Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


Hinterlasse einen Kommentar

Villa Cavarena – Ripasso 2010 by Allegrini

Der Name klingt wie derjenige eines italienischen Automobils aus den Achtzigern. Allegrini. Einer der Wagen, die schmuck ausschauen, ordentlich PS unter der Haube haben, vor allem bei schönem Wetter Spass machen und spätestens nach den ersten 1’000 Kilometern erste Verarbeitungsschwächen offenbaren. Solche Fahrzeuge wurden für ein junges Publikum designt. Bei Alexander von Essens Ripasso verhält es sich ganz ähnlich.

Manor haut momentan alle Weine seiner Selection zum Aktionspreis raus. Da mein Blog nach wie vor nicht fremdfinanziert wird, schlage auch ich zu und packe eine Flasche vom 2010er Villa Cavarena ein. Auf der Flasche steht by Allegrini. Ein weiteres Kaufargument. Schliesslich ist das norditalienische Weingut schon seit langem ein Garant für Spitzenerzeugnisse im Bereich Amarone und Ripasso. Sehr beliebt ist auch der reinsortige Corvina Veronese namens La Poja.

Valpolicella

Valpolicella: Blick auf das Tal der vielen Keller.

Der Betrieb liegt im Valpolicella, eine der namhaftesten Weinregionen Italiens. Die lateinische Ursprungsbezeichnung „val polis cellae“ – Tal der vielen Keller – weist bereits auf den traditionsreichen Hintergrund im lokalen Weinbau hin. Das Tal liegt im östlichen Venetien, zwischen Verona und Gardasee. Im Norden wird es durch die Monti Lessini, einem Hügelland, begrenzt. Insgesamt 6’000 Hektare Rebfläche werden bewirtschaftet.

Die Allegrinis sind hier seit Urzeiten ansässig. Bis ins 16. Jahrhundert lassen sich ihre Spuren zurückverfolgen. Noch heute führen Nachkommen – Franco und Marilisa Allegrini – den Betrieb. Der Ursprung des mehrere Weingüter umfassenden Unternehmens liegt im Fünftausendseelen-Dorf Fumane, nördlich von Verona. Eine der neueren Akquisitionen der Allegrinis ist die Villa Cavarena. Von hier stammt auch die Ripasso-Spezialabfüllung für die Von Essen Selection. Das 1998 erworbene Gut liegt in Mazzurega, nordwestlich von Fumane auf einer Höhe von 500 Metern über Meer und ist damit eines der am höchsten gelegenen im gesamten Valpolicella. Der Betrieb umfasst zwanzig Hektare. Angepflanzt werden Corvina Veronese, Corvinone, Rondinella und Oseleta. Die Reben stehen laut Produzent auf steinigen Kalkböden mit einer hohen Wasserdurchlässigkeit und einer sehr guten Exposition bezüglich Sonne und Wind.

Das alles macht Hoffnung. Schliesslich haben mich auch die letzten beiden Rotweine der selben Selection überzeugt. Erwartungsvoll öffne ich den Ripasso, – und prompt bricht mir der Korken ab. Ein böses Omen? Wir werden sehen. Ich schenke ein. Im Glas scheint der Rotwein in einem dichten Rubinrot mit schwarzem Kern. Man sieht gerade noch knapp durch. Basis des auf Amaronetrester vergorenen Rotweins sind übrigens die beiden autochthonen Sorten Corvina Veronese (70%) und Rondinella (30%). Der Wein duftet sehr intensiv. Ich rieche vor allem Beeren, Lakritze, eine undefinierbare, sprittige Note und etwas Holz. So weit so gut. Nach einem ersten Schluck bin ich erst einmal zufrieden. Der Ripasso ist süffig und macht von Anfang an keinen schlechten Eindruck. Der Abend ist noch jung. Das Essen steht auf dem Tisch. In Kombination mit den Speisen wird noch deutlicher wie süsslich, fast schon marmeladig der Wein ist. Nach dem Essen nehmen wir die angetrunkene Flasche mit in’s Wohnzimmer. Und mehr und mehr zeigt sich, was das Problem ist.

