Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Kurz angenippt: Germanier, Amigne de Vétroz, 2012

Notizen

Im ersten Moment einfach nur sehr süss. Unglaublich intensiver Duft nach Honig. Erinnerungen an Met werden wach. Der Süsse trotzt glücklicherweise ausreichend Säure. Der Weisswein harmoniert am ehesten zu scharfen asiatischen oder indischen Gerichten. Er ist süffig, ermüdet aber auch den Gaumen relativ schnell. Ich bin froh, nur das Kleinflaschenformat aufgetischt zu haben. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Die Farbe, das Bouquet und der Geschmack sind tadellos, letzterer aber vor allem Geschmackssache. Meinen trifft’s nur bedingt. Der Wein ist ein typischer Degustationsschmeichler. Einmal mehr handelt es sich um einen sehr speziellen helvetischen Weisswein, für den die ideale Essenpaarung noch gefunden werden muss. Trotzdem ein Schweizer Qualitätsprodukt von Germanier: 16 Punkte.

AgnedeVétroz

Unter der Rubrik kurz angenippt findest du Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.


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Cayas, Syrah du Valais AOC, Jean-René Germanier, Vétroz 2010

Türe auf, Fahrräder beiseite geschoben und ab in den Weinkeller. Was lugt denn da aus dem einen Regal? Ein kleines 37,5er-Fläschchen von Germanier. Ein Syrah. Cayas steht drauf. Ein Stück Wallis steckt drin. Genau richtig für eine kontrollierte Entschleunigung in den verdienten Feierabend.

Endlich bin ich zu Hause. Langsam und ziemlich müde steige ich die Treppen hoch in den zweiten Stock. In der Küche krame ich einen Korkenzieher aus einer der überfüllten Schubladen. Schliesslich erreiche ich Flaschentesters Zentrum der totalen Entspannung: Meinen urgemütlichen Chesterfield-Sessel. Schneeregen, überfülltes Bahnabteil und müde Beine: Ihr könnt‘ mich mal! Jetzt wird erstmal zurückgelehnt. Aber so was von. Jawohl.

Vor mir steht der Wein von Germanier. Ein Name, der hierzulande zu den festen Grössen in der Weinszene gehört. Beim nationalen Grand Prix du Vin Suisse und auch internationalen Prämierungen belegen die Weine des Wallisers nämlich alljährlich vordere Ränge und erhalten Bewertungen auch jenseits der 90-Punktegrenze. Der bereits 1896 gegründete Familienbetrieb gehört zu den wenigen Schweizer Produzenten, welche den Spagat zwischen Quantität und Qualität mit Bravour zu meistern scheinen. Für einmal handelt es sich also um einen Betrieb, der meinem hier bereits postulierten Senf voll entspricht. Schön.

Germaniers Flaschen sind neben dem gut sortierten Fachhandel auch bei Grossverteilern wie Manor oder Coop erhältlich. Und auch der Export ins übrige Europa, nach Asien, Nord- und Südamerika scheint zu funktionieren. Die Jahresproduktion läst sich sehen. Sie beträgt 600’000 Flaschen. Eine enorme Menge für einen helvetischen Betrieb. Möglich wird dieses Produktionsvolumen durch rund achtzig Hektar, bestückt mit Gutedel, Petite Arvine, Amigne, Chardonnay, Pinot Noir, Gamay, Syrah, Humagne Rouge, Cornalin, Cabernet Sauvignon und Diolinoir.

Germanier Reben

Vétroz: Blick auf Germaniers Reben.

Inhaber des Guts ist Jean-René Germanier, seines Zeichens Önloge, FDP-Politiker und Nationalrat seit 2003. Im Parlamentsjahr 2010/11 war er sogar Präsident desselben. Da scheint es nur logisch, dass eine andere Person den Betrieb führt. So kümmert sich sein Neffe, Gilles Besse-Germanier, seit einigen Jahren um den Familienbetrieb im beschaulichen Örtchen Vètroz. Auch er ist vom Fach, vom önologischen, nicht vom politischen, versteht sich.

Die Germaniers keltern eine breite Palette an Weinen. Beliebt sind neben den zahlreichen, einfacheren aber qualitativ ansprechenden Abfüllungen wie dem Amigne de Vétroz und den diversen Assemblages vor allem die Réserves.

In der warmen Stube angekommen, schenke ich mir also ein erstes Glas ein. Die Farbe ist kräftig und dunkel. Der Ton liegt irgendwo zwischen dunkelviolett und intensivstem Rot. Das Bouquet kann ich nicht anders, als betörend beschreiben. Es ist sehr intensiv. Dicht nebeneinander bahnen sich Kirsche und Cassis ihren Weg Richtung Nase. Eine Nuance herrlichster Vanille ergänzt das Spektrum. Typisch sind auch die vorhandenen Tertiärnoten: Leder, Pfeffer und Teer bzw. Röstaromen. Im Mund gefällt der Walliser erst einmal durch seine Ausgewogenheit. Im Unterschied zu den meisten Shyraz aus Übersee, zeichnet sich dieser hier durch seine Milde und eher zurückhaltende Fruchtsüsse aus. Dieser Wein strotzt nicht durch Opulenz, sondern lässt dem Trinkenden Zeit, seine Vielschichtigkeit und Finesse zu entdecken und somit auch zu geniessen. Das sind typische Attribute für einen ausgezeichneten Schweizer Syrah. So muss er sein. So mag ich ihn. Dennoch wird er durch ein, zwei Jährchen Flaschenreife bestimmt noch einmal zulegen. Säure und Tannine sind im jetzigen Stadium zwar sehr gut eingebunden, lassen die Gesamtperformance aber noch etwas wild und jugendlich erscheinen. Dies tut dem Genuss jedoch keinen Abbruch.

Der Cayas der Germaniers ist ein waschechter Walliser erster Güte. Wer sich abseits der international ausgetrampelten Shyraz-Pfade auf ein helvetisches Gewächs einlassen möchte, ist mit diesem Rotwein sehr gut beraten. Der Preis ist zwar relativ hoch, aber allemal gerechtfertigt. Der Wein wird im Handel übrigens auch als Kleinflaschenformat angeboten. So oder so mundet der Cayas ausserordentlich. Ich gebe 18 Punkte.

