Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Z wie Zambujeiro

Draussen ist es kalt und nass. Zeit für eine Flasche Roten aus wärmeren Gefilden. Die Reise geht heute nach Portugal, direkt zu einem Schweizer. Emil Strickler heisst der Mann, der sich in dreizehn Jahren an Portugals Spitze kelterte. Alexander von Essen hat diesem einen Sondertropfen abgerungen. Zum Glück.

Der Rotwein mit dem schicken Etikett kommt von einem relativ kleinen Weingut in Zambujeiro nahe Borba. Die Ortschaft liegt 170 Kilometer südöstlich von Lissabon entfernt und befindet sich in der Region Alentejo unweit der spanischen Grenze. Quinta ist übrigens das portugiesische Wort für Weingut. Stricklers Quinta umfasst 21 Hektar an eigenen Reben, zehn zusätzliche Hektar werden dazugemietet. Sie stehen auf durchlässigen Schieferböden. – Das Thema Schiefer hatten wir erst vor kurzem ja schon einmal, allerdings bei einem Riesling. Auch beim Portugiesen schlägt sich das Terroir mineralisch im Wein nieder.

Borda, Alentejo, Portugal, Europa

Borda, Alentejo, Portugal

Der Quinta do Zambujeiro Z ist, wie eingangs erwähnt, eine Spezialabfüllung für die Selection Alexander von Essen*. Der Wein wurde zwölf Monate lang im Barrique ausgebaut. Übrigens ist es kein sortenreiner, sondern ein Blend aus Aragones (= Tempranillo), Touriga Nacional, Trincadeira sowie – laut Produzent – einem kleinen Anteil Cabernet Sauvignon. Damit ist der Z traubenmässig an den Star des Hauses angelehnt. Dieser wird nämlich aus denselben autochthonen, protugiesischen Traubensorten hergestellt. Einzig den Cabernet-Anteil lässt man bei jenem weg. Als Önologe zeichnet Alain Bramez verantwortlich. Auf der Quinta wurde der erste Wein unter Schweizer Hand übrigens vor rund 13 Jahren gekeltert. Strickler ist also noch nicht sehr lange im Geschäft. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Quinta do Zambujeiro qualitativ bereits zu den Top Five unter Portugals Produzenten gezählt werden darf. Mit ein Grund ist sicher, dass die Erträge klein gehalten werden und streng von Hand selektioniert wird.

Dieser Umstand macht mich neugierig. Lassen sich diese Qualitäten auch auf die Spezialabfüllung übertragen? Nach dem Öffnen der Flasche dekantiere ich den Wein und lasse ihn zwei Stunden atmen. Schliesslich schenke ich ein: Er ist rubinrot. Die Nase ist fulminat. Es riecht, als ob man seine Nase in ein süsses Erdbeerenfeld halten würde. Ergänzt wird das Bouquet durch etwas Leder, Holz, erdige Nuancen. Meine Hoffnung wächst. Im Mund schwingen zusätzlich auch dunkle Beeren, Paprika und mineralische Noten mit. Ausserdem bilde ich mir ein, etwas Rauchiges erkennen zu können. Der Z ist Wein gewordener Hüne mit einem kräftigen Körper. Trotzdem ist er komplex und nicht bullig. Mit seinem endlosen, schmelzigen Abgang bietet er ein aussergewöhnliches Wein-Erlebnis zum moderaten Preis.

Es erstaunt nicht, dass sämtliche Zambujeiros von Parker stets 90 und mehr Punkte erhalten haben. Auch der Z passt absolut in das Beuteschema des amerikanischen Weinkritikers. Da hat man wirklich eine Fruchtbombe im Glas. Das Beste daran: Chile, Argentinien und Südafrika bleiben aussen vor. Wir bleiben in Europa und ich meiner Linie treu. Im Promo-Video wird Alentejo übrigens mit Kalifornien verglichen. Nicht zu unrecht: Der Zambujeiro könnte genauso gut im Napa Valley gekeltert worden sein. Man schmeckt förmlich die vielen Sonnenstunden.

„Leicht war gestern, heute wird geklotzt!“, scheint einem der Rotwein entgegenzurufen. Eigentlich ist es mehr ein Schreien, ein lautes, unüberhörbares. Er ist rund. Er ist fett. Er hat Frucht. Darum muss ein herzhaftes Stück Fleisch auf den Tisch. Sofort! Denn eine alternative Essenspaarung kann ich mir kaum vorstellen. Oder man geniesst ihn einfach so. Fruchttrinker werden ihn lieben. Garantiert. Ich gebe 18 Punkte.

