Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Château Tour de Mirambeau Rosé 2010

Der Valentinstag rückt näher. Auch dieses Jahr wird der Tag der Liebenden die Allgemeinheit in drei Gruppen spalten: Die einen interessiert er nicht, die anderen sehen ihn als Bestätigungsakt ihrer Beziehung und die letzten nehmen ihn zähneknirschend zur Kenntnis, weigern sich aber, einen verkommenen, weil von Händlern instrumentalisierten, Brauch zu würdigen. Ich seh’s pragmatisch. Als Anlass schön zu kochen und Wein zu trinken taugt er alleweil. Die Liebe blüht – hoffentlich – auch an anderen Tagen.

Ganz ehrlich: Ich kann mich nicht erinnern, wann und wo ich den letzten Rosé getrunken habe. Lang lang ist’s her. Irgendwie habe ich dieses Zwischending von Wein sowieso nie ganz ernst nehmen können. Mal schauen, ob sich das ändert. Ich bin guter Dinge. Schliesslich habe ich für mich persönlich den Februar zum Rosé-Monat erklärt. Alles angeschnallt, ein neues Special beginnt!

Herz

Die Weine mit der zarten Farbe sind stark im Kommen. Das sagt auch die Statistik. Und die lügt bekanntlich selten. In Deutschland ist nämlich bereits jede zehnte getrunkene Flasche ein Rosé. Vor einigen Jahren brachte es dieser gerade mal auf maximal zwei Prozent Marktanteil. Heute sind es fünfmal mehr. Meine erste Frage lautet daher nicht, kauft denn jemand überhaupt Rosé, sondern wie wird dieser hergestellt?

Ganz einfach, theoretisch zumindest: Man nimmt rote, seltener auch blaue Trauben. Diese werden zunächst erst einmal zermahlen (gemaischt). Nach ein paar Stunden wird ein Teil des Safts von der Maische getrennt. Das Verfahren wird auch Saignée genannt. Der Rosé entsteht quasi als Nebenprodukt von Rotwein. Die Weiterverarbeitung erfolgt wie bei Weissweinen. Das einfachere Mischen von Rot- mit Weissweinen ist übrigens bei der Rosé-Herstellung – in Europa – nicht zulässig. Diese Methode bleibt ausschliesslich Rosé-Schaumweinen vorbehalten. So, das wäre geklärt. Weiter im Text:

Mein Rosé-Special beginnt mit einem klangvollen Namen. Vor mir steht eine Flasche Château de Mirambeau. Erhältlich ist dieser bei Mövenpick. Eben dort hatte ich kürzlich die Qual der Wahl zwischen einer Flasche vom 2010er, oder einer 2011er. Wie hättest du entschieden? Genau, das dachte ich mir auch, und nahm den 2010er.

Das Château ist seit über 250 Jahren im Besitz der Familie Despagne. Auch die ersten Reben wurden in dieser Zeit auf den lokalen Stein- und Lehmböden bereits angebaut. Zu Beginn wurden zwanzig Hektare bewirtschaftet, heute sind es siebzig. Das Schloss liegt im Entre-Deux-Mers, zwischen den Flüssen Garonne und Dordogne. Geführt wird es von Thibault Despagne, als Kellermeister zeichnet sich Joe Elissalde verantwortlich. Der Alkoholgehalt des Rosés beträgt 12%. Vinifiziert wurde er aus Cabernet Sauvignon, also aus roten Trauben.

Beginnen wir mit der Farbe: Der Franzose zeigt sich in einem mittelkräftigen Rosa, beinahe schon lachsfarben. Schön schaut er aus. Das Bouquet bringt Zitrusfrüchte, Veilchen, Lavendel, Frühlingsblumen, Gras. Es richtig zudem vor allem nach schwarzen Beeren. Auch einen Hauch von Erdbeere, Honig, und reifer Melone kann ich erkennen. Streckenweise werden Erinnerungen an den überaus exotischen Thieuley wach. Im Mund vereinen sich alle Komponenten erneut zu einem komplexen, äusserst fruchtigen und erfrischenden Wein. Der Rosé hat etwas Provencales. Ständig schwingen diese feinen, aber überaus konzentrierten Kräuteressenzen mit. Der Körper ist leicht. Der relativ kurze Abgang bringt Zitrussäure und ist etwas herb.

