Flaschentester

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Frauenpower: Château Thieuley Bordeaux blanc

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Thieuley blancJa, ja, schon klar: Der Thieuley blanc der Geschwister Courselle ist für viele bestimmt ein alter Hut. Aber wie das mit alten Hüten manchmal so ist: Einmal in Form gebracht, zieht man sie immer wieder gerne an. Obwohl ich kein ausgesprochener Hutträger bin, geht es mir so oder so ähnlich mit dem Thieuley blanc.

Schwander bietet ihn an, in Artikeln der NZZ konnte man den Franzosen schon mehrmals finden und auch im Hotel Säntispark steht er auf der Weinkarte. Der Weisswein von Sylvie und Marie ist beliebt. Und das zu Recht.

Es war im Jahr 1972, als Vater Francis Château Thieuley übernommen hat. Das Weingut liegt zwischen Créon und La Sauve im Entre-Deux-Mers. Unter Francis‘ Führung vergrösserte sich das Weingut von vier auf 80 Hektare. Heute gehören dazu insgesamt drei Liegenschaften samt Parzellen: Château Thieuley, Clos Sainte Anne und Château Saint Genès. Inzwischen führen Courselles Töchter, Marie und Sylvie, den Betrieb selbständig. Die Gutsbetreiberinnen bringen unter dem Label Château Thieuley jährlich 382’000 Flaschen Rot-, Weiss- und Roséwein in den Vertrieb. Der Bordeaux blanc macht dabei mit 180’000 Abfüllungen knapp die Hälfte aus.

Aus ihren Produktionsmethoden machen die Courselles kein Geheimnis:

1. Skin contact form 12 to 24 hours
2. Pneumatic press under Nitrogen (new technology)
3. Cold settling and on lies for 8 days
4. Alcoholic fermentation in stainless steel tanks at low temperature (16°C to 18°C)
5. Ageing on lies for 3 months in tank.

Sehr sympathisch, diese Transparenz. Der Weisswein wird also nicht im Holzfass ausgebaut, sondern verbleibt im Stahltank. Basis und Erfolgsrezept für den Thieuley blanc ist aber vor allem die richtige Mischung aus Sauvignon blanc, Sauvignon gris und Sémillon.

Begleitet wird der Franzose heute von einem Japaner: Es gibt Sushi. Ich schenke ein. Im Glas erscheint er in hellem goldgelb. Das Bouquet duftet nach Karibik, Südsee, Exotik. Ich meine folgende Noten zu erkennen: Birne, Mango Ananas, Blüten, Holunder, Honig. Es riecht spannend! Im Mund dann ein schöner Säuregrad, gemischt mit der Fruchtigkeit der Nase. Der Wein ist leicht, verspielte Aromen machen sich breit. Man hat Sommer im Mund. Für alle, die Lust haben, sich mit Weisswein, den nächsten Juli herbeizutrinken, also der richtige Tropfen. Der Körper ist filigran aber nicht zerbrechlich, der Abgang ist von mittlerer Länge, aber ordentlich Breit. Da suchen sich alle Aromen nochmals ihren Weg durch Nase und Gaumen. Der Wein hat eine ganz eigene Note und somit einen hohen Wiedererkennungswert. Den gibt’s nicht zweimal, den Thieuley.

Sushi zum Thieuley

Maximal-Exotik zu Hause: Sushi und Thieuley blanc

Der Thieuley blanc ist ein frischer Weisswein, der Laune macht. Geschmacklich lässt er zum Beispiel Denners Château Bonnet meilenweit hinter sich. Da lohnt es sich, drei Franken mehr auf die Theke zu legen. Man kriegt schliesslich ne Menge Wein für wenig Bares. Für den Individualisten der Geschwister Courselle gebe ich stolze 18 Punkte. – Wer noch nie weissen Bordeaux probiert hat, sollte mit diesem beginnen.

Château Thieuley Bordeaux blanc 2010

Der Château Thieuley Bordeaux blanc ist hier erhältlich.

 

Punkte: 18/20
Passt zu: Apéro, Fisch, Meeresfrüchten
Preis: Fr. 12.80

 

 

 

 

P.S. Und für alle, welche Angst haben, sich ohne phonetische Starthilfe beim Weinhändler zu blamieren: Thieuley = Thi-Öö-Lää

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