CayasPunkte: 18/20
Passt zu: Wild, Gebratenes, Pizza (!?)
Preis: Fr. 41.- / € 42.50

Fr. 20.90 für das Kleinflaschenformat

Den Cayas von Germanier gibt’s bei Manor, Landolt oder Nobis/Deutschland.


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Henri Badoux – Aigle „Les Murailles“ 2011, Chablais AOC

Egal ob Manor, Mövenpick, Zanolari oder Coop – eine Flasche gehört scheinbar zur Grundausstattung jeder halbwegs gut sortierten helvetischen Weinhandlung. S’ist eine grüne aus dem Waadtland. Darin ein Chasselas aus der Appellation Chablais. Unverkennbar nicht zuletzt durch die kleine, neckische Eidechse auf dem Etikett.

Der Kanton Waadt ist mit seinen knapp 4’000 Hektaren Rebfläche das zweitgrösste Weinbaugebiet der Schweiz. Aufgrund der klimatischen Unterschiede wird das Waadtland heute in drei Zonen eingeteilt: Nördlichöstlich des Genfersees liegt Chablais mit so bedeutenden Appellationen bzw. Ortschaften wie Aigle oder Yvorne. Zwischen Lausanne und Montreux, am Ostufer des Sees liegt Lavaux, dessen Weinbergterassen seit 2007 zum UNESCO-Welterbe gehören.

Dazu gehört zum Beispiel die in der Deutschschweiz sehr bekannte Appellation Saint Saphorin. Hier gibt es unzählige, steilwandige Felsterassen mit Weingärten mit bis zu zwanzig Stockwerken, welche zum Teil bereits im 12. Jahrhundert von Zisterziensern mühseelig aufgebaut wurden. Die nebeneinander liegenden Lagen Dézaley und Calamin besitzen sogar Grand-Cru-Status. Die dritte Zone trägt den Namen La Côte. Dieser grösste Bereich, nordwestlich des Genfersees, liefert 40% der Waadtländer Weine. Bekannt sind unter anderem die Appellationen Aubonne, Féchy oder Mont-Sur-Rolle.

Château_d'Aigle

Château d’Aigle: Wahrzeichen und Weinmuseum.

Angebaut wird vor allem Chasselas, auch Gutedel genannt. Die Waadtländer sprechen von der Perlan. Gemeint ist immer dieselbe Traube. Das Waadtland ist bekannt für seine Weissweine. Die roten Sorten machen gerade mal einen Viertel der Gesamtfläche aus. Hauptsächlich Pinot Noir und Gamay entfallen auf diese. Zum Teil werden auch Syrah, Gamaret und andere Trauben bewirtschaftet. Das Genferseegebiet besitzt insgesamt 28 Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung, die in sechs Weinbaugebieten (AOC) gedeihen, von denen jedes seine topografischen und klimatischen Besonderheiten besitzt. Aufgrund seiner Grösse, aber auch der Vielfalt der Böden, des Klimas und der Lagen, ist das Genferseegebiet zweifellos das vielfältigste Weinbaugebiet der Schweiz.

Die von mir gekaufte Flasche ist ein typisches Produkt aus der Gegend. Der Chasselas mit dem Namen „Les Murailles“ stammt aus der Produktion der Henri Badoux SA in Aigle. Die Firma wird 1908 vom gleichnamigen Westschweizer gegründet. Das Familienunternehmen setzt sich bereits in jungen Jahren mit dem Namen Aigle in Verbindung mit dem berühmten Weinberg „Les Murailles“ durch. Drei Jahrzenhnte später übernimmt Badoux‘ Sohn Emile die Geschäfte, welche damals vor allem aus einer bescheidenen Weinhandlung bestehen. Die Erbschaft wird durch ihn zu einem – für Schweizer Verhältnisse – riesigen Weingut von über fünfzig Hektaren in den Appellationen Aigle, Yvorne, Ollon und Saint-Saphorin ausgebaut. Als Pionier führt er im Waadtland den dort noch kaum verbreiteten Blauburgunder ein. Mit der Vergrösserung des Betriebs wächst auch der gute Ruf des Unternehmens. Nicht nur in der Schweiz sind die Weine der Badoux SA beliebt, sondern vor allem auch in Deutschland und den Vereinigten Staaten. In den 90er Jahren übernimmt mit Olivier Badoux das Familienunternehmen in dritter Generation. 2008 wir die Geschäftsleitung an Kurt Egli abgegeben. Als Önologe zeichnet sich Daniel Dufaux verantwortlich, Jean-Pierre Luthi ist für den Weinbau zuständig. Der Betrieb verfügt über moderne Kellereien und arbeitet schon seit zehn Jahren nach den Standards der integrierten Produktion.

Das Gebiet Chablais am nordöstlichen Genfersee

Das Gebiet Chablais am nordöstlichen Genfersee.

Zum Wein: Ich schenke ein. Hoppla, beinahe habe ich das Gefühl einen Grünen Veltliner im Glas zu haben! Farblich überzeugt der Chasselas. Das schöne Hellgelb ist mit grünen Reflexen durchzogen. Die Nase ist ebenfalls sehr ansprechend. Es riecht nach Lindenblüten und erinnert durch reichlich mineralische Akzente wie Schiefer oder Kreide an manchen Riesling, den ich schon getrunken habe. Im Mund dann die totale Überraschung: Der Weisswein hat ganz leichten Sprudel, ist ungemein würzig, fast schon pfeffrig scharf. Auch hier findet man Ähnlichkeiten zum Grünen Veltliner. In mir erweckt der Wein sofort ein Instant-Kindheitsgefühl. Er erinnert mich an die alljährliche Beerenlese im heimischen Garten. Den Geschmack von frischen Stachelbeeren habe ich seither verinnerlicht. Dieser Wein schmeckt eindeutig danach. Der Abgang ist von mittlerer Länge, sehr trocken und bringt das Säurespiel nochmals deutlich zur Geltung. Als Essenspaarung versuchen wir’s zuerst mit frischem, grünem Rheintaler Spargel an hausgemachter Zitronen-Thymianmayonnaise. Diese Kombination erweist sich eher als suboptimal. Einen Tag später versuchen wir’s mit einer Auswahl halbharter und harter, reifer Käsesorten. Auch diese Paarung empfinde ich persönlich als problematisch. Der Wein hat enorm Druck und Eigengeschmack. Da wird nicht ergänzt, sondern platt gemacht. Ein sanft gegarter Fisch wird wohl am besten dazu passen. Der Waadtländer braucht Platz. So viel ist klar.

