Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Compleo Cuvée Noire 2011 – Staatskellerei Zürich

Jenseits der Staatsgrenzen sind vor allem unsere herrlichen Schokoladen und die unzähligen Käsesorten bekannt. – Leider. Denn mehr als 30’000 Winzer bewirtschaften jährlich unzählige Rebflächen im ganzen Land. Ihre Produkte lassen sich mehr und mehr sehen. Und vor allem trinken. Selbst den internationalen Vergleich brauchen viele nicht zu scheuen. Bestes Beispiel: Der hier vorgestellte Compleo. Ein Schweizer Wein zum fairen Preis. – Nicht nur für Steuerflüchtlinge.

Zurück auf Anfang. Bevor der önologische Startschuss ertönt, habe ich den Rotwein kurz im Kühlschrank zwischengeparkt. Der Compleo ist übrigens eine Cuvée aus den drei Sorten Pinot Noir, Diolinoir und Cornalin. Zu welchen Anteilen, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Zu Diolinoir nur so viel, dass es sich um eine relativ junge Züchtung aus den 70er Jahren handelt, welche meist für Verschnitte herhalten muss. Cornalin ist in unseren Breitengraden hingegen wieder bekannter. Die landestypische Traube ist vor allem im Waadtland und Wallis ansässig. Die Zürcher Staatskellerei, der Produzent des Rotweins, gehört seit 1997 zu Mövenpick.

Cheeseburger

Es gibt Burger, Baby!

Auf dem Grill brutzeln bereits vier fette Burger. Meine heutige Essenspaarung. Ich vertraue der Angabe auf der Webseite von Mövenpick. Da steht: Passt zu grilliertem Fleisch. Super! Schliesslich habe ich aufgrund des verspätet eingesetzten Sommers noch einiges an Grillzeit aufzuholen. Endlich sind die Cheeseburger fertig. Erinnerungen an meine Studienzeit werden wach. Endlose Wochenend-Schichten und unzählige Fliessband-Burgerproduktionen bei McDonalds erscheinen vor meinem geistigen Auge. – Ich schenke ein. Der Wein hat dank meiner Kühlmassnahmen 15 Grad erreicht. Die ideale Trinktemperatur. Der Compleo duftet zurückhaltend, aber reichhaltig. Pinot Noir typisch auf jeden Fall. Die Kirsche kommt klar zum Vorschein. Etwas Ledriges, vielleicht Tabakartiges kann ich ebenfalls wahrnehmen. Ferner dunkle Schokolade. Farblich zeigt sich der Wein in einem schönen Purpurrot. Ich nehme einen ersten Schluck. Der Körper ist fruchtig, mittelschwer und von einer außerordentlichen, fast schon klebrigen Üppigkeit. Eine Reminiszenz an viele regionale Blauburgunder und ihre Typizität.

Heute rühre ich – berufsbedingt – die grosse Werbetrommel. Schweizer Wein kann nämlich was! Auch bei 25 Grad im Schatten. Der Wein schmeckt ausgewogen, unkompliziert und ungemein süffig. Zu gegrilltem Fleisch im Brötchen schmeckt er sehr gut. Und auch ohne was Passendes dazu zu essen, kann man ihn problemlos trinken. Problemlos scheint sowieso ein passender Begriff für diesen Wein zu sein. Kein Wunder ist er einer der Schweizer Kassenschlager bei Mövenpick. Einzig auf die Temperatur sollte man achten. Wird’s zu warm, schmeckt er nicht. Natürlich ist er nicht so mächtig und komplex, wie manch sonnengereifter Überseewein. Dem Fleisch hat er aber trotzdem Einiges entgegenzuhalten. Einzig die Würze fehlt ein wenig. Da hätte ich mir, nicht zuletzt aufgrund der verwendeten Traubensorten, einen Hauch mehr erwartet. Nichtsdestotrotz gefällt mir der Zürcher Compleo. Als unkomplizierter Kaminwein, zur Käse-Fleischplatte oder gegrilltem Fleisch passt er ohne Wenn und Aber. Mir schmeckt er. Sehr gut sogar. Es handelt sich um einen schnörkellosen Rotwein aus helvetischer Produktion. Ich gebe deshalb werbewirksame 17 Punkte. Fertig getrommelt.

