Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


Hinterlasse einen Kommentar

Kurz angenippt: Cantine Settesoli – Seligo Rosso Sicilia IGT 2012

Notizen

In der Nase Kirschen, Rosmarin und Vanille. Auch etwas Leder, ferner ein Hauch Gummi. Die Farbe ist Schwarzrot, aufhellend am Rand. Am Gaumen füllt der Wein angenehm, schöne Säureintegration, fast schon süsslich. Holz, Teer, Leder, sprittige Note bei zu kalter Temperatur merklich vorhanden und etwas störend. Ebenfalls ein vegetabiles Spektrum vorhanden: Waldboden (Pilze, Moos), nasser Erdboden. Insgesamt rund, fruchtig, versöhnlich. Mittelschwerer Körper, weiche Tannine und ein angenehmer Abgang, gefolgt von einem fruchtigen Nachhall. Das Dekantieren kann man sich schenken. Der Wein passt zu Schweinefilet und vor allem Pasta sehr gut. Allerdings sollte man die Flasche austrinken und nicht im Kühlschrank über Nacht stehen lassen. Der Süditaliener ist dafür nicht geeignet. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut. Der Seligo Rosso ist ein unkomplizierter Italiener, eine gefällige, allgemein verträgliche Cuvée aus Shyraz und Cabernet Sauvignon. Vinifiziert wird der Rote in Sizilien, und zwar vom grössten italienischen Produzenten – Cantine Settesoli. Ich gebe 14- 15 Punkte.

Settesoli Seligo Rosso

Unter der Rubrik kurz angenippt findest du Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

Advertisements


2 Kommentare

Denner unstoppable – Ach du meine Fresse

Mein Gott Denner, was bist du aggressiv und unkontrolliert in letzter Zeit. Sobald ich deinen weissroten Schriftzug ausmache, manifestiert sich vor meinem geistigen Auge eine Mischung aus Discounter-Pitbull, und Rattenfänger von Hameln. Zwei Dinge, die die Welt nicht braucht.

PitbullDennerBegonnen hat es mit einer Pressemitteilung im letzten Jahr. Im Dezember 2012 registriert die Medienwelt die Übernahme des Coop-Weineinkäufers Christoph Bürki, den du dann auch baldmöglichst wieder ausspuckst. Personalwechsel werden nicht kommentiert, sagst du. Warum auch. Das nennt sich heutzutage Firmenpolitik. Flaschentesters Aufmerksamkeit ist geweckt. Je länger ich mich mit dir beschäftige, desto mehr ist kräftiges Kopfschütteln angesagt.

Du scheinst den medialen Äther recht grosszügig zu bedienen. Deine Fernsehwerbung, die mit den cinque stelle, scheint gerade der Renner zu sein. Alle wollen Gutscheine gewinnen. Alle haben Spass. – Auch ich hatte Spass, als ich für eine Bewertung deiner mittelmässigen Weine als glücklicher Gewinner einen Gutschein zugestellt bekam. Danke dafür. Leider sind die abgegebenen Kommentare und Bewertungen so inflationär, wie ich’s von Anfang an erwartet hatte. Kaum jemand bewertet deine Weine mit weniger als vier Punkten. Gleichzeitig kann ich die Öffentlichkeit beruhigen: Auch bei schlecht bewerteten Weinen, erhält man als Gewinner der wöchentlichen Verlosung einen Einkaufsgutschein per Post zugestellt. Einige Fragezeichen bleiben trotzdem: Schmecken all deine Weine ausnahmlos gut, wie etwa von Chandra Kurt im Weinseller propagiert? Haben deine Kunden Angst, sich mit treffenden Bewertungen online zu outen und einen Shitstorm auszulösen? Fehlt es Denner-Weinkonsumenten grundsätzlich an Geschmack und Qualitätsbewusstsein? Wo bleibt die eigene Meinung? Man weiss es nicht. Fest steht: Viele lechzen nach deinen Gutscheinen, welche sie dann wieder in Wein investieren, den sie online bewerten, damit ihnen ein Gutschein… ach, wechseln wird lieber das Thema.

