Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


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Kurz angenippt: Montezovo, Amarone della Valpolicella DOC, 2010

Seit kurzem findet ihr unter der Rubrik kurz angenippt Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

Farbe

  • Purpur

Nase

  • verhaltenes Bouquet, wenig einladend

Gaumen

  • (zu) wenig Gewicht
  • total unausgewogen: Würze, Säure und Frucht spielen nicht zusammen
  • kantig, sperrig, grün, dominante Säure
  • nicht Amaronetypisch, wirkt kühl
  • kaum vorhandene Frucht
  • extrem kurzer Abgang

Bewertung

  • maximal 12 Punkte, insgesamt sehr enttäuschend

Bezugsquelle

http://www.denner.ch

Montezovo Amarone 2010

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Kurz angenippt: Château du Rocher, Grand Cru, Saint-Émilion, 2010

Seit kurzem findet ihr unter der Rubrik kurz angenippt Weine, welche mir irgendwo über den Weg liefen, aber nicht genauer getestet werden konnten. Die Notizen sind kurz und knapp, die Punktevergaben eher als Anhaltspunkt, denn als absolutes Mass anzusehen. Die Weine werden daher auch nicht in den Charts gelistet.

Ch‰teau Du Rocher St Emiliion Grand Cru AOC


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Tamjanika 2011

Man findet ihn nicht dort, wo man ihn sucht. Die Rede ist vom serbischen Weisswein Tamjanika. Coop führt ihn seit 2009 fernab der offiziellen Weinabteilung im Regal neben den Fladenbroten, dem türkischen Honig und zahlreichen anderen orientalischen Kuriositäten. Vielleicht ist das ja der Grund, warum er bisher so gut wie keine Beachtung gefunden hat.

Bei Tamjanika handelt es sich um eine autochthone Rebsorte. Neben Prokupac, ist sie in der serbischen Region Župa, eine der ältesten überhaupt. Das Tal liegt übrigens zwischen Kopaonik, Željina, Goc und Jastrebac, im Einzugsgebiet der westlichen Morava und ihrer Nebenflüsse, und bedeckt eine Fläche von 2’500 Hektaren.

Die Geschichte des Weinguts liest sich wie eine Romanvorlage: „Die Familie Ivanović liess sich, infolge stürmischer Ereignisse um 1800 in Kozetin, dem heutigen Aleksandrovac, nieder und begann Wein zu produzieren. Nach der Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg im Jahr 1919, gründete Dragoslav I. Ivanovic seinen eigenen Weinbetrieb, der vom 1939 bis zum 1940 sehr schnell wuchs und 500‘000 Liter Wein herstellte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Weinproduktion von den Behörden untersagt. 1996 kam der Enkel Ivanovics nach Župa zurück, um die alten Rezepte des Grossvaters wieder aufleben zu lassen.“ (Quelle)

Das Weingut und die Familie Ivanović haben also scheinbar schon viele folgenschwere Schicksalsschläge hinter sich. Hoffentlich widerspiegelt sich so viel Tradition und Widerstandsfähigkeit auch in der Qualität ihres Weins. – Bei der Vinifizierung wird der Tamjanika mit 20 Prozent Riesling verschnitten und anschliessend sechs Monate im Stahltank ausgebaut. Die Flasche hat einen Korkzapfen, mit dem ich mir spontan einen heftigen Zweikampf liefere, und schlussendlich auch gewinne. – Im Glas scheint er quittengelb und leicht trüb. Zur Nase: Honig, überreife Traube, Ananas, Moschus, leicht metallischer Einschlag. Das Bouquet erinnert stark an Moscato, Rimuss, oder einen billigen Dessertwein. Ich erwarte im Glas also einen süffigen Weisswein, eventuell mit leichten Riesling-Attributen: Zum Beispiel etwas Sprudel. Ich probiere:

Erster Schluck: Das kann nicht sein, ich muss nochmals probieren.

Zweiter Schluck: Ist das Wein?

Dritter Schluck: Wieviel Alkohol ist da drin? 25 Prozent?*

Vierter Schluck: Buah, ist der übel!

Fünfter Schluck: So, jetzt ist aber Schluss!

Der Rest bleibt im Glas, beziehungsweise in der Flasche. Die Enttäuschung pur. Wie soll ich’s beschreiben? Der Wein – sofern es einer ist – schmeckt übelst. Erinnerungen an schlechten Hustensirup werden wach. Ich schmecke Lakritze, Anis, Nelken, zerstossene Traubenkerne, Bittermandel, Pfeffer. Weiter: Hoher Alkoholanteil, eigenartige Säure, keine Frucht, kaum Süsse, schwacher Körper, stark alkoholischer, bitterer und langer Nachklang, reichlich Schärfe. Und irgendwie schwingt immer dieser leicht beunruhigende, chemische und undefinierbare Geschmack mit. Der Wein ist schlicht ungeniessbar. Punkt.

