Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Gastartikel: Schaumweine aus Luxemburg

Banken, hohes Durchschnittseinkommen, internationale Institutionen und eine hervorragende Infrastruktur: Luxemburg ist wie die Schweiz, nur ohne Berge und mit günstigerem Wein. Was, die machen Wein? Ja, das tun sie! An der Luxemburger Mosel befinden sich um die 1’300 Hektar Anbaufläche und mancher Riesling und Crémant haben auf internationalen Messen Goldmedaillen gewonnen.

Die Weingeschichte Luxemburgs begann vor 2’000 Jahren, als römische Siedler im Moseltal die ersten Reben pflanzten. Die Traube der Römer, vitis alba, hat sich dort übrigens bis in die Gegenwart gehalten. Nur heißt sie heute Elbling und wird fast nur noch an der deutschen und luxemburgischen Mosel angebaut. Doch ist es nicht diese, für ihre Säure bekannte Rebsorte, die Namen wie Hugh Johnson und Beppi Crosariol ins Großherzogtum holt. Letzterer war sogar derart begeistert, daß er den Flaschen aus dem kleinen Land eine ganze Kolumne widmete.

Das Erfolgsprojekt Crémant

Wie in so vielen Anbaugebieten Europas wurde auch in Luxemburg jahrelang hauptsächlich auf Quantität gesetzt. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs produzierten die Winzer nur Grundwein, den sie an die großen Sekthäuser des mächtigen Nachbarn Deutschland verkauften. Auch wenn es immer wieder Versuche der Qualitätssteigerung gab, dauerte es bis in die 1980er hinein, bis man den endgültigen Schritt wagte und ein völlig neues Produkt auf den Markt brachte: Den Crémant de Luxembourg!

LuxemburgMosel

Blick auf die Luxemburger Mosel

Die meisten verbinden den Begriff Crémant mit günstigeren Champagner-Alternativen aus der Loire-, Limouxregion und dem Elsass. Dies soll aber keineswegs einen Unterschied an Qualität bedeuten. Heute ist Luxemburg das einzige Anbaugebiet außerhalb Frankreichs, das den Namen führen darf. Dafür muss der Wein den strengsten Anforderungen gerecht werden: Festgelegter Maximalertrag und die obligatorische zweite alkoholische Gärung in der Flasche (méthode traditionelle). Diese Topschaumweine werden in Luxemburg meist aus Pinot Blanc (auch als Stillwein eine echte Spezialität), Riesling und immer mehr auch aus Pinot Noir und Chardonnay hergestellt.

Ein gutes Beispiel für den Luxemburger Crémant ist die Serie Poll Fabaire. Nicht nur war es eine Flasche dieser Reihe, welche 1991 als erster Crémant de Luxembourg auf den Markt kam, sondern die Poll Fabaire-Weine spiegeln auch das allgemeine Bild der gesamten Weinlandschaft wider. Hergestellt von der Winzergenossenschaft Vinsmoselle, welche für zwei Drittel der Landesproduktion verantwortlich ist, gibt es sie in den verschiedensten Ausgaben, von der klassischen Assemblage, bis zur sortenreinen Cuvée. Hier kann man wählen aus Pinot Blanc, Riesling, Chardonnay und Pinot Noir.

Mir persönlich gefällt besonders die Haut-de-Gamme-Ausgabe Cuvée Cult, welche zu einem geringen Aufpreis eine deutliche Qualitätssteigerung mit sich bringt. Die angenehme Spritzigkeit und die gut ausgewogenen Geschmacksnoten überzeugen auf Anhieb. Der Pinot Noir verleiht dem Ganzen eine bestimmte Finesse und der fruchtige Eindruck – insbesondere rote Früchte – rundet das Gesamtbild elegant ab.

