Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Staatskellerei Zürich – Gamaret 2010

Helvetien sorgt für Aufruhr. Seit der Abstimmung vom 9. Februar ist nichts mehr wie es war. Lawinenartig wälzt sich eines der merkwürdigsten Ergebniße der direkten Demokratie durch alle erdenklichen europäischen Medien. Egal ob Print-, TV- oder Online-Magazine, alle berichten sie darüber: Die Maßeneinwanderungs-Initiative. Abwartend, wie die EU nun reagieren wird, herrscht innenpolitisch längst Chaos. Dahin ist die Heidiland-Idylle, mit einem Schlag weggefegt das Image des verschlafenen, aber stets neutralen Käse- und Kuhstaates. Flaschentester wird nachdenklich. Hat er doch anders abgestimmt. Daß die Schweiz auch beßer kann, zeigt er heute wenigstens in vinophiler Hinsicht. Sozusagen als digitaler Immigrant im grenzenlosen Netz. Als Gastautor auch auf einem Blog jenseits der Alpen. Für einmal etwas politisch, aber doch dem Genuß verpflichtet.

Staatskellerei Zürich 1

Die Kellereien in Rheinau (Quelle).

Die Schweiz ist bunt. Vier Landessprachen, und unzählige landestypische Eigenheiten widerspiegeln eine Gesellschaft, welche sich seit mehr als einer Dekade durch Toleranz und Konsens auszeichnet. Auch die Weinlandschaft zeugt von dieser Vielfalt. Meistens sind es nämlich Kleinstparzellen, welche im gesamten Land von über 30’000 Winzern bewirtschaftet werden. Jede Region hat ihre ureigene Weinbautradition und unzählige Kulturen verschiedenster Rebsorten. Im Tessin sind es vor allem Merlot und Chardonnay, in der Deutschschweiz Pinot Noir und Müller-Thurgau, im Westen zudem Chaßelas, welche angebaut werden. Neben diesen zentralen Sorten, gibt es hierzulande unzählige autochthone, also ursprüngliche Reben und auch einige Neuzüchtungen, welche zum Teil in Kleinstmengen verarbeitet werden. Gamaret ist eine davon. Vor etwas mehr als dreißig Jahren wurde die junge Sorte von der Eidgenößischen Forschungsanstalt für Pflanzenbau in Pully durch die Kreuzung von Gamay und Reichensteiner ins Leben gerufen. Gamaret wird vor allem im Kanton Waadt angebaut, ist zum Teil aber auch in der Zentralschweiz zu finden. Inzwischen werden sogar  in Deutschland Kleinstmengen kultiviert. So zum Beispiel in Württemberg.

Staatskellerei Zürich Kellermeister Werner Georges Kuster

Kellermeister Werner Georges Kuster (Quelle).

Wir schreiben den 9. März. Einen Monat nach dem niederschmetternden Wahlresultat werden die ersten Folgen sichtbar. Flaschentester spricht mit einem Bekannten, welcher an der Universität Zürich arbeitet. Es wird konkret: Erasmus ist – zumindest für die Schweiz – Geschichte und auch die Beteiligung am Forschungsprojekt Horizon 2020 steht auf dem Spiel. Und das ist erst der Anfang. – Warum reden wir hier also noch über Gamaret? Nun, so einer steht eben jetzt vor mir auf dem Tisch. Quasi als Trostwein in einer trostlosen Zeit. Denn den schicksalsschweren Sonntag muß man einfach mit einem entsprechenden Tropfen vom Tisch fegen. Auch einen Monat danach. Wenigstens für einen Abend lang.

Ich koche. Nicht nur innerlich. Es gibt Schweinefilet, Brat-Kartoffeln und Bohnen. Zwischendurch werfe ich nochmals einen Blick auf die Flasche: Jahrgang 2010, 13,5 Volumenprozent. – Ja, 2010 war die Welt noch in Ordnung. Wer hätte gedacht, daß vier Jahre später über fünfzig Prozent aller Schweizer der Initiative einer verkorksten Partei zustimmen? Klar, überfüllte Züge, verstopfte Straßen, steigende Mieten und Grundstückspreise, Zersiedelung, Lohndruck, Kriminalität, und Asylmißbrauch sind reale Probleme. Aber die sind doch nicht so zu lösen! Herrgottnochmal ! ! !

Staatskellerei Zürich Klosterkeller

Klosterkeller: 400 Jahre Tradition (Quelle).

Leicht genervt entferne ich die silberne Kapsel und entkorke. So heftig wie das Wahlresultat ist auch die Keule von Flasche. Burgund läßt grüßen. Drauf steht „Staatskellerei Zürich – Gamaret, Prestige Barrique„. Die Anfänge des Zürcher Produzenten liegen im späten 19. Jahrhundert. Ursprünglich sollte der Betrieb vor allem die ansäßigen Krankenhäuser und Anstalten mit Wein versorgen. Schließlich wurde auch da mal ein Glas getrunken. – Heute beliefern die Zürcher Kellereien freilich andere Märkte. Seit 1997 gehören sie zur Mövenpick Wein AG und sind gegenwärtig einer der größten regionalen Weinproduzenten. Der Betrieb kauft und verarbeitet Trauben von rund neunzig verschiedenen Quellen im ganzen Kanton. Das Sortiment umfaßt Rot-, Weiß- und Schaumweine. Auch Likör und alkoholfreie Traubensäfte werden im idyllischen Örtchen Rheinau produziert. Entgegen der gebräuchlichen Methode Gamaret mit Garanoir, Gamay oder Pinot Noir zu einer Assemblage zu vereinen, befindet sich in dieser Flasche eine sortenreine Abfüllung. Das hat seinen Preis. Zugegeben, der Wein ist nicht billig. Schließlich verlangt gerade Gamaret nach einer guten und damit auch intensiver zu bewirtschaftenden Reblage und vor allem nach einer strengen Selektion des Traubenmaterials. Das macht den Wein teurer. Mißachtet der Winzer diese zwei Umstände ergeben sich häufig krautige, ja sogar kratzende Weine. Und die kauft keiner.

Wir sitzen inzwischen am Tisch. Das Schweinefilet lächelt uns entgegen. Es wird angestoßen: Auf den Dialog! – Daß dieser bitter nötig ist, scheinen einige noch feststellen zu müßen. Ich für meinen Teil werde ruhiger und ruhiger. Der Gamaret entfaltet seine Wirkung. Dunkel und purpurrot liegt er im Glas. Das Bouquet voller schwarzer Beeren und Schokolade. Holz rundet das olfaktorische Spektrum ab. Im Mund schmecke ich Kirschen und Pflaumen. Seine Fruchtigkeit erinnert entfernt an einen jungen Blauburgunder. Der Wein ist füllig, der Abgang stimmt versöhnlich, der Nachhall verstummt angenehm langsam. Ein schönes Stück Schweiz habe ich da im Glas. So müßte sie sein. Individuell, versöhnlich, einladend und von einer inneren Stabilität getragen. Daran erinnert man sich gerne. Der Gamaret macht’s vor. Wenn Politik nur so einfach wäre. Ich gebe 18 Punkte.

Gamaret-Prestige-Barrique_Staatskellerei-ZuerichPunkte: 18/20
Paßt zu: Fleisch, deftigen Speisen, reichhaltigen Speisen
Preis: Fr. 28.- / € 19.50

 

Den Gamaret Prestige Barrique der Staatskellerei Zürich gibt’s bei Mövenpick/Schweiz bzw. Mövenpick/Deutschland zu kaufen.


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Gastbeitrag: Via al Castello, Barolo 2008

Für heute Abend haben sich einige Freunde zu Besuch angekündigt. Uns alle vereint die Liebe zur italienischen Küche. Denn die Kunst dieser Küche ist es, mit einigen wenigen Zutaten ein wunderbares Essen zu zaubern. Dazu braucht man natürlich den passenden Wein. Und da scheint kein anderer geeigneter zu sein, als ein Barolo aus dem südlichen Piemont, dem Paradies der italienischen Genüsse.