Weinkrieg2Auch offline, zum Beispiel auf Papier, bist du ganz schön präsent. Deine Marketing-Offensive umfasst sogar zwei hauseigene Weinzeitungen. Ja richtig, Plural. Von deinem Weinführer ist die Rede, und von einer gehefteten, mehrseitigen Papierwerbung, welche du als Weinzeitung betitelst. Beide sind auch online, als PDF, mit allem dazugehörigen Bedienerschnickschnack abrufbar. Usability scheint von dir neuerdings online ja sowieso ganz GROSS geschrieben zu werden. Denn unterdessen findet man auf http://www.denner.ch eine komplett überarbeitete Seite mit klarer Struktur und einer benutzerfreundlicheren Navigation als noch Anno Domini Zweitausendirgendwas. Den Konsumenten freut’s. Auch ich haber darüber berichtet und war mit deinem Auftritt ziemlich zufrieden. Umso trauriger stimmt mich deshalb die Tatsache, dass du uns Weinkäuferinnen- und Käufern immer wieder mit dem selben Wein hinters Licht führst. So entdecke ich auch heute, online, beim Schreiben dieses Artikels, wieder eine Rocca Rubia-Aktion. Nicht die erste, wohlgemerkt. Der Wein des Anstosses wurde bereits mehrmals von dir zum Spottpreis angeboten, war aber in den Läden meines Wissens nie erhältlich. Ein St. Galler Weinhändler erwog deshalb sogar rechtliche Schritte gegen dich einzuleiten. Meine Fresse Denner, was soll denn das? Bitte Seinlassen, danke.

DennerDrLoosenDafür, dass du überraschenderweise den hinlänglich bekannten 2010er Pannobile von Heinrich einige Tage als Schnäppchen angeboten hast, bin ich dir hingegen sehr dankbar. Sowieso scheinst du auf dem österreichischen Auge nicht mehr ganz so blind zu sein. Das beweist du nicht nur mit der Heinrich-Aktion, sondern auch der Aufnahme eines einfachen Grünen Veltliners in dein Sortiment. Seit kurzem gibt’s bei dir von Zeit zu Zeit sogar einen Zweigelt aus der Wachau. Weiter so. Beiss dich bei den Österreichern fest. Das hat Zukunft.

Auch Deutschland schien für kurze Zeit endlich in dein Beuteschema zu passen. Ursula – Achtung Wortwitz! – Beutler, welche ja auch schon für Manor und Coop weinmässig einkaufen durfte, hat bestimmt ihre Beziehungen spielen lassen, als sie einen Dr. Loosen für dich an Land zog. Stimmt’s? Das gibt dennoch zu denken. Gerade mal Fr. 9.85 habe ich für das Erdener Treppchen bezahlt. Deine Preisgestaltung ist unglaublich aggressiv. Andere Händler verlangen zum Teil das Doppelte und werden von deiner Aktion alles andere als begesteiert sein. Gerade gestern habe ich dich besucht. Es standen immer noch einige Flaschen zum momentanen Aktionspreis von Fr. 12.30 bei dir im Laden. Aus dem Online-Shop und deiner App hast du ihn aber ganz schnell wieder entfernen lassen. Warum denn das? Hat der deutsche Onkel Doktor die ausgemachte Liefermenge etwa nicht eingehalten, oder war das einmal mehr eine deiner geschickt eingefädelten Finten, um den Kreis der Dennerkonsumenten zu vergrössern? Schliesslich durften nur gerade vier Kunden den Riesling bewerten, bevor er wieder vom Bildschirm verschwand. Ich bin ratlos.