Der Château de Mirambeau ist ein gelungener Rosé. Er ist frisch, er ist interessant, er schmeckt. Er passt zu Fisch, Thai-Curry, wie auch Kalbfleisch-Gerichten. Als Apéro bei sommerlichen Temperaturen macht er sicher ebenfalls eine gute Figur*. Bis dahin dauert’s aber noch einige Monde. Auf der Schattenseite stehen die ein wenig zu dominante Zitrussäure, so wie der leicht sperrige Abgang. Der Preis stimmt allerdings. Ich gebe 16 Punkte.

Château Tour de Mirambeau Rosé 2010

Punkte: 16/20
Passt zu: Fisch, Kalb, asiatischen Gerichten
Preis: momentan Fr. 13.80

Kaufen kann man den Rosé hier

*P.S. Für den optimalen Genuss empfiehlt sich eine Trinktemperatur von 9 – 13 Grad Celsius. Die Aussentemperaturen dürfen gerne auch über 25 Grad liegen.

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Château Bonnet blanc Entre-Deux-Mers AOC

Ich kann mir nicht helfen, aber meine subjektive Wahrnehmung sagt mir: Die weissen Bordeaux kommen mehr und mehr. Wenn selbst Discounter einen im Sortiment führen, ist der Trend zur Normalität geworden und wird auch vom Durchschnittskonsumenten wahrgenommen. Also zum Beispiel von mir. Getrunken wird heute ein leichtes Exemplar der Spezies Bordeaux blanc – Der weisse Bonnet, gekauft im Denner.

Der Bonnet steht bereit. Die Flasche hat einen Drehverschluss. Die ideale Trinktemperatur gibt Denner mit acht bis zehn Grad Celsius an. Als er neun Grad erreicht, öffne ich die Flasche und schenke ein. Im Glas scheint der Weisswein in einem hellen Gold. Die Nase duftet zart nach Blüten und Honig. Erinnerungen an den Baron de Rothschild Réserve Spéciale Bordeaux blanc werden wach. Geduftet hat auch der relativ ordentlich, aber eben nur kurz. Ähnlich verhält es sich beim Château Bonnet. Das grundsätzlich ansprechende Bouquet verfliegt allzu schnell. Auch im Mund bleibt der Weisswein unspektakulär. Es ist diese typische Sémillon-Sauvignon blanc-Note. Hier jedoch noch ergänzt um Muscadelle, welche den Wein um eine fruchtige Nuance ergänzt. Der Körper ist schwach, der Abgang kurz.

Alles in allem ist der Château Bonnet ein leichter, lieblicher Weisswein und gerade deshalb unbedingt auf eine korrekte Trinktemperatur angewiesen. Unter zehn Grad sollte diese auf jedenfall liegen. Zur Qualität: Was soll ich sagen? Unterirdisch ist er nicht, überzeugend aber auch nicht. Es ist ein einfacher, preisgünstiger Bordeaux blanc aus dem Entre-Deux-Mers, der als Tischwein für einfache Alltags(fisch-)gerichte geeignet ist. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt er aber nicht. Dafür ist er zu flüchtig, zu wenig intensiv und aussagekräftig. Für drei Franken mehr kriegt man Weissweine, welche sich geschmacklich in anderen Sphären bewegen. Zum Beispiel den Château Thieuley, oder den kürzlich vorgestellten Pierrail. Ich gebe zwölf Punkte.

Punkte: 12/20
Passt zu: Antipasti, Fisch, Meeresfrüchten
Preis: Fr. 9.95

 

Den Château Bonnet blanc Entre-Deux-Mers AOC gibt’s hier.



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Château Pierrail Blanc 2011

Globus hat im Untergeschoss der Filiale an der Vadianstrasse einen kleinen, kompakten, aber wohl sortierten Weinkeller. Auf meiner Suche nach Bordeaux blancs, entdecke ich dort den Château Pierrail. Einen schmackhaften Weisswein aus dem Bordelais. Dass damit das erfüllte Leben einer Seezunge unwiderruflich sein Ende nimmt, wissen in dem Moment nur die Sterne.

