Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


Hinterlasse einen Kommentar

Henri Badoux – Aigle „Les Murailles“ 2011, Chablais AOC

Egal ob Manor, Mövenpick, Zanolari oder Coop – eine Flasche gehört scheinbar zur Grundausstattung jeder halbwegs gut sortierten helvetischen Weinhandlung. S’ist eine grüne aus dem Waadtland. Darin ein Chasselas aus der Appellation Chablais. Unverkennbar nicht zuletzt durch die kleine, neckische Eidechse auf dem Etikett.

Der Kanton Waadt ist mit seinen knapp 4’000 Hektaren Rebfläche das zweitgrösste Weinbaugebiet der Schweiz. Aufgrund der klimatischen Unterschiede wird das Waadtland heute in drei Zonen eingeteilt: Nördlichöstlich des Genfersees liegt Chablais mit so bedeutenden Appellationen bzw. Ortschaften wie Aigle oder Yvorne. Zwischen Lausanne und Montreux, am Ostufer des Sees liegt Lavaux, dessen Weinbergterassen seit 2007 zum UNESCO-Welterbe gehören.

Dazu gehört zum Beispiel die in der Deutschschweiz sehr bekannte Appellation Saint Saphorin. Hier gibt es unzählige, steilwandige Felsterassen mit Weingärten mit bis zu zwanzig Stockwerken, welche zum Teil bereits im 12. Jahrhundert von Zisterziensern mühseelig aufgebaut wurden. Die nebeneinander liegenden Lagen Dézaley und Calamin besitzen sogar Grand-Cru-Status. Die dritte Zone trägt den Namen La Côte. Dieser grösste Bereich, nordwestlich des Genfersees, liefert 40% der Waadtländer Weine. Bekannt sind unter anderem die Appellationen Aubonne, Féchy oder Mont-Sur-Rolle.

Château_d'Aigle

Château d’Aigle: Wahrzeichen und Weinmuseum.

Angebaut wird vor allem Chasselas, auch Gutedel genannt. Die Waadtländer sprechen von der Perlan. Gemeint ist immer dieselbe Traube. Das Waadtland ist bekannt für seine Weissweine. Die roten Sorten machen gerade mal einen Viertel der Gesamtfläche aus. Hauptsächlich Pinot Noir und Gamay entfallen auf diese. Zum Teil werden auch Syrah, Gamaret und andere Trauben bewirtschaftet. Das Genferseegebiet besitzt insgesamt 28 Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung, die in sechs Weinbaugebieten (AOC) gedeihen, von denen jedes seine topografischen und klimatischen Besonderheiten besitzt. Aufgrund seiner Grösse, aber auch der Vielfalt der Böden, des Klimas und der Lagen, ist das Genferseegebiet zweifellos das vielfältigste Weinbaugebiet der Schweiz.

Die von mir gekaufte Flasche ist ein typisches Produkt aus der Gegend. Der Chasselas mit dem Namen „Les Murailles“ stammt aus der Produktion der Henri Badoux SA in Aigle. Die Firma wird 1908 vom gleichnamigen Westschweizer gegründet. Das Familienunternehmen setzt sich bereits in jungen Jahren mit dem Namen Aigle in Verbindung mit dem berühmten Weinberg „Les Murailles“ durch. Drei Jahrzenhnte später übernimmt Badoux‘ Sohn Emile die Geschäfte, welche damals vor allem aus einer bescheidenen Weinhandlung bestehen. Die Erbschaft wird durch ihn zu einem – für Schweizer Verhältnisse – riesigen Weingut von über fünfzig Hektaren in den Appellationen Aigle, Yvorne, Ollon und Saint-Saphorin ausgebaut. Als Pionier führt er im Waadtland den dort noch kaum verbreiteten Blauburgunder ein. Mit der Vergrösserung des Betriebs wächst auch der gute Ruf des Unternehmens. Nicht nur in der Schweiz sind die Weine der Badoux SA beliebt, sondern vor allem auch in Deutschland und den Vereinigten Staaten. In den 90er Jahren übernimmt mit Olivier Badoux das Familienunternehmen in dritter Generation. 2008 wir die Geschäftsleitung an Kurt Egli abgegeben. Als Önologe zeichnet sich Daniel Dufaux verantwortlich, Jean-Pierre Luthi ist für den Weinbau zuständig. Der Betrieb verfügt über moderne Kellereien und arbeitet schon seit zehn Jahren nach den Standards der integrierten Produktion.

Das Gebiet Chablais am nordöstlichen Genfersee

Das Gebiet Chablais am nordöstlichen Genfersee.

