Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


5 Kommentare

Was zu pechern: Château Pech-Latt, Grande Réserve, Corbières 2012

Bio = teuer. Seitdem Bio-Produkte salonfähig geworden sind, hat sich diese Formel in den Köpfen vieler Konsumenten eingebrannt, wie ein heisses Eisen in einen texanischen Pferdehintern. Dass das Bild vom teuren Biowein so gar nicht mehr stimmt, ist auch in Flaschentesters Trinklabor mehrmals klargestellt worden.

Selbst die meisten Grossverteiler scheinen den Ruf nach geniess- und bezahlbaren Bioweinen schon länger erhört zu haben. Ihr wollt Beweise: Vor kurzem stolpere ich in Basel über einen sehr trinkbaren Franzosen. Der Preis erstaunt, der Geschmack ebenfalls. Zurück in der Ostschweizer Metropole mache ich mich auf den Weg zum Coop-City. Und da steht er sogar im Regal, der Pech-Latt. Es ist ein niedliches, kleines Fläschchen. Auf der Kapsel der Naturaplan-Schriftzug. Der Preis ist ebenfalls klein. Sehr klein sogar. Gerade mal Fünf-Fünfundneunzig kostet das Kleinflaschenformat des Bio-Franzosen. Meinen Geldbeutel freut’s. Schliesslich kann auch Flaschentester nicht jeden Tag teures französisches Gesöff in die Einkaufstüte packen.

Château Pech-Latt

Das Weingut gehört bereits seit Anfang der 90er Jahre zum Kreis der Südfranzösischen Bio-Betriebe. Die Umstellung auf Öko erfolgte unter der Regie des legendären Winzerführers Jean Vialade. Kurze Zeit später übernahm der damals noch junge Önologe Philippe Matthias die Führung und baute das Gut zu einer grossen und modernen Produktionsstätte aus. Eine Finanzspritze des burgundischen Winzers Louis Max ermöglichte zudem die Modernisierung des Kellers. Von da an ging’s weiter bergauf.

Jean Vialade

Bio-Attitüde im Gesicht? Jean Vialade.

Wir befinden uns in den Corbières. Das Gebiet, welches zum Languedoc gehört, erzeugt unterdessen etwa ein Prozent der Gesamtproduktion Frankreichs. Die Weine hier werden besser und besser. Es ist eines der aufstrebenden Gebiete des Landes. Die Weinberge des Guts liegen direkt am Fuss des Berges Alaric. Die Trauben werden von Hand gelesen. Für die Rotweine wird nur voll ausgereiftes Lesegut verarbeitet. So weit der Werbetext. Klingt gut. Mal sehen, ob sich das in der Qualität niederschlägt.

Der Pech-Latt ist eine Rotwein-Cuvée aus Carignan, Grenache und Syrah. Nachdem ich eingeschenkt habe, nehme ich einen ersten Schluck. Bah! Viel zu warm, das Ding muss sofort nach draussen, in den Naturkühlschrank. So viel Bio muss sein. Schliesslich ist es Winter, und Flaschentesters Balkon bietet die ideale Umgebung um den Roten schnell einige Grade runterzukühlen. Dekantiert habe ich den Wein nicht. Ist auch nicht nötig. Der Franzose ist entkorkt sofort trinkbereit. Schön. Einige Minuten vergehen. Zweiter Versuch: Ja, jetzt ist er temperaturmässig da wo er sein soll. Rubinrot liegt er im Glas, mit violetten Reflexen am Rand und farblich sehr dicht im Zentrum. Ich vermute mal das Grenache vor allem als Farbgeber beigegeben worden ist. Hauptzutat ist und bleibt regionstypisch Carignan.

Die Nase ist unglaublich intensiv. So unglaublich, dass sich der Duft weit über das Glas hinaus im Raum entfaltet. Es ist vor allem Cassis, aber auch enorm schwere, süssliche Noten von Pflaumen, dunklen Beeren, dann Teer, Vanille und Erde die sich zu einem olfaktorischen Erlebnis vermengen. Leider verflüchtigt sich das Bouquet kurz nach Flaschenöffnung merklich. Schade.

Philippe Matthias

Philippe Matthias.

Auch im Mund gefällt der Bio-Wein. Trotz mittelgewichtigem Körper schmeckt der Rotwein vollmundig. Ein Kräuterszenario drängt sich nach vorne: Waldpilze, Rosmarin und Moos kann ich erkennen. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, der Nachhall dann etwas kühl, auch etwas sauer und ein ganz klein wenig sperrig – holzig. Die Tannine sind noch deutlich vorhanden. Der relativ hohe Alkoholgehalt von vierzehn Prozent macht sich überraschenderweise nicht weiter negativ bemerkbar. Weder trübt er den Gesamteindruck, noch den nächsten Morgen.

Der Südfranzose zeigt einmal mehr zwei Dinge auf: Erstens muss Bio-Wein nicht teuer sein, zweitens kriegt man auch zu diesem Preis einen schönen Rotwein ins Glas, der durch Charakter und Individualität besticht. Das Preis-Leistungsverhältnis ist ausserordentlich, der Wein übrigens auch für Veganer geeignet. Ich gebe 17 Punkte. J’ai fini.