CompleoPunkte: 17/20
Passt zu: Gegrilltem Fleisch, reifem Käse, gemütlichen Sommerabenden
Preis: ab Fr. 18.50 / € 12.50

Den Compleo Cuvée Noire der Staatskellerei Zürich gibt es bei Mövenpick zu kaufen. Übrigens auch in Deutschland.

 

Dieser Artikel erschien in leicht abgeänderter Form auch auf der Seite meines Blogger-Kollegen Laurens Mauquoi.

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Griechischer Bordeaux !? – Nomis 2007

Griechenland sitzt in der Krise: Die Arbeitslosenquote steigt, das Rentenalter auch. Sozialleistungen werden gekürzt, und Angela sammelt auf ihren Vermittlungsreisen fleissig Bonusmeilen. Da hilft jeder Schweizer Franken, der nach Athen geht. Als Gegenleistung möchte ich keine Euro-Bonds, Staatsanleihen, oder sonstwelches Klopapier. Nein danke. Mein persönliches Programm für Griechenland heisst vielmehr: Wein für Geld.

Wie ich kürzlich bereits getwittert habe, bin ich scheinbar nicht der Einzige, der Griechenland aus der Krise helfen will. Weine aus dem Land der ehemaligen Fussball-Europameister wird immer beliebter. In den Regalen St. Galler Weinhandlungen muss man sich trotzdem gut umsehen, um eine griechische Flasche entdecken zu können. Auf Nachfrage zeigt man mir schliesslich bei Mövenpick eine Auswahl an verfügbaren griechischen Rotweinen. Ich entscheide mich für einen Nomis aus dem griechischen Traditionshaus Tsantalis.

Ohne grosse Erwartungen öffne ich an einem Dienstagabend die Flasche, welche nun schon seit Dezember in meinem kühlen Büro rumsteht. Eigentlich wollte ich sie schon bei einigen anderen passenden Gelegenheiten öffnen. Nun, ist’s halt ein unspektakulärer Feierabend vor der Flimmerkiste. Auch gut.

Griechenland 2

Der Wein wird aus Shiraz und der autochthonen, also regionstypischen Sorte Mavroudi vinifiziert. Der Ausbau findet während sechs Monaten in französischen Eichenfässern statt. Die Lagerfähigkeit wird von Mövenpick mit 2018 angegeben. Nachdem ich die Kapsel entfernt habe, schenke ich ein. Farblich erscheint der Rotwein in einem leuchtenden Purpur. Ich stecke mein Riechorgan ins Glas. Ah, Beeren, Pflaumen, Rosinen, schön. Ich schwenke das Glas, die schwereren Aromen entfalten sich. Was? Nein. Rieche ich richtig? Hm? Na, brat mir einer einen Storch. Hat da jemand einen jungen Bordeaux in eine griechische Flasche abgefüllt? Unglaublich! Nochmals riechen, und nochmals. Es ist immer noch- unfassbar, das Bouquet kommt so was von bordelesque rüber. Es ist diese Terrain-typische Mischung aus Frucht, Würze, Holz und der Keller-Modrigkeit, die so viele Bordeaux im Bouquet unverkennbar zur Geltung bringen. Keine Ahnung, ob’s an den verwendeten 300l-Fässern liegt. An den Trauben kann es jedenfalls nicht liegen. Shiraz und Mavroudi sind bekanntermassen alles andere als Bordeaux-typisch.

Etwas perplex nehme ich sofort einen Schluck. Au backe, ist der lecker. Der erste Eindruck überzeugt mich vollends. Auch der zweite enttäuscht nicht. Da schwingen wunderschöne Aromen von dunklen Beeren, Zimt, Holz, Tabak und Pflaumen im Mund. Eine wahre Symphonie von Geschmäckern. Der Körper ist kräftig, etwas herb, aber mit weichen Tanninen und deutlicher, aber nicht störender Säure. Der Abgang bringt etwas Süsse, aber vor allem eine mit Erdtönen gepaarte Würze. Ich mag den Wein. Er hat Charakter, er hat Ecken und Kanten. Trotzdem attestiere ich dem Griechen Raffinesse und Charme. Er nimmt sofort ein. Auch ohne passendes Essen kann man ihn geniessen. Ich bin mehr als positiv überrascht. Um so besser, dass Mövenpick ihn gerade zum Aktionspreis anbietet. Da kann man nicht meckern. Ein südeuropäisches Schnäppchen für Fr. 12.90. Toll! Ich bin begeistert und gebe 17 Punkte.