DennerBordeaux2011Selbst bei den französischen Weinen reitest du schon seit einiger Zeit auf der inzwischen massentauglichen (Bordeaux-)Welle. Ganze elf Flaschen aus dem Bordelais stehen bei dir im Regal. Weiss, rot, süss: Keiner kostet mehr als zwanzig Franken und alle schmecken sie höchstens durchschnittlich. Hauptsache, Bordeaux steht drauf. Zwar kann man Bonnet, Partarrieu und Konsorten durchaus trinken, der Spass bleibt – zumindest bei mir – dabei jedoch aus. – Ich komme ins Grübeln. Lange Zeit fragte ich mich ernsthaft: Where have all the Grand Crus gone? Und sind wir ehrlich, die paar ernst zu nehmenden Fläschchen, welche irgendein französischer Camion die letzten zwei, drei Jahre jeweils im Herbst anlieferte, waren im Vergleich mit Pickpay-Zeiten nicht der Rede wert. Seit letzter Woche erkennt man aber wenigstens etwas Licht am roten Dennerhorizont. Endlich findet man wieder eine Auswahl an französischen Châteaux, die ihren Namen verdient. Auch deine Preise sind fair. Und ist es nicht schön zu sehen, wie sich in alter Denner-Manier, Bordeaux-Kistchen lieblos auf einer Holzpalette stappeln? So soll es sein. So mag ich dich.

WeihnachtsbaumIn Anbetracht dessen, dass in absehbarer Zeit Weihnachten vor der Tür steht, sende ich dir vier naive Wünsche zu:

1) Lass die Rocca Rubia-Aktionen sein. Erstens gibt’s den Wein nicht bei dir zu kaufen, zweitens nervt das andere Händler, drittens registrieren auch wir Konsumenten diese Bauernfängerei.

2) Erweitere dein Sortiment um deutsche Weine. Warum nicht mal ein, zwei ordentliche Rieslinge, oder einen Spätburgunder ins Programm nehmen. Meine Sympathiepunkte würden dir automatisch zufliegen. Das gilt auch für das Kabitel Bio. Gerade mal ein Bio-Wein unter 243 Positionen, also bitte. Das geht besser.

3) Meine persönliche Überdosis an Denner ist längstens erreicht. Reduzier‘ deine Werbeaktionen auf die Hälfte. Höchstens. Danke.

4) Weiter so beim Thema Bordeaux. Gerne darfst du auch Flaschen unter zwanzig Franken anbieten. Dann aber bitte ordentliche und nicht das olle Bonnet-Zeugs.


Hinterlasse einen Kommentar

Viña Mayor Tinto Roble Ribera del Duero D.O. 2011

Kampf dem Januarloch: Teil V – Der letzte Tropfen der Serie von Weinen unter zehn Franken ist bei Denner erhältlich. Es handelt sich um einen Spanier aus dem Ribera del Duero. Er ist jung, er ist wild, er braucht ne Menge Sauerstoff und noch mehr Fleisch um sich voll zu entfalten. Na dann: Karaffe und Pfanne angetreten und stillgestanden!

Das 20’000 Hektare umfassende Weinbaugebiet ist nach dem gleichnamigen Fluss – Duero bzw. Douro – benannt. Das mit Reben bestückte Flussdelta ist 115 Km lang. Über 8’000 Winzer produzieren hier Weine. Wie auch in anderen Regionen Spaniens wird am Duero vor allem Tempranillo angebaut. Im Ribera del Duero nennt man diese Sorte allerdings Tinta del País. Die Trauben sind hier kleiner und die Schalen dicker, als zum Beispiel im südöstlicher liegenden Rioja. Die Weine sind aufgrund des Ausgangsmaterials in der Regel also konzentrierter.

Als Essenspaarung entscheiden sich meine Degustationspartnerin und ich für ein Rosmarin-Lammfilet, begleitet von Püree von blauen Kartoffeln und in Butter geschwenkten Karotten. Klingt gut, nicht? Finden wir auch. Ich öffne den Wein etwa eine halbe Stunde vor dem Abendessen. Ungeduldig wie ich bin, schenke ich mir bereits beim Kochen einen kleinen Schluck ein. Sofort wird klar, dass man ohne zu dekantieren hier nicht weiterkommt. Auf der Etikette grinst mir schliesslich frech das Jahr 2011 entgegen. Also ab damit in die Karaffe. Im Kühlschrank darf der Rotwein zudem noch etwas runterkühlen.