Pech-Latt

Punkte: 17/20
Passt zu: Eintöpfen, herzhaften Fleischgerichten
Preis: Fr. 10.90

Den Pech-Latt Grande Réserve gibt’s bei Coop, andere Flaschen desselben Winzers zum Beispiel bei Probiowein/Deutschland.

 

 

 

 

P.S. Auf der Flasche steht „Enthält Sulfite“. Erst vor kurzem flatterte einigen Bio-Jüngern deswegen scheinbar recht heftig das Nervengewand. Bio-Wein und Schwefel! Das geht gar nicht! – Doch, doch das geht. Denn auch bei Bio-Weinen kommt dieser zum Einsatz. Denn Schwefel macht Wein haltbar. Und dafür gibt’s bis heute keinen adäquaten Ersatz. Zwar enthalten Bio-Weine meistens viel geringere Mengen an Sulfit – üblicherweise höchstens zwei Drittel der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmenge – dennoch kommen auch diese nicht ohne den wichtigen Zusatzstoff aus. Punkt.

Werbeanzeigen


Hinterlasse einen Kommentar

Riesling für den Niesling: Van Volxem Fuder 13, 2012

Flaschentester hat sich erkältet, als er wiedermal für seinen Blog mit dem Radl durch Eiseskälte und Schneeregen quer durch die Stadt einige Rote und Weisse besorgen ging. Die Nase tropft, die Ohren sind scheinbar mit Watte gefüllt. Als wäre das nicht schon genug, meldet sich der interne Bio-Sensor plötzlich mit einer leichten Erhöhung der Betriebstemperatur. Da hilft nur eines: Trinken.

In der Küche wartet schon der Hustensirup, weiter geht’s mit eimerweise Tee. Kaum ist die Tropfnase verklungen, nehme ich Abschied von den Tassen und halte meinen Rüssel endlich in ein anständiges Glas. Eins mit Riesling drin. Er hört auf den Namen Fuder 13.

Der Begriff steht an der Mosel für ein Weinfass mit sage und schreibe 1’000 Litern Inhalt. Nicht schlecht, Herr Specht – pardon – Niewodniczanski. So heisst nämlich der Mann, der 1999 das etwas eingeschlafene VDP-Weingut Van Volxem, ehemals Jordan & Jordan, übernahm und wieder auf Kurs brachte. Der Spross der Bitburger-Führungsriege, schien von Anfang an ein glückliches Händchen und genügend Geld für die Neuorganisation des deutschen Traditionsbetriebs zu haben. Auch seine Philosophie scheint erfolgsversprechend zu sein: Lese von Hand, Ertragsreduzierung an den Reben und akkurate Laubwandarbeit werden bei dem Online-Nachschlagewerk gelistet. Die Weine gären ausserdem ohne Zusatz von Industriehefen und werden nicht geschönt. Traditionell ist auch das Vergären des Mosts im besagten Fuder. An der Saar ist Bio angesagt. Und wie.

Das klingt ja schon mal gut. Mehr ist auch mit Hilfe von Van Volxems Homepage leider nicht in Erfahrung zu bringen. Diese besteht nämlich lediglich aus einer Art Diashow. Also müssen für diesen Artikel Sekundärquellen herhalten. Schade. Denn Roman Niewodniczanski macht auf Understatement pur, denke ich mir und nippe nochmals am Weissweinglas. – Der Mann kann das aber auch. Er hat Hirn, Moneten, Erfolg, Aussehen, Auszeichnungen und vermutlich auch sonst alles was man sich wünscht.

Dieses Bild vermitteln einem wenigstens die Medien – und auch das geschickte Marketinghändchen von Niewodniczanski himself. Denn, wenn man was über ihn liest, dann nur Märchenhaftes. Vom weissen Ritter ist die Rede, von einem Pionier, einem der alles richtig anpackt und ausschliesslich dem Wein und der Region dient. Hach, zu schön um war zu sein, diese streckenweise auf Boulevard-Niveau geschriebenen Artikel über den Riesling-Robin Hood. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Hochglanzbildern: Roman mit Hund. Roman im Weinberg. Roman im Frack. Roman als Actionheld. Roman im Büro. Die Liste liesse sich spielend fortsetzen. Dallas meets Denver Clan meets Falcon Crest. Egal, mich interessiert in erster Linie der Wein. Aufgeblasene Werbemaschinerie oder nicht, ich trinke und geniesse.

VanVolxem

Nein, keine neue Soap, sondern ein Winzer im Glück: Roman Niewodniczanski (rechts im Bild).

Denn das muss man den den deutschen Rieslingen lassen: Nirgendwo sonst auf der Welt erhält man solche Spitzenqualitäten zu derart moderaten Preisen. Selbst Grosse Gewächse kosten heute selten mehr als fünfzig Franken. Und auch ein einfacher Kabinett oder Gutswein kann bereits enorm Spass machen. Riesling ist toll. Riesling ist bezahlbar. Riesling macht Spass!