Nomis 2007

Punkte: 17/20
Passt zu: Fleischgerichten (gegrillt, gebraten, mit dunklen Saucen)
Preis: momentan Fr. 12.90 statt 18.50

Kaufen kann man den Nomis hier


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Essen & Wein

Ab sofort findet ihr Essenspaarungen zu den in den Artikeln vorgestellten Weinen unter der Rubrik Essen & Wein.


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Féchy Domaine du Martheray 2011

Käse und Wein gehören irgendwie zusammen. Da trifft es sich gut, dass es in unserem Land an beidem nicht mangelt. Ich entscheide mich wieder mal für ein Nationalgericht: Der Rechaud wird aufgebaut, der Caquelon abgestaubt und der Féchy kaltgestellt. Es gibt Fondue, baby!

Draussen liegt Schnee, es ist kalt und ziemlich dunkel. Die ideale Stimmung also um ein Fondue vorzubereiten. Der Käse schmilzt allmählich vor sich hin, das Brot wartet in Würfelform brav im Körbchen auf seinen Einsatz. Im Kühlschrank liegt ungeduldig ein Féchy im untersten Fach.

Féchy ist eine Ortschaft im Kanton Waadt. Die Ortschaft ist das Synonym für Vaudoiser Weisswein schlechthin. Und zwar vor allem für Chasselas, wiederum ein anderer Begriff für Gutedel. Manche kennen ihn auch als Fendant. So etwa in der Türkei, wo die Rebe vor allem als Tafeltraube angebaut wird.

Patron der Domaine du Martheray ist Philippe Schenk, als Winzer fungiert auf seinem Gut seit 25 Jahren Samuel Brocard. Das Weingut umfasst 16 Hektar und konzentriert sich ausschliesslich auf Weissweine. Die Familie Schenk ist im Schweizer Weinhandel kein unbeschriebenes Blatt. Die 1893 gegründete Aktiengesellschaft mit Sitz in Rolle macht jährlich einen Umsatz von mehreren hundert Millionen Schweizer Franken. Ausserdem liesst sich die Familiengeschichte wie ein Krimi.

DomaineDuMartherey

Die Domaine du Martherey in Féchy. Im Hintergrund der Genfersee.

Aufmerksam geworden bin ich auf den Féchy übrigens im Coop. Ich war wieder mal auf der Suche nach prämierten Weinen und der Waadtländer ist eben genauso einer. Beim Grand prix du vins suisse bekam er 2012 eine Goldmedaille. Ein Argument, das mich zum Kauf bewegt. Die Flasche schaut übrigens so gar nicht nach Weisswein aus. Würde nicht Féchy draufstehen, würde ich auf einen Rotwein tippen.

Ich öffne den Drehverschluss und schenke ein: Er scheint in einem blassen Gelb. Aus dem Glas duftet es herrlich fruchtig. Nach Pfirsich und nach Rosen, auch Honig und Schiefer schwingen mit. Es riecht jung, frisch und mineralisch. Im Mund überrascht der Chasselas durch einen sehr fein strukturierten Körper. Von etwas billigeren Fendants bin ich mir Kräftigeres, Kernigeres gewohnt. Dieser hier ist eine schöne Ausnahme. Er wirkt nicht so aufdringlich und plump, sondern bringt das Frühlingsbouqet auch im Gaumen zur Geltung. Der Weisswein hat eine dezente Süsse. Die Säure ist im Verhältnis dazu ausgezeichnet balanciert. Der Körper ist von mittlerem Gewicht, der Abgang schön lange. Er unterstreicht nochmals die Süffigkeit des Weins. Zum Fondue passt der Wein sehr gut, wird aber sicher von rezenteren Käsesorten geschmacklich platt gemacht.

