es ist ein Wein für Gelegenheitsgeniesser und solche, die sich geschmacklich nicht zu weit aus dem Fenster wagen wollen. Van Volxem’s Riesling ist schlicht ein sehr solider, vollmundiger Wein.

Für etwas mehr als zwanzig Franken erhält man einen überaus ordentlichen produzierten, und durch und durch traditionellen Riesling ins Glas. Es handelt sich um einen schönen fruchtigen Weisswein, der auf Anhieb Spass macht. Es gibt preisgünstigere Flaschen gleicher Qualität, keine Frage. Doch auch diese hier kann man bezahlen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in Ordnung. Schliesslich wollen Van Volxem’s Webdesigner auch bezahlt werden. Und wenn noch einige Flaschen mehr des Fuders über die Ladentheke wandern, gibt’s vielleicht in naher Zukunft ausser Bildern, online inhaltlich auch mal was Nahrhafteres zu sehen. Schön wär’s. Ich gebe 17 Punkte. – Meiner Nase geht’s übrigens wieder besser. Danke der Nachfrage.

Fuder13

Punkte: 17/20
Passt zu: (Ziegen-)Käse, vegetarisch-würzigen Gerichten, kalten Platten, Bauern-Omelette
Preis: Fr. 21.00 / € 13.85

Van Volxem’s Fuder 13 gibt’s bei Mövenpick Schweiz oder Deutschland.


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Gastartikel: Schaumweine aus Luxemburg

Banken, hohes Durchschnittseinkommen, internationale Institutionen und eine hervorragende Infrastruktur: Luxemburg ist wie die Schweiz, nur ohne Berge und mit günstigerem Wein. Was, die machen Wein? Ja, das tun sie! An der Luxemburger Mosel befinden sich um die 1’300 Hektar Anbaufläche und mancher Riesling und Crémant haben auf internationalen Messen Goldmedaillen gewonnen.

Die Weingeschichte Luxemburgs begann vor 2’000 Jahren, als römische Siedler im Moseltal die ersten Reben pflanzten. Die Traube der Römer, vitis alba, hat sich dort übrigens bis in die Gegenwart gehalten. Nur heißt sie heute Elbling und wird fast nur noch an der deutschen und luxemburgischen Mosel angebaut. Doch ist es nicht diese, für ihre Säure bekannte Rebsorte, die Namen wie Hugh Johnson und Beppi Crosariol ins Großherzogtum holt. Letzterer war sogar derart begeistert, daß er den Flaschen aus dem kleinen Land eine ganze Kolumne widmete.

Das Erfolgsprojekt Crémant

Wie in so vielen Anbaugebieten Europas wurde auch in Luxemburg jahrelang hauptsächlich auf Quantität gesetzt. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs produzierten die Winzer nur Grundwein, den sie an die großen Sekthäuser des mächtigen Nachbarn Deutschland verkauften. Auch wenn es immer wieder Versuche der Qualitätssteigerung gab, dauerte es bis in die 1980er hinein, bis man den endgültigen Schritt wagte und ein völlig neues Produkt auf den Markt brachte: Den Crémant de Luxembourg!

LuxemburgMosel

Blick auf die Luxemburger Mosel

Die meisten verbinden den Begriff Crémant mit günstigeren Champagner-Alternativen aus der Loire-, Limouxregion und dem Elsass. Dies soll aber keineswegs einen Unterschied an Qualität bedeuten. Heute ist Luxemburg das einzige Anbaugebiet außerhalb Frankreichs, das den Namen führen darf. Dafür muss der Wein den strengsten Anforderungen gerecht werden: Festgelegter Maximalertrag und die obligatorische zweite alkoholische Gärung in der Flasche (méthode traditionelle). Diese Topschaumweine werden in Luxemburg meist aus Pinot Blanc (auch als Stillwein eine echte Spezialität), Riesling und immer mehr auch aus Pinot Noir und Chardonnay hergestellt.

Ein gutes Beispiel für den Luxemburger Crémant ist die Serie Poll Fabaire. Nicht nur war es eine Flasche dieser Reihe, welche 1991 als erster Crémant de Luxembourg auf den Markt kam, sondern die Poll Fabaire-Weine spiegeln auch das allgemeine Bild der gesamten Weinlandschaft wider. Hergestellt von der Winzergenossenschaft Vinsmoselle, welche für zwei Drittel der Landesproduktion verantwortlich ist, gibt es sie in den verschiedensten Ausgaben, von der klassischen Assemblage, bis zur sortenreinen Cuvée. Hier kann man wählen aus Pinot Blanc, Riesling, Chardonnay und Pinot Noir.

Mir persönlich gefällt besonders die Haut-de-Gamme-Ausgabe Cuvée Cult, welche zu einem geringen Aufpreis eine deutliche Qualitätssteigerung mit sich bringt. Die angenehme Spritzigkeit und die gut ausgewogenen Geschmacksnoten überzeugen auf Anhieb. Der Pinot Noir verleiht dem Ganzen eine bestimmte Finesse und der fruchtige Eindruck – insbesondere rote Früchte – rundet das Gesamtbild elegant ab.

Preislich gesehen, sind die Crémants von Poll Fabaire ein Schnäppchen, denn in Deutschland würde man für einen Sekt von vergleichbarem Niveau deutlich mehr bezahlen. Den sehr überzeugenden Einstiegscrémant gibt es bereits für € 8.20, der Prestigeschaumwein Cult ist für € 15.60 zu haben. Für helvetische Leser von Vorteil: Der für luxemburgische Verhältnisse gut ausgebaute Online Shop der Domaines Vinsmoselle liefert auch in die Schweiz. So steht einem ersten Kennenlernen mit den besonderen Tropfen unseres kleinen Staates nichts mehr im Wege.

