Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Essen & Wein

Ab sofort findet ihr Essenspaarungen zu den in den Artikeln vorgestellten Weinen unter der Rubrik Essen & Wein.


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Mach mal Dampf!

Kochen, Braten, Grillen, Blanchieren, Frittieren, Pochieren, Sautieren, Schmoren. Die Liste der möglichen Zubereitungsarten ist lang. Eine Methode ist dabei besonders schonend und bringt den Eigengeschmack des Zubereiteten unglaublich schön zur Geltung: Das Garen. Da auch der Spassfaktor nicht zu kurz kommt – schliesslich darf man die Zutaten nicht nur garen, sondern auch einpacken -, bin ich schon seit längerer Zeit ein begeisterter Anwender dieser sanften Zubereitungart. Schuld daran ist ein Buch. Es trägt den Titel Eingepackt & sanft gegart. Geschrieben hat es Sandra Mahut.

Ja richtig, heute geht es also einmal nicht um Wein, sondern um’s Kochen. Eigentlich war ich ja auf der Suche nach einem Weinratgeber, als ich im Rösslitor ein Kochbuch entdecke. Beim Durchblättern fallen mir vor allem die schönen Abbildungen der darin enthaltenen Rezepte auf. Sie sind das Werk der französischen Fotografin Nathalie Carnet. Bereits das Titelbild ist ein Eyecatcher. Da liegen nämlich verschiedene Gemüse in Pergament eingepackt auf einem Backblech. Das mit dem Einpacken hat mich schon immer interessiert. Es sieht schön aus, hat etwas Überraschendes und verlangt ein wenig Aktivität vom Gast. Mein Interesse ist geweckt. Sowas will ich auch zubereiten können.

Das Buch erschien 2012 beim deutschen Christian-Verlag. Barbara Holle hat es aus dem Französischen übersetzt. Nach einem kurzen Vorwort wird der Leser von der Autorin in die Technik des Faltens und des Garens eingeführt. Die Methode ist denkbar einfach: Ein feuerfestes Papier wird mit Öl bepinselt, alle Zutaten, inklusive Gewürze darauf gelegt, Flüssigkeit (Bouillon, Wein, Jus) darübergegeben, das Papier samt Inhalt zu einem geschlossenen Päckchen gefaltet und im vorgeheizten Ofen sanft gegart. Alle erforderlichen Materialien werden von Mahut detailliert vorgestellt. Dann erhält man kurze aber völlig ausreichende Erklärungen zu den verschiedenen Päckchenarten und Falttechniken. Die Illustrationen auf der gegenüberliegenden Seite räumen dann – wie auch später bei den Rezepten – letzte Unklarheiten aus. Noch kurz nachgelesen, welche Flüssigkeiten in die Päckchen kommen und bei welcher Temperatur der Herd arbeiten soll und schon kann’s losgehen.

Kochpapier

Mein Pergament-Ersatz: Tangan Nr. 35 Kochpapier aus der Migros

Zugegeben, erst war ich ein wenig skeptisch. Ein Kochbuch mit schönen Bildern und ziemlich kurz gehaltenen Rezepten, kann das gut gehen? Mittlerweile sehe ich genau darin die Stärke dieses Buches. Aufgrund der Illustrationen kann ich schonmal optisch eine Vorauswahl treffen. So nach dem Motto: Worauf habe ich denn heute Lust? Da die Zubereitungsmethode eigentlich für alle Rezepte diesselbe ist, können logischerweise auch die Erklärungen jeweils kurz gehalten werden.

In der Zwischenzeit habe ich mich bereits durch etwas die Hälfte des Buches durchgegart. Nicht einmal wurde ich enttäuscht. Egal ob Fisch-, Fleisch- oder Gemüse, die Gerichte schmecken stets frisch, unverfälscht und herrlich intensiv. Voraussetzung sind – wie eigentlich immer beim Kochen – hochwertige Ausgangsprodukte. Einzig die Garzeiten mussten bei unserem Herd leicht nach unten korrigiert werden. Zusätzliche Pluspunkte: Die Optik der Speisen gefällt und den Gästen macht es Spass, einen Gang selbst auszupacken. Hier spielt der Überraschungseffekt eine grosse Rolle. Man kann schon fast von Event-Essen sprechen. Natürlich kann man die Gerichte auch einfach auf einem Teller und nicht im Päckli servieren. Sehr schön sind zudem die passenden Saucenrezepte und die im Kapitel Extras & Desserts aufgeführten Würzmischungen und aromatisierten Butter. Einzig die Desserts konnten in der Praxis nicht ganz überzeugen. Vielleicht liegt’s daran, dass ich kein grosser Freund von warmen Früchten bin.