Es ist schwer in Italien Regionen nach ihrem Genussgrad zu unterscheiden. Denn die italienische Küche lebt von regionalen Produkten und der weitergegebenen Erfahrung des richtigen Einsatzes dieser. Wenn es im Piemont ein Produkt gibt, welches für diese Region steht, ist es der weiße Alba-Trüffel, eine der edelste aller Trüffelsorten. Ob im Risotto, auf einem Omelett oder zur Pasta, im Piemont gibt es zahlreiche typische Gerichte, in denen der besagte Trüffel zum Einsatz kommt. Aber ebenso ist der Landstrich reich an Weinen, die zu den Besten Italiens gehören. So zum Beispiel Barbera d’Asti, Barbaresco, Nebbiolo d’Alba oder eben Barolo.

Das Piemont (Quelle: http://www.faktorei.ch)

Das Piemont (Quelle: http://www.faktorei.ch)

Im Gegensatz zu anderen großen Rotweinen Italiens handelt es sich beim Barolo um keine Cuvée, das heißt, es werden nicht Weine aus verschiedenen Trauben verschnitten, sondern es entsteht ein sortenreiner Rotwein, gekeltert aus der Nebbiolo-Traube. Vergoren wird der Wein traditionell bis zu 24 Tage mit Schalenkontakt in großen Eichenfässern. Das sorgt für eine massive Konzentration der Aromen, allerdings auch für einen sehr hohen Tanningehalt. Das wiederum hat zur Folge, dass Barolo im Normalfall sehr lange haltbar ist und erst nach einer gewissen Flaschenreife getrunken werden kann. Denn mit der Lagerung werden die Tannine im Allgemeinen weicher. Heutzutage wird das Gärungsverfahren in den Eichenfässern oft verkürzt, damit der Wein schneller seine Trinkreife erlangt. Schliesslich möchte nicht jeder Konsument den Wein nach dem Kauf einlagern.

Eine Stunde, bevor meine Kochfreunde sich angekündigt haben, beginne ich bereits, die erste Flasche zu dekantieren. Zwar sind bei einem 08er bereits sechs Jahre ins Land gezogen, dennoch habe ich vor diesem Wein einen gewissen Respekt. Schliesslich  wird er sich uns allen gleich offenbaren. – Nachdem ich die letzten Einkäufe in die Küche gebracht habe, klingelt es an der Türe. Jetzt kann es losgehen. Da wir uns nicht zum ersten Mal treffen, sind die Aufgaben schnell verteilt. Zwiebeln und Gemüse schneiden, Fleisch würzen und anbraten. Das Einschenken bleibt mir überlassen. Und so beginnen wir, uns bereits beim Kochen mit einem Glas Wein auf den Abend einzustimmen. Und bei alledem fällt uns auf, wie gut der Barolo von Via al Castello schmeckt. Das Bouquet ist würzig-holzig, leicht fruchtig-kirschig. Der Wein ist reich an Aromen. Pfeffrig, würzig und pflaumig schmeckt er am Gaumen. Einer der Gäste erahnt gar dunkle Schokolade. Gleichzeitig ist der Barolo überaus voluminös und reich an Tanninen. Genau das Richtige in der Winterzeit und ein Traum zu Pasta an einer kräftigen Sauce. Ein weiterer Gast bemerkt, dass wir dem Wein vielleicht noch ein, zwei Jahre im Keller hätten geben können. Meiner Meinung nach ist er jetzt bereits schon sehr gut trinkbar und zu unserem Gericht absolut passend.

Am Ende des Abends sind wir uns alle einig: Es war ein gelungenes Treffen mit vorzüglichem Wein, hervorragender, selbstgemachter Pasta und guten Gesprächen mit alten Freunden. Das sollten wir auf jeden Fall wiederholen. Wir einigen uns darauf, dies nächsten Winter in die Tat umzusetzen. Alleine schon um zu testen, wie sich der Barolo bis dahin in den übrig gebliebenen Flaschen entwickeln wird, – ein Wein, der für uns zum Inbegriff des Barolos schlechthin geworden ist. Der Preis von € 12,99 bewegt sich ausserdem für einen Barolo absolut im bezahlbaren Rahmen. Wir sind zufrieden und vergeben 16 Punkte.

4311605484314Punkte: 16/20
Passt zu: Pasta mit herzhafter Sauce, Risotto, deftigen Fleischgerichten
Preis: € 12,99

 

Den 08er Barolo der Via al Castello gibt es im Weinhandel Schäpers/Deutschland und bei Edeka.

 

 

 

Über den Autor

Hans-Jürgen SchwarzerHans-Jürgen Schwarzer ist mit seinem Sinn und seiner Liebe zu gutem Wein und gutem Essen geradezu prädestiniert, darüber zu schreiben. Dies tut er auf dem Blog http://www.edelste-weine.de/. Wobei er sich selbst eher für einen Liebhaber guter Weine, denn als ultimativer Weinkenner, hält. Insgesamt kann man ihn als Freund der schönen Dinge im Leben bezeichnen. Neben seiner Liebe zu den leiblichen Genüssen, weicht er keiner Leckerei aus und hat ein besonderes Faible für alles, was die Musen den Künstlern eingeben. Hier besonders für die impressionistische Musik und die Malerei. Er ist ein großer Liebhaber des Komponisten Maurice Ravel und der Maler Vincent Van Gogh, Édouard Manet und auch einsamer Wölfe wie Max Beckmann.


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Riesling für den Niesling: Van Volxem Fuder 13, 2012

Flaschentester hat sich erkältet, als er wiedermal für seinen Blog mit dem Radl durch Eiseskälte und Schneeregen quer durch die Stadt einige Rote und Weisse besorgen ging. Die Nase tropft, die Ohren sind scheinbar mit Watte gefüllt. Als wäre das nicht schon genug, meldet sich der interne Bio-Sensor plötzlich mit einer leichten Erhöhung der Betriebstemperatur. Da hilft nur eines: Trinken.

In der Küche wartet schon der Hustensirup, weiter geht’s mit eimerweise Tee. Kaum ist die Tropfnase verklungen, nehme ich Abschied von den Tassen und halte meinen Rüssel endlich in ein anständiges Glas. Eins mit Riesling drin. Er hört auf den Namen Fuder 13.

Der Begriff steht an der Mosel für ein Weinfass mit sage und schreibe 1’000 Litern Inhalt. Nicht schlecht, Herr Specht – pardon – Niewodniczanski. So heisst nämlich der Mann, der 1999 das etwas eingeschlafene VDP-Weingut Van Volxem, ehemals Jordan & Jordan, übernahm und wieder auf Kurs brachte. Der Spross der Bitburger-Führungsriege, schien von Anfang an ein glückliches Händchen und genügend Geld für die Neuorganisation des deutschen Traditionsbetriebs zu haben. Auch seine Philosophie scheint erfolgsversprechend zu sein: Lese von Hand, Ertragsreduzierung an den Reben und akkurate Laubwandarbeit werden bei dem Online-Nachschlagewerk gelistet. Die Weine gären ausserdem ohne Zusatz von Industriehefen und werden nicht geschönt. Traditionell ist auch das Vergären des Mosts im besagten Fuder. An der Saar ist Bio angesagt. Und wie.

Das klingt ja schon mal gut. Mehr ist auch mit Hilfe von Van Volxems Homepage leider nicht in Erfahrung zu bringen. Diese besteht nämlich lediglich aus einer Art Diashow. Also müssen für diesen Artikel Sekundärquellen herhalten. Schade. Denn Roman Niewodniczanski macht auf Understatement pur, denke ich mir und nippe nochmals am Weissweinglas. – Der Mann kann das aber auch. Er hat Hirn, Moneten, Erfolg, Aussehen, Auszeichnungen und vermutlich auch sonst alles was man sich wünscht.