Erst kürzlich habe ich einen meiner Lieblingsweissweine vorgestellt: Den Château Thieuley blanc. Preislich bewegt sich der Pierrail in derselben Region. Gerade mal zehn Rappen teurer ist der Wein aus dem Globus. Auch sonst haben die zwei Gemeinsamkeiten. Da wären einmal die verwendeten Trauben, Sauvignon blanc und Sauvignon gris beim Pierrail, zusätzlich Sémillon beim Thieuley; und die Herkunft: Beide Weingüter liegen im Entre-Deux-Mers und sind gerade mal knapp 50 km voneinander entfernt. Geschmacklich – soviel vorweg – ist die Differenz grösser.

Der Pierrail bietet keine Exotik, sondern kommt klassisch daher. Er ist etwas herber, bodenständiger und säurebetonter als der Thieuley*. Eben ein traditioneller Weisswein aus dem Bordelais. Zu solchen Weinen isst man normalerweise Fisch oder Meeresfrüchte. Wir entscheiden uns deshalb für eine gedämpfte Seezunge mit Saisongemüse und Reis. Flux eilen meine Degustationspartnerin und ich zum Marktplatz und besorgen herrlich frisches Grünzeug und den besagten Fisch. Zu Hause angekommen, stürzen wir uns in die Küche und beginnen das Abendessen zuzubereiten. Der Tisch ist gedeckt. Wir beginnen zu essen. Und schon nach dem ersten Bissen wird wieder einmal deutlich, wie unverfälscht und zart gegartes Herbstgemüse und Fisch schmecken können.

Dieser Fisch musste dran glauben. Der Pierrail war Schuld.

Auch die Kombination von Essen und Wein funktioniert, wie erwartet, sehr gut. Zwar ist der Pierrail etwas strenger, weniger raffiniert – man könnte auch sagen kantiger – als sein Nachbar; trotzdem handelt es sich um einen sehr schönen, traditionellen Weisswein aus dem Bordelais, der absolut empfehlenswert ist. Schlussendlich sollte man sowieso beide mal probiert haben und selbst entscheiden, welcher einem mehr zusagt. Es finden sich bestimmt für jeden passende Gerichte.

Ich gebe 16 Punkte.

À la vôtre!

Punkte: 16/20
Passt zu: Apéro, Fisch, Meeresfrüchten
Preis: Fr. 12.90

*P.S. Der Thieuley schmeckt übrigens sehr gut zu Kürbissuppe!


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Frauenpower: Château Thieuley Bordeaux blanc

Thieuley blancJa, ja, schon klar: Der Thieuley blanc der Geschwister Courselle ist für viele bestimmt ein alter Hut. Aber wie das mit alten Hüten manchmal so ist: Einmal in Form gebracht, zieht man sie immer wieder gerne an. Obwohl ich kein ausgesprochener Hutträger bin, geht es mir so oder so ähnlich mit dem Thieuley blanc.

Schwander bietet ihn an, in Artikeln der NZZ konnte man den Franzosen schon mehrmals finden und auch im Hotel Säntispark steht er auf der Weinkarte. Der Weisswein von Sylvie und Marie ist beliebt. Und das zu Recht.

Es war im Jahr 1972, als Vater Francis Château Thieuley übernommen hat. Das Weingut liegt zwischen Créon und La Sauve im Entre-Deux-Mers. Unter Francis‘ Führung vergrösserte sich das Weingut von vier auf 80 Hektare. Heute gehören dazu insgesamt drei Liegenschaften samt Parzellen: Château Thieuley, Clos Sainte Anne und Château Saint Genès. Inzwischen führen Courselles Töchter, Marie und Sylvie, den Betrieb selbständig. Die Gutsbetreiberinnen bringen unter dem Label Château Thieuley jährlich 382’000 Flaschen Rot-, Weiss- und Roséwein in den Vertrieb. Der Bordeaux blanc macht dabei mit 180’000 Abfüllungen knapp die Hälfte aus.

Aus ihren Produktionsmethoden machen die Courselles kein Geheimnis:

1. Skin contact form 12 to 24 hours
2. Pneumatic press under Nitrogen (new technology)
3. Cold settling and on lies for 8 days
4. Alcoholic fermentation in stainless steel tanks at low temperature (16°C to 18°C)
5. Ageing on lies for 3 months in tank.

Sehr sympathisch, diese Transparenz. Der Weisswein wird also nicht im Holzfass ausgebaut, sondern verbleibt im Stahltank. Basis und Erfolgsrezept für den Thieuley blanc ist aber vor allem die richtige Mischung aus Sauvignon blanc, Sauvignon gris und Sémillon.

