Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Frohe Ostern: Biokult Zweigelt Rosé 2011

Etwas uninspiriert kaufe ich neulich einen Rosé. Ein Grüner Veltliner desselben Labels hat mich schon lange als einfacher Saufwein überzeugt. Der Rosé soll’s jetzt auch tun. Nach der Verkostung sitze ich wieder mal vor einem leeren Blatt digitalen Papiers. Ein Artikel will geschrieben werden. Meine Recherchen beginnen. Nicht lange, und ich bin um eine Erkenntnis reicher: Bio ist Bio, und Coop ist Delinat. – Hä? Und was hat das eigentlich alles mit Ostern zu tun? Gemach, gemach.

Gehörst du auch zu den Konsumenten, die Wein aufgrund des Etiketts aussuchen? Dann sind dir die Weine des Biokult-Labels bestimmt schon aufgefallen. Die hübschen Flaschen gehören zu Coop’s Naturaplan-Linie. Es sind relativ preiswerte Weine. Und es steht fett Bio drauf. In den Regalen des Grossverteilers findet man einen Zweigelt, den erwähnten Grünen Veltliner und den hier getesteten Rosé. Ausser Bio haben sie vor allem eins gemeinsam: Den Preis. Jede Flasche kostet exakt genau gleich viel. Nämlich elf Franken und fünfzig Rappen. Strategie? Subvention? Wahnsinn? Man weiss es nicht.

WeinEi

Schatz ich hab‘ ein Ei gefunden: So schön kann Ostern sein.

Erzeugt wird der Biokult-Rosé auf dem Weingut der Michlits. Dieses befindet sich im beschaulichen Pamhagen. Also in Niederösterreich. Es handelt sich übrigens um den grössten Biowein-Betrieb Österreichs. Die umtriebige Familie produziert in erster Linie die bei uns recht beliebten Meinklang-Weine. Das Traubenmaterial für die Biokult-Abfüllungen stammt jedoch von Bio-Winzern aus der Gegend. Biokult ist ein Gemeinschaftsprojekt unter dem Hut des gleichnamigen Labels. Der Michlitsbetrieb ist für die Vinifizierung zuständig. – Meinklang-Produkte kriegt man in unseren Breitengraden bei Delinat, Biokult bei Coop. Beides ist Bio, beides stammt vom gleichen Gut. Na ja, das eine voll und ganz, das andere, was die Weinbereitung betrifft. Anderes Geschäft, gleiche Baustelle, gewissermassen. So viel also zum Eingangstext.

Zurück zum Thema: Für den Rosé muss die Nationaltraube unserer Nachbarn – Blauer Zweigelt – herhalten. Der Ertrag wird mit sechzig hl/ha angegeben. Für diese Preisklasse also eine Ernte im üblichen Rahmen.

Die Vinifizierung des Rosés erfolgt traditionell. Die Reifung erfolgt während sieben Monaten im Stahltank. Aber Werner Michlit hat auch eierförmige Tanks. Jawohl, eierförmig. Hab‘ ich doch noch die Kurve zu Ostern gekriegt. Ha! – Der Winzer ist davon überzeugt, dass die Natur mit dem Beton-Ei eine ideale Form für die Reifung gefunden hat. Die speziellen Tanks nach französischem Vorbild, sollen eine reiche Aromenentfaltung und höchstmögliche, natürliche Stabilität bzw. Balance aller Komponenten gewährleisten.

Nun, auch ohne Ei-Einsatz ist in Niederösterreich ein ordentlicher Rosé herangereift. Im Glas scheint er in einem sehr ausgeprägten Granatrot. Das Bouquet duftet intensiv nach Pfirsich. Jawohl Pfirsich! Und nicht Zweigelt-Kirsche, wie in der Degu-Notiz auf dem Etikett steht. Spontan erinnert mich der Duft, und auch der Geschmack, an jugendliche Erfahrungen mit Pesca Frizz. Im Mund schmettert der Biokult-Wein einem ebenfalls intensivste Frucht entgegen. Sehr angenehm beim ersten Schluck, etwas langweilig bei den folgenden. Ausser Pfirsich, leichter Süsse und Frischegefühl kommt nämlich nicht mehr viel nach. Der Körper ist leicht, der Abgang kurz, der Wein süffig. Punkt. Aus. Ende.

Fazit: Der Biokult-Rosé erreicht leider bei weitem nicht die Geschmacksdichte eines Tour de Mirambeaus oder einer von Daniel Lloses Abfüllungen. Trotzdem weiss er durch seine direkte, schlichte und ungekünstelte Art zu gefallen. Ein Land-Rosé, sozusagen. Bei uns gibt’s einen Fitnessteller mit paniertem Kalbsschnitzel dazu. Diese Kombination geht ganz ordentlich über die Bühne. Als Apérowein, für Bowlen oder zu frischen, frühlingshaften und leichten Gerichten passt der Biokult-Rosé bestimmt auch ganz gut. Der Preis ist attraktiv. Die Pfirsichfrucht ebenfalls. Ich gebe 14 Punkte.

BiokultRosé

Punkte: 14/20
Passt zu: Fitnesstellern, leichten Gerichten, Apéros, Bowlenattacken
Preis: Fr. 11.50

Der Biokult-Rosé steht bei Coop in den Regalen. Die Meinklang-Weine der Michlits gibt’s bei Delinat oder www.probiowein.de 


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Brathendl-Wein: Preisinger Basic 2009

Liebes Tagebuch, unser Ausflug von neulich hat sich gelohnt. Einmal mehr durften wir österreichische Gastfreundschaft hautnah erleben. Neben hervorragenden Speisen, zeigte sich wieder mal, dass es unglaublich fein gearbeitete österreichische Weine gibt, welche von uns jungen Kehlen noch entdeckt werden wollen. So einer war der 011er Zweigelt von Claus Preisinger. – Notiz an mich: Begib‘ dich zu Hause unverzüglich auf die Suche nach den schlichten Flaschen des jungen Winzers aus dem Burgenland!