Dieses Bild vermitteln einem wenigstens die Medien – und auch das geschickte Marketinghändchen von Niewodniczanski himself. Denn, wenn man was über ihn liest, dann nur Märchenhaftes. Vom weissen Ritter ist die Rede, von einem Pionier, einem der alles richtig anpackt und ausschliesslich dem Wein und der Region dient. Hach, zu schön um war zu sein, diese streckenweise auf Boulevard-Niveau geschriebenen Artikel über den Riesling-Robin Hood. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Hochglanzbildern: Roman mit Hund. Roman im Weinberg. Roman im Frack. Roman als Actionheld. Roman im Büro. Die Liste liesse sich spielend fortsetzen. Dallas meets Denver Clan meets Falcon Crest. Egal, mich interessiert in erster Linie der Wein. Aufgeblasene Werbemaschinerie oder nicht, ich trinke und geniesse.

VanVolxem

Nein, keine neue Soap, sondern ein Winzer im Glück: Roman Niewodniczanski (rechts im Bild).

Denn das muss man den den deutschen Rieslingen lassen: Nirgendwo sonst auf der Welt erhält man solche Spitzenqualitäten zu derart moderaten Preisen. Selbst Grosse Gewächse kosten heute selten mehr als fünfzig Franken. Und auch ein einfacher Kabinett oder Gutswein kann bereits enorm Spass machen. Riesling ist toll. Riesling ist bezahlbar. Riesling macht Spass!

Der Fuder 13 liegt preislich im unteren Mittelsegment und stammt aus dem schönen Rieslingjahr 2012. Es handelt sich um die A-Klasse des Van Volxem-Sortiments. Was kann ich von dieser erwarten? Nun, wie beim deutschen Automobilhersteller, durchwegs Wertiges. Niewodniczanski’s Abfüllung besticht in der Nase durch allerlei gelbe Früchte. Man riecht Grapefruit, Ananas, Banane und etwas Zitrone. Der Duft ist durchaus betörend. Im Mund ist der Volx relativ unspektakulär. Die Säure ist angenehm, der leichte Sprudel gefällt, der Früchtekorb ist nach wie vor vorhanden. Ein Hauch Mineralität mischt sich ins Spektrum. Der Wein besitzt eine liebliche Attitüde, er ist süffig und unkompliziert, gleichzeitig aber auch angenehm erfrischend. Es ist ein Wein für Gelegenheitsgeniesser und solche, die sich geschmacklich nicht zu weit aus dem Fenster wagen wollen. Van Volxem’s Riesling ist schlicht ein sehr solider, vollmundiger Wein.

Für etwas mehr als zwanzig Franken erhält man einen überaus ordentlichen produzierten, und durch und durch traditionellen Riesling ins Glas. Es handelt sich um einen schönen fruchtigen Weisswein, der auf Anhieb Spass macht. Es gibt preisgünstigere Flaschen gleicher Qualität, keine Frage. Doch auch diese hier kann man bezahlen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in Ordnung. Schliesslich wollen Van Volxem’s Webdesigner auch bezahlt werden. Und wenn noch einige Flaschen mehr des Fuders über die Ladentheke wandern, gibt’s vielleicht in naher Zukunft ausser Bildern, online inhaltlich auch mal was Nahrhafteres zu sehen. Schön wär’s. Ich gebe 17 Punkte. – Meiner Nase geht’s übrigens wieder besser. Danke der Nachfrage.

Fuder13

Punkte: 17/20
Passt zu: (Ziegen-)Käse, vegetarisch-würzigen Gerichten, kalten Platten, Bauern-Omelette
Preis: Fr. 21.00 / € 13.85

Van Volxem’s Fuder 13 gibt’s bei Mövenpick Schweiz oder Deutschland.


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Denner unstoppable – Ach du meine Fresse

Mein Gott Denner, was bist du aggressiv und unkontrolliert in letzter Zeit. Sobald ich deinen weissroten Schriftzug ausmache, manifestiert sich vor meinem geistigen Auge eine Mischung aus Discounter-Pitbull, und Rattenfänger von Hameln. Zwei Dinge, die die Welt nicht braucht.

PitbullDennerBegonnen hat es mit einer Pressemitteilung im letzten Jahr. Im Dezember 2012 registriert die Medienwelt die Übernahme des Coop-Weineinkäufers Christoph Bürki, den du dann auch baldmöglichst wieder ausspuckst. Personalwechsel werden nicht kommentiert, sagst du. Warum auch. Das nennt sich heutzutage Firmenpolitik. Flaschentesters Aufmerksamkeit ist geweckt. Je länger ich mich mit dir beschäftige, desto mehr ist kräftiges Kopfschütteln angesagt.

Du scheinst den medialen Äther recht grosszügig zu bedienen. Deine Fernsehwerbung, die mit den cinque stelle, scheint gerade der Renner zu sein. Alle wollen Gutscheine gewinnen. Alle haben Spass. – Auch ich hatte Spass, als ich für eine Bewertung deiner mittelmässigen Weine als glücklicher Gewinner einen Gutschein zugestellt bekam. Danke dafür. Leider sind die abgegebenen Kommentare und Bewertungen so inflationär, wie ich’s von Anfang an erwartet hatte. Kaum jemand bewertet deine Weine mit weniger als vier Punkten. Gleichzeitig kann ich die Öffentlichkeit beruhigen: Auch bei schlecht bewerteten Weinen, erhält man als Gewinner der wöchentlichen Verlosung einen Einkaufsgutschein per Post zugestellt. Einige Fragezeichen bleiben trotzdem: Schmecken all deine Weine ausnahmlos gut, wie etwa von Chandra Kurt im Weinseller propagiert? Haben deine Kunden Angst, sich mit treffenden Bewertungen online zu outen und einen Shitstorm auszulösen? Fehlt es Denner-Weinkonsumenten grundsätzlich an Geschmack und Qualitätsbewusstsein? Wo bleibt die eigene Meinung? Man weiss es nicht. Fest steht: Viele lechzen nach deinen Gutscheinen, welche sie dann wieder in Wein investieren, den sie online bewerten, damit ihnen ein Gutschein… ach, wechseln wird lieber das Thema.

Weinkrieg2Auch offline, zum Beispiel auf Papier, bist du ganz schön präsent. Deine Marketing-Offensive umfasst sogar zwei hauseigene Weinzeitungen. Ja richtig, Plural. Von deinem Weinführer ist die Rede, und von einer gehefteten, mehrseitigen Papierwerbung, welche du als Weinzeitung betitelst. Beide sind auch online, als PDF, mit allem dazugehörigen Bedienerschnickschnack abrufbar. Usability scheint von dir neuerdings online ja sowieso ganz GROSS geschrieben zu werden. Denn unterdessen findet man auf http://www.denner.ch eine komplett überarbeitete Seite mit klarer Struktur und einer benutzerfreundlicheren Navigation als noch Anno Domini Zweitausendirgendwas. Den Konsumenten freut’s. Auch ich haber darüber berichtet und war mit deinem Auftritt ziemlich zufrieden. Umso trauriger stimmt mich deshalb die Tatsache, dass du uns Weinkäuferinnen- und Käufern immer wieder mit dem selben Wein hinters Licht führst. So entdecke ich auch heute, online, beim Schreiben dieses Artikels, wieder eine Rocca Rubia-Aktion. Nicht die erste, wohlgemerkt. Der Wein des Anstosses wurde bereits mehrmals von dir zum Spottpreis angeboten, war aber in den Läden meines Wissens nie erhältlich. Ein St. Galler Weinhändler erwog deshalb sogar rechtliche Schritte gegen dich einzuleiten. Meine Fresse Denner, was soll denn das? Bitte Seinlassen, danke.