Zum Wein: Ich schenke ein. Hoppla, beinahe habe ich das Gefühl einen Grünen Veltliner im Glas zu haben! Farblich überzeugt der Chasselas. Das schöne Hellgelb ist mit grünen Reflexen durchzogen. Die Nase ist ebenfalls sehr ansprechend. Es riecht nach Lindenblüten und erinnert durch reichlich mineralische Akzente wie Schiefer oder Kreide an manchen Riesling, den ich schon getrunken habe. Im Mund dann die totale Überraschung: Der Weisswein hat ganz leichten Sprudel, ist ungemein würzig, fast schon pfeffrig scharf. Auch hier findet man Ähnlichkeiten zum Grünen Veltliner. In mir erweckt der Wein sofort ein Instant-Kindheitsgefühl. Er erinnert mich an die alljährliche Beerenlese im heimischen Garten. Den Geschmack von frischen Stachelbeeren habe ich seither verinnerlicht. Dieser Wein schmeckt eindeutig danach. Der Abgang ist von mittlerer Länge, sehr trocken und bringt das Säurespiel nochmals deutlich zur Geltung. Als Essenspaarung versuchen wir’s zuerst mit frischem, grünem Rheintaler Spargel an hausgemachter Zitronen-Thymianmayonnaise. Diese Kombination erweist sich eher als suboptimal. Einen Tag später versuchen wir’s mit einer Auswahl halbharter und harter, reifer Käsesorten. Auch diese Paarung empfinde ich persönlich als problematisch. Der Wein hat enorm Druck und Eigengeschmack. Da wird nicht ergänzt, sondern platt gemacht. Ein sanft gegarter Fisch wird wohl am besten dazu passen. Der Waadtländer braucht Platz. So viel ist klar.

Der hier verkostete Johanniter hatte ganz ähnliche Probleme. Auch jener schmeckte an sich sehr gut, war aber schwierig mit Speisen zu kombinieren. Zum Thema Chasselas: Wie gross hier das Spektrum ist, beweist der kürzlich vorgestellte Domaine Martheray, ein Féchy der geschmacklich diametral anders gelagert ist als der „Les Murailles“. Obwohl aus derselben Sorte hergestellt, ist er feiner gegliedert und von der angenehm zurückhaltenden Sorte, besitzt keine derart dominante Schärfe, ist einfach(er) zu kombinieren und nur halb so teuer wie die Badoux-Abfüllung.

Fazit: Obwohl an jeder Ecke eine Echsen-Flasche der Henri Badoux-Kellereien steht, habe ich ein wenig Mühe mit der qualitativen Einordung dieses Westschweizer Traditionsprodukts. Auf der Habenseite steht ein unverfälschter, schön produzierter Weisswein mit regionstypischen Eigenschaften, dem gegenüber stört der hohe Preis, sowie die Schärfe und Würze des Weins, die bestimmt nicht jedermanns Sache ist. Hinzu kommt die eher schwierige Kombinierbarkeit mit allerlei Speisen. Mein Gaumen kann dem anscheinenden Marketing-Hype nicht ganz folgen. Wer jedoch würzig-intensive Weissweine mag, sollte zugreifen. Ich gebe 14 Punkte.

Aigle Les MuraillesPunkte: 14/20
Passt zu: Salzwasser-Fisch mit wenig Eigengeschmack, sehr milden Käsesorten
Preis: ab Fr. 17.- / € 21.80

Den „Les Murailles“ gibt’s zum Beispiel bei Manor, Zweifel, Mövenpick und Coop. Bei Zanolari momentan sogar zum Aktionspreis von Fr. 17.-

Advertisements


Hinterlasse einen Kommentar

Villa Cavarena – Ripasso 2010 by Allegrini

Der Name klingt wie derjenige eines italienischen Automobils aus den Achtzigern. Allegrini. Einer der Wagen, die schmuck ausschauen, ordentlich PS unter der Haube haben, vor allem bei schönem Wetter Spass machen und spätestens nach den ersten 1’000 Kilometern erste Verarbeitungsschwächen offenbaren. Solche Fahrzeuge wurden für ein junges Publikum designt. Bei Alexander von Essens Ripasso verhält es sich ganz ähnlich.

Manor haut momentan alle Weine seiner Selection zum Aktionspreis raus. Da mein Blog nach wie vor nicht fremdfinanziert wird, schlage auch ich zu und packe eine Flasche vom 2010er Villa Cavarena ein. Auf der Flasche steht by Allegrini. Ein weiteres Kaufargument. Schliesslich ist das norditalienische Weingut schon seit langem ein Garant für Spitzenerzeugnisse im Bereich Amarone und Ripasso. Sehr beliebt ist auch der reinsortige Corvina Veronese namens La Poja.

Valpolicella

Valpolicella: Blick auf das Tal der vielen Keller.

Der Betrieb liegt im Valpolicella, eine der namhaftesten Weinregionen Italiens. Die lateinische Ursprungsbezeichnung „val polis cellae“ – Tal der vielen Keller – weist bereits auf den traditionsreichen Hintergrund im lokalen Weinbau hin. Das Tal liegt im östlichen Venetien, zwischen Verona und Gardasee. Im Norden wird es durch die Monti Lessini, einem Hügelland, begrenzt. Insgesamt 6’000 Hektare Rebfläche werden bewirtschaftet.

Die Allegrinis sind hier seit Urzeiten ansässig. Bis ins 16. Jahrhundert lassen sich ihre Spuren zurückverfolgen. Noch heute führen Nachkommen – Franco und Marilisa Allegrini – den Betrieb. Der Ursprung des mehrere Weingüter umfassenden Unternehmens liegt im Fünftausendseelen-Dorf Fumane, nördlich von Verona. Eine der neueren Akquisitionen der Allegrinis ist die Villa Cavarena. Von hier stammt auch die Ripasso-Spezialabfüllung für die Von Essen Selection. Das 1998 erworbene Gut liegt in Mazzurega, nordwestlich von Fumane auf einer Höhe von 500 Metern über Meer und ist damit eines der am höchsten gelegenen im gesamten Valpolicella. Der Betrieb umfasst zwanzig Hektare. Angepflanzt werden Corvina Veronese, Corvinone, Rondinella und Oseleta. Die Reben stehen laut Produzent auf steinigen Kalkböden mit einer hohen Wasserdurchlässigkeit und einer sehr guten Exposition bezüglich Sonne und Wind.

