Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Château Tour de Mirambeau Rosé 2010

Der Valentinstag rückt näher. Auch dieses Jahr wird der Tag der Liebenden die Allgemeinheit in drei Gruppen spalten: Die einen interessiert er nicht, die anderen sehen ihn als Bestätigungsakt ihrer Beziehung und die letzten nehmen ihn zähneknirschend zur Kenntnis, weigern sich aber, einen verkommenen, weil von Händlern instrumentalisierten, Brauch zu würdigen. Ich seh’s pragmatisch. Als Anlass schön zu kochen und Wein zu trinken taugt er alleweil. Die Liebe blüht – hoffentlich – auch an anderen Tagen.

Ganz ehrlich: Ich kann mich nicht erinnern, wann und wo ich den letzten Rosé getrunken habe. Lang lang ist’s her. Irgendwie habe ich dieses Zwischending von Wein sowieso nie ganz ernst nehmen können. Mal schauen, ob sich das ändert. Ich bin guter Dinge. Schliesslich habe ich für mich persönlich den Februar zum Rosé-Monat erklärt. Alles angeschnallt, ein neues Special beginnt!

Herz

Die Weine mit der zarten Farbe sind stark im Kommen. Das sagt auch die Statistik. Und die lügt bekanntlich selten. In Deutschland ist nämlich bereits jede zehnte getrunkene Flasche ein Rosé. Vor einigen Jahren brachte es dieser gerade mal auf maximal zwei Prozent Marktanteil. Heute sind es fünfmal mehr. Meine erste Frage lautet daher nicht, kauft denn jemand überhaupt Rosé, sondern wie wird dieser hergestellt?

Ganz einfach, theoretisch zumindest: Man nimmt rote, seltener auch blaue Trauben. Diese werden zunächst erst einmal zermahlen (gemaischt). Nach ein paar Stunden wird ein Teil des Safts von der Maische getrennt. Das Verfahren wird auch Saignée genannt. Der Rosé entsteht quasi als Nebenprodukt von Rotwein. Die Weiterverarbeitung erfolgt wie bei Weissweinen. Das einfachere Mischen von Rot- mit Weissweinen ist übrigens bei der Rosé-Herstellung – in Europa – nicht zulässig. Diese Methode bleibt ausschliesslich Rosé-Schaumweinen vorbehalten. So, das wäre geklärt. Weiter im Text:

Mein Rosé-Special beginnt mit einem klangvollen Namen. Vor mir steht eine Flasche Château de Mirambeau. Erhältlich ist dieser bei Mövenpick. Eben dort hatte ich kürzlich die Qual der Wahl zwischen einer Flasche vom 2010er, oder einer 2011er. Wie hättest du entschieden? Genau, das dachte ich mir auch, und nahm den 2010er.

Das Château ist seit über 250 Jahren im Besitz der Familie Despagne. Auch die ersten Reben wurden in dieser Zeit auf den lokalen Stein- und Lehmböden bereits angebaut. Zu Beginn wurden zwanzig Hektare bewirtschaftet, heute sind es siebzig. Das Schloss liegt im Entre-Deux-Mers, zwischen den Flüssen Garonne und Dordogne. Geführt wird es von Thibault Despagne, als Kellermeister zeichnet sich Joe Elissalde verantwortlich. Der Alkoholgehalt des Rosés beträgt 12%. Vinifiziert wurde er aus Cabernet Sauvignon, also aus roten Trauben.

Beginnen wir mit der Farbe: Der Franzose zeigt sich in einem mittelkräftigen Rosa, beinahe schon lachsfarben. Schön schaut er aus. Das Bouquet bringt Zitrusfrüchte, Veilchen, Lavendel, Frühlingsblumen, Gras. Es richtig zudem vor allem nach schwarzen Beeren. Auch einen Hauch von Erdbeere, Honig, und reifer Melone kann ich erkennen. Streckenweise werden Erinnerungen an den überaus exotischen Thieuley wach. Im Mund vereinen sich alle Komponenten erneut zu einem komplexen, äusserst fruchtigen und erfrischenden Wein. Der Rosé hat etwas Provencales. Ständig schwingen diese feinen, aber überaus konzentrierten Kräuteressenzen mit. Der Körper ist leicht. Der relativ kurze Abgang bringt Zitrussäure und ist etwas herb.

Der Château de Mirambeau ist ein gelungener Rosé. Er ist frisch, er ist interessant, er schmeckt. Er passt zu Fisch, Thai-Curry, wie auch Kalbfleisch-Gerichten. Als Apéro bei sommerlichen Temperaturen macht er sicher ebenfalls eine gute Figur*. Bis dahin dauert’s aber noch einige Monde. Auf der Schattenseite stehen die ein wenig zu dominante Zitrussäure, so wie der leicht sperrige Abgang. Der Preis stimmt allerdings. Ich gebe 16 Punkte.