Die Gemüserezepte machen ungefähr einen Viertel aller Gerichte aus. Das Buch ist also bedingt auch für Vegetarier geeignet. Die Zubereitungsmethode sowieso. Kann man doch so ziemlich alles in Pergament einwickeln und garen. Auch das Register überzeugt. Es bietet nämlich zusätzlich eine Zusammenstellung der Rezepte nach Hauptzutaten. Möchte ich zum Beispiel eine Tomatenspeise zubereiten, finde ich so gleich 16 verschiedene Vorschläge zu Gerichten mit Tomaten. Sehr schön!

Fazit: Bei Eingepackt & sanft gegart handelt es sich um ein äusserst schönes Kochbuch. Die Rezepte sind einfach nachzukochen, regen zu Eigenkreationen an und sind wunderschön illustriert. Inhaltlich werden Fisch-, Fleisch- Gemüse- und Dessertrezepte geboten, wobei für mich vor allem die Fischgerichte das Highlight darstellen. Ausserdem findet man sehr leckere Vorschläge für Saucen, Gewürzmischungen und Butter in allen Varianten; von traditionell bis asiatisch, von würzig bis süss. Voraussetzung für ein gutes Gelingen sind einmal Kochpapier, eventuell auch Küchenschnur, und vor allem hochwertige und frische Zutaten. Die optimale Anpassung der Garzeiten erfordert ein wenig Erfahrung. Nach zwei, drei Gerichten hat man den Dreh aber spätestens raus.

Selten habe ich so schnell, so gute Gerichte auf den Tisch zaubern können. Ich gebe 20 Punkte.

Eingepackt-und-sanft-gegart

Punkte: 20/20
Passt zu: Experimentierfreudigen Hobbyköchen, Fischliebhabern, Vegetariern
Preis: Fr. 29.90

  • ISBN-10: 3-86244-125-3
  • EAN: 9783862441259
  • Erscheinungstermin: 16.02.2012
  • Verlag: Christian
  • Einband: Taschenbuch
  • Erhältlich im Rösslitor


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Primitivo, Selezionato per Grands Vins Globus 2009

Kampf dem Januarloch: Teil IV – In der Flimmerkiste läuft endlich mal was Gescheites. Lilyhammer heisst die neue Serie. In dieser tritt Steven Van Zandt, seines Zeichens Gitarrist der E-Street Band, erneut – nach seinem Schauspiel-Debut bei den Sopranos – als Klischee-Mafioso in Erscheinung. Diesmal sogar in der Hauptrolle. Schauplatz ist die ehemalige Olympiastadt Lillehammer. Alles dreht sich also um einen Italiener im Schnee. Das gefällt mir. Nach der Fondue-Exkursion vom letzten Mal, gibt’s darum heute auch eine Bolognese, dazu einen Primitivo. Irgendwie muss man schliesslich auch im verschneiten Jänner ab und zu für etwas südeuropäisches Flair sorgen.

Wir nähern uns langsam aber stetig dem Ende des Monats. Trotzdem bleibe ich auch heute meiner Budgetlinie treu und mache mich auf die Suche nach einem vernünftigen Wein unter zehn Franken. Fündig werde ich im Globus. An einem Donnerstag – es ist Abendverkauf – zwänge ich mich in den kleinen Weinkeller. Da treffe ich auf einen freundlichen Verkäufer und vier weitere Kunden. Es wird eng. Meine Augen schweifen über die Regale. Fast greife ich mir eine Flasche vom herrlichen Quercegobbe. Ein paar Regale weiter finde ich einen Rieussec. Ich meine es war ein 2005er. Ein herrlicher Jahrgang. Die Versuchung ist bei beiden gross.

Zuunterst in den Regalen stehen die billigsten Flaschen. Wie könnte es auch anders sein. Im Regal mit den Italienern sehe ich einen Salice Salentino und eben den Primitivo. Beide kosten gleich viel. Ich entscheide mich für letzteren.