"Z" Quinta do Zambujeiro

Punkte: 18/20
Passt zu: Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch (Rind, Schwein)
Preis: Fr. 19.95

 

Den Quinta do Zambujeiro Z gibt es hier zu kaufen.

 

 

 

 

 

* Meine These erhärtet sich: Alexanders Selektion war einmal mehr eine gute Wahl.


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Zu den Italienern an die Poststrasse: Elvio Cogno – Montegrilli DOC 2010

Martel ruft unter dem viel zitierten Satz „La vita è bella“ diesen Monat ein italienisches Wein-Festival aus. Brav warten daher südeuropäische Rot- und Weissweine im Schaufenster auf ihre Käufer. Damit sich das Lammrack heute Abend nicht allzu einsam fühlt, nutze ich die Gunst der Stunde, und hole mir einen dazu passenden Piemonteser.

Eines vorweg: Seit langem wurde ich nicht mehr so sympathisch und aufmerksam bedient, wie heute Morgen bei Martel. Auch als Dilettant kommt man sich an der Poststrasse nicht einen Moment lang deppert, oder gar fehl am Platz vor.

Spontan betrete ich also die Weinhandlung. Auf die Frage nach einem italienischen Rotwein, passend zu Lamm, und in der Preisklasse bis 25 Franken, schlägt die Verkäuferin mir den Lasarin, oder den – ebenfalls aus dem Piemont stammenden – Montegrilli vor. Bedient werde ich von derselben Lady, die mich letztes Mal auf den sehr schönen Riesling von Bründlmayer hingewiesen hat. Sie bietet mir an, die von ihr vorgeschlagenen Rotweine zu degustieren. Martel hat zu diesem Zweck, eine in die Wand eingelassene „Degustiermeile“, bei der per Knopfdruck, Wein ins Glas fliesst. – Ich bin tief beeindruckt. Damit ich mich vor dem Degustieren noch meines Schweizer Markenkaugummis stilvoll entledigen kann, wird mir netterweise ein Kleenex gereicht.

Etwas peinlich ist es mir schon, das mit dem Kaugummi…

Item, ich kriege ein Glas und nehme erst einen Schluck Wasser, dann koste ich vom Lasarin. Beim Schnüffeln werden Erinnerungen an einen Pinot Noir wach. Nach nur einem Schluck steht für mich aber fest: Den mag ich nicht. Er ist mir zu leicht, und schmeckt wie ein durchschnittlicher Landwein. Zu 0815 für meinen Geschmack. Die Tannine sind zu dominant und der Körper zu schwach. S’ist halt einer für Montag bis Donnerstag. Heute ist aber Freitag, und mein Lamm braucht sowieso was Kräftigeres. Weiter geht’s also mit dem etwas teureren Montegrilli, einem Cuvée aus Nebbiolo und Barbera. Ah, der gefällt mir schon besser! Die Nase ist vielversprechend, der erste Schluck auch. Gekauft, einpacken bitte!

Das Piemont

Es wird Abend…

Die Lammracks brutzeln, das Gemüse kocht, die Kartoffeln braten friedlich vor sich hin. Der Montegrilli ist etwas zu warm, deshalb stelle ich ihn für zehn Minuten offen in den Kühlschrank. Weil’s ein junger 2010er ist, dekantiere ich den Wein. Schliesslich habe ich seit der Rocca-Episode dazugelernt. Martel meint im Online-Shop, dass es sich beim Montegrilli um einen schweren Wein handelt. Dem muss ich widersprechen: Zwar ist der Alkoholgehalt mit 14% eher hoch, der Rotwein schmeckt aber alles andere als schwer; vielmehr leicht, fein strukuriert und wunderbar ausgewogen. Wie im Geschäft versprochen, passt er sehr gut zum Lamm. Es ist alles da: Frucht, etwas Würze, integrierte Säure, so wie ein angenehmer und unkomplizierter Abgang. Auch alleine, für sich stehend, enttäuscht er nicht. Es ist ein süffiger Rotwein, der mir mächtig Spass macht. Ich sage daher: Daumen hoch und 17 Punkte.