DennerDrLoosenDafür, dass du überraschenderweise den hinlänglich bekannten 2010er Pannobile von Heinrich einige Tage als Schnäppchen angeboten hast, bin ich dir hingegen sehr dankbar. Sowieso scheinst du auf dem österreichischen Auge nicht mehr ganz so blind zu sein. Das beweist du nicht nur mit der Heinrich-Aktion, sondern auch der Aufnahme eines einfachen Grünen Veltliners in dein Sortiment. Seit kurzem gibt’s bei dir von Zeit zu Zeit sogar einen Zweigelt aus der Wachau. Weiter so. Beiss dich bei den Österreichern fest. Das hat Zukunft.

Auch Deutschland schien für kurze Zeit endlich in dein Beuteschema zu passen. Ursula – Achtung Wortwitz! – Beutler, welche ja auch schon für Manor und Coop weinmässig einkaufen durfte, hat bestimmt ihre Beziehungen spielen lassen, als sie einen Dr. Loosen für dich an Land zog. Stimmt’s? Das gibt dennoch zu denken. Gerade mal Fr. 9.85 habe ich für das Erdener Treppchen bezahlt. Deine Preisgestaltung ist unglaublich aggressiv. Andere Händler verlangen zum Teil das Doppelte und werden von deiner Aktion alles andere als begesteiert sein. Gerade gestern habe ich dich besucht. Es standen immer noch einige Flaschen zum momentanen Aktionspreis von Fr. 12.30 bei dir im Laden. Aus dem Online-Shop und deiner App hast du ihn aber ganz schnell wieder entfernen lassen. Warum denn das? Hat der deutsche Onkel Doktor die ausgemachte Liefermenge etwa nicht eingehalten, oder war das einmal mehr eine deiner geschickt eingefädelten Finten, um den Kreis der Dennerkonsumenten zu vergrössern? Schliesslich durften nur gerade vier Kunden den Riesling bewerten, bevor er wieder vom Bildschirm verschwand. Ich bin ratlos.

DennerBordeaux2011Selbst bei den französischen Weinen reitest du schon seit einiger Zeit auf der inzwischen massentauglichen (Bordeaux-)Welle. Ganze elf Flaschen aus dem Bordelais stehen bei dir im Regal. Weiss, rot, süss: Keiner kostet mehr als zwanzig Franken und alle schmecken sie höchstens durchschnittlich. Hauptsache, Bordeaux steht drauf. Zwar kann man Bonnet, Partarrieu und Konsorten durchaus trinken, der Spass bleibt – zumindest bei mir – dabei jedoch aus. – Ich komme ins Grübeln. Lange Zeit fragte ich mich ernsthaft: Where have all the Grand Crus gone? Und sind wir ehrlich, die paar ernst zu nehmenden Fläschchen, welche irgendein französischer Camion die letzten zwei, drei Jahre jeweils im Herbst anlieferte, waren im Vergleich mit Pickpay-Zeiten nicht der Rede wert. Seit letzter Woche erkennt man aber wenigstens etwas Licht am roten Dennerhorizont. Endlich findet man wieder eine Auswahl an französischen Châteaux, die ihren Namen verdient. Auch deine Preise sind fair. Und ist es nicht schön zu sehen, wie sich in alter Denner-Manier, Bordeaux-Kistchen lieblos auf einer Holzpalette stappeln? So soll es sein. So mag ich dich.

WeihnachtsbaumIn Anbetracht dessen, dass in absehbarer Zeit Weihnachten vor der Tür steht, sende ich dir vier naive Wünsche zu:

1) Lass die Rocca Rubia-Aktionen sein. Erstens gibt’s den Wein nicht bei dir zu kaufen, zweitens nervt das andere Händler, drittens registrieren auch wir Konsumenten diese Bauernfängerei.

2) Erweitere dein Sortiment um deutsche Weine. Warum nicht mal ein, zwei ordentliche Rieslinge, oder einen Spätburgunder ins Programm nehmen. Meine Sympathiepunkte würden dir automatisch zufliegen. Das gilt auch für das Kabitel Bio. Gerade mal ein Bio-Wein unter 243 Positionen, also bitte. Das geht besser.

3) Meine persönliche Überdosis an Denner ist längstens erreicht. Reduzier‘ deine Werbeaktionen auf die Hälfte. Höchstens. Danke.

4) Weiter so beim Thema Bordeaux. Gerne darfst du auch Flaschen unter zwanzig Franken anbieten. Dann aber bitte ordentliche und nicht das olle Bonnet-Zeugs.


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Schweizer Wein – quid facis?

Vor einigen Wochen veröffentlichte der Captain kurz nacheinander zwei Artikel, in denen er der Frage nach den Absatzproblemen von deutschen und österreichischen Weinen nachspürt. Warum trinken die Einwohner unserer beiden Nachbarländer immer weniger einheimischen Wein? So die Gretchenfrage. – Bei uns herrschen diametral andere Verhältnisse: Schweizer trinken Schweizer Wein, aber kein Schwein ausserhalb Helvetiens interessiert sich für unsere Erzeugnisse. Was läuft schief? Was muss man ändern? Ein Versuch aus Sicht eines Konsumenten.

Während Schweizer Uhren, Schokolade und Tennisspieler im Ausland durchaus für Lifestyle, Qualität und Höchstleistungen stehen, fristet der helvetische Wein ein Mauerblümchendasein in einer stillen Ecke, ganz zuhinterst auf dem europäischen Weinparkett. Schweizer Wein ist so etwas wie der Microsoft Zune unter den MP3-Playern. Nie davon gehört? Kein Wunder. Der hat sich international nämlich auch nie durchsetzen können.

Als Apple im Oktober 2001 die erste Generation des iPods vorstellt ist der Zug bereits abgefahren. Die kongeniale Symbiose aus Online-Store, portablen Abspielgerät und Festplattenersatz schlägt eine wie eine Bombe. Microsoft versucht fünf Jahre später mit einer Kopie nachzuziehen. Millionen von iPods wurden bereits verkauft. Apples Produkt ist unterdessen in der fünften Generation erhältlich, und auch die iPod-Ableger Mini, Nano und Shuffle erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Microsoft möchte mitmischen und lanciert ebenfalls einen Online-Store. Parallel zur Lancierung der xBox wird die Internetwährung Microsoft Points eingeführt und sage und schreibe 500 Millionen US-Dollar in Werbung für ihren iPod-Klon gepumpt. Die Schlacht ist schon verloren, bevor sie begonnen hat. Alle Flatrates, Marketingbudgets und technischen Verbesserungen brachten schlussendlich nichts. Ende 2011 wird der Zune eingestampft.

CH-Wein

Währenddem Apple spätestens seit der Einführung des iMacs 1998 nicht nur mehr funktionierende Geräte, sondern ein Rumdumsorglospaket aus Technik, Emotionen, Lifestyle und Prestige verkauft, klebt an Microsoft bis heute der Makel des Büromaschinenherstellers. Da ändert auch kein Windows 8 samt gleichnamigen Smartphone etwas daran. Die Parallele zum Schweizer Wein ist offensichtlich: Man gibt sich zwar Mühe, hat aber noch nicht erkannt, dass sich nicht alles nur um das Produkt an sich dreht, sondern auch darum, was dieses beim Konsumenten auslöst. Italien verkauft Lebensfreude, Frankreich Genuss und Extravaganz und Spanien die Sonne im Glas. Und was verkaufen wir? Rote Flaschen mit Schweizerkreuzen darauf. Also bitte.