Douro

Rebberge entlang des Dueros

Das Essen ist fertig, der Wein hat die richtige Temperatur und ich schenke ein. Der Viña Mayor scheint in einem strahlend frischen Purpur. Sehr schön, diese Farbe. Die Nase bringt passend dazu Kirsche, Erdbeere und konzentrierte Vanille. Der Spanier überzeugt auch im Mund durch eine runde Beerigkeit, gepaart mit einer schönen Säure. Tabak gesellt sich dazu, auch Teer und Kräuter (Salbei?) kann man erkennen. Der Körper ist von mittlerem Gewicht. Herb und trocken. Der Abgang ist durchaus schmelzig und ebenfalls von mittlerer Länge. Der Wein ist insgesamt noch etwas wild und ungestüm. Zum Lamm passt er jedoch gut. Die Kombination schmeckt überzeugend. Die jugendliche Säure des Tempranillos verträgt sich recht ordentlich mit dem rosa gebratenen Fleisch und den eher süssen Kartoffeln und Karotten.

Der Wein hat laut Denner noch sechs Jahre lang Zeit zu reifen. Und die braucht er auch. Die Tannine werden mit der Zeit sicher noch weicher und der Wein etwas gutmütiger und ausgewogener. Nichtsdestostrotz bin ich auch schon heute positiv überrascht worden. Schliesslich handelt es sich einmal mehr um einen schönen Wein unter zehn Franken. Der beinahe gleichteure Primitivo vom letzten Mal war insgesamt jedoch eine Spur überzeugender. Der Italiener war deutlich besser balanciert und gutmütiger. Der Spanier muss hingegen erstmal dekantiert werden und braucht unbedingt eine passende Essenspaarung: Sprich ein saftiges Stück Fleisch. Beachtet man diese zwei Punkte, klappt’s aber mit dem Geniessen. Ich gebe 15 Punkte. Das Januarloch ist hiermit offiziell besiegt.

Via-mayor-tinto-roble-ribera-del-duero-d-o

Punkte: 15/20
Passt zu: Lamm
Preis: Fr. 9.95

Kaufen kann man den Tinta del País hier


Hinterlasse einen Kommentar

Château Partarrieu, Sauternes AOC, 2011

Kampf dem Januarloch: Teil I – Ein alljährliches Ereignis erschwert den Genuss. Nein nicht Weihnachten, Silvester und dergleichen ist gemeint, sondern der Umstand, dass in vielen Brieftaschen pünktlich zum Neujahrsbeginn gähnende Leere herrscht. Deswegen auf Wein verzichten? Mineralwasser und Sirup kredenzen? Ne, ne, geht ja gar nicht, so was. Also: Alle Jackentaschen checken, Billettautomaten auskratzen und Geheimfächli im Portemonnaie leeren! Diesen Monat geht’s ausschliesslich um Flaschen unter zehn Franken.

Mein Sparprogramm beginnt im Denner. Auf dessen Homepage finde ich einen Sauternes. Ja, einen Sauternes. Richtig, im Denner. Auch ich habe gestaunt. Denners Wein der Woche wird als 50cl-Flasche verkauft. Es handelt sich um einen 2011er. Produzent ist Château Partarrieu. Noch nie davon gehört? Mir geht es genauso. Nichtsdestotrotz möchte ich wissen, was ich von einem NeunFrankenFünfundneunzig-Noname-Franzosen erwarten kann. Im Netz findet man von Herstellerseite nämlich keine Informationen, nicht mal eine Homepage. – Die Spannung steigt.

Januarloch

Maximalbudget im Januar: Zehn Franken

Nachdem ich fünf Minuten vor Ladenschluss die Flasche bei einem Feierabendreifen Angestellten bezahle, wandert diese zuerst in meine Fahrradtasche und nach kurzer Fahrt schliesslich im Kühlschrank. Einen Tag später ist es dann soweit: Salzige Käsesorten und Brot stehen bereit. Zusätzlich etwas Enten-Mousse, Gurkenscheiben und schwarze Oliven. Ich schenke ein:

  • Farbe: Goldgelb mit erstaunlich sattem Teint für einen derart jungen Sauternes
  • Bouquet: charakteristische Noten von Caramel, Honig, Aprikose, Grapefruit und Birne (?)
  • Mund: etwas plumpe Süsse, Frucht, merklich vorhandene Säure, eindimensionale Struktur, leicht metallischer Anklang
  • Körper: eher leicht, flüchtig
  • Abgang: kurz

Wie schmeckt ein Sauternes für zehn Franken?