Punkte: 17/20
Passt zu: Lamm, reifem Käse
Preis: Fr. 23.50 / € 15.50

Den Montegrilli und andere Weine von Elvio Cogno gibt es bei Martel und Superiore zu kaufen.


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Rioja „Marqués de Riscal“ Reserva DOCa 2006

Weihnachten steht vor der Tür: Noch vier Wochen, bis das Christkind klingelt und die Geschenke unter’m Baum liegen. Wer es kaum erwarten kann und seine Fertigkeiten als Auspacker bereits im November trainieren möchte, kommt um den Marqués de Riscal nicht herum. Vier Hürden stehen nämlich zwischen Verpackung und Genuss: 1) Draht entfernen, 2) Kapsel abziehen, 3) Entkorken, und 4) Einschenken. – Das ist immerhin eine mehr, als bei den meisten Weinen mit Korkzapfen.

Riojas kommen verpackungsmässig sowieso oft speziell daher. Keine Ahnung warum. Vielleicht treffen sich ja irgendwo in einem zentralen Hinterhof alljährlich Riojas Winzer für eine Besprechung. Eine, bei der sie neue skurrile Flaschen- und Verpackungsdesigns entwerfen. Schliesslich grenzt es oft fast schon an Event-Drinking, was mir die Spanier da zumuten: Den Marqués de Riscal packen sie in Draht, dem Viña Imas Barón de Ley spendieren sie eine bullige Metalletikette, der mich bei meiner Entsorgungstour, vor dem Altglascontainer stehend, immer ein wenig ratlos macht; der Siglo hat sogar ein Jutemäntelchen und die Flasche des Faustinos ist in Krepppapier eingeschweisst, dass zusätzlich ebenfalls von Golddraht umwoben ist. Kauft man sich gar drei Flaschen des Faustinos, erhält man mancherorts das „Set“ in einer Kartontasche. Toll, danke auch für den zusätzlichen Müll! Zum Glück schmeckt der Inhalt nicht wie die Verpackung aussieht. Und das ist schliesslich alles, was zählt.

Rioja

Merry Christmas: Spanische Verpackungskünste 2012

So, genug gemeckert, zurück zum Wein: Der Marqués de Riscal ist ein Cuvée aus Tempranillo, Graciano und Mazuelo. Wobei laut Erzeuger die Tempranillo-Traube mindestens 85 Prozent am Gesamtgemisch ausmacht. Ähnlich wie beim Bordeaux, ist Rioja die allgemeine Bezeichnung für Wein eines gleichnamigen Weinanbaugebiets. Rioja basiert immer auf derselben Rebsorte, nämlich Tempranillo. Dabei werden die Rotweine nach Ausbau bzw. Reifegrad unterschieden:

Crianza: Zwei Jahre gereift, davon mindestens eines im Eichenfass

Reserva: Drei Jahre gereift, davon mindestens eines im Eichenfass

Gran Reserva: Mindestens zwei Jahre im Eichenfass, danach drei Jahre gelagert

Der Marqués de Riscal ist ein Reserva. Das Bouquet riecht unglaublich intensiv nach Fass. Es duftet holzig, erdig, stallig. Drei Attribute, weche ich auch schon beim Schnüffeln an einigen Bordeaux in der Nase hatte. Die Farbe ist ein dichtes Granatrot, mit leicht violettem Einschlag. Man sieht gerade noch so durch. Im Mund schmeckt der Rioja geradlinig. Es ist alles da: Ein Quäntchen Tannine, Frucht (Schwarze Beeren), Würze (Rosmarin), starker Körper, leichte Säure. Er schmeckt schön voll, aber nicht überladen. Der Abgang ist angenehm. – Bei uns gibt’s Rindsfilet mit dunkler Sauce, Rosmarinkartoffeln und Pilzen dazu. Das Abendessen wird vom Wein super ergänzt. Es passt einfach. Punkt.

Der Marqués de Riscal gefällt mir gut. Es handelt sich um einen sehr schönen Basisrioja eines überdurchschnittlichen Jahrgangs. Er schmeckt, hat sympathische Ecken und Kanten, und ist – last but not least – bezahlbar. Einzig an der Verpackung könnten sie noch arbeiten, Riojas Winzer im Hinterhof. Wer jedoch sowieso noch goldenen Draht für Adventsbasteleien braucht, sollte sofort zugreifen, bevor alle Spanier aufgrund der allgemein ausgebrochenen Weihnachtspanik ausverkauft sind. Ich bleibe gelassen und gebe 16 Punkte.