Lilyhammer

Steven van Zandt: Ein Gitarrist spielt Mafia.

Die Flasche fällt auf: Das Design der Etikette erinnert mich ein wenig an die Hefte meiner Grundschulzeit und der Korken ist mit Wachs versiegelt. Sehr speziell. Der Wein ist nur bei Globus erhältlich. Beim vorliegenden Primitivo handelt es sich nämlich um eine Sonderselektion der Brüder Zanolari bzw. ihres Vertriebs Plozza Vini. Die Zanolaris sind eigentlich bekannt für ihre Weine aus dem Veltlin. Der Primitivo stammt aber aus Apulien, also Süditalien. Es handelt sich um einen 2009er. Übrigens ein sehr guter Jahrgang.

Die Bolognese köchelt schon seit zwei Stunden vor sich hin, die Pasta ist ebenfalls fertig.  Der Primitivo, übrigens ein Synonym für Zinfandel, steht bereit. Dekantiert habe ich ihn nicht. Ich schenke ein. Das Essen kann beginnen. Währenddem Steven Van Zandt alias Frank Tagliano in Schneeschuhen über den Schirm stapft, halte ich mein Riechorgan ins Glas: Es riecht erstmal würzig und auch fruchtig. Ich erkenne Paprika, Nelke, Anis, Pfeffer und Sprit, Johannisbeeren und einen fast schon aufdringlichen Barrique-Ton.

Was kann man von einem Neunfrankenneunzig-Wein erwarten, frage ich mich. Nach dem ersten Schluck ist klar: Ziemlich viel.

Ähnlich wie beim Molino, werde ich auch vom Primitivo positiv überrascht. Der Rotwein schmeckt auf Anhieb. Der Italiener ist durchaus vielschichtig. Der Körper hat Saft und ist elegant. Er wirkt nicht hart, nicht sauer, nicht trocken. Es ist ein zarter, feiner und fruchtiger Wein, der zugleich würzige Komponenten integriert. Der Abgang ist ebenfalls sehr interessant. Weich, harmonisch und lange sind hier die passenden Attribute. Der Wein ist zudem süffig und verleidet nicht. Nach einem Teller Pasta trinke ich noch zwei weitere Gläser. Das könnte den ganzen Abend so weiter gehen, das mit dem Trinken. Aber am nächsten Tag muss ich früh raus. Darum wandert die halbvolle Flasche auch in den Kühlschrank. Schade.

Der Primitivo der Brüder Zanolari ist ein grundsolider Wert. Für Fr. 9.90 kriegt man wirklich einen mehr als ordentlichen Wein ins Glas. Wer auf der Suche nach einem Italiener zu Pasta, Pizza oder italienischen Fleischgerichten ist, aber nicht zu viel Bares auf die Theke legen möchte, sollte zugreifen. Ich gebe verdiente 16 Punkte.

Primitivo, Selezionato per Grands Vins Globus 2009

Punkte: 16/20
Passt zu: Pasta, Pizza, Osso bucco
Preis: Fr. 9.90

Kaufen kann man den Primitivo hier


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Z wie Zambujeiro

Draussen ist es kalt und nass. Zeit für eine Flasche Roten aus wärmeren Gefilden. Die Reise geht heute nach Portugal, direkt zu einem Schweizer. Emil Strickler heisst der Mann, der sich in dreizehn Jahren an Portugals Spitze kelterte. Alexander von Essen hat diesem einen Sondertropfen abgerungen. Zum Glück.

Der Rotwein mit dem schicken Etikett kommt von einem relativ kleinen Weingut in Zambujeiro nahe Borba. Die Ortschaft liegt 170 Kilometer südöstlich von Lissabon entfernt und befindet sich in der Region Alentejo unweit der spanischen Grenze. Quinta ist übrigens das portugiesische Wort für Weingut. Stricklers Quinta umfasst 21 Hektar an eigenen Reben, zehn zusätzliche Hektar werden dazugemietet. Sie stehen auf durchlässigen Schieferböden. – Das Thema Schiefer hatten wir erst vor kurzem ja schon einmal, allerdings bei einem Riesling. Auch beim Portugiesen schlägt sich das Terroir mineralisch im Wein nieder.