Der hier verkostete Johanniter hatte ganz ähnliche Probleme. Auch jener schmeckte an sich sehr gut, war aber schwierig mit Speisen zu kombinieren. Zum Thema Chasselas: Wie gross hier das Spektrum ist, beweist der kürzlich vorgestellte Domaine Martheray, ein Féchy der geschmacklich diametral anders gelagert ist als der „Les Murailles“. Obwohl aus derselben Sorte hergestellt, ist er feiner gegliedert und von der angenehm zurückhaltenden Sorte, besitzt keine derart dominante Schärfe, ist einfach(er) zu kombinieren und nur halb so teuer wie die Badoux-Abfüllung.

Fazit: Obwohl an jeder Ecke eine Echsen-Flasche der Henri Badoux-Kellereien steht, habe ich ein wenig Mühe mit der qualitativen Einordung dieses Westschweizer Traditionsprodukts. Auf der Habenseite steht ein unverfälschter, schön produzierter Weisswein mit regionstypischen Eigenschaften, dem gegenüber stört der hohe Preis, sowie die Schärfe und Würze des Weins, die bestimmt nicht jedermanns Sache ist. Hinzu kommt die eher schwierige Kombinierbarkeit mit allerlei Speisen. Mein Gaumen kann dem anscheinenden Marketing-Hype nicht ganz folgen. Wer jedoch würzig-intensive Weissweine mag, sollte zugreifen. Ich gebe 14 Punkte.

Aigle Les MuraillesPunkte: 14/20
Passt zu: Salzwasser-Fisch mit wenig Eigengeschmack, sehr milden Käsesorten
Preis: ab Fr. 17.- / € 21.80

Den „Les Murailles“ gibt’s zum Beispiel bei Manor, Zweifel, Mövenpick und Coop. Bei Zanolari momentan sogar zum Aktionspreis von Fr. 17.-


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Villa Cavarena – Ripasso 2010 by Allegrini

Der Name klingt wie derjenige eines italienischen Automobils aus den Achtzigern. Allegrini. Einer der Wagen, die schmuck ausschauen, ordentlich PS unter der Haube haben, vor allem bei schönem Wetter Spass machen und spätestens nach den ersten 1’000 Kilometern erste Verarbeitungsschwächen offenbaren. Solche Fahrzeuge wurden für ein junges Publikum designt. Bei Alexander von Essens Ripasso verhält es sich ganz ähnlich.

Manor haut momentan alle Weine seiner Selection zum Aktionspreis raus. Da mein Blog nach wie vor nicht fremdfinanziert wird, schlage auch ich zu und packe eine Flasche vom 2010er Villa Cavarena ein. Auf der Flasche steht by Allegrini. Ein weiteres Kaufargument. Schliesslich ist das norditalienische Weingut schon seit langem ein Garant für Spitzenerzeugnisse im Bereich Amarone und Ripasso. Sehr beliebt ist auch der reinsortige Corvina Veronese namens La Poja.

Valpolicella

Valpolicella: Blick auf das Tal der vielen Keller.

Der Betrieb liegt im Valpolicella, eine der namhaftesten Weinregionen Italiens. Die lateinische Ursprungsbezeichnung „val polis cellae“ – Tal der vielen Keller – weist bereits auf den traditionsreichen Hintergrund im lokalen Weinbau hin. Das Tal liegt im östlichen Venetien, zwischen Verona und Gardasee. Im Norden wird es durch die Monti Lessini, einem Hügelland, begrenzt. Insgesamt 6’000 Hektare Rebfläche werden bewirtschaftet.

Die Allegrinis sind hier seit Urzeiten ansässig. Bis ins 16. Jahrhundert lassen sich ihre Spuren zurückverfolgen. Noch heute führen Nachkommen – Franco und Marilisa Allegrini – den Betrieb. Der Ursprung des mehrere Weingüter umfassenden Unternehmens liegt im Fünftausendseelen-Dorf Fumane, nördlich von Verona. Eine der neueren Akquisitionen der Allegrinis ist die Villa Cavarena. Von hier stammt auch die Ripasso-Spezialabfüllung für die Von Essen Selection. Das 1998 erworbene Gut liegt in Mazzurega, nordwestlich von Fumane auf einer Höhe von 500 Metern über Meer und ist damit eines der am höchsten gelegenen im gesamten Valpolicella. Der Betrieb umfasst zwanzig Hektare. Angepflanzt werden Corvina Veronese, Corvinone, Rondinella und Oseleta. Die Reben stehen laut Produzent auf steinigen Kalkböden mit einer hohen Wasserdurchlässigkeit und einer sehr guten Exposition bezüglich Sonne und Wind.

Das alles macht Hoffnung. Schliesslich haben mich auch die letzten beiden Rotweine der selben Selection überzeugt. Erwartungsvoll öffne ich den Ripasso, – und prompt bricht mir der Korken ab. Ein böses Omen? Wir werden sehen. Ich schenke ein. Im Glas scheint der Rotwein in einem dichten Rubinrot mit schwarzem Kern. Man sieht gerade noch knapp durch. Basis des auf Amaronetrester vergorenen Rotweins sind übrigens die beiden autochthonen Sorten Corvina Veronese (70%) und Rondinella (30%). Der Wein duftet sehr intensiv. Ich rieche vor allem Beeren, Lakritze, eine undefinierbare, sprittige Note und etwas Holz. So weit so gut. Nach einem ersten Schluck bin ich erst einmal zufrieden. Der Ripasso ist süffig und macht von Anfang an keinen schlechten Eindruck. Der Abend ist noch jung. Das Essen steht auf dem Tisch. In Kombination mit den Speisen wird noch deutlicher wie süsslich, fast schon marmeladig der Wein ist. Nach dem Essen nehmen wir die angetrunkene Flasche mit in’s Wohnzimmer. Und mehr und mehr zeigt sich, was das Problem ist.

