Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Vinha da Malhada 2009

Rückblick: Wir schreiben den ersten Dezember 2012. Der Schnee wurde gestern zu Matsch und über Nacht dann zu Eis. Trotzdem entscheide ich mich für die Nordost-Route. Und das, obwohl ich für die ungeheure Strecke von 403 Metern Luftlinie kurzfristig keinen Hundeschlitten auftreiben konnte. Warm eingepackt und etwas widerwillig mache ich mich auf den Weg zu Romanin. Versprochen ist schliesslich versprochen.

Nach fünf Minuten Fussmarsch erreiche ich mein Ziel, die Bogenstrasse 7b. Es hat etwas von einer Weihnachtsgeschichte. Schliesslich ist einzig hinter Romanins Türen Licht im dunklen Hinterhof zu erkennen. Ich trete ein. Zugegeben, etwas erschrocken bin ich schon, als ich inmitten des Weinlagers stehe: Kartons und Kisten türmen sich bis zur Decke. Es ist leicht chaotisch und unaufgeräumt und inmitten der Weinflaschen und Pakete sind zwei Angestellte emsig am werkeln. Wahrscheinlich bereiten sie tonnenweise Päckli für den Versand vor – denke ich mir. Schliesslich ist bald Weihnachten.

Romanin

„Doch, doch, sie sind hier schon richtig.“

Ich packe meinen Zettel aus und frage nach zwei Flaschen. Einem sehr schönen Sekt-Getränk und dem Vinha da Malhhada. Die eine Lady führt mich zu einem weiteren, etwas kleineren Raum. Hier wirkt alles ordentlich. Es ist der eigentliche Geschäftsraum. Alle Weine sind feinsäuberlich ausgestellt, die Regale mit Landesnamen gekennzeichnet und die Flaschen mit einem zusätzlichen Etikett jeweils genauer beschrieben. Die Verkäuferin holt mir die zwei Flaschen aus einem Nebenraum, wir plaudern währenddem ein wenig. Sie betont, dass auf telefonische Anfrage das Geschäft auch an anderen Tagen geöffnet werde. Meistens sei sowieso jemand da, meint sie*.

Noch fünf Stunden bis zum Weltuntergang: Der Malhada steht bereit. Er stammt von der Quinta do Motalto. Diese liegt in einem kleinen Nest namens Olival. Gerade mal 5’800 Seelen zählt das Dorf, welches süd-südöstlich von Porto liegt. Der Cuvée wird dort aus vier verschiedenen Traubensorten vegan hergestellt: Tinta Roriz, Baga, Touriga Nacional und Alicante Bouchet. Tinta Roriz ist ein Synonym für Tempranillo. Laut Romanins Webseite soll der portugiesische Rotwein leicht und süffig sein. Die Spannung steigt.

Als Essenspaarung entscheiden sich meine Degustationspartnerin und ich für ein kurzgebratenes Lammnierstück, frittierte Auberginen mit Rosmarin-Wurzelgemüse und Weissbrot. Dekantiert wartet der Portugiese 90 Minuten brav in der Karaffe. Dann schenke ich ein. Im Glas zeigt er sich schwarzrot. Die Nase ist durchaus angenehm und vielseitig, will heissen: Cassis, Pflaume, Leder, Stall, Nelke, Rosmarin. Das mit der Süffigkeit kann ich bedingt nachvollziehen. Im Mund ist der Wein erstmal kantig und rau. Positiv ausgedrückt, hat er Charakter. Schluckt man ihn schnell, verlässt er den Gaumen mit einer pflaumigen – süffigen – Süsse. Lässt man sich hingegen Zeit, ist die Säure für meine Eichung hart an der Grenze, für viele ist sie bestimmt einfach zu dominant. Die Frucht hat arg um ihre Position zu kämpfen. Wie bei Romanin beschrieben ist er tatsächlich sehr trocken und leicht. Der Abgang ist von mittlerer Länge.

Der Vinha da Malhada ist ein rudimentärer Traubensaft. Ein einfacher Tischwein für einfache Gerichte. Er macht es mir nicht leicht mit der Bewertung. Würde ich mir diesen Rotwein nochmals kaufen? Nein, wohl eher nicht. Der letzte Portugiese hat mir weitaus besser geschmeckt. Für den Naturwein hat sich der Weg durch die Schneelandschaft aber nur mässig gelohnt. Er ist einfach zu kantig und zu sperrig. Ausser man bechert ihn in schnellen Zügen. Momentan bin ich aber eher gemächlich unterwegs. Ich gebe darum 13 Punkte.

VinhaDaMalhada2009

Punkte: 13/20
Passt zu: Lamm, herzhaften vegetarischen Gerichten, Oliven und Weissbrot
Preis: Fr. 12.50

*P.S. Romanin hat jeweils nur am ersten Samstag des Monats geöffnet.