Einen Tag später: Es gibt Zürigeschnetzeltes im Casa Flaschentester. Vom Féchy ist noch was übrig. Und da kommt die Überraschung des Tages: Diese Kombination gefällt mir sogar noch besser, als die mit dem flüssigen Käse.

Insgesamt kann ich absolut nachvollziehen, warum die Juroren dem Waadtländer Weisswein eine Medaille um den Flaschenhals gehängt haben. Der getestete Féchy ist ein fein strukturierter Weisswein, der sich durch seine Vielschichtigkeit angenehm von der Masse abhebt und schlicht geschmacklich überzeugt. Zu dem Preis sowieso. Ich gebe 17 Punkte.

Féchy Domaine Martheray

Punkte: 17/20
Passt zu: Zürigeschnetzeltem, Fondue, Raclette
Preis: Fr. 12.50

Kaufen kann man den Féchy hier


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Château Partarrieu, Sauternes AOC, 2011

Kampf dem Januarloch: Teil I – Ein alljährliches Ereignis erschwert den Genuss. Nein nicht Weihnachten, Silvester und dergleichen ist gemeint, sondern der Umstand, dass in vielen Brieftaschen pünktlich zum Neujahrsbeginn gähnende Leere herrscht. Deswegen auf Wein verzichten? Mineralwasser und Sirup kredenzen? Ne, ne, geht ja gar nicht, so was. Also: Alle Jackentaschen checken, Billettautomaten auskratzen und Geheimfächli im Portemonnaie leeren! Diesen Monat geht’s ausschliesslich um Flaschen unter zehn Franken.

Mein Sparprogramm beginnt im Denner. Auf dessen Homepage finde ich einen Sauternes. Ja, einen Sauternes. Richtig, im Denner. Auch ich habe gestaunt. Denners Wein der Woche wird als 50cl-Flasche verkauft. Es handelt sich um einen 2011er. Produzent ist Château Partarrieu. Noch nie davon gehört? Mir geht es genauso. Nichtsdestotrotz möchte ich wissen, was ich von einem NeunFrankenFünfundneunzig-Noname-Franzosen erwarten kann. Im Netz findet man von Herstellerseite nämlich keine Informationen, nicht mal eine Homepage. – Die Spannung steigt.

Januarloch

Maximalbudget im Januar: Zehn Franken

Nachdem ich fünf Minuten vor Ladenschluss die Flasche bei einem Feierabendreifen Angestellten bezahle, wandert diese zuerst in meine Fahrradtasche und nach kurzer Fahrt schliesslich im Kühlschrank. Einen Tag später ist es dann soweit: Salzige Käsesorten und Brot stehen bereit. Zusätzlich etwas Enten-Mousse, Gurkenscheiben und schwarze Oliven. Ich schenke ein:

  • Farbe: Goldgelb mit erstaunlich sattem Teint für einen derart jungen Sauternes
  • Bouquet: charakteristische Noten von Caramel, Honig, Aprikose, Grapefruit und Birne (?)
  • Mund: etwas plumpe Süsse, Frucht, merklich vorhandene Säure, eindimensionale Struktur, leicht metallischer Anklang
  • Körper: eher leicht, flüchtig
  • Abgang: kurz

Wie schmeckt ein Sauternes für zehn Franken?

Das Fundament fehlt, der Körper lässt Einiges an Intensität und Charakter vermissen und der Abgang ist nicht der Rede wert. Trotzdem schmeckt er nicht übel. Ehrlich! – Klar, verglichen mit einem Doisy-Védrines oder einem Rieussec ist der Partarrieu ein Leichtgewicht. Dennoch ist er sein Geld wert. Es ist ein preiswerter Sauternes für Montag bis Donnerstag. Einer, den man mal eben so öffnen kann, einer der für kleines Geld ordentlich Spass macht, und einer der getrunken und nicht gelagert werden will. Auch solche Weine braucht die Welt. Schliesslich ist es Mittwochabend und die nächsten Festtage lassen auf sich warten. Ich gebe 14 Punkte.

