Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Kurz angenippt: Domaine Josmeyer, Fleur de Lotus, 2012

Notizen

Leichter Bio-Wein aus dem Elsass. Sehr spezielle Cuvée aus Pinot Blanc, Gewürztraminer, Muscat und Riesling. Fleur de Lotus – Nomen est omen: Florale Noten, Pfeffer, Lakritze, Koriander. Im Boquet überwiegt der Gewürztraminer, dessen Süsse ist im Mund jedoch angenehm zurückhaltend. Die Säure ebenfalls. Mittlere Länge. Schöner Abgang. Unspektakulärer Wein im positiven Sinne. Guter Essensbegleiter bei würzigen, asiatischen und indischen Speisen. Ohne passende Gerichte macht der Fleur de Lotus jedoch kaum Spass. Auch als Apéro-Wein fällt er definitiv durch. Kennt man sein Einsatzgebiet, weiss er aber zu gefallen. Ich gebe 15 Punkte.

Josmeyer Fleur de Lotus

Unter der Rubrik kurz angenippt findest du Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

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Dr. Loosen Riesling QbA 2011

Kampf dem Januarloch: Teil II – Deutschland ist bekannt für seine Rieslinge. Gerade in den letzten Jahren ist das Interesse an den Weinen von Mosel, Rheingau & Co. erfreulicherweise stetig gewachsen. Das ich von der alt eingesessenen Traubensorte ebenfalls hell begeistert bin, habe ich schon mehrfach erwähnt. Dass es auch trinkbare Rieslinge jenseits der Zehnfrankenmarke gibt, gilt es zu beweisen. Hoffnungsvoll stürze ich mich in das Experiment. Dr. Loosen assistiert.

Zur Popularität des Rieslings hat nicht zuletzt der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter, kurz VDP, beigetragen. Dieser arbeitet nämlich seit Beginn der 90er kontinuierlich an einer Vereinheitlichung der Klassifizierung und einer damit einhergehenden Qualitätssicherung von Weinen der VDP angehörigen Weingüter.

Bei der vor mir liegenden Flasche handelt es sich um die billigste Abfüllung des Weinguts Dr. Loosen. Dieses Ausnahmegut hat eine zweihundertjährige Geschichte hinter sich und gehört wie Molitor, Van Volxem, Von Buhl und andere zur Champions-League der deutschen Rieslingsproduzenten. Auf dem Etikett steht QbA. Dies bedeutet „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“. Weine dieser Stufe stehen qualitativ zwar über einfacheren Tafel- oder Landweinen, dürfen aber dennoch verbessert werden. Das heisst im Klartext nichts anderes, als dass zum Beispiel vor der Gärung aufgezuckert werden darf. Diesen Vorgang nennt man Chaptalisation. Und ja, der Loosen ist garantiert chaptalisiert worden. Da wette ich meinen Allerwertesten darauf.

WeingutLoosen

Ernst Loosen: Decanters „Man of the year 2005“

Die Flasche hat einen Drehverschluss. Auf dem Etikett steht Mosel/Bernkastel. Erinnerungen werden wach. Die Genussreife wird von Coop übrigens mit 2016 angegeben. Allzu schnell muss er also nicht getrunken werden. Schön. Ich schenke ein. Man könnte meinen, dem Riesling sei ein Geist erschienen, so blass zeigt er sich im Glas. Ein blass-gelbes Wässerchen ist er, dieser Loosen. Die Nase ist unspektakulär. Es duftet ein wenig nach Pfirsich und Ananas, Mineralisches ist nicht auszumachen. Ein erster Schluck lässt mich ein wenig schmunzeln: Da hat aber jemand ordentlich vom Zucker Gebrauch gemacht! Dafür ist er leider ziemlich säurearm. Etwas mehr hätte er schön vertragen. Der Körper ist leicht und erfrischend. Der Abgang schmeichelnd und für diese Qualitätsstufe erstaunlich lange. Insgesamt werden Erinnerungen an Kabinetts, oder gar einen Moscato d’Asti wach. Der Riesling hat gerade mal 8.5 Volumenprozent und ist nicht zuletzt deswegen süffig ohne Ende. Davon könnte man mal eben so eine ganze Flasche alleine bechern. Zugegeben, nach dem ersten Glas wird’s geschmacklich etwas langweilig. – Doch genau hier kommt das Essen ins Spiel. Was kocht man denn zum Loosen? Ich meine: Asiatische Gerichte. Bei uns gibt’s zum Beispiel wieder mal was vom indischen Subkontinent. Dazu passt er, der Dr. Loosen. Und wie er dazu passt! Zwar interagiert er kaum mit dem Essen, er ist aber dennoch unterstützend und vor allem erfrischend. Er ergänzt Würzig-Scharfes äusserst schön durch seinen süssen und säurearmen Charakter. Auch Bernd‘ Kreis Taschenbuch über Essenspaarungen bestätigt mir diesen Eindruck. Weiss, süss und säurearm passt zu scharf und pikant. BINGO!

