Flaschentester

… schreibt über europäische Weine und verwandte Themen

So much love for Deidesheim

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Auf einer Radtour durchs schöne Vorarlberg werden wir letztes Jahr beinahe vom Blitz getroffen. Todesmutig trotzen wir den lokalen Naturgewalten und entdecken ein ursympathisches Lokal und seine Weine. – „Wie kommt er aber vom Vorarlberg nach Deidesheim in der Pfalz?“, wird sich mancher fragen. Etwa mit dem Radl? Nein, mit dem Gaumen liebe Freunde, mit dem Gaumen…

Die österreichische Nahtoderfahrung noch in jedem Nackenhaar spürend, verschlägt es uns in die nächst grössere Ortschaft. Total erschöpft und klatschnass machen wir in Feldkirch Halt. Nach langem hin und her ergattern wir eines der letzten freien Doppelzimmer in einem der Altstadthotels und machen uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Dem verzweifelten Durchwühlen von ortsansässigen Mülltonnen nahe, werden wir zufällig auf ein Lokal aufmerksam. Es ist klein und relativ unscheinbar. Sein Name ist St’ill. Ein Glückstreffer, wie sich schon kurz darauf herausstellt.

Klein und fein gibt es sich, das Restaurant an der Ill. Vornehme Zurückhaltung findet man auch beim Personal. Freundlich werden uns zwei Plätze angeboten. Die Angestellten bringen’s im Schnitt auf geschätzte 30 Lenze. Jung und frisch wirkt auch die Philosophie des Restaurants. Sie gefällt uns auf Anhieb. Ich sag‘ nur saisonal, regional, Bio. Sehr schön! Selbst die Weinkarte nimmt darauf Rücksicht. Kein Wein wird mehr als 500 km nach Feldkirch gekarrt; sagt mir meine Erinnerung. – Dass diese nicht immer die zuverlässigste ist, erwähnte ich woanders schon. – Doch zurück zum Thema: Der Weinkeller bietet ausschliesslich Bio-Weine. Dem Personal fliegt unser Vertrauen – quasi von Minute Null an – entgegen, und wir entscheiden uns für ein mehrgängiges Abendessen mit passender Weinbegleitung.

Zum Essen nur soviel: Es ist fantastisch, was uns geboten wird. Geschmacklich, optisch und preislich. Auch die Weine schmecken uns ausgesprochen gut. Ich frage daher am Ende des Abends, ob man uns die zu den einzelnen Gängen gepaarten Traubensäfte nochmals nennen könne. Wir kriegen umgehend eine handschriftliche Liste. Toll! Vielen Dank. Eine Name steht zuoberst: Reichsrat von Buhl.

Deidesheim

Der Innenhof des Deidesheimer Weinguts in der Pfalz

Und zwar der 2010er Riesling Kabinett. Armand heisst er. Zu Hause angekommen, bestelle ich euphorisch sofort zwölf Flaschen davon im deutschen Deidesheim. Schliesslich entkommt man nicht jeden Tag den Launen der Natur. – Das war vor einem Jahr. Der Kabinett hat mich aber auch zu Hause nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Der Riesling passt zum Beispiel hervorragend zu würzigen, asiatischen Gerichten. Ein paar Monate später – Verzollungskosten hin oder her – gönne ich mir zusätzlich noch eine Kiste des halbtrockenen 2011er Rieslings namens Julie. Auch dieser ist jeden Cent wert. – Verdammt, die aus der Pfalz haben das echt drauf mit dem Riesling. Es handelt sich zwar nur um einen günstigeren Gutswein, aber auch dieser schmeckt mir sehr gut. Import und Verfügbarkeit hin oder her, Von Buhl ist klasse! „Ich muss unbedingt mal die Weine der Grossen Gewächse checken“, denk ich mir und schenke nochmals ein Glas vom Julie ein.

Schade gibt’s die Weine nicht bei uns zu kaufen. Der UPS möchte ich echt nicht noch mehr Kohle nachwerfen müssen! Aber nächsten Sommer geht’s nach Deutschland in den Urlaub. Garantiert. Und dann werden wir seh’n, wie viele Kisten Riesling ich in den guten, alten Skoda reinkriege. Vier oder fünf müsten’s schon sein, mindestens…

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