Flaschentester

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Z wie Zambujeiro

Draussen ist es kalt und nass. Zeit für eine Flasche Roten aus wärmeren Gefilden. Die Reise geht heute nach Portugal, direkt zu einem Schweizer. Emil Strickler heisst der Mann, der sich in dreizehn Jahren an Portugals Spitze kelterte. Alexander von Essen hat diesem einen Sondertropfen abgerungen. Zum Glück.

Der Rotwein mit dem schicken Etikett kommt von einem relativ kleinen Weingut in Zambujeiro nahe Borba. Die Ortschaft liegt 170 Kilometer südöstlich von Lissabon entfernt und befindet sich in der Region Alentejo unweit der spanischen Grenze. Quinta ist übrigens das portugiesische Wort für Weingut. Stricklers Quinta umfasst 21 Hektar an eigenen Reben, zehn zusätzliche Hektar werden dazugemietet. Sie stehen auf durchlässigen Schieferböden. – Das Thema Schiefer hatten wir erst vor kurzem ja schon einmal, allerdings bei einem Riesling. Auch beim Portugiesen schlägt sich das Terroir mineralisch im Wein nieder.

Borda, Alentejo, Portugal, Europa

Borda, Alentejo, Portugal

Der Quinta do Zambujeiro Z ist, wie eingangs erwähnt, eine Spezialabfüllung für die Selection Alexander von Essen*. Der Wein wurde zwölf Monate lang im Barrique ausgebaut. Übrigens ist es kein sortenreiner, sondern ein Blend aus Aragones (= Tempranillo), Touriga Nacional, Trincadeira sowie – laut Produzent – einem kleinen Anteil Cabernet Sauvignon. Damit ist der Z traubenmässig an den Star des Hauses angelehnt. Dieser wird nämlich aus denselben autochthonen, protugiesischen Traubensorten hergestellt. Einzig den Cabernet-Anteil lässt man bei jenem weg. Als Önologe zeichnet Alain Bramez verantwortlich. Auf der Quinta wurde der erste Wein unter Schweizer Hand übrigens vor rund 13 Jahren gekeltert. Strickler ist also noch nicht sehr lange im Geschäft. Umso erstaunlicher ist es, dass seine Quinta do Zambujeiro qualitativ bereits zu den Top Five unter Portugals Produzenten gezählt werden darf. Mit ein Grund ist sicher, dass die Erträge klein gehalten werden und streng von Hand selektioniert wird.

Dieser Umstand macht mich neugierig. Lassen sich diese Qualitäten auch auf die Spezialabfüllung übertragen? Nach dem Öffnen der Flasche dekantiere ich den Wein und lasse ihn zwei Stunden atmen. Schliesslich schenke ich ein: Er ist rubinrot. Die Nase ist fulminat. Es riecht, als ob man seine Nase in ein süsses Erdbeerenfeld halten würde. Ergänzt wird das Bouquet durch etwas Leder, Holz, erdige Nuancen. Meine Hoffnung wächst. Im Mund schwingen zusätzlich auch dunkle Beeren, Paprika und mineralische Noten mit. Ausserdem bilde ich mir ein, etwas Rauchiges erkennen zu können. Der Z ist Wein gewordener Hüne mit einem kräftigen Körper. Trotzdem ist er komplex und nicht bullig. Mit seinem endlosen, schmelzigen Abgang bietet er ein aussergewöhnliches Wein-Erlebnis zum moderaten Preis.

Es erstaunt nicht, dass sämtliche Zambujeiros von Parker stets 90 und mehr Punkte erhalten haben. Auch der Z passt absolut in das Beuteschema des amerikanischen Weinkritikers. Da hat man wirklich eine Fruchtbombe im Glas. Das Beste daran: Chile, Argentinien und Südafrika bleiben aussen vor. Wir bleiben in Europa und ich meiner Linie treu. Im Promo-Video wird Alentejo übrigens mit Kalifornien verglichen. Nicht zu unrecht: Der Zambujeiro könnte genauso gut im Napa Valley gekeltert worden sein. Man schmeckt förmlich die vielen Sonnenstunden.

„Leicht war gestern, heute wird geklotzt!“, scheint einem der Rotwein entgegenzurufen. Eigentlich ist es mehr ein Schreien, ein lautes, unüberhörbares. Er ist rund. Er ist fett. Er hat Frucht. Darum muss ein herzhaftes Stück Fleisch auf den Tisch. Sofort! Denn eine alternative Essenspaarung kann ich mir kaum vorstellen. Oder man geniesst ihn einfach so. Fruchttrinker werden ihn lieben. Garantiert. Ich gebe 18 Punkte.

"Z" Quinta do Zambujeiro

Punkte: 18/20
Passt zu: Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch (Rind, Schwein)
Preis: Fr. 19.95

 

Den Quinta do Zambujeiro Z gibt es hier zu kaufen.

 

 

 

 

 

* Meine These erhärtet sich: Alexanders Selektion war einmal mehr eine gute Wahl.

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