Der Fuder 13 liegt preislich im unteren Mittelsegment und stammt aus dem schönen Rieslingjahr 2012. Es handelt sich um die A-Klasse des Van Volxem-Sortiments. Was kann ich von dieser erwarten? Nun, wie beim deutschen Automobilhersteller, durchwegs Wertiges. Niewodniczanski’s Abfüllung besticht in der Nase durch allerlei gelbe Früchte. Man riecht Grapefruit, Ananas, Banane und etwas Zitrone. Der Duft ist durchaus betörend. Im Mund ist der Volx relativ unspektakulär. Die Säure ist angenehm, der leichte Sprudel gefällt, der Früchtekorb ist nach wie vor vorhanden. Ein Hauch Mineralität mischt sich ins Spektrum. Der Wein besitzt eine liebliche Attitüde, er ist süffig und unkompliziert, gleichzeitig aber auch angenehm erfrischend. Es ist ein Wein für Gelegenheitsgeniesser und solche, die sich geschmacklich nicht zu weit aus dem Fenster wagen wollen. Van Volxem’s Riesling ist schlicht ein sehr solider, vollmundiger Wein.

Für etwas mehr als zwanzig Franken erhält man einen überaus ordentlichen produzierten, und durch und durch traditionellen Riesling ins Glas. Es handelt sich um einen schönen fruchtigen Weisswein, der auf Anhieb Spass macht. Es gibt preisgünstigere Flaschen gleicher Qualität, keine Frage. Doch auch diese hier kann man bezahlen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in Ordnung. Schliesslich wollen Van Volxem’s Webdesigner auch bezahlt werden. Und wenn noch einige Flaschen mehr des Fuders über die Ladentheke wandern, gibt’s vielleicht in naher Zukunft ausser Bildern, online inhaltlich auch mal was Nahrhafteres zu sehen. Schön wär’s. Ich gebe 17 Punkte. – Meiner Nase geht’s übrigens wieder besser. Danke der Nachfrage.

Fuder13

Punkte: 17/20
Passt zu: (Ziegen-)Käse, vegetarisch-würzigen Gerichten, kalten Platten, Bauern-Omelette
Preis: Fr. 21.00 / € 13.85

Van Volxem’s Fuder 13 gibt’s bei Mövenpick Schweiz oder Deutschland.


Hinterlasse einen Kommentar

Compleo Cuvée Noire 2011 – Staatskellerei Zürich

Jenseits der Staatsgrenzen sind vor allem unsere herrlichen Schokoladen und die unzähligen Käsesorten bekannt. – Leider. Denn mehr als 30’000 Winzer bewirtschaften jährlich unzählige Rebflächen im ganzen Land. Ihre Produkte lassen sich mehr und mehr sehen. Und vor allem trinken. Selbst den internationalen Vergleich brauchen viele nicht zu scheuen. Bestes Beispiel: Der hier vorgestellte Compleo. Ein Schweizer Wein zum fairen Preis. – Nicht nur für Steuerflüchtlinge.

Zurück auf Anfang. Bevor der önologische Startschuss ertönt, habe ich den Rotwein kurz im Kühlschrank zwischengeparkt. Der Compleo ist übrigens eine Cuvée aus den drei Sorten Pinot Noir, Diolinoir und Cornalin. Zu welchen Anteilen, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Zu Diolinoir nur so viel, dass es sich um eine relativ junge Züchtung aus den 70er Jahren handelt, welche meist für Verschnitte herhalten muss. Cornalin ist in unseren Breitengraden hingegen wieder bekannter. Die landestypische Traube ist vor allem im Waadtland und Wallis ansässig. Die Zürcher Staatskellerei, der Produzent des Rotweins, gehört seit 1997 zu Mövenpick.

Cheeseburger

Es gibt Burger, Baby!

Auf dem Grill brutzeln bereits vier fette Burger. Meine heutige Essenspaarung. Ich vertraue der Angabe auf der Webseite von Mövenpick. Da steht: Passt zu grilliertem Fleisch. Super! Schliesslich habe ich aufgrund des verspätet eingesetzten Sommers noch einiges an Grillzeit aufzuholen. Endlich sind die Cheeseburger fertig. Erinnerungen an meine Studienzeit werden wach. Endlose Wochenend-Schichten und unzählige Fliessband-Burgerproduktionen bei McDonalds erscheinen vor meinem geistigen Auge. – Ich schenke ein. Der Wein hat dank meiner Kühlmassnahmen 15 Grad erreicht. Die ideale Trinktemperatur. Der Compleo duftet zurückhaltend, aber reichhaltig. Pinot Noir typisch auf jeden Fall. Die Kirsche kommt klar zum Vorschein. Etwas Ledriges, vielleicht Tabakartiges kann ich ebenfalls wahrnehmen. Ferner dunkle Schokolade. Farblich zeigt sich der Wein in einem schönen Purpurrot. Ich nehme einen ersten Schluck. Der Körper ist fruchtig, mittelschwer und von einer außerordentlichen, fast schon klebrigen Üppigkeit. Eine Reminiszenz an viele regionale Blauburgunder und ihre Typizität.