Einige Wochen später: Mit Fahrrad und Hoffnung ausgestattet, durchstöbere ich lokale Weinhandlungen. Fündig werde ich im Globus. Da finden sich einige von Claus‘ Flaschen in den Regalen. Der 011er Zweigelt leider noch nicht. Der kommt die Tage. – Warten? Ne, kommt nicht in die Tüte. Um die Zeit zu überbrücken, pack‘ ich schon mal drei Flaschen vom Basic auf meinen Drahtesel.

Preisinger Weingut

Claus Preisingers Weingut – Eine Augenweide

An gewöhnlichen Wochentagen wird bei Flaschentesters meistens bodenständig gekocht. So auch neulich. Es ist Mittwochmittag. Nach einem kurzen Frühlingsversuch, entschliesst sich das Wetter heute doch lieber nochmals vorzuführen, was Schnee ist. Draussen ist es nass, kalt und grau. Aus der Küche strömt bereits ein herrlicher Duft in die restlichen Räume. Es riecht fantastisch! Schnell noch rasch in den Keller und ne Flasche Roten raufgeholt. Es gibt Brathendl.

Hühnchen, Kartoffeln und Salat stehen auf dem Tisch. Der Wein ist einigermassen temperiert. Ich schenke ein. Toll, dieses Dunkel-Violett. Ehrlich, schon die Farbe begeistert. Freudig nehme ich eine Nase voll: Sehr gefälliges Bouquet. Ich rieche intensivste Pflaume, etwas Kirsche, einen Kräutermix aus Rosmarin und Lavendel, Sprit, Leder und Holz. Im Mund dann sanfte Tannine, leicht beerig-marmeladiger und dennoch würziger Körper, toll integrierte Säure, geringe Adstringenz, ein relativ kurzer Abgang, und zum Schluss ein fruchtig-würziger Nachhall. Der Basic schmeckt auf Anhieb. Er ist durch und durch unkompliziert und hat trotzdem Charakter. Eben ein saftig-trinkiger Alltagswein, der bestimmt zu vielen ländlichen Gerichten passt. Auch ohne Essen, kann man ihn gut geniessen. Zur Produktion so viel: Die Trauben (90% Zweigelt, 10% St.Laurent) für den Basic stammen – laut Winzer – übrigens aus jeweils perfekt entsprechenden Lagen und Weingärten im Westen und Osten des Neusiedler Sees. Gelesen wurde in der ersten Septemberwoche. Die Vorselektion erfolgte im Weingarten, im Weingut wurde dann nachsortiert. Es folgte eine Spontangärung im Tank, mit anschliessendem Ausbau in Eichenfässern auf eigener Hefe, für den Zeitraum von zehn Monaten.

Fazit: Der österreichische Rotwein vom Neusiedlersee zeigt, dass es auch im unteren Preissegment tolle Bio-Weine gibt. An den 2011er Zweigelt aus dem selbem Haus kommt er meiner Meinung nach nicht ran. Trotzdem gehört Preisingers Basic zu den erfreulichsten Alltags-Roten, welche ich in letzter Zeit im Glas hatte. Toll! Ich gebe verdiente 16 Punkte.

Preisinger Basic

Punkte: 16/20
Passt zu: Bodenständiger Küche
Preis: Aktionspreis Fr. 10.00 statt 16.80 / € 7.29

Claus Preisingers Weine gibt’s im Globus und bei Pfanner & Gutmann

 


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Rustikaler Italiener: San Michele a Torri – Chianti Colli Fiorentini DOCG 2010

Irgendwie tun mir die Italiener ja leid. – Die Leute, nicht die Weine. Da schaffen sie ihren selbstverliebten und machtsüchtigen Cavaliere ab, nur um ihn einige Zeit später wieder im Wahlkampf anzutreffen. Schuld daran sind ein politisches System und eine Parteienlandschaft, welche kaum noch jemand an der Basis versteht. Ganz ähnlich verhält es sich mit italienischen Weinen und ihren Deklarationen. Bestes Beispiel dafür: Der Chianti.

Das Klassifizierungen bei Weinen mitunter kompliziert sind, habe ich ja schon beim Thema Bordeaux aufzuzeigen versucht. Beim Chianti verhält es sich ganz ähnlich. Zum einen wird das Chianti genannte Gebiet – ähnlich dem Bordelais – nämlich in einzelne Anbauflächen aufgeteilt, zum anderen werden die dort produzierten Weine in ein Zertifikatssystem eingereiht, welches Gutes will, aber nicht immer einfach zu durchschauen ist.

Chianti Anbaugebiete

Die Anbauflächen des Chiantis liegen in der Toskana. Das Gebiet erstreckt sich von Pisa bis Montalcino. Neben dem meist hochwertigen Chianti Classico wird die Region heute offiziell in sieben Provenienzen* unterteilt:

  • Chianti Rufina (Pontassieve)
  • Chianti Colline Pisane (Pisa)
  • Chianti Montalbano (Carmignano)
  • Chianti Colli Fiorentini (Florenz)
  • Chianti Colli Senesi (Siena)
  • Chianti Aretini (Arezzo)
  • Chianti Montespertoli

Klassifiziert werden italienische Weine aufgrund der Qualitätsstufen vini da tavola, IGT (Indicazione Geografica Tipica), DOC (Denominazione di Origine Controllata) und DOCG (…e Garantita). Das DOC-System wurde Anfang der Sechzigerjahre in Anlehnung an das französische AC-System eingeführt, um qualitativ hochwertigere Weine von den gewöhnlichen „Tafelweinen“ abzugrenzen. Natürlich auch mit dem Ziel nachhaltige Qualitäten italienischer Weine zu produzieren. Wobei bis heute die beiden Labels vor allem für höchste Qualität in der Produktion stehen. Es ist unumstritten, dass die Toskana auch hervorragende Weine ohne Zertifikat hervorbringt. DOC und DOCG stehen nämlich nicht per se für Spitzenweine. Auch hier wird die Parallele zu Frankreich offensichtlich: Klassifizierungen sagen nur begrenzt etwas über die Qualität von Weinen aus. Auch in Italien. Bei DOC und DOCG-Produkten hat man aber wenigstens die Gewissheit um ordentliche Produktionsmethoden. So zum Beispiel auch bei Käse und Olivenöl, welche eines dieser Labels tragen.