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Riesling Spätlese, Bernkasteler Badstube, Markus Molitor, 2009

Spätestens seit ich dem Bründlmayer begegnet bin, reite ich auf der Riesling-Welle durch den Winter. Bekannt für die leckeren Weissweine ist traditionsgemäss natürlich Deutschland. Genau dort findet man ein beeindruckendes Beispiel eines Familienbetriebs: Markus Molitor bewirtschaftet an der Mosel bereits in achter Generation das gleichnamige Weingut.

Der ursprünglich drei Hektar grosse Betrieb umfasst heute 38 Hektar Rebfläche und ist das grösste Weingut an der Mittelmosel. Allein im tollen Jahr 2009 brachte Molitor 32 (!) verschiedene Rieslinge auf den Markt. Die Jahresproduktion liegt bei 200’000 bis 300’000 Flaschen. Darunter Qualitätsweine, Kabinetts, Spät- und Auslesen. Alles deutsche Qualitätsbezeichungen, welche vom Öchslegrad abhängen. Beim vorliegenden Riesling handelt es sich um eine Spätlese. Die Trauben wurden Ende November geerntet. Der Öchsle-Grad liegt laut Qualitäts-Definition irgendwo zwischen 85 und 91.

Blick von Bernkastel auf die Badstube

Bernkastel: Bick auf die Rebberge

Molitors Reben an der Bernkasteler Badstube umfassen 2,7 Hektar. Die Lagen erstrecken sich von der Mitte des Berges bis zum Wald. Die Reben stehen durchwegs auf Steillagen. Laut Winzer bestehen diese Weinberge aus Schiefer, welcher reich an Feinerde ist. Wasser wird also gut gespeichert. Das hat vor allem einen positiven Effekt: Die Rieslinge haben ein enormes Entwicklungspotenzial. Die maximale Trinkreife wird mit 2025 angegeben. Weinwisser datiert sogar auf 2040. Er ist also ein Langstreckenläufer, der Bernkasteler. Gut zu wissen.

Gespannt schenke ich ein. Ein erster Schluck ist – Verzeihung – enttäuschend. Irgendwie habe ich mehr erwartet. Nachdem die offene Flasche zwanzig weitere Minuten, gekühlt in einer einsamen Ecke verbracht hat, nehme ich einen zweiten Anlauf. Schon besser. Der Molitor bietet diese typische Riesling-Fruchtigkeit. In der Nase und im Mund. Allerdings lange nicht so überschwenglich, wie ich gehofft hatte. Grundsätzlich ist alles in Ordnung: Die Nase, der Körper, der Abgang, alles annehmbar. Mehr als sogar. – Es ist dieses Mineralische, das mich stört. Vielleicht weiss ich diese Qualität einfach nicht zu schätzen, aber meinen Geschmack trifft es nicht. Der Wein hat etwas Ernstes an sich. Schwierig zu beschreiben, so was. Vermutlich nennt man das lagentypisch, diese Reminiszenz an den Schiefer. Eigentlich ja eine wünschenswerte Eigenschaft beim Wein, wenn er das Terroir widerspiegelt. Trotzdem überzeugt er mich nicht vollends.

Bei Mövenpick findet man eine Score von 18/20, Weinwisser vergibt 17/20 Punkte. Ich finde beide zu euphorisch. Natürlich handelt es sich um einen schön gemachten, traditionellen Riesling eines grossen Hauses. Trotzdem haut er mich nicht aus den Socken. Es zuckt höchstens der kleine Zeh. Zugegeben, ich jammere auf hohem Niveau, denn dieser Molitor ist nichtsdestotrotz ein schöner Wein und durchaus empfehlenswert. Ich gebe 16 Punkte.

MolitorRieslingSpätleseBernkastelerBadstube

Punkte: 16/20
Passt zu: Apéro, Fisch, Meeresfrüchten, zart zubereitetem Schweinsfilet
Preis: Fr. 26.-

 

Markus Molitors Riesling gibt es hier zu kaufen.


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Trau, schau, wem? – Ein Rückblick

Gefälschte Etiketten, Glycerin, Methanol, Zuckerwasser und andere Panschereien: Winzer und Weinhändler sorgen immer wieder mal für Schlagzeilen. Die Anzahl der bekannten Fälle ist zwar eher gering, die Auswirkungen zum Teil jedoch verheerend; im Einzelfall sogar tödlich. Trotzdem sind viele Ereignisse der Vergangenheit in Vergessenheit geraten. Vor allem junge Weintrinker kennen die Skandale – wenn überhaupt – nur noch vom Hörensagen. Höchste Zeit also, das Geschichtsbuch aufzuschlagen und in den Archiven der Presse zu wühlen.