Begleitet wird der Franzose heute von einem Japaner: Es gibt Sushi. Ich schenke ein. Im Glas erscheint er in hellem goldgelb. Das Bouquet duftet nach Karibik, Südsee, Exotik. Ich meine folgende Noten zu erkennen: Birne, Mango Ananas, Blüten, Holunder, Honig. Es riecht spannend! Im Mund dann ein schöner Säuregrad, gemischt mit der Fruchtigkeit der Nase. Der Wein ist leicht, verspielte Aromen machen sich breit. Man hat Sommer im Mund. Für alle, die Lust haben, sich mit Weisswein, den nächsten Juli herbeizutrinken, also der richtige Tropfen. Der Körper ist filigran aber nicht zerbrechlich, der Abgang ist von mittlerer Länge, aber ordentlich Breit. Da suchen sich alle Aromen nochmals ihren Weg durch Nase und Gaumen. Der Wein hat eine ganz eigene Note und somit einen hohen Wiedererkennungswert. Den gibt’s nicht zweimal, den Thieuley.

Sushi zum Thieuley

Maximal-Exotik zu Hause: Sushi und Thieuley blanc

Der Thieuley blanc ist ein frischer Weisswein, der Laune macht. Geschmacklich lässt er zum Beispiel Denners Château Bonnet meilenweit hinter sich. Da lohnt es sich, drei Franken mehr auf die Theke zu legen. Man kriegt schliesslich ne Menge Wein für wenig Bares. Für den Individualisten der Geschwister Courselle gebe ich stolze 18 Punkte. – Wer noch nie weissen Bordeaux probiert hat, sollte mit diesem beginnen.

Château Thieuley Bordeaux blanc 2010

Der Château Thieuley Bordeaux blanc ist hier erhältlich.

 

Punkte: 18/20
Passt zu: Apéro, Fisch, Meeresfrüchten
Preis: Fr. 12.80

 

 

 

 

P.S. Und für alle, welche Angst haben, sich ohne phonetische Starthilfe beim Weinhändler zu blamieren: Thieuley = Thi-Öö-Lää


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Herbst-Special: Bordeaux für Anfänger, Teil III – Wer passt zu dir?

Asche auf mein Haupt: Bis meine Dilettanten-Karriere vor einigen Jahren begann,  dachte ich, Bordeaux sei eine Rebsorte und Wein sei halt Wein. Cola schmeckt ja schliesslich auch überall gleich. Nix da, denkste! Heute weiss ich es besser.

Böse Zungen behaupten ja, dass Robert Parker die Nivellierung des Geschmacks auch im Bordelais stark vorangetrieben hat. Gott sei Dank sind wir vom Bordelaiser Einheitswein aber glücklicherweise noch weit entfernt. Aber welcher Bordeaux passt zu mir? Es gibt schliesslich hunderte. Der Dilettant meint: Beginnen wir doch dort, wo es der Winzer tut – bei den Trauben.

Im Bordelais spielen folgende Rebsorten eine wichtige Rolle: Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc. Aber auch die Sorten Petit Verdot und Malbec werden kultiviert. Bis zum grossem Reblausbefall von 1890 wurde ausserdem noch fleissig die empfindlichere Sorte Carménère angebaut. Diese findet man heute aber hauptsächlich in Chile. Ist also nix für mich.

Bordeaux ist praktisch immer ein Verschnitt mehrerer Rebsorten. Der Franzose sagt dazu etwas wohlklingender Cuvée. Es gibt nur sehr wenige rote Bordeaux-Weine, welche ausschliesslich auf einer Rebsorte basieren.

Die Bordelaiser Weinbauern sind wahre Künstler der Kombination. Viele Châteaux schwören auf die Zweierkombo von Cabernet Franc und Merlot. Dies kann aber von Jahr zu Jahr variieren. Auch die prozentuale Zusammensetzung variiert stark. Ein 2009er Mouton-Rothschild ist zum Beispiel ein Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot, ein 2008er jedoch eine Dreierkombo. Da hat der Winzer zusätzlich noch etwas Cabernet Franc in den Tank gegeben. Viele Sorten = viel Geschmack? Tja, mal sehen.