Preislich gesehen, sind die Crémants von Poll Fabaire ein Schnäppchen, denn in Deutschland würde man für einen Sekt von vergleichbarem Niveau deutlich mehr bezahlen. Den sehr überzeugenden Einstiegscrémant gibt es bereits für € 8.20, der Prestigeschaumwein Cult ist für € 15.60 zu haben. Für helvetische Leser von Vorteil: Der für luxemburgische Verhältnisse gut ausgebaute Online Shop der Domaines Vinsmoselle liefert auch in die Schweiz. So steht einem ersten Kennenlernen mit den besonderen Tropfen unseres kleinen Staates nichts mehr im Wege.

Über den Autor: Laurens Mauquoi ist Weinautor aus Luxemburg. Im November 2012 ist sein Buch Luxemburger Wein/Vin luxembourgois erschienen. Seit Dezember betreibt er den ersten deutschen Weinblog, der sich ausschließlich Weinen aus dem Supermarkt widmet: www.der-weinsnob.de

LuxemburgerWeinLaurens‘ Fachbuch ist in der Edition Schortgen erschienen und bei buch.ch oder Amazon erhältlich.

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Cave de la Ville de Neuchâtel – Oeil de Perdrix 2011

Der Kanton Neuchâtel, zu Deutsch Neuenburg, war noch bis vor einem Jahrhundert die Schweizer Absinth-Hochburg schlechthin. Heute erfreut sich ein anderes alkoholisches Getränk wachsender Beliebtheit: Die Rede ist vom Rebhuhn-Auge, bekannter unter dem Namen Oeil de Perdrix.

Im letzten Artikel postulierte ich bei Schweizer Weinen noch die Abkehr von der Lage oder Region, hin zum Winzer und aussagekräftigen Etiketten. Am Beispiel des hier besprochenen Oeil de Perdrix merkt man schnell, dass das kein einfaches Unterfangen ist. Besitzerin des Guts ist in diesem Fall ist nämlich keine Einzelperson, sondern die Stadt Neuenburg. Insgesamt zwölf Hektar Land gehören zu den städtischen Kellereien. Für Schweizer Verhältnisse eine stattliche Grösse. Es werden regionstypisch hauptsächlich Chasselas und Pinot Noir angebaut. Ferner auch Chardonnay und Pinot Gris. Die Produktion entsprich IP-Normen. Auch das Label AOC (Appellation d’origine contrôlée) findet man auf der Etikette. Gewonnen wird Oeil de Perdrix ausschliesslich aus Pinot Noir. – Immer. Und zwar als saignée, also einem Rotweinabzug. Obwohl der Oeil de Perdrix ursprünglich aus der Region Neuenburg stammt, ist der Titel bis heute nicht geschützt. Man findet daher auch immer mehr Schweizer Roséweine mit dieser Bezeichnung, welche aus anderen – Westschweizer – Regionen stammen. Zum Beispiel aus dem Wallis.

OeilDePerdrix

Auch wenn der Stadtadler den Korken ziert: Der Rosé nennt sich Oeil de Perdrix (dt. Rebhuhn-Auge).

Ursprünglich ist der Begriff Oeil de Perdrix eine Bezeichnung für die Farbe von Roséwein. Also einem Farbton irgendwo zwischen Orange und Granat. Und genauso zeigt sich auch die Abfüllung der Stadt Neuenburg im Glas. Manche würden es auch Lachsfarben nennen. Die Farbe erhält der Wein übrigens dadurch, dass der Saft nur kurz auf der Maische bleibt und nachher abgepresst wird. Sie gefällt mir. Auch die Flasche und das Etikett sind sehr ansprechend gestaltet (siehe unten). Der Wein selbst tendiert farblich Richtung blass, ist aber trotzdem klar. Die Viskosität ist weder wässrig noch ölig, sondern liegt irgendwo dazwischen. – Ich schenke ein. Die Nase wirkt harmonisch und gefällig. Sie ist attraktiv, bietet sie doch auf Anhieb leichte, sommerliche Fruchtaromen. Nachdem ich den Rosé ein wenig schwenke, kommt das gesamte Spektrum olfaktorisch deutlicher zur Geltung. Es riecht blumig. Rosen und Veilchen duften einem entgegen. Mit Grapefruit und Limone sind auch Zitrufrüchte vorhanden. Schön.

