Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Die alte, parfümierte: Château Giscours 2003

Kaum sind die Zwillinge im Bett, entern wir Eltern das Esszimmer. Auf den Tellern liegt Deftiges, den deftig ist auch das Elterndasein. Da braucht man Nahrhaftes. Zwischen den Zähnen und im Glas. Und nicht zuletzt auch für die Seele.

Nein, kein Geschwafel, sondern beinahe zwei Jahre Nachwuchspflege im Casa Flaschentester sprechen aus mir. Und wer könnte das besser verstehen, als unser Nachbar. Der Bordeaux-Süchtige und überaus kinderfreundliche Zeitgenosse ist gemeint. Derjenige, welcher eine Etage über uns wohnt und stoisch nächtliches Kindergeschrei und tägliche, kindliche und vor allem lautstarke Begeisterungsstürme über sich ergehen lässt. Und was hat er uns untern Baum gelegt? – Ein Stück Margaux. Der Gute weiss eben, was schmeckt.

Der Baum ist weg, die Flasche auch. Flaschentester schreibt heute aus der Erinnerung. Und die ist noch ziemlich präsent. Wir schreiben den 24. Dezember, 2013. Im Kühlschrank warten zwei Weisse. Auf dem Esstisch steht schon einer von Bründlmayer. Daneben eine fette, ältere Dame aus dem Bordelais. Sie hat bereits Staub angesetzt. Immerhin lag sie die letzten zehn Jahre in einem Naturkeller. Zwei Stunden vor dem Essen wird sie geöffnet. Das Entkorken entpuppt sich allerdings als Sisyphos-Arbeit. Der Korken bricht. Vorsichtig drehe ich die Spindel in das übrig gebliebene Stück. Und voilà, der Drahtseilakt gelingt. Ohne Gebrösel, oder gar den Restkorken in die Flasche stossen zu müssen, gewinne ich den Kampf gegen die alternde Lady und ihren Verschluss. Touché!

OldLadies

Vier Assoziationen zum Giscours: Liz Taylor, Joan Collins, Sophia Loren und Zsa Zsa Gabor.

Aber was liegt auf dem Teller? Komm‘ doch endlich mal zur Sache! – Ja, ja schon gut. Auf dem Tisch wartet der Hauptgang: Kartoffelauflauf, Karotten sowie Filet vom Rind an hausgemachter Kräuterbutter. Baam! Das haut rein. So muss man Bordeaux begleiten. Ich schenke ein. Schöne, dunkle Farbe, Purpurrot, schwarzer Kern, kaum ein Durchblicken möglich. Die Nase einladend, schwer, Cassis, florale Noten, Leder, Teer, etwas Holz, auch Sprit, Schokolade, Tabak und auch etwas des von einigen als Fehlnote verpönten Stallgeruchs schwingen sich zur Nase empor. Im Mund: Fett, voll, schwer, ausgewogen. Die Tannine sind dennoch vorhanden, da schlummert noch einiges an Potenzial. Weiter: Tolle Säure, viel Extraktsüsse, endloser Abgang, schmelziger Nachhall, dunkle Beeren und Würze sind friedlich vereint.

Der Giscours hat einige Gemeinsamkeiten mit den oben assoziierten Show-Grössen:

Alter

Die vier Diven bringen es zusammen auf stolze 337 Jahre. Immer noch weniger als Giscours. Eine erste Erwähnung des Châteaus reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück.

Lebenspartner

Das Gut überstand unbeschadet mehrere Besitzerwechsel, die französische Revolution und auch andere Krisen an der Seite wechselnder Partner. Ganz im Stil von Liz Taylor, die während ihrer insgesamt acht (!) Ehen ebenfalls einige Up & Downs erlebte.

Skandale

1989 ohrfeigte Zsa Zsa einen Polizisten und landetet dafür drei Tage hinter Gittern. Acht Jahre später geriet Château Giscours in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass in den Jahren 1995/96 vor allem der Zweitwein des französischen Traditions-Guts aufgezuckert und mit Holzchips versehen worden war. – Ein Imageschaden sondergleichen. Hat’s den beiden geschadet? Ja, kurze Zeit. Tot zu kriegen waren sie deswegen trotzdem nicht.