Salud !

Rioja Marqués de Riscal Reserva DOCa 2006

Punkte: 16/20
Passt zu: Fleisch, Würzigen Gerichten, Reifem Hartkäse
Preis: Fr. 18.45*

Den Rioja „Marqués de Riscal“ Reserva DOCa gibt es hier, hier und hier

* Bei Manor geht er momentan für Fr. 14.95 über die Ladentheke.


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Pinot Noir Mythopia, Valais AOC 2010*

Der Biowein-Anbieter Delinat ist nur einen Steinwurf von meinem Domizil entfernt. Trotzdem bin ich dort ein eher seltener Gast. Schade eigentlich. Werden doch beim Schreiben dieses Artikels sofort Erinnerungen an den bodenständigen El Molino, oder einige sehr schöne Weine des österreichischen Meinklang-Labels wach. – Die Zeit ist reif, mich auf’s Fahrrad zu schwingen und an der Davidstrasse 44 vorbeizuschauen. Definitiv.

Der Mythopia stammt von einer der Parzellen des gleichnamigen Weingutes. Die Reben wachsen in der Nähe von Sion, der Wein wurde von Marie-Thérèse Chappaz gekeltert. Der Bio-Weinhändler unterhält eben dort das Delinat-Institut für Ökologie und Klimafarming. Nicht schlecht, Herr Specht; aber was um Himmels Willen heisst das? Delinat erklärt’s mir online: Ziel ist es, …Forschungsversuche zu Mischkulturen, der Entwicklung von Flora und Fauna im Weinberg und der Erzeugung und Verwendung von Bio-Kohle… (Quelle) zu unterhalten. Aha! Insgesamt ist das Traubenmaterial für den vorliegenden Pinot Noir also inmitten einer Mischkultur und einer reichhaltigen Fauna gewachsen. Toll! – Ich finde den Gedanken ja irgendwie schön, dass sich da Reben, umgeben von Schmetterlingen und Obstbäumen, entfalten können. Das kann sich ja nur positiv im Endprodukt niederschlagen! Hoffe ich wenigstens.

Es wird aufgetischt! Eine Auswahl an Rohschinken und Salamivariationen; dazu etwas reifer Käse, schwarze Oliven, Brot, Wasser und natürlich der Bio-Wein. Mein Gaumen ist bereit, komme, was wolle.

Im Glas scheint er rubinrot. Die Nase erinnert erst an Blauburgunder, wie ich sie schon aus Schaffhausen oder dem St. Galler Rheintal getrunken habe. Ein zweiter Nasenschnapper offenbart dann aber schnell die Qualitäten des Mythopias: Er riecht nach Himbeere, etwas Lakritze, und ist insgesamt samtiger, fruchtiger und komplexer als die einfacherer Landweine. Auch im Mund vertritt der Pinot Noir die genannten Attribute. Er schmeckt etwas süsslich, und ist trotz einem Alkoholgehalt von 13% Volumenprozent leicht und süffig ohne Ende. Das pure Gegenteil des kürzlich verkosteten Spaniers. Säure ist zwar vorhanden, tritt jedoch ähnlich wie die Tannine elegant in den Hintergrund. Der Abgang ist angenehm und irgendwie würzig; für einen Dilettanten nicht einfach zu beschreiben. Obwohl ich den Mythopia insgesamt sehr gelungen finde, merke ich gerade, dass ich mit Schweizer Blauburgundern nicht richtig warm werde. Schwierig zu erklären warum. Vielleicht liegt’s an der Lakritze. Davon war ich schon als kleiner Junge nie sonderlich begeistert. Nichtsdestotrotz handelt es sich beim Mythopia um einen schönen Wein. Empfehlenswert ist er auf jeden Fall. Der Preis erscheint mir für das Gebotene etwas zu hoch, Bio hin oder her. Dafür gibt’s einen Punkteabzug. Dem Wein tut das aber keinen Abbruch. – Zu unserer Fleischplatte machte der Walliser – wie erwartet – eine sehr gute Figur. Dass er, wie von Delinat angegeben, auch hervorragend zu Gemüsegerichten passt, macht ihn für Vegetarier umso interessanter.