SchweizWenn ich an Weinskandale denke, male ich mir die ungeheuerlichsten Geschichten aus. Solche bei denen der Konsument über’s Ohr gehauen wird. Solche bei denen Gangsterbosse viel Geld verdienen und solche bei denen die Gesundheit der vinophilen Gemeinde auf dem Spiel steht. – Nicht so bei uns. In Helvetien sind Wein-Skandale eher von harmloser Natur. Nur dem Blick war der letzte eine Schlagzeile wert. Dem Sommerloch sei Dank. Wir schreiben das Jahr 2010, in Shanghai findet die Weltausstellung statt. Auch die Schweiz ist mit einem Stand vertreten. Leider wird an diesem kein Schweizer Wein kredenzt, sondern spanischer. SPANISCHER!?, denken sicher einige. Auch einem SVP-Mitglied geht es so. Nationalrat Thomas Hurter findet das nämlich total daneben. Schliesslich zahlt der Bund der Schweizer Weinbranche für Werbeaktionen über eine Million Franken jährlich. Aber auch bei dieser Geschichte zeigt sich einmal mehr, dass der Schweizer Wein in einer selbstverschuldeten Krise steckt. Denn scheinbar waren den Zürcher und Walliser Weinhandlungen die „administrativen Hürden für den Transport von Wein nach China und auf das Expo-Gelände zu hoch“. Ich frage mich nur, was skandalöser ist: Spanischer Wein am Schweizer Stand, oder die Unfähigkeit des Bundes, Schweizer Wein zu organisieren … heiliger Kuhmist, haben wir Probleme!

DeutschlandAuch in deutschen Landen kennt man Negativ-Schlagzeilen über Weinpfuschereien. So werden im Jahr 1991 rund 2,75 Millionen Liter Rheinland-Pfälzischer Wein mit DDR-Wein gepanscht und als original DDR-Wein verkauft. – Zweites Beispiel: Vor etwas mehr als drei Jahren werden im Rheingau auf einem Weingut gleich 130’000 Liter Wein beschlagnahmt. Die Schlagzeile des Wiesbadener Kuriers lautet „Dreck und tote Fliegen am Weinfass: Rheingauer Winzer gestoppt“. Scheinbar wurde der Wein unter hygienisch desolaten Bedingungen gelagert. Dem Thema wird aber von der Boulevard-Presse keine weitere Beachtung geschenkt. Peer F. Holm weist in seinem Blog als einziger darauf hin, dass im Artikel des Wiesbadener Kuriers das Weingut und der Winzer nicht genannt werden. Dies ist umso verheerender, da somit jeder der umliegenden Weinbetriebe für den Skandal theoretisch in Frage kommt. Die Zeitschrift Weinwirtschaft nennt zwar den Namen des Winzers und dieser erscheint auch in deren Newsletter, lesen können das aber nur Abonnenten, und wer ist das schon? Die Folgen sind nicht bekannt.

cnVergleicht man die Schwere der Tat, so sind Deutschlands Weinskandale geradezu harmlose Jungenstreiche im Vergleich zu China. Dort werden unlängst fünf Weinkellereien des Panschens verdächtigt. Einige der geprüften Weine enthalten keinen (!) fermentiertem Traubensaft, sondern lediglich Zuckerwasser, Farb- und Geschmacksstoffe. Es handelt sich also nicht mal ansatzweise um Wein. Unglaublich, aber wahr: Die Flaschen werden den Konsumenten als bekannte Marken angepriesen, und sind alle entsprechend etikettiert. Daraufhin werden von den Behörden sechs Personen festgenommen und drei Weinkellereien geschlossen. Insgesamt werden mehr als 5’000 Kisten Wein beschlagnahmt. Eine der verantwortlichen Gesellschaften, Jiahua, verkaufte bis zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung angeblich 2,4 Millionen dieser Flaschen jährlich. Weiter wurde festgestellt, dass die beigemengten Zusatzstoffe Kopfschmerzen, unregelmässigen Herzschlag und Krebs verursachen können. So skandalös das ist, die Nachricht hat eine lustige Wendung: Lokale Weinhersteller sagen nämlich, manche echte chinesische Weine seien so schlecht, dass sie nicht besser als die Fälschungen schmecken würden! Na dann, Prost.