Das Fundament fehlt, der Körper lässt Einiges an Intensität und Charakter vermissen und der Abgang ist nicht der Rede wert. Trotzdem schmeckt er nicht übel. Ehrlich! – Klar, verglichen mit einem Doisy-Védrines oder einem Rieussec ist der Partarrieu ein Leichtgewicht. Dennoch ist er sein Geld wert. Es ist ein preiswerter Sauternes für Montag bis Donnerstag. Einer, den man mal eben so öffnen kann, einer der für kleines Geld ordentlich Spass macht, und einer der getrunken und nicht gelagert werden will. Auch solche Weine braucht die Welt. Schliesslich ist es Mittwochabend und die nächsten Festtage lassen auf sich warten. Ich gebe 14 Punkte.

Chateau-Partarrieu-Sauternes 2011Punkte: 14/20
Passt zu: salzigem Käse, Desserts, Foie Gras, Terrinen
Preis: Fr. 9.95/50cl

Kaufen kann man den Château Partarrieu hier


Hinterlasse einen Kommentar

Flaschentester goes online

Obwohl ich laut Internet zur Generation der digital immigrants gehöre, erlaube ich mir hin und wieder, meine Zeit zu versurfen. Da mich Traubensäfte interessieren, Öffnungszeiten aber weniger, besuche ich regelmässig auch die Online-Shops der St. Galler Weinhandlungen. Manche mehr, manche weniger oft. Schliesslich sprechen mich nicht alle Netz-Auftritte gleich an. Warum nicht? Lest selbst.

Auch wenn ich immer wieder froh bin, dass es doch noch das eine oder andere Fachgeschäft gibt, in dem man freundlich, persönlich und kompetent bedient wird, durchforste ich auch gerne zu Hause per Browser die Shops um mich auf den nächsten Besuch in einer Weinhandlung vorzubereiten. Ich notiere mir Weine, die mich interessieren, entdecke Aktionen, lese gerne was über die produzierenden Winzer und Weingüter und träume von unerschwinglichen Rothschilds, welche ich mir wenigstens virtuell reinziehen kann. Ab und an bestelle ich auch schon mal was; vor allem dann, wenn ich genau weiss, was ich will.

Jeder Weinhändler, der etwas auf sich hält, ist auch online präsent. Ob der Kunde auch im Internet zur Zufriedenheit bedient wird, möchte ich heute feststellen. Dafür begebe ich mich in’s Testlabor, sprich: Mein Büro. Jede Webseite wird aufgrund von acht Kriterien (siehe unten) bewertet. Dabei stelle ich wohlverstanden nicht die Kompetenz der Händler in Frage. Nein, heute stehen für einmal nicht Traubensäfte, sondern Online-Shops im Mittelpunkt. Bei jedem Kriterium sind maximal zehn Punkte zu holen. Ausser beim Inhalt. Da unter diesem Begriff viele verschiedene Angaben subsumiert sind, können die Händler hier satte 23 Punkte holen. Insgesamt ist eine Gesamtpunktzahl von 83 Punkten möglich. Als Referenz muss der Aargauer Weinhändler und Bordeaux-Spezialist Gerstl herhalten. Immerhin hat dessen Seite einen Bronze-Award beim Best of Swiss Web 2012 gewonnen. Diese Bewertung kann ich absolut nachvollziehen. Gerstl’s Webseite gehört zu den besten der Schweizer Weinhändler.

Die Kriterien im Einzelnen:

  1. Aktualität: Enthält die Page Infos zu aktuellen Produkten, Aktionen, Degustationen etc. ?
  2. Orthographie: Kann ich mich auch ohne virtuellen Rotschift durch den Shop bewegen?
  3. Design: Spricht mich die Seite grafisch an?
  4. Übersichtlichkeit: Sind die Dinge da, wo sie hingehören?
  5. Navigation: Ist die Menu-Führung einleuchtend und intuitiv?
  6. Qualität der Suchfunktion: Finde ich, was ich suche?
  7. Bestellfunktion: Kann ich schnell und unkompliziert bestellen?
  8. Inhalt: Wie umfassend und aussagekräftig ist der Informationsgehalt (Jahrgang, Herkunft, Essenspaarung, usw.) ?