Borda, Alentejo, Portugal, Europa

Borda, Alentejo, Portugal

Der Quinta do Zambujeiro Z ist, wie eingangs erwähnt, eine Spezialabfüllung für die Selection Alexander von Essen*. Der Wein wurde zwölf Monate lang im Barrique ausgebaut. Übrigens ist es kein sortenreiner, sondern ein Blend aus Aragones (= Tempranillo), Touriga Nacional, Trincadeira sowie – laut Produzent – einem kleinen Anteil Cabernet Sauvignon. Damit ist der Z traubenmässig an den Star des Hauses angelehnt. Dieser wird nämlich aus denselben autochthonen, protugiesischen Traubensorten hergestellt. Einzig den Cabernet-Anteil lässt man bei jenem weg. Als Önologe zeichnet Alain Bramez verantwortlich. Auf der Quinta wurde der erste Wein unter Schweizer Hand übrigens vor rund 13 Jahren gekeltert. Strickler ist also noch nicht sehr lange im Geschäft. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Quinta do Zambujeiro qualitativ bereits zu den Top Five unter Portugals Produzenten gezählt werden darf. Mit ein Grund ist sicher, dass die Erträge klein gehalten werden und streng von Hand selektioniert wird.

Dieser Umstand macht mich neugierig. Lassen sich diese Qualitäten auch auf die Spezialabfüllung übertragen? Nach dem Öffnen der Flasche dekantiere ich den Wein und lasse ihn zwei Stunden atmen. Schliesslich schenke ich ein: Er ist rubinrot. Die Nase ist fulminat. Es riecht, als ob man seine Nase in ein süsses Erdbeerenfeld halten würde. Ergänzt wird das Bouquet durch etwas Leder, Holz, erdige Nuancen. Meine Hoffnung wächst. Im Mund schwingen zusätzlich auch dunkle Beeren, Paprika und mineralische Noten mit. Ausserdem bilde ich mir ein, etwas Rauchiges erkennen zu können. Der Z ist Wein gewordener Hüne mit einem kräftigen Körper. Trotzdem ist er komplex und nicht bullig. Mit seinem endlosen, schmelzigen Abgang bietet er ein aussergewöhnliches Wein-Erlebnis zum moderaten Preis.

Es erstaunt nicht, dass sämtliche Zambujeiros von Parker stets 90 und mehr Punkte erhalten haben. Auch der Z passt absolut in das Beuteschema des amerikanischen Weinkritikers. Da hat man wirklich eine Fruchtbombe im Glas. Das Beste daran: Chile, Argentinien und Südafrika bleiben aussen vor. Wir bleiben in Europa und ich meiner Linie treu. Im Promo-Video wird Alentejo übrigens mit Kalifornien verglichen. Nicht zu unrecht: Der Zambujeiro könnte genauso gut im Napa Valley gekeltert worden sein. Man schmeckt förmlich die vielen Sonnenstunden.

„Leicht war gestern, heute wird geklotzt!“, scheint einem der Rotwein entgegenzurufen. Eigentlich ist es mehr ein Schreien, ein lautes, unüberhörbares. Er ist rund. Er ist fett. Er hat Frucht. Darum muss ein herzhaftes Stück Fleisch auf den Tisch. Sofort! Denn eine alternative Essenspaarung kann ich mir kaum vorstellen. Oder man geniesst ihn einfach so. Fruchttrinker werden ihn lieben. Garantiert. Ich gebe 18 Punkte.

"Z" Quinta do Zambujeiro

Punkte: 18/20
Passt zu: Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch (Rind, Schwein)
Preis: Fr. 19.95

 

Den Quinta do Zambujeiro Z gibt es hier zu kaufen.

 

 

 

 

 

* Meine These erhärtet sich: Alexanders Selektion war einmal mehr eine gute Wahl.


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Zu den Italienern an die Poststrasse: Elvio Cogno – Montegrilli DOC 2010

Martel ruft unter dem viel zitierten Satz „La vita è bella“ diesen Monat ein italienisches Wein-Festival aus. Brav warten daher südeuropäische Rot- und Weissweine im Schaufenster auf ihre Käufer. Damit sich das Lammrack heute Abend nicht allzu einsam fühlt, nutze ich die Gunst der Stunde, und hole mir einen dazu passenden Piemonteser.