Was fehlt ist Begeisterung. Echte, reine Begeisterung. Für die Schweiz und die eigenen Winzer und deren Produkte. Sommeliers, Restaurants und Weinhandlungen, müssten den Ausländern Schweizer Weine vermehrt anpreisen. Auf Weinkarten, im Gespräch, auf Veranstaltungen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Sie sollten ihn in höchsten Tönen loben, sofern er es verdient. – Und wir haben Einiges, was einen enthusiastischen Lobgesang verdient. Wen wir unserem Wein selbst schon derart kritisch gegenüberstehen, wie soll er dann im Ausland existieren?

Stattdessen laufen Bestrebungen, welche unsere Weine in guter, alter und reichlich verstaubter AlpenSchokoladeKäse-Manier international anzupreisen versuchen. Dabei wird ein völlig falsches Bild vermittelt. Schliesslich wird unser Wein weder hochalpin gekeltert, noch kann man ihn nur zu Käse-Fondue kredenzen. Welch‘ Degradierung! Schweizer Wein ist kein Kuhwein. Viele ausländische Weinkenner sehen Schweizer Wein bis heute als Kuriosum, sofern sie ihn überhaupt wahrnehmen. Ein Imagewandel muss daher schnellstens über die Bühne. Längerfristig können sämtliche Exportbestrebungen sonst auch gleich ad acta gelegt werden. Das spart Zeit, Geld und Nerven.

Vor allem das Image vom teuren Schweizer Wein gilt es zu widerlegen. Das geht aber nur, wenn auch im Ausland vernünftige Weine zu vernünftigen Preisen angeboten werden und nicht nur 100 Euro-Flaschen in deutschen Regalen stehen. Und das ist mgöglich. Schliesslich bezahlt man für einen Spitzen-Merlot vom Tessiner Erzeuger Tamborini auch nicht mehr, als für einen vergleichbaren Italiener oder Spanier. Gleichzeitig findet man vom selben Schweizer Produzenten auch anständige Qualitäten um die fünfzehn Euro. Mal ehrlich: Teuer ist anders. Und wir reden hier nicht von Aldi- und Lidlabfüllungen. Das ist eine andere Baustelle.

Eines der Hauptprobleme, mit welchem unser Exportwein zu kämpfen hat, ist die Schwierigkeit, in anhand seines Etiketts einzuordnen. Vor allem qualitativ. Ich sage daher: Falls möglich, weg von der Region, der Marke oder der Gemeinde, und hin zum Winzer. Namen sind wichtiger als Anbaugebiete. Vor allem dann, wenn ich wissen möchte, ob in der Flasche was Trinkbares dümpelt, oder nicht. Natürlich gehört das Anbaugebiet auf die Flasche, aber nicht – wie in der Schweiz oft üblich – als Haupterkennungsmerkmal. Einerseits hat das übersichtliche Alpenland nämlich schier unzählige Einzellagen, andererseits sind wohl unsere mikrogeographischen Verhältnisse nicht jedem ausländischen Weintrinker geläufig. Es gibt wohl kaum ein Weinland, welches auf derart kleiner Gesamtrebfläche, so viele Winzer und Rebsorten unterbringt, wie die Schweiz. Bestes Beispiel: Kopp von der Crone Visini. Sieben Hektar Gesamtfläche, fünf Lagen, neun Traubensorten, elf Weine, zwei Grappas, ein Likör. – So schaut’s aus in der Schweiz.

Und überhaupt: Mosel ist schliesslich auch nicht Mosel, Bordeaux nicht Bordeaux und Toskana nicht Toskana. Die Namen Diel, Château Petrus oder Antinori hat aber jeder schon einmal gehört, der sich mit Wein auch nur ein bisschen auseinandergesetzt hat. Vielleicht, mit viel Glück, trifft das in einigen Jahren auch auf Schweizer Winzertalente wie Gantenbein, Stucky oder Chappaz zu. Den mangelnden Quantitäten und der starken Konkurrenz aus den Weinhochburgen Europas kann der helvetische Wein nur mit Qualität und sattelfestem Image trotzen. Den Export könnte man nach dem Vorbild Frankreich organisieren: Gute Qualitäten ins Ausland, was übrig bleibt trinken wir zu Hause. Schliesslich exportiert die Schweiz gegenwärtig gerade mal ein Prozent der Gesamtproduktion. EIN PROZENT. Schweizer Wein muss beim Konsumenten eindeutige Bilder hervorrufen. Im Sinne einer Corporate Identity. So stolz wir auch auf unsere sprachliche, regionale, politische und nicht zuletzt landschaftliche Vielfalt sind: Vielfalt bringt uns beim Verkauf nicht weiter. Denn währenddem man jedes andere namhafte Produktionsland automatisch mit maximal drei bis vier Weinen bzw. Rebsorten oder Winzern in Verbindung bringt, ruft Schweizer Wein im Ausland leider keine klischeebereinigten Assoziationen hervor. Man denkt doch höchstens an Alphütten, Banken und überteuerte Skiferien.

Ein Fokussieren auf einige wenige, typische Sorten ist beim Export oder zumindest der Werbung angesagt: Chasselas, Blauburgunder und Merlot zum Beispiel. – Wahnsinn? Nein, Methode! Klar gibt’s von allen anderen bewirtschafteten Rebsorten ebenfalls fantastische Weine. Keine Frage. Aber es geht um’s grosse Ganze. Österreichischer Wein hat sich bei uns trotz Weinskandal durch die Arbeit junger Winzer und durch Zweigelt und Grünen Veltliner seine Stellung zurückerkämpft. Smart und hartnäckig. Und deshalb kaufen wir heute auch St. Laurent, Blaufränkisch oder zwischendurch mal einen Sekt von Bründlmayer. Eins führt zum anderen. Auch bei kleinen Produktionsmengen muss das möglich sein. Winzer, schliesst euch zusammen! Gründet Genossenschaften, selektiert streng, macht Spitzenweine, stampft salonfähige, frische Labels aus dem Boden und exportiert, was das Zeug hält.

Und bitte keine Swissness und weitere protektionistische Massnahmen des Staates mehr. Spätestens seit der werbewirksamen Logo-Reanimation unserer nationalen Fluggesellschaft durch einen Kanadier, braucht kein Mensch mehr eine rote Weinflasche mit einem Schweizer Kreuz darauf. Auch nicht im Ausland. Es soll schliesslich Wein und kein Souvenir verkauft werden. Man soll ihn in erster Linie trinken, und nicht als beliebiges Accessoire ins Wohnzimmer integrieren. Falsche Botschaft, falsches Bild = falsche Emotion. So einfach ist die Formel. Die Konsumenten wollen heute vor allem schick gestaltete Etiketten, klare Deklarationen und einen Hinweis auf die passende Essenspaarung. Darauf sollte man setzen. Und auf bezahlbare Qualität. Alles andere interessiert nicht. Schön ausschauen und gut schmecken muss es. Punkt. Auch Besprechungen und Kritiken von namhaften Vertretern der Journalistenzunft helfen von Zeit zu Zeit. Also nichts wie los, und Musterflaschen an die Schreibenden verteilt. Die sollen sich ruhig mal an einem Schluck Schweiz abarbeiten.

Wo wir schon bei Werbung sind: Erst kürzlich hat der Bund beschlossen, den Werbe-Etat für Schweizer Wein zu verdoppeln. Statt fünf stehen neu zehn Millionen Franken zu Verfügung. Davon sollen vier Millionen für Werbung im Export verwendet werden und sechs für das Inland. Ja, genau, mehr als die Hälfte für Werbung im Inland. Ungeachtet der Tatsache, dass die Schweizer – trotz leicht rückläufiger Zahlen – ihren eigenen Wein trinken bis die Lager leer sind. – Schilda lässt grüssen. Nicht die einheimischen Konsumenten müssen überzeugt werden, sondern die Touristen. Und da liegt der Schlüssel nicht bei grossflächigen Werbeplakaten, sondern bei der Gastronomie, der Tourismusbranche und den Händlern. Sie sind es schlussendlich, welche den Schweizer Wein anpreisen, oder nicht.