Heute rühre ich – berufsbedingt – die grosse Werbetrommel. Schweizer Wein kann nämlich was! Auch bei 25 Grad im Schatten. Der Wein schmeckt ausgewogen, unkompliziert und ungemein süffig. Zu gegrilltem Fleisch im Brötchen schmeckt er sehr gut. Und auch ohne was Passendes dazu zu essen, kann man ihn problemlos trinken. Problemlos scheint sowieso ein passender Begriff für diesen Wein zu sein. Kein Wunder ist er einer der Schweizer Kassenschlager bei Mövenpick. Einzig auf die Temperatur sollte man achten. Wird’s zu warm, schmeckt er nicht. Natürlich ist er nicht so mächtig und komplex, wie manch sonnengereifter Überseewein. Dem Fleisch hat er aber trotzdem Einiges entgegenzuhalten. Einzig die Würze fehlt ein wenig. Da hätte ich mir, nicht zuletzt aufgrund der verwendeten Traubensorten, einen Hauch mehr erwartet. Nichtsdestotrotz gefällt mir der Zürcher Compleo. Als unkomplizierter Kaminwein, zur Käse-Fleischplatte oder gegrilltem Fleisch passt er ohne Wenn und Aber. Mir schmeckt er. Sehr gut sogar. Es handelt sich um einen schnörkellosen Rotwein aus helvetischer Produktion. Ich gebe deshalb werbewirksame 17 Punkte. Fertig getrommelt.

CompleoPunkte: 17/20
Passt zu: Gegrilltem Fleisch, reifem Käse, gemütlichen Sommerabenden
Preis: ab Fr. 18.50 / € 12.50

Den Compleo Cuvée Noire der Staatskellerei Zürich gibt es bei Mövenpick zu kaufen. Übrigens auch in Deutschland.

 

Dieser Artikel erschien in leicht abgeänderter Form auch auf der Seite meines Blogger-Kollegen Laurens Mauquoi.


Ein Kommentar

Château Segonzac – Heritage 2006

Cahuzac, Sarkozy, Dépardieu: Als ob Frankreich nicht schon an personellen Problemfällen gesättigt wäre, beschliessen gewisse prominente Weinkreise des Landes Anfang dieses Jahres einen Frontalangriff auf französischen Biowein. Daraufhin gönne ich mir – etwas nachdenklich – ein Glas eines 06ers aus dem Bordelais. So viel vorsätzliche Böswilligkeit will schliesslich erst einmal weggespült werden.

Auf Anfang: Scharf geschossen wird im Januar von zwei erklärten Bio-Opponenten: Den Weinkritikern Michel Bettane und Thierry Desseauve. Die beiden veröffentlichen im französischen Magazin Terre de Vins einen Artikel, in dem sie zum Schluss kommen, dass Biowein „insgesamt eine Utopie sei“. Es handle sich dabei sogar um organisierten Betrug, wenn sich hinter diesen Produkten die Begriffe „natürlich“ oder „authentisch“ verbergen würden. Diese und ähnliche Meinungen vertreten sie neben dem Artikel auch auf ihren Blogs. Hauptsache der französische Biowein wird schön gemächlich und in aller Öffentlichkeit in die Pfanne gehauen. Brisant an der Sache: Bettane und Desseauve sind in der französischen Weinszene keine Unbekannten, sondern die Herausgeber des überaus populären Weinführers Grand Guide des vins de France 2012. Also zwei Autoritäten ihres Fachs, gewissermassen die etwas kleiner geratenen Hugh Johnsons oder Robert Parkers von Frankreich.

Eine Reaktion auf die Vorwürfe lässt nicht lange auf sich warten. Alain Réaut, Leiter der französischen Vereinigung der Biowinzer, antwortet auf die schriftliche Kriegserklärung der beiden Meinungsmacher mit einem offenen Brief. Darin hält er in erster Linie fest, dass für Biowein ein rechtlicher Rahmen existiert. Bio ist weder Utopie, noch Täuschung oder Hokuspokus. So Réaut sinngemäss. Die Verwendung des Begriffs sei genauso an nationale und europäische Standards gebunden und werde genauso staatlich überwacht, wie die Kategorien AOC, AOP, IGP oder STG. Zudem kommen bei der Produktion französischer Bioweine einzig Schwefel, Kupfer und Kalk zum Einsatz. Herbizide, Kunstdünger und synthetische Pestizide würden nicht verwendet werden. So viel zum Begriff natürlich. Bio stehe in erster Linie für die Einhaltung von Produktionsnormen. Dass Bioweine grundsätzlich besser schmecken würden, als herkömmlich produzierte Weine, werde nicht behauptet und der Konsument folgerichtig auch nicht getäuscht.

FrankreichsProblemfälle

Frankreichs Unruhestifter: Gerard Dépardieu, Nicolas Sarkozy, Michel Bettane und Jérôme Cahuzac (v.l.n.r.)

Ironie der Geschichte: Just am 21. Februar veröffentlicht das Online-Portal Yoopress die Meldung, dass die bei französischen Weinen ermittelten Pestizidwerte besorgniserregend seien. Vor allem die Tatsache, dass neunzig Prozent aller getesteten Weine Pestizidrückstände aufweisen, hallt durch ganz Europa. Da hat sich eine ganze Industrie samt ihrer Verfechter für einmal wohl selber in den Fuss geschossen. Ich lehne mich – nicht ganz ohne Schadenfreude – zurück und trinke einen staatlich verifizierten und garantiert pestizidfreien Bio-Franzosen vom Rive Droite, welcher mir kürzlich von einem guten Bekannten als Präsent überreicht worden ist.

