Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen


Hinterlasse einen Kommentar

Live Brune S Rosé Spumante

Trotz zahlreicher Weltuntergangsszenarien in letzter Zeit, und obwohl Papst Benedikt heute Mittag seinen Rücktritt angekündigt hat, dreht sich die Welt überraschenderweise nach wie vor in gewohnten Bahnen. Für mich heisst das, dass ein weiterer Rosé getestet werden will. Und zwar ein Rosé-Schaumwein. Passend dazu steht ein Süsswasserfisch – genauer eine Forelle – auf der Speisekarte. Das Rezept dafür stammt aus einem meiner Lieblingskochbücher. Da kann ja nicht mehr viel schief gehen. Denkste.

Der Live Brune S ist einer der Tropfen, die unter dem Label Selection Alexander von Essen im Manor erhältlich sind. Das S steht wohl für spumante. Ein Gesprudelter also. Dass ich Alexanders Selection mag, konnte man schon in anderen Artikeln nachlesen. So erhielten zum Beispiel der portugiesische Quinta do Zambujeiro Z, oder der spanische Palomar Monastrell Juan Gil recht ordentliche Punktzahlen. Zu Recht, wie ich meine. Daher bin ich auch auf den venetianischen Schaumwein gespannt wie ein Flitzebogen. Einzig der Preis macht mich ein wenig skeptisch. Liegt er doch unter zehn Franken. Kein Indiz für schlechten Wein per se. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber erfahrungsgemäss.

Hergestellt wird der perlende Rosé von den Cantine Maschio. Die Weinkellereien liegen bei Campo Cervaro, unweit des Städtchens Conegliano, wiederum eine der Hochburgen des Proseccos. Der Live Brune S ist eine Spezialabfüllung für die Selection A. von Essen. Bevor das Abendessen aufgetischt wird, schenke ich schon mal ein. Der Rosé scheint in einem lieblichen Antikrosa. Die Nase ist eindimensional. Lediglich etwas Erdbeere dringt zu meinem Riechorgan. Wir stossen an. Die Perlage empfinde ich als künstlich und unangenehm. Es ist zu viel des Guten, was man allerdings vom Geschmack nicht sagen kann. Es schmeckt – Verzeihung – nach nichts. Lediglich ein paar wenige Beeren tummeln sich da irgendwo im Gaumen. Man könnte meinen, die Flasche habe schon einige Tage offen im Kühlschrank verbracht, bevor jemand noch etwas Kohlensäure nachgeschossen hat, um sie dann als vermeintlich frisch geöffnet zu kredenzen. Das, was ich hier im Glas habe ist gefärbtes Wasser mit Beerengeschmack, leichter Säure und massig Sprudel. Fehlt nur noch der Zucker und man hat eines dieser Dosengetränke für die Szene-Girls, welche sich am Wochenende auf dem Weg zum Club in Tanzlaune trinken wollen. Paaah!

Nochmals in aller Deutlichkeit: Dieser Schaumwein ist LAAAAAANGWEILIG. Klar kann man ihn trinken. Klar ist er geniessbar. Aber macht er auch Spass? Nein. Lohnt sich der Kauf? Auf keinen Fall. Gibt es Besseres aus dieser Selection? Ja, definitiv. Vielleicht taugen ja die Prosecci derselben Weinkellerei was. Wir werden sehen.

Machen wir’s kurz: In diesem Fall stimmt für einmal die Phrase „Qualität hat ihren Preis“. Da letzterer beim vorliegenden Rosé-Schaumwein unter zehn Franken liegt, kriegt man halt auch einen entsprechenden Wert in’s Glas. Sorry Alexander, aber mir schmeckt dein Italienischer Sprudelwein nicht. Positiv formuliert: Die Ausnahme bestätigt die Regel. Ich gebe 11 Punkte.

Live Brune S Rosé Spumante

Punkte: 11/20
Passt zu: Apéro, Süsswasserfisch, Krustentieren
Preis: Fr. 9.95

Kaufen kann man den Schaumwein hier

Advertisements


Hinterlasse einen Kommentar

Baron de Rothschild Réserve Spéciale Bordeaux blanc AOC 2011

So, so, ein Rothschild für neun Franken achtzig. Das war mein erster Gedanke. Ich hatte Lust auf Sushi und brauchte noch kurzfristig einen passenden Weisswein. Welcher soll es werden?

Unentschlossen steh‘ ich im Coop vor den Weinregalen, als mir diese Flasche auffällt. Schön sieht er aus, der weisse Bordeaux. In einem hellen Goldgelb leuchtet er mir entgegen. Mein Entschluss ist gefallen, ich geb‘ dem Franzosen mit dem klangvollen Namen eine Chance.

Der erwähnte Baron ist den meisten wohl eher geläufig als verstorbener Besitzer eines der berühmtesten Châteaux der Welt, dem Château Mouton-Rothschild. Nach einer kurzen Recherche auf einer der nervigsten Webseiten seit langem, bestätigt sich mein erster Gedanke, nämlich dass es sich hier um einen Wein des Billig-Labels der Rothschild S.A. handelt. Wie könnte es auch anders sein.

Im Glas wirkt er etwas blass. Ein Bleichschnabel von einem Wein, denke ich mir und halte die Nase tief ins Glas. Es riecht blumig, aber sehr unaufdringlich. Es ist dieses typische Bouquet, welches meiner Erfahrung nach Verschnitte aus Sémillon und Sauvigon ergeben. Auch der im Denner-Sortiment relativ neue Château Bonnet bringt diesen typischen Duft zur Entfaltung. Es riecht nach Frühling, nach einem Potpurri von jungen Blüten, irgendwie mädchenhaft. Das Bouquet ist sehr flüchtig, ein erster Schluck unspektakulär. Der Wein füllt nicht aus, zudem bleibt er oberflächlich, geradezu eindimensional. Hat man ihn geschluckt, hinterlässt er keinen bleibenden Eindruck. Er wirkt wässrig, der Körper zerbrechlich, wenig intensiv, eher wie ein laues Lüftchen. Für Bowlen, die Weisswein-Variante des Aperol Spritz, oder als einfacher Kochwein reicht er aber allemal. Für alles andere ist er nicht zu gebrauchen.

Wenn man den Bordeaux blanc unbedingt kaufen möchte, kann man das hier tun. Ich rate allerdings davon ab.

Punke: 11/20
Verwendung:  Bowlen, Mixgetränke, Kochwein
Preis: Fr. 9.80