FiatFerrari

Wäre der Wein ein Automobil, würde ein Logo eines grossen italienischen Automobilherstellers die Flasche zieren. Fiat oder Alpha Romeo erscheinen vor dem geistigen Auge. Im ersten Moment macht er nämlich ordentlich Punkte. Durch die Flasche, den Namen und den Preis. Auch geschmacklich gibt der Valpolicella was her: Er ist süsslich, süffig und fruchtig. Ein Wein, den man für gut befindet. Nach einigen Kilometern, pardon, Schlucken, offenbart der Ripasso aber mehr und mehr seine Schwächen. Zum einen hat er keinen Charakter, er ist belanglos und nichtssagend. Der Blendeffekt hält nicht länger als ein Glas lang an. Spätestens dann vergeht einem allmählich das Nippen an diesem süsslichen Fruchtaufguss. Zum anderen bringt der Abgang meines Erachtens eine leichte, metallische Fehlnote. Es schmeckt nach rostigem Nagel. Nicht zuletzt lässt aber vor allem die Gesamtbalance zu wünschen übrig. Es ist zwar alles vorhanden – Säure, Frucht, Würze und Tannine spielen aber nicht in der selben Mannschaft. Schade. Das schlechte Vorzeichen hat sich manifestiert.

Der Vollständigkeit halber noch meine restlichen Notizen. Auf der Flasche steht 13.5% und auch das DOC-Label findet man. Im Glas ist der Italiener leicht ölig. Im Mund: Säure trotz reichlicher Süsse, durchaus trockene, herbe Eigenschaft, süffig, mittleres Gewicht. Ausserdem Teer, wenig Vegetabiles, etwas Gras, wenn überhaupt. Abgang: Säure verzieht sich, Nachhall beerig, sprittige Komponente wieder deutlich wahrnehmbar. Ende Degustationsnotiz.

Fazit: Was soll ich sagen? Ich versuch’s nochmals mit der Automobilindustrie: Auch wenn Fiat und Ferrari zum selben Konzern gehören, könnten die Unterschiede der verschiedenen Produktlinien nicht grösser sein. In etwa so verhält es sich bei Alexander von Essens Abfüllung. Auch wenn Allegrini draufsteht, ist keiner drin. Oder nur ein drittklassiger. Dieser Rotwein hat nichts mit dem klassischen Ripasso gemein. Es handelt sich vielmehr um einen dieser neuen Mode-Valpolicellas. Der Rotwein zielt klar auf eine junge, unerfahrene Kundschaft ab: Die Flasche schaut nett aus, der Wein ist auf Anhieb geniessbar, lullt einem mit seiner Süsse und Fruchtigkeit sofort ein und kann ohne Dekantieren, Temperieren oder sonstwelche Gadgets getrunken werden. Seine Charakterlosigkeit macht ihn zudem massentauglich. Eine Bewertung fällt mir schwer. Nach der Formel erster Eindruck + zweiter Eindruck geteilt durch zwei, komme ich deshalb heute unter’m Strich auf knappe 14 Punkte.

VillaCavarenaRipasso2010Punkte: 14/20
Passt zu: Fleisch (Rindsfilet, Osso Bucco, Braten)
Preis: momentan für Fr. 12.50 statt Fr. 16.90 / € 11.90

 

Den Ripasso by Allegrini gibt’s bei Manor oder VinoScout zu kaufen. Die deutlich teureren Wein-Ferraris aus dem Hause Allegrini findet man zum Beispiel in der Vinothek Brancaia.

P.S. Einen sehr lesenswerten Artikel zum Problem Ripasso gab’s 2009 in der Zeitschrift Merum.


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La Grande Chapelle blanc – Antoine Moueix 2010

Bordeaux = alte Welt. Diese Formel bewahrheitet sich nicht zuletzt dadurch, dass nach wie vor circa siebzig Prozent aller dort produzierten Weine durch sogenannte Négociants vermarktet und verkauft werden. Also wie seit Urzeiten durch Händler, die entweder ein Vorkaufsrecht auf Weine von (Spitzen-)Châteaux besitzen, oder Weine verschiedener Herkunft erstehen, diese dann verschneiden, abfüllen und unter eigenem Namen vermarkten. Der Grande Chapelle gehört zu letzterer Gattung. Die Flasche ziert ein grosser Name: Moueix. Zeit für ein kurzes Familienportrait.

Antoine Moueix ist schon lange tot. Der Geschäftsmann kam ursprünglich aus Corrèze. 1905 gründete er in Saint-Émilion das Maison Antoine Moueix. Fünf Generationen folgten ihm und führen seine Tätigkeit als Négociant bis in die Gegenwart fort. So besitzt ein Teil seiner Abkömmlinge heute verschiedene Rebberge in Pomerol und Saint-Émilion. Jean-Michel und François Moueix gehören die Güter Clos Beauregard, Clos Toulifaut, Château Rochebrune, Clos Belle Rose. Die Kinder seines Ururenkels sind Besitzer von Châteaux Taillefer, Fontmarty, Tauzinat L’Hermitage und Le Grand Treuil.

Antoine Moueix

Négociant Antoine Moueix

Jean Pierre Moueix gründete 1937 ein Négocianthaus am Quai du Priourat in Libourne. Seine Investitionen in Weingüter der Region in den früher 50er Jahren brachte der Familie Moueix mehr und mehr Einfluss auf den französischen Weinmarkt. Nicht zuletzt als Folge davon, stieg die Reputation von Weinen aus dem Pomerol. Antoine Moueix, ein Onkel von Jean Pierre Moueix, erstand 1947 Château La Tour du Pin Figeac. Es folgten weitere Käufe: Château Magdelaine 1952, die Châteaux Trotanoy, Lagrange und La Fleur-Pétrus 1953, und die schrittweise Teilhaberschaft an Château Pétrus ab 1961, gefolgt von Château Latour 1962. Schritt für Schritt wurde das Moueix-Imperium erweitert. Château Hosanna, Providence und Château Belair folgten. Auch vor kalifornischen Ankäufen schreckte man nicht zurück. So erwarb die Familie schon bald das im Napa Valley gelegene Weingut Dominus Estate.

Jean-Pierre Moueix trat 1978 von den Geschäften zurück und starb 2003. Anfang der 90er wurde sein Sohn – Christian Moueix – Präsident des Familien-Imperiums, währenddem Jean-Pierres Grossenkel – Edouard Moueix – seit 2003 für den Verkauf zuständig ist.

Die vor mir stehende Flasche trägt denn auch in grossen Lettern den Namen des Gründervaters. Wie das bei Négociant-Weinen so ist, erfährt der Kunde leider recht wenig über die Herkunft des Traubenmaterial. Klar, Bordeaux steht drauf und auch ein AC-Label ist zu finden. Lediglich die beiden verwendeten Traubensorten stehen auf dem Etikett: Sauvignon blanc und Sémillion – wer hätte das gedacht. Auf der Webseite des Herstellers erfahre ich wenigstens, dass das die Trauben aus dem Entre-Deux-Mers bezogen werden. Na wenigstens das wird deklariert.