Und obwohl neben beliebiger Massenware herrlichste Tropfen produziert werden und unsere Winzer oft Eindrückliches leisten, obwohl die Qualitäten in den letzten zwei Dekaden stetig anstiegen, Innovationen sich mehren, stimmt mich die geringe Verbreitung und Akzeptanz im Ausland nachdenklich, und auch etwas traurig. Besserung ist nicht in Sicht. Gegenwärtig treffen nämlich immer noch langweilige Heidi-Kampagnen auf helvetisches Understatement und hoher finanzieller Aufwand auf wenig Ertrag. Bestes Beispiel: Die Weltausstellung 2010 in Shanghai. Schade.


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Wie geht Wein?

Heute ist ein wenig Nachhilfeunterricht vom Flaschentester angesagt. Fachbereich: Önologie. Dauer: 45 Minuten. Also angeschnallt und YouTube aufgeschlagen! Quarks & Co erklären in einem – meiner Meinung nach – schön gestrickten Beitrag viel Wissenswertes über Wein, dessen Herstellung, den Terroirbegriff und Qualitätsunterschiede. Also genau die Dinge, welche der Dilettant schon immer mal wissen wollte. Schön.


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Ordnung muss sein! – Der VDP räumt auf

Seit dem Pferdefleisch-Skandal von neulich ist das Wort Deklaration wieder mal in aller Munde. Konsumentenschützer poltern, Fernsehmagazine prangern an und die Gemeinde der Detailhändler verspricht hoch und heilig, das gesamte Sortiment genau unter die Lupe zu nehmen. Wen wundert’s? Dieses tragikomische Spiel wiederholt sich alle paar Jahre. Etikettenschwindel ist halt nun mal so alt, wie die Etiketten selbst. Zwar hat’s im Wein kein Pferdefleisch, der Konsument ist auf klare Deklarationen aber angewiesen. Das muss sich auch der VDP gedacht haben. Schluss mit Durcheinander! Ab Jahrgang 2012 unterliegen alle Weine der zum Verband gehörigen Produzenten einer neuen, konsumentenfreundlicheren Klassifikation. Endlich. Darauf habe ich gewartet.

Die Gründe für eine Neuklassierung reichen bis ins Jahr 1971 zurück. Damals wurden auf einen Schlag alle deutschen Weinbergsflächen – unabhängig von ihrer Lage – als Qualitätsflächen definiert. Quasi die totale Nivellierung. Wenigstens begrifflich. Im gleichen Zug fasste man, ohne Rücksicht auf Qualität der Einzellagen, tausende Anbauflächen zusammen. Die Folgen kann man sich ausmalen: Von der selben Lage, die nun ja keine eindeutige mehr war, stammten fortan, unter gewissen Umständen, Fuselweine, oder auch hochwertige Erzeugnisse. Der Konsument steht einem undurchsichtigen Lagendschungel gegenüber. Danke auch. Die Einführung der sogenannten Grosslagen machte die ohnehin schon komplizierte Situation noch diffuser. Die neu geschaffenen Grosslagen waren und sind bis heute zum einen mit Einzellagen zu verwechseln, und andererseits so gross, dass sie sich über mehrere Ortschaften erstrecken. Auf der Strecke bleiben dabei natürlich unzählige hochwertige Einzellagen und damit der Terroircharakter. Den was hat eine Grosslage schon mit unzähligen, subsummierten und sehr unterschiedlichen Einzellagen zu tun? Nichts. Rein gar nichts.

Trotz diesen einschneidenden Änderungen bezüglich der Lagen, sind es eben paradoxerweise genau nicht diese, welche die Qualität der Weine definieren. Stattdessen muss der Zuckergehalt dafür herhalten. Toll, als ob dies das omnipotente Werkzeug zur Qualitätseinstufung von Wein wäre. Etwa nach dem Motto: Je mehr Zucker, desto besser der Wein. So ein Schwachsinn aber auch. Dies führte unter anderem dazu, dass es immer weniger hochwertige, trockene Weine, also solche mit einem geringen Restzuckergehalt gab. Stattdessen ermöglichten neue Methoden die Herstellung restsüsser Weine, die vorher nur auf natürlichem Weg entstanden sind. Der Markt wurde und wird mit vermeintlicher Qualität überschwemmt. Auch Prädikate, welche ursprünglich vor allem etwas über den Geschmack des Weins aussagten, wandelten sich im Laufe der Zeit vom Geschmacks- zum Qualitätsbegriff. So zum Beispiel die Kennzeichnung Spätlese.

Was will der VDP?

Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter hat die Nase voll. Begriffe, welche nicht differenzieren, sondern ganz Unterschiedliches unter einen Hut bringen; Lagen, die nichts mehr über das eigentliche Terroir aussagen und eine Qualitätseinstufung anhand eines fragwürdigen Kriteriums: Da kommt doch kein Schwein mehr draus. Und wenn kein Schwein mehr draus kommt, ist das schlecht für deutschen Qualitätswein, schlecht für den Konsumenten und damit schlecht für den Umsatz. Also den VDP. Innerhalb der gesetzlichen Richtlinien führt der VDP mit Jahrgang 2012 eine neue Klassifizierung ein. Wie funktioniert’s?

Schauen wir uns erst das einfache Pyramidenmodell an:

LagenPyramideVDPJede der Stufen besitzt spezifische, vom VPD festgelegte Qualitätsmerkmale:

VDP Qualitätsstufen

Nochmals zum Mitschreiben: Es gibt vier Qualitätsstufen: Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Grosse Lage. Die trockenen Weine sind auch als solche gekennzeichnet. Die fruchtsüssen Weine werden wie gehabt, ja nach Restzuckergehalt, als Kabinett, Spätlese usw. beschriftet. Wohlgemerkt gilt das nur für Weine der VDP-Mitglieder. Ob sich die restlichen Weinproduzenten Deutschlands längerfristig auch zu einem derart durchschaubaren Modell durchringen können, klärt die Zukunft. Bleibt zu hoffen, dass sich der Trend zu konsumentenfreundlicheren Deklarationen auch in anderen Ländern fortsetzt. Das auch Bordeaux, Chianti und Co. nicht immer einfach zu durchschauen sind, konnte man in diesem Blog bereits hier und hier nachlesen.

Für Freunde laufender Bilder noch ein Kurzfilm* zum Schluss. Selbes Thema, anderes Medium. Viel Spass!

*Die doofe Permanentwerbung für die Bürgerspital-Weine bitte einfach ausblenden.


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Buchbesprechung: Wein und Reisen – Bordeaux / Britta Wiegelmann

Was erwarte ich von einem Reiseführer? Noch dazu von einem, der von einem der bekanntesten Weinanbaugebiete Europas handelt? Ganz einfach: Ich möchte ans Thema herangeführt werden, ich möchte Infos zur Region und auch was für’s Auge. Sprich: Aussagekräftige und ansprechende Illustrationen. Die persönliche Note darf dabei nicht fehlen, ebenso erhoffe ich mir Vorschläge für aussergewöhnliche regionale Hotels, Restaurants und Ausflugsziele, die der vinophilen Gemeinde gefallen könnten.

Das alles hat sich vermutlich auch einer der Herausgeber des deutschen Verlags Die Werkstatt gedacht. Seit längerem veröffentlicht letzterer nämlich innerhalb der Reihe Wein und Reisen, Titel zu verschiedenen Weingegenden dieser Welt. So erschienen bereits Ausgaben zum Rhonetal, Friaul, Rheingau, Venetien, Barolo und Südafrika. Die vorliegende Ausgabe ist Bordeaux gewidmet und seit etwas mehr als vier Jahren im Buchhandel erhältlich.