Die ideale Trinktempereatur wird mit 8 – 10 Grad Celsius angegeben. Schon beim ersten Schluck stellt sich sofort eine Art Sommergefühl ein. Gerne würde ich jetzt am Lac de Neuchâtel sitzen, ein Fischgericht essen und ein Glas vom Oeil de Perdrix dazu trinken, entspannt den Segelbooten zusehen und die warmen Sonnenstrahlen geniessen. – Stattdessen sitze ich im grauen St. Gallen. Auf dem Teller gemischte Blattsalate und angebratener Tofu an Sesam. Zugegeben: Auch das schmeckt recht lecker in der Kombination mit dem Wein. Aber Sommer geht anders. Auch in der Schnee verwöhnten Schweiz.

Neuenburg

Blick auf die Stadt Neuchâtel und den gleichnamigen See.

Im Mund kommen Blauburgunder-typische Aromen zum Vorschein. Erdbeere und Kirsche machen sich breit. Die Säure wirkt erfrischend, der Körper ist leicht. Auch das spricht für ein ideales Sommergetränk. Der Wein ist insgesamt relativ ausgewogen, die Säure vielleicht einen Tick zu dominant. Ausgleichend wirkt die Rosé-typische Lieblichkeit, welche auch der Neuenburger mit sich bringt. Der Abgang ist akzeptabel, überzeugt aber nicht vollends. Erstaunt stelle ich zudem fest, dass der Wein stolze dreizehn Volumenprozente auf die Waage bringt. Mein lieber Scholli! Da habe ich den Westschweizer wohl etwas unterschätzt. Mais, tant pis! Darauf kommt’s ja schlussendlich auch nicht an. Und praktisch alle Rosés liegen heute in diesem Bereich oder sogar darüber.

Fazit: Die Flasche der Neuenburger Stadtkellereien macht durchaus Spass. Er wirkt frisch, hat eine schöne Farbe und bringt Pinot Nor-typische Noten am Gaumen. Geschmacklich fehlt dennoch ein wenig die Intensität. Positiv ausgedrückt: Der Wein kann zu vielerlei sommerlichen (Vor-)Speisen gereicht werden, da er sich durch seine Leichtigkeit sofort integriert. Insgesamt wirkt er recht gut balanciert, auch die Nase gefällt. Preislich spielt er jedoch in der Rosé-Oberliga, sofern man ihn nicht direkt in Neuchâtel bezieht. Schade. Das macht auch die schönste Flasche nicht wett. Ich gebe 15 Punkte.

OeilDePerdrixPunkte: 15/20
Passt zu: Salaten mit hellem Fleisch/Tofu, leichten Vorspeisen, Apéro
Preis: Fr. 18.50 oder 14.- bei Direktbezug

Den Oeil de Perdrix kriegt man bei Martel, weitere Weine der Stadt Neuenburg auch direkt bei deren Kellereien. Mövenpick führt in den deutschen Filialen ebenfalls einen schönen Oeil de Perdrix. Allerdings einen Walliser.


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Kopp von der Crone Visini – Vigoria Merlot 2010

Draussen wirbelt’s seit Tagen Schnee um die Häuser. Alkohol soll bekanntlich ja wärmen. Also wird’s wieder mal Zeit, eine Flasche zu entkorken. Mir ist nämlich kalt. Ein Schweizer soll es sein. Da ich auf Pinot Noirs oder westliche Weisse gerade keinen Bock habe, reise ich innerlich gen Süden und köpfe einen Tessiner Merlot.