Gekauft habe ich den Weisswein übrigens aus einer Laune heraus im Manor. Reviews von Bordeaux blancs hatten wir ja schon einige auf diesem Blog: Thieuley, Pierrail und Bonnet. So weit ich mich erinnern kann. Moueix’s Bordeaux blanc kostet gerade mal Sieben Franken Fünfundneunzig. – Ja, ja, ich geb’s ja zu: Mich reizt nach wie vor der Gedanke, mal was Ordentliches, eine Art Knallbonbon für weniger als zehn Franken zu entdecken. – Schauen wir mal.

Farblich zeigt sich der Grande Chapelle in einem leicht blassen Quittengelb. Ein Hauch Grün scheint ebenfalls mit. Ich halte meine Riechorgan ins Glas. Hm, das Bouquet ist bescheiden. Es duftet zurückhaltend nach Frühlingsblumenfeldern, Veilchen und Zitrusfrüchten. Ich bin gespannt, was jetzt kommt. Hoffentlich ist’s nicht wie beim Bonnet. Der roch ähnlich verhalten, was sich im Mund dann leider fortsetzte. Moueix’s Abfüllung gefällt mir auf Anhieb besser. Der Weisswein besitzt eine Lieblichkeit, welche mit einer schönen, frischen Zitrussäure gepaart ist. Der Körper ist auf angenehme Art und Weise fruchtig-säuerlich, der Abgang von mittlerer Länge, der Nachhall schön weich und zart. Der Wein hat etwas Weiches, Feminines. Er wirkt leicht süsslich. Kaum wahrnehmbar, aber gerade so, dass er sich als preiswerter Apéro- und Saufwein prädestiniert. Was mir fehlt, ist Tiefe, Intensität, Ausdruck, Charakter, oder wie man das immer nennen mag. Im Vergleich zu einem Thieuley oder einem Pierrail ist er langweilig und eindimensional. Überzeugend wirken jedoch seine Ausgewogenheit, seine Lieblichkeit und natürlich der Preis. Ich gebe 14 Punkte.

      La Grande Chapelle blanc - Antoine Moueix 2010  Weiterempfehlen La Grande Chapelle blanc - Antoine Moueix 2010

Punkte: 14/20
Passt zu: Apéros, gegrilltem Salzwasserfisch, Meeresfrüchten
Preis: Fr. 7.95

Den La Grande Chapelle 2010 kann man hier kaufen.


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An alle Schnäppchenjäger

Momentan gibt’s in St. Gallen drei schöne Weine zum Aktionspreis:

  • Bründlmayer, Riesling Heiligenstein, 2011. 1. Lage ÖTW, Kamptal DAC, bei Martel für Fr. 21.50 statt 24.00
  • Johann Donabaum, Grüner Veltliner Federspiel, Spitzer Point, Wachau, bei Martel für Fr. 13.50 statt 15.40
  • Gernot Heinrich, Pannobile, 2010, Burgenland, bei Martel für Fr. 30.00 statt 34.00
  • Marqués de Riscal Reserva, Rioja DOCa, 2007, bei Manor für Fr. 14.95 statt 19.95
  • Amarone della Valpolicella DOC by Allegrini, Sel.A.von Essen, bei Manor für Fr. 24.90 statt 39.90

 

Aktion


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Live Brune S Rosé Spumante

Trotz zahlreicher Weltuntergangsszenarien in letzter Zeit, und obwohl Papst Benedikt heute Mittag seinen Rücktritt angekündigt hat, dreht sich die Welt überraschenderweise nach wie vor in gewohnten Bahnen. Für mich heisst das, dass ein weiterer Rosé getestet werden will. Und zwar ein Rosé-Schaumwein. Passend dazu steht ein Süsswasserfisch – genauer eine Forelle – auf der Speisekarte. Das Rezept dafür stammt aus einem meiner Lieblingskochbücher. Da kann ja nicht mehr viel schief gehen. Denkste.

Der Live Brune S ist einer der Tropfen, die unter dem Label Selection Alexander von Essen im Manor erhältlich sind. Das S steht wohl für spumante. Ein Gesprudelter also. Dass ich Alexanders Selection mag, konnte man schon in anderen Artikeln nachlesen. So erhielten zum Beispiel der portugiesische Quinta do Zambujeiro Z, oder der spanische Palomar Monastrell Juan Gil recht ordentliche Punktzahlen. Zu Recht, wie ich meine. Daher bin ich auch auf den venetianischen Schaumwein gespannt wie ein Flitzebogen. Einzig der Preis macht mich ein wenig skeptisch. Liegt er doch unter zehn Franken. Kein Indiz für schlechten Wein per se. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber erfahrungsgemäss.

Hergestellt wird der perlende Rosé von den Cantine Maschio. Die Weinkellereien liegen bei Campo Cervaro, unweit des Städtchens Conegliano, wiederum eine der Hochburgen des Proseccos. Der Live Brune S ist eine Spezialabfüllung für die Selection A. von Essen. Bevor das Abendessen aufgetischt wird, schenke ich schon mal ein. Der Rosé scheint in einem lieblichen Antikrosa. Die Nase ist eindimensional. Lediglich etwas Erdbeere dringt zu meinem Riechorgan. Wir stossen an. Die Perlage empfinde ich als künstlich und unangenehm. Es ist zu viel des Guten, was man allerdings vom Geschmack nicht sagen kann. Es schmeckt – Verzeihung – nach nichts. Lediglich ein paar wenige Beeren tummeln sich da irgendwo im Gaumen. Man könnte meinen, die Flasche habe schon einige Tage offen im Kühlschrank verbracht, bevor jemand noch etwas Kohlensäure nachgeschossen hat, um sie dann als vermeintlich frisch geöffnet zu kredenzen. Das, was ich hier im Glas habe ist gefärbtes Wasser mit Beerengeschmack, leichter Säure und massig Sprudel. Fehlt nur noch der Zucker und man hat eines dieser Dosengetränke für die Szene-Girls, welche sich am Wochenende auf dem Weg zum Club in Tanzlaune trinken wollen. Paaah!