Das alles macht Hoffnung. Schliesslich haben mich auch die letzten beiden Rotweine der selben Selection überzeugt. Erwartungsvoll öffne ich den Ripasso, – und prompt bricht mir der Korken ab. Ein böses Omen? Wir werden sehen. Ich schenke ein. Im Glas scheint der Rotwein in einem dichten Rubinrot mit schwarzem Kern. Man sieht gerade noch knapp durch. Basis des auf Amaronetrester vergorenen Rotweins sind übrigens die beiden autochthonen Sorten Corvina Veronese (70%) und Rondinella (30%). Der Wein duftet sehr intensiv. Ich rieche vor allem Beeren, Lakritze, eine undefinierbare, sprittige Note und etwas Holz. So weit so gut. Nach einem ersten Schluck bin ich erst einmal zufrieden. Der Ripasso ist süffig und macht von Anfang an keinen schlechten Eindruck. Der Abend ist noch jung. Das Essen steht auf dem Tisch. In Kombination mit den Speisen wird noch deutlicher wie süsslich, fast schon marmeladig der Wein ist. Nach dem Essen nehmen wir die angetrunkene Flasche mit in’s Wohnzimmer. Und mehr und mehr zeigt sich, was das Problem ist.

FiatFerrari

Wäre der Wein ein Automobil, würde ein Logo eines grossen italienischen Automobilherstellers die Flasche zieren. Fiat oder Alpha Romeo erscheinen vor dem geistigen Auge. Im ersten Moment macht er nämlich ordentlich Punkte. Durch die Flasche, den Namen und den Preis. Auch geschmacklich gibt der Valpolicella was her: Er ist süsslich, süffig und fruchtig. Ein Wein, den man für gut befindet. Nach einigen Kilometern, pardon, Schlucken, offenbart der Ripasso aber mehr und mehr seine Schwächen. Zum einen hat er keinen Charakter, er ist belanglos und nichtssagend. Der Blendeffekt hält nicht länger als ein Glas lang an. Spätestens dann vergeht einem allmählich das Nippen an diesem süsslichen Fruchtaufguss. Zum anderen bringt der Abgang meines Erachtens eine leichte, metallische Fehlnote. Es schmeckt nach rostigem Nagel. Nicht zuletzt lässt aber vor allem die Gesamtbalance zu wünschen übrig. Es ist zwar alles vorhanden – Säure, Frucht, Würze und Tannine spielen aber nicht in der selben Mannschaft. Schade. Das schlechte Vorzeichen hat sich manifestiert.

Der Vollständigkeit halber noch meine restlichen Notizen. Auf der Flasche steht 13.5% und auch das DOC-Label findet man. Im Glas ist der Italiener leicht ölig. Im Mund: Säure trotz reichlicher Süsse, durchaus trockene, herbe Eigenschaft, süffig, mittleres Gewicht. Ausserdem Teer, wenig Vegetabiles, etwas Gras, wenn überhaupt. Abgang: Säure verzieht sich, Nachhall beerig, sprittige Komponente wieder deutlich wahrnehmbar. Ende Degustationsnotiz.

Fazit: Was soll ich sagen? Ich versuch’s nochmals mit der Automobilindustrie: Auch wenn Fiat und Ferrari zum selben Konzern gehören, könnten die Unterschiede der verschiedenen Produktlinien nicht grösser sein. In etwa so verhält es sich bei Alexander von Essens Abfüllung. Auch wenn Allegrini draufsteht, ist keiner drin. Oder nur ein drittklassiger. Dieser Rotwein hat nichts mit dem klassischen Ripasso gemein. Es handelt sich vielmehr um einen dieser neuen Mode-Valpolicellas. Der Rotwein zielt klar auf eine junge, unerfahrene Kundschaft ab: Die Flasche schaut nett aus, der Wein ist auf Anhieb geniessbar, lullt einem mit seiner Süsse und Fruchtigkeit sofort ein und kann ohne Dekantieren, Temperieren oder sonstwelche Gadgets getrunken werden. Seine Charakterlosigkeit macht ihn zudem massentauglich. Eine Bewertung fällt mir schwer. Nach der Formel erster Eindruck + zweiter Eindruck geteilt durch zwei, komme ich deshalb heute unter’m Strich auf knappe 14 Punkte.

VillaCavarenaRipasso2010Punkte: 14/20
Passt zu: Fleisch (Rindsfilet, Osso Bucco, Braten)
Preis: momentan für Fr. 12.50 statt Fr. 16.90 / € 11.90

 

Den Ripasso by Allegrini gibt’s bei Manor oder VinoScout zu kaufen. Die deutlich teureren Wein-Ferraris aus dem Hause Allegrini findet man zum Beispiel in der Vinothek Brancaia.

P.S. Einen sehr lesenswerten Artikel zum Problem Ripasso gab’s 2009 in der Zeitschrift Merum.