FrankreichLetzte Woche lese ich im St. Galler Tagblatt:Im Weinland Frankreich kommt das Weintrinken aus der Mode. Der Pro-Kopf-Weinkonsum ist inzwischen annähernd dreimal geringer als im Jahr 1965.“ Kein Wunder, werden doch die guten Tropfen allesamt exportiert. Zudem kommen auch Frankreichs Winzer machmal vom rechten Weg ab. So werden zum Beispiel 1999 einige Bordeaux-Jahrgänge mit kleinen Mengen von Erdnussöl „verbessert“, um ihm den sauren Geschmack zu entziehen. Vermutlich wurden diese „Spitzenbordeaux“ nach China exportiert. Vielleicht dachte man sich im Bordelais, dass dort sowieso alles getrunken wird. – Ein weiterer Skandal: Ein Jahrzehnt später stehen zwölf Winzer und Weinhändler vor einem französischen Gericht. Der Vorwurf: Billig-Wein wurde als teurer Pinot-Noir deklariert und in die Staaten exportiert. Mehrere Millionen Euro wurden mit dem gefälschten Wein eingenommen. Interessante Nebennotiz: Nicht ein einziger US-Amerikanischer Konsument hatte sich beschwert.

ItalienIm Jahr meiner ersten, bewusst wahrgenommenen Fussballweltmeisterschaft wird im Austragungsland Italien einer der traurigsten Weinskandale der Geschichte aufgedeckt. Verschiedene Gründe bewegen einige Piemonteser Winzer 1986 zu kriminellen Machenschaften. Die Ausgangslage: In eben diesem Jahr ist der europäische Weinmarkt gesättigt. Der Export bricht ein. Italienische Winzer verdienen deshalb mehr Geld, in dem sie ihre Weine verspritten, also zu reinem Alkohol destillieren lassen. Immerhin 40% – 60% des ursprünglichen Marktpreises erhalten sie dafür noch von der EG. Besser als auf den eigenen Flaschen sitzen zu bleiben. Gleichzeitig senkt die italienische Regierung genau in diesem Zeitraum die Steuer für Methylakohol (Methanol). Da mit Methanol versetzter Wein bei der Destillationsvorgang mehr reinen Alkohol ergibt, entschliessen sich einige Winzer genau dies zu tun. Die Folge ist verheerend. 22 Personen sterben, ca. 100 erleiden schwere Gesundheitsschäden, allein elf davon erblinden. Selbst das Angeln im Fluss Piave wird verboten, da Händler den giftigen Wein in das fliessende Gewässer schütten, bevor die Polizei eintrifft.

Als ob das nicht genügen würde, wird fünf Jahre später schon der nächste Wein-Skandal aufgedeckt. 1992 werden in Oberitalien vier Millionen Liter Wein beschlagnahmt. Der Wein ist mit dem giftigen Schädlingsbekämpfungsmittel Methyl-Isothiocyanat versetzt. Scheinbar hat man immer noch nichts aus den Folgen des Methanol-Desasters von 1986 gelernt.

Im Jahr 2000 sind zwei von Italiens Exportschlagern betroffen: Chianti und Sassicaia. Für eine 85er Flasche von letzterem bezahlt man aktuell über 1’300 Franken (!). Beide wurden vor zwölf Jahren mit billigsten Weinen verschnitten und danach teuer verkauft. Der Skandal wurde aufgedeckt, weil einige Kenner – glücklicherweise – den Unterschied bemerkt hatten. Daraufhin werden 3’000 Flaschen Sassicaia und sage und schreibe 50’000 Hektoliter Chianti (= über 6 Millionen Flaschen!) beschlagnahmt. Drei beteiligte Personen wandern ins Gefängnis, gegen 215 Beteiligte laufen Ermittlungen.

2008 werden mehrere hundertausend Flaschen Brunello beschlagnahmt. Entgegen den Vorschriften wurden die Weine nicht ausschliesslich aus örtlichen Sangiovese-Trauben hergestellt, sondern mit Merlot und Cabernet Sauvignon aus Süditalien verschnitten. Dies vor allem, um die Weine für die Hauptabnehmer – wieder einmal die Amerikaner – lieblicher zu machen. Wir sprechen hier vom Risiko eines potenziellen Verlustes von 30 Millionen Euro Umsatz jährlich, alleine in den USA.

Nicht gesundheitsgefährdend, aber politisch inkorrekt: 2012 entdeckt ein aus den Staaten stammendes, jüdisches Pärchen auf seiner Italienreise Wein mit Etiketten, auf denen Hitler abgebildet ist. Die Weine heissen denn auch „Führerwein“ und „Der Kamerad“. Auch Mussolini hatte es schon auf das Etikett von Weinen gebracht. Und das nicht zu seiner Zeit.

SpanienAuch Spanien ist nicht immer ehrlich zu seinen Konsumenten. 2005 wird man in Deutschland stutzig, als man sich spanische Weine mit dem Aufdruck Gran Reserva etwas genauer ansieht. Eigentlich müssten der Wein mindestens fünf Jahre ausgebaut worden sein. Davon zwei Jahre im Holzfass, drei Jahre in der Flasche. Weil es sich aber um einen 98er Jahrgang handelt und der Korken ausschaut, wie man in gestern erst gerade hergestellt hätte, kann etwas nicht stimmen. Die Annahme erweist sich als richtig. Das Etikett ist gefälscht und der Wein wurde vom Produzenten mit Glycerin gestreckt. 100’000 Flaschen werden daraufhin aus dem Verkehr gezogen.

