Flaschentester

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Mach mal Dampf!

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Kochen, Braten, Grillen, Blanchieren, Frittieren, Pochieren, Sautieren, Schmoren. Die Liste der möglichen Zubereitungsarten ist lang. Eine Methode ist dabei besonders schonend und bringt den Eigengeschmack des Zubereiteten unglaublich schön zur Geltung: Das Garen. Da auch der Spassfaktor nicht zu kurz kommt – schliesslich darf man die Zutaten nicht nur garen, sondern auch einpacken -, bin ich schon seit längerer Zeit ein begeisterter Anwender dieser sanften Zubereitungart. Schuld daran ist ein Buch. Es trägt den Titel Eingepackt & sanft gegart. Geschrieben hat es Sandra Mahut.

Ja richtig, heute geht es also einmal nicht um Wein, sondern um’s Kochen. Eigentlich war ich ja auf der Suche nach einem Weinratgeber, als ich im Rösslitor ein Kochbuch entdecke. Beim Durchblättern fallen mir vor allem die schönen Abbildungen der darin enthaltenen Rezepte auf. Sie sind das Werk der französischen Fotografin Nathalie Carnet. Bereits das Titelbild ist ein Eyecatcher. Da liegen nämlich verschiedene Gemüse in Pergament eingepackt auf einem Backblech. Das mit dem Einpacken hat mich schon immer interessiert. Es sieht schön aus, hat etwas Überraschendes und verlangt ein wenig Aktivität vom Gast. Mein Interesse ist geweckt. Sowas will ich auch zubereiten können.

Das Buch erschien 2012 beim deutschen Christian-Verlag. Barbara Holle hat es aus dem Französischen übersetzt. Nach einem kurzen Vorwort wird der Leser von der Autorin in die Technik des Faltens und des Garens eingeführt. Die Methode ist denkbar einfach: Ein feuerfestes Papier wird mit Öl bepinselt, alle Zutaten, inklusive Gewürze darauf gelegt, Flüssigkeit (Bouillon, Wein, Jus) darübergegeben, das Papier samt Inhalt zu einem geschlossenen Päckchen gefaltet und im vorgeheizten Ofen sanft gegart. Alle erforderlichen Materialien werden von Mahut detailliert vorgestellt. Dann erhält man kurze aber völlig ausreichende Erklärungen zu den verschiedenen Päckchenarten und Falttechniken. Die Illustrationen auf der gegenüberliegenden Seite räumen dann – wie auch später bei den Rezepten – letzte Unklarheiten aus. Noch kurz nachgelesen, welche Flüssigkeiten in die Päckchen kommen und bei welcher Temperatur der Herd arbeiten soll und schon kann’s losgehen.

Kochpapier

Mein Pergament-Ersatz: Tangan Nr. 35 Kochpapier aus der Migros

Zugegeben, erst war ich ein wenig skeptisch. Ein Kochbuch mit schönen Bildern und ziemlich kurz gehaltenen Rezepten, kann das gut gehen? Mittlerweile sehe ich genau darin die Stärke dieses Buches. Aufgrund der Illustrationen kann ich schonmal optisch eine Vorauswahl treffen. So nach dem Motto: Worauf habe ich denn heute Lust? Da die Zubereitungsmethode eigentlich für alle Rezepte diesselbe ist, können logischerweise auch die Erklärungen jeweils kurz gehalten werden.

In der Zwischenzeit habe ich mich bereits durch etwas die Hälfte des Buches durchgegart. Nicht einmal wurde ich enttäuscht. Egal ob Fisch-, Fleisch- oder Gemüse, die Gerichte schmecken stets frisch, unverfälscht und herrlich intensiv. Voraussetzung sind – wie eigentlich immer beim Kochen – hochwertige Ausgangsprodukte. Einzig die Garzeiten mussten bei unserem Herd leicht nach unten korrigiert werden. Zusätzliche Pluspunkte: Die Optik der Speisen gefällt und den Gästen macht es Spass, einen Gang selbst auszupacken. Hier spielt der Überraschungseffekt eine grosse Rolle. Man kann schon fast von Event-Essen sprechen. Natürlich kann man die Gerichte auch einfach auf einem Teller und nicht im Päckli servieren. Sehr schön sind zudem die passenden Saucenrezepte und die im Kapitel Extras & Desserts aufgeführten Würzmischungen und aromatisierten Butter. Einzig die Desserts konnten in der Praxis nicht ganz überzeugen. Vielleicht liegt’s daran, dass ich kein grosser Freund von warmen Früchten bin.

Die Gemüserezepte machen ungefähr einen Viertel aller Gerichte aus. Das Buch ist also bedingt auch für Vegetarier geeignet. Die Zubereitungsmethode sowieso. Kann man doch so ziemlich alles in Pergament einwickeln und garen. Auch das Register überzeugt. Es bietet nämlich zusätzlich eine Zusammenstellung der Rezepte nach Hauptzutaten. Möchte ich zum Beispiel eine Tomatenspeise zubereiten, finde ich so gleich 16 verschiedene Vorschläge zu Gerichten mit Tomaten. Sehr schön!

Fazit: Bei Eingepackt & sanft gegart handelt es sich um ein äusserst schönes Kochbuch. Die Rezepte sind einfach nachzukochen, regen zu Eigenkreationen an und sind wunderschön illustriert. Inhaltlich werden Fisch-, Fleisch- Gemüse- und Dessertrezepte geboten, wobei für mich vor allem die Fischgerichte das Highlight darstellen. Ausserdem findet man sehr leckere Vorschläge für Saucen, Gewürzmischungen und Butter in allen Varianten; von traditionell bis asiatisch, von würzig bis süss. Voraussetzung für ein gutes Gelingen sind einmal Kochpapier, eventuell auch Küchenschnur, und vor allem hochwertige und frische Zutaten. Die optimale Anpassung der Garzeiten erfordert ein wenig Erfahrung. Nach zwei, drei Gerichten hat man den Dreh aber spätestens raus.

Selten habe ich so schnell, so gute Gerichte auf den Tisch zaubern können. Ich gebe 20 Punkte.

Eingepackt-und-sanft-gegart

Punkte: 20/20
Passt zu: Experimentierfreudigen Hobbyköchen, Fischliebhabern, Vegetariern
Preis: Fr. 29.90

  • ISBN-10: 3-86244-125-3
  • EAN: 9783862441259
  • Erscheinungstermin: 16.02.2012
  • Verlag: Christian
  • Einband: Taschenbuch
  • Erhältlich im Rösslitor
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