Flaschentester

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Griechischer Bordeaux !? – Nomis 2007

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Griechenland sitzt in der Krise: Die Arbeitslosenquote steigt, das Rentenalter auch. Sozialleistungen werden gekürzt, und Angela sammelt auf ihren Vermittlungsreisen fleissig Bonusmeilen. Da hilft jeder Schweizer Franken, der nach Athen geht. Als Gegenleistung möchte ich keine Euro-Bonds, Staatsanleihen, oder sonstwelches Klopapier. Nein danke. Mein persönliches Programm für Griechenland heisst vielmehr: Wein für Geld.

Wie ich kürzlich bereits getwittert habe, bin ich scheinbar nicht der Einzige, der Griechenland aus der Krise helfen will. Weine aus dem Land der ehemaligen Fussball-Europameister wird immer beliebter. In den Regalen St. Galler Weinhandlungen muss man sich trotzdem gut umsehen, um eine griechische Flasche entdecken zu können. Auf Nachfrage zeigt man mir schliesslich bei Mövenpick eine Auswahl an verfügbaren griechischen Rotweinen. Ich entscheide mich für einen Nomis aus dem griechischen Traditionshaus Tsantalis.

Ohne grosse Erwartungen öffne ich an einem Dienstagabend die Flasche, welche nun schon seit Dezember in meinem kühlen Büro rumsteht. Eigentlich wollte ich sie schon bei einigen anderen passenden Gelegenheiten öffnen. Nun, ist’s halt ein unspektakulärer Feierabend vor der Flimmerkiste. Auch gut.

Griechenland 2

Der Wein wird aus Shiraz und der autochthonen, also regionstypischen Sorte Mavroudi vinifiziert. Der Ausbau findet während sechs Monaten in französischen Eichenfässern statt. Die Lagerfähigkeit wird von Mövenpick mit 2018 angegeben. Nachdem ich die Kapsel entfernt habe, schenke ich ein. Farblich erscheint der Rotwein in einem leuchtenden Purpur. Ich stecke mein Riechorgan ins Glas. Ah, Beeren, Pflaumen, Rosinen, schön. Ich schwenke das Glas, die schwereren Aromen entfalten sich. Was? Nein. Rieche ich richtig? Hm? Na, brat mir einer einen Storch. Hat da jemand einen jungen Bordeaux in eine griechische Flasche abgefüllt? Unglaublich! Nochmals riechen, und nochmals. Es ist immer noch- unfassbar, das Bouquet kommt so was von bordelesque rüber. Es ist diese Terrain-typische Mischung aus Frucht, Würze, Holz und der Keller-Modrigkeit, die so viele Bordeaux im Bouquet unverkennbar zur Geltung bringen. Keine Ahnung, ob’s an den verwendeten 300l-Fässern liegt. An den Trauben kann es jedenfalls nicht liegen. Shiraz und Mavroudi sind bekanntermassen alles andere als Bordeaux-typisch.

Etwas perplex nehme ich sofort einen Schluck. Au backe, ist der lecker. Der erste Eindruck überzeugt mich vollends. Auch der zweite enttäuscht nicht. Da schwingen wunderschöne Aromen von dunklen Beeren, Zimt, Holz, Tabak und Pflaumen im Mund. Eine wahre Symphonie von Geschmäckern. Der Körper ist kräftig, etwas herb, aber mit weichen Tanninen und deutlicher, aber nicht störender Säure. Der Abgang bringt etwas Süsse, aber vor allem eine mit Erdtönen gepaarte Würze. Ich mag den Wein. Er hat Charakter, er hat Ecken und Kanten. Trotzdem attestiere ich dem Griechen Raffinesse und Charme. Er nimmt sofort ein. Auch ohne passendes Essen kann man ihn geniessen. Ich bin mehr als positiv überrascht. Um so besser, dass Mövenpick ihn gerade zum Aktionspreis anbietet. Da kann man nicht meckern. Ein südeuropäisches Schnäppchen für Fr. 12.90. Toll! Ich bin begeistert und gebe 17 Punkte.

Nomis 2007

Punkte: 17/20
Passt zu: Fleischgerichten (gegrillt, gebraten, mit dunklen Saucen)
Preis: momentan Fr. 12.90 statt 18.50

Kaufen kann man den Nomis hier

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