Bei Weinen spezifiziert das DOC-Label unter anderem die zugelassenen Anbaugebiete, die Rebsorten, den Maximalertrag pro Hektar, den zulässigen Alkoholgehalt und vieles mehr. DOCG-Weine dürfen ausserdem nur vor Ort abgefüllt werden. Der Höchstbetrag pro Gebinde umfasst fünf Liter. Italien kennt insgesamt siebzig Weine, welche diesen Spezifikationen entsprechen. Darunter viele bekannte Namen wie Brunello di Montalcino, Amarone della Valpolicella oder Barbera d’Asti. Spitzenweine findet man – wie erwähnt – vor allem bei Flaschen mit dem Aufruck Chianti Classico. Grundsätzlich werden Chiantis immer aus Sangiovese-Trauben erzeugt. Oft sind sie reinsortig hergestellt, manchmal werden sie durch Beigabe von Trebbiano und Malvaisa jedoch auch früher trinkreif gemacht. Die Vorschrift, das Chianti auch einen gewissen Anteil weisser Trauben enthalten soll, wurde glücklicherweise überwunden. Auch die typischen Bastflaschen findet man heute nicht mehr flächendeckend. Schade eigentlich.

Erzeuger des getesteten Colli Fiorentinis und Besitzer der Fattoria San Michele ist Paolo Nocentini. Laut eigener Aussage verfolgt er ein Ideal: Den „guten alten“ traditionellen Chianti. Die Sangiovesestöcke lässt er dafür extra in einer Baumschule aus Reisern eines 80 Jahre alten eigenen Weinberges nachzüchten, weil er sicher ist, dass diese besser sind, als die modernen Klone. Entsprechend niedrig ist allerdings der Ertrag. – Aber nicht nur Sangiovese bildet das Material für diesen Chianti. Dazu gesellen sich noch 15 Prozent Canaiolo und fünf Prozent Colorino.

San Michele a Torri

San Michele a Torri in Scandicci nahe Florenz

Und tatsächlich, Nocentinis Chianti schmeckt durch und durch traditionell. Er ist sehr trocken, herb und besitzt eine deutliche Restsäure. Insgesamt wirkt er etwas hölzern, hat aber ausreichend Frucht. Der Wein ist lebhaft und tanninreich, bringt aber trotzdem eine schöne Samtigkeit – vor allem im Abgang. Das Bouquet ist sehr intensiv. Es erinnert ein wenig an Glühwein, Orangen, Gewürze, Beeren und diverse vegetabile Erdtöne. Die Farbe ist ein ausgeprägtes, fast glühendes Granatrot. Romanin meint, dass er zu Pasta passe. Das kann ich absolut nachvollziehen. Wobei mir der kürzlich vorgestellte Primitvo als Essenspaarung zu einer Bolognese weitaus mehr zusagte.

Fazit: Der San Michele a Torri ist ein klassischer, ländlicher Chianti. Zwar wird er nicht reinsortig aus Sangiovese-Trauben hergestellt, trotzdem hat man einen traditionellen, das Terroir widerspiegelnden, Rotwein im Glas. Wer fruchtig-frische Chiantis, oder Weine mag, ist mit diesem hier falsch bedient. Nocentinis Toskaner gehört zur ernsteren und für die längere Flaschenlagerung konzipierten Art. Mir persönlich ist der Bio-Wein zu trocken, zu hölzern und ein wenig zu aggressiv ausgefallen. Ich gebe deshalb 14 Punkte.

Fattoria San Michele a Torri Chianti

Punkte: 14/20
Passt zu: Pasta, mediterraner Fleischküche
Preis: Fr. 16.80

Den Chianti der Fattoria San Michele a Torri kann man hier kaufen.

 

 

 

 

 

* Zur Politik: Italien kennt sage und schreibe 169 (!) politische Gruppierungen. – Ok, Wein ist doch einfacher.


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St’ill / Feldkirch – Ein Restaurantbericht

Nur ein Katzensprung von St. Gallen entfernt, liegen ein Restaurant, ein Weinkeller und ein Städtchen, die eine Reise wert sind. Also, flux gepackt und los geht’s! – Laut TomTom erreichen wir unser Ziel in 32 Minuten. Gerade genug Zeit, um in Heinos Neue reinzuhören und die letzten verkosteten österreichischen Weine nochmals Revue passieren zu lassen.

Kaum ist das Fanta4-Cover verklungen, erreichen wir Feldkirch, das kleine Städtchen an der Ill. Reserviert haben wir von zu Hause aus in einem der zwei Best Western Hotels vor Ort. Ein Fehler, wie sich schon kurz nach dem Betreten des Hauses herausstellt. Das Hotel bietet keine Parkplätze, die Zimmer keine Badewanne. Es erwarten uns durchgelegene Matratzen und eine Zimmerheizung, welche allerhöchstens als Attrappe in einem Hollywoodstreifen durchgehen würde. Heizen tut sie jedenfalls nicht.

Egal, uns kann nichts erschüttern. Wir legen das Gepäck ab und erkunden kurz die hübsche Altstadt mit ihren vielen tollen Bars. Dann machen wir uns auf den Weg ins St’ill. Wir haben reserviert. Pünktlich um 19.30 Uhr Ortszeit betreten wir das Restaurant. Es ist voll. Einzig unsere zwei Plätze sind noch frei. Das St’ill bietet Platz für insgesamt ca. vierzig Gäste: Dreissig oben im eigentlichen Lokal, etwa zehn weitere finden in einem gemütlichen Gewölbe, just neben dem Weinkeller Platz. Auch draussen im Garten kann man, entsprechende Aussentemperaturen vorausgesetzt, gemütlich speisen und verweilen.