And the winner is…

Händler

Punktzahl

Stärken

Schwächen

Gerstl

81

Gesamter Auftritt

keine

Martel

76

Inhalt

Übersichtlichkeit

Delinat

74

Inhalt

Übersichtlichkeit

Romanin

73

Inhalt

Suchfunktion

Mövenpick

73

Übersichtlichkeit

Design

Coop

66

Suchfunktion

Übersichtlichkeit

Manor

65

Übersichtlichkeit

Navigation

Denner

64

Suchfunktion

Design

Globus

64

Aktualität

Suchfunktion

Caratello

58

Aktualität

Navigation, Design, Suchfunktion

Wy zum Turm

55

Aktualität

Design und Inhalt

Lanz

49

Persönliche Note

Aktualität, Sprache, Übersichtlichkeit, Suchfunktion

Gewonnen hat nach Punkten ganz klar Martel. Sein Auftritt ist frisch, aktuell und visuell sehr ansprechend. Der Zweitplatzierte – Delinat – liefert hingegen die umfassendsten Informationen. Da findet sich wirklich alles, was das Konsumentenherz begehrt: Infos zu den Winzern, Rebbergen, Degustationsnotizen, Essenspaarungen und sogar Angaben zum Restzuckergehalt der Weine. Auch Romanin ist inhaltlich auf Top-Level. Einzig die Aufmachung und die teils verwirrenden Angaben, zum Beispiel bei den Bordeaux, sind weniger schön. Da findet man einen Château Moulin du Cadet nicht unter seinem Namen, sondern als St.-Emilion Grand Cru Classé AOC 2004. Umgekehrt wäre logischer, bitte nachbessern.

Das Auswahlsystem von Coop.

Ein Auswahlsystem wird nicht nur von Coop benutzt.

Mit einer Ausnahme haben alle Online-Shops erfreulicherweise eine Gemeinsamkeit: Sie werden in der Regel laufend aktualisiert. Die Häufigkeit der Aktualisierungen ist jedoch sehr unterschiedlich. Ohne das buchhalterisch überprüft zu haben, glänzen hier meiner Meinung nach vor allem die Supermärkte. Das grösste Spektrum findet man hingegen beim Design. Caratellos Seite wirkt wie ein 90er-Jahre-Relikt, Lanz‘ Auftritt ähnelt einem Wühltisch und die Seiten von Wy zum Turm und Romanin sind schlicht altbacken und klobig in der Aufmachung. Vorbildlich hingegen ist Mövenpick, dessen Seite mir sehr gut gefällt. Grosse Unterschiede gibt’s aber auch bei den Angaben zu den einzelnen Weinen. Die Bio-Händler haben – wie erwähnt – beim Informationsgehalt eindeutig die Nase vorne. Ob man die Analyse-Daten jedes Weins wirklich braucht ist fraglich, spannend ist es aber allemal. Auch Caratello ist inhaltlich stark, die Discounter enttäuschen hingegen. Die Schlusslichter unter letzteren bilden Denner und Manor. Bei diesen findet man nur rudimentäre Angaben zu den Weinen. Bei den Suchfunktionen haben sich die meisten Händler für ein Auswahl- bzw. Reduktionssystem entschieden. So zum Beispiel auch Coop. Das funktioniert in der Regel ganz ordentlich und man kommt schnell an’s Ziel. Die eigentliche Suchfunktion ist bei vielen aber schlicht nicht zu gebrauchen. So auch nicht bei Globus und Mövenpick. Die Bandbreite der angezeigten Resultate ist einfach zu gross, um schnell was finden zu können.

Weinhändler und Kunde: Mehr und mehr auch digital verbunden? Na ja, je nachdem.

Weinhändler im Internet: Wird man auch online gut bedient? Na ja, je nachdem.