FiatFerrari

Wäre der Wein ein Automobil, würde ein Logo eines grossen italienischen Automobilherstellers die Flasche zieren. Fiat oder Alpha Romeo erscheinen vor dem geistigen Auge. Im ersten Moment macht er nämlich ordentlich Punkte. Durch die Flasche, den Namen und den Preis. Auch geschmacklich gibt der Valpolicella was her: Er ist süsslich, süffig und fruchtig. Ein Wein, den man für gut befindet. Nach einigen Kilometern, pardon, Schlucken, offenbart der Ripasso aber mehr und mehr seine Schwächen. Zum einen hat er keinen Charakter, er ist belanglos und nichtssagend. Der Blendeffekt hält nicht länger als ein Glas lang an. Spätestens dann vergeht einem allmählich das Nippen an diesem süsslichen Fruchtaufguss. Zum anderen bringt der Abgang meines Erachtens eine leichte, metallische Fehlnote. Es schmeckt nach rostigem Nagel. Nicht zuletzt lässt aber vor allem die Gesamtbalance zu wünschen übrig. Es ist zwar alles vorhanden – Säure, Frucht, Würze und Tannine spielen aber nicht in der selben Mannschaft. Schade. Das schlechte Vorzeichen hat sich manifestiert.

Der Vollständigkeit halber noch meine restlichen Notizen. Auf der Flasche steht 13.5% und auch das DOC-Label findet man. Im Glas ist der Italiener leicht ölig. Im Mund: Säure trotz reichlicher Süsse, durchaus trockene, herbe Eigenschaft, süffig, mittleres Gewicht. Ausserdem Teer, wenig Vegetabiles, etwas Gras, wenn überhaupt. Abgang: Säure verzieht sich, Nachhall beerig, sprittige Komponente wieder deutlich wahrnehmbar. Ende Degustationsnotiz.

Fazit: Was soll ich sagen? Ich versuch’s nochmals mit der Automobilindustrie: Auch wenn Fiat und Ferrari zum selben Konzern gehören, könnten die Unterschiede der verschiedenen Produktlinien nicht grösser sein. In etwa so verhält es sich bei Alexander von Essens Abfüllung. Auch wenn Allegrini draufsteht, ist keiner drin. Oder nur ein drittklassiger. Dieser Rotwein hat nichts mit dem klassischen Ripasso gemein. Es handelt sich vielmehr um einen dieser neuen Mode-Valpolicellas. Der Rotwein zielt klar auf eine junge, unerfahrene Kundschaft ab: Die Flasche schaut nett aus, der Wein ist auf Anhieb geniessbar, lullt einem mit seiner Süsse und Fruchtigkeit sofort ein und kann ohne Dekantieren, Temperieren oder sonstwelche Gadgets getrunken werden. Seine Charakterlosigkeit macht ihn zudem massentauglich. Eine Bewertung fällt mir schwer. Nach der Formel erster Eindruck + zweiter Eindruck geteilt durch zwei, komme ich deshalb heute unter’m Strich auf knappe 14 Punkte.

VillaCavarenaRipasso2010Punkte: 14/20
Passt zu: Fleisch (Rindsfilet, Osso Bucco, Braten)
Preis: momentan für Fr. 12.50 statt Fr. 16.90 / € 11.90

 

Den Ripasso by Allegrini gibt’s bei Manor oder VinoScout zu kaufen. Die deutlich teureren Wein-Ferraris aus dem Hause Allegrini findet man zum Beispiel in der Vinothek Brancaia.

P.S. Einen sehr lesenswerten Artikel zum Problem Ripasso gab’s 2009 in der Zeitschrift Merum.