Zweiter Fall in Spanien: Einer von Robert Parkers Schreiberlingen soll von spanischen Winzern horrende Summen kassiert haben, um den von ihnen produzierten Weinen mehr Punkte zu geben. So zum Beispiel der 2010er Azumbre Verdejo aus der DO Rueda der Agricola Castellana. Der in Deutschland von Aldi Süd verkaufte Weisswein kriegt fette 90 Punkte und ist schon nach wenigen Tagen ausverkauft. Aldi führt übrigens den 11er Verdejo immer noch im Sortiment. Und der ist Parkers Leuten immerhin 89 Punkte wert. Trau, schau, wem?

ÖsterreichWenn ein Skandal bis heute regelmässig zitiert, oder zum Tischgespräch gemacht wird, ist es derjenige von 1985. Kein anderer hatte auf Verkauf und Export eine derart drastische und lang anhaltende negative Auswirkungen. Wie kam’s? Einige österreichische Produzenten wollten ihren Wein durch die Beigabe des Frostschutz-Alkohols Diaethylenglykol künstlich aufwerten. Durch anonyme Anzeigen wurde der Schneeball ins Rollen gebracht und entwickelte sich schnell zu einer unkontrollierbaren Lawine. Der Image-Schaden war enorm und hatte sogar Auswirkungen auf den Absatz von Weinen des Nachbarlandes Deutschland. Denn auch dort wurden Kontrollen durchgeführt und immerhin 27 Glykolfälle bekannt. In Deutschland beteuerte man aber stets, dass die Verseuchung der deutschen Produkte ausschliesslich durch den illegalen Verschnitt mit österreichischen Weinen zu Stande gekommen sei. Auch in Sekt und österreichischem Traubensaft entdeckte man teilweise bedenklich hohe Konzentrationen des Frostschutzmittels. Zu gesundheitlichem Schaden gekommen ist aber niemand. Interssanterweise war es die NZZ, welche die Auswirkungen bereits zum Zeitpunkt des Geschehens prophezeite:  „Was in Österreich vorgeht und wegen des Exports weltweit bis in die USA und nach Japan Aufsehen erregt hat, wird, so ist zu befürchten, auf Jahre und Jahrzehnte hinaus das Vertrauen in den Wein, in die Redlichkeit der Winzer und in die Glaubwürdigkeit der Weinhändler erschüttert haben.“ So kam es dann auch. Aus heutiger Sicht konnte den Österreichern aber nichts Besseres passieren. Die Qualität der Weine hat seither dramatisch zugelegt. Junge Winzer geben ihr Bestes, österreichischen Wein von hoher Qualität in die Welt hinauszutragen. Der Absatz ist seit 1990 um’s Fünffache gestiegen und die Weine unseres Nachbarn besitzen international wieder ein hervorragendes Image. Innerhalb Österreichs liegt der Marktanteil von österreichischem Wein bei unglaublichen 85%. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt er gerade mal bei 37%. – Fast wünscht man sich einen ähnlichen Urknall für unsere Weinwirtschaft. Natürlich ohne wirtschaftliche Folgen, personelle Konsequenzen und gesundheitlich Geschädigte.

Alles gelesen? Sehr gut gemacht! Jetzt aber schnell das Gelesene vergessen und die nächste Flasche entkorken. Am besten einen Portugiesen. Die scheinen Skandal-resistenter zu sein. Die Ausnahme bestätigt halt einmal mehr die Regel. Zum Trost: Betroffen sind ja meistens soweieso nur Billigst-Weine oder Flaschen, welche im Handel für einen drei-, oder vierstelligen Betrag den Besitzer wechseln. Puh, da kann ich wieder ein wenig aufatmen. Beide Preisklassen liegen mir und diesem Blog nämlich fern.

Falls ihr aber gerade einen Italiener vor euch stehen habt: Augen zu und durch!

P.S. Mehr vertrauenswürdiges Material konnte ich in der kurzen Zeit leider nicht auftreiben. Portugal, Griechenland und Ungarn produzieren scheinbar sauberen Wein, oder sind so raffiniert, ihre Skandale nicht publik werden zu lassen.

Quellen: China: 1 / Deutschland: 1 2 / Frankreich: 1 / Italien: 1 2 3 4 5 / Schweiz: 1 / Spanien: 1 2 / Österreich: 1 2 / Allgemein: 1


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Palomar Monastrell Juan Gil 2009, Selection Alexander von Essen

Nachdem meine Woche bisher weintechnisch eher durchwachsen war, möchte ich heute endlich mal wieder eine anständige Flasche entkorken: Alle Mann in Deckung, Marmeladenwein im Anflug!