So, konnte ich die Schweizer Weinindustrie doch noch ein wenig im Kampf gegen ihre Absatzprobleme unterstützen. Die Winzer freut’s und die Schmetterlinge auch. Meinem Pfadfinder-Ehrenwort – jeden Tag eine gute Tat – bin ich jedenfalls doppelt gerecht geworden: Mein Karma ist gerettet, wenigstens für heute.

Pinot Noir Valais AOCPunkte: 15/20
Passt zu: Kalten Fleischplatten, Gemüsegerichten
Preis: Fr. 24.-

 

Der Mythopia ist hier erhältlich; von Dienstag bis Freitag allerdings immer nur zwischen 16.00 und 18.30 Uhr.

 

 

 

* Keine Ahnung warum ich eine 10er Flasche erwischt habe. Im Online-Shop von Delinat ist nämlich nur der 11er gelistet.


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Palomar Monastrell Juan Gil 2009, Selection Alexander von Essen

Nachdem meine Woche bisher weintechnisch eher durchwachsen war, möchte ich heute endlich mal wieder eine anständige Flasche entkorken: Alle Mann in Deckung, Marmeladenwein im Anflug!

Nach einem harten Arbeitstag stehe ich fixnudelfertig im Manor. Morgen ist Wochenende, und der gefrässige Blog muss schliesslich auch wieder mal mit Inhalt gefüttert werden. Alles in allem also mindestens tausend gute Gründe, entspannt an einem rotem Traubensaft zu nippen. Da mich Alexanders Weine bisher noch nie enttäuscht haben, greife ich zu einer konischen Flasche mit seinem Namen drauf.

Der Palomar wird aus der Rebsorte Monastrell vinifiziert und in Spanien typischerweise im südöstlichen Jumilla angebaut. Normalerweise wird die Traube zur Herstellung von Cuvées benutzt. Beim Palomar handelt es sich jedoch um einen sortenreinen Rotwein.

Die schwere, massive Flasche lässt den Inhalt bereits erahnen: Der Wein hat doch tatsächlich einen Alkoholgehalt von 14,5%. Ich merke das spätestens, als ich ein erstes Glas auf leeren Magen trinke. Au Backe!

Bereits beim Entkorken der Flasche verströmt der Spanier einen unheimlich intensiven Duft in nächster Umgebung. Eindrücklich. Auch seine Farbe gefällt mir. Er scheint in einem edlen und dichten rubinrot. Etwas Licht scheint jedoch noch durch das Glas. In der Nase halten sich Beeren- und Gewürzaromen die Waage. Auch im Mund findet man eine schöne Balance der Aromen. Der Körper ist unglaublich voll und stabil. Rosmarin, Thymian und rote Beeren, etwas Feige, vielleicht ein Hauch Leder, meine ich zu erkennen. Die Tannine sind angenehm zurückhaltend und sehr gut integriert. Der Abgang ist unendlich lange. Mmh, fein.

Insgesamt kommt der Palomar mächtig, marmeladig und sehr modern daher. Halt eine üppige, schwere Fruchtbombe mit ordentlich Würze. Wie beim Rocca, kann ich auch hier nicht mehr als zwei, höchstens drei Gläser trinken. Dann reicht’s! Der Palomar ist aber auch ohne eine passende Mahlzeit ein Genuss.

Die Entfaltung dieses Weins ist meiner Meinung nach, mehr als von anderen schweren Rotweinen gewohnt, von seiner Temperatur abhängig. Empfohlen werden laut Manor 16 -18 Grad Celsius. Bei 16 Grad ist der Wein aber noch zu verschlossen, und entfaltet höchstens zwei Drittel seines Potenzials. Eine leicht höhere Temperierung unterstützt bei diesem Wein wirklich alle seine positiven Attribute, ohne dass er zerfällt.

Wenn man modernen, fruchtigen Wein mag, sollte man dem Palomar unbedingt eine Chance geben. Der Spanier hält mit seiner Würze auch deftigeren Gerichten stand. Bei uns wurde er zu Penne all’arrabiata aufgetischt und passte hervorragend. Zu kalt mag er es aber nicht. Holt ihn also früh genug aus dem Keller, lasst die Flasche mindestens eine Stunde entkorkt stehen und trinkt den Wein gut temperiert!

Momentan gibt’s ihn bei Manor zum Aktionspreis von Fr. 12.50. Da kann man wirklich nicht viel falsch machen… Also nicht’s wie hin! Ich hol‘ mir morgen gleich nochmals drei Flaschen für meinen bescheidenen Keller.