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Die Karte wird uns gereicht. Währenddem wir das aktuelle Angebot überfliegen, entscheiden wir uns schon mal für den von Hausgeist Denis Djulic vorgeschlagenen Apéritif, einen mit Thymiansirup angereicherten Crémant.

Die Karte ist übersichtlich. Man kann zwischen vier verschiedenen Menüs wählen: Fishtales, A Rind the world, Innere Werte und Veg me up before you gogo. Lustig und sinnreich zugleich sind sie, die Namensgebungen. Wir wählen – entgegen vorgeschlagenen Kompositionen – das dreigängige Überraschungsmenü einschliesslich Weinbegleitung. Überrascht werden wir tatsächlich. Nach einem kleinen Gruss aus der Küche, folgt quasi ein Querschnitt der vier bereits erwähnten Menüs. Wohlgemerkt: Wir erhalten nie denselben Gang. Jedem von uns wird jeweils etwas anderes aufgetischt. Auch die Weine sind individuell darauf abgestimmt. Folgende Gerichte finden den Weg zu uns:

Gebeiztes Bachsaiblingsfilet, Koriander-Bratkartoffel-Salat & Ingwer-Aioli

Buchweizen-Crèperöllchen, Ziegenfrischkäsefülle, Randencarpaccio & Nüsslesalat

Bachforellenfilet, geschmorter Chinakohl, Shitake-Stirfry & Süsskartoffel-Chips

Niedertemperaturgegarte Kalbsnuss im Cidrejus, Kalbsbries, Petersilwurzelpürée & Haselnuss-Gremolata

Maroni-Créme Brülée & eingelegte Vanille-Zwergorangen

Safran-Dörrmarillen-Mousse, Mandelbiskuit & Rosen-Joghurt-Sauce

In der Küche steht Djulics Partnerin, die talentierte Quereinsteigerin und Autodidaktin Denise Amann. Verkocht werden von ihr ausschliesslich Produkte aus biologischer Landwirtschaft. Auch bei den Weinen wird diese Linie konsequent weiterverfolgt. Zur Qualität: Eins vorweg, alles schmeckt. Es gibt keine totalen Durchhänger, oder gar Enttäuschungen. Die Nase vorn haben eindeutig die Fischgerichte, gefolgt von den Desserts. Der vegetarische Gang, wie auch die Kalbsnuss sind handwerklich zwar absolut in Ordnung, für unseren Geschmack aber etwas zu langweilig und uninspiriert geraten. Die Präsentation der Gänge ist hingegen stets gelungen. Auch die Güte und Frische der Produkte gefallen ausserordentlich. Da ist man im St’ill offensichtlich kompromisslos. Bravo!

Auch Djulic scheint seine Passion gefunden zu haben – zum Glück für den Gast. Leidenschaftlich und mit ansteckender Freude an der Materie, wählt er die zu Amanns Kreationen passenden Weine aus. Den Schalk im Nacken, lässt Djulic einem erst ein wenig Rätseln, bevor er jeweils das Geheimnis um die kredenzten Tropfen lüftet. So macht Wein Spass! Am Ende eines genussvollen Abends bitten wir ihn, uns die zu den einzelnen Gängen gepaarten Weine aufzuschreiben und erhalten umgehend folgende, handgeschriebene Liste:

  • Welschriesling Selektion, Andreas Weber, Weinviertel
  • Grüner Silvaner, Weingut Wittmann, Rheinhessen
  • Zweigelt, Claus Preisinger, Neusiedlersee
  • Pinot vom Berg, Birgit Braunstein, Neusiedlersee-Hügelland
  • Graf, Frizzante „Cuvée Katharina“
  • Grand Cardinal 2008, Prädikatsweingut Weiss, Burgenland

Das Highlight ist eindeutig der Zweigelt von Preisinger. Ein Spitzenwein: Schöne Farbe, beeriges Bouquet, rund, vollmundig, fruchtig, mit einer tollen Balance aller Komponenten und einem schmelzigen Abgang. So wenigstens meine geistigen Notizen. Am Spannendsten ist unser Schlummertrunk: Ein Cuvée der Familie Weiss. Nicht unbedingt ein Wein für alle Tage, interessant ist er aber allemal. Wird dieser doch aus vier (!) Traubensorten verschnitten: Cabernet Sauvignon, Zweigelt, Shiraz und Merlot. Eine wahre Wundertüte an Geschmäckern. Ich habe selten einen so vielschichtigen Rotwein getrunken.

Zurück zum St’ill: Preislich liegt ein Abendessen für zwei Personen, samt Apéritif und Weinbegleitung, irgendwo zwischen 110 und 150 Euro. Für das Gebotene ein fairer Preis. Obwohl die Speisen bei unserem letzten Besuch im Sommer vor zwei Jahren raffinierter und wagemutiger zubereitet und kombiniert worden waren, ist das St’ill auch 2013 nach wie vor einen Besuch wert. Unbedingt sogar! Aufgrund der Vollauslastung kommt manchmal ein Hauch von Hektik auf. Dennoch ist das Servicepersonal zuvorkommend, sympathisch und äusserst aufmerksam. Die Speisen überzeugen im grossen Ganzen, Einiges ist gar herausragend. Die Zutaten werden ansprechend zubereitet und mit Liebe zum Detail angerichtet, die Weine treffsicher ausgewählt und dem Gast enthusiastisch präsentiert. Es überrascht deshalb nicht, dass zwei grosse Namen auf das kleine, aber feine Restaurant aufmerksam geworden sind: Gault Millau gab dem St’ill erst kürzlich vierzehn von zwanzig Punkten. Von Falstaff wurde das Lokal vergangenes Jahr mit einer von maximal vier Gabeln ausgezeichnet. Von meiner Seite gibt’s 17 Punkte und im nächsten Jahr ein Wiedersehen im St’ill. Versprochen.