Nach einem harten Arbeitstag stehe ich fixnudelfertig im Manor. Morgen ist Wochenende, und der gefrässige Blog muss schliesslich auch wieder mal mit Inhalt gefüttert werden. Alles in allem also mindestens tausend gute Gründe, entspannt an einem rotem Traubensaft zu nippen. Da mich Alexanders Weine bisher noch nie enttäuscht haben, greife ich zu einer konischen Flasche mit seinem Namen drauf.

Der Palomar wird aus der Rebsorte Monastrell vinifiziert und in Spanien typischerweise im südöstlichen Jumilla angebaut. Normalerweise wird die Traube zur Herstellung von Cuvées benutzt. Beim Palomar handelt es sich jedoch um einen sortenreinen Rotwein.

Die schwere, massive Flasche lässt den Inhalt bereits erahnen: Der Wein hat doch tatsächlich einen Alkoholgehalt von 14,5%. Ich merke das spätestens, als ich ein erstes Glas auf leeren Magen trinke. Au Backe!

Bereits beim Entkorken der Flasche verströmt der Spanier einen unheimlich intensiven Duft in nächster Umgebung. Eindrücklich. Auch seine Farbe gefällt mir. Er scheint in einem edlen und dichten rubinrot. Etwas Licht scheint jedoch noch durch das Glas. In der Nase halten sich Beeren- und Gewürzaromen die Waage. Auch im Mund findet man eine schöne Balance der Aromen. Der Körper ist unglaublich voll und stabil. Rosmarin, Thymian und rote Beeren, etwas Feige, vielleicht ein Hauch Leder, meine ich zu erkennen. Die Tannine sind angenehm zurückhaltend und sehr gut integriert. Der Abgang ist unendlich lange. Mmh, fein.

Insgesamt kommt der Palomar mächtig, marmeladig und sehr modern daher. Halt eine üppige, schwere Fruchtbombe mit ordentlich Würze. Wie beim Rocca, kann ich auch hier nicht mehr als zwei, höchstens drei Gläser trinken. Dann reicht’s! Der Palomar ist aber auch ohne eine passende Mahlzeit ein Genuss.

Die Entfaltung dieses Weins ist meiner Meinung nach, mehr als von anderen schweren Rotweinen gewohnt, von seiner Temperatur abhängig. Empfohlen werden laut Manor 16 -18 Grad Celsius. Bei 16 Grad ist der Wein aber noch zu verschlossen, und entfaltet höchstens zwei Drittel seines Potenzials. Eine leicht höhere Temperierung unterstützt bei diesem Wein wirklich alle seine positiven Attribute, ohne dass er zerfällt.

Wenn man modernen, fruchtigen Wein mag, sollte man dem Palomar unbedingt eine Chance geben. Der Spanier hält mit seiner Würze auch deftigeren Gerichten stand. Bei uns wurde er zu Penne all’arrabiata aufgetischt und passte hervorragend. Zu kalt mag er es aber nicht. Holt ihn also früh genug aus dem Keller, lasst die Flasche mindestens eine Stunde entkorkt stehen und trinkt den Wein gut temperiert!

Momentan gibt’s ihn bei Manor zum Aktionspreis von Fr. 12.50. Da kann man wirklich nicht viel falsch machen… Also nicht’s wie hin! Ich hol‘ mir morgen gleich nochmals drei Flaschen für meinen bescheidenen Keller.

 

Palomar

Punke: 17/20
Passt zu: Fleisch, Teigwaren, Käse
Preis: Fr. 12.50 statt 16.95

 

Zu kaufen gibt’s den Palomar Monastrell hier.


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Rocca Rubia Carignano Riserva DOC 2009

Ich versuche mir gute Weine einzuprägen, mir wenigstens ihre Namen zu merken. Allzu oft bleibt’s aber beim Versuch und die Erinnerung schmilzt dahin, wie ein Eis an der Sonne…