Hinterlasse einen Kommentar

Frohe Ostern: Biokult Zweigelt Rosé 2011

Etwas uninspiriert kaufe ich neulich einen Rosé. Ein Grüner Veltliner desselben Labels hat mich schon lange als einfacher Saufwein überzeugt. Der Rosé soll’s jetzt auch tun. Nach der Verkostung sitze ich wieder mal vor einem leeren Blatt digitalen Papiers. Ein Artikel will geschrieben werden. Meine Recherchen beginnen. Nicht lange, und ich bin um eine Erkenntnis reicher: Bio ist Bio, und Coop ist Delinat. – Hä? Und was hat das eigentlich alles mit Ostern zu tun? Gemach, gemach.

Gehörst du auch zu den Konsumenten, die Wein aufgrund des Etiketts aussuchen? Dann sind dir die Weine des Biokult-Labels bestimmt schon aufgefallen. Die hübschen Flaschen gehören zu Coop’s Naturaplan-Linie. Es sind relativ preiswerte Weine. Und es steht fett Bio drauf. In den Regalen des Grossverteilers findet man einen Zweigelt, den erwähnten Grünen Veltliner und den hier getesteten Rosé. Ausser Bio haben sie vor allem eins gemeinsam: Den Preis. Jede Flasche kostet exakt genau gleich viel. Nämlich elf Franken und fünfzig Rappen. Strategie? Subvention? Wahnsinn? Man weiss es nicht.

WeinEi

Schatz ich hab‘ ein Ei gefunden: So schön kann Ostern sein.

Erzeugt wird der Biokult-Rosé auf dem Weingut der Michlits. Dieses befindet sich im beschaulichen Pamhagen. Also in Niederösterreich. Es handelt sich übrigens um den grössten Biowein-Betrieb Österreichs. Die umtriebige Familie produziert in erster Linie die bei uns recht beliebten Meinklang-Weine. Das Traubenmaterial für die Biokult-Abfüllungen stammt jedoch von Bio-Winzern aus der Gegend. Biokult ist ein Gemeinschaftsprojekt unter dem Hut des gleichnamigen Labels. Der Michlitsbetrieb ist für die Vinifizierung zuständig. – Meinklang-Produkte kriegt man in unseren Breitengraden bei Delinat, Biokult bei Coop. Beides ist Bio, beides stammt vom gleichen Gut. Na ja, das eine voll und ganz, das andere, was die Weinbereitung betrifft. Anderes Geschäft, gleiche Baustelle, gewissermassen. So viel also zum Eingangstext.

Zurück zum Thema: Für den Rosé muss die Nationaltraube unserer Nachbarn – Blauer Zweigelt – herhalten. Der Ertrag wird mit sechzig hl/ha angegeben. Für diese Preisklasse also eine Ernte im üblichen Rahmen.

Die Vinifizierung des Rosés erfolgt traditionell. Die Reifung erfolgt während sieben Monaten im Stahltank. Aber Werner Michlit hat auch eierförmige Tanks. Jawohl, eierförmig. Hab‘ ich doch noch die Kurve zu Ostern gekriegt. Ha! – Der Winzer ist davon überzeugt, dass die Natur mit dem Beton-Ei eine ideale Form für die Reifung gefunden hat. Die speziellen Tanks nach französischem Vorbild, sollen eine reiche Aromenentfaltung und höchstmögliche, natürliche Stabilität bzw. Balance aller Komponenten gewährleisten.

Nun, auch ohne Ei-Einsatz ist in Niederösterreich ein ordentlicher Rosé herangereift. Im Glas scheint er in einem sehr ausgeprägten Granatrot. Das Bouquet duftet intensiv nach Pfirsich. Jawohl Pfirsich! Und nicht Zweigelt-Kirsche, wie in der Degu-Notiz auf dem Etikett steht. Spontan erinnert mich der Duft, und auch der Geschmack, an jugendliche Erfahrungen mit Pesca Frizz. Im Mund schmettert der Biokult-Wein einem ebenfalls intensivste Frucht entgegen. Sehr angenehm beim ersten Schluck, etwas langweilig bei den folgenden. Ausser Pfirsich, leichter Süsse und Frischegefühl kommt nämlich nicht mehr viel nach. Der Körper ist leicht, der Abgang kurz, der Wein süffig. Punkt. Aus. Ende.

Fazit: Der Biokult-Rosé erreicht leider bei weitem nicht die Geschmacksdichte eines Tour de Mirambeaus oder einer von Daniel Lloses Abfüllungen. Trotzdem weiss er durch seine direkte, schlichte und ungekünstelte Art zu gefallen. Ein Land-Rosé, sozusagen. Bei uns gibt’s einen Fitnessteller mit paniertem Kalbsschnitzel dazu. Diese Kombination geht ganz ordentlich über die Bühne. Als Apérowein, für Bowlen oder zu frischen, frühlingshaften und leichten Gerichten passt der Biokult-Rosé bestimmt auch ganz gut. Der Preis ist attraktiv. Die Pfirsichfrucht ebenfalls. Ich gebe 14 Punkte.