Autorin ist die deutsche Weinjournalistin Britta Wiegelmann. Seit 2001 ist sie für die helvetische Fachzeitschrift Vinum tätig. Während zweier Jahre, nämlich von 2010 bis 2012, zeichnete sie sich gar als Chefredakteurin derselben verantwortlich. An der önologischen Fakultät Bordeaux liess sich Wiegelmann zudem zur Diplom-Sensorikerin ausbilden.

Ihr Taschenbuch gliedert sich in fünf Teile. Nach einer Einführung allgemeiner Art folgen Kapitel, welche sich den einzelnen Bordelaiser Appellationen (z.B. Médoc) widmen. Wiegelmann geht bei jedem Anbaugebiet auf die dort relevanten Themen ein. Im Médoc unter anderem auf die Châteaux Margaux und Mouton Rothschild, auf die Sauternes in den Graves, in Saint-Émillion geht es unter anderem um Kult- und Garagenweine, um nur einige Beispiele zu nennen. Dabei gleicht kein Kapitel dem anderen. Inhaltlich wird dem Leser in einer sehr kurzweiligen und angenehmen Art stets das Wichtigste vermittelt. Wiegelmann schreibt anregend und trotz der Format bedingten Kürze, ohne einen Hauch von Halbwissen oder Trivialität aufkommen zu lassen. Davon könnten sich manch‘ andere Reiseführer eine Ecke abschneiden. Beim Lesen merkt man, dass die Autorin einen starken Bezug zur Region Bordeaux hat. Der Text wurde offensichtlich auf Basis umfassender Ortskenntnisse und persönlicher Erfahrungen verfasst.

Ein entsprechendes Reisebudget vorausgesetzt, sind gerade die von Wiegelmann empfohlenen Lokalitäten toll.  Wir haben uns 2010 selbst von der Güte einiger der vorgeschlagenen Häuser überzeugen können. So zum Beispiel auf einer unserer ersten Stationen im Bordelais: Dem Entre-Deux-Mers. Neugierig auf eine der Taschenbuch-Empfehlungen reservierten wir ein Doppelzimmer im „Les Logis de Lestiac“ nahe der Garonne. Die alte Villa liegt mitten in einem dieser typischen, etwas heruntergekommenen, französischen Dörfer. Sieben Häuser, eine Kreuzung und ein Dorfplatz. That’s it. Unser Navi führt uns zu einem Anwesen, welches in einem kleinen Park, direkt an der Durchgangsstrasse liegt. Die Zimmer und das Ambiente sind aber äusserst charmant. Man findet sich in einer kleinen Oase wieder. Strassenlärm und Provinzflair machen vor den Toren der Logis de Lestic Halt. In unmittelbarer Nähe liegen zudem zahlreiche Spazierwege, unzählige Châteaux und Reben so weit das Auge reicht.

LogisDeLestiac

Eine der empfohlenen Adressen: Les Logis de Lestiac im Entre-Deux-Mers

Wir essen – ebenfalls auf Wiegelmanns Empfehlung hin – im nahen gelegenen Örtchen Bouliac, in einem Restaurant/Hotel namens Le Saint James. Auch hier ist alles allererste Sahne. Neben vielen anderen geographischen und gastronomischen Erkundungstouren wird unser Aufenthalt durch einen Besuch bei einem namhaften Weingut abgerundet. Wir melden uns für eine Tour auf dem renommierten Château Lynch-Bages an. Die Besichtigung ist äusserst spannend, das Château ausgesprochen gut auf Besucher eingestellt. Auch eine Besichtigung mit anschliessender Degustation für gerade mal vier Personen wird diskussionslos durchgeführt. Toll! Es hat sich gelohnt. Wiegelmanns Reiseführer hat sich vor Ort bewährt.

Zurück zum Buch: Abzüge gibt’s für’s Layout. Dieses kommt etwas gar handgestrickt rüber. Das Taschenbuch ist fade, fast schon ein wenig amateurhaft gestaltet. Die Illustrationen unterstreichen zwar das Geschriebene, jedoch selten auf demselben Qualitätsniveau. Viele der Abbildungen muten wie Schnappschüsse an, welche Wiegelmann auf einem ihrer Bordeaux-Streifzüge geknippst hat. Den Umschlag und vor allem die Text-Bildanordung hätte man ebenfalls ansprechender gestalten können. Das Layout erinnert entfernt an ein Chemiekompendium der Sechzigerjahre. Schade.

Ein weiterer Minuspunkt: Manche Leser werden Kartenmaterial vermissen. In Zeiten von TomTom und Smartphone fällt das Fehlen von Karten meiner Meinung nach aber nicht allzu sehr in’s Gewicht. Ausserdem halte ich zur Orientierung immer noch lieber eine ordentliche Strassenkarte, als ein widerspenstiges Taschenbuch in der Hand. Trotzdem: Wenigstens eine grobe Übersicht – zum Beispiel im Umschlag – hätte man der Ausgabe aber schon spendieren können. Auch eine kurze Vita der Autorin gehörte eigentlich irgendwo abgedruckt. Diese sucht man aber ebenfalls vergeblich.

Fazit: Britta Wiegelmanns Taschenbuch bietet dem Wein-Interessierten nützliche Informationen rund um’s Thema Bordeaux. Neben historischen Textpassagen enthält die Ausgabe Beschreibungen der Appellationen und deren Typizitäten. Für den Reisenden am wertvollsten sind vor allem Wiegelmanns Hotel- und Restaurantempfehlungen. Von einigen konnten wir uns vor Ort selbst ein Bild machen und wurden durchwegs positiv überrascht. – Die Aufmachung des Reiseführers wirkt jedoch altbacken und uninspiriert. Das trifft auch auf die anderen Ausgaben der Wein und Reisen-Reihe zu. Hier sollte der Verlag unbedingt nachbessern. Wer Karten oder Beschreibungen touristischer Sehenswürdigkeiten erwartet, wird herb enttäuscht werden. Denn beides findet man in diesem Reiseführer nicht. Weinfreaks, welche erstmals das Bordelais erkunden wollen und auf der Suche nach Anregungen aus erster Hand sind, erhalten mit diesem Taschenbuch einen ansprechenden Helfer. Ich gebe 17 Punkte.

WeinUndReisenBordeaux

Punkte: 17/20
Passt zu: Reisefreudigen, Gourmets, Bordeaux-Liebhabern
Preis: Fr. 19.90

  • ISBN-10: 3-89533-632-7
  • EAN: 9783895336324
  • Erscheinungstermin: August 2008
  • Verlag: Die Werkstatt
  • Einband: Taschenbuch
  • Sprache: Deutsch
  • Erhältlich im Rösslitor


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Dr. Loosen Riesling QbA 2011

Kampf dem Januarloch: Teil II – Deutschland ist bekannt für seine Rieslinge. Gerade in den letzten Jahren ist das Interesse an den Weinen von Mosel, Rheingau & Co. erfreulicherweise stetig gewachsen. Das ich von der alt eingesessenen Traubensorte ebenfalls hell begeistert bin, habe ich schon mehrfach erwähnt. Dass es auch trinkbare Rieslinge jenseits der Zehnfrankenmarke gibt, gilt es zu beweisen. Hoffnungsvoll stürze ich mich in das Experiment. Dr. Loosen assistiert.

Zur Popularität des Rieslings hat nicht zuletzt der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter, kurz VDP, beigetragen. Dieser arbeitet nämlich seit Beginn der 90er kontinuierlich an einer Vereinheitlichung der Klassifizierung und einer damit einhergehenden Qualitätssicherung von Weinen der VDP angehörigen Weingüter.

