Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen

Böckser, Mäuseln & Co.

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Schon erlebt? Man öffnet eine Flasche, schenkt ein, nimmt einen Schluck und sucht sofort eine Gelegenheit auszuspucken. So ähnlich ging es mir kürzlich bei einer todesmutigen Verkostung von Weinen aus dem Keller meiner Erzeuger.

Konkret öffnete ich einige Château-Neuf-Du-Papes – ist das der korrekte Plural? – aus den 70ern. Sie wurden schlecht gelagert, hatten ihren Zenit schon mindestens ein Jahrzehnt überschritten, kosteten sicher nicht die Welt und schmeckten darum gelinde gesagt auch wie eine Mischung aus Essig, Hustensirup, Spülwasser und Kaffeesatz. Spass gemacht hat’s trotzdem. Schliesslich hätte sich ja ein Jahrhundertwein hinter einem unleserlichen Etikett verstecken können. Weil ich aber keinen einzigen, trinkbaren Traubensaft gefunden hatte, fragte ich mich beim Entkorken der staubigen Flaschen mehr und mehr: Wieso wird Wein eigentlich schlecht?

Der Frage möchte ich heute auf dem Grund gehen. – Ich werfe mir mein imaginäres Sherlock-Cape um, poliere meine Lupe und mache mich auf die Suche nach Antworten. Die Eigenleistung liegt dabei vor allem im Zusammentragen der Informationen*. Nicht, dass einer denkt, ich mache hier einen auf Experten. Aus mir spricht – nach wie vor – der Dilettant.

Fehler Was heisst das genau?
Braunwerden Färbung der Extraktstoffe durch Einwirkung eines Enzyms bei Berührung mit Luft.
Bruch Ein Niederschlag im Wein, Eisenverbindungen, die sich durch Berührung des Weines mit Eisenteilen bilden.
Böckser Der Wein riecht schwach nach faulen Eiern. Meistens durch unsachgemässes Schwefeln der Fässer hervorgerufen.
Essigstich Essigsaure Bakterien wandeln den Alkohol in Essigsäure um. Unsauberkeit, zu warme Lagerung und nicht völlig gefüllte Fässer begünstigen den Verderb.
Fasston Der Wein riecht und schmeckt modrig, nach feuchter Erde oder sogar schimmlig. Dieser Weinfehler kann entstehen, wenn das verwendete Fass vor der Befüllung nicht sorgfältig gereinigt wurde und sich dort Schimmelpilze angesiedelt haben.
Füllstand Bei älteren Weinen sollte man auf den Füllstand der Flasche achten. Manchmal sind die Flaschen nicht mehr ganz voll. Der Füllstand ist bei sehr alten Weinen ein wichtiges Kriterium, das auch den Preis bestimmt. Bei Weinen, die jünger als 15 Jahre sind, dürfte das allerdings nicht vorkommen. Es ist dann ein deutliches Warnsignal, dass der Wein wohl nur noch mit Einschränkung geniessbar ist.
Kahmig Kahmig gewordener Wein zeigt auf der Oberfläche weissgraue Flecken, die Kahmhefe.
Korkschmecker Der Korkfehler macht weder vor Rot-, noch vor Weiss-, oder Roséwein halt. Auch edelsüsser Wein und Schaumwein können betroffen sein. Von aussen ist nicht zu erkennen, ob ein Wein betroffen ist oder nicht. Erst wenn die Flasche geöffnet wird, stellt sich heraus, ob der Wein fehlerhaft ist oder nicht. Der Korkton ist in der Nase zu erkennen, denn der Wein riecht muffig. Auch der Geschmack des Weines ist vom sogenannten Korkschmecker überlagert. Häufig zeigt sich der Korkton noch nicht in der Nase, sondern erst im Mund.
Mercaptan Wenn ein Wein nach faulen Eiern, Knoblauch oder Blumenkohl riecht, kann man sich relativ sicher sein, dass ein Weinfehler mit der Bezeichnung Mercaptan vorliegt. Ausgelöst wird dieser Weingehler durch Hydrogensulfit, dass durch bestimmte Hefen und Fungizide entstehen kann, aber auch durch zu warme Gärung.
Mäuseln Das Mäuseln ist kein eindeutiger Weinfehler, sondern ein durch bestimmte Hefen hervorgerufener Ton, der dem Wein einen Geruch verleiht, der an Kuhstall oder Jauche denken lässt. Dieses Phänomen ist fast ausschliesslich bei Rotweinen zu finden.
Oxidation Wird eine Flasche frisch geöffnet und der Wein erscheint dennoch unfrisch, schal und irgendwie ranzig, dann liegt höchstwahrscheinlich eine Oxidation vor. Verursacht wird dieser Weinfehler durch unzureichende Schwefelung, so dass bestimmte Aromen im Wein vom Sauerstoff oxidiert werden. Dies kann zwar auch bei jungen Weinen auftreten, ist aber eher bei alten Weinen zu finden.
Schimmel Schon vor dem Öffnen der Flasche sollte man sich den Korken ansehen. Schimmel am Korken kommt häufig vor, ist jedoch kein Grund zur Sorge.
Schwefel Riecht ein Wein nach Streichhölzern und irgendwie stechend, wurde er vermutlich überschwefelt. Solcher Wein ist leider nicht mehr zu retten.
Weinstein Oft erlebt man, dass in der Flasche oder im Glas kleine, durchsichtige Kristalle zu Boden fallen. Hier handelt es sich um Weinstein. Dieser beeinträchtigt den Wein geschmacklich in keiner Weise.

Die Fehlerquellen kennen wir jetzt. Was macht man aber, wenn ein solcher Wein aufgetischt wird?

  • Im Restau­rant: Gib‘ ihn zurück (…und nicht erst nachdem du die halbe Flasche ausgebechert hast!)
  • Beim Weinhändler: Höflich fragen. Beim Umtausch handelt es sich schliesslich um reine Kulanz des Verkäufers.

Wieder was gelernt. Bis bald!

Euer Flaschentester

 

*Quellen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7

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