Klasse

Die Hollywood-Grössen haben und hatten trotz aller Eskapaden und Skandälchen unbestritten Klasse. Giscours wurde 1855 klassiert. Als 3e Cru classé. Auch in durchschnittlichen Jahren, wie dem hier verkosteten 03er, ist der Wein auf einem mehr als überzeugenden Level. Ein Zeichen seiner Grösse.

Meine Fresse, der Wein ist so was von ausladend, ja ausschweifend. Die rüstige Dame kleckert nicht, sie klotzt. Sie ist endlos trinkanimierend, aber nicht klebrig und bietet einem die volle Breitseite. Wär’s ein Parfum, hätten wir Chanel Nº 5 im Glas. Irgendwie klassisch, elegant, den Raum völlig für sich einnehmend, unverkennbar und vor allem aufdringlich. Aber dennoch beliebt. So auch der Giscours. Dieser Bordeaux besticht durch seine Üppigkeit. Betörend ist der Begriff, der sich aufdrängt. Die Flasche ist im Nu leer, der Abend unvergesslich. Ich gebe 18 Punkte.

Giscours2003Punkte: 18/20
Passt zu: Fleisch, deftigen Speisen, reichhaltigen Abenden
Preis: Fr. 54.- / € 75.60

Den Giscours 2003 gibt’s zum Beispiel bei Arvi/Schweiz oder bei Evinite/Deutschland.

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Aglio e Oglio / Speicher – Ein Restaurantbericht

Auf der Suche nach französischen Tropfen, stosse ich plötzlich auf eine Oase im bordeauxlosen St. Galler Ödland. Keine zwanzig Minuten vom Stadtzentrum entfernt, liegt das Restaurant mit dem grössten Kleinflaschen-Weinkeller der Schweiz. Unglaublich, aber war. Das Aglio e Oglio entzog sich bislang meinem vinophilen Radar. Flaschentester geht in die Nachklausur. Jetzt.

Zugegeben: Nach dem Besuch der Website des Lokals, sitze ich etwas konsterniert vor dem Bildschirm. Die schier unglaubliche Zahl von 450 (!) Positionen des Weinkellers lässt in mir weihnachtliche Kindheitsgefühle hochkommen. Da ist so ziemlich alles vertreten, was Rang und Namen hat. Die beiden Schwerpunkte bilden italienische und französische Weine. Aber auch Spanier, deutsche Rieslinge, österreichische Flaschen jeglicher Couleur und einige wenige Posten aus Übersee sind vorhanden. Wenn man denn solche mag. Der Grund für meinen, sagen wir mal ambivalenten Gefühlsausbruch, liegt in der Tatsache, dass sich das Restaurant im selben Komplex, wie diverse Alterswohnungen befindet. Ich runzle die Stirn. Was erwartet einem? Mensa-Küche? Gedünstete Bohnen mit Kartoffelstock und Sauce? Hackbraten mit Fritten? Man weiss es nicht. Die Spannung steigt.

Ein Blick in die Karte klärt auf. Italienisch soll es sein: Carpaccio, Pasta, Filetto di manzo, Tiramisu und Pizza. – Ja, Pizza. Also doch ein Feld-, Wald- und Wiesenitaliener? Die Preise sprechen eine andere Sprache. Beispiel gefällig: Das Highlight bildet ein neungängiges Degustationsmenü mit passender Weinbegleitung. Kostenpunkt: Fr. 144.- pro Person.

Aglio e Olio Restaurant

Ein Blick in’s Aglio e Olio.

Das Abenteuer beginnt: Samstag Abend, Bahnhof St. Gallen. Punkt 19.32 Uhr sitzen meine Begleitung und ich in der Trogenerbahn Richtung Speicher. Im gleichen Abteil einige Teenager, zwei Rentner, und ein Student, der intensiv in einem Schulbuch versinkt. An der Haltestelle Schützengarten steigen wir aus. Es erwartet uns ein kurzer Spaziergang durch das spärlich beleuchtete Dörfchen Speicher. Der Weg zum Aglio e Oglio ist beschildert. Und tatsächlich, fünf Minuten später erreichen wir auch schon den Alterswohnsitz. Wir betreten das Gebäude. Im Foyer erkennt man zunächst eine Art Rezeption. Sie ist nicht besetzt. Einige Schritte später befinden wir uns bereits im Garderobenbereich der Restaurants. Der Eingang zum Lokal liegt rechts. Wir legen unsere Mäntel ab und werden sofort sehr freundlich mit unserem Nachnamen angesprochen und begrüsst. Man erwartet uns. Schön! Eine Gesellschaft von circa dreissig Personen ist ebenfalls anwesend.