Advertisements


Hinterlasse einen Kommentar

An alle Schnäppchenjäger

Momentan gibt’s in St. Gallen drei schöne Weine zum Aktionspreis:

  • Bründlmayer, Riesling Heiligenstein, 2011. 1. Lage ÖTW, Kamptal DAC, bei Martel für Fr. 21.50 statt 24.00
  • Johann Donabaum, Grüner Veltliner Federspiel, Spitzer Point, Wachau, bei Martel für Fr. 13.50 statt 15.40
  • Gernot Heinrich, Pannobile, 2010, Burgenland, bei Martel für Fr. 30.00 statt 34.00
  • Marqués de Riscal Reserva, Rioja DOCa, 2007, bei Manor für Fr. 14.95 statt 19.95
  • Amarone della Valpolicella DOC by Allegrini, Sel.A.von Essen, bei Manor für Fr. 24.90 statt 39.90

 

Aktion


Hinterlasse einen Kommentar

Live Brune S Rosé Spumante

Trotz zahlreicher Weltuntergangsszenarien in letzter Zeit, und obwohl Papst Benedikt heute Mittag seinen Rücktritt angekündigt hat, dreht sich die Welt überraschenderweise nach wie vor in gewohnten Bahnen. Für mich heisst das, dass ein weiterer Rosé getestet werden will. Und zwar ein Rosé-Schaumwein. Passend dazu steht ein Süsswasserfisch – genauer eine Forelle – auf der Speisekarte. Das Rezept dafür stammt aus einem meiner Lieblingskochbücher. Da kann ja nicht mehr viel schief gehen. Denkste.

Der Live Brune S ist einer der Tropfen, die unter dem Label Selection Alexander von Essen im Manor erhältlich sind. Das S steht wohl für spumante. Ein Gesprudelter also. Dass ich Alexanders Selection mag, konnte man schon in anderen Artikeln nachlesen. So erhielten zum Beispiel der portugiesische Quinta do Zambujeiro Z, oder der spanische Palomar Monastrell Juan Gil recht ordentliche Punktzahlen. Zu Recht, wie ich meine. Daher bin ich auch auf den venetianischen Schaumwein gespannt wie ein Flitzebogen. Einzig der Preis macht mich ein wenig skeptisch. Liegt er doch unter zehn Franken. Kein Indiz für schlechten Wein per se. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber erfahrungsgemäss.

Hergestellt wird der perlende Rosé von den Cantine Maschio. Die Weinkellereien liegen bei Campo Cervaro, unweit des Städtchens Conegliano, wiederum eine der Hochburgen des Proseccos. Der Live Brune S ist eine Spezialabfüllung für die Selection A. von Essen. Bevor das Abendessen aufgetischt wird, schenke ich schon mal ein. Der Rosé scheint in einem lieblichen Antikrosa. Die Nase ist eindimensional. Lediglich etwas Erdbeere dringt zu meinem Riechorgan. Wir stossen an. Die Perlage empfinde ich als künstlich und unangenehm. Es ist zu viel des Guten, was man allerdings vom Geschmack nicht sagen kann. Es schmeckt – Verzeihung – nach nichts. Lediglich ein paar wenige Beeren tummeln sich da irgendwo im Gaumen. Man könnte meinen, die Flasche habe schon einige Tage offen im Kühlschrank verbracht, bevor jemand noch etwas Kohlensäure nachgeschossen hat, um sie dann als vermeintlich frisch geöffnet zu kredenzen. Das, was ich hier im Glas habe ist gefärbtes Wasser mit Beerengeschmack, leichter Säure und massig Sprudel. Fehlt nur noch der Zucker und man hat eines dieser Dosengetränke für die Szene-Girls, welche sich am Wochenende auf dem Weg zum Club in Tanzlaune trinken wollen. Paaah!

Nochmals in aller Deutlichkeit: Dieser Schaumwein ist LAAAAAANGWEILIG. Klar kann man ihn trinken. Klar ist er geniessbar. Aber macht er auch Spass? Nein. Lohnt sich der Kauf? Auf keinen Fall. Gibt es Besseres aus dieser Selection? Ja, definitiv. Vielleicht taugen ja die Prosecci derselben Weinkellerei was. Wir werden sehen.