Eines vorweg: Seit langem wurde ich nicht mehr so sympathisch und aufmerksam bedient, wie heute Morgen bei Martel. Auch als Dilettant kommt man sich an der Poststrasse nicht einen Moment lang deppert, oder gar fehl am Platz vor.

Spontan betrete ich also die Weinhandlung. Auf die Frage nach einem italienischen Rotwein, passend zu Lamm, und in der Preisklasse bis 25 Franken, schlägt die Verkäuferin mir den Lasarin, oder den – ebenfalls aus dem Piemont stammenden – Montegrilli vor. Bedient werde ich von derselben Lady, die mich letztes Mal auf den sehr schönen Riesling von Bründlmayer hingewiesen hat. Sie bietet mir an, die von ihr vorgeschlagenen Rotweine zu degustieren. Martel hat zu diesem Zweck, eine in die Wand eingelassene „Degustiermeile“, bei der per Knopfdruck, Wein ins Glas fliesst. – Ich bin tief beeindruckt. Damit ich mich vor dem Degustieren noch meines Schweizer Markenkaugummis stilvoll entledigen kann, wird mir netterweise ein Kleenex gereicht.

Etwas peinlich ist es mir schon, das mit dem Kaugummi…

Item, ich kriege ein Glas und nehme erst einen Schluck Wasser, dann koste ich vom Lasarin. Beim Schnüffeln werden Erinnerungen an einen Pinot Noir wach. Nach nur einem Schluck steht für mich aber fest: Den mag ich nicht. Er ist mir zu leicht, und schmeckt wie ein durchschnittlicher Landwein. Zu 0815 für meinen Geschmack. Die Tannine sind zu dominant und der Körper zu schwach. S’ist halt einer für Montag bis Donnerstag. Heute ist aber Freitag, und mein Lamm braucht sowieso was Kräftigeres. Weiter geht’s also mit dem etwas teureren Montegrilli, einem Cuvée aus Nebbiolo und Barbera. Ah, der gefällt mir schon besser! Die Nase ist vielversprechend, der erste Schluck auch. Gekauft, einpacken bitte!

Das Piemont

Es wird Abend…

Die Lammracks brutzeln, das Gemüse kocht, die Kartoffeln braten friedlich vor sich hin. Der Montegrilli ist etwas zu warm, deshalb stelle ich ihn für zehn Minuten offen in den Kühlschrank. Weil’s ein junger 2010er ist, dekantiere ich den Wein. Schliesslich habe ich seit der Rocca-Episode dazugelernt. Martel meint im Online-Shop, dass es sich beim Montegrilli um einen schweren Wein handelt. Dem muss ich widersprechen: Zwar ist der Alkoholgehalt mit 14% eher hoch, der Rotwein schmeckt aber alles andere als schwer; vielmehr leicht, fein strukuriert und wunderbar ausgewogen. Wie im Geschäft versprochen, passt er sehr gut zum Lamm. Es ist alles da: Frucht, etwas Würze, integrierte Säure, so wie ein angenehmer und unkomplizierter Abgang. Auch alleine, für sich stehend, enttäuscht er nicht. Es ist ein süffiger Rotwein, der mir mächtig Spass macht. Ich sage daher: Daumen hoch und 17 Punkte.

Punkte: 17/20
Passt zu: Lamm, reifem Käse
Preis: Fr. 23.50 / € 15.50

Den Montegrilli und andere Weine von Elvio Cogno gibt es bei Martel und Superiore zu kaufen.


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Rioja „Marqués de Riscal“ Reserva DOCa 2006

Weihnachten steht vor der Tür: Noch vier Wochen, bis das Christkind klingelt und die Geschenke unter’m Baum liegen. Wer es kaum erwarten kann und seine Fertigkeiten als Auspacker bereits im November trainieren möchte, kommt um den Marqués de Riscal nicht herum. Vier Hürden stehen nämlich zwischen Verpackung und Genuss: 1) Draht entfernen, 2) Kapsel abziehen, 3) Entkorken, und 4) Einschenken. – Das ist immerhin eine mehr, als bei den meisten Weinen mit Korkzapfen.

