Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Dr. Loosen Riesling QbA 2011

Kampf dem Januarloch: Teil II – Deutschland ist bekannt für seine Rieslinge. Gerade in den letzten Jahren ist das Interesse an den Weinen von Mosel, Rheingau & Co. erfreulicherweise stetig gewachsen. Das ich von der alt eingesessenen Traubensorte ebenfalls hell begeistert bin, habe ich schon mehrfach erwähnt. Dass es auch trinkbare Rieslinge jenseits der Zehnfrankenmarke gibt, gilt es zu beweisen. Hoffnungsvoll stürze ich mich in das Experiment. Dr. Loosen assistiert.

Zur Popularität des Rieslings hat nicht zuletzt der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter, kurz VDP, beigetragen. Dieser arbeitet nämlich seit Beginn der 90er kontinuierlich an einer Vereinheitlichung der Klassifizierung und einer damit einhergehenden Qualitätssicherung von Weinen der VDP angehörigen Weingüter.

Bei der vor mir liegenden Flasche handelt es sich um die billigste Abfüllung des Weinguts Dr. Loosen. Dieses Ausnahmegut hat eine zweihundertjährige Geschichte hinter sich und gehört wie Molitor, Van Volxem, Von Buhl und andere zur Champions-League der deutschen Rieslingsproduzenten. Auf dem Etikett steht QbA. Dies bedeutet „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“. Weine dieser Stufe stehen qualitativ zwar über einfacheren Tafel- oder Landweinen, dürfen aber dennoch verbessert werden. Das heisst im Klartext nichts anderes, als dass zum Beispiel vor der Gärung aufgezuckert werden darf. Diesen Vorgang nennt man Chaptalisation. Und ja, der Loosen ist garantiert chaptalisiert worden. Da wette ich meinen Allerwertesten darauf.

WeingutLoosen

Ernst Loosen: Decanters „Man of the year 2005“

Die Flasche hat einen Drehverschluss. Auf dem Etikett steht Mosel/Bernkastel. Erinnerungen werden wach. Die Genussreife wird von Coop übrigens mit 2016 angegeben. Allzu schnell muss er also nicht getrunken werden. Schön. Ich schenke ein. Man könnte meinen, dem Riesling sei ein Geist erschienen, so blass zeigt er sich im Glas. Ein blass-gelbes Wässerchen ist er, dieser Loosen. Die Nase ist unspektakulär. Es duftet ein wenig nach Pfirsich und Ananas, Mineralisches ist nicht auszumachen. Ein erster Schluck lässt mich ein wenig schmunzeln: Da hat aber jemand ordentlich vom Zucker Gebrauch gemacht! Dafür ist er leider ziemlich säurearm. Etwas mehr hätte er schön vertragen. Der Körper ist leicht und erfrischend. Der Abgang schmeichelnd und für diese Qualitätsstufe erstaunlich lange. Insgesamt werden Erinnerungen an Kabinetts, oder gar einen Moscato d’Asti wach. Der Riesling hat gerade mal 8.5 Volumenprozent und ist nicht zuletzt deswegen süffig ohne Ende. Davon könnte man mal eben so eine ganze Flasche alleine bechern. Zugegeben, nach dem ersten Glas wird’s geschmacklich etwas langweilig. – Doch genau hier kommt das Essen ins Spiel. Was kocht man denn zum Loosen? Ich meine: Asiatische Gerichte. Bei uns gibt’s zum Beispiel wieder mal was vom indischen Subkontinent. Dazu passt er, der Dr. Loosen. Und wie er dazu passt! Zwar interagiert er kaum mit dem Essen, er ist aber dennoch unterstützend und vor allem erfrischend. Er ergänzt Würzig-Scharfes äusserst schön durch seinen süssen und säurearmen Charakter. Auch Bernd‘ Kreis Taschenbuch über Essenspaarungen bestätigt mir diesen Eindruck. Weiss, süss und säurearm passt zu scharf und pikant. BINGO!

Fazit: Der Dr. Loosen QbA ist ein günstiger Wein, der vielen schmecken wird, denen Wein immer zu säurehaltig ist. Er ist süffig, kann noch ein, zwei Jährchen gelagert werden und passt zu asiatischem Essen. Für sich alleine genommen ist er etwas langweilig und – sehr süss. Nichtsdestotrotz könnte das mein neuer Favorit zu Fleisch- und Gemüsecurrys werden. Zu dem Preis eine unschlagbare Kombo. Kostet doch die Flasche gerade mal Acht Franken Sechzig. Im 6er Karton sogar nur Fr. 7.70. Das nenne ich preiswert. Chaptalisation hin oder her: Ich gebe 14 Punkte.

DrLoosenQbA2011

Punkte: 14/20
Passt zu: asiatischem Essen
Preis: Fr. 8.60

Kaufen kann man den Dr. Loosen QbA hier

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Buchbesprechung: Essen & Wein / Bernd Kreis

Ein Frage beschäftigt den ambitionierten Hobby-Koch und passionierten Weintrinker immer wieder: Welcher Wein passt zu welchem Essen? Klar, Rotwein zum Braten und Weisswein zum Fisch. Ab welcher Weisswein? Zu welchem Fisch? Und was kredenzt man zu Tofu? Was zu Salat? Antworten darauf und Einiges mehr findet man in Bernd Kreis‘ neuem Taschenbuch.