Die Serviceangestellte führt uns zu einem Tisch, der in einem akustisch etwas ruhigeren Bereich liegt. Sehr aufmerksam. Das Interieur weiss zu gefallen. Modern, verspielt, freundlich und irgendwie festlich. Gleich neben dem eigentlichen Gastraum befinden sich eine Lounge für Freunde des Tabaks so wie eine Art Minibibliothek mit lauschigen Sitzen zum Verweilen. Der erste Eindruck ist sehr gut. Man fühlt sich willkommen. Alle im Vorfeld geäusserten Bedenken lösen sich sogleich in Luft auf. Erleichterung macht sich breit.

Aglio e Olio Showkeller

Der Showkeller im Restaurant.

Wir bestellen einen Apéritif. Herr König, der Restaurantleiter, wünscht uns persönlich einen guten Abend. Nach der Auswahl der Speisen und eines passenden Vorspeisen-Weins, wird ein Gruss aus der Küche serviert. Wir geniessen ein sehr gut abgeschmecktes Currysüppchen mit Hühnchensnack. Dazu einen 2007er Sancerre von Thomas Labaille. Auch die gereichten Brötchen gefallen. Der Service punktet bislang durch seine überaus sympathische und aufmerksame Art.

Die Qualität des kurze Zeit später aufgetischten Tatars und des Carpaccios, sucht seinesgleichen. Die Ausgangsprodukte sind hervorragend, zudem schön angerichtet und perfekt gewürzt. Ein fantastischer Einstieg in den Abend.

Aglio e Olio Weinkeller

Der eigentliche Weinkeller im Untergeschoss.

Uns interessert natürlich der Weinkeller. Der Restaurantleiter lässt es sich – trotz grosser Gesellschaft von nebenan – nicht nehmen uns erst den frei zugänglichen Showroom im Restaurant und etwas später den eigentlichen Keller zu zeigen. Sehr zuvorkommend und durchwegs professionell werden uns die beiden Räume präsentiert. Beide sind in schlichtem Holz gearbeitet. Es herrscht unglaubliche Ordnung. Die einzelnen Posten sind nach Nummern sortiert. Mittels eines Touchscreens bahnt sich das Personal den Weg zur richtigen Flasche. Der Gast findet den Katalog auch online. So können Weinliebhaber bereits zu Hause eine Vorselektion treffen. Das steigert die Vorfreude enorm. Wenigstens meine. Denn die Auswahl ist schlicht erschlagend. Aber auch Unentschiedenen steht Herr König kompetent zur Seite.

Im Showroom angekommen schlägt mein Bordeaux-Herz sprunghaft höher. Pétrus, Margaux, Haut Brion, Mouton-Rothschild, um nur einige zu nennen. Die Preise sind moderat. Neben den Prestige-Weinen findet man auch unzählige Tropfen, welche im bezahlbaren Bereich liegen, und ebenso Spass machen. Sehr schön! Wir entscheiden uns schliesslich für einen 2000er Château Belgrave.

Aglio e Olio Tisch

Haut-Médoc trifft auf Appenzell.

Zurück am Tisch erwartet uns der Hauptgang. Eine klassische Angelegenheit. Rindsfilet mit Gemüse und Kartoffeln. Je nachdem mit Kräuterbutter oder Portweinsauce. Waren wir eben schon von den Weinen beeidruckt, lässt uns die Qualität des Fleisches erneut in Begeisterungsstürmen ausbrechen. Das Filet ist unbeschreiblich gut. Ich kann mich nicht erinnern, jemals Fleisch, dieser Qualität, derart perfekt zubereitet, gegessen zu haben. Das Rind zerschmilzt förmlich auf der Zunge. Ein Traum. Ein Gedicht. Eine leider viel zu früh verklingende Symphonie aus Fleisch, Sauce und Bordeaux. Fantastisch.