Er stammt vom Gut Kopp von der Crone Visini. Mit der Betriebsgründung erfüllen sich eine promovierte Agronomin und ihr Mann 1994 den gemeinsamen Traum vom eigenen Reb- und Weinbau. Das Ehepaar zieht von Zürich ins Tessin. Ab 2002 arbeitet die verwitwete Anna Barbara von der Crone dann fortan mit dem befreundeten Winzer Paolo Visini zusammen. Vier Jahre später werden ihre beiden Betriebe unter einem Dach vereint. Die gemeinsame Cantina befindet sich südlich von Lugano, in Barbengo. Das Weingut hat mit seinen sieben Hektaren helvetische Durchschnittsgrösse. Die Reben liegen in Mendrisiotto, Luganese und Bellinzonese. Also im ganzen Tessin verstreut. Laut eigener Aussage legen Von der Crone und Visini grossen Wert auf einen möglichst schonenden Umgang mit der Natur und die Förderung der Biodiversität. Es ist ihre Überzeugung, „…dass sich eine nachhaltige Bewirtschaftung auch in der Qualität der Trauben niederschlägt.“ So erklärt sich auch der Umstand, dass die Winzergemeinschaft grosse Parzellenteile als Nützlingslebensraum bestehen bleiben lässt.

Barbengo

Auch in Barbengo soll’s manchmal schneien.

Insgesamt elf Weine werden von Anna Barbara und Paolo gekeltert. Darunter vier sortenreihe Merlots und drei auf Merlot und Cabernet Sauvignon basierende Cuvées. Beim Irto und beim Scala kommt zusätzlich Petit Verdot zum Einsatz. Beim Balin erweitert Arinarnoa den Wein um Fleisch, Säure und Würze. Aber auch vier sortenreine Weissweine und Weisswein-Cuvées (aus Viognier, Chardonnay, Kerner, Sauvignon blanc), Grappa und Likör werden auf dem Gut produziert. Viognier ist übrigens eine Rhone-typische Sorte, Kerner eine Kreuzung von Trollinger und Riesling und Arinarnoa eine Neuzüchtung aus Bordeaux. Für letztere standen Merlot und Petit Verdot Pate. Angesichts der Gesamtfläche der bewirtschafteten Reben ist das Sortenspektrum erstaunlich vielfältig. Möglich macht dies vor allem der Umstand, dass sich im Tessin die Bodenverhältnisse auf kleinem Raum sehr stark unterscheiden.

Kaum habe ich den Vigoria gekauft, setze ich mich vor meine Apfelkiste und surfe zu Hause neugierig ein wenig durch’s Netz. Google sagt mir, dass sich scheinbar zahlreiche St. Galler Händler auf die Weine dieses Guts eingeschworen haben. Neben Martel und Zweifel führen Lanz und Mövenpick ebenfalls Flaschen aus Barbengo in ihrem Sortiment. Auch Robert Parker bzw. einer seiner Verkoster lässt grüssen: Der Tinello vom selben Gut gehört laut David Schildknecht zu den besten Schweizern 2012. Schön.

Dekantiert habe ich den Wein nicht. Ich schenke ein. Der Wein scheint dunkelrot. Die Nase ist herrlich intensiv. Ein toller Merlot-Duft strömt einem entgegen. Man riecht sortentypisch vor allem Pflaume und Kirsche. Nachdem ich das Weinglas ein wenig schwenke, erreichen auch die schwereren Kräuternoten mein Riechorgan. Toll. Ich könnte stundenlang so weiter machen: Riechen – Schwenken – Riechen – Freuen. Schliesslich entscheide ich mich doch noch dafür, das Bouquet zu verlassen und einen ersten Schluck zu nehmen. Zum Glück! Denn das Wetter meinte es 2010 gut mit den Reben in Barbengo. Im Mund wirkt der Tessiner weich, vollmundig und fruchtig. Eine spannende, irgendwie enge, aber dennoch nicht unangenehme Säure verleiht ihm zudem Charakter. In der Regel kann man Merlot jung geniessen. So auch diesen. Die Tannine sind unaufdringlich. Die Frucht beherrscht das Geschehen. Als Essenspaarung zum Vigoria muss wieder mal Pasta mit Fleischsauce herhalten. Und auch an diesem Abend wird deutlich, wie Wein und Essen sich gegenseitig intensivieren können. Wunderbar. Ein Erlebnis!