Der klare Verlierer des Tests ist der Auftritt von Lanz. Gerade weil man im Geschäft an der Hinterlauben 15 so nett bedient wird, schmerzt das Resultat von 49 Punkten umso mehr. Aber wie man es auch dreht und wendet: Dieser Web-Auftritt ist schlicht und einfach chaotisch, und zwar von A bis Z. Da nützt das beste Sortiment nichts. Schon beim Anblick der Startseite ist man total überfordert. Zu viele unnötige Informationen tummeln sich da amateurhaft zusammengestellt auf meinem Schirm. Beim ersten Zugriff ist mir nicht einmal klar, ob ich bei einer Weinhandlung, einem Catering-Service, einem YouTube-Ableger, oder einem privaten Blog gelandet bin. Ich finde die Idee, eine persönliche Note reinzubringen, grundsätzlich ja schön, hier ist es aber zu viel des Guten. Sprachlich (Orthographie/Stil) lässt der Shop stellenweise ebenfalls Einiges zu wünschen übrig. Zum Thema Aktualität nur so viel: Beim letzten Zugriff am 9. Dezember finde ich auf der Seite immer noch einen Werbebanner für die Basler Weinmesse, welche vor mehr als einem Monat, nämlich am 3. November, zu Ende ging. Selbst unter dem Menupunkt Events findet man nur ein Archiv, aber keine aktuellen, oder geplanten Anlässe. Auch inhaltlich gibt es Verbesserungsvorschläge: Anmerkungen zu Winzern, mit denen man in Zukunft – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr zusammenarbeiten möchte, interessieren mich als Konsumenten jedenfalls nicht. Diese wirken eher befremdend. Zudem ist für mich bei den wenigsten Weinen der Winzer, oder das Weingut ersichtlich. Schade, aber diese Info gehört einfach dazu, denn jedesmal das Bild der Flasche anzuklicken und den Namen des Weinguts anhand – eines zum Teil unleserlichen – Etiketts zu entziffern, ist nicht gerade prickelnd. Alles in allem hat die Seite durchaus Potenzial, müsste aber dringend von Grund auf überarbeitet und regelmässig aktualisiert werden. Weniger wäre mehr! Definitiv. Der Kunde würde es danken, der Umsatz eventuell auch.

Für alle, welche die Bewertung nachvollziehen wollen, empfehle ich einen Besuch der besprochenen Seiten und den Download der ausführlichen Tabelle mit Punktevergaben nach Kategorien.

Viel Spass beim Surfen!

Flaschentester


Hinterlasse einen Kommentar

Château Bonnet blanc Entre-Deux-Mers AOC

Ich kann mir nicht helfen, aber meine subjektive Wahrnehmung sagt mir: Die weissen Bordeaux kommen mehr und mehr. Wenn selbst Discounter einen im Sortiment führen, ist der Trend zur Normalität geworden und wird auch vom Durchschnittskonsumenten wahrgenommen. Also zum Beispiel von mir. Getrunken wird heute ein leichtes Exemplar der Spezies Bordeaux blanc – Der weisse Bonnet, gekauft im Denner.

Der Bonnet steht bereit. Die Flasche hat einen Drehverschluss. Die ideale Trinktemperatur gibt Denner mit acht bis zehn Grad Celsius an. Als er neun Grad erreicht, öffne ich die Flasche und schenke ein. Im Glas scheint der Weisswein in einem hellen Gold. Die Nase duftet zart nach Blüten und Honig. Erinnerungen an den Baron de Rothschild Réserve Spéciale Bordeaux blanc werden wach. Geduftet hat auch der relativ ordentlich, aber eben nur kurz. Ähnlich verhält es sich beim Château Bonnet. Das grundsätzlich ansprechende Bouquet verfliegt allzu schnell. Auch im Mund bleibt der Weisswein unspektakulär. Es ist diese typische Sémillon-Sauvignon blanc-Note. Hier jedoch noch ergänzt um Muscadelle, welche den Wein um eine fruchtige Nuance ergänzt. Der Körper ist schwach, der Abgang kurz.