Sorry, liebe Familie Ivanović, vielleicht liegt hier ein geschmacklicher Kulturclash vor. Vielleicht liegt’s am Jahrgang, am Essen, oder an unserer Tagesform. Wer weiss. Für mich und meine Degustationspartnerin ist der Wein – so oder so – ein Frontalangriff auf unsere Geschmacksnerven. Wenn’s nach mir geht, kann der Tamjanika auch weiterhin fernab der Weinabteilung, bei irgendwelchen Spezialitäten eingereiht werden. Da gehört er nämlich hin.

Für diese Gesamtleistung gibt’s von meiner Seite höchstens einen Trostpreis: Sagen wir zwei lieb gemeinte Punkte. Aber nur weil mich die herzzerreissende Geschichte der Winzerfamilie aus Župa so bewegt hat.

Experimentierfreudige können den serbischen Weisswein hier erstehen.

Tamjanika

Punkte: 2/20
Passt angeblich zu: Meeresfrüchten, Fisch, Geflügel, Spargeln
Preis: Fr. 13.95

 

 

 

 

 

 

 

* es sind 14%


4 Kommentare

Bordeaux im Denner: Gut war gestern

Wie jedes Jahr lechze ich im Herbst der Ankunft der neuen Jahrgänge aus Bordeaux entgegen. Spätestens ab Mitte Oktober durchquere ich leicht nervös mindestens einmal wöchentlich die Denner-Filiale im Neumarkt. Gestern war es dann so weit: Die neuen Bordeaux standen endlich im Regal. Nach fünf Minuten war aber jede Euphorie verflogen: Das Angebot ist noch schlechter als in den letzten zwei Jahren.

Nervös wie ein kleiner Junge am Weihnachtsabend stehe ich vor den schmucken Holzkistchen. Ich geb’s zu: Ich kaufe keinen Bordeaux, der von René Gabriel weniger als 18 Punkte bekommt. Gleichzeitig sehe ich auch nur in den seltensten Fällen ein, warum ich für eine Flasche mehr als 30 Franken bezahlen sollte. Diese zwei Grundsätze haben sich bisher immer bewährt. Ich zücke also – immer noch im Denner stehend – mein iPhone, starte die Gabriel-App und checke hastig sämtliche Weine, die vor mir im Regal liegen. Von der Seite her, bemerke ich einen etwas verstörten Blick eines Denner-Angestellten, der mich ungläubig beobachtet. Spätestens als ich auch noch Fotos von den Weinkisten mache, schaut er mich an, als würde er gleich den Filialleiter informieren. – Ich lasse mich nicht beirren und tippe weiter. De Ca-men-s…, ach, sch**se, schon wieder nur 16 Punkte für mehr als 40 Franken pro Flasche! So setzt sich meine ganz persönliche Tragödie bis zum letzen Wein fort. Keine drei Minuten vergehen, da habe ich auch schon alle angebotenen Bordeaux per iPhone-App durchgeackert. Fazit: Denner enttäuscht mich auf der ganzen Linie. Aber seht selbst:

Château Jahrgang Preis pro Flasche Preis 6er Gebinde Punkte René Gabriel
Sociando-Mallet 2010 Fr. 35.90 Fr. 215.40 18/20
Phélan-Ségur 2010 Fr. 42.90 Fr. 257.40 18/20
Gloria 2010 Fr. 43.90 Fr. 263.40 17/20
Talbot 2010 Fr. 59.60 Fr. 359.40 17/20
Citran 2009 Fr. 17.90 Fr. 107.40 16/20
Chasse-Spleen 2010 Fr. 29.90 Fr. 179.40 16/20
De Camensac 2010 Fr. 42.90 Fr. 257.40 16/20
Fourcas-Dupré 2008 Fr. 15.90 Fr. 95.40 15/20

(Der Fourcas-Dupré ist natürlich nicht neu, sondern schon länger ein Ladenhüter bei Denner)

Entweder ist die Qualität der bezahlbaren Weine schlecht bis durchschnittlich, oder sie sind gut, aber einfach überteuert. Und nur weil Talbot draufsteht, zahle ich keine 60 Mücken für die Flasche. Das beste Preis-Leistungsverhältnis hat der Sociando-Mallet. Aber auch da gibt’s bei anderen Anbietern günstigere Alternativen von mindestens gleicher Qualität. Zum Beispiel den 2009er Château Rollan de By für etwas mehr als 26 Franken bei Coop.

Enttäuscht dränge ich mich an der Kasse an den anstehenden Kunden vorbei. – Sorry Denner, aber andere haben weitaus bessere Angebote im Laden stehen. Nichtsdestotrotz werde ich vermutlich auch nächsten Herbst wieder wöchentlich im Neumarkt vorbeischauen, mich freuen, vom Angebot enttäuscht sein, fluchen und mir schwören, niemals wieder im Denner auf Bordeaux-Jagd zu gehen. Das tat ich wenigstens die letzten zwei Jahre…

À la vôtre


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Baron de Rothschild Réserve Spéciale Bordeaux blanc AOC 2011

So, so, ein Rothschild für neun Franken achtzig. Das war mein erster Gedanke. Ich hatte Lust auf Sushi und brauchte noch kurzfristig einen passenden Weisswein. Welcher soll es werden?