Die Adventszeit neigt sich dem Ende zu. Mit Stift und Block sitz‘ ich in der Küche und versuche ein stimmiges Weihnachtsmenu zu planen. Natürlich sollen auch die Weine dazu passen. Schnell macht sich Ratlosigkeit breit. Zettel und Stift bleiben ungenutzt liegen. Ich hoffe auf ein kleines Weihnachtswunder. Und tatsächlich, ich habe Glück: In meinem Adventskalender finde ich die Lösung für all meine Probleme in Form eines violetten Taschenbuchs. Es hört auf den Namen Essen & Wein. Geschrieben hat es Bernd Kreis.

Der Titel ist vor vier Monaten bei Hallwag erschienen. Der Autor, ist kein unbeschriebenes Blatt. 1993 war er Sommelier des Jahres, seit den 90ern ist er Inhaber einer eigenen Weinhandlung und – laut Klappentext – sogar als Winzer und Besitzer einer kleinen Steillage am Degerlocher Scharrenberg tätig. Nebenher schreibt er Artikel für Fachzeitschriften. Scheint ein umtriebiger Zeitgenosse zu sein, der Bernd Kreis.

Vor einiger Zeit lag bereits ein anderes Taschenbuch desselben Verlags auf meinem Schreibtisch. Gemeint ist Beat Köllikers 100 Dinge, die sie schon immer über Wein wissen wollten. Wie jenes enthält auch Kreis‘ Ratgeber ein Glossar im Umschlag. Eigentlich sind es sogar zwei: Eines für Weinbegriffe vorne, und eines für solche aus der Küche auf der Rückseite. Das Layout trägt weitgehend dieselbe Handschrift wie Köllikers Taschenbuch, inhaltlich zielt es in eine andere Richtung.

Auf 160 Seiten versucht Bernd Kreis dem Leser das Abstimmen von Essen und Wein aufeinander zu erleichtern. In den ersten Kapiteln werden dafür Grundlagen geschaffen. Der Autor bespricht Basiskombinationen, erläutert Problemfälle und bietet auf Seite neun eine schöne Tabelle, welche Essen und Wein anhand ihrer Eigenschaften zu kombinieren versucht. Beispiel gefällig?

Frage: Welcher Wein passt zu einem Gang, der fettarm ist und geschmort daherkommt?

Die Tabelle sagt: Am besten ein roter, säurebetonter.

Der Sommelier bespricht ausserdem, wie man ein Menü mit passender Weinbegleitung aufbaut. Auch Tipps zum Servieren von Wein kriegt man (Dekantieren, Karaffieren, Wahl des Weinglases, Temperierung des Weins). Die anschliessenden Kapitel sind nach Gängen geordnet: Vorspeisen, Salate, Suppen, Fisch, Geflügel, Fleisch, Vegetarische Gerichte, Käse und Desserts. Innerhalb jedes Gangs bietet der Sommelier wiederum Vorschläge für Gerichte und passende Weine. Pro Gericht favorisiert Kreis eine Empfehlung, welche auch etwas genauer erläutert wird. Drei Alternativen stehen darunter. Bei jedem Wein findet man Angaben zur ungefähren Preiskategorie, zur Trinkreife und zuletzt – zur empfohlenen Trinktemperatur. Auch hier ein Beispiel:

Kreis empfiehlt zu Carpaccio folgenden Wein:

Vernaccia di San Gimignano, Toskana, Italien, 10 – 20 €, 1 -2 Jahre, 7 – 10°C. So einen findet man zum Beispiel hier.

Das Taschenbuch bietet zudem immer wieder sogenannte Extras. Das sind farblich abgesetzte Kapitel zu speziellen Themen: Fastfood und Wein, Schokolade und Wein, Sauce und Wein etc. Eine schöne Idee. Am besten gefällt mir neben den konkreten Vorschlägen zu einzelnen Gängen vor allem aber die Rubrik Das passt immer. Hier kommt man schnell zum Ziel, bzw. zum passenden Wein. Prima.

Kreis schreibt verständlich, erklärt relevante Punkte und hält sich dabei immer so kurz wie nötig. Ähnlich wie bei Kölliker wird auch hier der Laie anvisiert. Das gelingt. Die geläufigsten Kombinationen kannte ich zwar schon, trotzdem fühle ich mich nach der Lektüre von Bernd Kreis‘ Taschenbuch schon viel sicherer in der Paarung von Essen mit Wein. Man erhält wertvolle Anregungen, das Buch ist hübsch und übersichtlich gestaltet und kostet nicht die Welt. Einzig die Qualität der Bindung ist alles andere, als überragend. Das Büchlein fällt nach einer Woche schon beinahe auseinander. Schade. Zum Teil kommt auch Bildmaterial, welches bereits bei Kölliker benutzt worden war, nochmals zum Einsatz. So zum Beipiel auf Seite 97 – der Braten, welcher mit Rotwein übergossen wird. Hier hätte man ruhig etwas ambitionierter arbeiten können, statt alte Gamellen nochmals aufzuwärmen. Schade, denn sonst stimmt eigentlich alles. Ich gebe 18 Punkte.

Essen & WeinPunke: 18/20
Passt als: Weihnachtsgeschenk in letzter Minute, Helfer für ratlose Hobbyköche
Preis: Fr. 15.90

  • ISBN-10: 3-8338-2633-9
  • EAN: 9783833826337
  • Erscheinungstermin: 03.09.2012
  • Verlag: Gräfe & Unzer
  • Einband: Taschenbuch
  • Erhältlich im Rösslitor