Glücklicherweise mehren sich den Unkenrufen von Bettane und Desseauve zum Trotz, auch rund um Bordeaux die Bio-Winzer: Bel-Air la Royère, Fonroque, Peyrou, Clos Plince, Moulin du Cadet, Gombaude-Guillot und Pontet-Canet sind nur einige der Châteaux, welche ohne künstliche Wundermittelchen qualitativ hochwertige Weine auf stetem Niveau produzieren. Auch in der bisher von Weintrinkern- und Journalisten eher stiefmütterlich behandelten Region Premières-côtes-de-blaye am nordöstlichen Ufer der Gironde werden Bioweine produziert. Zum Beispiel auf Château Segonzac. Das Gut liegt fünfzig Kilometer nördlich von Bordeaux, nahe des Städtchens Blaye. Gegründet bzw. gebaut wurde es bereits 1887 von einem ehemaligen Agrarminister Frankreichs – Jean Dupuy. Etwas mehr als hundert Jahre später übernahm schliesslich der Schweizer Jacques Marmet das Weingut. Heute leiten seine jüngste Tochter Charlotte Herter-Marmet und ihr Mann Thomas den Betrieb. Nach diversen Modernisierungen wurde der Betrieb schliesslich auf biologischen Anbau umgestellt. Die Gesamtfläche beträgt fünfzig Hektar, wovon siebzehn dazugepachtet werden. Neben zwei Weissweinen und einem Sekt, wird in unseren Breitengraden vor allem den Rotweinen des Guts je länger, je mehr Beachtung geschenkt. Auch der deutsche Weinblogger Dirk Würz stiess 2011 bei seiner Suche nach bezahlbaren Bordeaux auf eine Flasche der Marmets.

Vor mir steht heute ein 2006er Château Segonzac Heritage auf dem Tisch. Es handelt sich um einen Cru Bourgeois. Auf der Flasche steht Bordeaux Supérieur, ein Hinweis auf die Appellation. Der Wein hat 13.5 Volumenprozent. Gekeltert wurde er aus Cabernet Sauvignon und Merlot. Die Selektion ergab einen Ertrag von vierzig Hektolitern pro Hektar, die Trauben wurden teils maschinell, teils von Hand gelesen. Das für den Heritage verwendete Material variiert jedoch von Jahr zu Jahr. So ist zum Beispiel der 2007er ein sortenreiner Malbec, zwei Jahre später kam stattdessen Petit Verdot zum Einsatz. Ausgebaut wurde der 2006er während achtzehn Monaten in Barriquen von mittlerer Toastung.

Segonzac

Château Segonzac im Winter

Beim Einschenken sticht sofort das wunderschön dichte Dunkelviolett ins Auge. Man sieht nicht durchs Glas hindurch. Der Wein riecht gut. Vor allem der hohe Merlot-Anteil macht sich positiv bemerkbar. Dazu gesellt sich der Duft von Laub, Heu und Veilchen. Ich lasse dem Wein ein wenig Zeit. Schliesslich probiere ich. Am Gaumen identifiziere ich Lakritze, und Pflaume. Auch der wohl dosierte Barrique-Einsatz hinterlässt seine holzig-röstigen Noten. Der Wein schmeckt auf Anhieb sehr feingliedrig und elegant. Die jugendliche Frucht hat er sich trotz seiner sieben Jahre Reifezeit erhalten. Auch im Mund schmeichelt der Merlot. Die Säure ist zunächst noch etwas dominant, die Tannine sind ebenfalls deutlich vorhanden und noch etwas sperrig. Frucht und Würze halten sich ungefähr die Waage, wobei letztere leicht überwiegt. Pilz- und Laubnoten runden das Geschmacksspektrum ab. Trotz seiner hohen Adstringenz entbehrt der Bordeaux nicht einer gefährlichen Süffigkeit. Der Abgang ist fruchtig, sogar leicht süsslich. Der Wein zeigt hier Schmelz. Erstaunlicherweise viel mehr als am Gaumen.

Die Flasche steht einige Stunden im etwas kühleren Arbeitszimmer. Am späten Abend, schenke ich mir erneut ein Glas ein. Der Wein ist nun runder, weicher und intensiver. Säure und Tannine sind weit weniger aufdringlich als noch vor einigen Stunden. Der Franzose macht jetzt bedeutend mehr Spass. Einen Tag später dann das letzte Glas: Der Wein hat seinen Zenit erreicht und ist kurz davor ihn zu überschreiten. Trotzdem: Diese Flasche kann man definitiv über Nacht aufbewahren. Bei uns verbrachte sie die Nacht vakuumiert im Kühlschrank. Geschadet hat’s dem Wein nicht. Im Gegenteil, der Heritage bot uns am Folgetag eine Geschmacksfacette mehr. Wer hätte das gedacht?

Fazit: Der Rotwein aus dem Hause Segonzac zeigt, dass auch die Châteaux der Premières-côtes-de-blaye grosses Potenzial haben. Er überzeugt durch Ausgewogenheit und eine sehr feine Struktur. Es ist kein Wein, der protzt. Füllige Boliden muss man in anderen Appellationen suchen. Marmets Heritage ist ein Wein für Finessentrinker und Liebhaber leichterer Bordeaux. Ausserdem mag er Luft und eine entsprechend lange Vorlaufszeit. Mich hat er überzeugt. Ich gebe 17 Punkte.