Der Cabernet Sauvignon bildet praktisch immer die Basis des Bordeaux. Er bestimmt vor allem den Säuregehalt. Seine Tannine (= Gerbstoffe) bescheren dem Wein je nach Anteil ein mehr oder weniger grösseres Lagerpotenzial. Merlot macht den Bordeaux fruchtig und gibt ihm Fülle. Cabernet Franc ergänzt das Fruchtige des Merlots und ergänzt das Bouquet vor allem durch eine schöne Nase. Die Sorte Petit Verdot gibt in kleinen Mengen Würze.

Neben den Rebsorten spielen auch andere Faktoren eine grosse Rolle. In erster Linie das Terroir, also der Boden, auf dem die Reben stehen. Aber auch die Arbeit des Winzers bei der Vinifikation, die technischen Hilfsmittel, das Knowhow etc. spielen eine immense Rolle. Der Captain stellt treffend fest: Frankreichs Winzer arbeiten nicht nur mit hochmodernen Anlagen. Ich meine, Bordeaux scheint da eine löbliche Ausnahme zu sein. Es wird investiert und mächtig Dampf gemacht. Davon konnten wir uns bei einem Besuch auf Château Lynch-Bages letztes Jahr selbst überzeugen.

Hurra! Das Vertrauen ist wieder hergestellt. Wenigstens in dieses Château. Die neue Abfüllanlage auf Lynch-Bages.

Von alledem steht aber nix auf der Flasche. Ist auch nicht wichtig. Ausser wir wollen nen Bio-Wein. Wichtiger für uns Otto Normalverbraucher sind die Appellationen. Oft haben nämlich verschiedene Weine derselben Appellation auch geschmacklich einen gemeinsamen Nenner. Hat man also mal grob eine Idee, was einem schmeckt, lohnt es sich, Weinen einer Appellation treu zu bleiben:

Graves Rotweine von hier sind der Inbegriff des klassischen Bordeaux: schlank, elegant, harmonisch, frische Frucht, können oft auch schon jung getrunken werden (!)
Médoc Elegante, duftende Weine, zart, komplex, „Burgunder“ des Bordelais, grosse Lagerfähigkeit, lange Reifezeit
Pauillac Feste Struktur, tief, dicht, kräftig, enormes Lagerpotenzial
Entre-Deux-Mers Frisch, fruchtig, eher leicht, jung geniessen, begrenztes Lagerpotenzial; sehr schöne Weissweine
Saint-Émilion Sehr unterschiedliche Weine: von reif und weich (Süden), mineralisch mit fester Struktur (Hochplateau) bis fein und elegant (Nordwesten)
Sauternes/Barsac Süssweine, enormes Lagerpotenzial

Mein Fazit

  1. Praktisch alle roten Bordeaux-Weine basieren auf der Rebsorte Cabernet Sauvignon.
  2. Bordeaux = Cuvée
  3. Es gibt auch weisse Bordeaux. Typischerweise im Entre-Deux-Mers.
  4. Jede Appellation bringt ihre typischen Weine hervor.
  5. Saint-Émilion ist die vielfältigste Appellation.

Damit ihr bis zum nächsten Teil des Herbst-Specials nicht verdurstet, einige Bordeaux-Empfehlungen meinerseits. Verkostungsnotizen folgen später.

Château Rollan de By, Cru Bourgeois, Médoc, 2009, bei Coop, Fr. 26.10

Château Lilian Ladouys, Cru Bourgeois, Saint-Estèphe, 2009, bei Mövenpick, Fr. 27.-

Château Clos du Jaugueyron, Margaux, 2006, bei Gerstl, Fr. 20.-

Château Thieuley blanc, Entre-Deux-Mers, 2010, bei Martel, Fr. 12.80

Château Doisy-Védrines, Sauternes, 2009, bei Martel, Fr. 26.-/37,5 cl

 

Santé !