BiokultRosé

Punkte: 14/20
Passt zu: Fitnesstellern, leichten Gerichten, Apéros, Bowlenattacken
Preis: Fr. 11.50

Der Biokult-Rosé steht bei Coop in den Regalen. Die Meinklang-Weine der Michlits gibt’s bei Delinat oder www.probiowein.de 


Hinterlasse einen Kommentar

La Grande Chapelle blanc – Antoine Moueix 2010

Bordeaux = alte Welt. Diese Formel bewahrheitet sich nicht zuletzt dadurch, dass nach wie vor circa siebzig Prozent aller dort produzierten Weine durch sogenannte Négociants vermarktet und verkauft werden. Also wie seit Urzeiten durch Händler, die entweder ein Vorkaufsrecht auf Weine von (Spitzen-)Châteaux besitzen, oder Weine verschiedener Herkunft erstehen, diese dann verschneiden, abfüllen und unter eigenem Namen vermarkten. Der Grande Chapelle gehört zu letzterer Gattung. Die Flasche ziert ein grosser Name: Moueix. Zeit für ein kurzes Familienportrait.

Antoine Moueix ist schon lange tot. Der Geschäftsmann kam ursprünglich aus Corrèze. 1905 gründete er in Saint-Émilion das Maison Antoine Moueix. Fünf Generationen folgten ihm und führen seine Tätigkeit als Négociant bis in die Gegenwart fort. So besitzt ein Teil seiner Abkömmlinge heute verschiedene Rebberge in Pomerol und Saint-Émilion. Jean-Michel und François Moueix gehören die Güter Clos Beauregard, Clos Toulifaut, Château Rochebrune, Clos Belle Rose. Die Kinder seines Ururenkels sind Besitzer von Châteaux Taillefer, Fontmarty, Tauzinat L’Hermitage und Le Grand Treuil.

Antoine Moueix

Négociant Antoine Moueix

Jean Pierre Moueix gründete 1937 ein Négocianthaus am Quai du Priourat in Libourne. Seine Investitionen in Weingüter der Region in den früher 50er Jahren brachte der Familie Moueix mehr und mehr Einfluss auf den französischen Weinmarkt. Nicht zuletzt als Folge davon, stieg die Reputation von Weinen aus dem Pomerol. Antoine Moueix, ein Onkel von Jean Pierre Moueix, erstand 1947 Château La Tour du Pin Figeac. Es folgten weitere Käufe: Château Magdelaine 1952, die Châteaux Trotanoy, Lagrange und La Fleur-Pétrus 1953, und die schrittweise Teilhaberschaft an Château Pétrus ab 1961, gefolgt von Château Latour 1962. Schritt für Schritt wurde das Moueix-Imperium erweitert. Château Hosanna, Providence und Château Belair folgten. Auch vor kalifornischen Ankäufen schreckte man nicht zurück. So erwarb die Familie schon bald das im Napa Valley gelegene Weingut Dominus Estate.

Jean-Pierre Moueix trat 1978 von den Geschäften zurück und starb 2003. Anfang der 90er wurde sein Sohn – Christian Moueix – Präsident des Familien-Imperiums, währenddem Jean-Pierres Grossenkel – Edouard Moueix – seit 2003 für den Verkauf zuständig ist.

Die vor mir stehende Flasche trägt denn auch in grossen Lettern den Namen des Gründervaters. Wie das bei Négociant-Weinen so ist, erfährt der Kunde leider recht wenig über die Herkunft des Traubenmaterial. Klar, Bordeaux steht drauf und auch ein AC-Label ist zu finden. Lediglich die beiden verwendeten Traubensorten stehen auf dem Etikett: Sauvignon blanc und Sémillion – wer hätte das gedacht. Auf der Webseite des Herstellers erfahre ich wenigstens, dass das die Trauben aus dem Entre-Deux-Mers bezogen werden. Na wenigstens das wird deklariert.

Gekauft habe ich den Weisswein übrigens aus einer Laune heraus im Manor. Reviews von Bordeaux blancs hatten wir ja schon einige auf diesem Blog: Thieuley, Pierrail und Bonnet. So weit ich mich erinnern kann. Moueix’s Bordeaux blanc kostet gerade mal Sieben Franken Fünfundneunzig. – Ja, ja, ich geb’s ja zu: Mich reizt nach wie vor der Gedanke, mal was Ordentliches, eine Art Knallbonbon für weniger als zehn Franken zu entdecken. – Schauen wir mal.

Farblich zeigt sich der Grande Chapelle in einem leicht blassen Quittengelb. Ein Hauch Grün scheint ebenfalls mit. Ich halte meine Riechorgan ins Glas. Hm, das Bouquet ist bescheiden. Es duftet zurückhaltend nach Frühlingsblumenfeldern, Veilchen und Zitrusfrüchten. Ich bin gespannt, was jetzt kommt. Hoffentlich ist’s nicht wie beim Bonnet. Der roch ähnlich verhalten, was sich im Mund dann leider fortsetzte. Moueix’s Abfüllung gefällt mir auf Anhieb besser. Der Weisswein besitzt eine Lieblichkeit, welche mit einer schönen, frischen Zitrussäure gepaart ist. Der Körper ist auf angenehme Art und Weise fruchtig-säuerlich, der Abgang von mittlerer Länge, der Nachhall schön weich und zart. Der Wein hat etwas Weiches, Feminines. Er wirkt leicht süsslich. Kaum wahrnehmbar, aber gerade so, dass er sich als preiswerter Apéro- und Saufwein prädestiniert. Was mir fehlt, ist Tiefe, Intensität, Ausdruck, Charakter, oder wie man das immer nennen mag. Im Vergleich zu einem Thieuley oder einem Pierrail ist er langweilig und eindimensional. Überzeugend wirken jedoch seine Ausgewogenheit, seine Lieblichkeit und natürlich der Preis. Ich gebe 14 Punkte.