 

Chateau-Segonzac

Punkte: 17/20
Passt zu: Fleischgerichten
Preis: Fr. 24.90

Weine des Château Segonzacs kriegt man bei Zweifel – Wy zum Turm oder videli.de


Hinterlasse einen Kommentar

Kopp von der Crone Visini – Vigoria Merlot 2010

Draussen wirbelt’s seit Tagen Schnee um die Häuser. Alkohol soll bekanntlich ja wärmen. Also wird’s wieder mal Zeit, eine Flasche zu entkorken. Mir ist nämlich kalt. Ein Schweizer soll es sein. Da ich auf Pinot Noirs oder westliche Weisse gerade keinen Bock habe, reise ich innerlich gen Süden und köpfe einen Tessiner Merlot.

Er stammt vom Gut Kopp von der Crone Visini. Mit der Betriebsgründung erfüllen sich eine promovierte Agronomin und ihr Mann 1994 den gemeinsamen Traum vom eigenen Reb- und Weinbau. Das Ehepaar zieht von Zürich ins Tessin. Ab 2002 arbeitet die verwitwete Anna Barbara von der Crone dann fortan mit dem befreundeten Winzer Paolo Visini zusammen. Vier Jahre später werden ihre beiden Betriebe unter einem Dach vereint. Die gemeinsame Cantina befindet sich südlich von Lugano, in Barbengo. Das Weingut hat mit seinen sieben Hektaren helvetische Durchschnittsgrösse. Die Reben liegen in Mendrisiotto, Luganese und Bellinzonese. Also im ganzen Tessin verstreut. Laut eigener Aussage legen Von der Crone und Visini grossen Wert auf einen möglichst schonenden Umgang mit der Natur und die Förderung der Biodiversität. Es ist ihre Überzeugung, „…dass sich eine nachhaltige Bewirtschaftung auch in der Qualität der Trauben niederschlägt.“ So erklärt sich auch der Umstand, dass die Winzergemeinschaft grosse Parzellenteile als Nützlingslebensraum bestehen bleiben lässt.

Barbengo

Auch in Barbengo soll’s manchmal schneien.

Insgesamt elf Weine werden von Anna Barbara und Paolo gekeltert. Darunter vier sortenreihe Merlots und drei auf Merlot und Cabernet Sauvignon basierende Cuvées. Beim Irto und beim Scala kommt zusätzlich Petit Verdot zum Einsatz. Beim Balin erweitert Arinarnoa den Wein um Fleisch, Säure und Würze. Aber auch vier sortenreine Weissweine und Weisswein-Cuvées (aus Viognier, Chardonnay, Kerner, Sauvignon blanc), Grappa und Likör werden auf dem Gut produziert. Viognier ist übrigens eine Rhone-typische Sorte, Kerner eine Kreuzung von Trollinger und Riesling und Arinarnoa eine Neuzüchtung aus Bordeaux. Für letztere standen Merlot und Petit Verdot Pate. Angesichts der Gesamtfläche der bewirtschafteten Reben ist das Sortenspektrum erstaunlich vielfältig. Möglich macht dies vor allem der Umstand, dass sich im Tessin die Bodenverhältnisse auf kleinem Raum sehr stark unterscheiden.

Kaum habe ich den Vigoria gekauft, setze ich mich vor meine Apfelkiste und surfe zu Hause neugierig ein wenig durch’s Netz. Google sagt mir, dass sich scheinbar zahlreiche St. Galler Händler auf die Weine dieses Guts eingeschworen haben. Neben Martel und Zweifel führen Lanz und Mövenpick ebenfalls Flaschen aus Barbengo in ihrem Sortiment. Auch Robert Parker bzw. einer seiner Verkoster lässt grüssen: Der Tinello vom selben Gut gehört laut David Schildknecht zu den besten Schweizern 2012. Schön.

Dekantiert habe ich den Wein nicht. Ich schenke ein. Der Wein scheint dunkelrot. Die Nase ist herrlich intensiv. Ein toller Merlot-Duft strömt einem entgegen. Man riecht sortentypisch vor allem Pflaume und Kirsche. Nachdem ich das Weinglas ein wenig schwenke, erreichen auch die schwereren Kräuternoten mein Riechorgan. Toll. Ich könnte stundenlang so weiter machen: Riechen – Schwenken – Riechen – Freuen. Schliesslich entscheide ich mich doch noch dafür, das Bouquet zu verlassen und einen ersten Schluck zu nehmen. Zum Glück! Denn das Wetter meinte es 2010 gut mit den Reben in Barbengo. Im Mund wirkt der Tessiner weich, vollmundig und fruchtig. Eine spannende, irgendwie enge, aber dennoch nicht unangenehme Säure verleiht ihm zudem Charakter. In der Regel kann man Merlot jung geniessen. So auch diesen. Die Tannine sind unaufdringlich. Die Frucht beherrscht das Geschehen. Als Essenspaarung zum Vigoria muss wieder mal Pasta mit Fleischsauce herhalten. Und auch an diesem Abend wird deutlich, wie Wein und Essen sich gegenseitig intensivieren können. Wunderbar. Ein Erlebnis!