Chateau-Partarrieu-Sauternes 2011Punkte: 14/20
Passt zu: salzigem Käse, Desserts, Foie Gras, Terrinen
Preis: Fr. 9.95/50cl

Kaufen kann man den Château Partarrieu hier


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Domaine La Capitaine Johanniter 2011

Nach der Erkenntnis, dass ich die diesjährigen Spitzenweine des Grand Prix du Vin Suisse nirgends in der Stadt auftreiben kann, entscheide ich mich einen Weisswein zu kaufen, der letztes Jahr das Siegerpodest in der Kategorie Bio-Wein erklommen hat. Die Rede ist vom Westschweizer Johanniter aus der Domaine La Capitaine.

Aufmerksam werde ich auf den Johanniter in der blauen Flasche, als ich lese, dass er am GPDVS bereits dreimal in Folge zum besten Bio-Wein der Schweiz gekürt worden ist. Dabei stammt der vegan erzeugte Wein aus einer Region, welche vor allem für Chasselas bekannt ist. Trotzdem wagte der Waadtländer Winzer Reynald Parmelin das Experiment mit der seltenen Rebsorte. Beim Johanniter handelt es sich um eine relativ junge Züchtung aus dem Jahr 1968. Um eine höhere Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten zu erreichen, wurden damals Riesling, Ruländer, Gutedel und Seyve-Villard gekreuzt. Mit Erfolg, so viel steht fest.

Die Nase erinnert ein wenig an einen leichten, nicht allzu süssen Dessertwein: Pfirsich, Ananas, weisser Pfeffer, Erde, reife Früchte. Nach einem ersten Schluck bin ich relativ perplex. Wie soll man das beschreiben? Der erste Eindruck ist etwas süsslich, lieblich. Gleichzeitig vermischen sich unglaublich viele verschiedene Facetten. Eine farbenfrohe Palette an Geschmäckern breitet sich im Mund aus. Es scheint als ob eine erste blumige Dimension durch eine zweite, komplexere abgelöst wird, bevor sich dann – quasi zum Finale – eine fruchtige Süsse ausbreitet. Es ist ein wahrer Bazar an Geschmäckern. Pfirsich, Honig, Holunder, Grapefruit, Würze und Stein (so stelle ich mir Stein jedenfalls vor) kann ich schmecken. Bestimmt ist das Spektrum noch grösser, mein ungeschulter Gaumen streicht an dieser Stelle aber die Segel. Tschuldigung.

Curry

Das Curry war super, die Kombination mit dem Wein leider nicht.

Er ist ein spannender Wein, der Johanniter. Einzig die Essenspaarung bereitet mir etwas Kopfschmerzen. Zu Käse passt er sehr gut, dann wird’s aber schon schwieriger. Delinat schlägt Grilladen und asiatisch angehauchte Gerichte vor. Bei uns gab’s indisches Lammcurry. Dazu passt der Waadtländer nicht*. Der Kulturclash scheint zu gross. Genfersee und Neu Delhi liegen eindeutig zu weit auseinander. Das mit den Grilladen kann ich mir hingegen bildlich vorstellen. Leider konnte ich diese Paarung nicht ausprobieren. Schliesslich war der Samichlaus letzte Woche unterwegs, im Normalfall ein untrügerisches Zeichen dafür, dass die Grill-Saison definitiv vorbei ist.

Mir macht der Bio-Wein Spass. Der Preis für die geschmackliche Wundertüte beträgt 22 Franken und ist durchaus angemessen. Wer Lust auf einen komplexen, nicht alltäglichen Schweizer mit ganz eigenem Charakter hat, sollte zugreifen. Mir gefällt er jedenfalls.

Johanniter

Punkte: 17/20
Passt zu: Käse, Grilladen (?)
Preis: Fr. 22.-

 

Den Domaine La Capitaine Johanniter 2011 gibt es hier zu kaufen.

 

 

 

* P.S. Ein Riesling wäre definitiv die bessere Wahl gewesen.


