Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Kurz angenippt: Dos Lagos – Aragonez 2010

Seit kurzem findet ihr unter der Rubrik kurz angenippt Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

Farbe

  • Schwarz-Violetter-Farbton
  • Durchblicken kaum möglich

Nase

  • Cassis, Leder, Lakritze, Teer, dunkle Schokolade

Gaumen

  • leicht adstringierend
  • sehr weich
  • Kräutrige Obertöne dominieren einen etwas schwächlichen, aber dennoch fruchtbetonten Körper
  • Holzeinsatz beinahe störend
  • Abgang von mittlerer Länge, deutliche Säure im Nachhall

Bewertung

  • portugiesischer Bio-Alltagswein, der schmeckt, 15 Punkte

Bezugsquelle

http://www.amiata.ch

DosLagos

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Torre alle Tolfe, Chianti Colli Senesi, DOCG, 2011

Flaschentesters Fuss braucht Physiotherapie. Gott sei Dank, denn auf dem Weg in den Nordosten der Stadt, mache ich Halt bei Amiata. Da war ich schliesslich noch nie. Zehn Minuten später und um drei Flaschen reicher, trete ich wieder in die Pedale meines E-Bikes. Fuss hin oder her, geköpft wird heute ein Italiener. Quasi als alternativmedizinische Massnahme. Mal schauen, was meine Krankenkasse dazu meint.

Die Existenz von Amiata unterstreicht einmal mehr den bereits länger wachsenden Trend zu mehr Biowein. Schliesslich bietet der St. Galler Händler nur solchen an. Das Geschäft mit der wohl hübschesten Thekenhüterin aller lokalen Weinhandlungen ist klein, sehr klein sogar. Vorne findet man den Kassenbereich, rechts einige Regale mit den angebotenen Flaschen, in der Mitte einen langen Tisch mit allerlei Büchern, CD’s und anderem Krimskrams. That’s it. Sympathisch ist das allemal.

Da stehe ich nun im Laden, zücke meine Notizen und frage nach den entsprechenden Weinen. Wie üblich habe ich zu Hause – online – eine Vorauswahl getroffen. Das Angebot ist übersichtlich und gut selektioniert. Leider ist das Ladensortiment aber nicht deckungsgleich mit demjenigen des Online-Shops. Was soll’s. Es sind zum Teil nicht unerhebliche Kleinigkeiten. Vor allem einzelne Jahrgänge und Aktionspreise differieren. Eigentlich wollte ich ja was von Wittmann eintüten, aber im heimischen Kühlschrank warten schon ungeduldig Van Volxem, Von Buhl und Sauer auf eine Verkostung. Also lasse ich mir stattdessen einen Portugiesen, einen Südfranzosen und einen Chianti des Weinguts Torre alle Tolfe einpacken. Besitzer des Letzteren ist Marco Castelli, für die eigentliche Weinproduktion zeichnet sich Sergio LoJacono verantwortlich. Die Jahresproduktion beträgt nicht einmal 40’000 Flaschen. Der Betrieb liegt in Siena. Gerade mal zwei Rotweine, ein Olivenöl und ein Grappa werden hier biodynamisch erzeugt. Gleichzeitig werden auch Ferienhäuser und Apartments an Touristen vermietet. So weit, so klar.

Sergio LoJacono

Sergio LoJacono hat gut lachen: Sein Chianti schmeckt.

Einige Tage vergehen und eines Abends steht wieder einmal die alles entscheidende Frage im Raum: Kochen oder bestellen? Ein Anruf und dreissig Minuten Wartezeit später, steht der Kurier vor der Türe. Den Chianti habe ich kurz nach dem Telefonat mit dem Pizzaladen dekantiert. Nach dem letzten, sagen wir mal Chianti-Erlebnis, bin ich gespannt, fast etwas nervös. Bio-Wein aus Italien, kann das was werden?! Ehrlich gesagt erwarte ich nicht allzu viel.

Einige Momente später: Herrlich, wie der Wein duftet. Ganz Sangiovese, wirbeln Cassis, Pflaume und Veilchen empor. Es riecht süsslich, Erinnerungen an Eingemachtes werden wach. Auch Holz, etwas Lakritze und Rosmarin lassen sich ausmachen. Die Farbe gefällt. Der Wein sprudelt rubinrot aus dem Dekanter. Nach einem ersten Schluck wird klar, dass sich der Weg zu Amiata gelohnt hat. Der Wein überzeugt durch seine fruchtige, durchaus üppige Art. Er wirkt aber keineswegs überladen, sondern stets kontrolliert. Sein Körper ist von mittlerem Gewicht. Sehr schön ist diese tolle Fruchtsäure und die zarten Tannine. Beide fügen sich perfekt in das Gesamtspektrum ein. Nach erneutem Verkosten erkenne ich vegetabile Noten und einen äusserst wohl dosierten Holzeinsatz. Der Abgang bringt Würze und nochmals etwas Marmelade, der Nachhall gefällt ohne Wenn und Aber. Toll!

Auch die Essenspaarung harmoniert. Dieser Chianti passt sehr gut zu meiner Salamipizza. Seine Dichte hält bestimmt auch würzigeren Pasta-Gerichten stand. Der Rotwein ist trinkanimierend, klar und unkompliziert und doch nicht von dieser belanglosen Süffigkeit, welche viele einfachere italienische und spanische Tischweine mit sich bringen. Marco Castelli hat definitiv ganze Arbeit geleistet. Bravo! Der Colli Senesi schmeckt mir ausserordentlich gut, das Preis-Leistungsverhältnis ist fantastisch. Ich gebe verdiente 18 Punkte.

torre_alletolfe

Punkte: 18/20
Passt zu: Pasta, Pizza
Preis: Fr. 14.50 / € 9.85

Den Chianti Colli Senesi 2011 von Torre alle Tolfe gibt’s bei Amiata oder Belvini/Deutschland.