      La Grande Chapelle blanc - Antoine Moueix 2010  Weiterempfehlen La Grande Chapelle blanc - Antoine Moueix 2010

Punkte: 14/20
Passt zu: Apéros, gegrilltem Salzwasserfisch, Meeresfrüchten
Preis: Fr. 7.95

Den La Grande Chapelle 2010 kann man hier kaufen.


Hinterlasse einen Kommentar

Rustikaler Italiener: San Michele a Torri – Chianti Colli Fiorentini DOCG 2010

Irgendwie tun mir die Italiener ja leid. – Die Leute, nicht die Weine. Da schaffen sie ihren selbstverliebten und machtsüchtigen Cavaliere ab, nur um ihn einige Zeit später wieder im Wahlkampf anzutreffen. Schuld daran sind ein politisches System und eine Parteienlandschaft, welche kaum noch jemand an der Basis versteht. Ganz ähnlich verhält es sich mit italienischen Weinen und ihren Deklarationen. Bestes Beispiel dafür: Der Chianti.

Das Klassifizierungen bei Weinen mitunter kompliziert sind, habe ich ja schon beim Thema Bordeaux aufzuzeigen versucht. Beim Chianti verhält es sich ganz ähnlich. Zum einen wird das Chianti genannte Gebiet – ähnlich dem Bordelais – nämlich in einzelne Anbauflächen aufgeteilt, zum anderen werden die dort produzierten Weine in ein Zertifikatssystem eingereiht, welches Gutes will, aber nicht immer einfach zu durchschauen ist.

Chianti Anbaugebiete

Die Anbauflächen des Chiantis liegen in der Toskana. Das Gebiet erstreckt sich von Pisa bis Montalcino. Neben dem meist hochwertigen Chianti Classico wird die Region heute offiziell in sieben Provenienzen* unterteilt:

  • Chianti Rufina (Pontassieve)
  • Chianti Colline Pisane (Pisa)
  • Chianti Montalbano (Carmignano)
  • Chianti Colli Fiorentini (Florenz)
  • Chianti Colli Senesi (Siena)
  • Chianti Aretini (Arezzo)
  • Chianti Montespertoli

Klassifiziert werden italienische Weine aufgrund der Qualitätsstufen vini da tavola, IGT (Indicazione Geografica Tipica), DOC (Denominazione di Origine Controllata) und DOCG (…e Garantita). Das DOC-System wurde Anfang der Sechzigerjahre in Anlehnung an das französische AC-System eingeführt, um qualitativ hochwertigere Weine von den gewöhnlichen „Tafelweinen“ abzugrenzen. Natürlich auch mit dem Ziel nachhaltige Qualitäten italienischer Weine zu produzieren. Wobei bis heute die beiden Labels vor allem für höchste Qualität in der Produktion stehen. Es ist unumstritten, dass die Toskana auch hervorragende Weine ohne Zertifikat hervorbringt. DOC und DOCG stehen nämlich nicht per se für Spitzenweine. Auch hier wird die Parallele zu Frankreich offensichtlich: Klassifizierungen sagen nur begrenzt etwas über die Qualität von Weinen aus. Auch in Italien. Bei DOC und DOCG-Produkten hat man aber wenigstens die Gewissheit um ordentliche Produktionsmethoden. So zum Beispiel auch bei Käse und Olivenöl, welche eines dieser Labels tragen.

Bei Weinen spezifiziert das DOC-Label unter anderem die zugelassenen Anbaugebiete, die Rebsorten, den Maximalertrag pro Hektar, den zulässigen Alkoholgehalt und vieles mehr. DOCG-Weine dürfen ausserdem nur vor Ort abgefüllt werden. Der Höchstbetrag pro Gebinde umfasst fünf Liter. Italien kennt insgesamt siebzig Weine, welche diesen Spezifikationen entsprechen. Darunter viele bekannte Namen wie Brunello di Montalcino, Amarone della Valpolicella oder Barbera d’Asti. Spitzenweine findet man – wie erwähnt – vor allem bei Flaschen mit dem Aufruck Chianti Classico. Grundsätzlich werden Chiantis immer aus Sangiovese-Trauben erzeugt. Oft sind sie reinsortig hergestellt, manchmal werden sie durch Beigabe von Trebbiano und Malvaisa jedoch auch früher trinkreif gemacht. Die Vorschrift, das Chianti auch einen gewissen Anteil weisser Trauben enthalten soll, wurde glücklicherweise überwunden. Auch die typischen Bastflaschen findet man heute nicht mehr flächendeckend. Schade eigentlich.

Erzeuger des getesteten Colli Fiorentinis und Besitzer der Fattoria San Michele ist Paolo Nocentini. Laut eigener Aussage verfolgt er ein Ideal: Den „guten alten“ traditionellen Chianti. Die Sangiovesestöcke lässt er dafür extra in einer Baumschule aus Reisern eines 80 Jahre alten eigenen Weinberges nachzüchten, weil er sicher ist, dass diese besser sind, als die modernen Klone. Entsprechend niedrig ist allerdings der Ertrag. – Aber nicht nur Sangiovese bildet das Material für diesen Chianti. Dazu gesellen sich noch 15 Prozent Canaiolo und fünf Prozent Colorino.