Nochmals in aller Deutlichkeit: Dieser Schaumwein ist LAAAAAANGWEILIG. Klar kann man ihn trinken. Klar ist er geniessbar. Aber macht er auch Spass? Nein. Lohnt sich der Kauf? Auf keinen Fall. Gibt es Besseres aus dieser Selection? Ja, definitiv. Vielleicht taugen ja die Prosecci derselben Weinkellerei was. Wir werden sehen.

Machen wir’s kurz: In diesem Fall stimmt für einmal die Phrase „Qualität hat ihren Preis“. Da letzterer beim vorliegenden Rosé-Schaumwein unter zehn Franken liegt, kriegt man halt auch einen entsprechenden Wert in’s Glas. Sorry Alexander, aber mir schmeckt dein Italienischer Sprudelwein nicht. Positiv formuliert: Die Ausnahme bestätigt die Regel. Ich gebe 11 Punkte.

Live Brune S Rosé Spumante

Punkte: 11/20
Passt zu: Apéro, Süsswasserfisch, Krustentieren
Preis: Fr. 9.95

Kaufen kann man den Schaumwein hier


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Z wie Zambujeiro

Draussen ist es kalt und nass. Zeit für eine Flasche Roten aus wärmeren Gefilden. Die Reise geht heute nach Portugal, direkt zu einem Schweizer. Emil Strickler heisst der Mann, der sich in dreizehn Jahren an Portugals Spitze kelterte. Alexander von Essen hat diesem einen Sondertropfen abgerungen. Zum Glück.

Der Rotwein mit dem schicken Etikett kommt von einem relativ kleinen Weingut in Zambujeiro nahe Borba. Die Ortschaft liegt 170 Kilometer südöstlich von Lissabon entfernt und befindet sich in der Region Alentejo unweit der spanischen Grenze. Quinta ist übrigens das portugiesische Wort für Weingut. Stricklers Quinta umfasst 21 Hektar an eigenen Reben, zehn zusätzliche Hektar werden dazugemietet. Sie stehen auf durchlässigen Schieferböden. – Das Thema Schiefer hatten wir erst vor kurzem ja schon einmal, allerdings bei einem Riesling. Auch beim Portugiesen schlägt sich das Terroir mineralisch im Wein nieder.

Borda, Alentejo, Portugal, Europa

Borda, Alentejo, Portugal

Der Quinta do Zambujeiro Z ist, wie eingangs erwähnt, eine Spezialabfüllung für die Selection Alexander von Essen*. Der Wein wurde zwölf Monate lang im Barrique ausgebaut. Übrigens ist es kein sortenreiner, sondern ein Blend aus Aragones (= Tempranillo), Touriga Nacional, Trincadeira sowie – laut Produzent – einem kleinen Anteil Cabernet Sauvignon. Damit ist der Z traubenmässig an den Star des Hauses angelehnt. Dieser wird nämlich aus denselben autochthonen, protugiesischen Traubensorten hergestellt. Einzig den Cabernet-Anteil lässt man bei jenem weg. Als Önologe zeichnet Alain Bramez verantwortlich. Auf der Quinta wurde der erste Wein unter Schweizer Hand übrigens vor rund 13 Jahren gekeltert. Strickler ist also noch nicht sehr lange im Geschäft. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Quinta do Zambujeiro qualitativ bereits zu den Top Five unter Portugals Produzenten gezählt werden darf. Mit ein Grund ist sicher, dass die Erträge klein gehalten werden und streng von Hand selektioniert wird.

Dieser Umstand macht mich neugierig. Lassen sich diese Qualitäten auch auf die Spezialabfüllung übertragen? Nach dem Öffnen der Flasche dekantiere ich den Wein und lasse ihn zwei Stunden atmen. Schliesslich schenke ich ein: Er ist rubinrot. Die Nase ist fulminat. Es riecht, als ob man seine Nase in ein süsses Erdbeerenfeld halten würde. Ergänzt wird das Bouquet durch etwas Leder, Holz, erdige Nuancen. Meine Hoffnung wächst. Im Mund schwingen zusätzlich auch dunkle Beeren, Paprika und mineralische Noten mit. Ausserdem bilde ich mir ein, etwas Rauchiges erkennen zu können. Der Z ist Wein gewordener Hüne mit einem kräftigen Körper. Trotzdem ist er komplex und nicht bullig. Mit seinem endlosen, schmelzigen Abgang bietet er ein aussergewöhnliches Wein-Erlebnis zum moderaten Preis.

Es erstaunt nicht, dass sämtliche Zambujeiros von Parker stets 90 und mehr Punkte erhalten haben. Auch der Z passt absolut in das Beuteschema des amerikanischen Weinkritikers. Da hat man wirklich eine Fruchtbombe im Glas. Das Beste daran: Chile, Argentinien und Südafrika bleiben aussen vor. Wir bleiben in Europa und ich meiner Linie treu. Im Promo-Video wird Alentejo übrigens mit Kalifornien verglichen. Nicht zu unrecht: Der Zambujeiro könnte genauso gut im Napa Valley gekeltert worden sein. Man schmeckt förmlich die vielen Sonnenstunden.

„Leicht war gestern, heute wird geklotzt!“, scheint einem der Rotwein entgegenzurufen. Eigentlich ist es mehr ein Schreien, ein lautes, unüberhörbares. Er ist rund. Er ist fett. Er hat Frucht. Darum muss ein herzhaftes Stück Fleisch auf den Tisch. Sofort! Denn eine alternative Essenspaarung kann ich mir kaum vorstellen. Oder man geniesst ihn einfach so. Fruchttrinker werden ihn lieben. Garantiert. Ich gebe 18 Punkte.

"Z" Quinta do Zambujeiro

Punkte: 18/20
Passt zu: Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch (Rind, Schwein)
Preis: Fr. 19.95

 

Den Quinta do Zambujeiro Z gibt es hier zu kaufen.

 

 

 

 

 

* Meine These erhärtet sich: Alexanders Selektion war einmal mehr eine gute Wahl.


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Flaschentester goes online

Obwohl ich laut Internet zur Generation der digital immigrants gehöre, erlaube ich mir hin und wieder, meine Zeit zu versurfen. Da mich Traubensäfte interessieren, Öffnungszeiten aber weniger, besuche ich regelmässig auch die Online-Shops der St. Galler Weinhandlungen. Manche mehr, manche weniger oft. Schliesslich sprechen mich nicht alle Netz-Auftritte gleich an. Warum nicht? Lest selbst.