Château Tour de Mirambeau Rosé 2010

Punkte: 16/20
Passt zu: Fisch, Kalb, asiatischen Gerichten
Preis: momentan Fr. 13.80

Kaufen kann man den Rosé hier

*P.S. Für den optimalen Genuss empfiehlt sich eine Trinktemperatur von 9 – 13 Grad Celsius. Die Aussentemperaturen dürfen gerne auch über 25 Grad liegen.

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Essen & Wein

Ab sofort findet ihr Essenspaarungen zu den in den Artikeln vorgestellten Weinen unter der Rubrik Essen & Wein.


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So much love for Deidesheim

Auf einer Radtour durchs schöne Vorarlberg werden wir letztes Jahr beinahe vom Blitz getroffen. Todesmutig trotzen wir den lokalen Naturgewalten und entdecken ein ursympathisches Lokal und seine Weine. – „Wie kommt er aber vom Vorarlberg nach Deidesheim in der Pfalz?“, wird sich mancher fragen. Etwa mit dem Radl? Nein, mit dem Gaumen liebe Freunde, mit dem Gaumen…

Die österreichische Nahtoderfahrung noch in jedem Nackenhaar spürend, verschlägt es uns in die nächst grössere Ortschaft. Total erschöpft und klatschnass machen wir in Feldkirch Halt. Nach langem hin und her ergattern wir eines der letzten freien Doppelzimmer in einem der Altstadthotels und machen uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Dem verzweifelten Durchwühlen von ortsansässigen Mülltonnen nahe, werden wir zufällig auf ein Lokal aufmerksam. Es ist klein und relativ unscheinbar. Sein Name ist St’ill. Ein Glückstreffer, wie sich schon kurz darauf herausstellt.

Klein und fein gibt es sich, das Restaurant an der Ill. Vornehme Zurückhaltung findet man auch beim Personal. Freundlich werden uns zwei Plätze angeboten. Die Angestellten bringen’s im Schnitt auf geschätzte 30 Lenze. Jung und frisch wirkt auch die Philosophie des Restaurants. Sie gefällt uns auf Anhieb. Ich sag‘ nur saisonal, regional, Bio. Sehr schön! Selbst die Weinkarte nimmt darauf Rücksicht. Kein Wein wird mehr als 500 km nach Feldkirch gekarrt; sagt mir meine Erinnerung. – Dass diese nicht immer die zuverlässigste ist, erwähnte ich woanders schon. – Doch zurück zum Thema: Der Weinkeller bietet ausschliesslich Bio-Weine. Dem Personal fliegt unser Vertrauen – quasi von Minute Null an – entgegen, und wir entscheiden uns für ein mehrgängiges Abendessen mit passender Weinbegleitung.

Zum Essen nur soviel: Es ist fantastisch, was uns geboten wird. Geschmacklich, optisch und preislich. Auch die Weine schmecken uns ausgesprochen gut. Ich frage daher am Ende des Abends, ob man uns die zu den einzelnen Gängen gepaarten Traubensäfte nochmals nennen könne. Wir kriegen umgehend eine handschriftliche Liste. Toll! Vielen Dank. Eine Name steht zuoberst: Reichsrat von Buhl.

Deidesheim

Der Innenhof des Deidesheimer Weinguts in der Pfalz

Und zwar der 2010er Riesling Kabinett. Armand heisst er. Zu Hause angekommen, bestelle ich euphorisch sofort zwölf Flaschen davon im deutschen Deidesheim. Schliesslich entkommt man nicht jeden Tag den Launen der Natur. – Das war vor einem Jahr. Der Kabinett hat mich aber auch zu Hause nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Der Riesling passt zum Beispiel hervorragend zu würzigen, asiatischen Gerichten. Ein paar Monate später – Verzollungskosten hin oder her – gönne ich mir zusätzlich noch eine Kiste des halbtrockenen 2011er Rieslings namens Julie. Auch dieser ist jeden Cent wert. – Verdammt, die aus der Pfalz haben das echt drauf mit dem Riesling. Es handelt sich zwar nur um einen günstigeren Gutswein, aber auch dieser schmeckt mir sehr gut. Import und Verfügbarkeit hin oder her, Von Buhl ist klasse! „Ich muss unbedingt mal die Weine der Grossen Gewächse checken“, denk ich mir und schenke nochmals ein Glas vom Julie ein.

Schade gibt’s die Weine nicht bei uns zu kaufen. Der UPS möchte ich echt nicht noch mehr Kohle nachwerfen müssen! Aber nächsten Sommer geht’s nach Deutschland in den Urlaub. Garantiert. Und dann werden wir seh’n, wie viele Kisten Riesling ich in den guten, alten Skoda reinkriege. Vier oder fünf müsten’s schon sein, mindestens…