Riojas kommen verpackungsmässig sowieso oft speziell daher. Keine Ahnung warum. Vielleicht treffen sich ja irgendwo in einem zentralen Hinterhof alljährlich Riojas Winzer für eine Besprechung. Eine, bei der sie neue skurrile Flaschen- und Verpackungsdesigns entwerfen. Schliesslich grenzt es oft fast schon an Event-Drinking, was mir die Spanier da zumuten: Den Marqués de Riscal packen sie in Draht, dem Viña Imas Barón de Ley spendieren sie eine bullige Metalletikette, der mich bei meiner Entsorgungstour, vor dem Altglascontainer stehend, immer ein wenig ratlos macht; der Siglo hat sogar ein Jutemäntelchen und die Flasche des Faustinos ist in Krepppapier eingeschweisst, dass zusätzlich ebenfalls von Golddraht umwoben ist. Kauft man sich gar drei Flaschen des Faustinos, erhält man mancherorts das „Set“ in einer Kartontasche. Toll, danke auch für den zusätzlichen Müll! Zum Glück schmeckt der Inhalt nicht wie die Verpackung aussieht. Und das ist schliesslich alles, was zählt.

Rioja

Merry Christmas: Spanische Verpackungskünste 2012

So, genug gemeckert, zurück zum Wein: Der Marqués de Riscal ist ein Cuvée aus Tempranillo, Graciano und Mazuelo. Wobei laut Erzeuger die Tempranillo-Traube mindestens 85 Prozent am Gesamtgemisch ausmacht. Ähnlich wie beim Bordeaux, ist Rioja die allgemeine Bezeichnung für Wein eines gleichnamigen Weinanbaugebiets. Rioja basiert immer auf derselben Rebsorte, nämlich Tempranillo. Dabei werden die Rotweine nach Ausbau bzw. Reifegrad unterschieden:

Crianza: Zwei Jahre gereift, davon mindestens eines im Eichenfass

Reserva: Drei Jahre gereift, davon mindestens eines im Eichenfass

Gran Reserva: Mindestens zwei Jahre im Eichenfass, danach drei Jahre gelagert

Der Marqués de Riscal ist ein Reserva. Das Bouquet riecht unglaublich intensiv nach Fass. Es duftet holzig, erdig, stallig. Drei Attribute, weche ich auch schon beim Schnüffeln an einigen Bordeaux in der Nase hatte. Die Farbe ist ein dichtes Granatrot, mit leicht violettem Einschlag. Man sieht gerade noch so durch. Im Mund schmeckt der Rioja geradlinig. Es ist alles da: Ein Quäntchen Tannine, Frucht (Schwarze Beeren), Würze (Rosmarin), starker Körper, leichte Säure. Er schmeckt schön voll, aber nicht überladen. Der Abgang ist angenehm. – Bei uns gibt’s Rindsfilet mit dunkler Sauce, Rosmarinkartoffeln und Pilzen dazu. Das Abendessen wird vom Wein super ergänzt. Es passt einfach. Punkt.

Der Marqués de Riscal gefällt mir gut. Es handelt sich um einen sehr schönen Basisrioja eines überdurchschnittlichen Jahrgangs. Er schmeckt, hat sympathische Ecken und Kanten, und ist – last but not least – bezahlbar. Einzig an der Verpackung könnten sie noch arbeiten, Riojas Winzer im Hinterhof. Wer jedoch sowieso noch goldenen Draht für Adventsbasteleien braucht, sollte sofort zugreifen, bevor alle Spanier aufgrund der allgemein ausgebrochenen Weihnachtspanik ausverkauft sind. Ich bleibe gelassen und gebe 16 Punkte.

Salud !

Rioja Marqués de Riscal Reserva DOCa 2006

Punkte: 16/20
Passt zu: Fleisch, Würzigen Gerichten, Reifem Hartkäse
Preis: Fr. 18.45*

Den Rioja „Marqués de Riscal“ Reserva DOCa gibt es hier, hier und hier

* Bei Manor geht er momentan für Fr. 14.95 über die Ladentheke.


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Pinot Noir Mythopia, Valais AOC 2010*

Der Biowein-Anbieter Delinat ist nur einen Steinwurf von meinem Domizil entfernt. Trotzdem bin ich dort ein eher seltener Gast. Schade eigentlich. Werden doch beim Schreiben dieses Artikels sofort Erinnerungen an den bodenständigen El Molino, oder einige sehr schöne Weine des österreichischen Meinklang-Labels wach. – Die Zeit ist reif, mich auf’s Fahrrad zu schwingen und an der Davidstrasse 44 vorbeizuschauen. Definitiv.