Machen wir’s kurz: In diesem Fall stimmt für einmal die Phrase „Qualität hat ihren Preis“. Da letzterer beim vorliegenden Rosé-Schaumwein unter zehn Franken liegt, kriegt man halt auch einen entsprechenden Wert in’s Glas. Sorry Alexander, aber mir schmeckt dein Italienischer Sprudelwein nicht. Positiv formuliert: Die Ausnahme bestätigt die Regel. Ich gebe 11 Punkte.

Live Brune S Rosé Spumante

Punkte: 11/20
Passt zu: Apéro, Süsswasserfisch, Krustentieren
Preis: Fr. 9.95

Kaufen kann man den Schaumwein hier


Hinterlasse einen Kommentar

Palomar Monastrell Juan Gil 2009, Selection Alexander von Essen

Nachdem meine Woche bisher weintechnisch eher durchwachsen war, möchte ich heute endlich mal wieder eine anständige Flasche entkorken: Alle Mann in Deckung, Marmeladenwein im Anflug!

Nach einem harten Arbeitstag stehe ich fixnudelfertig im Manor. Morgen ist Wochenende, und der gefrässige Blog muss schliesslich auch wieder mal mit Inhalt gefüttert werden. Alles in allem also mindestens tausend gute Gründe, entspannt an einem rotem Traubensaft zu nippen. Da mich Alexanders Weine bisher noch nie enttäuscht haben, greife ich zu einer konischen Flasche mit seinem Namen drauf.

Der Palomar wird aus der Rebsorte Monastrell vinifiziert und in Spanien typischerweise im südöstlichen Jumilla angebaut. Normalerweise wird die Traube zur Herstellung von Cuvées benutzt. Beim Palomar handelt es sich jedoch um einen sortenreinen Rotwein.

Die schwere, massive Flasche lässt den Inhalt bereits erahnen: Der Wein hat doch tatsächlich einen Alkoholgehalt von 14,5%. Ich merke das spätestens, als ich ein erstes Glas auf leeren Magen trinke. Au Backe!

Bereits beim Entkorken der Flasche verströmt der Spanier einen unheimlich intensiven Duft in nächster Umgebung. Eindrücklich. Auch seine Farbe gefällt mir. Er scheint in einem edlen und dichten rubinrot. Etwas Licht scheint jedoch noch durch das Glas. In der Nase halten sich Beeren- und Gewürzaromen die Waage. Auch im Mund findet man eine schöne Balance der Aromen. Der Körper ist unglaublich voll und stabil. Rosmarin, Thymian und rote Beeren, etwas Feige, vielleicht ein Hauch Leder, meine ich zu erkennen. Die Tannine sind angenehm zurückhaltend und sehr gut integriert. Der Abgang ist unendlich lange. Mmh, fein.

Insgesamt kommt der Palomar mächtig, marmeladig und sehr modern daher. Halt eine üppige, schwere Fruchtbombe mit ordentlich Würze. Wie beim Rocca, kann ich auch hier nicht mehr als zwei, höchstens drei Gläser trinken. Dann reicht’s! Der Palomar ist aber auch ohne eine passende Mahlzeit ein Genuss.

Die Entfaltung dieses Weins ist meiner Meinung nach, mehr als von anderen schweren Rotweinen gewohnt, von seiner Temperatur abhängig. Empfohlen werden laut Manor 16 -18 Grad Celsius. Bei 16 Grad ist der Wein aber noch zu verschlossen, und entfaltet höchstens zwei Drittel seines Potenzials. Eine leicht höhere Temperierung unterstützt bei diesem Wein wirklich alle seine positiven Attribute, ohne dass er zerfällt.