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El Molino 2011

Kampf dem Januarloch: Teil III – Nach dem Riesling-Abenteuer vom letzten Mal gehts heute um einen Rotwein. Die Budgetvorgabe gilt nach wie vor: Mehr als zehn Franken liegen nicht drin. Schliesslich ist’s Januar und Ebbe im Geldbeutel. Vermutlich ist deshalb der Jänner schon in Urzeiten zum Beginn der okzidentalen Fastenzeit erklärt worden. Beweisen kann ich’s nicht, Mutmassen aber schon.

Meine Januarloch-Tour führt mich heute zu Delinat. Der Naturweinhändler hat seit Jahren einen spanischen Roten im Angebot, der sich ziemlich schnell zum Verkaufsschlager gemausert hat. Liest man sich die Kommentare im Online-Shop durch, sind sich die Konsumenten einig: Der El Molino macht was her. Preislich und qualitativ. Das klingt im Originalwortlaut dann so:

„Ein prima Alltagswein, den man aber auch Gästen offerieren kann.“

„Ich finde, dieser Wein ist hinsichtlich Geschmacksfülle und Preis immer einen Kauf Wert. Man möchte und kann ja nicht ständig teure Weine kaufen…“

„Ein klarer einfacher Wein. Schön zu alltäglichen Dingen.“

Das erste Mal ist mir der Molino in einem Wiler Restaurant aufgefallen. Nach einer hitzigen Debatte über die Qualität von Bio-Wein, bestellte dort nämlich einer der Diskussionspartner eine Flasche des El Molinos. Meine jugendlichen Vorbehalte gegenüber preiswerten Naturweinen wurden mit dem ersten Schluck vom Tisch gefegt. Bis zu diesem Tag war ich mir nur von Naturweinen ab zwanzig Franken aufwärts trinkbare Qualitäten gewohnt. Der Naturwein aus La Mancha belehrte mich eines besseren.

Es gibt Fusilli alle Cinque Pi. Für mich ein typisches Alltagsgericht, wenn man abends Kohldampf hat, aber kräftemässig total auf dem Zahnfleisch geht. Es ist schnell zubereitet, die Zutaten sind meistens sowieso vorhanden und es schmeckt. Punkt. Hungrig und etwas müde stehe ich also eines Abends in der Küche. Den Molino habe ich schon mal geöffnet, ein Glas steht neben dem Herd. Während die Pasta so vor sich hinköchelt, nehme ich einen ersten Schluck. Ui, der schmeckt aber gut. Leicht euphorisch gestimmt nehme ich ihn etwas genauer ihn Augenschein.

Windmühle

El Molino: Hurra, ein Naturwein, der das Budget schont und dennoch schmeckt!

Im Glas scheint er Purpurrot mit beinahe schwarzem Kern. Aus dem Glas strömen mir fruchtige Noten entgegen: Etwas Kirsche und vor allem reife Pflaume kann ich erkennen. Ergänzt wird das Fruchtspektrum durch Vanille und Lakritze. – Winterdesserts erscheinen vor dem geistigen Auge. Auch im Mund macht sich eine schöne Fruchtigkeit breit. Habe ich erwähnt, dass es sich um einen Tempranillo handelt? Der Körper ist geradezu fleischig, gleichzeitig aber von leichter Struktur. Die Tannine sind weich, dennoch macht sich im Mund eine leichte Pelzigkeit breit. Mich stört sie aber nicht. Der kurze Abgang gefällt ebenfalls, Neues bringt er jedoch nicht zu Tage.

Delinats Kunden behalten Recht: Der El Molino ist ein geradliniger, angenehmer Bio-Wein von einfacher Struktur. Kein Protz, aber auch kein Prolet. Er positioniert sich irgendwo dazwischen, und das macht er sehr gut. Zur Pasta mundet der Spanier jedenfalls. Er bringt ansprechende Qualität ins Glas und ist dabei gleichzeitig unglaublich preiswert. Wäre ich für die Preisgestaltung verantwortlich, würde er mindestens das Doppelte kosten. Dieser Rotwein wird meiner Meinung nach völlig unter Wert verkauft. Schliesslich ist er Genusswein, Hauswein und sortenreiner Naturwein zugleich. Für manche ein weiterer Pluspunkt: Er wurde vegan produziert. Und auch als ordentlicher Kochwein kann er mühelos herhalten. Alles in allem hat er mich überzeugt. Ich gebe 16 Punkte.

ElMolino2011Punkte: 16/20
Passt zu: Pasta, mediterraner Fleischküche
Preis: Fr. 7.80/75cl (auch als 50cl-Flasche erhältlich)

Kaufen kann man den El Molino hier


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Vinha da Malhada 2009

Rückblick: Wir schreiben den ersten Dezember 2012. Der Schnee wurde gestern zu Matsch und über Nacht dann zu Eis. Trotzdem entscheide ich mich für die Nordost-Route. Und das, obwohl ich für die ungeheure Strecke von 403 Metern Luftlinie kurzfristig keinen Hundeschlitten auftreiben konnte. Warm eingepackt und etwas widerwillig mache ich mich auf den Weg zu Romanin. Versprochen ist schliesslich versprochen.

Nach fünf Minuten Fussmarsch erreiche ich mein Ziel, die Bogenstrasse 7b. Es hat etwas von einer Weihnachtsgeschichte. Schliesslich ist einzig hinter Romanins Türen Licht im dunklen Hinterhof zu erkennen. Ich trete ein. Zugegeben, etwas erschrocken bin ich schon, als ich inmitten des Weinlagers stehe: Kartons und Kisten türmen sich bis zur Decke. Es ist leicht chaotisch und unaufgeräumt und inmitten der Weinflaschen und Pakete sind zwei Angestellte emsig am werkeln. Wahrscheinlich bereiten sie tonnenweise Päckli für den Versand vor – denke ich mir. Schliesslich ist bald Weihnachten.