San Michele a Torri

San Michele a Torri in Scandicci nahe Florenz

Und tatsächlich, Nocentinis Chianti schmeckt durch und durch traditionell. Er ist sehr trocken, herb und besitzt eine deutliche Restsäure. Insgesamt wirkt er etwas hölzern, hat aber ausreichend Frucht. Der Wein ist lebhaft und tanninreich, bringt aber trotzdem eine schöne Samtigkeit – vor allem im Abgang. Das Bouquet ist sehr intensiv. Es erinnert ein wenig an Glühwein, Orangen, Gewürze, Beeren und diverse vegetabile Erdtöne. Die Farbe ist ein ausgeprägtes, fast glühendes Granatrot. Romanin meint, dass er zu Pasta passe. Das kann ich absolut nachvollziehen. Wobei mir der kürzlich vorgestellte Primitvo als Essenspaarung zu einer Bolognese weitaus mehr zusagte.

Fazit: Der San Michele a Torri ist ein klassischer, ländlicher Chianti. Zwar wird er nicht reinsortig aus Sangiovese-Trauben hergestellt, trotzdem hat man einen traditionellen, das Terroir widerspiegelnden, Rotwein im Glas. Wer fruchtig-frische Chiantis, oder Weine mag, ist mit diesem hier falsch bedient. Nocentinis Toskaner gehört zur ernsteren und für die längere Flaschenlagerung konzipierten Art. Mir persönlich ist der Bio-Wein zu trocken, zu hölzern und ein wenig zu aggressiv ausgefallen. Ich gebe deshalb 14 Punkte.

Fattoria San Michele a Torri Chianti

Punkte: 14/20
Passt zu: Pasta, mediterraner Fleischküche
Preis: Fr. 16.80

Den Chianti der Fattoria San Michele a Torri kann man hier kaufen.

 

 

 

 

 

* Zur Politik: Italien kennt sage und schreibe 169 (!) politische Gruppierungen. – Ok, Wein ist doch einfacher.


Hinterlasse einen Kommentar

Dr. Loosen Riesling QbA 2011

Kampf dem Januarloch: Teil II – Deutschland ist bekannt für seine Rieslinge. Gerade in den letzten Jahren ist das Interesse an den Weinen von Mosel, Rheingau & Co. erfreulicherweise stetig gewachsen. Das ich von der alt eingesessenen Traubensorte ebenfalls hell begeistert bin, habe ich schon mehrfach erwähnt. Dass es auch trinkbare Rieslinge jenseits der Zehnfrankenmarke gibt, gilt es zu beweisen. Hoffnungsvoll stürze ich mich in das Experiment. Dr. Loosen assistiert.

Zur Popularität des Rieslings hat nicht zuletzt der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter, kurz VDP, beigetragen. Dieser arbeitet nämlich seit Beginn der 90er kontinuierlich an einer Vereinheitlichung der Klassifizierung und einer damit einhergehenden Qualitätssicherung von Weinen der VDP angehörigen Weingüter.

Bei der vor mir liegenden Flasche handelt es sich um die billigste Abfüllung des Weinguts Dr. Loosen. Dieses Ausnahmegut hat eine zweihundertjährige Geschichte hinter sich und gehört wie Molitor, Van Volxem, Von Buhl und andere zur Champions-League der deutschen Rieslingsproduzenten. Auf dem Etikett steht QbA. Dies bedeutet „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“. Weine dieser Stufe stehen qualitativ zwar über einfacheren Tafel- oder Landweinen, dürfen aber dennoch verbessert werden. Das heisst im Klartext nichts anderes, als dass zum Beispiel vor der Gärung aufgezuckert werden darf. Diesen Vorgang nennt man Chaptalisation. Und ja, der Loosen ist garantiert chaptalisiert worden. Da wette ich meinen Allerwertesten darauf.

WeingutLoosen

Ernst Loosen: Decanters „Man of the year 2005“

Die Flasche hat einen Drehverschluss. Auf dem Etikett steht Mosel/Bernkastel. Erinnerungen werden wach. Die Genussreife wird von Coop übrigens mit 2016 angegeben. Allzu schnell muss er also nicht getrunken werden. Schön. Ich schenke ein. Man könnte meinen, dem Riesling sei ein Geist erschienen, so blass zeigt er sich im Glas. Ein blass-gelbes Wässerchen ist er, dieser Loosen. Die Nase ist unspektakulär. Es duftet ein wenig nach Pfirsich und Ananas, Mineralisches ist nicht auszumachen. Ein erster Schluck lässt mich ein wenig schmunzeln: Da hat aber jemand ordentlich vom Zucker Gebrauch gemacht! Dafür ist er leider ziemlich säurearm. Etwas mehr hätte er schön vertragen. Der Körper ist leicht und erfrischend. Der Abgang schmeichelnd und für diese Qualitätsstufe erstaunlich lange. Insgesamt werden Erinnerungen an Kabinetts, oder gar einen Moscato d’Asti wach. Der Riesling hat gerade mal 8.5 Volumenprozent und ist nicht zuletzt deswegen süffig ohne Ende. Davon könnte man mal eben so eine ganze Flasche alleine bechern. Zugegeben, nach dem ersten Glas wird’s geschmacklich etwas langweilig. – Doch genau hier kommt das Essen ins Spiel. Was kocht man denn zum Loosen? Ich meine: Asiatische Gerichte. Bei uns gibt’s zum Beispiel wieder mal was vom indischen Subkontinent. Dazu passt er, der Dr. Loosen. Und wie er dazu passt! Zwar interagiert er kaum mit dem Essen, er ist aber dennoch unterstützend und vor allem erfrischend. Er ergänzt Würzig-Scharfes äusserst schön durch seinen süssen und säurearmen Charakter. Auch Bernd‘ Kreis Taschenbuch über Essenspaarungen bestätigt mir diesen Eindruck. Weiss, süss und säurearm passt zu scharf und pikant. BINGO!