 

Palomar

Punke: 17/20
Passt zu: Fleisch, Teigwaren, Käse
Preis: Fr. 12.50 statt 16.95

 

Zu kaufen gibt’s den Palomar Monastrell hier.


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Rocca Rubia Carignano Riserva DOC 2009

Ich versuche mir gute Weine einzuprägen, mir wenigstens ihre Namen zu merken. Allzu oft bleibt’s aber beim Versuch und die Erinnerung schmilzt dahin, wie ein Eis an der Sonne…

Zum Glück hat man Freunde. Einer hat mich vor längerer Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass der Rocca Rubia beim Wy zum Turm zum Aktionspreis angeboten wird. Einige Zeit vergeht und ich erinnere mich wieder daran. Natürlich steht der Rocca bei Zweifel nicht mehr im Schaufenster und auch die Aktion ist längst vorbei. Trotzdem betrete ich das Geschäft, denn dieser Wein hat mir letztes Mal sehr gut geschmeckt. Ich meine, es war in der Stickerei, oder in der Foccaceria. Vielleicht auch sonst in einem der unzähligen St. Galler Restaurants, als ich ihn das erste Mal getrunken habe. Egal, Hauptsache gut war er. Also, ich steh im Laden und frage nach dem Rocca. Zuvor habe ich mich kurz in Zweifels Online-Shop schlau gemacht. Die Traubensorte, aus dem der Rocca vinifiziert wurde, nennt sich Carignano. Der Wein stammt aus Sardinien. Den Rocca gibt’s auch als kleine 37.5er Flasche. “Davon hätte ich gerne zwei”, sage ich. Die sympathische Verkäuferin muss in den Keller. Freundlich frage ich, ob ich diesen auch mal sehen dürfe. Sie ist einverstanden und ich gehe mit nach unten. Eindrücklich! Oben eine Ladenfläche, welche kaum mehr als drei Personen Platz bietet und unten dann das: Ein wunderschöner, grosszügiger Weinkeller. Feinsäuberlich sortiert, schlicht beeindruckend. Ein richtiges Schmuckstück. Sie nimmt zwei Flaschen aus dem Regal und wir gehen wieder zurück nach oben. Ich bezahle und nach kurzem Smalltalk verabschiede ich mich.

Heute ist es soweit. Es gibt Lasagne alla casalinga. Die Flasche habe ich in weiser Voraussicht schon mal eine Stunde vorher geöffnet. Ich schenke ein und muss zugeben, dass die Erwartungshaltung vor dem ersten Schluck gross ist. Schliesslich habe ich den Rocca Rubia in sehr guter Erinnerung. – Hä? Da stimmt doch was nicht. Korkgeschmack ist es nicht. Aber der Wein schmeckt verschlossen, zu, eng, macht pelzig im Mund. Meine Degustationspartnerin meint dasselbe. Liegt’s an der Temperatur, an der Flaschengrösse, an unserer Tagesform? Oder hat mir mein Gedächtnis wieder einmal einen Streich gespielt?

Mich trifft ein Geistesblitz: Dekantieren könnte was bringen. – Also, auf geht’s, wir versuchen’s! Zwei Minuten später ist der Rocca in der Karaffe. Wir lassen ihm nochmals etwas Zeit. Ich schenke erneut ein. Vorsichtig nehme ich einen Schluck. Jaaa, so schmeckt er! Unglaublich, der Unterschied zu vorher! Wirklich unglaublich!

Ich beginne sofort innerlich zusammenzufassen. Das Auge sagt: Dunkelstes Purpur, kaum ein Durchblicken möglich. Die Nase meldet: Intensivstes Zwetschgenaroma, Holz, Zimt, weitere Beeren, hoher Alkoholanteil. Im Mund dann: Schwer, satt, voll, rund, schön, erschlagend. Davon kann man keine Flasche mal eben so trinken. Wenigstens ich nicht. Dafür ist der Alkoholgehalt zu hoch. – Laut Etikett bringt der Rocca nämlich stattliche 14 Prozent auf die Waage.

Fazit

Insgesamt ist der Rocca Rubia ein unkomplizierter, geschliffener Wein, der gleich beim ersten Schluck schon mächtig Eindruck macht. Mir gefällt das. Nicht immer, aber von Zeit zu Zeit. Daher: Daumen hoch und 17 Punkte.