Romanin

„Doch, doch, sie sind hier schon richtig.“

Ich packe meinen Zettel aus und frage nach zwei Flaschen. Einem sehr schönen Sekt-Getränk und dem Vinha da Malhhada. Die eine Lady führt mich zu einem weiteren, etwas kleineren Raum. Hier wirkt alles ordentlich. Es ist der eigentliche Geschäftsraum. Alle Weine sind feinsäuberlich ausgestellt, die Regale mit Landesnamen gekennzeichnet und die Flaschen mit einem zusätzlichen Etikett jeweils genauer beschrieben. Die Verkäuferin holt mir die zwei Flaschen aus einem Nebenraum, wir plaudern währenddem ein wenig. Sie betont, dass auf telefonische Anfrage das Geschäft auch an anderen Tagen geöffnet werde. Meistens sei sowieso jemand da, meint sie*.

Noch fünf Stunden bis zum Weltuntergang: Der Malhada steht bereit. Er stammt von der Quinta do Motalto. Diese liegt in einem kleinen Nest namens Olival. Gerade mal 5’800 Seelen zählt das Dorf, welches süd-südöstlich von Porto liegt. Der Cuvée wird dort aus vier verschiedenen Traubensorten vegan hergestellt: Tinta Roriz, Baga, Touriga Nacional und Alicante Bouchet. Tinta Roriz ist ein Synonym für Tempranillo. Laut Romanins Webseite soll der portugiesische Rotwein leicht und süffig sein. Die Spannung steigt.

Als Essenspaarung entscheiden sich meine Degustationspartnerin und ich für ein kurzgebratenes Lammnierstück, frittierte Auberginen mit Rosmarin-Wurzelgemüse und Weissbrot. Dekantiert wartet der Portugiese 90 Minuten brav in der Karaffe. Dann schenke ich ein. Im Glas zeigt er sich schwarzrot. Die Nase ist durchaus angenehm und vielseitig, will heissen: Cassis, Pflaume, Leder, Stall, Nelke, Rosmarin. Das mit der Süffigkeit kann ich bedingt nachvollziehen. Im Mund ist der Wein erstmal kantig und rau. Positiv ausgedrückt, hat er Charakter. Schluckt man ihn schnell, verlässt er den Gaumen mit einer pflaumigen – süffigen – Süsse. Lässt man sich hingegen Zeit, ist die Säure für meine Eichung hart an der Grenze, für viele ist sie bestimmt einfach zu dominant. Die Frucht hat arg um ihre Position zu kämpfen. Wie bei Romanin beschrieben ist er tatsächlich sehr trocken und leicht. Der Abgang ist von mittlerer Länge.

Der Vinha da Malhada ist ein rudimentärer Traubensaft. Ein einfacher Tischwein für einfache Gerichte. Er macht es mir nicht leicht mit der Bewertung. Würde ich mir diesen Rotwein nochmals kaufen? Nein, wohl eher nicht. Der letzte Portugiese hat mir weitaus besser geschmeckt. Für den Naturwein hat sich der Weg durch die Schneelandschaft aber nur mässig gelohnt. Er ist einfach zu kantig und zu sperrig. Ausser man bechert ihn in schnellen Zügen. Momentan bin ich aber eher gemächlich unterwegs. Ich gebe darum 13 Punkte.

VinhaDaMalhada2009

Punkte: 13/20
Passt zu: Lamm, herzhaften vegetarischen Gerichten, Oliven und Weissbrot
Preis: Fr. 12.50

*P.S. Romanin hat jeweils nur am ersten Samstag des Monats geöffnet.


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Holunder küsst Sekt

Da haben sich zwei gefunden, quasi das Traumpaar des Jahres. Spätestens seit das Trendgetränk Hugo vergangenen Sommer seinen Durchbruch hatte, weiss jeder: Sekt und Holunder, das schmeckt ohne Ende.

Dass es auch zurückhaltender geht, zeigt der Fleur et Sekt. Entdeckt habe ich das blumige Bio-Getränk bei Romanin. Hersteller ist die deutsche Sektkellerei am Turm. Diese befindet sich in Speyer, also ganz in der Nähe der Deidesheimer Rieslinge. Im Unterschied zu diesen wird der Fleur et Sekt aber nicht aus heimischen Trauben hergestellt. Der Grundwein für den Sekt kommt aus Spanien, versektet wird in Speyer*. S’ist halt wie bei vielen Bio-Produkten heutzutage: Auch wenn Bio drauf steht hat der Laster einige Kilometer mehr auf dem Tacho, als man denkt. Schade, hätte man doch auch in Deutschland schöne Trauben. Wenigstens der Holundersirup wird von einer deutschen Firma geliefert.

SektkellereiAmTurm

Impressionen aus Speyer: Die Sektkellerei am Turm

Zum Geschmack: Der gerade mal siebenprozentige Fleur et Sekt riecht – dreimal könnt ihr raten – blumig. Im Mund gefällt mir vor allem die angenehm dosierte Perlage. Ausserdem hat der Sekt eine äusserst dezente Süsse inne. Also kein Kleberzeugs – was schon mal gut ist. Mit einem Restzuckergehalt von 44 g/l ist er alles andere als trocken. Auch der Holunder ist schön integriert, kommt aber erst bei einem Bissen Brot so richtig zur Geltung. Die Vereinigung von Blüte und Sekt mündet in einem Happy End. Als Apéritif ist der Fleur nämlich schlicht der Hammer. Er kommt leicht und spritzig daher, ist süffig ohne Ende, aber trotzdem nicht so sirupartig wie ein Moscato d’Asti, oder andere süssliche Weissweine. Auch der Preis stimmt. Toll! Dieser Tropfen kriegt verdiente 16 Punkte.
FleurEtSektPunkte: 16/20
Passt zu: Apéro, Begleiter beim Kochen, für zwischendurch
Preis: Fr. 9.50
Den Fleur et Sekt gibt’s hier zu kaufen.
* Diese Angaben habe ich bei Peter Riegel aufgeschnappt.