Zum Glück hat man Freunde. Einer hat mich vor längerer Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass der Rocca Rubia beim Wy zum Turm zum Aktionspreis angeboten wird. Einige Zeit vergeht und ich erinnere mich wieder daran. Natürlich steht der Rocca bei Zweifel nicht mehr im Schaufenster und auch die Aktion ist längst vorbei. Trotzdem betrete ich das Geschäft, denn dieser Wein hat mir letztes Mal sehr gut geschmeckt. Ich meine, es war in der Stickerei, oder in der Foccaceria. Vielleicht auch sonst in einem der unzähligen St. Galler Restaurants, als ich ihn das erste Mal getrunken habe. Egal, Hauptsache gut war er. Also, ich steh im Laden und frage nach dem Rocca. Zuvor habe ich mich kurz in Zweifels Online-Shop schlau gemacht. Die Traubensorte, aus dem der Rocca vinifiziert wurde, nennt sich Carignano. Der Wein stammt aus Sardinien. Den Rocca gibt’s auch als kleine 37.5er Flasche. “Davon hätte ich gerne zwei”, sage ich. Die sympathische Verkäuferin muss in den Keller. Freundlich frage ich, ob ich diesen auch mal sehen dürfe. Sie ist einverstanden und ich gehe mit nach unten. Eindrücklich! Oben eine Ladenfläche, welche kaum mehr als drei Personen Platz bietet und unten dann das: Ein wunderschöner, grosszügiger Weinkeller. Feinsäuberlich sortiert, schlicht beeindruckend. Ein richtiges Schmuckstück. Sie nimmt zwei Flaschen aus dem Regal und wir gehen wieder zurück nach oben. Ich bezahle und nach kurzem Smalltalk verabschiede ich mich.

Heute ist es soweit. Es gibt Lasagne alla casalinga. Die Flasche habe ich in weiser Voraussicht schon mal eine Stunde vorher geöffnet. Ich schenke ein und muss zugeben, dass die Erwartungshaltung vor dem ersten Schluck gross ist. Schliesslich habe ich den Rocca Rubia in sehr guter Erinnerung. – Hä? Da stimmt doch was nicht. Korkgeschmack ist es nicht. Aber der Wein schmeckt verschlossen, zu, eng, macht pelzig im Mund. Meine Degustationspartnerin meint dasselbe. Liegt’s an der Temperatur, an der Flaschengrösse, an unserer Tagesform? Oder hat mir mein Gedächtnis wieder einmal einen Streich gespielt?

Mich trifft ein Geistesblitz: Dekantieren könnte was bringen. – Also, auf geht’s, wir versuchen’s! Zwei Minuten später ist der Rocca in der Karaffe. Wir lassen ihm nochmals etwas Zeit. Ich schenke erneut ein. Vorsichtig nehme ich einen Schluck. Jaaa, so schmeckt er! Unglaublich, der Unterschied zu vorher! Wirklich unglaublich!

Ich beginne sofort innerlich zusammenzufassen. Das Auge sagt: Dunkelstes Purpur, kaum ein Durchblicken möglich. Die Nase meldet: Intensivstes Zwetschgenaroma, Holz, Zimt, weitere Beeren, hoher Alkoholanteil. Im Mund dann: Schwer, satt, voll, rund, schön, erschlagend. Davon kann man keine Flasche mal eben so trinken. Wenigstens ich nicht. Dafür ist der Alkoholgehalt zu hoch. – Laut Etikett bringt der Rocca nämlich stattliche 14 Prozent auf die Waage.

Fazit

Insgesamt ist der Rocca Rubia ein unkomplizierter, geschliffener Wein, der gleich beim ersten Schluck schon mächtig Eindruck macht. Mir gefällt das. Nicht immer, aber von Zeit zu Zeit. Daher: Daumen hoch und 17 Punkte.

Zu kaufen gibt es ihn hier

Rocca Rubia Carignano Riserva DOC, 2009

Punke: 17/20
Passt zu: Fleisch (Braten, Wild), Pasta mit Fleischsauce
Preis: Fr. 23.40 / 7.5 dl bzw. Fr. 15.60 / 37.5 cl

P.S. Scheinbar gibt der Rocca Rubia bzw. Denner momentan Anlass zu Diskussionen


Ein Kommentar

Ein Cannonau für sieben Franken, geht’s eigentlich noch?

…ja es geht, und zwar sehr gut. Aber beginnen wir doch von vorn.

Sonntagabend. Wir haben Hunger. Es gibt selbstgemachte Tagliatelle alle cinque pi. Da muss einfach ein Italiener auf den Tisch. Gesagt getan. Ich bringe noch rasch den Müll raus und mache auf dem Rückweg einen kurzen Abstecher in den Keller. Was liegt denn da? Ah, ein Cannonau di Sardegna, den ich irgendwann beim Grosseinkauf aus einer Laune raus in den Einkaufswagen gelegt habe. Rotwein – check, Italien – check, Sardiniencheck, Temperatur – check, all systems available. Flasche bereit zum Start.

Auf dieser steht in goldenen Lettern Riserva. Der Wein wurde also mindestens zwei Jahre ausgebaut und gelagert. Cannonau ist übrigens eine Rebsorte. In Frankreich wird sie Grenache, in Spanien Granacha genannt. Sagt mir Wiki. Ha! Wieder was gelernt.