Wenn man modernen, fruchtigen Wein mag, sollte man dem Palomar unbedingt eine Chance geben. Der Spanier hält mit seiner Würze auch deftigeren Gerichten stand. Bei uns wurde er zu Penne all’arrabiata aufgetischt und passte hervorragend. Zu kalt mag er es aber nicht. Holt ihn also früh genug aus dem Keller, lasst die Flasche mindestens eine Stunde entkorkt stehen und trinkt den Wein gut temperiert!

Momentan gibt’s ihn bei Manor zum Aktionspreis von Fr. 12.50. Da kann man wirklich nicht viel falsch machen… Also nicht’s wie hin! Ich hol‘ mir morgen gleich nochmals drei Flaschen für meinen bescheidenen Keller.

 

Palomar

Punke: 17/20
Passt zu: Fleisch, Teigwaren, Käse
Preis: Fr. 12.50 statt 16.95

 

Zu kaufen gibt’s den Palomar Monastrell hier.


Hinterlasse einen Kommentar

Seine Exzellenz, Baron Alexander von Essen

Erst dachte ich, du seist eine fiktive Person. Ein Avatar der Weinwelt. Ein wohlklingender Name, erfunden von einer grossstädtischen Werbeagentur. Irgendwo in einem kalten, weissen Grossraumbüro, in dem stylische Werbefuzzis und nerdige Texter ihr Unwesen treiben. Aber nein, du bist tatsächlich ein Baron aus Fleisch und Blut. Wer hätte das gedacht!?

Herr von Essen ist der Gründervater der gleichnamigen Selection. Sprachlich hätte man sich ja auch für die Schreibweise Selektion entscheiden können. Englisch wird’s nämlich nicht ausgesprochen. Die pseudofranzösische Version wirkt vermutlich dann aber doch etwas edler. Und dass die Deutschen der Sprache ihrer südwestlichen Nachbarn meistens nicht mächtig sind, ist auch ein offenes Geheimnis. – Master of Wine, Philipp Schwander, macht das übrigens auch so, das mit dem Weglassen des accent aigu. Irgendwie scheint es Mode zu sein. Ich find’s doof und benutze daher die deutsche Version in diesem Beitrag.

Item. Ich mag Selektionen von Weinen. Da hat nämlich irgendwer mit Geschmack, Zeit und Geld investiert, um für mich die besten Produkte zusammenzustellen. Das mit dem Auswählen ist ja immer so eine Sache. Schliesslich muss man sich täglich durch einen dichten, unüberschaubaren Konsumenten-Dschungel kämpfen. TÄGLICH! Da finde ich den Gedanken ab und zu ganz entspannend, dass jemand für mich diese Arbeit übernommen hat. Und trotzdem bleibt meistens immer noch ein grosser Entscheidungsspielraum übrig.

Alexander himself

Die Selektion Alexander von Essen gibt’s in St. Gallen bei Manor. Zugegeben, etwas verdutzt stand ich schon da, in der Weinabteilung, vor den Regalen. Eine Selektion von Weinen aus aller Welt? Alle mit dem gleichen Labelaufdruck, von irgendeinem adligen Fuzzi? Ja, fast. So ungefähr wenigstens. Schauen wir uns das mal etwas genauer an: Alexander ist tatsächlich ein Deutscher Baron. Der Sitz seiner Firma liegt in Tegernsee am gleichnamigen Gewässer, also zwischen München und Innsbruck. Aber der Alexander selektioniert nicht nur, nein, er und sein Burgfräulein – Ingrid – sind seit 1997 Besitzer des südafrikanischen Weinguts Capaia. Nach eigener Aussage haben die zwei „…auf dem Gebiet einer ehemaligen Weizenfarm Capaia (…) sozusagen aus dem Nichts geschaffen.“ Boah, Alexander von Essen, ein Macher, ein Mann, der mit allen Wassern gewaschen ist. Ein Patron alter Schule. Ein Global Player in der Welt des Weins – denke ich mir wenigstens nach dem Besuch seiner südafrikanischen Webseite.