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Vigoria 2010: Gährung im Stahltank, Ausbau in Eichenfässern.

Obwohl der Körper Saft hat, gar fleischig ist, erreicht der Vigoria nicht diesselbe Fülle wie Merlots aus südlicheren Gebieten. Das soll kein Vorwurf sein. S’ist halt einfach so. Der Wein schmeckt. Er hat was Eigenständiges, er hat Frucht, Würze und ein einladendes Bouquet. Auch der Abgang ist sehr angenehm, der Nachhall mehr würzig, als fruchtig. Trotzdem polarisiert der Tessiner. – Warum? Entweder man mag Schweizer Merlot, oder nicht. Ein Zwischendrin gibt’s nicht. Kein Solala, kein durchschnittlich, oder geht so. Auch im Casa Flaschentester bestätigt sich dieser Eindruck: Die Hälfte der agierenden Testerinnen und Tester ist dem Wein sehr zugeneigt, die andere würde ihn nicht nochmals kaufen. Ich für meinen Teil finde ihn toll. Punkt.

Fazit: Kopp von der Crone Vinsini’s Vigoria ist ein schöner Rotwein zu einem für Schweizer Massstäbe sehr anständigen Preis. Er kann jung getrunken werden; entweder für sich alleine, oder am besten zu klassischer Tomaten-Fleisch-Pasta und ähnlich deftigen Gerichten. Geschmacklich punktet er durch ein wunderbar duftendes Bouquet, die omnipräsente Merlot-Frucht, und einen eigenständigen, aber trotzdem geschmeidigen Charakter. Ich gebe 17 Punkte.

VigoriaMerlot2010

Punkte: 17/20
Passt zu: Pasta, Gegrilltem, Deftigem
Preis: Fr. 21.-

Den Tessiner Merlot kriegt man bei Martel. Auch Zweifel, Simone Lanz und Mövenpick führen Weine der Cantina Kopp von der Crone Visini.


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Direkte Vinokratie

Das Stimmvolk des Kantons St. Gallen hat insgesamt 14 National- und Ständerate in Bern installiert. Deren politische Profile sind hinlänglich bekannt, ihre alkoholischen Präferenzen jedoch nicht. – Zeit, das zu ändern. Schiesslich will man wissen, wer einem in der Hauptstadt önologisch vertritt!

Faul, wie ich bin, schicke ich jedem der Rätinnen und Räte dieselbe E-Mail:

Sehr geehrte(r) Herr/Frau X

Ich betreibe einen Wein-Blog (www.flaschentester.com), in dessen Artikeln ich – auf die ein oder andere Art – immer wieder mal mehr oder weniger um’s Thema St. Gallen kreise. Aus diesem Grund würde ich Sie bitten, mir Ihren Lieblingswein zu nennen. Am liebsten detailliert mit Angabe des Weinguts und des Jahrgangs. Was auch immer Ihre Präferenz ist, sei’s Rot-, Weiss-, Süss- oder Schaumwein, mich interessiert’s. Trinken Sie lieber Spirituosen, Bier, oder grundsätzlich keinen Alkohol? Auch diese Information hilft mir. Das Resultat der Umfrage wird innerhalb eines kurzen Blog-Eintrags veröffentlicht werden. Auch ihre St. Galler National- und Ständeratskollegen erhalten diese E-Mail.