Über den Autor: Laurens Mauquoi ist Weinautor aus Luxemburg. Im November 2012 ist sein Buch Luxemburger Wein/Vin luxembourgois erschienen. Seit Dezember betreibt er den ersten deutschen Weinblog, der sich ausschließlich Weinen aus dem Supermarkt widmet: www.der-weinsnob.de

LuxemburgerWeinLaurens‘ Fachbuch ist in der Edition Schortgen erschienen und bei buch.ch oder Amazon erhältlich.


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Dr. Loosen Riesling QbA 2011

Kampf dem Januarloch: Teil II – Deutschland ist bekannt für seine Rieslinge. Gerade in den letzten Jahren ist das Interesse an den Weinen von Mosel, Rheingau & Co. erfreulicherweise stetig gewachsen. Das ich von der alt eingesessenen Traubensorte ebenfalls hell begeistert bin, habe ich schon mehrfach erwähnt. Dass es auch trinkbare Rieslinge jenseits der Zehnfrankenmarke gibt, gilt es zu beweisen. Hoffnungsvoll stürze ich mich in das Experiment. Dr. Loosen assistiert.

Zur Popularität des Rieslings hat nicht zuletzt der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter, kurz VDP, beigetragen. Dieser arbeitet nämlich seit Beginn der 90er kontinuierlich an einer Vereinheitlichung der Klassifizierung und einer damit einhergehenden Qualitätssicherung von Weinen der VDP angehörigen Weingüter.

Bei der vor mir liegenden Flasche handelt es sich um die billigste Abfüllung des Weinguts Dr. Loosen. Dieses Ausnahmegut hat eine zweihundertjährige Geschichte hinter sich und gehört wie Molitor, Van Volxem, Von Buhl und andere zur Champions-League der deutschen Rieslingsproduzenten. Auf dem Etikett steht QbA. Dies bedeutet „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“. Weine dieser Stufe stehen qualitativ zwar über einfacheren Tafel- oder Landweinen, dürfen aber dennoch verbessert werden. Das heisst im Klartext nichts anderes, als dass zum Beispiel vor der Gärung aufgezuckert werden darf. Diesen Vorgang nennt man Chaptalisation. Und ja, der Loosen ist garantiert chaptalisiert worden. Da wette ich meinen Allerwertesten darauf.

WeingutLoosen

Ernst Loosen: Decanters „Man of the year 2005“

Die Flasche hat einen Drehverschluss. Auf dem Etikett steht Mosel/Bernkastel. Erinnerungen werden wach. Die Genussreife wird von Coop übrigens mit 2016 angegeben. Allzu schnell muss er also nicht getrunken werden. Schön. Ich schenke ein. Man könnte meinen, dem Riesling sei ein Geist erschienen, so blass zeigt er sich im Glas. Ein blass-gelbes Wässerchen ist er, dieser Loosen. Die Nase ist unspektakulär. Es duftet ein wenig nach Pfirsich und Ananas, Mineralisches ist nicht auszumachen. Ein erster Schluck lässt mich ein wenig schmunzeln: Da hat aber jemand ordentlich vom Zucker Gebrauch gemacht! Dafür ist er leider ziemlich säurearm. Etwas mehr hätte er schön vertragen. Der Körper ist leicht und erfrischend. Der Abgang schmeichelnd und für diese Qualitätsstufe erstaunlich lange. Insgesamt werden Erinnerungen an Kabinetts, oder gar einen Moscato d’Asti wach. Der Riesling hat gerade mal 8.5 Volumenprozent und ist nicht zuletzt deswegen süffig ohne Ende. Davon könnte man mal eben so eine ganze Flasche alleine bechern. Zugegeben, nach dem ersten Glas wird’s geschmacklich etwas langweilig. – Doch genau hier kommt das Essen ins Spiel. Was kocht man denn zum Loosen? Ich meine: Asiatische Gerichte. Bei uns gibt’s zum Beispiel wieder mal was vom indischen Subkontinent. Dazu passt er, der Dr. Loosen. Und wie er dazu passt! Zwar interagiert er kaum mit dem Essen, er ist aber dennoch unterstützend und vor allem erfrischend. Er ergänzt Würzig-Scharfes äusserst schön durch seinen süssen und säurearmen Charakter. Auch Bernd‘ Kreis Taschenbuch über Essenspaarungen bestätigt mir diesen Eindruck. Weiss, süss und säurearm passt zu scharf und pikant. BINGO!

Fazit: Der Dr. Loosen QbA ist ein günstiger Wein, der vielen schmecken wird, denen Wein immer zu säurehaltig ist. Er ist süffig, kann noch ein, zwei Jährchen gelagert werden und passt zu asiatischem Essen. Für sich alleine genommen ist er etwas langweilig und – sehr süss. Nichtsdestotrotz könnte das mein neuer Favorit zu Fleisch- und Gemüsecurrys werden. Zu dem Preis eine unschlagbare Kombo. Kostet doch die Flasche gerade mal Acht Franken Sechzig. Im 6er Karton sogar nur Fr. 7.70. Das nenne ich preiswert. Chaptalisation hin oder her: Ich gebe 14 Punkte.

DrLoosenQbA2011

Punkte: 14/20
Passt zu: asiatischem Essen
Preis: Fr. 8.60

Kaufen kann man den Dr. Loosen QbA hier