Zu kaufen gibt es ihn hier

Rocca Rubia Carignano Riserva DOC, 2009

Punke: 17/20
Passt zu: Fleisch (Braten, Wild), Pasta mit Fleischsauce
Preis: Fr. 23.40 / 7.5 dl bzw. Fr. 15.60 / 37.5 cl

P.S. Scheinbar gibt der Rocca Rubia bzw. Denner momentan Anlass zu Diskussionen


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Ein Cannonau für sieben Franken, geht’s eigentlich noch?

…ja es geht, und zwar sehr gut. Aber beginnen wir doch von vorn.

Sonntagabend. Wir haben Hunger. Es gibt selbstgemachte Tagliatelle alle cinque pi. Da muss einfach ein Italiener auf den Tisch. Gesagt getan. Ich bringe noch rasch den Müll raus und mache auf dem Rückweg einen kurzen Abstecher in den Keller. Was liegt denn da? Ah, ein Cannonau di Sardegna, den ich irgendwann beim Grosseinkauf aus einer Laune raus in den Einkaufswagen gelegt habe. Rotwein – check, Italien – check, Sardiniencheck, Temperatur – check, all systems available. Flasche bereit zum Start.

Auf dieser steht in goldenen Lettern Riserva. Der Wein wurde also mindestens zwei Jahre ausgebaut und gelagert. Cannonau ist übrigens eine Rebsorte. In Frankreich wird sie Grenache, in Spanien Granacha genannt. Sagt mir Wiki. Ha! Wieder was gelernt.

So, jetzt aber schnell in die Küche und auf die Flasche. Dreissig Minuten später wird eingeschenkt und daran geschnüffelt. Ich würde sagen: Kirsche, Pflaume, Cassis, riecht irgendwie fruchtig und zugleich erdig – schön. Er scheint in einem dunklen Granatrot. Ein erster Schluck bestätigt vor allem die zuvor gerochene Kirsche. Alles wirkt total balanciert. Säure, bzw. Tannine sind merklich vorhanden, aber überhaupt nicht aufdringlich. Die Mundschleimhaut wird angenehm zart berührt. Der Kenner würde von einer geringen Adstringenz sprechen. – Ich bin keiner, darum lasse ich das. – Nach dem Schlucken bleibt der Cannonau relativ lange in geschmacklicher Erinnerung – schöner Abgang. Was hat die Flasche nochmals gekostet? Ich weiss es nicht mehr. Google sagt mir: Sieben Franken Zehn.

S I E B E N  Franken und  Z E H N Rappen, Wahnsinn ! ! !

Einziger Wermutstropfen: Zu Fleisch würde er bestimmt besser passen, als zu Pasta. Aber dafür kann der Wein schliesslich nichts…

Keine Ahnung, wie man so günstig eine solche Qualität hinkriegt. Daumen hoch, die Sardinier wissen scheinbar wie’s geht. Da hole ich gleich mal die grosse Werbetrommel vom Speicher. Für dieses unglaubliche Preis-Leistungsverhältnis gibt’s nämlich 15 Punkte von mir.

Punke: 15/20
Passt zu: Fleischgerichten
Preis: Fr. 7.10

Kaufen kann man den Cannonau di Sardegna DOC Riserva Gabbia d’Oro 2009 hier


Ein Kommentar

Conti Neri Ripasso della Valpolicella Classico DOC 2010

Der aus dem Veneto stammende Ripasso Conti Neri ist einer der langjährigen Verkaufsschlager von Denner. Für mich Grund genug ihn zu kaufen, zu trinken und zu bewerten.

Ripassos sind sichere Werte. Meiner Erfahrung nach kann man mit ihnen grundsätzlich nichts falsch machen. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, je beim Kauf oder der Bestellung eines Ripassos im Restaurant eine Enttäuschung erlebt zu haben.

Bei der Herstellung wird übrigens Wein der Rebsorten Rondinella, Corvina Veronese und Molinara noch ein zweites Mal auf dem Trester des Amarone vergoren. Daher auch die geschmackliche Verwandtschaft mit dem italienischen Schwergewicht. Mir persönlich ist Amarone ja zu einnehmend, zu süss und klebrig im Geschmack. Diese Wein gewordene Bombe gönne ich mir höchstens zu einem Stück Schokolade bzw. -Kuchen. Der etwas leichtere Ripasso ist da eine willkommene und günstigere Alternative.