Glückselig und mit einem Lächeln im Gesicht, lehnen wir uns zurück. Schliesslich bestellen wir dann doch noch eine Nachspeise: Einmal warmer Schokoladenkuchen mit Zwetschgen-Zimtsorbet und Früchten, einmal Kirschparfait mit Früchten und Joghurt-Minzsössli. Der Restaurantleiter empfiehlt dazu eine 2002er Auslese von J. J. Prüm (Wehlener Sonnenuhr?). Der Riesling erweist sich mit seinem Süss-Säurespiel als perfekter Kontrapunkt zu den liebevoll angerichteten Desserts. Kurz nachdem wir die Rechnung beglichen haben, überrascht uns der Service mit einem kleinen Schmankerl. Eine spontan gereichte Zitronen-Crème rundet den gelungenen Abend ab. Glücklich und zufrieden verlassen wir das Lokal und begeben uns Richtung Haltestelle.

Das Aglio e Oglio ist konzeptionell zwar in einen Alterswohnsitz integriert, zeigt sich dem Gast aber als eigenständiges Lokal der gehobenen Art. Die Küche ist durchwegs klassisch und auf hohem Niveau. Die Qualität des Fleisches ist – wie bereits erwähnt – sogar exorbitant. Der Service hält sich dezent im Hintergrund, ist sympathisch und kompetent. Die Preise entsprechen dem Gebotenen. Unsere drei Gänge samt Apéritif und Weinen summieren sich schlussendlich auf Fr. 255.- Kein Pappenstiel. Aber ihr Geld allemal Wert. Das Ambiente ist ansprechend, über die Ästhetik der vorhandenen, orangen Plexiglas-Sessel und der etwas klobigen Kerzenleuchter lässt sich laut meiner Begleitung streiten. Mir gefällt’s. Ob’s daran liegt, dass wir, nebst der grösseren Gruppe, die einzigen Gäste sind? Wohl eher nicht. Denn der Weinkeller sucht seinesgleichen. Da steckt Kompromisslosigkeit und sehr viel Herzblut dahinter. Wer Wein mag, muss dorthin. Da führt kein Weg vorbei. Ich bin begeistert und gebe 18/20 Punkte.


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Herbst-Special: Bordeaux für Anfänger, Teil III – Wer passt zu dir?

Asche auf mein Haupt: Bis meine Dilettanten-Karriere vor einigen Jahren begann,  dachte ich, Bordeaux sei eine Rebsorte und Wein sei halt Wein. Cola schmeckt ja schliesslich auch überall gleich. Nix da, denkste! Heute weiss ich es besser.

Böse Zungen behaupten ja, dass Robert Parker die Nivellierung des Geschmacks auch im Bordelais stark vorangetrieben hat. Gott sei Dank sind wir vom Bordelaiser Einheitswein aber glücklicherweise noch weit entfernt. Aber welcher Bordeaux passt zu mir? Es gibt schliesslich hunderte. Der Dilettant meint: Beginnen wir doch dort, wo es der Winzer tut – bei den Trauben.

Im Bordelais spielen folgende Rebsorten eine wichtige Rolle: Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Aber auch die Sorten Petit Verdot und Malbec werden kultiviert. Bis zum grossem Reblausbefall von 1890 wurde ausserdem noch fleissig die empfindlichere Sorte Carménère angebaut. Diese findet man heute aber hauptsächlich in Chile. Ist also nix für mich.

Bordeaux ist praktisch immer ein Verschnitt mehrerer Rebsorten. Der Franzose sagt dazu etwas wohlklingender Cuvée. Es gibt nur sehr wenige rote Bordeaux-Weine, welche ausschliesslich auf einer Rebsorte basieren.

Die Bordelaiser Weinbauern sind wahre Künstler der Kombination. Viele Châteaux schwören auf die Zweierkombo von Cabernet Franc und Merlot. Dies kann aber von Jahr zu Jahr variieren. Auch die prozentuale Zusammensetzung variiert stark. Ein 2009er Mouton-Rothschild ist zum Beispiel ein Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot, ein 2008er jedoch eine Dreierkombo. Da hat der Winzer zusätzlich noch etwas Cabernet Franc in den Tank gegeben. Viele Sorten = viel Geschmack? Tja, mal sehen.