Fazit: Der Dr. Loosen QbA ist ein günstiger Wein, der vielen schmecken wird, denen Wein immer zu säurehaltig ist. Er ist süffig, kann noch ein, zwei Jährchen gelagert werden und passt zu asiatischem Essen. Für sich alleine genommen ist er etwas langweilig und – sehr süss. Nichtsdestotrotz könnte das mein neuer Favorit zu Fleisch- und Gemüsecurrys werden. Zu dem Preis eine unschlagbare Kombo. Kostet doch die Flasche gerade mal Acht Franken Sechzig. Im 6er Karton sogar nur Fr. 7.70. Das nenne ich preiswert. Chaptalisation hin oder her: Ich gebe 14 Punkte.

DrLoosenQbA2011

Punkte: 14/20
Passt zu: asiatischem Essen
Preis: Fr. 8.60

Kaufen kann man den Dr. Loosen QbA hier


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So much love for Deidesheim

Auf einer Radtour durchs schöne Vorarlberg werden wir letztes Jahr beinahe vom Blitz getroffen. Todesmutig trotzen wir den lokalen Naturgewalten und entdecken ein ursympathisches Lokal und seine Weine. – „Wie kommt er aber vom Vorarlberg nach Deidesheim in der Pfalz?“, wird sich mancher fragen. Etwa mit dem Radl? Nein, mit dem Gaumen liebe Freunde, mit dem Gaumen…

Die österreichische Nahtoderfahrung noch in jedem Nackenhaar spürend, verschlägt es uns in die nächst grössere Ortschaft. Total erschöpft und klatschnass machen wir in Feldkirch Halt. Nach langem hin und her ergattern wir eines der letzten freien Doppelzimmer in einem der Altstadthotels und machen uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Dem verzweifelten Durchwühlen von ortsansässigen Mülltonnen nahe, werden wir zufällig auf ein Lokal aufmerksam. Es ist klein und relativ unscheinbar. Sein Name ist St’ill. Ein Glückstreffer, wie sich schon kurz darauf herausstellt.

Klein und fein gibt es sich, das Restaurant an der Ill. Vornehme Zurückhaltung findet man auch beim Personal. Freundlich werden uns zwei Plätze angeboten. Die Angestellten bringen’s im Schnitt auf geschätzte 30 Lenze. Jung und frisch wirkt auch die Philosophie des Restaurants. Sie gefällt uns auf Anhieb. Ich sag‘ nur saisonal, regional, Bio. Sehr schön! Selbst die Weinkarte nimmt darauf Rücksicht. Kein Wein wird mehr als 500 km nach Feldkirch gekarrt; sagt mir meine Erinnerung. – Dass diese nicht immer die zuverlässigste ist, erwähnte ich woanders schon. – Doch zurück zum Thema: Der Weinkeller bietet ausschliesslich Bio-Weine. Dem Personal fliegt unser Vertrauen – quasi von Minute Null an – entgegen, und wir entscheiden uns für ein mehrgängiges Abendessen mit passender Weinbegleitung.

Zum Essen nur soviel: Es ist fantastisch, was uns geboten wird. Geschmacklich, optisch und preislich. Auch die Weine schmecken uns ausgesprochen gut. Ich frage daher am Ende des Abends, ob man uns die zu den einzelnen Gängen gepaarten Traubensäfte nochmals nennen könne. Wir kriegen umgehend eine handschriftliche Liste. Toll! Vielen Dank. Eine Name steht zuoberst: Reichsrat von Buhl.

Deidesheim

Der Innenhof des Deidesheimer Weinguts in der Pfalz

Und zwar der 2010er Riesling Kabinett. Armand heisst er. Zu Hause angekommen, bestelle ich euphorisch sofort zwölf Flaschen davon im deutschen Deidesheim. Schliesslich entkommt man nicht jeden Tag den Launen der Natur. – Das war vor einem Jahr. Der Kabinett hat mich aber auch zu Hause nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Der Riesling passt zum Beispiel hervorragend zu würzigen, asiatischen Gerichten. Ein paar Monate später – Verzollungskosten hin oder her – gönne ich mir zusätzlich noch eine Kiste des halbtrockenen 2011er Rieslings namens Julie. Auch dieser ist jeden Cent wert. – Verdammt, die aus der Pfalz haben das echt drauf mit dem Riesling. Es handelt sich zwar nur um einen günstigeren Gutswein, aber auch dieser schmeckt mir sehr gut. Import und Verfügbarkeit hin oder her, Von Buhl ist klasse! „Ich muss unbedingt mal die Weine der Grossen Gewächse checken“, denk ich mir und schenke nochmals ein Glas vom Julie ein.

Schade gibt’s die Weine nicht bei uns zu kaufen. Der UPS möchte ich echt nicht noch mehr Kohle nachwerfen müssen! Aber nächsten Sommer geht’s nach Deutschland in den Urlaub. Garantiert. Und dann werden wir seh’n, wie viele Kisten Riesling ich in den guten, alten Skoda reinkriege. Vier oder fünf müsten’s schon sein, mindestens…