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Frauenpower: Château Thieuley Bordeaux blanc

Thieuley blancJa, ja, schon klar: Der Thieuley blanc der Geschwister Courselle ist für viele bestimmt ein alter Hut. Aber wie das mit alten Hüten manchmal so ist: Einmal in Form gebracht, zieht man sie immer wieder gerne an. Obwohl ich kein ausgesprochener Hutträger bin, geht es mir so oder so ähnlich mit dem Thieuley blanc.

Schwander bietet ihn an, in Artikeln der NZZ konnte man den Franzosen schon mehrmals finden und auch im Hotel Säntispark steht er auf der Weinkarte. Der Weisswein von Sylvie und Marie ist beliebt. Und das zu Recht.

Es war im Jahr 1972, als Vater Francis Château Thieuley übernommen hat. Das Weingut liegt zwischen Créon und La Sauve im Entre-Deux-Mers. Unter Francis‘ Führung vergrösserte sich das Weingut von vier auf 80 Hektare. Heute gehören dazu insgesamt drei Liegenschaften samt Parzellen: Château Thieuley, Clos Sainte Anne und Château Saint Genès. Inzwischen führen Courselles Töchter, Marie und Sylvie, den Betrieb selbständig. Die Gutsbetreiberinnen bringen unter dem Label Château Thieuley jährlich 382’000 Flaschen Rot-, Weiss- und Roséwein in den Vertrieb. Der Bordeaux blanc macht dabei mit 180’000 Abfüllungen knapp die Hälfte aus.

Aus ihren Produktionsmethoden machen die Courselles kein Geheimnis:

1. Skin contact form 12 to 24 hours
2. Pneumatic press under Nitrogen (new technology)
3. Cold settling and on lies for 8 days
4. Alcoholic fermentation in stainless steel tanks at low temperature (16°C to 18°C)
5. Ageing on lies for 3 months in tank.

Sehr sympathisch, diese Transparenz. Der Weisswein wird also nicht im Holzfass ausgebaut, sondern verbleibt im Stahltank. Basis und Erfolgsrezept für den Thieuley blanc ist aber vor allem die richtige Mischung aus Sauvignon blanc, Sauvignon gris und Sémillon.

Begleitet wird der Franzose heute von einem Japaner: Es gibt Sushi. Ich schenke ein. Im Glas erscheint er in hellem goldgelb. Das Bouquet duftet nach Karibik, Südsee, Exotik. Ich meine folgende Noten zu erkennen: Birne, Mango Ananas, Blüten, Holunder, Honig. Es riecht spannend! Im Mund dann ein schöner Säuregrad, gemischt mit der Fruchtigkeit der Nase. Der Wein ist leicht, verspielte Aromen machen sich breit. Man hat Sommer im Mund. Für alle, die Lust haben, sich mit Weisswein, den nächsten Juli herbeizutrinken, also der richtige Tropfen. Der Körper ist filigran aber nicht zerbrechlich, der Abgang ist von mittlerer Länge, aber ordentlich Breit. Da suchen sich alle Aromen nochmals ihren Weg durch Nase und Gaumen. Der Wein hat eine ganz eigene Note und somit einen hohen Wiedererkennungswert. Den gibt’s nicht zweimal, den Thieuley.

Sushi zum Thieuley

Maximal-Exotik zu Hause: Sushi und Thieuley blanc

Der Thieuley blanc ist ein frischer Weisswein, der Laune macht. Geschmacklich lässt er zum Beispiel Denners Château Bonnet meilenweit hinter sich. Da lohnt es sich, drei Franken mehr auf die Theke zu legen. Man kriegt schliesslich ne Menge Wein für wenig Bares. Für den Individualisten der Geschwister Courselle gebe ich stolze 18 Punkte. – Wer noch nie weissen Bordeaux probiert hat, sollte mit diesem beginnen.

Château Thieuley Bordeaux blanc 2010

Der Château Thieuley Bordeaux blanc ist hier erhältlich.

 

Punkte: 18/20
Passt zu: Apéro, Fisch, Meeresfrüchten
Preis: Fr. 12.80

 

 

 

 

P.S. Und für alle, welche Angst haben, sich ohne phonetische Starthilfe beim Weinhändler zu blamieren: Thieuley = Thi-Öö-Lää