Unentschlossen steh‘ ich im Coop vor den Weinregalen, als mir diese Flasche auffällt. Schön sieht er aus, der weisse Bordeaux. In einem hellen Goldgelb leuchtet er mir entgegen. Mein Entschluss ist gefallen, ich geb‘ dem Franzosen mit dem klangvollen Namen eine Chance.

Der erwähnte Baron ist den meisten wohl eher geläufig als verstorbener Besitzer eines der berühmtesten Châteaux der Welt, dem Château Mouton-Rothschild. Nach einer kurzen Recherche auf einer der nervigsten Webseiten seit langem, bestätigt sich mein erster Gedanke, nämlich dass es sich hier um einen Wein des Billig-Labels der Rothschild S.A. handelt. Wie könnte es auch anders sein.

Im Glas wirkt er etwas blass. Ein Bleichschnabel von einem Wein, denke ich mir und halte die Nase tief ins Glas. Es riecht blumig, aber sehr unaufdringlich. Es ist dieses typische Bouquet, welches meiner Erfahrung nach Verschnitte aus Sémillon und Sauvigon ergeben. Auch der im Denner-Sortiment relativ neue Château Bonnet bringt diesen typischen Duft zur Entfaltung. Es riecht nach Frühling, nach einem Potpurri von jungen Blüten, irgendwie mädchenhaft. Das Bouquet ist sehr flüchtig, ein erster Schluck unspektakulär. Der Wein füllt nicht aus, zudem bleibt er oberflächlich, geradezu eindimensional. Hat man ihn geschluckt, hinterlässt er keinen bleibenden Eindruck. Er wirkt wässrig, der Körper zerbrechlich, wenig intensiv, eher wie ein laues Lüftchen. Für Bowlen, die Weisswein-Variante des Aperol Spritz, oder als einfacher Kochwein reicht er aber allemal. Für alles andere ist er nicht zu gebrauchen.

Wenn man den Bordeaux blanc unbedingt kaufen möchte, kann man das hier tun. Ich rate allerdings davon ab.

Punke: 11/20
Verwendung:  Bowlen, Mixgetränke, Kochwein
Preis: Fr. 9.80


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Lamùri 2010

Was ein schöner Abend! Fast perfekt. Meine Begleitung ist sehr charmant, die Bedienung äusserst zuvorkommend, das Ambiente ansprechend, die Stimmung im Lokal heiter und auch der Betrag auf der Rechnung trübt am Ende nicht den Gesamteindruck. Wäre da nicht der Wein…

Wir bestellen. Ein gemischter Salat zur Vorspeise, dann ein vorzügliches Rebhuhn an Marsala-Jus mit Gemüse-Bouquet und frischen Feigen. Dazu hausgemachte Tagliatelle und als Krönung des herbstlichen Menus, Vermicelles samt Espresso. Wir entscheiden uns für den Sizilianischen Lamùri von 2010. Dieser scheint uns mehr als passend. Leider enttäuscht er auf der ganzen Linie. Die Bedienung öffnet die Flasche und bietet mir den Wein zur Probe an. Ich nehme einen ersten Schluck. „Nein, der Wein ist in Ordnung, kein Korkgeschmack, danke.“ Das ist noch das Netteste was ich zu diesem Wein sagen kann…

Im Detail: Er leuchtet in einem hellen Granatrot. Die Nase scheint zunächst vielversprechend. Ich bilde mir ein, Beeren, trockenes Holz, ferner etwas Erdiges im Bouquet auszumachen. Kaum nehme ich einen Schluck, ist die Hoffnung jedoch schnell verflogen. Verschlossen und flüchtig, zäh, hart und allzu säuerlich mit einem bitteren Nachgeschmack zeigt sich der Lamùri. Oh Mann, hätten wir doch nur den Primitivo bestellt…

Nach dieser ersten Enttäuschung geben wir dem Wein sage und schreibe 45 Minuten Zeit, sich zu entfalten. Der Lamùri ist nicht faul und nutzt die Gelegenheit. Er wird tatsächlich ein wenig weicher. Der Säuregehalt nimmt in der Zwischenzeit merklich ab, der Gesamteindruck verbessert sich also. Davon, ihn weiterzu-empfehlen, oder gar beim nächsten Essen erneut zu bestellen, sind wir aber nach wie vor weit entfernt. Vielleicht passt er besser zu Spaghetti oder Fertigpizza, nicht aber zu einer anspruchsvolleren Mahlzeit. Schon gar nicht für siebzehn Franken. Da gibt es weitaus bessere Alternativen. Ergo: Dieser Wein schmeckt mir nicht. Zehn Punkte gibts von meiner Seite, aber nur weil die Etikette was her macht…

Wer ihn trotzdem probieren möchte: klick mich

Punke: 10/20
Passt zu: Spaghetti, Fastfood, Bad Taste Partys
Preis: Fr. 17.-

P.S. Ein Lokal, das mir gefällt: Atrium