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Domaine La Capitaine Johanniter 2011

Nach der Erkenntnis, dass ich die diesjährigen Spitzenweine des Grand Prix du Vin Suisse nirgends in der Stadt auftreiben kann, entscheide ich mich einen Weisswein zu kaufen, der letztes Jahr das Siegerpodest in der Kategorie Bio-Wein erklommen hat. Die Rede ist vom Westschweizer Johanniter aus der Domaine La Capitaine.

Aufmerksam werde ich auf den Johanniter in der blauen Flasche, als ich lese, dass er am GPDVS bereits dreimal in Folge zum besten Bio-Wein der Schweiz gekürt worden ist. Dabei stammt der vegan erzeugte Wein aus einer Region, welche vor allem für Chasselas bekannt ist. Trotzdem wagte der Waadtländer Winzer Reynald Parmelin das Experiment mit der seltenen Rebsorte. Beim Johanniter handelt es sich um eine relativ junge Züchtung aus dem Jahr 1968. Um eine höhere Resistenz gegenüber Pilzkrankheiten zu erreichen, wurden damals Riesling, Ruländer, Gutedel und Seyve-Villard gekreuzt. Mit Erfolg, so viel steht fest.

Die Nase erinnert ein wenig an einen leichten, nicht allzu süssen Dessertwein: Pfirsich, Ananas, weisser Pfeffer, Erde, reife Früchte. Nach einem ersten Schluck bin ich relativ perplex. Wie soll man das beschreiben? Der erste Eindruck ist etwas süsslich, lieblich. Gleichzeitig vermischen sich unglaublich viele verschiedene Facetten. Eine farbenfrohe Palette an Geschmäckern breitet sich im Mund aus. Es scheint als ob eine erste blumige Dimension durch eine zweite, komplexere abgelöst wird, bevor sich dann – quasi zum Finale – eine fruchtige Süsse ausbreitet. Es ist ein wahrer Bazar an Geschmäckern. Pfirsich, Honig, Holunder, Grapefruit, Würze und Stein (so stelle ich mir Stein jedenfalls vor) kann ich schmecken. Bestimmt ist das Spektrum noch grösser, mein ungeschulter Gaumen streicht an dieser Stelle aber die Segel. Tschuldigung.

Curry

Das Curry war super, die Kombination mit dem Wein leider nicht.

Er ist ein spannender Wein, der Johanniter. Einzig die Essenspaarung bereitet mir etwas Kopfschmerzen. Zu Käse passt er sehr gut, dann wird’s aber schon schwieriger. Delinat schlägt Grilladen und asiatisch angehauchte Gerichte vor. Bei uns gab’s indisches Lammcurry. Dazu passt der Waadtländer nicht*. Der Kulturclash scheint zu gross. Genfersee und Neu Delhi liegen eindeutig zu weit auseinander. Das mit den Grilladen kann ich mir hingegen bildlich vorstellen. Leider konnte ich diese Paarung nicht ausprobieren. Schliesslich war der Samichlaus letzte Woche unterwegs, im Normalfall ein untrügerisches Zeichen dafür, dass die Grill-Saison definitiv vorbei ist.

Mir macht der Bio-Wein Spass. Der Preis für die geschmackliche Wundertüte beträgt 22 Franken und ist durchaus angemessen. Wer Lust auf einen komplexen, nicht alltäglichen Schweizer mit ganz eigenem Charakter hat, sollte zugreifen. Mir gefällt er jedenfalls.

Johanniter

Punkte: 17/20
Passt zu: Käse, Grilladen (?)
Preis: Fr. 22.-

 

Den Domaine La Capitaine Johanniter 2011 gibt es hier zu kaufen.

 

 

 

* P.S. Ein Riesling wäre definitiv die bessere Wahl gewesen.


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1’233 Meter für 550 Bioweine

Spätestens seit dem nervtötenden, aber äussert werbewirksamen Coop-Ohrwurm, ist Bio wieder mal in aller Munde. Wenigstens bei denen, die vor der Flimmerkiste ihren Feierabend verbringen. Auch ich schärfe meine Pupillen in Richtung Naturprodukte und entdecke unverhofft eine mir unbekannte Weinhandlung.

Beim Wein gibt’s den Bio-Trend ja schon länger. So auch in St. Gallen. Hier öffnete Delinat nämlich bereits 1998 seine Türen und ist seither lokal führend im lokalen Bio-Weinhandel. Wer kennt sie nicht, die legendären Degustationspakete von Delinat? Auch das Sortiment macht Eindruck, bietet doch der auf Naturwein spezialisierte Händler mehr als 300 Produkte an. Sowieso hat heute jeder, der etwas auf sich hält, Bio-Weine im Angebot. So zählt zum Beispiel Coop 53 Weine und Spirituosen mit Bio-Label im Sortiment, Martel listet gar 85, Zweifel 49, bei Manor sind es neun, Globus hat fünf, und Denner immerhin noch drei Flaschen in den Regalen, um nur einige zu nennen.

Bio ist in aller Munde, auch beim Wein.

