Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Moleskine Wine Journal

Neben Fahrrädern, Kinderwagen und alten Möbeln haben in den letzten Jahren vor allem etliche Weinflaschen unseren kleinen Keller besiedelt. Drei Regale sind mit Flaschen bestückt. Dazu noch einige Holz – und Kartonkisten, ganz zu schweigen von einigen Einzelflaschen im Kühlschrank. Den Überblick habe ich schon lange verloren. Ich krieg‘ die Krise. Schluss mit Lustig, ein Kellerbuch muss her!

Wer kennt sie nicht, die schwarzen Büchlein mit dem berühmten Namen. Van Gogh, Picasso und Hemmingway sollen sie schon benutzt haben. Dann ist es auch gut genug für mich. Es ist sowieso nicht mein erstes. Etliche Notizbücher und Agenden der letzten Jahre tummeln sich da in irgendeiner Schreibtischschublade im Büro. Ergänzt werden sie seit heute von einer auch optisch sehr schönen Ausgabe speziell für Weine.

Es dauert ein wenig, bis ich in unseren Breitengraden ein Exemplar auftreiben kann. Nach langem Hin und Her lande ich schliesslich in der Papeterie Schiff. Obwohl das Geschäft sonst alle Papiere, Stifte und sonstigen Kram in mindestens tausend Varianten anbietet, ist die Auswahl an Kellerbüchern bescheiden. Sehr bescheiden sogar: Einzig Moleskine hat eins im Programm. Es nennt sich Moleskine Wine Journal, gehört zur Passions-Serie und ist seit 2010 erhältlich. Es erscheint ausschliesslich in englischer Sprache. Der Einband ist haptisch äusserst ansprechend. Auf der Vorderseite sind verschiedene Gläser und eine Weinflasche eingeprägt. Schön! Wie die anderen Ausgaben des Notizbuchspezialisten, ist auch das Wine Journal unglaublich übersichtlich und praktisch aufgebaut. Auf der ersten Seite findet man Moleskine-typisch ein Feld, in dem man seinen Namen samt Adresse eintragen kann. Gefolgt von einer Zeile für die Höhe der Belohnung, welche man bei Verlust dem ehrlichen Finder zukommen lassen möchte.

Klappt man das Notizbuch auf, findet man folgende Register:

  • Planning (Anlass, Datum, Notizen)
  • Glossar mit Weinbegriffen
  • Übersicht mit U.S.-amerikanischen und englischen Masseinheiten (Ounces, pints, gallons, Grad Fahrenheit usw.)
  • Sparkling
  • White
  • Rosé
  • Red
  • Fortified – Sweet
  • Spirits
  • 107 Seiten für Notizen, unterteilt
  • neun leere Seiten für Notizen
  • Index: Weine können entsprechend ihrer Seitenzahl eingetragen werden

Die Seiten der einzelnen Kategorien (Sparkling, White, Rosé etc.) sind jeweils identisch aufgebaut:

Moleskine Seite

Ich hätte mir für das Eintragen von Weinen einige Seiten mehr gewünscht. Stattdessen hat man am Ende unglaublich viel Platz für Notizen eingeräumt. Umgekehrt wäre sinnvoller. Ansonsten fehlen mir im Raster vor allem ein Feld für die Bezugsquelle und eines für die Preisentwicklung pro Jahr bzw. allgemeine Notizen. Am meisten vermisse ich aber ein dezidiertes Feld, in welches man die aktuellen Kellerbestände eintragen kann. Natürlich bietet sich das Notizfeld dafür an, anders wäre aber eleganter. Sonst ist alles vorhanden, was das vinophile Herz begehrt: Jahrgang, Traubensorten, Alkoholgehalt, Herkunft, Preis etc. etc. Der Aufbau ist klar, die Druckschrift leserlich und auch das englische Glossar zu Beginn macht wenigstens als Ideegeber Sinn. Über die Qualität der Bindung, des Drucks und des Papiers muss ich keine weiteren Worte verlieren. Sie ist, wie von Moleskine gewohnt, ausserordentlich hoch. Die Dinger halten einfach ein Leben lang. Natürlich hat das auch seinen Preis. Knapp dreissig Franken zahlt man für das Wine Journal. Trotzdem bin ich rundum zufrieden. Das Notizbuch ist praktisch und durchdacht und mein Kellerchaos ab sofort in wenigstens in Buchform ordentlich festgehalten. Ich gebe 19 Punkte.