Der Cabernet Sauvignon bildet praktisch immer die Basis des Bordeaux. Er bestimmt vor allem den Säuregehalt. Seine Tannine (= Gerbstoffe) bescheren dem Wein je nach Anteil ein mehr oder weniger grösseres Lagerpotenzial. Merlot macht den Bordeaux fruchtig und gibt ihm Fülle. Cabernet Franc ergänzt das Fruchtige des Merlots und ergänzt das Bouquet vor allem durch eine schöne Nase. Die Sorte Petit Verdot gibt in kleinen Mengen Würze.

Neben den Rebsorten spielen auch andere Faktoren eine grosse Rolle. In erster Linie das Terroir, also der Boden, auf dem die Reben stehen. Aber auch die Arbeit des Winzers bei der Vinifikation, die technischen Hilfsmittel, das Knowhow etc. spielen eine immense Rolle. Der Captain stellt treffend fest: Frankreichs Winzer arbeiten nicht nur mit hochmodernen Anlagen. Ich meine, Bordeaux scheint da eine löbliche Ausnahme zu sein. Es wird investiert und mächtig Dampf gemacht. Davon konnten wir uns bei einem Besuch auf Château Lynch-Bages letztes Jahr selbst überzeugen.

Hurra! Das Vertrauen ist wieder hergestellt. Wenigstens in dieses Château. Die neue Abfüllanlage auf Lynch-Bages.

Von alledem steht aber nix auf der Flasche. Ist auch nicht wichtig. Ausser wir wollen nen Bio-Wein. Wichtiger für uns Otto Normalverbraucher sind die Appellationen. Oft haben nämlich verschiedene Weine derselben Appellation auch geschmacklich einen gemeinsamen Nenner. Hat man also mal grob eine Idee, was einem schmeckt, lohnt es sich, Weinen einer Appellation treu zu bleiben:

Graves Rotweine von hier sind der Inbegriff des klassischen Bordeaux: schlank, elegant, harmonisch, frische Frucht, können oft auch schon jung getrunken werden (!)
Médoc Elegante, duftende Weine, zart, komplex, „Burgunder“ des Bordelais, grosse Lagerfähigkeit, lange Reifezeit
Pauillac Feste Struktur, tief, dicht, kräftig, enormes Lagerpotenzial
Entre-Deux-Mers Frisch, fruchtig, eher leicht, jung geniessen, begrenztes Lagerpotenzial; sehr schöne Weissweine
Saint-Émilion Sehr unterschiedliche Weine: von reif und weich (Süden), mineralisch mit fester Struktur (Hochplateau) bis fein und elegant (Nordwesten)
Sauternes/Barsac Süssweine, enormes Lagerpotenzial

Mein Fazit

  1. Praktisch alle roten Bordeaux-Weine basieren auf der Rebsorte Cabernet Sauvignon.
  2. Bordeaux = Cuvée
  3. Es gibt auch weisse Bordeaux. Typischerweise im Entre-Deux-Mers.
  4. Jede Appellation bringt ihre typischen Weine hervor.
  5. Saint-Émilion ist die vielfältigste Appellation.

Damit ihr bis zum nächsten Teil des Herbst-Specials nicht verdurstet, einige Bordeaux-Empfehlungen meinerseits. Verkostungsnotizen folgen später.

Château Rollan de By, Cru Bourgeois, Médoc, 2009, bei Coop, Fr. 26.10

Château Lilian Ladouys, Cru Bourgeois, Saint-Estèphe, 2009, bei Mövenpick, Fr. 27.-

Château Clos du Jaugueyron, Margaux, 2006, bei Gerstl, Fr. 20.-

Château Thieuley blanc, Entre-Deux-Mers, 2010, bei Martel, Fr. 12.80

Château Doisy-Védrines, Sauternes, 2009, bei Martel, Fr. 26.-/37,5 cl

 

Santé !