Der Mythopia stammt von einer der Parzellen des gleichnamigen Weingutes. Die Reben wachsen in der Nähe von Sion, der Wein wurde von Marie-Thérèse Chappaz gekeltert. Der Bio-Weinhändler unterhält eben dort das Delinat-Institut für Ökologie und Klimafarming. Nicht schlecht, Herr Specht; aber was um Himmels Willen heisst das? Delinat erklärt’s mir online: Ziel ist es, …Forschungsversuche zu Mischkulturen, der Entwicklung von Flora und Fauna im Weinberg und der Erzeugung und Verwendung von Bio-Kohle… (Quelle) zu unterhalten. Aha! Insgesamt ist das Traubenmaterial für den vorliegenden Pinot Noir also inmitten einer Mischkultur und einer reichhaltigen Fauna gewachsen. Toll! – Ich finde den Gedanken ja irgendwie schön, dass sich da Reben, umgeben von Schmetterlingen und Obstbäumen, entfalten können. Das kann sich ja nur positiv im Endprodukt niederschlagen! Hoffe ich wenigstens.

Es wird aufgetischt! Eine Auswahl an Rohschinken und Salamivariationen; dazu etwas reifer Käse, schwarze Oliven, Brot, Wasser und natürlich der Bio-Wein. Mein Gaumen ist bereit, komme, was wolle.

Im Glas scheint er rubinrot. Die Nase erinnert erst an Blauburgunder, wie ich sie schon aus Schaffhausen oder dem St. Galler Rheintal getrunken habe. Ein zweiter Nasenschnapper offenbart dann aber schnell die Qualitäten des Mythopias: Er riecht nach Himbeere, etwas Lakritze, und ist insgesamt samtiger, fruchtiger und komplexer als die einfacherer Landweine. Auch im Mund vertritt der Pinot Noir die genannten Attribute. Er schmeckt etwas süsslich, und ist trotz einem Alkoholgehalt von 13% Volumenprozent leicht und süffig ohne Ende. Das pure Gegenteil des kürzlich verkosteten Spaniers. Säure ist zwar vorhanden, tritt jedoch ähnlich wie die Tannine elegant in den Hintergrund. Der Abgang ist angenehm und irgendwie würzig; für einen Dilettanten nicht einfach zu beschreiben. Obwohl ich den Mythopia insgesamt sehr gelungen finde, merke ich gerade, dass ich mit Schweizer Blauburgundern nicht richtig warm werde. Schwierig zu erklären warum. Vielleicht liegt’s an der Lakritze. Davon war ich schon als kleiner Junge nie sonderlich begeistert. Nichtsdestotrotz handelt es sich beim Mythopia um einen schönen Wein. Empfehlenswert ist er auf jeden Fall. Der Preis erscheint mir für das Gebotene etwas zu hoch, Bio hin oder her. Dafür gibt’s einen Punkteabzug. Dem Wein tut das aber keinen Abbruch. – Zu unserer Fleischplatte machte der Walliser – wie erwartet – eine sehr gute Figur. Dass er, wie von Delinat angegeben, auch hervorragend zu Gemüsegerichten passt, macht ihn für Vegetarier umso interessanter.

So, konnte ich die Schweizer Weinindustrie doch noch ein wenig im Kampf gegen ihre Absatzprobleme unterstützen. Die Winzer freut’s und die Schmetterlinge auch. Meinem Pfadfinder-Ehrenwort – jeden Tag eine gute Tat – bin ich jedenfalls doppelt gerecht geworden: Mein Karma ist gerettet, wenigstens für heute.

Pinot Noir Valais AOCPunkte: 15/20
Passt zu: Kalten Fleischplatten, Gemüsegerichten
Preis: Fr. 24.-

 

Der Mythopia ist hier erhältlich; von Dienstag bis Freitag allerdings immer nur zwischen 16.00 und 18.30 Uhr.

 

 

 

* Keine Ahnung warum ich eine 10er Flasche erwischt habe. Im Online-Shop von Delinat ist nämlich nur der 11er gelistet.