Fazit: Der Dr. Loosen QbA ist ein günstiger Wein, der vielen schmecken wird, denen Wein immer zu säurehaltig ist. Er ist süffig, kann noch ein, zwei Jährchen gelagert werden und passt zu asiatischem Essen. Für sich alleine genommen ist er etwas langweilig und – sehr süss. Nichtsdestotrotz könnte das mein neuer Favorit zu Fleisch- und Gemüsecurrys werden. Zu dem Preis eine unschlagbare Kombo. Kostet doch die Flasche gerade mal Acht Franken Sechzig. Im 6er Karton sogar nur Fr. 7.70. Das nenne ich preiswert. Chaptalisation hin oder her: Ich gebe 14 Punkte.

DrLoosenQbA2011

Punkte: 14/20
Passt zu: asiatischem Essen
Preis: Fr. 8.60

Kaufen kann man den Dr. Loosen QbA hier


Hinterlasse einen Kommentar

Château Partarrieu, Sauternes AOC, 2011

Kampf dem Januarloch: Teil I – Ein alljährliches Ereignis erschwert den Genuss. Nein nicht Weihnachten, Silvester und dergleichen ist gemeint, sondern der Umstand, dass in vielen Brieftaschen pünktlich zum Neujahrsbeginn gähnende Leere herrscht. Deswegen auf Wein verzichten? Mineralwasser und Sirup kredenzen? Ne, ne, geht ja gar nicht, so was. Also: Alle Jackentaschen checken, Billettautomaten auskratzen und Geheimfächli im Portemonnaie leeren! Diesen Monat geht’s ausschliesslich um Flaschen unter zehn Franken.

Mein Sparprogramm beginnt im Denner. Auf dessen Homepage finde ich einen Sauternes. Ja, einen Sauternes. Richtig, im Denner. Auch ich habe gestaunt. Denners Wein der Woche wird als 50cl-Flasche verkauft. Es handelt sich um einen 2011er. Produzent ist Château Partarrieu. Noch nie davon gehört? Mir geht es genauso. Nichtsdestotrotz möchte ich wissen, was ich von einem NeunFrankenFünfundneunzig-Noname-Franzosen erwarten kann. Im Netz findet man von Herstellerseite nämlich keine Informationen, nicht mal eine Homepage. – Die Spannung steigt.

Januarloch

Maximalbudget im Januar: Zehn Franken

Nachdem ich fünf Minuten vor Ladenschluss die Flasche bei einem Feierabendreifen Angestellten bezahle, wandert diese zuerst in meine Fahrradtasche und nach kurzer Fahrt schliesslich im Kühlschrank. Einen Tag später ist es dann soweit: Salzige Käsesorten und Brot stehen bereit. Zusätzlich etwas Enten-Mousse, Gurkenscheiben und schwarze Oliven. Ich schenke ein:

  • Farbe: Goldgelb mit erstaunlich sattem Teint für einen derart jungen Sauternes
  • Bouquet: charakteristische Noten von Caramel, Honig, Aprikose, Grapefruit und Birne (?)
  • Mund: etwas plumpe Süsse, Frucht, merklich vorhandene Säure, eindimensionale Struktur, leicht metallischer Anklang
  • Körper: eher leicht, flüchtig
  • Abgang: kurz

Wie schmeckt ein Sauternes für zehn Franken?

Das Fundament fehlt, der Körper lässt Einiges an Intensität und Charakter vermissen und der Abgang ist nicht der Rede wert. Trotzdem schmeckt er nicht übel. Ehrlich! – Klar, verglichen mit einem Doisy-Védrines oder einem Rieussec ist der Partarrieu ein Leichtgewicht. Dennoch ist er sein Geld wert. Es ist ein preiswerter Sauternes für Montag bis Donnerstag. Einer, den man mal eben so öffnen kann, einer der für kleines Geld ordentlich Spass macht, und einer der getrunken und nicht gelagert werden will. Auch solche Weine braucht die Welt. Schliesslich ist es Mittwochabend und die nächsten Festtage lassen auf sich warten. Ich gebe 14 Punkte.

Chateau-Partarrieu-Sauternes 2011Punkte: 14/20
Passt zu: salzigem Käse, Desserts, Foie Gras, Terrinen
Preis: Fr. 9.95/50cl

Kaufen kann man den Château Partarrieu hier