So, jetzt aber schnell in die Küche und auf die Flasche. Dreissig Minuten später wird eingeschenkt und daran geschnüffelt. Ich würde sagen: Kirsche, Pflaume, Cassis, riecht irgendwie fruchtig und zugleich erdig – schön. Er scheint in einem dunklen Granatrot. Ein erster Schluck bestätigt vor allem die zuvor gerochene Kirsche. Alles wirkt total balanciert. Säure, bzw. Tannine sind merklich vorhanden, aber überhaupt nicht aufdringlich. Die Mundschleimhaut wird angenehm zart berührt. Der Kenner würde von einer geringen Adstringenz sprechen. – Ich bin keiner, darum lasse ich das. – Nach dem Schlucken bleibt der Cannonau relativ lange in geschmacklicher Erinnerung – schöner Abgang. Was hat die Flasche nochmals gekostet? Ich weiss es nicht mehr. Google sagt mir: Sieben Franken Zehn.

S I E B E N  Franken und  Z E H N Rappen, Wahnsinn ! ! !

Einziger Wermutstropfen: Zu Fleisch würde er bestimmt besser passen, als zu Pasta. Aber dafür kann der Wein schliesslich nichts…

Keine Ahnung, wie man so günstig eine solche Qualität hinkriegt. Daumen hoch, die Sardinier wissen scheinbar wie’s geht. Da hole ich gleich mal die grosse Werbetrommel vom Speicher. Für dieses unglaubliche Preis-Leistungsverhältnis gibt’s nämlich 15 Punkte von mir.

Punke: 15/20
Passt zu: Fleischgerichten
Preis: Fr. 7.10

Kaufen kann man den Cannonau di Sardegna DOC Riserva Gabbia d’Oro 2009 hier


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Château Doisy-Védrines, 2009, 2e cru classé, Sauternes AC

In der Tat, es ist eine schwere Last, die ich zu tragen habe. Uneigennützig und heldenhaft opfere ich mich als Verkoster für den Herbst-Special zum Thema Bordeaux. Beginnen möchte ich unkonventionell: Mit einem Sauternes.

Obwohl der 2009er eigentlich noch zwei, drei Jahre liegen müsste, kommt er heute ins Glas. Beim vorliegenden Exemplar wird die Haltbarkeitsgrenze auf das Jahr 2055 datiert. Man kann den Wein also getrost in den Keller legen und einige Jährchen verstreichen lassen. Das Schöne an guten Sauternes ist, neben dem Geschmack, zweifellos ihre Langlebigkeit. Süssweine legen mit dem Alter sogar zu. Überhaupt sollte man beim Genuss eines Sauternes einen Gang runterschalten. Genau das haben wir vor. Der Dilettant und seine Begleitung haben sich heute nämlich für eine kleine Fleisch- und Käseplatte entschieden. Dazu noch einige Oliven, Trauben, Feigensenf und etwas Weissbrot. Lecker Schmecker!

Äusserst wichtig bei Süssweinen ist die richtige Temperierung. Ideal sind zehn bis zwölf Grad Celsius. Ich nehme die Flasche aus dem Kühlschrank. Ungeduldig und gespannt schenke ich ein erstes Glas ein. Ein Fehler. Viel zu süss und plump kommt er rüber, der Sauternes. Der Wein ist noch nicht kühl genug. Also flux das Eisfach geleert und die Flasche ins Eiswasser gestellt. Runterkühlen, abwarten. Zweiter Versuch – perfekt!

Der Doisy-Védrines scheint in einem dichten Quittengelb. Das Bouquet duftet herrlich nach Pfirsichen und Honig. Ein erster Nipper bringt eine dichte, aber angenehme Süsse. Irgendwie zähflüssig, dick in der Konsistenz. Die Fruchtigkeit bleibt auch im Gaumen erhalten. Ganz genial wird’s, als ich ein wenig Käse und ein Stückchen Weissbrot esse. Dazu dann einen Schluck vom Sauternes. Unglaublich, was für eine geschmackliche Intensivierung diese Kombination von Wein und Essen ergibt. Eine wahre Gaumenexplosion. Der Abgang dann klebrig, lang und breit. S e h r breit. Yihaa! Was ein Fest! Meine Degustationspartnerin meint, sie ziehe dem Doisy-Védrines einen guten Weisswein vor. Ihr sei er zu süss. Ich meine: Vorausgesetzt der Wein ist richtig temperiert, ist dieser Sauternes ein Hochgenuss. Obwohl’s nur ein Deuxième cru classé ist ;-). Aber wer gibt schon was auf Klassifizierungen?

Punke: 19/20
Passt zu: reifem Käse, Desserts
Preis: Fr. 26.- / 37.5 cl

Kaufen kann man den leckeren Sauternes hier