Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


Hinterlasse einen Kommentar

El Molino 2011

Kampf dem Januarloch: Teil III – Nach dem Riesling-Abenteuer vom letzten Mal gehts heute um einen Rotwein. Die Budgetvorgabe gilt nach wie vor: Mehr als zehn Franken liegen nicht drin. Schliesslich ist’s Januar und Ebbe im Geldbeutel. Vermutlich ist deshalb der Jänner schon in Urzeiten zum Beginn der okzidentalen Fastenzeit erklärt worden. Beweisen kann ich’s nicht, Mutmassen aber schon.

Meine Januarloch-Tour führt mich heute zu Delinat. Der Naturweinhändler hat seit Jahren einen spanischen Roten im Angebot, der sich ziemlich schnell zum Verkaufsschlager gemausert hat. Liest man sich die Kommentare im Online-Shop durch, sind sich die Konsumenten einig: Der El Molino macht was her. Preislich und qualitativ. Das klingt im Originalwortlaut dann so:

„Ein prima Alltagswein, den man aber auch Gästen offerieren kann.“

„Ich finde, dieser Wein ist hinsichtlich Geschmacksfülle und Preis immer einen Kauf Wert. Man möchte und kann ja nicht ständig teure Weine kaufen…“

„Ein klarer einfacher Wein. Schön zu alltäglichen Dingen.“

Das erste Mal ist mir der Molino in einem Wiler Restaurant aufgefallen. Nach einer hitzigen Debatte über die Qualität von Bio-Wein, bestellte dort nämlich einer der Diskussionspartner eine Flasche des El Molinos. Meine jugendlichen Vorbehalte gegenüber preiswerten Naturweinen wurden mit dem ersten Schluck vom Tisch gefegt. Bis zu diesem Tag war ich mir nur von Naturweinen ab zwanzig Franken aufwärts trinkbare Qualitäten gewohnt. Der Naturwein aus La Mancha belehrte mich eines besseren.

Es gibt Fusilli alle Cinque Pi. Für mich ein typisches Alltagsgericht, wenn man abends Kohldampf hat, aber kräftemässig total auf dem Zahnfleisch geht. Es ist schnell zubereitet, die Zutaten sind meistens sowieso vorhanden und es schmeckt. Punkt. Hungrig und etwas müde stehe ich also eines Abends in der Küche. Den Molino habe ich schon mal geöffnet, ein Glas steht neben dem Herd. Während die Pasta so vor sich hinköchelt, nehme ich einen ersten Schluck. Ui, der schmeckt aber gut. Leicht euphorisch gestimmt nehme ich ihn etwas genauer ihn Augenschein.

Windmühle

El Molino: Hurra, ein Naturwein, der das Budget schont und dennoch schmeckt!

Im Glas scheint er Purpurrot mit beinahe schwarzem Kern. Aus dem Glas strömen mir fruchtige Noten entgegen: Etwas Kirsche und vor allem reife Pflaume kann ich erkennen. Ergänzt wird das Fruchtspektrum durch Vanille und Lakritze. – Winterdesserts erscheinen vor dem geistigen Auge. Auch im Mund macht sich eine schöne Fruchtigkeit breit. Habe ich erwähnt, dass es sich um einen Tempranillo handelt? Der Körper ist geradezu fleischig, gleichzeitig aber von leichter Struktur. Die Tannine sind weich, dennoch macht sich im Mund eine leichte Pelzigkeit breit. Mich stört sie aber nicht. Der kurze Abgang gefällt ebenfalls, Neues bringt er jedoch nicht zu Tage.

Delinats Kunden behalten Recht: Der El Molino ist ein geradliniger, angenehmer Bio-Wein von einfacher Struktur. Kein Protz, aber auch kein Prolet. Er positioniert sich irgendwo dazwischen, und das macht er sehr gut. Zur Pasta mundet der Spanier jedenfalls. Er bringt ansprechende Qualität ins Glas und ist dabei gleichzeitig unglaublich preiswert. Wäre ich für die Preisgestaltung verantwortlich, würde er mindestens das Doppelte kosten. Dieser Rotwein wird meiner Meinung nach völlig unter Wert verkauft. Schliesslich ist er Genusswein, Hauswein und sortenreiner Naturwein zugleich. Für manche ein weiterer Pluspunkt: Er wurde vegan produziert. Und auch als ordentlicher Kochwein kann er mühelos herhalten. Alles in allem hat er mich überzeugt. Ich gebe 16 Punkte.

ElMolino2011Punkte: 16/20
Passt zu: Pasta, mediterraner Fleischküche
Preis: Fr. 7.80/75cl (auch als 50cl-Flasche erhältlich)

Kaufen kann man den El Molino hier

Werbeanzeigen


Hinterlasse einen Kommentar

Baron de Rothschild Réserve Spéciale Bordeaux blanc AOC 2011

So, so, ein Rothschild für neun Franken achtzig. Das war mein erster Gedanke. Ich hatte Lust auf Sushi und brauchte noch kurzfristig einen passenden Weisswein. Welcher soll es werden?

Unentschlossen steh‘ ich im Coop vor den Weinregalen, als mir diese Flasche auffällt. Schön sieht er aus, der weisse Bordeaux. In einem hellen Goldgelb leuchtet er mir entgegen. Mein Entschluss ist gefallen, ich geb‘ dem Franzosen mit dem klangvollen Namen eine Chance.

Der erwähnte Baron ist den meisten wohl eher geläufig als verstorbener Besitzer eines der berühmtesten Châteaux der Welt, dem Château Mouton-Rothschild. Nach einer kurzen Recherche auf einer der nervigsten Webseiten seit langem, bestätigt sich mein erster Gedanke, nämlich dass es sich hier um einen Wein des Billig-Labels der Rothschild S.A. handelt. Wie könnte es auch anders sein.

Im Glas wirkt er etwas blass. Ein Bleichschnabel von einem Wein, denke ich mir und halte die Nase tief ins Glas. Es riecht blumig, aber sehr unaufdringlich. Es ist dieses typische Bouquet, welches meiner Erfahrung nach Verschnitte aus Sémillon und Sauvigon ergeben. Auch der im Denner-Sortiment relativ neue Château Bonnet bringt diesen typischen Duft zur Entfaltung. Es riecht nach Frühling, nach einem Potpurri von jungen Blüten, irgendwie mädchenhaft. Das Bouquet ist sehr flüchtig, ein erster Schluck unspektakulär. Der Wein füllt nicht aus, zudem bleibt er oberflächlich, geradezu eindimensional. Hat man ihn geschluckt, hinterlässt er keinen bleibenden Eindruck. Er wirkt wässrig, der Körper zerbrechlich, wenig intensiv, eher wie ein laues Lüftchen. Für Bowlen, die Weisswein-Variante des Aperol Spritz, oder als einfacher Kochwein reicht er aber allemal. Für alles andere ist er nicht zu gebrauchen.

Wenn man den Bordeaux blanc unbedingt kaufen möchte, kann man das hier tun. Ich rate allerdings davon ab.

Punke: 11/20
Verwendung:  Bowlen, Mixgetränke, Kochwein
Preis: Fr. 9.80