Von Essens südafrikanische Abfüllungen sind in der Selektion ebenso vertreten wie Weine argentinischer Provenienz. Ich frage mich einmal mehr: Warum nur muss man Weine von Südafrika oder -amerika ins beschauliche St. Gallen transportieren. Die Distanz beträgt immerhin mehrere tausend Kilometer Luftstrecke. Dabei gibt’s doch in europäischen Breitengraden hervorragende Weine. Sogar die besten der Welt! – Die Selektion selber besteht aber hauptsächlich aus europäischen Weinen. Das stimmt mich ein wenig versöhnlicher.

Des Barons Weingut: Capaia in Südafrika

Ich nehme mir nochmals einige Minuten Zeit und durchleuchte Alexanders Philosophie auf seiner Homepage. Klingt nicht schlecht, was der Herr Baron da von sich gibt:

  • er liefert nur Weine ausgesucht guter Jahrgänge
  • alle Weine der Selection sind Einzellagenweine
  • jeder Wein hat eine Eigenausstattung bei Flasche und Etikett in Anlehnung an die Geschichte und die Herkunft
  • jeder Jahrgangswechsel wird von Alexander persönlich degustiert und die Vinifizierung begleitet
  • alle Weine gibt es exklusiv nur über die Selection Alexander von Essen

Gutgläubig, wie ich bin, nehm‘ ich das für bare Münze. Schliesslich gefällt mir seine Selektion. Sie bietet nämlich so ziemlich alles, was mein Herz begehrt: Weiss-, Rot- und Schaumweine, von A wie Amarone bis R wie Rioja. Also die volle Breitseite. Zudem finden sich unter den Winzern namhafte Vertreter ihrer Zunft: Kracher aus Österreich, der deutsche Rieslingspezialist Dr. Loosen, oder die Italiener Polizano und Nardi, um nur einige zu nennen. Von Billigabfüllungen kann also nicht die Rede sein. Manor bietet leider nicht das volle Alexander-Programm, sondern verkauft quasi eine Selektion der Selection, oder wie man das auch immer nennen möchte. Etwas verwirrend finde ich auch, dass sich das Online-Angebot des Kaufhauses nicht mit dem der St. Galler Filiale deckt. – Doof, gehe ich doch in der Regel lieber Weine kaufen, nachdem ich mich online schlau gemacht habe. Trotzdem gefallen mir die im Manor erhätlichen Flaschen der Selektion vor allem aus zwei Gründen:

  • 1) der Preis stimmt; die meisten Flaschen kosten zwischen 15 und 30 Franken
  • 2) die Weine haben mich geschmacklich noch nie enttäuscht

Insgesamt ist die Selection Alexander von Essen also eine erfreuliche Sache zu einem vernünftigen Preis. Meine Empfehlung hat sie.

Zum Wohl!

Punkte für die gesamte Selektion: 16-18/20

Passt zu: für fast jedes Gericht gibt’s in der Selektion einen passenden Wein
Preisspanne:  von ca. Fr. 10.- bis 50.-

Diese zwei Flaschen kann ich euch empfehlen:

Rioja Gran Reserva Vina Imas, Fr. 19.95

Verdejo Flor del Pego DO Rueda, Fr. 9.95

 

 

 

 

 

 

 

P.S.

Lieber Alexander

Danke. Scheinbar hast du in den letzten 20 Jahren recht ordentlich selektioniert. Meinen jungen Geschmack hast du jedenfalls getroffen. Obwohl ich mich sehr gerne durch Weinhandlungen, Online-Shops und Discounter wühle, schätze ich doch deine Vorauswahl. Bin ich nämlich nach einem langen Arbeitstag zu müde, mich entscheiden zu können, greife ich von Zeit zu Zeit mehr oder weniger wahllos zu einer deiner Flaschen. Dass du gerade in Südafrika Wein produzieren musst, macht dich zwar ein wenig unsympathischer, nichtsdestotrotz schmecken mir die von dir ausgewählten Weine. Weiter so! Und grüss‘ mir die Ingrid.

Dein Flaschentester