Moleskine Wine Journal

Punkte: 19/20
Passt zu: Weinkellern mit mehr als 50 Flaschen, Chaoten, Ordnungsfanatikern, Moleskine-Fans
Preis: Fr. 28.90

  • Umfang: 240 Seiten
  • Verlag: Moleskine
  • Erschienen am: 31. März 2010
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 8862933169
  • ISBN-13: 978-8862933162
  • Größe: 13,9 x 1,8 x 21,7 cm
  • Erhältlich in der Papeterie Schiff
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Ein Kommentar

BxTotal – iPhone/iPad App

Bordeaux-Trinker kämpfen immer wieder mit denselben Fragen. Welche der unzählige Châteaux bieten eine vernünftige Qualität, welche Jahrgänge sind empfehlenswert und wann ist der Zeitpunkt gekommen, die geliebten Flaschen zu öffnen? Anworten darauf findet man seit kurzem in Form einer App. Bordeaux-Papst René Gabriel stand dafür Pate.

Die App ist an den gleichnamigen und weitgehend bekannten Weinführer Gabriels angelehnt. Die gedruckte Form ist eines der Standard-Werke für Bordeaux-Liebhaber. Darin findet man Anmerkungen, Illustrationen und vor allem Bewertungen zu über 300 Châteaux und ihren Weinen pro Jahrgang (!). Der Methusalem unter den verkosteten Weinen ist ein Bordeaux aus dem Jahr 1784.

Neben der Veröffentlichung einer Pocket-Ausgabe von Bordeaux Total hat sich Gabriel im Sommer des letzten Jahres dazu entschlossen, mit der Zeit zu gehen, und seine Bewertungen und Angaben zur Trinkreife von Bordeaux-Weinen nun auch in Form einer App für das iPhone und iPad unter’s Volk zu bringen. Sehr schön. Für den Preis von neun Franken kann man das Progrämmchen im Apple App-Store erwerben und downloaden. Die Bedienung ist selbst erklärend, die Menu-Führung einfach und die Aufmachung zweckmässig – insgesamt also eine Anwendung ohne grossen Schnickschnack. Mir gefällt das, man kommt schnell zum Ziel.

Ein Beispiel:

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Die Suchfunktion

Ich steh‘ im Denner. Vor mir ein Regal mit einigen Flaschen aus dem Bordelais: Ein 2010er Château Seguin, ein 2008er La Garricq und ein 2010er Chasse-Spleen stehen da. Ich zücke mein iPhone, tippe rasch die Anfangsbuchstaben der Châteaux ein und sehe sofort die Punktzahlen: Seguin: 18/20, La Garricq 17/20 und Chasse-Spleen 16/20 Punkte. Infos in Textform findet man keine. Wer das will, muss nach wie vor zu den gedruckten Ausgaben von Bordeaux Total greifen.

Jedoch bietet die Applikation einen Sucherverlauf, der sich die letzten zwanzig aufgerufenen Weine merkt. Prima! Auch in Sachen Stabilität lässt die App nichts zu wünschen übrig, stürzte sie doch im mehrwöchigen Test nicht ein einziges mal ab. Die Resultatseite zeigt nicht nur Bewertungen an, sondern gibt auch Auskunft über die Trinkreife des abgefragten Weins. Natürlich ist das immer auch von der Lagerung und anderen Faktoren abhängig, die App gibt aber schon mal einen guten Anhaltspunkt.

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Resultate: Château, Appellation, Jahrgänge samt Bewertungen und Angaben zur Trinkreife.

Alles in allem kann ich die Software wärmstens empfehlen. Zu dem Preis sowieso. Schliesslich erhält man für einige Franken eine durch Gabriel ständig aktualisierte Datenbank mit hunderten von Weinen verschiedener Jahrgänge. Wenn du also schnelle Hilfe beim Bordeaux-Kauf suchst, oder nicht sicher bist, wann du deine Flaschen entkorken sollst, gehört die App zur Grundausstattung. – Vorausgesetzt, du vertrautst den Einschätzungen Gabriels und besitzt ein iPhone oder iPad. Was du jedoch nicht erwarten darfst, sind Detailinformationen, Preisvergleiche und dergleichen. Das Programm kann zwar nur wenig, das dafür aber gut. Eine Qualität, die man im aktuellen App-Dschungel leider viel zu selten findet.

Punkte: 20/20
Passt zu: Bordeaux-Fans mit iPhone/iPad
Preis: Fr. 9.-

BX Total findest du hier