 

P.S. Ich find‘ ja, dass Cola überall anders schmeckt. Bei Fanta ist’s noch krasser. Ich sage, die beste gibt’s in den Niederlanden. Unabhängig vom Jahrgang…


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Herbst-Special: Bordeaux für Anfänger, Teil I – un peu de géographie

So, der Herbst ist da und es wird Zeit für einen ersten, mehrteiligen Special. Quasi von einem Einsteiger für Einsteiger. Als solcher wage ich mich an ein grösseres Thema heran: Es geht um Bordeaux, Bordeaux und nochmals Bordeaux. So viel ist klar. Alles andere sehen wir dann…

Um euch die Weine des Bordelais ein Stück näher zu bringen, versuche ich im ersten Teil etwas geografisches Grundwissen unter die Menge zu streuen. So steht man bei der nächsten Stammtisch-Diskussion zum Thema Bordeaux wenigstens nicht ganz auf verlorenem Posten, und auch im lokalen Country-Club macht sich ein wenig Bordeaux-Grundwissen nicht schlecht 😉 Ne, ernsthaft, nach der Lektüre dieses kurzen Artikels habt ihr hoffentlich wenigstens eine grobe Peilung bezüglich der Herkunft der französischen Tropfen, der wichtigsten Appellationen und einigen Bonus-Facts. Also Nerds, Kenner und Besserwisser, aufgepasst! Ihr dürft schön draussen bleiben. Mein Bordeaux-Special ist nur für offiziell ausgewiesene Dilettanten.

Na dann, los gehts !

Willst du prahlen, machs mit Zahlen:

  • bereits seit dem 4. Jahrhundert wird im Bordelais Wein angebaut
  • 1855 veranlasst Napoleon III. die Klassifizierung der wohlschmeckendsten Bordeaux (dazu nächstes Mal mehr)
  • 1890 zerstört die böse Reblaus sämtliche Rebflächen des Bordelais
  • im Bordelais findet man über 3’000 Châteaux
  • Anbaufläche ingesamt: 120’000 Hektar
  • Das Produktionsvolumen des Bordelais beträgt insgesamt über fünf Millionen Hektoliter Wein jährlich
  • ein Drittel der französischen Weine werden im Bordelais produziert

 

Bordeaux kommt aus dem Anbaugebiet namens Bordelais. Dieses liegt im Südwesten Frankreichs und gehört zum Département Nr. 33, der Gironde. Es erstreckt sich in von der Atlantikküste Land einwärts entlang dem Flussdelta, welches sich aus dem namensgebenden Strom, der Gironde und ihren zwei Zubringern, der Dordogne und der südlicher gelegenen Garonne bildet. Insgesamt umfasst das Bordelais sage und schreibe fünfzig Appellationen und kann in fünf Regionen eingeteilt werden. Merke dir: Bei der Herkunft der Bordeaux kann man grob zwischen linkem und rechtem Ufer (der Gironde) und dem dazwischen liegenden Entre-Deux-Mers unterscheiden. Ne übersichtliche Karte samt Legende findest du weiter unten.

Unten findest du die Regionen des Bordelais. In Klammern sind einige wichtige Appellationen angegeben. Wirf in einem Gespräch mit diesen verbal wild um dich, und du bist garantiert ganz vorne mit dabei.

Médoc Das Médoc beginnt nördlich der Stadt Bordeaux und zieht sich entlang der Garonde bis zur Gabelung des Flusses (Médoc, Haut-Médoc, Pauillac, Margaux, Saint-Estèphe, Saint-Julien)
Graves Die Graves setzen die Linie des Médoc südlich der Stadt Bordeaux weiter, liegen also entsprechend entlang des südlichen Ufers der Garonne (Graves, Pessac-Léognan)
Entre-Deux-Mers Nomen est omen. Das Gebiet liegt zwischen den beiden Flüssen Garonne und Dordogne (Entre-Deux-Mers)
Libournais Das Libournais bezeichnet das Gebiet um die Stadt Libourne und liegt am rechten Ufer der Dordogne (Saint-Émilion, Pomerol)
Blayais und Bourgeais Blayais und Bourgeais liegen nordwestlich bzw. nördlich des Zusammenflusses von Dordogne und Garonne (Côtes de Blaye)

Blick vom Städtchen Saint-Émilion aus auf umliegende Reben.

Wir sind in Pauillac. Ein Teil der Reben des Châteaus Mouton-Rothschild. Typisch für das Médoc: Flaches Gelände so weit das Auge reicht.


Die typische Hügellandschaft des Entre-Deux-Mers. Hier zwischen Lestiac sur Garonne und Créon.


Magst du Karten? Bitteschön:

(Karte: Domenico-de-ga)

 

Falls du immer noch ratlos vor den Regalen stehst: Teil II kommt in Kürze…