Das Abendessen steht in den Startlöchern, der Conti Neri bereit. Nach dem Ziehen eines äusserst störrischen Korkens, lasse ich die Flasche noch etwas stehen, bevor ich mir ein Glas einschenke. Durch letzteres kann man übrigens kaum hindurchblicken, so dicht erscheint der Wein in einem dunklen Rubinrot. Die Nase sagt mir: Waldbeeren, Feige, Schokolade, Kakao, Röstaromen, ein Hauch von Nelken. Beim ersten Schluck macht sich der eher schwere Rotwein breit. Immerhin hat er einen Alkoholgehalt von stattlichen 13,5 Volumenprozent. Er nimmt viel Platz ein, schmeckt dabei aber ausgewogen, rund und sehr wohlwollend, gar süss im Abgang. Ich nehme sofort noch einen Schluck, so gut schmeckt er mir. Dieser Wein ist gemacht für kräftige Speisen. Er harmoniert also vor allem mit Braten, reifem Käse oder passend zur Jahreszeit, mit Wild- und Pilzgerichten. Na dann mal schnell den Kochlöffel hervorgeholt und los gehts!

Sehr schön, ein Ripasso für knapp zwölf Franken, der mir immer wieder schmeckt. Puristen greifen bestimmt zu teureren Flaschen, ich find‘ die hier schon ziemlich überzeugend. Prädikat: empfehlenswert.

Punke: 15/20
Passt zu: Fleisch mit dunkler Sauce, reifem Käse, würzigen Gerichten, Schokolade
Preis: Fr. 11.95

Zu kaufen gibt es den Ripasso hier


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Lamùri 2010

Was ein schöner Abend! Fast perfekt. Meine Begleitung ist sehr charmant, die Bedienung äusserst zuvorkommend, das Ambiente ansprechend, die Stimmung im Lokal heiter und auch der Betrag auf der Rechnung trübt am Ende nicht den Gesamteindruck. Wäre da nicht der Wein…

Wir bestellen. Ein gemischter Salat zur Vorspeise, dann ein vorzügliches Rebhuhn an Marsala-Jus mit Gemüse-Bouquet und frischen Feigen. Dazu hausgemachte Tagliatelle und als Krönung des herbstlichen Menus, Vermicelles samt Espresso. Wir entscheiden uns für den Sizilianischen Lamùri von 2010. Dieser scheint uns mehr als passend. Leider enttäuscht er auf der ganzen Linie. Die Bedienung öffnet die Flasche und bietet mir den Wein zur Probe an. Ich nehme einen ersten Schluck. „Nein, der Wein ist in Ordnung, kein Korkgeschmack, danke.“ Das ist noch das Netteste was ich zu diesem Wein sagen kann…

Im Detail: Er leuchtet in einem hellen Granatrot. Die Nase scheint zunächst vielversprechend. Ich bilde mir ein, Beeren, trockenes Holz, ferner etwas Erdiges im Bouquet auszumachen. Kaum nehme ich einen Schluck, ist die Hoffnung jedoch schnell verflogen. Verschlossen und flüchtig, zäh, hart und allzu säuerlich mit einem bitteren Nachgeschmack zeigt sich der Lamùri. Oh Mann, hätten wir doch nur den Primitivo bestellt…

Nach dieser ersten Enttäuschung geben wir dem Wein sage und schreibe 45 Minuten Zeit, sich zu entfalten. Der Lamùri ist nicht faul und nutzt die Gelegenheit. Er wird tatsächlich ein wenig weicher. Der Säuregehalt nimmt in der Zwischenzeit merklich ab, der Gesamteindruck verbessert sich also. Davon, ihn weiterzu-empfehlen, oder gar beim nächsten Essen erneut zu bestellen, sind wir aber nach wie vor weit entfernt. Vielleicht passt er besser zu Spaghetti oder Fertigpizza, nicht aber zu einer anspruchsvolleren Mahlzeit. Schon gar nicht für siebzehn Franken. Da gibt es weitaus bessere Alternativen. Ergo: Dieser Wein schmeckt mir nicht. Zehn Punkte gibts von meiner Seite, aber nur weil die Etikette was her macht…

Wer ihn trotzdem probieren möchte: klick mich

Punke: 10/20
Passt zu: Spaghetti, Fastfood, Bad Taste Partys
Preis: Fr. 17.-

P.S. Ein Lokal, das mir gefällt: Atrium