Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen

Was zu pechern: Château Pech-Latt, Grande Réserve, Corbières 2012

5 Kommentare

Bio = teuer. Seitdem Bio-Produkte salonfähig geworden sind, hat sich diese Formel in den Köpfen vieler Konsumenten eingebrannt, wie ein heisses Eisen in einen texanischen Pferdehintern. Dass das Bild vom teuren Biowein so gar nicht mehr stimmt, ist auch in Flaschentesters Trinklabor mehrmals klargestellt worden.

Selbst die meisten Grossverteiler scheinen den Ruf nach geniess- und bezahlbaren Bioweinen schon länger erhört zu haben. Ihr wollt Beweise: Vor kurzem stolpere ich in Basel über einen sehr trinkbaren Franzosen. Der Preis erstaunt, der Geschmack ebenfalls. Zurück in der Ostschweizer Metropole mache ich mich auf den Weg zum Coop-City. Und da steht er sogar im Regal, der Pech-Latt. Es ist ein niedliches, kleines Fläschchen. Auf der Kapsel der Naturaplan-Schriftzug. Der Preis ist ebenfalls klein. Sehr klein sogar. Gerade mal Fünf-Fünfundneunzig kostet das Kleinflaschenformat des Bio-Franzosen. Meinen Geldbeutel freut’s. Schliesslich kann auch Flaschentester nicht jeden Tag teures französisches Gesöff in die Einkaufstüte packen.

Château Pech-Latt

Das Weingut gehört bereits seit Anfang der 90er Jahre zum Kreis der Südfranzösischen Bio-Betriebe. Die Umstellung auf Öko erfolgte unter der Regie des legendären Winzerführers Jean Vialade. Kurze Zeit später übernahm der damals noch junge Önologe Philippe Matthias die Führung und baute das Gut zu einer grossen und modernen Produktionsstätte aus. Eine Finanzspritze des burgundischen Winzers Louis Max ermöglichte zudem die Modernisierung des Kellers. Von da an ging’s weiter bergauf.

Jean Vialade

Bio-Attitüde im Gesicht? Jean Vialade.

Wir befinden uns in den Corbières. Das Gebiet, welches zum Languedoc gehört, erzeugt unterdessen etwa ein Prozent der Gesamtproduktion Frankreichs. Die Weine hier werden besser und besser. Es ist eines der aufstrebenden Gebiete des Landes. Die Weinberge des Guts liegen direkt am Fuss des Berges Alaric. Die Trauben werden von Hand gelesen. Für die Rotweine wird nur voll ausgereiftes Lesegut verarbeitet. So weit der Werbetext. Klingt gut. Mal sehen, ob sich das in der Qualität niederschlägt.

Der Pech-Latt ist eine Rotwein-Cuvée aus Carignan, Grenache und Syrah. Nachdem ich eingeschenkt habe, nehme ich einen ersten Schluck. Bah! Viel zu warm, das Ding muss sofort nach draussen, in den Naturkühlschrank. So viel Bio muss sein. Schliesslich ist es Winter, und Flaschentesters Balkon bietet die ideale Umgebung um den Roten schnell einige Grade runterzukühlen. Dekantiert habe ich den Wein nicht. Ist auch nicht nötig. Der Franzose ist entkorkt sofort trinkbereit. Schön. Einige Minuten vergehen. Zweiter Versuch: Ja, jetzt ist er temperaturmässig da wo er sein soll. Rubinrot liegt er im Glas, mit violetten Reflexen am Rand und farblich sehr dicht im Zentrum. Ich vermute mal das Grenache vor allem als Farbgeber beigegeben worden ist. Hauptzutat ist und bleibt regionstypisch Carignan.

Die Nase ist unglaublich intensiv. So unglaublich, dass sich der Duft weit über das Glas hinaus im Raum entfaltet. Es ist vor allem Cassis, aber auch enorm schwere, süssliche Noten von Pflaumen, dunklen Beeren, dann Teer, Vanille und Erde die sich zu einem olfaktorischen Erlebnis vermengen. Leider verflüchtigt sich das Bouquet kurz nach Flaschenöffnung merklich. Schade.