So oder so freue ich mich auf eine kurze Rückmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bemühungen

Ihr Flaschentester

Da die Räte Tag für Tag bestimmt ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen haben, lasse ich einige Zeit verstreichen. Nach rund zwei Monaten checke ich meine Mailbox und ziehe Bilanz. Stichtag ist der zweite Februar. Bis zu diesem haben gerade mal vier der 14 Politikerinnen und Politiker geantwortet. Alle anderen bleiben stimmlos. Das entspricht einer Beteiligung von 28.6 %. Ein schwaches Resultat, ich hatte mir mehr erhofft.

Gemeldet haben sich diese:

Hildegard Fässler (SP)

Hildegard Fässler (SP)

Lucrezia Meier-Schatz

Lucrezia Meier-Schatz (CVP)

Lukas Reimann

Lukas Reimann (SVP)

Markus Ritter

Markus Ritter (CVP)

Antwort bekomme ich nur von Nationalräten. Die Ständeräte melden sich erst gar nicht zu Wort. Karin Keller-Sutter lässt ihre Mailbox antworten: „Ich bin vom Montag, 26. November bis und mit Freitag, 14. Dezember 2012 in der Session der eidg. Räte und deshalb nur eingeschränkt erreichbar.“ Auch der ansonsten wortgewandte Paul Rechtsteiner schweigt. Schade, dann eben nicht.

Am schnellsten reagiert Hildegard Fässler. Sie mag Rotwein aus der Toscana oder einen Primitivo. Bei Weissweinen setzt sie auf Lokalkolorit: Die gebürtige Thurgauerin mag Riesling-Silvaner aus der Gegend.

Diplomatisch langweilig und nichtssagend gibt sich der frischgebackene Präsident des Schweizerischen Bauernverbands. Hier der Originalwortlaut: „Im Kanton St. Gallen haben wir ausgezeichnete Weine. In den vergangenen Jahren konnten wir Uns mit verschiedenen Sorten, ob weiss oder rot, in einem Spitzensegment positionieren. Wir dürfen uns auch Internationalen Vergleichen stellen. Darauf können wir sehr stolz sein.“ Ein Werbespot für die Ostschweizer Winzer. Oh mein Gott, ich schlaf gleich ein. Die Frage war nicht, wo sich St. Galler Wein positionieren kann, sondern was die ganz persönlichen Präferenzen sind. Schliesslich gibt es himmelweite Unterschiede zwischen Rheintaler „Beerliweinen“ und ernst zu nehmenden Tropfen, wie dem von Lukas Reimann vorgeschlagenen Blauburgunder vom Ochsentorkel in Thal. Auch wenn ich politisch aus ner diametral entgegengesetzen Ecke komme, attestiere ich Herr Reimann Geschmack. Der Thaler Tante Hedy zeigt, dass es auch regionale Rotweine auf ordentlichem Niveau gibt. Dass vom SVP-Nationalrat kein Italiener, oder Franzose vorgeschlagen wird, erstaunt mich hingegen nicht.

Am differenziertesten gibt sich die CVP-Abgeordnete: Lucrezia Meier-Schatz zählt gleich eine ganze Palette ihrer Lieblingstropfen auf. Vielen Dank. – Schöne Randnotiz: Alle Weine bringt sie in Verbindung mit Stationen ihres Lebens. Die CVP-Frau gibt sich weltoffen und niveauvoll, die Eigenwerbung bleibt also auch hier nicht aussen vor. Wenigstens ist sie subtiler und nicht so plump, wie diejenige ihres Parteikollegen. Zum Wein: Die von Meier-Schatz angegebenen Flaschen findet man nicht bei Denner & Co. Es sind ausschliesslich Tropfen, welche im spezialisierten Fachhandel, oder direkt ab Weingut bezogen werden können. Preislich befinden sich die Weine im teureren Segment, denn Frau Meier-Schatz mag Folgendes:

  • einen guten Barbera d’Asti (Superiore Nizza) Riserva della Famiglia 2004 vom Weingut Azienda Vinicola Coppo in Castelnuovo Calcea. Den gibt’s hier
  • einen Chardonnay vom Philip Togni Vineyard, St.Helena, Napa Valley, Kalifornien
  • einen Chasselas Effervescent AOC
  • L’Espiègle, Chasselas Efferverscent, AOC Neuchâtel 2010 vom Weinkeller der Familie Engel in St. Blaise