Cantina_004

Vigoria 2010: Gährung im Stahltank, Ausbau in Eichenfässern.

Obwohl der Körper Saft hat, gar fleischig ist, erreicht der Vigoria nicht diesselbe Fülle wie Merlots aus südlicheren Gebieten. Das soll kein Vorwurf sein. S’ist halt einfach so. Der Wein schmeckt. Er hat was Eigenständiges, er hat Frucht, Würze und ein einladendes Bouquet. Auch der Abgang ist sehr angenehm, der Nachhall mehr würzig, als fruchtig. Trotzdem polarisiert der Tessiner. – Warum? Entweder man mag Schweizer Merlot, oder nicht. Ein Zwischendrin gibt’s nicht. Kein Solala, kein durchschnittlich, oder geht so. Auch im Casa Flaschentester bestätigt sich dieser Eindruck: Die Hälfte der agierenden Testerinnen und Tester ist dem Wein sehr zugeneigt, die andere würde ihn nicht nochmals kaufen. Ich für meinen Teil finde ihn toll. Punkt.

Fazit: Kopp von der Crone Vinsini’s Vigoria ist ein schöner Rotwein zu einem für Schweizer Massstäbe sehr anständigen Preis. Er kann jung getrunken werden; entweder für sich alleine, oder am besten zu klassischer Tomaten-Fleisch-Pasta und ähnlich deftigen Gerichten. Geschmacklich punktet er durch ein wunderbar duftendes Bouquet, die omnipräsente Merlot-Frucht, und einen eigenständigen, aber trotzdem geschmeidigen Charakter. Ich gebe 17 Punkte.

VigoriaMerlot2010

Punkte: 17/20
Passt zu: Pasta, Gegrilltem, Deftigem
Preis: Fr. 21.-

Den Tessiner Merlot kriegt man bei Martel. Auch Zweifel, Simone Lanz und Mövenpick führen Weine der Cantina Kopp von der Crone Visini.


Hinterlasse einen Kommentar

Griechischer Bordeaux !? – Nomis 2007

Griechenland sitzt in der Krise: Die Arbeitslosenquote steigt, das Rentenalter auch. Sozialleistungen werden gekürzt, und Angela sammelt auf ihren Vermittlungsreisen fleissig Bonusmeilen. Da hilft jeder Schweizer Franken, der nach Athen geht. Als Gegenleistung möchte ich keine Euro-Bonds, Staatsanleihen, oder sonstwelches Klopapier. Nein danke. Mein persönliches Programm für Griechenland heisst vielmehr: Wein für Geld.

Wie ich kürzlich bereits getwittert habe, bin ich scheinbar nicht der Einzige, der Griechenland aus der Krise helfen will. Weine aus dem Land der ehemaligen Fussball-Europameister wird immer beliebter. In den Regalen St. Galler Weinhandlungen muss man sich trotzdem gut umsehen, um eine griechische Flasche entdecken zu können. Auf Nachfrage zeigt man mir schliesslich bei Mövenpick eine Auswahl an verfügbaren griechischen Rotweinen. Ich entscheide mich für einen Nomis aus dem griechischen Traditionshaus Tsantalis.

Ohne grosse Erwartungen öffne ich an einem Dienstagabend die Flasche, welche nun schon seit Dezember in meinem kühlen Büro rumsteht. Eigentlich wollte ich sie schon bei einigen anderen passenden Gelegenheiten öffnen. Nun, ist’s halt ein unspektakulärer Feierabend vor der Flimmerkiste. Auch gut.

Griechenland 2

Der Wein wird aus Shiraz und der autochthonen, also regionstypischen Sorte Mavroudi vinifiziert. Der Ausbau findet während sechs Monaten in französischen Eichenfässern statt. Die Lagerfähigkeit wird von Mövenpick mit 2018 angegeben. Nachdem ich die Kapsel entfernt habe, schenke ich ein. Farblich erscheint der Rotwein in einem leuchtenden Purpur. Ich stecke mein Riechorgan ins Glas. Ah, Beeren, Pflaumen, Rosinen, schön. Ich schwenke das Glas, die schwereren Aromen entfalten sich. Was? Nein. Rieche ich richtig? Hm? Na, brat mir einer einen Storch. Hat da jemand einen jungen Bordeaux in eine griechische Flasche abgefüllt? Unglaublich! Nochmals riechen, und nochmals. Es ist immer noch- unfassbar, das Bouquet kommt so was von bordelesque rüber. Es ist diese Terrain-typische Mischung aus Frucht, Würze, Holz und der Keller-Modrigkeit, die so viele Bordeaux im Bouquet unverkennbar zur Geltung bringen. Keine Ahnung, ob’s an den verwendeten 300l-Fässern liegt. An den Trauben kann es jedenfalls nicht liegen. Shiraz und Mavroudi sind bekanntermassen alles andere als Bordeaux-typisch.