Philippe Matthias

Philippe Matthias.

Auch im Mund gefällt der Bio-Wein. Trotz mittelgewichtigem Körper schmeckt der Rotwein vollmundig. Ein Kräuterszenario drängt sich nach vorne: Waldpilze, Rosmarin und Moos kann ich erkennen. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, der Nachhall dann etwas kühl, auch etwas sauer und ein ganz klein wenig sperrig – holzig. Die Tannine sind noch deutlich vorhanden. Der relativ hohe Alkoholgehalt von vierzehn Prozent macht sich überraschenderweise nicht weiter negativ bemerkbar. Weder trübt er den Gesamteindruck, noch den nächsten Morgen.

Der Südfranzose zeigt einmal mehr zwei Dinge auf: Erstens muss Bio-Wein nicht teuer sein, zweitens kriegt man auch zu diesem Preis einen schönen Rotwein ins Glas, der durch Charakter und Individualität besticht. Das Preis-Leistungsverhältnis ist ausserordentlich, der Wein übrigens auch für Veganer geeignet. Ich gebe 17 Punkte. J’ai fini.

Pech-Latt

Punkte: 17/20
Passt zu: Eintöpfen, herzhaften Fleischgerichten
Preis: Fr. 10.90

Den Pech-Latt Grande Réserve gibt’s bei Coop, andere Flaschen desselben Winzers zum Beispiel bei Probiowein/Deutschland.

 

 

 

 

P.S. Auf der Flasche steht „Enthält Sulfite“. Erst vor kurzem flatterte einigen Bio-Jüngern deswegen scheinbar recht heftig das Nervengewand. Bio-Wein und Schwefel! Das geht gar nicht! – Doch, doch das geht. Denn auch bei Bio-Weinen kommt dieser zum Einsatz. Denn Schwefel macht Wein haltbar. Und dafür gibt’s bis heute keinen adäquaten Ersatz. Zwar enthalten Bio-Weine meistens viel geringere Mengen an Sulfit – üblicherweise höchstens zwei Drittel der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmenge – dennoch kommen auch diese nicht ohne den wichtigen Zusatzstoff aus. Punkt.

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5 Kommentare zu “Was zu pechern: Château Pech-Latt, Grande Réserve, Corbières 2012

  1. Vielen Dank für diesen Tipp und den Link zur Bezugsquelle vor allem! Ich fing schon an ob dieser Beschreibung auf der Tastatur zu sabbern, mit Verlaub gesagt. Und ich bestätige das mit den Sulfiten: Mein Lieblingswinzer ist Demeter zertifiziert und verarbeitet ebenfalls Sulfite, wenn auch in geringer Konzentration (weshalb ein Biowein auch nicht zwei Wochen offen im Kühlschrank gelagert werde sollte, 4-5 Tage ist das höchste, danach sind mir die meisten gekippt und als Kochwein verendet). Die geringe Menge an Sulfite mag allerdings dazu beitragen, dass ein zuviel an Wein (was auch mal an der Tagesform liegen kann) besser verarbeitet wird und kein Katzenjammer entsteht.

  2. Naja, der Wein ist überhaupt kein Hit. Süsslich-sauer ohne Körper, das ist mein Fazit. Aber über Geschmäcker soll man nicht streiten. Ich werde jedoch weiter Ihren blog lesen. Vielen Dank dafür.

  3. Also ich kann mir erlich nicht vorstellen das einem Pech Latt, eigentlich fast egal welche Jahrgang nicht schmeckt. Ich verkaufe die Weine von Pech Latt an Weinkenner und Weineinsteiger in nicht geringen Mengen. Da Geschmack persönlich ist und man über Geschmack nicht streiten kann würde ich jedem empfehlen Pech Latt selbst zu verkosten.

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