 

P.S. Ich find‘ ja, dass Cola überall anders schmeckt. Bei Fanta ist’s noch krasser. Ich sage, die beste gibt’s in den Niederlanden. Unabhängig vom Jahrgang…


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Herbst-Special: Bordeaux für Anfänger, Teil I – un peu de géographie

So, der Herbst ist da und es wird Zeit für einen ersten, mehrteiligen Special. Quasi von einem Einsteiger für Einsteiger. Als solcher wage ich mich an ein grösseres Thema heran: Es geht um Bordeaux, Bordeaux und nochmals Bordeaux. So viel ist klar. Alles andere sehen wir dann…

Um euch die Weine des Bordelais ein Stück näher zu bringen, versuche ich im ersten Teil etwas geografisches Grundwissen unter die Menge zu streuen. So steht man bei der nächsten Stammtisch-Diskussion zum Thema Bordeaux wenigstens nicht ganz auf verlorenem Posten, und auch im lokalen Country-Club macht sich ein wenig Bordeaux-Grundwissen nicht schlecht 😉 Ne, ernsthaft, nach der Lektüre dieses kurzen Artikels habt ihr hoffentlich wenigstens eine grobe Peilung bezüglich der Herkunft der französischen Tropfen, der wichtigsten Appellationen und einigen Bonus-Facts. Also Nerds, Kenner und Besserwisser, aufgepasst! Ihr dürft schön draussen bleiben. Mein Bordeaux-Special ist nur für offiziell ausgewiesene Dilettanten.

Na dann, los gehts !

Willst du prahlen, machs mit Zahlen:

  • bereits seit dem 4. Jahrhundert wird im Bordelais Wein angebaut
  • 1855 veranlasst Napoleon III. die Klassifizierung der wohlschmeckendsten Bordeaux (dazu nächstes Mal mehr)
  • 1890 zerstört die böse Reblaus sämtliche Rebflächen des Bordelais
  • im Bordelais findet man über 3’000 Châteaux
  • Anbaufläche ingesamt: 120’000 Hektar
  • Das Produktionsvolumen des Bordelais beträgt insgesamt über fünf Millionen Hektoliter Wein jährlich
  • ein Drittel der französischen Weine werden im Bordelais produziert

 

Bordeaux kommt aus dem Anbaugebiet namens Bordelais. Dieses liegt im Südwesten Frankreichs und gehört zum Département Nr. 33, der Gironde. Es erstreckt sich in von der Atlantikküste Land einwärts entlang dem Flussdelta, welches sich aus dem namensgebenden Strom, der Gironde und ihren zwei Zubringern, der Dordogne und der südlicher gelegenen Garonne bildet. Insgesamt umfasst das Bordelais sage und schreibe fünfzig Appellationen und kann in fünf Regionen eingeteilt werden. Merke dir: Bei der Herkunft der Bordeaux kann man grob zwischen linkem und rechtem Ufer (der Gironde) und dem dazwischen liegenden Entre-Deux-Mers unterscheiden. Ne übersichtliche Karte samt Legende findest du weiter unten.

Unten findest du die Regionen des Bordelais. In Klammern sind einige wichtige Appellationen angegeben. Wirf in einem Gespräch mit diesen verbal wild um dich, und du bist garantiert ganz vorne mit dabei.

Médoc Das Médoc beginnt nördlich der Stadt Bordeaux und zieht sich entlang der Garonde bis zur Gabelung des Flusses (Médoc, Haut-Médoc, Pauillac, Margaux, Saint-Estèphe, Saint-Julien)
Graves Die Graves setzen die Linie des Médoc südlich der Stadt Bordeaux weiter, liegen also entsprechend entlang des südlichen Ufers der Garonne (Graves, Pessac-Léognan)
Entre-Deux-Mers Nomen est omen. Das Gebiet liegt zwischen den beiden Flüssen Garonne und Dordogne (Entre-Deux-Mers)
Libournais Das Libournais bezeichnet das Gebiet um die Stadt Libourne und liegt am rechten Ufer der Dordogne (Saint-Émilion, Pomerol)
Blayais und Bourgeais Blayais und Bourgeais liegen nordwestlich bzw. nördlich des Zusammenflusses von Dordogne und Garonne (Côtes de Blaye)

Blick vom Städtchen Saint-Émilion aus auf umliegende Reben.

Wir sind in Pauillac. Ein Teil der Reben des Châteaus Mouton-Rothschild. Typisch für das Médoc: Flaches Gelände so weit das Auge reicht.


Die typische Hügellandschaft des Entre-Deux-Mers. Hier zwischen Lestiac sur Garonne und Créon.


Magst du Karten? Bitteschön:

(Karte: Domenico-de-ga)

 

Falls du immer noch ratlos vor den Regalen stehst: Teil II kommt in Kürze…