Alles in allem ist der Château Bonnet ein leichter, lieblicher Weisswein und gerade deshalb unbedingt auf eine korrekte Trinktemperatur angewiesen. Unter zehn Grad sollte diese auf jedenfall liegen. Zur Qualität: Was soll ich sagen? Unterirdisch ist er nicht, überzeugend aber auch nicht. Es ist ein einfacher, preisgünstiger Bordeaux blanc aus dem Entre-Deux-Mers, der als Tischwein für einfache Alltags(fisch-)gerichte geeignet ist. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt er aber nicht. Dafür ist er zu flüchtig, zu wenig intensiv und aussagekräftig. Für drei Franken mehr kriegt man Weissweine, welche sich geschmacklich in anderen Sphären bewegen. Zum Beispiel den Château Thieuley, oder den kürzlich vorgestellten Pierrail. Ich gebe zwölf Punkte.

Punkte: 12/20
Passt zu: Antipasti, Fisch, Meeresfrüchten
Preis: Fr. 9.95

 

Den Château Bonnet blanc Entre-Deux-Mers AOC gibt’s hier.



Hinterlasse einen Kommentar

1’233 Meter für 550 Bioweine

Spätestens seit dem nervtötenden, aber äussert werbewirksamen Coop-Ohrwurm, ist Bio wieder mal in aller Munde. Wenigstens bei denen, die vor der Flimmerkiste ihren Feierabend verbringen. Auch ich schärfe meine Pupillen in Richtung Naturprodukte und entdecke unverhofft eine mir unbekannte Weinhandlung.

Beim Wein gibt’s den Bio-Trend ja schon länger. So auch in St. Gallen. Hier öffnete Delinat nämlich bereits 1998 seine Türen und ist seither lokal führend im lokalen Bio-Weinhandel. Wer kennt sie nicht, die legendären Degustationspakete von Delinat? Auch das Sortiment macht Eindruck, bietet doch der auf Naturwein spezialisierte Händler mehr als 300 Produkte an. Sowieso hat heute jeder, der etwas auf sich hält, Bio-Weine im Angebot. So zählt zum Beispiel Coop 53 Weine und Spirituosen mit Bio-Label im Sortiment, Martel listet gar 85, Zweifel 49, bei Manor sind es neun, Globus hat fünf, und Denner immerhin noch drei Flaschen in den Regalen, um nur einige zu nennen.

Bio ist in aller Munde, auch beim Wein.

Dass Delinat aber keineswegs eine Monopolstellung im St. Galler Naturweinhandel hat, entdecke ich kürzlich per Zufall. Zwischen Leonhardsbrücke, Kreuzbleiche und SBB-Gleisen finde ich nämlich, etwas versteckt, in einem Hinterhof eine mir unbekannte Bio-Weinhandlung. Sie heisst Romanin-Weine und liegt an der Bogenstrasse 7b. Romanin hat sage und schreibe 250 Posten am Lager. Boah, und ich Ignorant erfahre erst heute davon! Unglaublich, aber war, das Geschäft liegt nur einen Steinwurf von mir entfernt. Nichtsahnend habe ich quasi meine Zelte im Epizentrum des ostschweizerischen Naturweinhandels aufgeschlagen. Jetzt, wo ich mir dessen bewusst bin, male ich mir aus, wie ich mich mit meinem Drahtesel und wehenden Fahrradtaschen glückseelig auf meine ganz persönliche Naturwein-Rundfahrt mache:

Na ja, ein Hundeschlitten wäre momentan wohl eher angesagt. – Zurück zum Wesentlichen: Romanin bietet neben Bio-Weinen auch Öle und Spirituosen an. Zum Teil wurden diese – wie auch manche Weine – vegan hergestellt. Der Händler an der Bogenstrasse hat übrigens ausschliesslich europäische Weine im Programm. Australier, Chilenen und Konsorten sucht man vergebens. Schön. Leider habe ich die Degustationstage vom letzten Wochenende verpasst. Mein Entschluss ist aber gefasst: Da muss ich mal hin! In meiner Agenda habe ich mir den ersten Dezember* markiert. Morgen ist es also so weit; morgen nehme ich die nordöstliche Route, Wetter hin- oder her!

Berichtet wird später. Versprochen!

*P.S. Speziell ist nicht nur die Lage, sondern auch die Tatsache, dass Romanin nur einmal monatlich, nämlich immer am ersten Samstag, geöffnet hat.