Schön, dass wenigstens einige Politikerinnen und Politiker sich die Zeit genommen haben zu antworten. Leider bleiben die Vertreter der Grünen, Grünliberalen wie auch der FDP ohne önologisches Profil. Mal schauen, ob in nächster Zeit noch Mails in der Flaschentester-Box eintrudeln. Politik hin oder her, spannend war die Aktion allemal. Prost.


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Wir sind keine dummen Schafe – Essay

Ich trinke gerne Wein. Viele meiner Zeitgenossen ebenfalls. Manche von ihnen kennen sich aus, andere tun nur so. Die meisten aber trinken aus Spass. Und diesen haben sie unbewusst zu ihrer Doktrin erhoben. Emotional motiviert, nicht intellektuell. Und das ist auch gut so.

Viele Konsumenten sind froh um Beratung und fühlen sich ohne Einschätzungen von Parker, Gabriel und anderen verloren. Auch ich schaue gerne, welche Punktzahlen Weine von Fachpersonen bekommen. Ich bin so dreist, sogar selber welche zu vergeben, ohne vom Fach zu sein. Aber nicht jeder möchte sich mit Wein und seinen Themen näher auseinandersetzen. Viele möchten nur geniessen. Denn der Genuss steht beim Wein im Vordergrund. Dessen war ich mir bis vor kurzem ziemlich sicher. Horcht man aber den Leuten von der Presse, kommt diese Vorstellung heftig ins Wanken. Denn häufig wird der Genuss an Kompetenz gekoppelt. An fachliche wohlverstanden.  – Mich stört das. Da wird nämlich eine Diskussion geführt, die den Kunden ins Zentrum stellt und ihn gleichzeitig ausschliesst. Es geht um den Diskurs um die önologische Mündigkeit des Konsumenten, um die Vorstellung von Fachwissen als Voraussetzung für Genuss. Entschieden wird täglich am journalistischen Gerichtshof. Das Fussvolk darf schweigen.

Schaf2

Keine Lust, für dumm verkauft zu werden? Keine Sorge, anderen geht’s bestimmt auch so.

Als Kunde befinde ich mich mitten im Dilemma der heutigen Konsumgesellschaft: Meine Kauflust wird einem Überangebot frontal ausgesetzt. Dieses dekadente und darum absurde Problem lässt mich immer wieder total überfordert im Regen stehen. Deswegen bin ich manchmal auf Hilfe angewiesen. Ich schätze es von Zeit zu Zeit, wenn mir jemand bei der Entscheidungsfindung hilft, oder – wie häufig beim Wein – wenigstens eine Vorauswahl trifft. Und trotzdem nervt mich nichts mehr, als wenn Journalisten oder andere Fachleute durchblicken lassen, dass sich laut ihrer Wahrnehmung der gemeine Feld-, Wald- und Wiesenkonsument wie ein blindes Huhn durch die Weinlandschaft bewegt. Dass er unselbständig und ignorant ist, und unfähig, von Wein etwas zu verstehen. Er darf zwar kaufen und Weinpäpsten folgen, mehr aber darf er nicht.

Der Konsument als dummes Schaf in einer grossen Herde anderer dummer Schafe. Einer Herde die nicht weiss, wohin es geht und was sie will und die geführt werden will: Zur Religion, zum Produkt, zum guten Geschmack. So das Bild, welches die Presse immer und immer wieder zeichnet.

Ich bin kein Schaf!