Dass Delinat aber keineswegs eine Monopolstellung im St. Galler Naturweinhandel hat, entdecke ich kürzlich per Zufall. Zwischen Leonhardsbrücke, Kreuzbleiche und SBB-Gleisen finde ich nämlich, etwas versteckt, in einem Hinterhof eine mir unbekannte Bio-Weinhandlung. Sie heisst Romanin-Weine und liegt an der Bogenstrasse 7b. Romanin hat sage und schreibe 250 Posten am Lager. Boah, und ich Ignorant erfahre erst heute davon! Unglaublich, aber war, das Geschäft liegt nur einen Steinwurf von mir entfernt. Nichtsahnend habe ich quasi meine Zelte im Epizentrum des ostschweizerischen Naturweinhandels aufgeschlagen. Jetzt, wo ich mir dessen bewusst bin, male ich mir aus, wie ich mich mit meinem Drahtesel und wehenden Fahrradtaschen glückseelig auf meine ganz persönliche Naturwein-Rundfahrt mache:

Na ja, ein Hundeschlitten wäre momentan wohl eher angesagt. – Zurück zum Wesentlichen: Romanin bietet neben Bio-Weinen auch Öle und Spirituosen an. Zum Teil wurden diese – wie auch manche Weine – vegan hergestellt. Der Händler an der Bogenstrasse hat übrigens ausschliesslich europäische Weine im Programm. Australier, Chilenen und Konsorten sucht man vergebens. Schön. Leider habe ich die Degustationstage vom letzten Wochenende verpasst. Mein Entschluss ist aber gefasst: Da muss ich mal hin! In meiner Agenda habe ich mir den ersten Dezember* markiert. Morgen ist es also so weit; morgen nehme ich die nordöstliche Route, Wetter hin- oder her!

Berichtet wird später. Versprochen!

*P.S. Speziell ist nicht nur die Lage, sondern auch die Tatsache, dass Romanin nur einmal monatlich, nämlich immer am ersten Samstag, geöffnet hat.


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Pinot Noir Mythopia, Valais AOC 2010*

Der Biowein-Anbieter Delinat ist nur einen Steinwurf von meinem Domizil entfernt. Trotzdem bin ich dort ein eher seltener Gast. Schade eigentlich. Werden doch beim Schreiben dieses Artikels sofort Erinnerungen an den bodenständigen El Molino, oder einige sehr schöne Weine des österreichischen Meinklang-Labels wach. – Die Zeit ist reif, mich auf’s Fahrrad zu schwingen und an der Davidstrasse 44 vorbeizuschauen. Definitiv.

Der Mythopia stammt von einer der Parzellen des gleichnamigen Weingutes. Die Reben wachsen in der Nähe von Sion, der Wein wurde von Marie-Thérèse Chappaz gekeltert. Der Bio-Weinhändler unterhält eben dort das Delinat-Institut für Ökologie und Klimafarming. Nicht schlecht, Herr Specht; aber was um Himmels Willen heisst das? Delinat erklärt’s mir online: Ziel ist es, …Forschungsversuche zu Mischkulturen, der Entwicklung von Flora und Fauna im Weinberg und der Erzeugung und Verwendung von Bio-Kohle… (Quelle) zu unterhalten. Aha! Insgesamt ist das Traubenmaterial für den vorliegenden Pinot Noir also inmitten einer Mischkultur und einer reichhaltigen Fauna gewachsen. Toll! – Ich finde den Gedanken ja irgendwie schön, dass sich da Reben, umgeben von Schmetterlingen und Obstbäumen, entfalten können. Das kann sich ja nur positiv im Endprodukt niederschlagen! Hoffe ich wenigstens.

Es wird aufgetischt! Eine Auswahl an Rohschinken und Salamivariationen; dazu etwas reifer Käse, schwarze Oliven, Brot, Wasser und natürlich der Bio-Wein. Mein Gaumen ist bereit, komme, was wolle.

Im Glas scheint er rubinrot. Die Nase erinnert erst an Blauburgunder, wie ich sie schon aus Schaffhausen oder dem St. Galler Rheintal getrunken habe. Ein zweiter Nasenschnapper offenbart dann aber schnell die Qualitäten des Mythopias: Er riecht nach Himbeere, etwas Lakritze, und ist insgesamt samtiger, fruchtiger und komplexer als die einfacherer Landweine. Auch im Mund vertritt der Pinot Noir die genannten Attribute. Er schmeckt etwas süsslich, und ist trotz einem Alkoholgehalt von 13% Volumenprozent leicht und süffig ohne Ende. Das pure Gegenteil des kürzlich verkosteten Spaniers. Säure ist zwar vorhanden, tritt jedoch ähnlich wie die Tannine elegant in den Hintergrund. Der Abgang ist angenehm und irgendwie würzig; für einen Dilettanten nicht einfach zu beschreiben. Obwohl ich den Mythopia insgesamt sehr gelungen finde, merke ich gerade, dass ich mit Schweizer Blauburgundern nicht richtig warm werde. Schwierig zu erklären warum. Vielleicht liegt’s an der Lakritze. Davon war ich schon als kleiner Junge nie sonderlich begeistert. Nichtsdestotrotz handelt es sich beim Mythopia um einen schönen Wein. Empfehlenswert ist er auf jeden Fall. Der Preis erscheint mir für das Gebotene etwas zu hoch, Bio hin oder her. Dafür gibt’s einen Punkteabzug. Dem Wein tut das aber keinen Abbruch. – Zu unserer Fleischplatte machte der Walliser – wie erwartet – eine sehr gute Figur. Dass er, wie von Delinat angegeben, auch hervorragend zu Gemüsegerichten passt, macht ihn für Vegetarier umso interessanter.

So, konnte ich die Schweizer Weinindustrie doch noch ein wenig im Kampf gegen ihre Absatzprobleme unterstützen. Die Winzer freut’s und die Schmetterlinge auch. Meinem Pfadfinder-Ehrenwort – jeden Tag eine gute Tat – bin ich jedenfalls doppelt gerecht geworden: Mein Karma ist gerettet, wenigstens für heute.

Pinot Noir Valais AOCPunkte: 15/20
Passt zu: Kalten Fleischplatten, Gemüsegerichten
Preis: Fr. 24.-

 

Der Mythopia ist hier erhältlich; von Dienstag bis Freitag allerdings immer nur zwischen 16.00 und 18.30 Uhr.

 

 

 

* Keine Ahnung warum ich eine 10er Flasche erwischt habe. Im Online-Shop von Delinat ist nämlich nur der 11er gelistet.