Etwas perplex nehme ich sofort einen Schluck. Au backe, ist der lecker. Der erste Eindruck überzeugt mich vollends. Auch der zweite enttäuscht nicht. Da schwingen wunderschöne Aromen von dunklen Beeren, Zimt, Holz, Tabak und Pflaumen im Mund. Eine wahre Symphonie von Geschmäckern. Der Körper ist kräftig, etwas herb, aber mit weichen Tanninen und deutlicher, aber nicht störender Säure. Der Abgang bringt etwas Süsse, aber vor allem eine mit Erdtönen gepaarte Würze. Ich mag den Wein. Er hat Charakter, er hat Ecken und Kanten. Trotzdem attestiere ich dem Griechen Raffinesse und Charme. Er nimmt sofort ein. Auch ohne passendes Essen kann man ihn geniessen. Ich bin mehr als positiv überrascht. Um so besser, dass Mövenpick ihn gerade zum Aktionspreis anbietet. Da kann man nicht meckern. Ein südeuropäisches Schnäppchen für Fr. 12.90. Toll! Ich bin begeistert und gebe 17 Punkte.

Nomis 2007

Punkte: 17/20
Passt zu: Fleischgerichten (gegrillt, gebraten, mit dunklen Saucen)
Preis: momentan Fr. 12.90 statt 18.50

Kaufen kann man den Nomis hier


Hinterlasse einen Kommentar

Féchy Domaine du Martheray 2011

Käse und Wein gehören irgendwie zusammen. Da trifft es sich gut, dass es in unserem Land an beidem nicht mangelt. Ich entscheide mich wieder mal für ein Nationalgericht: Der Rechaud wird aufgebaut, der Caquelon abgestaubt und der Féchy kaltgestellt. Es gibt Fondue, baby!

Draussen liegt Schnee, es ist kalt und ziemlich dunkel. Die ideale Stimmung also um ein Fondue vorzubereiten. Der Käse schmilzt allmählich vor sich hin, das Brot wartet in Würfelform brav im Körbchen auf seinen Einsatz. Im Kühlschrank liegt ungeduldig ein Féchy im untersten Fach.

Féchy ist eine Ortschaft im Kanton Waadt. Die Ortschaft ist das Synonym für Vaudoiser Weisswein schlechthin. Und zwar vor allem für Chasselas, wiederum ein anderer Begriff für Gutedel. Manche kennen ihn auch als Fendant. So etwa in der Türkei, wo die Rebe vor allem als Tafeltraube angebaut wird.

Patron der Domaine du Martheray ist Philippe Schenk, als Winzer fungiert auf seinem Gut seit 25 Jahren Samuel Brocard. Das Weingut umfasst 16 Hektar und konzentriert sich ausschliesslich auf Weissweine. Die Familie Schenk ist im Schweizer Weinhandel kein unbeschriebenes Blatt. Die 1893 gegründete Aktiengesellschaft mit Sitz in Rolle macht jährlich einen Umsatz von mehreren hundert Millionen Schweizer Franken. Ausserdem liesst sich die Familiengeschichte wie ein Krimi.

DomaineDuMartherey

Die Domaine du Martherey in Féchy. Im Hintergrund der Genfersee.

Aufmerksam geworden bin ich auf den Féchy übrigens im Coop. Ich war wieder mal auf der Suche nach prämierten Weinen und der Waadtländer ist eben genauso einer. Beim Grand prix du vins suisse bekam er 2012 eine Goldmedaille. Ein Argument, das mich zum Kauf bewegt. Die Flasche schaut übrigens so gar nicht nach Weisswein aus. Würde nicht Féchy draufstehen, würde ich auf einen Rotwein tippen.

Ich öffne den Drehverschluss und schenke ein: Er scheint in einem blassen Gelb. Aus dem Glas duftet es herrlich fruchtig. Nach Pfirsich und nach Rosen, auch Honig und Schiefer schwingen mit. Es riecht jung, frisch und mineralisch. Im Mund überrascht der Chasselas durch einen sehr fein strukturierten Körper. Von etwas billigeren Fendants bin ich mir Kräftigeres, Kernigeres gewohnt. Dieser hier ist eine schöne Ausnahme. Er wirkt nicht so aufdringlich und plump, sondern bringt das Frühlingsbouqet auch im Gaumen zur Geltung. Der Weisswein hat eine dezente Süsse. Die Säure ist im Verhältnis dazu ausgezeichnet balanciert. Der Körper ist von mittlerem Gewicht, der Abgang schön lange. Er unterstreicht nochmals die Süffigkeit des Weins. Zum Fondue passt der Wein sehr gut, wird aber sicher von rezenteren Käsesorten geschmacklich platt gemacht.

Einen Tag später: Es gibt Zürigeschnetzeltes im Casa Flaschentester. Vom Féchy ist noch was übrig. Und da kommt die Überraschung des Tages: Diese Kombination gefällt mir sogar noch besser, als die mit dem flüssigen Käse.

Insgesamt kann ich absolut nachvollziehen, warum die Juroren dem Waadtländer Weisswein eine Medaille um den Flaschenhals gehängt haben. Der getestete Féchy ist ein fein strukturierter Weisswein, der sich durch seine Vielschichtigkeit angenehm von der Masse abhebt und schlicht geschmacklich überzeugt. Zu dem Preis sowieso. Ich gebe 17 Punkte.

Féchy Domaine Martheray

Punkte: 17/20
Passt zu: Zürigeschnetzeltem, Fondue, Raclette
Preis: Fr. 12.50

Kaufen kann man den Féchy hier