Manchmal verfolge ich gerne, was Herr und Frau Fachmann zu sagen haben. Ob ich was von Wein verstehe ist dabei nicht relevant. Ob ich Freude daran habe aber schon. Schliesslich muss ich keinen Riesling von einem Chardonnay unterscheiden können, um festzustellen, ob mir ein Weisswein schmeckt. – Himmelherrgottnochmal, warum suggerieren einem dutzende Artikel und Blogs immer wieder, dass man ohne fundiertes Wissen nicht zur Weinsociety gehört, des Weines nicht würdig ist und sich genauso gut ne Cola genehmigen könnte, da man den Unterschied sowieso nicht schmeckt

Warum beharrt scheinbar jeder, der einen deutschen Satz fehlerfrei auf Papier kriegt, darauf, die absolute Wein-Wahrheit gefunden zu haben? Bio, oder nicht bio, lokal oder international, Burgunder, oder Bordeaux, klassisch oder modern, Parker oder Suckling? ICH entscheide SELBST! Und das jederzeit. Denn ich bin dazu durchaus in der Lage. So wie viele Wein-Konsumenten da draussen auch.

Wir leben nicht mehr in den 80ern. Die Zeiten in denen sich der Weinkosmos des Normalos auf Chianti und Chardonnay beschränkte sind vorbei. Und auch wenn ich Weine mag, von welchen mehr als 200’000 Flaschen jährlich abgefüllt werden, oder mir Traubensäfte schmecken, die in Kleinstmengen produziert werden, hat das weder mit Unwissenheit, Mainstream oder Beeinflussbarkeit zu tun, sondern mit Geschmack, mit Vorlieben, der Verfügbarkeit und – last, but not least – dem vorhandenen Budget. Selbst wenn 326’564 andere Europäer denselben Wein trinken wie ich, dann ist das halt so. Punkt. Die haben nämlich Geschmack. Guten Geschmack sogar. Und auch wenn es das Einzige ist, was sie haben, und wenn ihnen alles Weinwissen der Welt fehlen sollte, ist der Geschmack für sich alleine doch Rechtfertigung genug, Wein zu mögen und zu trinken. Auch ohne Lizenz zum Klugscheissen.

Wann geht das endlich in eure Köpfe rein? Ihr Journalisten, Missionare, Forenschreiber, Doofblogger und Weinkenner!

Hugh, ich habe gesprochen.

Flaschentester


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Villa Antinori Bianco 2011

Italien gefiel mir schon immer. Die haben dort ein Meer, Opern, gutes Essen und schöne Weine. Auf dem Programm steht darum als Blog-Premiere der Villa Antinori 2011. Ein Wein, den ich euch empfehlen kann. So viel vorab schon.

Er stammt aus der Toskana. Erzeuger ist dort das italienische Traditionshaus Villa Antinori, welches seit jeher vor allem für seine Rotweine bekannt ist. Ich öffne die Flasche und schenke ein. Der Wein leuchtet in einem hellen Goldgelb. Der Verschnitt aus Chardonnay-, Malvasia- und Trebbianotrauben ergibt einen eher süsslichen, leichten Weisswein. Er passt zu jedem Apéro, kleinen Snacks, leichten Fischgerichten, oder einfach mal für zwischendurch. Ja, ja, ihr habt recht: Der Villa Antinori Bianco ist ein Gaumenschmeichler, der bestimmt einer breiten Masse schmeckt und auch mit entsprechendem Kalkül vinifiziert wurde. Ich seh es pragmatisch: Ein Fehlkauf ist praktisch ausgeschlossen. Das macht ihn zu einem idealen Mitbringsel bei Einladungen, spontanen Treffen oder festlichen Anlässen – nicht nur zur Sommerszeit. Dieser Weisse schmeckt jedem. Bis Ende 2013 sollte man ihn jedoch austrinken. Das mit der Lagerzeit wurde bei mir aber noch nie zum Problem. Und das lag nicht an der Kellerkapazität.

Punke: 14/20
Passt zu: Apéro, Snacks, Fisch
Preis: Fr. 11.25

 

Zu kaufen gibt es den Villa Antinori 2011 z.B. hier