Auch wenn ich immer wieder froh bin, dass es doch noch das eine oder andere Fachgeschäft gibt, in dem man freundlich, persönlich und kompetent bedient wird, durchforste ich auch gerne zu Hause per Browser die Shops um mich auf den nächsten Besuch in einer Weinhandlung vorzubereiten. Ich notiere mir Weine, die mich interessieren, entdecke Aktionen, lese gerne was über die produzierenden Winzer und Weingüter und träume von unerschwinglichen Rothschilds, welche ich mir wenigstens virtuell reinziehen kann. Ab und an bestelle ich auch schon mal was; vor allem dann, wenn ich genau weiss, was ich will.

Jeder Weinhändler, der etwas auf sich hält, ist auch online präsent. Ob der Kunde auch im Internet zur Zufriedenheit bedient wird, möchte ich heute feststellen. Dafür begebe ich mich in’s Testlabor, sprich: Mein Büro. Jede Webseite wird aufgrund von acht Kriterien (siehe unten) bewertet. Dabei stelle ich wohlverstanden nicht die Kompetenz der Händler in Frage. Nein, heute stehen für einmal nicht Traubensäfte, sondern Online-Shops im Mittelpunkt. Bei jedem Kriterium sind maximal zehn Punkte zu holen. Ausser beim Inhalt. Da unter diesem Begriff viele verschiedene Angaben subsumiert sind, können die Händler hier satte 23 Punkte holen. Insgesamt ist eine Gesamtpunktzahl von 83 Punkten möglich. Als Referenz muss der Aargauer Weinhändler und Bordeaux-Spezialist Gerstl herhalten. Immerhin hat dessen Seite einen Bronze-Award beim Best of Swiss Web 2012 gewonnen. Diese Bewertung kann ich absolut nachvollziehen. Gerstl’s Webseite gehört zu den besten der Schweizer Weinhändler.

Die Kriterien im Einzelnen:

  1. Aktualität: Enthält die Page Infos zu aktuellen Produkten, Aktionen, Degustationen etc. ?
  2. Orthographie: Kann ich mich auch ohne virtuellen Rotschift durch den Shop bewegen?
  3. Design: Spricht mich die Seite grafisch an?
  4. Übersichtlichkeit: Sind die Dinge da, wo sie hingehören?
  5. Navigation: Ist die Menu-Führung einleuchtend und intuitiv?
  6. Qualität der Suchfunktion: Finde ich, was ich suche?
  7. Bestellfunktion: Kann ich schnell und unkompliziert bestellen?
  8. Inhalt: Wie umfassend und aussagekräftig ist der Informationsgehalt (Jahrgang, Herkunft, Essenspaarung, usw.) ?

And the winner is…

Händler

Punktzahl

Stärken

Schwächen

Gerstl

81

Gesamter Auftritt

keine

Martel

76

Inhalt

Übersichtlichkeit

Delinat

74

Inhalt

Übersichtlichkeit

Romanin

73

Inhalt

Suchfunktion

Mövenpick

73

Übersichtlichkeit

Design

Coop

66

Suchfunktion

Übersichtlichkeit

Manor

65

Übersichtlichkeit

Navigation

Denner

64

Suchfunktion

Design

Globus

64

Aktualität

Suchfunktion

Caratello

58

Aktualität

Navigation, Design, Suchfunktion

Wy zum Turm

55

Aktualität

Design und Inhalt

Lanz

49

Persönliche Note

Aktualität, Sprache, Übersichtlichkeit, Suchfunktion

Gewonnen hat nach Punkten ganz klar Martel. Sein Auftritt ist frisch, aktuell und visuell sehr ansprechend. Der Zweitplatzierte – Delinat – liefert hingegen die umfassendsten Informationen. Da findet sich wirklich alles, was das Konsumentenherz begehrt: Infos zu den Winzern, Rebbergen, Degustationsnotizen, Essenspaarungen und sogar Angaben zum Restzuckergehalt der Weine. Auch Romanin ist inhaltlich auf Top-Level. Einzig die Aufmachung und die teils verwirrenden Angaben, zum Beispiel bei den Bordeaux, sind weniger schön. Da findet man einen Château Moulin du Cadet nicht unter seinem Namen, sondern als St.-Emilion Grand Cru Classé AOC 2004. Umgekehrt wäre logischer, bitte nachbessern.

Das Auswahlsystem von Coop.

Ein Auswahlsystem wird nicht nur von Coop benutzt.

Mit einer Ausnahme haben alle Online-Shops erfreulicherweise eine Gemeinsamkeit: Sie werden in der Regel laufend aktualisiert. Die Häufigkeit der Aktualisierungen ist jedoch sehr unterschiedlich. Ohne das buchhalterisch überprüft zu haben, glänzen hier meiner Meinung nach vor allem die Supermärkte. Das grösste Spektrum findet man hingegen beim Design. Caratellos Seite wirkt wie ein 90er-Jahre-Relikt, Lanz‘ Auftritt ähnelt einem Wühltisch und die Seiten von Wy zum Turm und Romanin sind schlicht altbacken und klobig in der Aufmachung. Vorbildlich hingegen ist Mövenpick, dessen Seite mir sehr gut gefällt. Grosse Unterschiede gibt’s aber auch bei den Angaben zu den einzelnen Weinen. Die Bio-Händler haben – wie erwähnt – beim Informationsgehalt eindeutig die Nase vorne. Ob man die Analyse-Daten jedes Weins wirklich braucht ist fraglich, spannend ist es aber allemal. Auch Caratello ist inhaltlich stark, die Discounter enttäuschen hingegen. Die Schlusslichter unter letzteren bilden Denner und Manor. Bei diesen findet man nur rudimentäre Angaben zu den Weinen. Bei den Suchfunktionen haben sich die meisten Händler für ein Auswahl- bzw. Reduktionssystem entschieden. So zum Beispiel auch Coop. Das funktioniert in der Regel ganz ordentlich und man kommt schnell an’s Ziel. Die eigentliche Suchfunktion ist bei vielen aber schlicht nicht zu gebrauchen. So auch nicht bei Globus und Mövenpick. Die Bandbreite der angezeigten Resultate ist einfach zu gross, um schnell was finden zu können.

Weinhändler und Kunde: Mehr und mehr auch digital verbunden? Na ja, je nachdem.

Weinhändler im Internet: Wird man auch online gut bedient? Na ja, je nachdem.

