Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen

Glühwein, Glühwein, überall

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Für den Beginn der Glühweinzeit gibt es einige eindeutige Indizien: Das Thermometer sinkt schon mal unter die Nullgradgrenze, die fleissigen Stadtangestellten bringen die Strom sparende, aber sauteure Weihnachtsbeleuchtung an, fleissige Händler und Gastronomen bauen rund um den Martkplatz rustikal-weihnachtliche Stände auf, und reiben sich die Hände nicht nur aufgrund der winterlichen Temperaturen.

Ist es nicht schön, mit einem Glas Punch oder Glühwein in weihnachtlicher Glücksseligkeit durch die Stadt zu schlendern? Immer wieder am Pappbecher nippend, sorglos und zufrieden. Über die Güte der angebotenen Getränke lässt sich natürlich streiten. Über die Preisgestaltung der Standbetreiber meistens nicht. Der angebotene Fusel ist oft unverhätlnismässig teuer. Zum Trost: Mit Glühwein verhält es sich fast wie mit jedem alkoholischen Getränk: Je mehr man trinkt, desto weniger qualitäts- und preissensibel wird man.

Ich gehöre ja zu den Menschen, die gerne ordentliche Produkte essen und trinken. Alles andere habe ich während meiner Studienzeit als Angestellter einer grossen Fastfoodkette hautnah erleben dürfen. – Darum höre ich seither auch auf meine Mama. Wie sie oft zu sagen pflegt: Selbst gemacht ist immer noch am besten. Gerade bei Glühwein. Darum wird heute auch keine Flasche getestet, sondern selbst was hergestellt. Yes, sir! Flaschentester begibt sich in die Küche.

Bevor ich mir aber die Küchenschürze umbinde, mache ich mich noch ein wenig über den geschichtlichen Hintergrund von Glühwein schlau. Schliesslich möchte man nicht nur kochen, sondern dabei auch seinen Horizont erweitern 😉

Also:

Erfunden haben den Glühwein – wie könnte es auch anders sein – die Römer. Das war vor ca. 2’000 Jahren. Gewürzten Wein kannten zwar auch schon die alten Griechen, die Römer haben die bekannten Rezepturen jedoch massiv verfeinert.

Das Kochbuch des Apicius gilt als erste schriftliche Quelle, in welcher Glühwein erwähnt wird. Motiviert wurde das antike Glühweinköcheln folgendermassen: Man wollte den sauren Wein trinkbarer machen und gleichzeitig die Haltbarkeit erhöhen. Der Einsatz von Schwefel zu diesem Zweck wurde nämlich erst Anfang des 16. Jahrhunderts Standard. Bis dahin musste vor allem Zucker oder Honig als Haltbarkeitsmacher herhalten. Zurück zu Apicius‘ Rezept: Hier wird der Wein durch den Einsatz verschiedener Gewürze wie Nelken, Zimt, Lorbeer, Koriander, Thymian, Muskat, Macis und Piment veredelt. Der Einsatz von Gewürzen zur Herstellung eines Getränks war zudem pure Aufschneiderei. Nelken, Zimt & Co. waren zu jener Zeit exorbitant teuer. Im Mittelalter galt der gewürzte Wein dann als medizinische Wunderwaffe. Der Grund dafür sind vor allem die darin enthaltenen ätherischen Öle. Nelken beispielsweise wirken verdauungsfördernd und antibakteriell, Kardamom hingegen appetitanregend. Zimt kurbelt die Verdauung an, wirkt gegen Völlegefühl und stärkt das Immunsystem. Zudem wird ihm eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt.

Römer hin, Griechen her: Bei mir kommen folgende Zutaten in den Topf: Brauner Kandiszucker, Sternanis, Rotwein, Zimtstangen, Orangen, Rum, Gewürznelken.

Klingt ja alles schön und gut, aber wie braue ich im Jahr 2012 einen vernünftigen Glühwein zusammen? Schau’n wir mal in mein Rezeptbuch. Du brauchst:

1 Flasche Rotwein (z.B. Pinot Noir)
100 ml Rum
2 Orangen, saftige, ungespritzt, in Scheiben geschnitten
2 Orangen, davon der Saft
3 Nelken
2 Stangen Zimt
1 Sternanis
75 – 125g Kandiszucker, nach Belieben (man kann natürlich auch weissen Zucker verwenden)

(wer möchte, kann auch noch ein wenig Vanille dazugeben)

Zubereitung:

Den Rotwein, die Gewürze, die Orangenscheiben und den Orangensaft in einen Topf geben und bei niedriger Stufe langsam erhitzen. Die Mischung darf nicht kochen, da sonst wichtige Aromen verdampfen. Den Rum und den Zucker hinzugeben und auf kleiner Hitze ca. eine Stunde weiterköcheln lassen. Die Flüssigkeit durch ein Sieb seihen und in Flaschen abfüllen. Der Glühwein hält sich bis zu zwei Monate.

So, jetzt aber raus in den Schnee!

Prost

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