Bei der vor mir liegenden Flasche handelt es sich um die billigste Abfüllung des Weinguts Dr. Loosen. Dieses Ausnahmegut hat eine zweihundertjährige Geschichte hinter sich und gehört wie Molitor, Van Volxem, Von Buhl und andere zur Champions-League der deutschen Rieslingsproduzenten. Auf dem Etikett steht QbA. Dies bedeutet „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“. Weine dieser Stufe stehen qualitativ zwar über einfacheren Tafel- oder Landweinen, dürfen aber dennoch verbessert werden. Das heisst im Klartext nichts anderes, als dass zum Beispiel vor der Gärung aufgezuckert werden darf. Diesen Vorgang nennt man Chaptalisation. Und ja, der Loosen ist garantiert chaptalisiert worden. Da wette ich meinen Allerwertesten darauf.

WeingutLoosen

Ernst Loosen: Decanters „Man of the year 2005“

Die Flasche hat einen Drehverschluss. Auf dem Etikett steht Mosel/Bernkastel. Erinnerungen werden wach. Die Genussreife wird von Coop übrigens mit 2016 angegeben. Allzu schnell muss er also nicht getrunken werden. Schön. Ich schenke ein. Man könnte meinen, dem Riesling sei ein Geist erschienen, so blass zeigt er sich im Glas. Ein blass-gelbes Wässerchen ist er, dieser Loosen. Die Nase ist unspektakulär. Es duftet ein wenig nach Pfirsich und Ananas, Mineralisches ist nicht auszumachen. Ein erster Schluck lässt mich ein wenig schmunzeln: Da hat aber jemand ordentlich vom Zucker Gebrauch gemacht! Dafür ist er leider ziemlich säurearm. Etwas mehr hätte er schön vertragen. Der Körper ist leicht und erfrischend. Der Abgang schmeichelnd und für diese Qualitätsstufe erstaunlich lange. Insgesamt werden Erinnerungen an Kabinetts, oder gar einen Moscato d’Asti wach. Der Riesling hat gerade mal 8.5 Volumenprozent und ist nicht zuletzt deswegen süffig ohne Ende. Davon könnte man mal eben so eine ganze Flasche alleine bechern. Zugegeben, nach dem ersten Glas wird’s geschmacklich etwas langweilig. – Doch genau hier kommt das Essen ins Spiel. Was kocht man denn zum Loosen? Ich meine: Asiatische Gerichte. Bei uns gibt’s zum Beispiel wieder mal was vom indischen Subkontinent. Dazu passt er, der Dr. Loosen. Und wie er dazu passt! Zwar interagiert er kaum mit dem Essen, er ist aber dennoch unterstützend und vor allem erfrischend. Er ergänzt Würzig-Scharfes äusserst schön durch seinen süssen und säurearmen Charakter. Auch Bernd‘ Kreis Taschenbuch über Essenspaarungen bestätigt mir diesen Eindruck. Weiss, süss und säurearm passt zu scharf und pikant. BINGO!

Fazit: Der Dr. Loosen QbA ist ein günstiger Wein, der vielen schmecken wird, denen Wein immer zu säurehaltig ist. Er ist süffig, kann noch ein, zwei Jährchen gelagert werden und passt zu asiatischem Essen. Für sich alleine genommen ist er etwas langweilig und – sehr süss. Nichtsdestotrotz könnte das mein neuer Favorit zu Fleisch- und Gemüsecurrys werden. Zu dem Preis eine unschlagbare Kombo. Kostet doch die Flasche gerade mal Acht Franken Sechzig. Im 6er Karton sogar nur Fr. 7.70. Das nenne ich preiswert. Chaptalisation hin oder her: Ich gebe 14 Punkte.

DrLoosenQbA2011

Punkte: 14/20
Passt zu: asiatischem Essen
Preis: Fr. 8.60

Kaufen kann man den Dr. Loosen QbA hier


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Riesling Spätlese, Bernkasteler Badstube, Markus Molitor, 2009

Spätestens seit ich dem Bründlmayer begegnet bin, reite ich auf der Riesling-Welle durch den Winter. Bekannt für die leckeren Weissweine ist traditionsgemäss natürlich Deutschland. Genau dort findet man ein beeindruckendes Beispiel eines Familienbetriebs: Markus Molitor bewirtschaftet an der Mosel bereits in achter Generation das gleichnamige Weingut.

Der ursprünglich drei Hektar grosse Betrieb umfasst heute 38 Hektar Rebfläche und ist das grösste Weingut an der Mittelmosel. Allein im tollen Jahr 2009 brachte Molitor 32 (!) verschiedene Rieslinge auf den Markt. Die Jahresproduktion liegt bei 200’000 bis 300’000 Flaschen. Darunter Qualitätsweine, Kabinetts, Spät- und Auslesen. Alles deutsche Qualitätsbezeichungen, welche vom Öchslegrad abhängen. Beim vorliegenden Riesling handelt es sich um eine Spätlese. Die Trauben wurden Ende November geerntet. Der Öchsle-Grad liegt laut Qualitäts-Definition irgendwo zwischen 85 und 91.

Blick von Bernkastel auf die Badstube

Bernkastel: Bick auf die Rebberge

Molitors Reben an der Bernkasteler Badstube umfassen 2,7 Hektar. Die Lagen erstrecken sich von der Mitte des Berges bis zum Wald. Die Reben stehen durchwegs auf Steillagen. Laut Winzer bestehen diese Weinberge aus Schiefer, welcher reich an Feinerde ist. Wasser wird also gut gespeichert. Das hat vor allem einen positiven Effekt: Die Rieslinge haben ein enormes Entwicklungspotenzial. Die maximale Trinkreife wird mit 2025 angegeben. Weinwisser datiert sogar auf 2040. Er ist also ein Langstreckenläufer, der Bernkasteler. Gut zu wissen.

Gespannt schenke ich ein. Ein erster Schluck ist – Verzeihung – enttäuschend. Irgendwie habe ich mehr erwartet. Nachdem die offene Flasche zwanzig weitere Minuten, gekühlt in einer einsamen Ecke verbracht hat, nehme ich einen zweiten Anlauf. Schon besser. Der Molitor bietet diese typische Riesling-Fruchtigkeit. In der Nase und im Mund. Allerdings lange nicht so überschwenglich, wie ich gehofft hatte. Grundsätzlich ist alles in Ordnung: Die Nase, der Körper, der Abgang, alles annehmbar. Mehr als sogar. – Es ist dieses Mineralische, das mich stört. Vielleicht weiss ich diese Qualität einfach nicht zu schätzen, aber meinen Geschmack trifft es nicht. Der Wein hat etwas Ernstes an sich. Schwierig zu beschreiben, so was. Vermutlich nennt man das lagentypisch, diese Reminiszenz an den Schiefer. Eigentlich ja eine wünschenswerte Eigenschaft beim Wein, wenn er das Terroir widerspiegelt. Trotzdem überzeugt er mich nicht vollends.

Bei Mövenpick findet man eine Score von 18/20, Weinwisser vergibt 17/20 Punkte. Ich finde beide zu euphorisch. Natürlich handelt es sich um einen schön gemachten, traditionellen Riesling eines grossen Hauses. Trotzdem haut er mich nicht aus den Socken. Es zuckt höchstens der kleine Zeh. Zugegeben, ich jammere auf hohem Niveau, denn dieser Molitor ist nichtsdestotrotz ein schöner Wein und durchaus empfehlenswert. Ich gebe 16 Punkte.

MolitorRieslingSpätleseBernkastelerBadstube

Punkte: 16/20
Passt zu: Apéro, Fisch, Meeresfrüchten, zart zubereitetem Schweinsfilet
Preis: Fr. 26.-

 

Markus Molitors Riesling gibt es hier zu kaufen.