Der klare Verlierer des Tests ist der Auftritt von Lanz. Gerade weil man im Geschäft an der Hinterlauben 15 so nett bedient wird, schmerzt das Resultat von 49 Punkten umso mehr. Aber wie man es auch dreht und wendet: Dieser Web-Auftritt ist schlicht und einfach chaotisch, und zwar von A bis Z. Da nützt das beste Sortiment nichts. Schon beim Anblick der Startseite ist man total überfordert. Zu viele unnötige Informationen tummeln sich da amateurhaft zusammengestellt auf meinem Schirm. Beim ersten Zugriff ist mir nicht einmal klar, ob ich bei einer Weinhandlung, einem Catering-Service, einem YouTube-Ableger, oder einem privaten Blog gelandet bin. Ich finde die Idee, eine persönliche Note reinzubringen, grundsätzlich ja schön, hier ist es aber zu viel des Guten. Sprachlich (Orthographie/Stil) lässt der Shop stellenweise ebenfalls Einiges zu wünschen übrig. Zum Thema Aktualität nur so viel: Beim letzten Zugriff am 9. Dezember finde ich auf der Seite immer noch einen Werbebanner für die Basler Weinmesse, welche vor mehr als einem Monat, nämlich am 3. November, zu Ende ging. Selbst unter dem Menupunkt Events findet man nur ein Archiv, aber keine aktuellen, oder geplanten Anlässe. Auch inhaltlich gibt es Verbesserungsvorschläge: Anmerkungen zu Winzern, mit denen man in Zukunft – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr zusammenarbeiten möchte, interessieren mich als Konsumenten jedenfalls nicht. Diese wirken eher befremdend. Zudem ist für mich bei den wenigsten Weinen der Winzer, oder das Weingut ersichtlich. Schade, aber diese Info gehört einfach dazu, denn jedesmal das Bild der Flasche anzuklicken und den Namen des Weinguts anhand – eines zum Teil unleserlichen – Etiketts zu entziffern, ist nicht gerade prickelnd. Alles in allem hat die Seite durchaus Potenzial, müsste aber dringend von Grund auf überarbeitet und regelmässig aktualisiert werden. Weniger wäre mehr! Definitiv. Der Kunde würde es danken, der Umsatz eventuell auch.

Für alle, welche die Bewertung nachvollziehen wollen, empfehle ich einen Besuch der besprochenen Seiten und den Download der ausführlichen Tabelle mit Punktevergaben nach Kategorien.

Viel Spass beim Surfen!

Flaschentester


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Palomar Monastrell Juan Gil 2009, Selection Alexander von Essen

Nachdem meine Woche bisher weintechnisch eher durchwachsen war, möchte ich heute endlich mal wieder eine anständige Flasche entkorken: Alle Mann in Deckung, Marmeladenwein im Anflug!

Nach einem harten Arbeitstag stehe ich fixnudelfertig im Manor. Morgen ist Wochenende, und der gefrässige Blog muss schliesslich auch wieder mal mit Inhalt gefüttert werden. Alles in allem also mindestens tausend gute Gründe, entspannt an einem rotem Traubensaft zu nippen. Da mich Alexanders Weine bisher noch nie enttäuscht haben, greife ich zu einer konischen Flasche mit seinem Namen drauf.

Der Palomar wird aus der Rebsorte Monastrell vinifiziert und in Spanien typischerweise im südöstlichen Jumilla angebaut. Normalerweise wird die Traube zur Herstellung von Cuvées benutzt. Beim Palomar handelt es sich jedoch um einen sortenreinen Rotwein.

Die schwere, massive Flasche lässt den Inhalt bereits erahnen: Der Wein hat doch tatsächlich einen Alkoholgehalt von 14,5%. Ich merke das spätestens, als ich ein erstes Glas auf leeren Magen trinke. Au Backe!

Bereits beim Entkorken der Flasche verströmt der Spanier einen unheimlich intensiven Duft in nächster Umgebung. Eindrücklich. Auch seine Farbe gefällt mir. Er scheint in einem edlen und dichten rubinrot. Etwas Licht scheint jedoch noch durch das Glas. In der Nase halten sich Beeren- und Gewürzaromen die Waage. Auch im Mund findet man eine schöne Balance der Aromen. Der Körper ist unglaublich voll und stabil. Rosmarin, Thymian und rote Beeren, etwas Feige, vielleicht ein Hauch Leder, meine ich zu erkennen. Die Tannine sind angenehm zurückhaltend und sehr gut integriert. Der Abgang ist unendlich lange. Mmh, fein.

Insgesamt kommt der Palomar mächtig, marmeladig und sehr modern daher. Halt eine üppige, schwere Fruchtbombe mit ordentlich Würze. Wie beim Rocca, kann ich auch hier nicht mehr als zwei, höchstens drei Gläser trinken. Dann reicht’s! Der Palomar ist aber auch ohne eine passende Mahlzeit ein Genuss.

Die Entfaltung dieses Weins ist meiner Meinung nach, mehr als von anderen schweren Rotweinen gewohnt, von seiner Temperatur abhängig. Empfohlen werden laut Manor 16 -18 Grad Celsius. Bei 16 Grad ist der Wein aber noch zu verschlossen, und entfaltet höchstens zwei Drittel seines Potenzials. Eine leicht höhere Temperierung unterstützt bei diesem Wein wirklich alle seine positiven Attribute, ohne dass er zerfällt.

Wenn man modernen, fruchtigen Wein mag, sollte man dem Palomar unbedingt eine Chance geben. Der Spanier hält mit seiner Würze auch deftigeren Gerichten stand. Bei uns wurde er zu Penne all’arrabiata aufgetischt und passte hervorragend. Zu kalt mag er es aber nicht. Holt ihn also früh genug aus dem Keller, lasst die Flasche mindestens eine Stunde entkorkt stehen und trinkt den Wein gut temperiert!

Momentan gibt’s ihn bei Manor zum Aktionspreis von Fr. 12.50. Da kann man wirklich nicht viel falsch machen… Also nicht’s wie hin! Ich hol‘ mir morgen gleich nochmals drei Flaschen für meinen bescheidenen Keller.

 

Palomar

Punke: 17/20
Passt zu: Fleisch, Teigwaren, Käse
Preis: Fr. 12.50 statt 16.95

 

Zu kaufen gibt’s den Palomar Monastrell hier.