Flaschentester

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Primitivo, Selezionato per Grands Vins Globus 2009

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Kampf dem Januarloch: Teil IV – In der Flimmerkiste läuft endlich mal was Gescheites. Lilyhammer heisst die neue Serie. In dieser tritt Steven Van Zandt, seines Zeichens Gitarrist der E-Street Band, erneut – nach seinem Schauspiel-Debut bei den Sopranos – als Klischee-Mafioso in Erscheinung. Diesmal sogar in der Hauptrolle. Schauplatz ist die ehemalige Olympiastadt Lillehammer. Alles dreht sich also um einen Italiener im Schnee. Das gefällt mir. Nach der Fondue-Exkursion vom letzten Mal, gibt’s darum heute auch eine Bolognese, dazu einen Primitivo. Irgendwie muss man schliesslich auch im verschneiten Jänner ab und zu für etwas südeuropäisches Flair sorgen.

Wir nähern uns langsam aber stetig dem Ende des Monats. Trotzdem bleibe ich auch heute meiner Budgetlinie treu und mache mich auf die Suche nach einem vernünftigen Wein unter zehn Franken. Fündig werde ich im Globus. An einem Donnerstag – es ist Abendverkauf – zwänge ich mich in den kleinen Weinkeller. Da treffe ich auf einen freundlichen Verkäufer und vier weitere Kunden. Es wird eng. Meine Augen schweifen über die Regale. Fast greife ich mir eine Flasche vom herrlichen Quercegobbe. Ein paar Regale weiter finde ich einen Rieussec. Ich meine es war ein 2005er. Ein herrlicher Jahrgang. Die Versuchung ist bei beiden gross.

Zuunterst in den Regalen stehen die billigsten Flaschen. Wie könnte es auch anders sein. Im Regal mit den Italienern sehe ich einen Salice Salentino und eben den Primitivo. Beide kosten gleich viel. Ich entscheide mich für letzteren.

Lilyhammer

Steven van Zandt: Ein Gitarrist spielt Mafia.

Die Flasche fällt auf: Das Design der Etikette erinnert mich ein wenig an die Hefte meiner Grundschulzeit und der Korken ist mit Wachs versiegelt. Sehr speziell. Der Wein ist nur bei Globus erhältlich. Beim vorliegenden Primitivo handelt es sich nämlich um eine Sonderselektion der Brüder Zanolari bzw. ihres Vertriebs Plozza Vini. Die Zanolaris sind eigentlich bekannt für ihre Weine aus dem Veltlin. Der Primitivo stammt aber aus Apulien, also Süditalien. Es handelt sich um einen 2009er. Übrigens ein sehr guter Jahrgang.

Die Bolognese köchelt schon seit zwei Stunden vor sich hin, die Pasta ist ebenfalls fertig.  Der Primitivo, übrigens ein Synonym für Zinfandel, steht bereit. Dekantiert habe ich ihn nicht. Ich schenke ein. Das Essen kann beginnen. Währenddem Steven Van Zandt alias Frank Tagliano in Schneeschuhen über den Schirm stapft, halte ich mein Riechorgan ins Glas: Es riecht erstmal würzig und auch fruchtig. Ich erkenne Paprika, Nelke, Anis, Pfeffer und Sprit, Johannisbeeren und einen fast schon aufdringlichen Barrique-Ton.

Was kann man von einem Neunfrankenneunzig-Wein erwarten, frage ich mich. Nach dem ersten Schluck ist klar: Ziemlich viel.

Ähnlich wie beim Molino, werde ich auch vom Primitivo positiv überrascht. Der Rotwein schmeckt auf Anhieb. Der Italiener ist durchaus vielschichtig. Der Körper hat Saft und ist elegant. Er wirkt nicht hart, nicht sauer, nicht trocken. Es ist ein zarter, feiner und fruchtiger Wein, der zugleich würzige Komponenten integriert. Der Abgang ist ebenfalls sehr interessant. Weich, harmonisch und lange sind hier die passenden Attribute. Der Wein ist zudem süffig und verleidet nicht. Nach einem Teller Pasta trinke ich noch zwei weitere Gläser. Das könnte den ganzen Abend so weiter gehen, das mit dem Trinken. Aber am nächsten Tag muss ich früh raus. Darum wandert die halbvolle Flasche auch in den Kühlschrank. Schade.

Der Primitivo der Brüder Zanolari ist ein grundsolider Wert. Für Fr. 9.90 kriegt man wirklich einen mehr als ordentlichen Wein ins Glas. Wer auf der Suche nach einem Italiener zu Pasta, Pizza oder italienischen Fleischgerichten ist, aber nicht zu viel Bares auf die Theke legen möchte, sollte zugreifen. Ich gebe verdiente 16 Punkte.

Primitivo, Selezionato per Grands Vins Globus 2009

Punkte: 16/20
Passt zu: Pasta, Pizza, Osso bucco
Preis: Fr. 9.90

Kaufen kann man den Primitivo hier

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